Osteoporose ist eine systemische Skeletterkrankung, die durch eine Abnahme der Knochendichte und den Verlust der Mikroarchitektur des Knochengewebes gekennzeichnet ist. Die Folge ist ein erhöhtes Frakturrisiko.
Zu den typischen Risikofaktoren zählen u.a. ein fortgeschrittenes Lebensalter, der postmenopausale Östrogenabfall, Immobilität, Rauchen sowie bestimmte Ernährungsfaktoren. Symptome äußern sich meist erst mit dem Auftreten sog. Fragilitätsfrakturen, weshalb Osteoporose häufig auch als „stille Krankheit“ bezeichnet wird.
Allgemeine Therapie- und Prophylaxemaßnahmen umfassen die Steigerung der körperlichen Aktivität sowie eine ausreichende Versorgung mit Calcium und Vitamin D3. Ergänzend stehen für die spezifische Therapie antiresorptive und osteoanabole Medikamente zur Verfügung. Im Folgenden werden Ernährungsempfehlungen für die Prävention und Behandlung der Osteoporose auf Grundlage aktueller Leitlinien und wissenschaftlicher Erkenntnisse näher erörtert.
Eine knochenprotektive Ernährung spielt sowohl in der Prävention als auch in der Therapie der Osteoporose eine bedeutsame Rolle. Die Empfehlungen zielen darauf ab, die Knochenstabilität zu fördern und das Frakturrisiko zu senken.
Bei einer bereits bestehenden Erkrankung ist jedoch zu berücksichtigen, dass eine alleinige Anpassung der Ernährungsgewohnheiten nicht ausreichend ist. In diesem Kontext kann eine gesunde Ernährungsweise als komplementäre Maßnahme zu medikamentösen und physiotherapeutischen Interventionen betrachtet werden.
Untergewicht vermeiden (als ideal gilt ein BMI zwischen 20-24,9)
Bei älteren Personen sollte eine Gewichtsabnahme immer kontrolliert und unter Muskeltraining erfolgen
Proteinzufuhr:
Empfehlung einer ausreichenden Proteinzufuhr (0,8-1 g/kg KG/Tag)
Für Personen >65 Jahre mit erhöhtem Frakturrisiko wird eine eiweißreiche Ernährung mit mind. 1 g/kg KG/Tag empfohlen
Vitamin D:
Allgemeine Zufuhrempfehlung: 800-1000 IE/Tag
Wenn eine ausreichende Menge durch Sonnenexposition und Ernährung nicht oder nicht sicher erreicht werden kann, sollte eine Supplementierung erfolgen (800-1000 IE/Tag)
Die Supplementierung sollte 2000-4000 IE/Tag nicht überschreiten (im Fall einer Bolusgabe beträgt Höchstdosis 20000 IE)
Achtung
Vitamin-D-Versorgung
Eine adäquate Vitamin-D-Versorgung ist über die Ernährung allein nicht zu erreichen! Bei ausreichender Sonnenexposition ist der Körper grundsätzlich in der Lage, genügend Vitamin D zu produzieren. In den Wintermonaten ist die Sonnenstrahlung in unseren Breitengraden allerdings nicht intensiv genug, um den Bedarf zu decken. Hinzu kommt, dass viele Menschen (insb. ältere Personen) auch im Sommer nicht ausreichend Sonnenlicht erhalten, um eine optimale Versorgung zu gewährleisten.
Calcium:
Allgemeine Zufuhrempfehlung: mind. 1000 mg/Tag
Wenn die empfohlene Zufuhr über die Nahrung nicht oder nicht sicher erreicht werden kann, sollte Calcium zusätzlich in Form von Supplementen eingenommen werden
Für Patient:innen mit antiresorptiver medikamentöser Therapie ist eine ausreichende Versorgung mit Calcium und Vitamin D besonders wichtig → Ggf. Durchführung einer adäquaten Vortherapie, um die Versorgung sicherzustellen
Die empfohlene Calciumzufuhr (mind. 1000 mg/Tag) sollte durch eine Kombination verschiedener Lebensmittel erfolgen
Achtung
Hypokalzämie stellt bei der Anwendung mit Bisphosphonaten und Denosumab eine Kontraindikation dar!
Sicherstellung einer ausreichenden Vitamin-K-Versorgung – Der Dachverband Osteologie empfiehlt eine tägliche Zufuhr von 1 µg/kg KG
Ein bestehender Vitamin-K-Mangel sollte ausgeglichen werden
Etwa 50% der Patient:innen mit chronischen Erkrankungen (Diabetes, Hypertonie etc.) weisen einen Vitamin-K-Mangel auf - Klinisch relevante Gruppen der Risikopopulation sollten spezifische diätetische Empfehlungen erhalten
Es wird keine Empfehlung für eine generelle Substitution bei Osteoporose ausgesprochen (derzeit besteht keine ausreichende Evidenz, um eine Therapie mit Vitamin K2 allgemein als frakturwirksame Maßnahme zu empfehlen)
Beispiele für Vitamin-K-reiche Lebensmittel: Grünkohl, Blattspinat, Sauerkraut, Rosenkohl
Info
Der labortechnische Nachweis eines Vitamin-K-Mangels ist derzeit noch mit Schwierigkeiten verbunden. Für eine präzisere und vereinfachte Diagnosestellung ist die zukünftige Etablierung zuverlässiger Labormethoden abzuwarten.
Grüner Tee:
Es gibt immer mehr wissenschaftliche Belege dafür, dass grüner Tee einen positiven Einfluss auf die Gesundheit der Knochen hat. Eine 2019 veröffentlichte Metaanalyse zeigte bspw. einen Zusammenhang zwischen dem Konsum von grünem Tee und einem verringerten Frakturrisiko.
Mögliche Wirkmechanismen:
Antioxidative Wirkung: oxidativer Stress gilt als entscheidender Faktor für die altersbedingte Abnahme der Knochenmasse. Grüner Tee ist reich an Polyphenolen (insb. Catechinen), die antioxidative Eigenschaften aufweisen.
Stimulation der Osteoblasten: die im Tee enthaltenen Catechine wirken stimulierend auf die Aktivität der Osteoblasten
Antiinflammatorische Wirkung: chronische Entzündungsprozesse können den Verlust an Knochendichte begünstigen. Die Polyphenole im grünen Tee haben entzündungshemmende Eigenschaften und können daher dazu beitragen, die negativen Effekte einer chronischen Inflammation zu reduzieren.
Tipp
Für einen optimalen Knochenaufbau ist neben den genannten Nährstoffen u.a. auch eine ausreichende Versorgung mit Zink, Magnesium, Vitamin A, Vitamin C, Vitamin B6 und B12 sowie Folsäure wichtig.
Die allgemeinen Empfehlungen zur Prävention und Basistherapie gelten für alle Risikogruppen. Zusätzlich sollten beeinflussbare Risikofaktoren minimiert werden. Dazu zählen in erster Linie Rauchen und Alkoholkonsum.
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