Das Ohr ist das Sinnesorgan für Hören und Gleichgewicht. Es gliedert sich anatomisch in Außenohr, Mittelohr und Innenohr. Während das äußereundmittlereOhr der Schallaufnahmeund -weiterleitung dienen, beherbergt das Innenohr die Sinnesorgane für das Hören (Cochlea) und das Gleichgewicht (Vestibularapparat). Über den Nervus vestibulocochleariswerden die Reizean das Gehirn übermittelt und dort verarbeitet.
Laboratoires Servier, CC BY-SA 3.0, https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0, via Wikimedia Commons. Das Bild ist ein Derivat der oben genannten Abbildung. Es wurden die Farben angepasst.
Makroskopische Anatomie
Merke
Steckbrief
Lage: beidseitig am seitlichen Kopf, etwa auf Höhe der Nasenspitze
Äußere Ohrsichtbar
Mittel- und Innenohrim Schädelknochen eingebettet
Durch Schläfenknochen (Os temporale) sowie umgebendes Weichteilgewebe geschützt.
Innenohr besonders gut in den knöchernen Strukturen der Felsenbeinpyramide gesichert
Größe: Die Ohrmuschel ist individuell verschieden, im Mittel 6 cm lang und 3–4 cm breit. Der äußere Gehörgang ist etwa 2,5 cm lang
Form: Das äußere Ohr zeigt eine muschelförmige Struktur
Aufbau
Das Ohr gliedert sich in drei Hauptbereiche:
Außenohr (Auris externa): Das Außenohr setzt sich aus der Ohrmuschel und dem äußeren Gehörgang zusammen, dessen Ende am Trommelfell liegt
Mittelohr (Auris media): Das Mittelohr befindet sich hinter dem Trommelfell und beinhaltet die Paukenhöhle, in der sich die Gehörknöchelchen und die Eustachische Röhre befinden (diese verbindet das Mittelohr mit dem Rachen)
Innenohr (Auris interna): Im Innenohr liegen die Hörschnecke (Cochlea), sowie der Vestibularapparat, der der Wahrnehmung des Gleichgewichts dient
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Äußeres Ohr (Auris externa)
Info
Das äußere Ohr dient in erster Linie der Aufnahme und Weiterleitung von Schallwellen sowie der Verbesserung der Richtungswahrnehmung.
Ohrmuschel (Auricula auris):
Definition
Die Ohrmuschel ist der von außen sichtbarer Teil des Ohres.
Unter der Haut: elastischer Knorpel → verleiht Form und Stabilität
Ohrläppchen (Lobulus auriculae): knorpelfrei
Wichtige Strukturen:
Tragus: kleiner, oft mit Haaren besetzter, Knorpelvorsprung vor dem Eingang des Gehörganges
Antitragus: kleiner Höcker oberhalb des Ohrläppchens
Helix: eingerollter oberer Rand der Ohrmuschel
Antihelix: bogenförmige Erhebung unterhalb der Helix
Merke
Funktionen
Schallaufnahme: Fängt Schallwellen aus der Umgebung auf, ähnlich einem Trichter
Schallleitung: Leitet die aufgenommenen Schallwellen in den äußeren Gehörgang weiter
Richtungswahrnehmung: Unterstützt die räumliche Ortung von Schallquellen
Schallverstärkung: Bestimmte Frequenzen werden durch die Form der Ohrmuschel leicht verstärkt.
Schutzfunktion: Die Struktur der Ohrmuschel und ihre Stellung am Kopf helfen, das Ohr vor direktem Wind, Fremdkörpern und Verletzungen zu schützen
Äußerer Gehörgang (Meatus acusticus externus):
Definition
Der äußere Gehörgang ist ein etwa 2,5 cm langer, leicht S-förmig verlaufender Kanal, der die Ohrmuschel mit dem Trommelfell (Membrana tympani) verbindet.
Lage: Zwischen Ohrmuschel und Trommelfell im Schläfenbein (Os temporale)
Form: S-förmig gekrümmt, Durchmesser ca. 0,7 cm
Aufbau:
Äußerer knorpeliger Anteil (⅔)
Innerer knöcherner Anteil (⅓)
Auskleidung: dünne Haut mit Haardrüsen → Produktion von Ohrenschmalz
Cerumenfunktion: schützt das Trommelfell, hält den Gehörgang geschmeidig und fängt Staub & Fremdkörper ab
Wichtige Strukturen:
Meatus acusticus externus: äußerer Eingang des Gehörganges
Isthmus meatus: Engstelle zwischen knorpeligem und knöchernem Teil
Membrana tympani: Trommelfell am medialen Ende
Glandulae sebaceae + ceruminosae: Ohrenschmalzdrüsen im äußeren Drittel
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Merke
Funktionen
Leitet Schallwellen zum Trommelfell
Schützt das Trommelfell vor Schmutz, Mikroorganismen und Fremdkörpern
Das Trommelfell ist eine dünne, oval-förmige Membran, die den äußeren Gehörgang vom Mittelohr trennt. Es dient der Übertragung von Schallwellen auf die Gehörknöchelchen.
