Zusammenfassung
Obstipation
Zur Obstipationsprophylaxe ist es wichtig, eine ballaststoffreiche Ernährung mit ausreichend Vollkornprodukten, Obst und Gemüse zu fördern. Ebenso wichtig ist es, den Flüssigkeitshaushalt
Einschätzung der Defäkation: Bristol Stool Scale
Risikofaktoren für eine Obstipation
Ernährungsbedingte Risikofaktoren:
- Niedrige Ballaststoffaufnahme
- Unzureichende Flüssigkeitszufuhr
- Ausreichende Ballaststoffaufnahme, aber unzureichende Flüssigkeitszufuhr
DefinitionBallaststoffe
Ballaststoffe
sind pflanzliche Bestandteile, die im menschlichen Dünndarm nicht verdaut werden können und weitestgehend unverändert in den Dickdarm gelangen. Sie sind vor allem in Vollkornprodukten, Obst, Gemüse, Hülsenfrüchten und Nüssen enthalten. Ballaststoffe spielen eine wichtige Rolle für die Verdauung und Gesundheit. Sie unterstützen die Darmfunktion und fördern ein lang anhaltendes Sättigungsgefühl.
Lebensstilbezogene Risikofaktoren:
- Mangelnde körperliche Aktivität
: Bewegungsmangel, Bettruhe, Immobilität verlangsamt den Transit des Darminhalts - Unterdrückung des Stuhldrangs: z.B. bei Schmerzen oder aus Gewohnheit
Psychologische Faktoren:
- Stress und Angstzustände: Psychologischer Stress kann die normale Darmfunktion beeinträchtigen und zu Verstopfung
führen
Medizinische Risikofaktoren:
- Medikamenteneinnahme: Insbesondere Opioide
, Eisenpräparate, einige Antidepressiva , Antiepileptika oder langfristiger Laxanziengebrauch - Schwangerschaft: Hormonelle Veränderungen und Druck des wachsenden Fetus können die Darmfunktion beeinträchtigen
- Höheres Lebensalter: verminderte Darmmotilität
- Bestimmte Vorerkrankungen: z.B. Diabetes mellitus
, Hypothyreose und bestimmte neurologische Erkrankungen - Intoxikationen
: z.B. Bleivergiftung
Sonstige Risikofaktoren:
- Reise und Änderungen der Routine: Veränderungen im Tagesablauf oder der Umgebung können zu Obstipation
führen - körperliche Schwäche: daraus kann eine schwache Bauchpresse und eine unzureichende Stuhlentleerung resultieren
- Veränderte Darmflora im Alter: durch eine Veränderung des Bakterienmilieus sinkt die Darmmotilität
- Individuelle Faktoren: Sehschwäche oder der Stuhldrang kann nicht kommuniziert werden
Einschätzung des Obstipationsrisikos
Die Einschätzung des Obstipationsrisikos ist ein wichtiger Schritt, um präventive Maßnahmen frühzeitig einleiten zu können. Hier sind einige konkrete Punkte, die bei der Anamnese zur Risikobeurteilung berücksichtigt werden sollten:
Ersteinschätzung:
- Stuhlanamnese:
- Frequenz
- Konsistenz
- Farbe
- Schmerzen
- Blut oder Schleim im Stuhl
- Gefühl der unvollständigen Entleerung
- Plötzliche Veränderung der Stuhlgewohnheiten
- Was hilft in der Regel bei Obstipation
- Welche Schritte hat die Person bereits selbst eingeleitet
Abklärung möglicher Risikofaktoren:
- Ernährungsgewohnheiten: Erfassung der täglichen Nahrungsaufnahme sowie der Flüssigkeitszufuhr
- Medikamentöse Therapie: Überprüfung des Medikamentenplans auf obstipierende Wirkstoffe (z.B. Opioide
, Antidepressiva , Eisenpräparaten) - Körperliche Aktivität
: Bewertung des täglichen Aktivitätsniveaus und Identifizierung von Bewegungsmangel - Chronische Erkrankungen: Bestehen Erkrankungen wie Diabetes mellitus
, Hypothyreose oder neurologischen Störungen, die das Obstipationsrisiko erhöhen können - Lebensumstände: Berücksichtigung von Faktoren wie Alter, Schwangerschaft und psychischem Stress
- Vorangegangene Darmoperationen
MerkeRed Flags bei Obstipation
Red Flags bei Obstipation
sind Symptome, die auf ernsthafte Grunderkrankungen hinweisen können und daher eine weitere Diagnostik erfordern. Hier ist eine kompakte Liste dieser Warnsignale:
- Plötzlicher Beginn der Obstipation
- Blut im Stuhl (frische Blutauflagerung oder schwarzer, teerartiger Stuhl)
- Anämie
- Unbeabsichtigter Gewichtsverlust >10 %
- Fieber
- Vergrößerte Lymphknoten
- Familienanamnese von Darmkrebs
oder entzündlichen Darmerkrankungen - Bretthartes Abdomen
- Paradoxe Diarrhoen: dünnflüssiger Stuhl nach langer Obstipation
durch bakterielle Zersetzung von aufgestautem Stuhl (Hinweis auf eine Darmstenose)
Präventive Maßnahmen
| Risikofaktor | Präventive Maßnahme |
|---|---|
| Niedrige Ballaststoffaufnahme |
|
| Unzureichende Flüssigkeitszufuhr |
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| Mangelnde körperliche Aktivität |
|
| Psychologischer Stress |
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| Medikamenteneinnahme |
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| Schwangerschaft |
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| Obstipierende Vorerkrankungen |
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Weitere präventive Maßnahmen
- Ein Glas kaltes Wasser vor dem Frühstück
- Ballaststoffreiche Kost (Vollkornbrot, faserreiches Gemüse wie Zwiebeln, Kohl, Sauerkraut, Obst mit Schale) ➜ Kann mit einer erhöhten Bildung von Darmgasen und Flatulenz einhergehen
- Kaffee zum Frühstück
- Bewegung nach dem Frühstück
- Stuhlgewohnheiten pflegen (z. B. immer nach dem Frühstück zur Toilette gehen)
- Kolonmassage: kleine kreisförmige Bewegungen entlang des Colon
ascendens, transversum und descendens - Optimierte Position beim Stuhlgang (mit Hocker, leicht vorgebeugt) erleichtert die Stuhlentleerung
TippSowohl die Stuhlbeschaffenheit, die Stuhlmenge, die Konsistenz als auch die getroffenen Maßnahmen zur Optimierung der Stuhlbeschaffenheit sollten dokumentiert werden. Damit die Kolleg:innen die getroffenen Maßnahmen nachvollziehen können.
MerkePrivatsphäre
Den Patient:innen muss immer genügend Privatsphäre gewährt werden. Ausscheidungen in einem voll belegten Zimmerauf einem Steckbecken im Bett zu verrichten, ist für viele sehr unangenehm und kann zur Unterdrückung des Stuhldranges führen. Wenn möglich, sollten Patient:innen immer ins Badezimmer gebracht werden, um einen geschützten Raum ihre Ausscheidungen verrichten zu können.
Quellen
- S2k-Leitlinie: Chronische Obstipation, Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten e.V. (DGVS), Deutsche Gesellschaft für Neurogastroenterologie und Motilität e.V. (DGNM)
- Al-Abtah et al: I care Pflege. Georg Thieme Verlag 2020, ISBN: 978-3-132-41828-8
