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Palliative Versorgung (Palliative Care)

Palliativpflege
JG
36 Minuten Lesezeit

Was bedeutet es, schwer kranke und sterbende Menschen wirklich gut zu begleiten? Palliative Care stellt die Bedürfnisse von Patient:innen und Angehörigen in den Mittelpunkt – mit Fürsorge, Respekt und interdisziplinärer Zusammenarbeit. In diesem Artikel zeigen wir, worauf es in der palliativen Versorgung ankommt – und warum Haltung oft wichtiger ist als Handlung.

Palliative Care bezeichnet ein ganzheitliches Versorgungskonzept für schwer kranke und sterbende Menschen sowie deren Angehörige. Der Begriff leitet sich vom lateinischen pallium („Mantel“) ab und steht sinnbildlich für eine schützende, lindernde Begleitung. Im Zentrum stehen die individuellen Bedürfnisse und Wünsche der Betroffenen, unabhängig davon, ob es sich um pflegerische, medizinische oder seelsorgerische Maßnahmen handelt. Palliative Care ist vor allem durch die Haltung des betreuenden Teams geprägt – sie erfordert Empathie, Respekt und interdisziplinäre Zusammenarbeit.

Palliative Care richtet sich an Menschen mit weit fortgeschrittenen Tumorerkrankungen, chronischen internistischen, neurologischen oder infektiösen Erkrankungen, Demenz oder Multimorbidität im Alter. Auch Menschen mit geistiger Behinderung in der letzten Lebensphase können palliativ begleitet werden.

 Merke

Palliative Care ist das umfassende Konzept der palliativen Versorgung im Team, während Palliativpflege die konkreten pflegerischen Maßnahmen innerhalb dieses Konzepts bezeichnet.

Die Hospiz- und Palliativarbeit umfasst vier zentrale Dimensionen – Medizin, Pflege, psychosoziale Begleitung und Spiritualität – mit dem Ziel, schwer kranken und sterbenden Menschen eine möglichst hohe Lebensqualität zu ermöglichen. Dabei steht nicht die Lebensverlängerung im Vordergrund, sondern die ganzheitliche Linderung von Leid in all seinen Formen.

DimensionBeschreibung

Medizin

Spritze
  • Die Palliativmedizin lindert Schmerzen und belastende Symptome bei unheilbaren, fortgeschrittenen Erkrankungen
  • Sie wird interdisziplinär umgesetzt – durch Ärzt:innen, Pflegende, Therapeut:innen, Sozialarbeiter:innen und Seelsorger:innen

Pflege

  • Palliative Pflege orientiert sich an den individuellen Bedürfnissen der Betroffenen
  • Sie behandelt Symptome wie Atemnot, Schmerzen oder Wunden und integriert psychische sowie spirituelle Aspekte, um Teilhabe am Leben trotz Krankheit zu ermöglichen

Psychosoziale Begleitung

Emotionen
  • Qualifizierte Ehrenamtliche unterstützen Betroffene und Angehörige emotional und organisatorisch
  • Sie helfen, mit Ängsten und Abschied umzugehen und entlasten im Alltag sowie in den letzten Lebensstunden

Spiritualität

Spiritualität
  • Spiritueller Beistand respektiert alle Glaubensrichtungen und hilft beim Umgang mit Fragen nach dem Sinn, dem Sterben und dem Leben danach – ohne vorgefertigte Antworten, aber mit Offenheit und Zugewandtheit
 Merke

Diese vier Dimensionen wirken gemeinsam im Sinne einer individuellen, multiprofessionellen und respektvollen Begleitung am Lebensende.

Die palliative Haltung bildet die Grundlage jeder palliativen Versorgung und orientiert sich an drei zentralen Werten: Autonomie, Würde und Lebensqualität der Patient:innen.