Lage: Zwischen äußerem Gehörgang und Paukenhöhle (Cavitas tympani), bildet die Grenze zwischen Außenohr und Mittelohr
Form:
Oval mit einer Fläche von ca. 85–90 mm²
Leicht trichterförmig nach innen (zum Mittelohr hin) eingezogen
Durchmesser: etwa 8–10 mm
Aufbau:
Besteht aus drei Schichten:
Stratum cutaneum: äußere Hautschicht → Fortsetzung der Gehörgangshaut
Stratum fibrosum: mittlere Bindegewebsschicht mit radialen und zirkulären Fasern → verleiht Stabilität
Stratum mucosum: innere Schleimhautschicht → Fortsetzung der Mittelohrschleimhaut
Wichtige Strukturen des Trommelfells:
Umbo: tiefster Punkt der Trichterform, Ansatz des Hammergriffs
Incus (Amboss): Mittleres Gehörknöchelchen → überträgt Schwingungen vom Hammer auf den Steigbügel
Stapes (Steigbügel): Innerstes und kleinstes Gehörknöchelchen → überträgt Schwingungen des Ambosses auf das ovale Fenster des Innenohrs
Pars tensa: gespannter, größerer Anteil des Trommelfells
Pars flaccida: kleiner, oberer, lockerer Bereich
Stria mallearis: sichtbare Struktur des Hammergriffs im Trommelfell
Os tympanicum: Knochenanteil des Schläfenbeins → bildet den knöchernen Gehörgang und den Rand des Trommelfells
Merke
Die Strukturen des Trommelfells auswendig benennen zu können ist Wissen, das Notfallsanitäter:innen nicht beherrschen müssen. Es gilt eher als 9xklug-Wissen für die Examensvorbereitung.
Schleimhaut bildet zahlreiche Falten und Einbuchtungen → Unterteilung in kleinere Abschnitte
Wichtige Strukturen:
Ossicula auditus (Gehörknöchelchenkette):
Malleus (Hammer): steht mit dem Trommelfell in Verbindung
Incus (Amboss): leitet Schwingungen vom Hammer an den Steigbügel weiter
Stapes (Steigbügel): überträgt Schwingungen auf das ovale Fenster des Innenohrs
Chorda tympani:Nervenast des Nervus facialis → Geschmack und Speichelproduktion
M. tensor tympani: reguliert die Spannung des Trommelfells
Fenestrum vestibuli (ovales Fenster): Verbindung zum Innenohr, Ansatz des Steigbügels
Fenestrum cochleae (rundes Fenster): dient dem Druckausgleich im Innenohr
Tuba auditiva (Eustachi-Röhre): verbindet Paukenhöhle mit Rachenraum
Merke
Durch die anatomische Beschaffenheit der Eustachi-Röhre (auch Tuba auditiva genannt), kann es im Rahmen einer Rachenentzündung insbesondere im Kindesalter zu aufsteigenden Infektionen im Sinne einer Mittelohrentzündung kommen.
Schallübertragung vom Trommelfell über die Gehörknöchelchenkette zum Innenohr
Druckausgleich über die Tuba auditiva
Schutz des Innenohrs durch Dämpfung starker Schallvibrationen
Gehörknöchelchenkette (Ossicula auditus):
Definition
Es gibt 3 Gehörknöchelchen, die hintereinander liegen: der Hammer (Malleus), der Amboss (Incus) und der Steigbügel (Stapes). Sie bilden eine Kette vom Trommelfell bis zum ovalen Fenster des Innenohrs und übertragen die Schwingungen des Trommelfells auf die Flüssigkeit der Hörschnecke (Cochlea).
Der Steigbügel ist dabei der kleinste Knochen des menschlichen Körpers.
Hammer (Malleus):
Liegt direkt hinter dem Trommelfell und ist mit diesem fest verbunden
Nimmt die Schwingungen des Trommelfells auf und leitet sie an den Amboss weiter
Amboss (Incus):
Mittleres Gehörknöchelchen zwischen Hammer und Steigbügel
Dient als mechanisches Verbindungsglied und überträgt die Bewegung vom Hammer auf den Steigbügel
Steigbügel (Stapes):
Innerstes Gehörknöchelchen, dessen Fußplatte (Basis stapedis) im ovalen Fenster des Innenohrs sitzt
Überträgt die Schallvibrationen auf die Flüssigkeit des Innenohrs und leitet sie in die Hörschnecke weiter
Die Gehörknöchelchenkette verstärkt und überträgt die Schallschwingungen vom Trommelfell auf das Innenohr, wo sie schließlich in Nervenimpulse umgewandelt werden.
Eustachische Röhre (Tuba auditiva)
Definition
Die Eustachische Röhre, auch Ohrtrompete oder Tuba auditiva genannt, ist eine feine Verbindung zwischen der Paukenhöhle und der Rachenhöhle.
Lage: von der Vorderwand der Paukenhöhle schräg nach unten, vorn und medial zur Rachenhöhle
Form:
3-4 cm lang
Leicht S-förmig
Die Röhre ist innen mit Schleimhaut ausgekleidet, die Flimmerhärchen trägt und der Reinigung sowie dem Schutz dient
Laboratoires Servier, CC BY-SA 3.0, https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0, via Wikimedia Commons. Das Bild ist ein Derivat der oben genannten Abbildung. Es wurden die Farben angepasst.
Merke
Funktion:
Belüftung der Paukenhöhle
Druckausgleich im Mittelohr
Reinigung und Schutz
Innenohr (Labyrinth)
Info
Aufgrund des vielschichtigen Kanalsystems im Inneren des Felsenbeins wird das Innenohr auch als knöchernes Labyrinth bezeichnet. Dieses bildet ein Gehäuse für das Hör- und Gleichgewichtsorgan.
Hörschnecke (Cochlea):
Definition
Die Cochlea ist ein knöchernes Hohlorgan im Innenohr, das mit Flüssigkeit (Perilymphe und Endolymphe) gefüllt ist und die Sinneszellen für das Hören enthält. Sie wandelt Schallwellen, die über das Mittelohr weitergeleitet werden, in elektrische Nervenimpulse um, die anschließend über den Hörnerv (Nervus cochlearis) zum Gehirn geleitet werden.
