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Obstipationsprophylaxe

JG
6 Minuten Lesezeit

Obstipation, häufig auch als Verstopfung bezeichnet, ist ein weit verbreitetes Problem, das durch eine erschwerte, seltene oder schmerzhafte Stuhlentleerung (<3 mal pro Woche), eine harte Stuhlkonsistenz und das Gefühl einer unvollständigen Stuhlentleerung gekennzeichnet ist. Dieser Zustand kann erhebliche Beschwerden verursachen und die Lebensqualität beeinträchtigen. Die Ursachen für eine Obstipation können vielfältig sein und reichen von unzureichender Ballaststoffzufuhr über Bewegungsmangel bis hin zu Nebenwirkungen von Medikamenten. Besonders betroffen sind Menschen, die wenig Flüssigkeit zu sich nehmen, eine überwiegend sitzende Tätigkeit ausüben oder regelmäßig Medikamente wie Opioide einnehmen, die die Darmtätigkeit verlangsamen können.

Zur Obstipationsprophylaxe ist es wichtig, eine ballaststoffreiche Ernährung mit ausreichend Vollkornprodukten, Obst und Gemüse zu fördern. Ebenso wichtig ist es, den Flüssigkeitshaushalt durch eine ausreichende tägliche Flüssigkeitszufuhr, vorzugsweise Wasser, aufrechtzuerhalten. Regelmäßige körperliche Aktivität fördert ebenfalls die Darmmotilität und kann dazu beitragen, die Häufigkeit von Verstopfung zu verringern. Darüber hinaus sollte bei der Einnahme von Medikamenten, die potenziell verstopfend wirken können, auf alternative Präparate oder begleitende Maßnahmen zur Stuhlregulierung geachtet werden. Durch die Umsetzung dieser präventiven Maßnahmen kann das Risiko einer Obstipation minimiert und das allgemeine Wohlbefinden verbessert werden.

Bristol Stool Scale

Ernährungsbedingte Risikofaktoren:

  • Niedrige Ballaststoffaufnahme
  • Unzureichende Flüssigkeitszufuhr
  • Ausreichende Ballaststoffaufnahme, aber unzureichende Flüssigkeitszufuhr
 Definition
Ballaststoffe

Ballaststoffe sind pflanzliche Bestandteile, die im menschlichen Dünndarm nicht verdaut werden können und weitestgehend unverändert in den Dickdarm gelangen. Sie sind vor allem in Vollkornprodukten, Obst, Gemüse, Hülsenfrüchten und Nüssen enthalten. Ballaststoffe spielen eine wichtige Rolle für die Verdauung und Gesundheit. Sie unterstützen die Darmfunktion und fördern ein lang anhaltendes Sättigungsgefühl.

Lebensstilbezogene Risikofaktoren:

  • Mangelnde körperliche Aktivität: Bewegungsmangel, Bettruhe, Immobilität verlangsamt den Transit des Darminhalts
  • Unterdrückung des Stuhldrangs: z.B. bei Schmerzen oder aus Gewohnheit

Psychologische Faktoren:

  • Stress und Angstzustände: Psychologischer Stress kann die normale Darmfunktion beeinträchtigen und zu Verstopfung führen

Medizinische Risikofaktoren:

  • Medikamenteneinnahme: Insbesondere Opioide, Eisenpräparate, einige Antidepressiva, Antiepileptika oder langfristiger Laxanziengebrauch
  • Schwangerschaft: Hormonelle Veränderungen und Druck des wachsenden Fetus können die Darmfunktion beeinträchtigen
  • Höheres Lebensalter: verminderte Darmmotilität
  • Bestimmte Vorerkrankungen: z.B. Diabetes mellitus, Hypothyreose und bestimmte neurologische Erkrankungen
  • Intoxikationen: z.B. Bleivergiftung

Sonstige Risikofaktoren:

  • Reise und Änderungen der Routine: Veränderungen im Tagesablauf oder der Umgebung können zu Obstipation führen
  • körperliche Schwäche: daraus kann eine schwache Bauchpresse und eine unzureichende Stuhlentleerung resultieren
  • Veränderte Darmflora im Alter: durch eine Veränderung des Bakterienmilieus sinkt die Darmmotilität
  • Individuelle Faktoren: Sehschwäche oder der Stuhldrang kann nicht kommuniziert werden

Die Einschätzung des Obstipationsrisikos ist ein wichtiger Schritt, um präventive Maßnahmen frühzeitig einleiten zu können. Hier sind einige konkrete Punkte, die bei der Anamnese zur Risikobeurteilung berücksichtigt werden sollten:

Ersteinschätzung:

  • Stuhlanamnese:
    • Frequenz
    • Konsistenz
    • Farbe
    • Schmerzen
    • Blut oder Schleim im Stuhl
    • Gefühl der unvollständigen Entleerung
    • Plötzliche Veränderung der Stuhlgewohnheiten
    • Was hilft in der Regel bei Obstipation
    • Welche Schritte hat die Person bereits selbst eingeleitet

Abklärung möglicher Risikofaktoren:

  • Ernährungsgewohnheiten: Erfassung der täglichen Nahrungsaufnahme sowie der Flüssigkeitszufuhr
  • Medikamentöse Therapie: Überprüfung des Medikamentenplans auf obstipierende Wirkstoffe (z.B. Opioide, Antidepressiva, Eisenpräparaten)
  • Körperliche Aktivität: Bewertung des täglichen Aktivitätsniveaus und Identifizierung von Bewegungsmangel
  • Chronische Erkrankungen: Bestehen Erkrankungen wie Diabetes mellitus, Hypothyreose oder neurologischen Störungen, die das Obstipationsrisiko erhöhen können
  • Lebensumstände: Berücksichtigung von Faktoren wie Alter, Schwangerschaft und psychischem Stress
  • Vorangegangene Darmoperationen
 Merke
Red Flags bei Obstipation

Red Flags bei Obstipation sind Symptome, die auf ernsthafte Grunderkrankungen hinweisen können und daher eine weitere Diagnostik erfordern. Hier ist eine kompakte Liste dieser Warnsignale:

  • Plötzlicher Beginn der Obstipation
  • Blut im Stuhl (frische Blutauflagerung oder schwarzer, teerartiger Stuhl)
  • Anämie
  • Unbeabsichtigter Gewichtsverlust  >10 %
  • Fieber
  • Vergrößerte Lymphknoten
  • Familienanamnese von Darmkrebs oder entzündlichen Darmerkrankungen
  • Bretthartes Abdomen
  • Paradoxe Diarrhoen: dünnflüssiger Stuhl nach langer Obstipation durch bakterielle Zersetzung von aufgestautem Stuhl (Hinweis auf eine Darmstenose)
RisikofaktorPräventive Maßnahme
Niedrige Ballaststoffaufnahme
  • Erhöhung der Ballaststoffzufuhr, z.B. durch mehr Vollkornprodukte, Obst und Gemüse
  • Patientenschulung über eine ausgewogene Ernährung
Unzureichende Flüssigkeitszufuhr
  • Sicherstellung einer ausreichenden Hydratation, z.B. durch regelmäßiges Trinken von Wasser und ungesüßten Tees
  • Infusion, wenn oral nicht möglich
Mangelnde körperliche Aktivität
  • Förderung regelmäßiger Bewegung, z. B. Frühmobilisation, Spaziergänge oder gezielte Übungen
  • Schulung in der Kolonmassage: leichter kreisender Druck entlang der Kolonrahmens von Colon ascendens über transversum zu descendens
Psychologischer Stress
  • Gespräch suchen, Einsatz von Entspannungstechniken und Stressmanagement-Methoden wie Meditation oder Biofeedback
  • Beim Toilettengang Intimsphäre wahren und Zeit lassen
  • Wenn möglich, Mobilisierung auf die Toilette und nicht auf die Bettpfanne
Medikamenteneinnahme
  • Abstimmung mit dem Arzt oder der Ärztin über mögliche Alternativen zu verstopfungsfördernden Medikamenten oder den Einsatz von Abführmitteln/Laxantien (z. B. Macrogol) bei Bedarf
Schwangerschaft
  • Anpassung der Ernährung und leichte Bewegungsübungen
Obstipierende Vorerkrankungen
  • Konsequente Behandlung der Grunderkrankung

Weitere präventive Maßnahmen

  • Ein Glas kaltes Wasser vor dem Frühstück
  • Ballaststoffreiche Kost (Vollkornbrot, faserreiches Gemüse wie Zwiebeln, Kohl, Sauerkraut, Obst mit Schale) ➜ Kann mit einer erhöhten Bildung von Darmgasen und Flatulenz einhergehen
  • Kaffee zum Frühstück
  • Bewegung nach dem Frühstück
  • Stuhlgewohnheiten pflegen (z. B. immer nach dem Frühstück zur Toilette gehen)
  • Kolonmassage: kleine kreisförmige Bewegungen entlang des Colon ascendens, transversum und descendens
  • Optimierte Position beim Stuhlgang (mit Hocker, leicht vorgebeugt) erleichtert die Stuhlentleerung
Optimale Position beim Stuhlgang
Eine optimierte Sitzposition erleichtert die Stuhlentleerung
 Tipp

Sowohl die Stuhlbeschaffenheit, die Stuhlmenge, die Konsistenz als auch die getroffenen Maßnahmen zur Optimierung der Stuhlbeschaffenheit sollten dokumentiert werden. Damit die Kolleg:innen die getroffenen Maßnahmen nachvollziehen können.

 Merke
Privatsphäre

Den Patient:innen muss immer genügend Privatsphäre gewährt werden. Ausscheidungen in einem voll belegten Zimmerauf einem Steckbecken im Bett zu verrichten, ist für viele sehr unangenehm und kann zur Unterdrückung des Stuhldranges führen. Wenn möglich, sollten Patient:innen immer ins Badezimmer gebracht werden, um einen geschützten Raum ihre Ausscheidungen verrichten zu können.

  • S2k-Leitlinie: Chronische Obstipation, Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten e.V. (DGVS), Deutsche Gesellschaft für Neurogastroenterologie und Motilität e.V. (DGNM)
  • Al-Abtah et al: I care Pflege. Georg Thieme Verlag 2020, ISBN: 978-3-132-41828-8
Zuletzt aktualisiert am 26.06.2025
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