  • Autonomie: Bedeutet, ehrliche Antworten zu geben, Entscheidungen zu respektieren und auch das Recht auf Nichtwissen zu akzeptieren
  • Würde: Zeigt sich im achtsamen Umgang mit persönlichen und emotionalen Grenzen
  • Im Mittelpunkt steht die Lebensqualität: Ziel ist es nicht, das Leben künstlich zu verlängern, sondern die verbleibende Zeit sinnvoll und lebenswert zu gestalten – getreu dem Leitsatz: „Nicht dem Leben mehr Tage, sondern den Tagen mehr Leben geben.“

Ein multidisziplinäres Palliative-Care-Team ist essenziell, um Menschen mit unheilbaren Erkrankungen ganzheitlich zu begleiten – körperlich, psychisch, sozial und spirituell.

Palliative-Care-Team

Regelmäßige Teambesprechungen sorgen für einen einheitlichen Informationsstand und ermöglichen gemeinsame Entscheidungen. Im Zentrum stehen stets die Perspektive, der Wille und die Lebensqualität der Patient:innen – mit respektvoller, offener Kommunikation als Grundlage.

Pflegekräfte übernehmen in der Palliativversorgung eine zentrale Rolle, da sie am engsten mit Patient:innen und Angehörigen in Kontakt stehen. Ihre Aufgaben reichen von der Grund- und Behandlungspflege über die Sterbebegleitung bis hin zur Koordination mit anderen Berufsgruppen. Im Fokus steht stets die Lebensqualität der Betroffenen – jede pflegerische Maßnahme muss individuell abgewogen werden.

Wichtige Kompetenzen in der Palliativpflege sind empathische Kommunikation, aktives Zuhören, Wahrnehmungsfähigkeit und Flexibilität. Diese Fähigkeiten entwickeln sich vor allem mit Erfahrung, weshalb der Austausch mit erfahrenen Kolleg:innen besonders wertvoll ist.

Zur Entlastung und Reflexion wird regelmäßige Teamsupervision empfohlen – sie unterstützt Pflegende im Umgang mit den emotionalen Herausforderungen der palliativen Arbeit.

Die Palliativversorgung verfolgt das Ziel, Patient:innen und ihren Familien einen würdevollen letzten Lebensabschnitt ohne belastende Beschwerden zu ermöglichen. Dabei stehen körperliche, psychische und spirituelle Aspekte gleichermaßen im Fokus.

Zentrale Ziele sind:

  • Lebensqualität verbessern: Schöne Momente ermöglichen, Beziehungen erhalten
  • Schmerzeinstellung: Effektive Schmerztherapie zur Linderung körperlicher Beschwerden
  • Symptomkontrolle: Behandlung belastender Symptome wie Atemnot, Übelkeit oder Verwirrtheit
  • Psychologische Unterstützung: Hilfe bei Ängsten, Depressionen und emotionaler Belastung
  • Spirituelle Begleitung: Unterstützung bei existenziellen und religiösen Fragen, wenn gewünscht
  • Familienunterstützung: Entlastung und Begleitung der Angehörigen im Krankheits- und Sterbeprozess
 Merke

Palliativpflege kommt zum Einsatz, wenn ein Mensch an einer unheilbaren, fortschreitenden Erkrankung leidet. Sie richtet sich nicht nur an sterbende Menschen im Endstadium, sondern auch an schwer erkrankte Patient:innen mit dem Ziel, Symptome und Leiden zu lindern – sowohl zu Hause als auch stationär.

Zentrale Grundlage der Palliativversorgung ist der Wille der betroffenen Person. Solange Patient:innen selbst über ihre Versorgung sprechen können, sollten Wünsche frühzeitig erfragt und dokumentiert werden. Ist das nicht mehr möglich, stehen Angehörige vor der schwierigen Aufgabe, die mutmaßlichen Vorstellungen der erkrankten Person zu ermitteln. Das gilt besonders in komplexen Situationen, etwa bei Demenz, wenn Patient:innen unruhig, aggressiv oder ablehnend auf Pflege reagieren.