Allgemeine Struktur:
Die Cochlea ist ein spiralförmiges Organ, das sich um einen zentralen Pfeiler, die Modiolus, windet
Besteht aus drei flüssigkeitsgefüllten Kanälen (Scalae): Scala vestibuli, Scala tympani, und Scala media
Scala vestibuli:
Beginnt am ovalen Fenster, an dem Schwingungen des Steigbügels auf die Perilymphe übertragen werden
Scala tympani:
Liegt parallel zur Scala vestibuli
Endet am runden Fenster, das als Druckausgleich für die Schwingungen der Perilymphe dient
Scala media (Ductus cochlearis):
Von Scala vestibuli durch die Reissner-Membran und von Scala tympani durch die Basilarmembran getrennt
Beherbergt das Corti-Organ auf der Basilarmembran, das mechanische Energie in elektrische Impulse umwandelt
Die Stria vascularis an der Wand ist für die Produktion der Endolymphe und Aufrechterhaltung des endokochlearen Potenzials verantwortlich
OpenStax, CC BY 4.0 <https://creativecommons.org/licenses/by/4.0>, via Wikimedia Commons. Diese Abbildung ist ein Derivat, der oben angegebenen Quelle. Es wurden die Markierungen ergänzt.
Cochlea
Gleichgewichtsorgan (Vestibularapparat):
Definition
Der Vestibularapparat ist der Teil des Innenohrs, der für das Gleichgewicht und die Raumorientierung verantwortlich ist.
Lage: Im Innenohr, eingebettet im Felsenbein, liegt in unmittelbarer Nachbarschaft zur Cochlea (Hörschnecke)
Form:
Komplexes Hohlraumsystem mit mehreren miteinander verbundenen Bogengängen und Bläschen
Bildet zusammen mit der Cochlea das Innenohrlabyrinth
Aufbau:
Besteht aus zwei Hauptanteilen:
Knöchernes Labyrinth (Labyrinthus osseus): Hohlräume im Felsenbein
Häutiges Labyrinth (Labyrinthus membranaceus): Dünnwandige Membranstrukturen innerhalb des knöchernen Labyrinths, gefüllt mit Endolymphe, umgeben von Perilymphe
Wichtige Strukturen:
Drei Bogengänge (Canalis semicirculares): Erfassen Drehbewegungen des Kopfes
Maculaorgane: Sinnesfelder in Utriculus und Sacculus, enthalten Haarzellen zur Wahrnehmung von Linearbeschleunigungen
Cristae ampullares: Sinnesorgane in den Erweiterungen (Ampullen) der Bogengänge, zuständig für die Wahrnehmung von Drehbewegungen
Endolymphe: Flüssigkeit im häutigen Labyrinth, überträgt Bewegungen auf die Sinneszellen
Perilymphe: Flüssigkeit zwischen Knochen- und Häutchenlabyrinth, dient als Puffer und Schutz
Ganglion vestibulare: Teil des VIII. Hirnnervs (Nervus vestibulocochlearis), leitet die Reize an das Gehirn weiter
Image by Cenveo is licensed under a Creative Commons Attribution 3.0 United States http://creativecommons.org/licenses/by/3.0/us/). Diese Abbildung ist ein Derivat, der oben angegebenen Quelle. Es wurden die Beschriftungen übersetzt.
Merke
Funktionen:
Erfasst Bewegungen und Lageveränderungen des Kopfes sowie die Körperhaltung im Raum
Ermöglicht:
Gleichgewicht
Orientierung
Koordination der Augen- und Körperbewegungen
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Umgebungsstrukturen
Nachbarschaftsbeziehung und Einbettung des Ohres
Merke
Das Ohr liegt seitlich am Schädel im Bereich des Schläfenbeins. Das Mittel- und Innenohr sind tief im Felsenbein eingebettet. Durch diese Lage ist das Ohr gut geschützt, steht aber in enger Nachbarschaft zu wichtigen Nerven, Gefäßen und Schädelabschnitten.
Das äußere Ohr ist in Haut, Knorpel und Bindegewebe eingebettet
Das Mittelohr liegt im Felsenbein und grenzt an große Gefäße und die Schädelbasis
Das Innenohr befindet sich tief im Felsenbein, nahe an Gehirn und Hirnnerven
Ohrabschnitt
Einbettung
Wichtige Nachbarschaften
Äußeres Ohr
Haut
Knorpel
Äußerer Gehörgang im Schläfenbein
Kiefergelenk (ventral)
Ohrspeicheldrüse (kaudal),
Warzenfortsatz (dorsal)
Mittelohr
Knöchern im Felsenbein
A. carotis interna (ventral)
V. jugularis interna (kaudal)
Schädelbasis
Innenohr
Knöchernes und häutiges Labyrinth im Felsenbein
N. facialis
N. vestibulocochlearis
Kleinhirn (medial)
Canalis caroticus (ventral)
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Mikroskopische Anatomie
Corti-Organ
Definition
Das Corti-Organ, positioniert auf der Basilarmembran (Membrana basilaris), ist eine essenzielle Struktur im Ohr für das Hören. Es setzt sich aus verschiedenen Zelltypen zusammen, die in einer wellenförmigen Anordnung stehen und von der Tektorialmembran (Membrana tectoria) bedeckt sind. Das Corti-Organ spielt eine entscheidende Rolle bei der Trennung verschiedener Flüssigkeitskompartimente im Innenohr, insbesondere der kaliumreichen Endolymphe und der natriumreichen Perilymphe. Diese Trennung ist essenziell für die Funktion der Haarzellen und die korrekte Verarbeitung von Schallsignalen.
