Zusammenfassung

Ösophagusdivertikel sind pathologische Ausstülpungen der Wand des Ösophagus, die als Pulsions- oder Traktionsdivertikel klassifiziert werden. Pulsionsdivertikel entstehen durch erhöhten intraluminalen Druck, der die Mukosa und Submukosa durch Schwachstellen in der Muscularis presst, während Traktionsdivertikel durch Zugkräfte von außen entstehen, oft aufgrund von Entzündungen oder malignen Prozessen im Mediastinum
Pathophysiologie
Abhängig von der Pathophysiologie werden Pulsions- und Traktionsdivertikel unterschieden:
| Pulsionsdivertikel | Traktionsdivertikel | |
|---|---|---|
| Pathophysiologie | Erhöhter intraluminaler Druck und/oder Schwachstellen in der Muscularis begünstigen die Ausstülpung der Mukosa und Submokasa durch die Muscularis → Pseudodivertikel | Ausstülpung aller Wandschichten durch Zugkräfte (Traktion). Diese können im Rahmen von mediastinalen Entzündungen, Adhäsionen oder malignen Prozessen auftreten → Echtes Divertikel |
| Typische Lokalisationen | Zervikales (Zenker-) Divertikel, epiphrenisches Divertikel | Parabronchiales Divertikel (im Bereich der Bifurkation der Trachea |
InfoDas Killian-Dreieck ist eine dreieckige Schwachstelle im Übergang der Hypopharynx-Muskulatur zur Ösophagus-Muskulatur (dorsal). Diese muskelschwache Region befindet sich zwischen der Pars obliqua und Pars fundiformis des Musculus cricopharyngeus (Teil des M. constrictor pharyngis inferior). Bei einer Bindegewebsschwäche im höheren Alter kann es hier zu Ausstülpungen kommen, die als Zenker-Divertikel bezeichnet werden. Obwohl diese Region anatomisch zum Hypopharynx gehört, wird das Zenker-Divertikel dennoch zu den Ösophagusdivertikeln gezählt.
Klinik
| Ösophagusdivertikel | Klinik |
|---|---|
| Zervikal/Zenker |
|
| Parabronchial |
|
| Epiphrenisch |
|
TippDas Leitsymptom ist die Dysphagie (Schluckbeschwerden)
TippAnamnestisch weisen das Gefühl des Steckenbleibens von Nahrung und häufiges Nachtrinken auf eine Dysphagie hin.
MerkeMerkspruch zum Zenker-Divertikel “Eldery MIKE has bad breath”
Elderly, Male individuals, Inferior pharyngeal constrictor, Killian triangle, Esophageal dysmotility, halitosis.
Diagnostik
- Anamnese, körperliche Untersuchung
- Ösophagusbreischluck
- Mit Barium oder wasserlöslichem Kontrastmittel (Gastrografin)
- Das Divertikel stellt sich als abgerundete & kontrastmittelgefüllte Ausstülpung/ Ausbuchtung dar

Hellerhoff, CC BY-SA 3.0 , https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0, via Wikimedia Commons
- ÖGD
(Perforationsrisiko!) - Möglichkeit der Biopsie (Ausschluss Malignität)
Therapie
Bei kleineren, asymptomatischen Divertikeln ist keine Therapie erforderlich.
Bei großen Divertikeln, dem Auftreten von Symptomen oder Fistelbildung kann operativ behandelt werden. Hier bestehen die Möglichkeiten eines offenen oder eines endoskopischen Eingriffs zur Divertikelresektion.
Komplikationen
- Ösophagusdivertikulitis
- Blutung
- Perforation (selten)
- Aspirationspneumonie
/Lungenabszess - Kompression des N. laryngeus recurrens mit Dysphonie (Stimmstörungen)
- Parabronchiales Divertikel: Perikarditis
, Pleuritis, Fistelbildung zwischen Ösophagus und Bronchialsystem
Quellen
- Feußner H, Hüser N, Wilhelm D et al (2017) Operative Therapie von Divertikeln der Speiseröhre : Endoskopisch oder offen? Chirurg 88:196–203. https://doi.org/10.1007/s00104-016-0344-5