Zur Orientierung helfen Gespräche mit Hausärzt:innen, Pflegenden, der Familie und ggf. rechtlichen Betreuenden. Auch eine vorhandene Patientenverfügung kann entscheidend sein, etwa bei Fragen zur künstlichen Ernährung oder lebensverlängernden Maßnahmen. Ziel bleibt stets, eine würdevolle und dem (mutmaßlichen) Willen entsprechende Betreuung sicherzustellen.

In der Sterbephase hat die Basispflege das Ziel, Beschwerden zu lindern und Wohlbefinden zu fördern – nicht mehr die vollständige Versorgung im klassischen Sinn.

 Besonderheit

Ernährung und Flüssigkeit

  • Hunger- und Durstgefühl nehmen ab → Zwang zur Nahrungsaufnahme ist nicht sinnvoll
  • Lindernde Mundpflege und kleine Schlucke oder Häppchen können angenehme Reize bieten

Haut- und Körperpflege

  • Nur so viel Pflege wie nötig – individuell angepasst und entlastend
  • Berührungen wie Hand- oder Fußmassagen wirken beruhigend und können auch Angehörige übernehmen

Ausscheidung

  • Inkontinenz ist häufig → Dauerkatheter meist nicht notwendig
  • Schutzhosen und schonender Umgang beim Wechseln stehen im Vordergrund

Dekubitusprophylaxe

  • Kein häufiger Positionswechsel, wenn belastend
  • Mikrolagerung, Wunschpositionen und das Gefühl von Geborgenheit (z.B. Nestlage) sind wichtiger als technische Hilfsmittel wie Wechseldrucksysteme

Sonstige Prophylaxen

  • Nur bei individueller Indikation → Priorität liegt auf Symptomlinderung und Abstimmung mit Team und Angehörigen
 Merke

Ein Dekubitus in der Sterbephase ist laut Expertenstandard kein Pflegefehler, sondern in vielen Fällen nicht vermeidbar.

In der finalen Sterbephase kommt es häufig zu Symptomen, die den sterbenden Menschen belasten können. Damit eine Abschiednahme und ein würdevolles sowie schmerzfreies Sterben möglich sind, gilt es, die belastenden Symptome zu lindern.

SymptomeWie können die Symptome gelindert werden?

Schmerzen

Kopfschmerzen
  • Schnelle, gezielte Schmerzerfassung (z.B. mit NRS oder verbalen Skalen)
  • Priorisierung palliativer Maßnahmen vor kurativen Zielen bei absehbarem Sterbeprozess
  • Nutzung vorhandener palliativmedizinischer Notfallpläne (z.B. SAPV, Patientenverfügung)
  • Kommunikation mit Angehörigen und ggf. Rücksprache mit Haus- oder Palliativärzt:in
  • Möglichst keine unnötige Verbringung in die Klinik, wenn nicht gewünscht oder nicht sinnvoll

Dyspnoe

Atemnot
  • Medikamentöse Maßnahmen
    • Morphin (auch in niedriger Dosis): Wirkt zentral dämpfend auf das Atemzentrum, senkt das Atemantriebsgefühl und lindert dadurch subjektiv empfundene Atemnot
    • Benzodiazepine (z.B. Midazolam): Bei starker Angst oder Panik in Verbindung mit Dyspnoe
      • anxiolytisch und entspannend
    • Bedarfsmedikation: Wenn ärztlich verordnet, sofortige Gabe von Opiaten, Benzodiazepinen oder anderen im Notfallplan dokumentierten Medikamenten
  • Nicht-medikamentöse Maßnahmen
    • Beruhigende Kommunikation und Nähe: Ein ruhiger Tonfall, aufrechte Körperhaltung, Blickkontakt und das Ernstnehmen der Beschwerden können die Atemnot spürbar lindern
    • Lagerung: Kutschersitz (sitzend, Unterarme auf die Oberschenkel gestützt) oder Oberkörperhochlagerung erleichtern die Atemarbeit
    • Frischluftzufuhr: Offenes Fenster oder Ventilator zur Stimulation trigeminaler Nerven kann subjektiv das Atemgefühl verbessern
    • Atemanleitung: Sanfte Anleitung zu verlangsamt bewusster Atmung (z.B. mitbetontes Ausatmen)
    • Anwesenheit einer vertrauten Person
  • Kommunikation und Haltung
    • Subjektives Empfinden steht im Vordergrund: Auch bei normfrequenter Atmung kann Dyspnoe als extrem belastend empfunden werden
    • Palliative Haltung zeigen: Wahrnehmen, beruhigen, begleiten – nicht nur therapieren