Parts of the figure were drawn by using pictures from Servier Medical Art. Servier Medical Art by Servier is licensed under a Creative Commons Attribution 3.0 Unported License (https://creativecommons.org/licenses/by/3.0/). Diese Abbildung ist ein Derivat, der oben angegebenen Quelle. Es wurden die Markierungen ergänzt.
Das Haarzellenmodell
Das Corti-Organ im Ohr enthält zwei Arten von Haarzellen: etwa 3.500 innere und rund 12.000 äußere Haarzellen. Diese Zellen sind wichtig für die Verarbeitung von Schallfrequenzen, wobei jede Zelle einem bestimmten Frequenzkanal entspricht.
Die inneren Haarzellen sind für den eigentlichen Hörvorgang zuständig. Sie sind sensorisch und wandeln Schallschwingungen in elektrische Signale um, die dann an das Gehirn weitergeleitet werden. Ohne diese Zellen wäre Hören nicht möglich.
Die äußeren Haarzellen hingegen dienen nicht direkt dem Hören, sondern haben eine unterstützende Funktion. Sie werden als Effektorzellen bezeichnet. Ihre Hauptaufgabe besteht darin, die mechanischen Eigenschaften der Basilarmembran, auf der sie sitzen, zu beeinflussen. Dadurch verändern sie die Art und Weise, wie die inneren Haarzellen auf Schall reagieren. Dieser Einfluss verbessert die Empfindlichkeit und Präzision des Hörens.
Tip links:
Die sogenannten "Tip links" in den Haarzellen des Innenohrs sind wichtige Strukturen für das Hören. Sie bestehen aus zwei speziellen Proteinen, die zur Cadherin-Familie gehören: Cadherin 23 (Cdh23) und Protocadherin 15 (Pcdh15). Diese Proteine bilden eine Verbindung zwischen den einzelnen Stereozilien einer Haarzelle.
Die Hauptfunktion der Tip links liegt in der Übertragung von Scherkräften. Wenn Haarzellen mechanisch gereizt werden, etwa durch Schallwellen, entstehen Scherkräfte zwischen den Stereozilien. An der Insertionsstelle der Tip-Links am apikalen Pol der Zilien befinden sich mechanosensitive Transduktionskanäle. Durch den Zug an den Tip-Links werden diese Kanäle geöffnet, und die Haarsinneszelle wird depolarisiert.
Äußere Haarzellen:
Die äußeren Haarzellen haben die besondere Eigenschaft, ihre eigene Länge aktiv zu modifizieren. Diese Fähigkeit ermöglicht es ihnen, die Schwingungen der Basilarmembran zu beeinflussen. Sie können diese Schwingungen entweder dämpfen oder verstärken.
Ablauf:
Schwingungen der Basilarmembran: Diese verursachen minimale Verschiebungen zwischen der Tektorial- und der Basilarmembran
Auslenkung der Stereozilien: Die Verschiebungen führen dazu, dass die Stereozilien der äußeren Haarzellen, die in die Tektorialmembran hineinragen, ausgelenkt werden
Öffnung der Ionenkanäle: Durch die Auslenkung werden die Tip-Links zwischen den Stereozilien gedehnt, was zur sofortigen Öffnung der mechanosensitiven Kationenkanäle führt
Einströmen von Kalium-Ionen: Die Endolymphe weist eine sehr hohe Kaliumkonzentration auf (ca. 150 mM). Dies führt zu einem K+-Einstrom in die Zelle, was zur Depolarisation der Haarzellen führt
Repolarisation: Bei der Schwingung in die Gegenrichtung schließen sich die Ionenkanäle wieder, und die Haarzellen repolarisieren. Dabei öffnen sich seitlich gelegene spannungsabhängige Kaliumkanäle, und K+ wird über den K+-Cl−-Cotransporter in die Stützzellen transportiert
Kochlearer Verstärker:
Kommt es zu einer Depolarisation verkürzen sich die äußeren Haarzellen. Bei Hyperpolarisation verlängern sie sich. Dadurch kommt es zu zusätzlicher Schwingungsenergie, was die Amplitude der Wanderwelle bis um das 100-Fache erhöhen kann. Der Verlust der äußeren Haarzellen hat eine Verminderung des Hörvermögens um bis zu 50 dB zur Folge. Die Längenänderung der äußeren Haarzellen wird durch das Protein Prestin vermittelt. Prestin befindet sich in der seitlichen Wand der äußeren Haarzellen.
Merke
Die hohe K+-Konzentration in der Endolymphe resultiert im Vergleich zu anderen extrazellulären Flüssigkeiten wie der Perilymphe in einem endokochleären K+-Potential von circa +85 mV. Bei einem Membranpotenzial der Haarzellen von ungefähr -70 mV entsteht dadurch eine Potenzialdifferenz von etwa 150 mV zwischen der Endolymphe und dem Inneren der Haarzellen.
Innere Haarzellen:
Der kochleäre Verstärker sorgt für eine deutliche Erhöhung der Amplitude der Wanderwelle. Diese erhöhte Amplitude bewirkt, dass die Endolymphe in Schwingung versetzt wird. Durch diese Schwingungen werden die Stereozilien der inneren Haarzellen ausgelenkt.
