Medi Know
Logo Image

Nifedipin

13 Minuten Lesezeit

Nifedipin ist ein Calciumkanalblocker vom Dihydropyridin-Typ, der spannungsabhängige L-Typ-Calciumkanäle in der glatten Gefäßmuskulatur hemmt. Es resultiert eine ausgeprägte arterielle Vasodilatation mit Senkung des peripheren Widerstands und des Blutdrucks. Aufgrund der peripheren Vasodilatation kann es reflektorisch zu Tachykardie (Reflextachykardie) kommen.

Im notfallmedizinischen Kontext ist insbesondere die frühere sublinguale Gabe bei hypertensiven Krisen heute veraltet, da sie zu unkontrolliertem Blutdruckabfall sowie zerebraler oder myokardialer Minderperfusion führen kann. In der Akutsituation werden stattdessen titrierbare i.v.-Antihypertensiva wie Urapidil bevorzugt.

Nifedipin wird heute primär als Retardpräparat zur längerfristigen antihypertensiven Therapie eingesetzt. Wichtige Nebenwirkungen sind Hypotonie, Kopfschmerz, Flush, periphere Ödeme und Tachykardie.

Lernkarte Nifedipin

Wirkstoffklasse: Antihypertensiva, Calciumantagonist vom Dihydropyridin-Typ

Nifedipin
Etikett: Nifedipin
  • Hypertensive Krise ohne akute Endorganschäden
 Achtung

Kurz wirksames Nifedipin ist beim hypertensiven Notfall nicht empfohlen und sollte wegen des Risikos eines unkontrollierten Blutdruckabfalls vermieden werden.

  • Hypotonie
  • Hochgradige Aortenklappenstenose
  • Hypertrophe obstruktive Kardiomyopathie (HOCM)
  • Akutes Koronarsyndrom (ACS), instabile Angina pectoris
  • Akuter Myokardinfarkt (innerhalb der ersten 4 Wochen)
  • Schwangerschaft (vor der 20. SSW)
  • Erwachsene: 10–20  mg. p.o. (Retard bevorzugt, maximal 60 mg/Tag)
 Achtung

Die Blutdrucksenkung sollte unter laufender Blutdruckkontrolle stattfinden!

  • Sublinguale Gabe bei hypertensiver Krise veraltet aufgrund unkontrollierbarer und teils drastischer Blutdrucksenkung
  • Retardpräparate nicht zerkleinern oder öffnen → Gefahr einer abrupten Wirkstofffreisetzung mit Hypotonie
  • Reflexachykardie möglich durch ausgeprägte periphere Vasodilatation
  • Vorsicht bei koronarer Herzkrankheit (KHK) oder Aortenklappenstenose → Risiko einer myokardialen Minderperfusion bei rascher Blutdrucksenkung
  • Wirkeintritt: ca. 20–30  min 
  • Wirkdauer: ca. 2–3  Std
  • Metabolisierung: Cytochrom P450-Enzymsystem, insbesondere CYP3A4
  • Ausscheidung
    • Ausscheidung erfolgt hauptsächlich (60-80%) renal in Form von inaktiven Metaboliten
    • Ein kleinerer Teil wird über den Stuhl (fäkal) ausgeschieden
  • Nifedipin blockiert die L-Typ-Calciumkanäle der Gefäße (Calciumantagonist) → Vasodilatation an Widerstandsgefäßen (v. a. Arteriolen) und an Herzkranzgefäßen
    • Reflextachykardie möglich durch Barorezeptor-vermittelte Sympathikusaktivierung
    • Senkung der myokardialen Nachlast → Reduktion des kardialen Sauerstoffverbrauchs
    • Verbesserung der Koronardurchblutung durch Dilatation der Koronararterien (v. a. bei Vasospasmus)
  • Kein relevanter Einfluss auf Erregungsbildung und -leitung, im Gegensatz zu Calciumantagonisten vom Verapamil- oder Diltiazem-Typ
  • Wirkverstärkung bei gleichzeitiger Gabe von anderen blutdrucksenkenden Medikamenten  (ACE-Hemmer, Sartane, Betablocker, Diuretika, anderer Calciumantagonisten) und  CYP3A4-Inhibitoren (z.B. Makrolide, Azol-Antimykotika, Proteaseinhibitoren, Cimetidin, Fluoxetin, Diltiazem, Grapefruitsaft)
  • Wirkabschwächung bei gleichzeitiger Gabe von CYP3A4-Induktoren (z.B. Rifampicin, Carbamazepin)
  • Kopfschmerzen
  • Reflextachykardie (durch kompensatorische Sympathikusaktivierung)
  • Knöchelödeme
  • Flush
  • Koronares Steal-Phänomen
  • Selten Gingivahyperplasie
  • Lichtschutz: Nifedipin ist lichtempfindlich. Die Kapseln sollten bis zur Einnahme im Blister bleiben
  • Temperatur: Nicht über 30°C lagern
  • Vasodilatatoren
  • Pharmakologie des Herz-Kreislauf-Systems (RD)
  • ratiopharm GmbH: Fachinformation Nifedipin-ratiopharm® 20 mg Retardtabletten, Stand: Oktober 2020
  • S3-Leitlinie Nationale VersorgungsLeitlinie Hypertonie, NVL-Programm von BÄK, KBV, AWMF
  • Aktories K, Förstermann U, Hofmann FB, Flockerzi V (Hrsg.): Allgemeine und spezielle Pharmakologie und Toxikologie. Urban & Fischer Verlag/Elsevier GmbH, 13. Auflage, 2022. ISBN: 978-3-437-42622-3
  • Wanka V, Weiß S: Medikamente im Rettungsdienst. Georg Thieme Verlag, 2. Auflage, 2019. ISBN: 978-3-13-242824-9
Zuletzt aktualisiert am 20.02.2026
Natriumthiosulfat
Obidoxim
Deine Medizin-Lernplattform
Jetzt weiterlesen
Zugang zu diesem und über 800 weiteren leitlinienbasierten Artikeln, unserem einzigartigen medizinischen AI-Tutor und Quiz