Übelkeit und Erbrechen

  • Übelkeit und Erbrechen frühzeitig wahrnehmen, ggf. antiemetisch behandeln (z.B. mit Metoclopramid, Ondansetron, bei ärztlicher Verordnung)
  • Emotionale Bedeutung berücksichtigen: Nicht jede Übelkeit ist rein körperlich bedingt – Angst, Ekel, Kontrollverlust können mitwirken
  • Patient:innenwünsche ernst nehmen, auch wenn sie medizinisch riskant erscheinen – Selbstbestimmung und Lebensqualität haben Vorrang
  • Ziel ist nicht Beschwerdefreiheit um jeden Preis, sondern das Ermöglichen positiver Erfahrungen im Rahmen der individuellen Grenzen

Obstipation

  • Medikamentöse Maßnahmen (ärztlich verordnet)
    • Laxanzien (Abführmittel): Standard bei Opioidtherapie; z.B. Macrogol, Natriumpicosulfat oder Laktulose
    • Bei Steigerung der Opioiddosis sollte auch die Laxanzien-Dosis angepasst werden
    • Bei Bedarf ggf. rektale Entleerungshilfen, z.B. Suppositorien oder Mini-Einläufe
  • Nicht-medikamentöse Maßnahmen
    • Kolonmassage: Sanfte, kreisende Massage im Uhrzeigersinn entlang des Dickdarms
    • Flüssigkeitszufuhr: Wenn möglich und gewünscht, zur Unterstützung der Darmfunktion
    • Mobilisation im Rahmen des Möglichen: Auch kleine Lageveränderungen können helfen

Mundtrockenheit

Mund
  • Mundpflege ist auch im Einsatz wichtig: Feuchte Tücher, Wattestäbchen oder mit Wasser getränkte Gazestreifen können schnell Erleichterung verschaffen
  • Angehörige mit einbeziehen, wenn möglich
  • Auf Würde, Nähe und Bedürfnisse achten: Ein feuchter Mund ist oft mehr wert als jede Infusion

Angst

  • Gespräche auf Augenhöhe, auch bei zeitlich begrenztem Kontakt
  • Kein Druck zur Aufklärung oder Beruhigung – manchmal reicht es, einfach da zu sein
  • Bei starker Angst: Gabe von Anxiolytika nach ärztlicher Verordnung erwägen
  • Beratung über weiterführende Hilfe (z.B. Hospizdienste oder seelsorgerische Kontakte), wenn noch Zeit ist

Unruhe

Person
  • Ruhiges Auftreten und klare Kommunikation
  • Körperliche Ursachen prüfen (z.B. Harndrang, Schmerzen)
  • Kein unnötiges Fixieren oder Festhalten, sondern beruhigen durch Anwesenheit und sanfte Ansprache
  • Bei starker Unruhe: Anfrage bei Ärzt:in zu Sedativa (wenn verfügbar) oder Rücksprache mit Palliativteam

Juckreiz

Juckreiz
  • Ursachenklärung, wenn möglich: Liegt eine bekannte Leber- oder Nierenerkrankung vor? Gab es kürzlich ein neues Medikament?
  • Akute Linderung durch einfache Mittel: z.B. kalte Umschläge, sanftes Einreiben mit Lotion
  • Anxiolytische oder antihistaminerge Medikamente bei starker Belastung und vorhandener ärztlicher Anordnung
  • Wertschätzung des Symptoms als ernsthafte Belastung, auch wenn es „unsichtbar“ bleibt