Ablauf:
Auslenkung der Stereozilien der inneren Haarzelle
Tip-Links zwischen den Stereozilien werden gedehnt
Öffnung von Transduktionskanälen
Einstrom von K+-Ionen aus der Endolymphe → Depolarisation der inneren Haarzelle
Spannungsabhängige L-Typ-Ca2+-Kanäle werden geöffnet
Eine Erhöhung der intrazellulären Ca2+-Konzentration führt zu einer vermehrten Freisetzung von Glutamat
Glutamat löst an der Nervenfaser ein Aktionspotenzial aus
Repolarisation durch seitlich gelegene Kaliumkanäle
Merke
Im Innenohr erfolgt der Transduktionsprozess in drei Schritten:
Wanderwelle: Schall erreicht das Innenohr und erzeugt aufgrund der Basilarmembran eine Wanderwelle, die entlang der Cochlea verläuft
Kochleärer Verstärker: Die Wanderwelle stimuliert äußere Haarzellen, die über Prestin eine Längenänderung erfahren und so die Amplitude der Welle verstärken können
Signaltransduktion: Die verstärkte Welle führt zur Auslenkung der Stereozilien auf den inneren Haarzellen, was mechanische Schallwellen in elektrische Signale für das Gehirn umwandelt
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Versorgende Strukturen
Blutversorgung
Ohrabschnitt
Arterielle Versorgung
Herkunft der Arterien
Venöser Abfluss
Äußeres Ohr
A. auricularis posterior
Rr. auriculares anteriores
A. temporalis superficialis
A. carotis externa
V. auricularis posterior
V. temporalis superficialis
V. jugularis externa
Mittelohr
A. tympanica anterior
A. tympanica posterior
A. tympanica superior
A. tympanica inferior
A. maxillaris
A. auricularis posterior
A. meningea media
A. pharyngea ascendens
Plexus venosus pterygoideus
V. jugularis interna
Sinus petrosus inferior
Innenohr
A. labyrinthi, teilt sich in:
A. cochlearis
A. vestibularis
A. cerebelli anterior inferior
A. basilaris
V. labyrinthi
Sinus petrosus inferior
V. jugularis interna
Innervation
Nerven:
Ohrabschnitt
Art der Innervation
Beteiligte Nerven
Bemerkung / Versorgungsgebiet
Äußeres Ohr
Sensibel
N. auriculotemporalis
N. auricularis magnus
N. occipitalis minor
N. vagus
N. trigeminus
N. facialis
N. glossopharyngeus
Haut der Ohrmuschel und des äußeren Gehörgangs
Mittelohr
Sensibel
N. tympanicus
N. glossopharyngeus
Schleimhaut der Paukenhöhle und Ohrtrompete
Innenohr
Sensorisch
N. vestibulocochlearis
Aufteilung in:
N. cochlearis (Hören)
N. vestibularis (Gleichgewicht)
Weiterleitung akustischer und vestibulärer Reize ans Gehirn
Wird der äußere Gehörgang, etwa zur Entfernung eines Ohrenschmalzpfropfes, mit körperwarmem Wasser gespült, kann eine Vagusnervreizung ausgelöst werden. Diese äußert sich typischerweise durch Hustenreiz oder Würgereflex.
Muskeln:
Tipp
Im Bereich des Ohrs kommen eigenständige Muskeln ausschließlich im Mittelohr vor.
Das äußere Ohr besitzt zwar kleine, meist rudimentäre Ohrmuskeln, die zur mimischen Muskulatur zählen, jedoch keine funktionelle Bedeutung für den Hörvorgang haben.
Das Innenohr enthält keine kontraktilen Strukturen, da seine Funktion vollständig auf der Umwandlung von Schall- und Lageinformationen in neuronale Signale beruht.
Muskel
Lage
Ansatz / Ziel
Innervation
Funktion
M. tensor tympani
Paukenhöhle
Setzt am Hammer an
N. mandibularis
Spannt das Trommelfell
Dämpft laute Geräusche
M. stapedius
Paukenhöhle
Zieht zum Steigbügel
N. facialis
Dämpft Schwingungen des Steigbügels
Schützt das Innenohr vor Schalldruck
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Physiologie des Ohres
Das Ohr erfüllt zwei zentrale Sinnesfunktionen:
Hörsinn
Das Ohr nimmt Schallwellen aus der Umgebung auf und wandelt diese in elektrische Signale um
Diese werden über den Hörnerv als Aktionspotenziale an das Gehirn weitergeleitet, wo sie als Geräusche oder Töne wahrgenommen werden
Gleichgewichtssinn
Das Gleichgewichtsorgan im Ohr liefert dem Gehirn Informationen über die Lage und Bewegung des Körpers
Die Körperhaltung und Orientierung im Raum kann so gesteuert werden
Tipp
Die im Innenohr entstehenden Sinnesreize werden über den VIII. Hirnnerv (N. vestibulocochlearis) weitergeleitet:
Der N. cochlearis überträgt die Hörinformationen aus der Cochlea
Der N. vestibularis überträgt die Gleichgewichtsinformationen aus dem Vestibularorgan
Im Gehirn werden beide Signale verarbeitet und miteinander koordiniert
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Organfunktion
Hörsinn
Äußeres Ohr: Der Prozess des Hörens, auch als auditiver Wahrnehmungsweg bezeichnet, beginnt mit der Erfassung von Schallwellen aus der Umgebung durch das äußere Ohr, das aus der Ohrmuschel und dem äußeren Gehörgang besteht. Diese Schallwellen werden durch das äußere Ohr geleitet und erreichen das Trommelfell. Das Trommelfell ist eine dünn gespannte Membran, die in Schwingungen versetzt wird, wenn Schallwellen darauf treffen
