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Ösophagusdivertikel

6 Minuten Lesezeit
Ösophagusdivertikel

Ösophagusdivertikel sind pathologische Ausstülpungen der Wand des Ösophagus, die als Pulsions- oder Traktionsdivertikel klassifiziert werden. Pulsionsdivertikel entstehen durch erhöhten intraluminalen Druck, der die Mukosa und Submukosa durch Schwachstellen in der Muscularis presst, während Traktionsdivertikel durch Zugkräfte von außen entstehen, oft aufgrund von Entzündungen oder malignen Prozessen im Mediastinum. Typische Lokalisationen für diese Divertikel sind zervikal (Zenker-Divertikel), parabronchial und epiphrenisch, wobei das Zenker-Divertikel das häufigste ist und mit Symptomen wie Dysphagie, Regurgitation und Halitosis assoziiert ist. Die Diagnose erfolgt mittels Anamnese, Ösophagusbreischluck und Ösophagogastroduodenoskopie (ÖGD), und die Behandlung variiert von konservativ bei asymptomatischen Fällen bis hin zu chirurgischen Eingriffen bei großen, symptomatischen oder komplizierten Divertikeln.

Abhängig von der Pathophysiologie werden Pulsions- und Traktionsdivertikel unterschieden:

 PulsionsdivertikelTraktionsdivertikel
PathophysiologieErhöhter intraluminaler Druck und/oder Schwachstellen in der Muscularis begünstigen die Ausstülpung der Mukosa und Submokasa durch die Muscularis 
→ Pseudodivertikel
Ausstülpung aller Wandschichten durch Zugkräfte (Traktion). Diese können im Rahmen von mediastinalen Entzündungen, Adhäsionen oder malignen Prozessen auftreten 
→ Echtes Divertikel
Typische LokalisationenZervikales (Zenker-) Divertikel, epiphrenisches DivertikelParabronchiales Divertikel (im Bereich der Bifurkation der Trachea)
 Info

Das Killian-Dreieck ist eine dreieckige Schwachstelle im Übergang der Hypopharynx-Muskulatur zur Ösophagus-Muskulatur (dorsal). Diese muskelschwache Region befindet sich zwischen der Pars obliqua und Pars fundiformis des Musculus cricopharyngeus (Teil des M. constrictor pharyngis inferior). Bei einer Bindegewebsschwäche im höheren Alter kann es hier zu Ausstülpungen kommen, die als Zenker-Divertikel bezeichnet werden. Obwohl diese Region anatomisch zum Hypopharynx gehört, wird das Zenker-Divertikel dennoch zu den Ösophagusdivertikeln gezählt.

 

ÖsophagusdivertikelKlinik
Zervikal/Zenker
  • Dysphagie, gurgelndes Geräusch beim Trinken, Regurgitation, Halitosis (Mundgeruch), Aspiration
  • Häufig im höheren Lebensalter
Parabronchial
  • Oft asymptomatisch
  • Hustenanfälle, Dysphagie
Epiphrenisch
  • Oft assoziiert mit Hiatushernien und Achalasie
  • Dysphagie, retrosternales Druckgefühl, intermittierende Regurgitation
 Tipp

Das Leitsymptom ist die Dysphagie (Schluckbeschwerden)

 Tipp

Anamnestisch weisen das Gefühl des Steckenbleibens von Nahrung und häufiges Nachtrinken auf eine Dysphagie hin.

 Merke
Merkspruch zum Zenker-Divertikel “Eldery MIKE has bad breath”

Elderly, Male individuals, Inferior pharyngeal constrictor, Killian triangle, Esophageal dysmotility, halitosis.

  • Anamnese, körperliche Untersuchung
  • Ösophagusbreischluck
    • Mit Barium oder wasserlöslichem Kontrastmittel (Gastrografin)
    • Das Divertikel stellt sich als abgerundete & kontrastmittelgefüllte Ausstülpung/ Ausbuchtung dar
Pulsionsdivertikel
  • ÖGD (Perforationsrisiko!)
    • Möglichkeit der Biopsie (Ausschluss Malignität)

Bei kleineren, asymptomatischen Divertikeln ist keine Therapie erforderlich.

Bei großen Divertikeln, dem Auftreten von Symptomen oder Fistelbildung kann operativ behandelt werden. Hier bestehen die Möglichkeiten eines offenen oder eines endoskopischen Eingriffs zur Divertikelresektion.

  • Ösophagusdivertikulitis 
  • Blutung
  • Perforation (selten)
  • Aspirationspneumonie/Lungenabszess
  • Kompression des N. laryngeus recurrens mit Dysphonie (Stimmstörungen)
  • Parabronchiales Divertikel: Perikarditis, Pleuritis, Fistelbildung zwischen Ösophagus und Bronchialsystem
Zuletzt aktualisiert am 23.09.2024
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