Müdigkeit und Schwäche

Palliative care
  • Ruhe und Schutz bieten: z.B. Lärm oder helle Lichter im Fahrzeug vermeiden
  • Einfühlsame Kontaktaufnahme, ggf. über Geruch oder Berührung statt Sprache
  • Angehörige informieren, dass Müdigkeit und Rückzug typische Zeichen des Sterbeprozesses sind
  • Keine forcierte Kommunikation oder Reaktion erzwingen, sondern einfach präsent sein

Exulzerierende Wunden

Verletzung
  • Sensible Reaktion auf Geruch und Aussehen der Wunde, ohne sichtbares Erschrecken oder negative Kommentare
  • Verband nur bei starker Blutung oder Absprache wechseln – sonst Verband belassen und Patient:in nicht zusätzlich belasten
  • Keine Bewertung, sondern Würde und Ruhe in den Vordergrund stellen
  • Ggf. Fenster öffnen oder Desinfektionstücher verwenden, um Raumluft kurzfristig zu verbessern

Das Hospiz- und Palliativgesetz (HPG) von 2015 stärkt die Versorgung schwer kranker und sterbender Menschen. Es fördert die Finanzierung stationärer Hospize, den Ausbau ambulanter Dienste und die flächendeckende Einführung der Hospizkultur in allen Versorgungseinrichtungen. Ziele sind eine umfassende Betreuung am Lebensende, bessere Koordination, sowie Monitoring und Evaluation der Versorgungsangebote.

Im Hinblick auf den assistierten Suizid hat das Bundesverfassungsgericht 2020 ein Recht auf selbstbestimmtes Sterben festgestellt. Die gesetzliche Regelung steht noch aus. Pflegefachpersonen in der Palliativversorgung begegnen diesem Thema zunehmend und sollten sich im Team und mit Vorgesetzten abstimmen – etwa über ethische Fallbesprechungen – um sicher und verantwortungsvoll handeln zu können.

Die Palliativpflege ermöglicht schwerstkranken Menschen ein würdevolles Leben und Sterben – idealerweise in der gewohnten häuslichen Umgebung.

Dabei wird zwischen der allgemeinen ambulanten Palliativversorgung (AAPV) und der spezialisierten ambulanten Palliativversorgung (SAPV) unterschieden:

EinrichtungBeschreibung
AAPV
  • Ambulante Pflegedienste übernehmen die Betreuung, auch ohne spezielle Zusatzausbildung
  • Viele Dienste bieten jedoch Pflege durch Fachkräfte mit der Zusatzqualifikation „Palliative Care“ an, die unter anderem Schmerztherapie, Tumorwundversorgung und psychosoziale Unterstützung leisten
SAPV
  • Richtet sich an besonders schwer erkrankte Patient:innen mit komplexem Versorgungsbedarf
  • Hier arbeiten spezialisierte Teams aus Ärzt:innen, Pflegekräften und Therapeut:innen rund um die Uhr, um Krankenhausaufenthalte möglichst zu vermeiden
  • Die Kosten übernimmt die gesetzliche Krankenversicherung, sofern eine ärztliche Verordnung und Genehmigung der Krankenkasse vorliegen
Ambulante Hospizdienste
  • Wichtige psychosoziale Begleitung durch ehrenamtliche Helfer:innen
Hospize/Palliativstationen
  • Versorgung zu Hause ist nicht mehr möglich
  • Hier sorgen interdisziplinäre Teams für eine umfassende palliative Betreuung
Pflegeheime
  • Integrieren zunehmend Palliativpflege in ihre Konzepte
  • Ziel: Eine würdevolle Sterbebegleitung ermöglichen, Krankenhauseinweisungen vermeiden und Angehörige angemessen unterstützen
Anlaufstellen

Definition:

  • Ganzheitliche Versorgung für schwer kranke und sterbende Menschen
  • Fokus auf Bedürfnisse von Patient:in und Angehörigen
  • Umfasst Pflege, Medizin und Seelsorge
  • Geprägt von Haltung: Empathie, Respekt, Teamarbeit
  • Zielgruppe: z.B. Menschen mit fortgeschrittenen Tumorerkrankungen oder Demenz
  • Palliative Care = Konzept und Palliativpflege = pflegerische Maßnahmen