Mittelohr: Die Schwingungen des Trommelfells werden dann auf die drei winzigen Gehörknöchelchen - Hammer, Amboss und Steigbügel - übertragen, die sich im Mittelohr befinden. Diese Gehörknöchelchen verstärken die Schwingungen und leiten sie an die ovale Fenstermembran des Innenohrs weiter
Innenohr: Die ovale Fenstermembran führt zu einer Struktur im Innenohr, die als Cochlea oder Schnecke bezeichnet wird. In der Cochlea befindet sich die eigentliche Hörrezeptorregion, die mit Tausenden winziger Haarsinneszellen gefüllt ist. Wenn die Schwingungen auf die Cochlea übertragen werden, setzen sie eine Flüssigkeit in Bewegung, was wiederum die Haarsinneszellen stimuliert
Hörnerv: Die stimulierten Haarsinneszellen erzeugen elektrische Signale, die über den VIII. Hirnnerven (N. vestibulocochlearis) zum Gehirn weitergeleitet werden. Der Hörnerv transportiert diese elektrischen Impulse zum auditorischen Kortex im Gehirn. Dort werden die Signale verarbeitet und in die wahrgenommene Klangqualität und -intensität umgewandelt
Interpretation: Die Interpretation und Integration dieser Informationen erfolgt im Gehirn, was zur Wahrnehmung des Schalls und zur Erkennung von Klängen führt. Dieser komplexe Prozess ermöglicht es uns, die Vielfalt der Geräusche in unserer Umwelt zu hören, zu verstehen und zu genießen
Gleichgewichtssinn
Funktionen:
Das vestibuläre System ist lokalisiert im Innenohr und ist entscheidend für das Gleichgewicht und die räumliche Orientierung. Es ermöglicht die Aufrechterhaltung des Gleichgewichts, liefert Informationen über die Kopfposition und -bewegung, steuert die Augenbewegungen zur Stabilisierung des Sehfeldes und integriert sensorische Daten für die Koordination von Bewegungen. Störungen in diesem System können zu Schwindel und Gleichgewichtsproblemen führen.
Komponenten des Gleichgewichtsorgans:
Das Gleichgewichtsorgan besteht aus drei membranösen Bogengängen (Ductus semicirculares) und den beiden Makulaorganen: Sacculus und Utriculus
In den Ampullen der Bogengänge und im Sacculus sowie Utriculus befinden sich die Sinnesepithelien
Der Sacculus und der Utriculus sind für die Wahrnehmung von translatorischen Beschleunigungen des Körpers im Raum verantwortlich. Sie stehen senkrecht zueinander, wobei der Sacculus primär auf vertikale und der Utriculus auf horizontale Bewegungsänderungen reagiert
Modelle und Messgrößen
Schallwellen werden beim Durchgang durch die verschiedenen Abschnitte des Ohrs mechanisch weitergeleitet und umgewandelt. Die Umwandlung erfolgt von Luftschall (äußeres Ohr) → Körperschall (Mittelohr) → Flüssigkeitsschall (Innenohr).
Die Effektivität dieser Übertragung hängt von mehreren physikalischen Parametern ab.
Wichtige Messgrößen des Hörens:
Messgröße
Bedeutung
Einheit / Bereich
Beispiel
Schalldruckpegel
Beschreibt, wie laut ein Geräusch ist
Misst den Schalldruck im Verhältnis zu einem Referenzwert
Dezibel (dB)
Flüstern: ~30 dB
Normale Sprache: ~60 dB
Schmerzgrenze: ~120–130 dB
Frequenz
Gibt an, wie hoch oder tief ein Ton klingt
Hertz (Hz)
Tiefer Ton: ~125 Hz
Hoher Ton: ~4.000 Hz
Lautheit
Beschreibt das subjektive Empfinden der Lautstärke durch den Menschen
Phon (phon)
Ein Ton mit 60 Phon wird als gleich laut empfunden wie ein 1.000-Hz-Ton bei 60 dB
Tipp
Beispiel zur Erklärung von „Phon“
Stell dir vor, du hast zwei Lautsprecher:
Lautsprecher A spielt einen tiefen Bass-Ton (100 Hz)
Lautsprecher B spielt einen mittleren Ton (1.000 Hz)
Beide werden am Messgerät mit 60 dB angezeigt → physikalisch sind sie also gleich laut.
Aber:
Wenn du zuhörst, empfindest du den Bass-Ton leiser als den mittleren Ton
Damit sich der Bass-Ton gleich laut anfühlt, müsstest du ihn lauter drehen, z.B. auf 80 dB
Das bedeutet:
Der 1.000 Hz-Ton bei 60 dB → 60 Phon
Der 100 Hz-Ton bei 80 dB → auch 60 Phon (gleich empfundene Lautstärke)
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Bedeutung im Körper
Zentrale vestibuläre Verschaltung
Die zentrale Verarbeitung von Gleichgewichtsinformationen besteht aus Nervenfasern und Nervenzellen, die Informationen zu unterschiedlichen Bereichen des Gehirns leiten.
1. Neuron:
Das Rezeptororgan der Gleichgewichtsbahn sind die vestibulären Haarzellen, die in den Bogengängen und Makularorganen lokalisiert sind. Sie sind sekundäre Sinneszellen, da sie keine Fortsätze haben, sondern über Transmitterfreisetzung die nachgeschalteten Nervenzellen erregen.
An der Basis der Sinneszellen liegen die Dendriten der bipolaren Neurone, die sich im Ganglion vestibulare befinden. Die Sinneszellen übertragen ihre Impulse über Synapsen an diese Dendriten, wodurch die Gleichgewichtsinformationen an das Ganglion vestibulare weitergeleitet werden. Das Ganglion vestibulare, das die Zellkörper des ersten Neurons der Vestibularbahn enthält, befindet sich am Boden des inneren Gehörgangs.
Die Axone des Ganglion vestibulare vereinen sich zum N. vestibularis, der zusammen mit dem N. cochlearis den 8. Hirnnerv (N. vestibulocochlearis) bildet.
Dieser zieht in die Medulla oblongata in das Gebiet der Vestibulariskerne (Ncll. vestibulares).
2. Neuron:
Die Vestibulariskerne bestehen jeweils aus vier Kernen:
Nucleus superior (Bechterew)
Nucleus medialis (Schwalbe)
Nucleus lateralis (Deiters)
Nucleus inferior (Roller)
Die Informationen aus dem Vestibularapparat allein genügen nicht, um dem ZNS klare Angaben über die Position des Kopfes im Raum oder Bewegungen zu geben. Die Vestibulariskerne erhalten hierzu zusätzliche Afferenzen von dem propriozeptiven System, sowie vom visuellen System.
Von den Vestibulariskernen gehen efferente Fasern zu unterschiedlichen Regionen des ZNS wie Thalamus, Kleinhirn, Augenmuskelkerne, Formatio reticularis und Rückenmark aus. Sie dienen der Feinabstimmung der Motorik, der Stützmotorik, der Blickmotorik und der bewussten Orientierung im Raum.
Über Kommissurenfasern kommunizieren die Vestibulariskerne miteinander.
Zentrale vestibuläre Störungen
Zentrale vestibuläre Störungen betreffen Strukturen des Gehirnstamms und des Kleinhirns, die für die Verarbeitung und Integration vestibulärer Signale zuständig sind.
Folgen:
Schwindel
Gang- und Standunsicherheit
Doppelbilder / Blickrichtungsnystagmus
Übelkeit, Erbrechen
Kopfschmerzen, neurologische Begleitsymptome
Nystagmus:
Definition
Ein Nystagmus ist ein Zustand, bei dem es zu unkontrollierten, rhythmischen Bewegungen eines oder beider Augen kommt.
Ein Nystagmus kann ein Indikator für eine Störung im vestibulären System sein. Dieses System ist verantwortlich für die Erkennung von Kopfbewegungen und die Übermittlung dieser Informationen an das Gehirn. Wenn das vestibuläre System gestört ist, kann das Gehirn falsche Signale erhalten, was zu einer Fehlausrichtung der Augenbewegungen führt. Dies kann sich als Nystagmus äußern.
Physiologisch entsteht beispielsweise ein Nystagmus wenn du aus einem fahrenden Zug die Bäume eines Waldes anschaust. Dabei werden immer wieder neue Bäume fixiert und dein Auge schnellt hin und her.
Die Richtung des Nystagmus wird übrigens nicht nach dem pathologischen (etwas langsamer verlaufenden) Drift, sondern nach der schnellen Refixationsbewegung des Auges benannt.
Info
Ein Nystagmus kann in drei verschiedene Arten eingeteilt werden:
Horizontaler Nystagmus: Die Augen bewegen sich schnell hin und her in der horizontalen Richtung
Vertikaler Nystagmus: Die Augen bewegen sich schnell auf und ab in vertikaler Richtung
Rotationsnystagmus: Die Augen bewegen sich schnell in einer rotierenden Bewegung
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Prüfungswissen
Anatomie Ohr
Makro Anatomie:
Das Ohr gliedert sich in drei Hauptbereiche:
Außenohr (Auris externa): Das Außenohr setzt sich aus der Ohrmuschel und dem äußeren Gehörgang zusammen, der am Trommelfell endet
Mittelohr (Auris media): Das Mittelohr befindet sich hinter dem Trommelfell und beinhaltet die Paukenhöhle, in der sich die Gehörknöchelchen und die Eustachische Röhre befinden
Innenohr (Auris interna): Im Innenohr liegen die Hörschnecke (Cochlea), sowie der Vestibularapparat, der der Wahrnehmung des Gleichgewichts dient
Laboratoires Servier, CC BY-SA 3.0, https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0, via Wikimedia Commons. Das Bild ist ein Derivat der oben genannten Abbildung. Es wurden die Farben angepasst.
Merke
Steckbrief
Lage: beidseitig am seitlichen Kopf, etwa auf Höhe der Nasenspitze
Äußere Ohrsichtbar
Mittel- und Innenohrim Schädelknochen eingebettet
Durch Schläfenknochen (Os temporale) sowie umgebendes Weichteilgewebe geschützt.
Innenohr besonders gut in den knöchernen Strukturen der Felsenbeinpyramide gesichert
Größe: Die Ohrmuschel ist individuell verschieden, im Mittel 6 cm lang und 3–4 cm breit. Der äußere Gehörgang ist etwa 2,5 cm lang
Form: Das äußere Ohr zeigt eine muschelförmige Struktur
Umgebungsstrukturen:
Ohrabschnitt
Einbettung
Wichtige Nachbarschaften
Außenohr
Haut
Knorpel
Äußerer Gehörgang im Schläfenbein
Kiefergelenk (ventral)
Ohrspeicheldrüse (kaudal),
Warzenfortsatz (dorsal)
Mittelohr
Knöchern im Felsenbein
A. carotis interna (ventral)
V. jugularis interna (kaudal)
Schädelbasis
Innenohr
Knöchernes und häutiges Labyrinth im Felsenbein
N. facialis
N. vestibulocochlearis
Kleinhirn (medial)
Canalis caroticus (ventral)
Mikro Anatomie:
Corti Organ:
Essenzielle Struktur im Ohr für das Hörren
Enthält zwei Arten von Haarzellen:
Innere Haarzellen → Wanden Schallschwingungen in elektrische Signale um → Weiterleitung ans Gehirn
Äußere Haarzellen → Unterstütze Funktion beim Hören → beeinflussen die Basilarmembran
Parts of the figure were drawn by using pictures from Servier Medical Art. Servier Medical Art by Servier is licensed under a Creative Commons Attribution 3.0 Unported License (https://creativecommons.org/licenses/by/3.0/). Diese Abbildung ist ein Derivat, der oben angegebenen Quelle. Es wurden die Markierungen ergänzt.