Dimensionen der Hospiz- und Palliativarbeit:

  • Ziel: Ganzheitliche Linderung von Leid, nicht Lebensverlängerung
  • Medizin: Schmerz- und Symptomlinderung bei unheilbaren Erkrankungen im interdisziplinären Team
  • Pflege: Orientierung an individuellen Bedürfnissen, Behandlung belastender Symptome, Einbezug psychischer und spiritueller Aspekte
  • Psychosoziale Begleitung: Ehrenamtliche bieten emotionale Unterstützung und entlasten im Alltag und Sterbeprozess
  • Spiritualität: Begleitung in Sinnfragen unabhängig von Religion, mit Offenheit und ohne fertige Antworten

Palliative Haltung:

  • Grundlage der palliativen Versorgung
  • Drei zentrale Werte: Autonomie, Würde, Lebensqualität
  • Autonomie: Ehrlichkeit, Entscheidungsfreiheit, Recht auf Nichtwissen
  • Würde: Achtsamer Umgang mit persönlichen Grenzen
  • Lebensqualität im Fokus: Leben nicht verlängern, sondern erfüllte Zeit ermöglichen

Arbeit im multidisziplinären Team:

  • Ganzheitliche Begleitung bei unheilbaren Erkrankungen: körperlich, psychisch, sozial, spirituell
  • Einsatz in Palliativstationen, ambulanten Diensten, geriatrischen und pflegerischen Einrichtungen
  • Teammitglieder: Ärzt:innen, Pflegekräfte, Sozialarbeiter:innen, Seelsorger:innen, Therapeut:innen, Psychotherapeut:innen, Diätassistent:innen, ehrenamtliche Hospizhelfer:innen
  • Regelmäßige Teambesprechungen für abgestimmte Versorgung
  • Fokus: Wille, Perspektive und Lebensqualität der Patient:innen
  • Grundlage: respektvolle, offene Kommunikation im Team
AufgabenZieleVoraussetzungen
  • Zentrale Bezugspersonen für Patient:innen und Angehörige
  • Aufgaben: Grund- und Behandlungspflege, Sterbebegleitung, Koordination im Team
  • Ziel: Erhalt der Lebensqualität durch individuell angepasste Pflege
  • Wichtige Kompetenzen: Empathie, aktives Zuhören, Wahrnehmungsfähigkeit, Flexibilität
  • Erfahrungsaustausch mit Kolleg:innen fördert Handlungssicherheit
  • Teamsupervision empfohlen zur emotionalen Entlastung und Reflexion
  • Würdevoller Lebensabschnitt ohne unerträgliche Beschwerden
    • Lebensqualität erhalten und schöne Momente ermöglichen
    • Schmerzen und belastende Symptome lindern
    • Psychische Unterstützung für Patient:in und Familie
    • Spirituelle Begleitung nach Wunsch
    • Familienentlastung und -begleitung im Krankheitsprozess
  • Einsatz bei unheilbaren, fortschreitenden Erkrankungen
  • Ziel: Leid lindern, Lebensqualität erhalten
  • Wille der Patient:innen steht im Mittelpunkt
  • Frühzeitige Gespräche oder Patientenverfügung wichtig
  • Enge Abstimmung mit Ärzt:innen, Pflege, Familie nötig

Besonderheiten in der Basispflege:

  • Ernährung/Flüssigkeit: Kein Zwang zum Essen oder Trinken; lindernde Mundpflege und kleine Schlucke ausreichend
  • Körperpflege: Nur nach Bedarf und Belastbarkeit; beruhigende Berührungen sinnvoll
  • Ausscheidung: Inkontinenz häufig; Schutzhosen statt Dauerkatheter
  • Dekubitusprophylaxe: Kein häufiger Positionswechsel bei Schmerzen; Mikrolagerung und Nestlage bevorzugt
  • Prophylaxen allgemein: Nur individuell und symptomorientiert durchführen
  • Wichtig: Dekubitus in der Sterbephase ist kein Pflegefehler

Symptomkontrolle:

  • Ziel: Würdevolles, schmerzfreies Sterben im Sinne der Patient:innenautonomie
  • Symptome und Maßnahmen
SymptomeWie können die Symptome gelindert werden?

Schmerzen

  • Schnelle Schmerzerfassung (z.B. NRS)
  • Palliative Therapie statt unnötiger Klinikeinweisung
  • Rücksprache mit Palliativärzt:in/Angehörigen

Dyspnoe

Atemnot
  • Morphin, Benzodiazepine (nach Verordnung)
  • Lagerung, Frischluft, ruhige Ansprache
  • Subjektives Empfinden steht im Mittelpunkt

Übelkeit/Erbrechen

  • Frühzeitige Antiemetika (z.B. MCP, Ondansetron)
  • Emotionale Ursachen mitbedenken
  • Wünsche trotz Risiken berücksichtigen

Obstipation

  • Laxanzien bei Opioidgabe regelmäßig anpassen
  • Kolonmassage, Flüssigkeit, Lagerung

Mundtrockenheit

Mund
  • Feuchte Tücher, Mundpflegestäbchen
  • Lieblingsgetränke zum Befeuchten
  • Angehörige einbeziehen

Angst

  • Zuhören statt beschwichtigen
  • Seelsorge, Hospizhilfe, ggf. Anxiolytika
  • Präsenz zeigt Sicherheit

Unruhe

Person
  • Ursachen prüfen (z.B. Schmerzen, Harndrang)
  • Sanfte Ansprache, keine Fixierung
  • Sedativa bei starker Belastung nach Absprache

Juckreiz

Juckreiz
  • Ursachen klären (z.B. Opioide, Lebererkrankung)
  • Kühlende Lotionen, Antihistaminika
  • Symptom ernst nehmen

Müdigkeit/Schwäche

Müdigkeit
  • Ruhe zulassen, wache Zeit bewusst nutzen
  • Basale Stimulation (z.B. Düfte, Berührung)
  • Keine Überreizung, Angehörige informieren

Exulzerierende Wunden

Kopfschmerzen
  • Würdevoller Umgang, keine wertenden Reaktionen
  • Verband nur bei Notwendigkeit wechseln
  • Raum lüften, Geruch offen ansprechen

Rechtliche Aspekte:

  • Hospiz- und Palliativgesetz (HPG, 2015):
    • Bessere Finanzierung stationärer Hospize
    • Stärkung ambulanter Hospizdienste
    • Ziel: Flächendeckende Versorgung, bessere Koordination, Monitoring
  • Assistierter Suizid (Urteil 2020):
    • Recht auf selbstbestimmtes Sterben festgestellt
    • Gesetzliche Regelung steht noch aus
    • Pflegefachpersonen sollten ethische Fallbesprechungen und Teamabsprachen nutzen

Ambulante und stationäre Palliativpflege:

  • Ziel: Würdevolles Leben und Sterben in vertrauter Umgebung
  • AAPV: Pflege durch ambulante Dienste, teils mit Zusatz „Palliative Care“
  • SAPV: Spezialisierte Teams (Ärzt:innen, Pflege, Therapie), 24/7 verfügbar, Kassenleistung bei Verordnung
  • Ambulante Hospizdienste: Ehrenamtliche psychosoziale Begleitung zu Hause
  • Hospize/Palliativstationen: Stationäre Betreuung durch interdisziplinäre Teams
  • Pflegeheime: Eigene Palliativkonzepte, Fokus auf Sterbebegleitung und Angehörigenunterstützung

Anlaufstellen:

  • Hausärzt:innen: Beratung und Organisation der Versorgung
  • Krankenhäuser: Informationen zu regionalen Palliativangeboten
  • Hospiz- und Palliativverbände: Lokale Beratung und Unterstützung
  • Online-Verzeichnisse: z.B. über die Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin (DGP)
  • Krankenkassen: Auskunft und Hilfe bei der Pflegeorganisation
Zuletzt aktualisiert am 27.07.2026
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