Versorgende Strukturen:
Blutversorgung:
Ohrabschnitt
Arterielle Versorgung
Herkunft der Arterien
Venöser Abfluss
Außenohr
A. auricularis posterior
Rr. auriculares anteriores
A. temporalis superficialis
A. carotis externa
V. auricularis posterior
V. temporalis superficialis
V. jugularis externa
Mittelohr
A. tympanica anterior
A. tympanica posterior
A. tympanica superior
A. tympanica inferior
A. maxillaris
A. auricularis posterior
A. meningea media
A. pharyngea ascendens
Plexus venosus pterygoideus
V. jugularis interna
Sinus petrosus inferior
Innenohr
A. labyrinthi, teilt sich in:
A. cochlearis
A. vestibularis
A. cerebelli anterior inferior
A. basilaris
V. labyrinthi
Sinus petrosus inferior
V. jugularis interna
Nerveninervation:
Ohrabschnitt
Art der Innervation
Beteiligte Nerven
Bemerkung / Versorgungsgebiet
Außenohr
Sensibel
N. auriculotemporalis
N. auricularis magnus
N. occipitalis minor
N. vagus
N. trigeminus
N. facialis
N. glossopharyngeus
Haut der Ohrmuschel und des äußeren Gehörgangs
Mittelohr
Sensibel
N. tympanicus
N. glossopharyngeus
Schleimhaut der Paukenhöhle und Ohrtrompete
Innenohr
Sensorisch
N. vestibulocochlearis
Aufteilung in:
N. cochlearis (Hören)
N. vestibularis (Gleichgewicht)
Weiterleitung akustischer und vestibulärer Reize ans Gehirn
Muskeln des Mittelohres
Motorisch
N. mandibularis
N. facialis
Motorische Versorgung der Mittelohrmuskeln
Muskeln des Mittelohrs:
Muskel
Lage
Ansatz / Ziel
Innervation
Funktion
M. tensor tympani
Paukenhöhle
Setzt am Hammer an
N. mandibularis
Spannt das Trommelfell
Dämpft laute Geräusche
M. stapedius
Paukenhöhle
Zieht zum Steigbügel
N. facialis
Dämpft Schwingungen des Steigbügels
Schützt das Innenohr vor Schalldruck
Physiologie
Organfunktion:
Das Ohr erfüllt zwei zentrale Sinnesfunktionen:
Hörsinn: Das Ohr nimmt Schallwellen aus der Umgebung auf und wandelt diese in elektrische Signale um. Diese werden über den Hörnerv als Aktionspotenziale an das Gehirn weitergeleitet, wo sie als Geräusche oder Töne wahrgenommen werden
Gleichgewichtssinn: Das Gleichgewichtsorgan im Ohr liefert dem Gehirn Informationen über die Lage und Bewegung des Körpers, wodurch die Körperhaltung und Orientierung im Raum gesteuert werden können
Tipp
Die im Innenohr entstehenden Sinnesreize werden über den VIII. Hirnnerv (N. vestibulocochlearis) weitergeleitet:
Der N. cochlearis überträgt die Hörinformationen aus der Cochlea
Der N. vestibularis überträgt die Gleichgewichtsinformationen aus dem Vestibularorgan
Im Gehirn werden beide Signale verarbeitet und miteinander koordiniert
Messgrößen:
Schalldruckpegel (Dezibel): Beschreibt, wie laut ein Geräusch ist
Frequenz (Hertz): Gibt an, wie hoch oder tief ein Ton klingt
Lautheit (Phon): Beschreibt das subjektive Empfinden der Lautstärke durch den Menschen
Bedeutung im Körper:
Zentral vestibuläre Verarbeitung:
Merke
Die zentrale Verarbeitung von Gleichgewichtsinformationen besteht aus NervenfasernundNervenzellen, die Informationenzu unterschiedlichen Bereichen des Gehirnsleiten.
Zentral vestibuläre Störungen:
Zentrale vestibuläre Störungen betreffen Strukturen des Gehirnstamms und des Kleinhirns, die für die Verarbeitung und Integration vestibulärer Signale zuständig sind.
Folgen:
Schwindel
Gang- und Standunsicherheit
Doppelbilder / Blickrichtungsnystagmus
Übelkeit, Erbrechen
Kopfschmerzen, neurologische Begleitsymptome
Nystagmus
Definition
Ein Nystagmus ist ein Zustand, bei dem es zu unkontrollierten, rhythmischen Bewegungen eines oder beider Augen kommt.
Info
Ein Nystagmus kann in drei verschiedene Arten eingeteilt werden:
Horizontaler Nystagmus: Die Augen bewegen sich schnell hin und her in der horizontalen Richtung
Vertikaler Nystagmus: Die Augen bewegen sich schnell auf und ab in vertikaler Richtung
Rotationsnystagmus: Die Augen bewegen sich schnell in einer rotierenden Bewegung
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Quellen
Mayerhofer A, Kirsch, J Aust, G, Mense, S Engele, J: Duale Reihe Anatomie. Georg Thieme Verlag, 2024. ISBN: 9783132452572