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Pankreashormone

EP
8 Minuten Lesezeit
Insulin & Glucagon

Insulin ist ein Peptidhormon und wirkt anabol, das heißt es fördert den Aufbau der Kohlenhydrat- und Fettspeicher sowie der Proteine für die Skelettmuskulatur. Gleichzeitig werden katabole Stoffwechselvorgänge, die den Energiespeicher des Körpers abbauen, gehemmt. Insulin sorgt somit für eine Senkung des Blutglucosespiegels. Der Gegenspieler des Insulins im Glucosestoffwechsel ist das Glucagon, das in der Leber die Gluconeogenese und den Glycogenabbau fördert. Im Fettstoffwechsel ist Adrenalin der Gegenspieler des Insulins, das die Mobilisierung von Fettsäuren steigert.

Syntheseort:

Insulin und Glucagon werden in speziellen Zellen des Pankreas gebildet. Das Pankreas besteht aus ca. 1 Million Langerhans-Inseln, die sich aus 4 verschiedenen hormonproduzierenden Zelltypen zusammensetzen: 

  1. α-Zellen (20%): Glucagon
  2. β-Zellen (60-70%): Insulin
  3. δ-Zellen: Somatostatin
  4. PP-Zellen: pankreatische Polypeptid (PP) 
Syntheseort - Insulin & Glucagon

Insulinsekretion: 

Die Insulinausschüttung wird durch den Blutzuckerspiegel reguliert. Bei steigendem Blutzuckerspiegel werden die Vesikel, in denen das Insulin gemeinsam mit C-Peptid (das Prohormon Proinsulin wird in Insulin und C-Peptid gespalten) und Zinkionen gespeichert ist, durch Exozytose ins Blut abgegeben. 

Ablauf: 

  1. Aufnahme von Glucose in die ß-Zelle über Glucosetransporter (GLUT-1) durch erleichterte Diffusion. Die Glucokinase phosphoryliert Glucose zu Glucose-6-phosphat
  2. Glucose-6-phosphat wird über Glycolyse, Citratzyklus und Atmungskette abgebaut ➜ intrazelluläres ATP ↑
  3. ATP bindet an den ATP-abhängigen Kaliumkanal, der auf diese Weise gehemmt wird. Die K+-Leitfähigkeit sinkt ➜ Depolarisation
  4. Einstrom von Ca2+ durch spannungsabhängige Ca2+-Kanäle
  5. Exozytose von Insulin ins Blut
Insulinsekretion
 Info

Klinischer Ausblick: Der ATP-abhängige K+-Kanal kann durch Sulfonylharnstoffe und  deren Analoga inhibiert werden. Dadurch stimulieren sie die Insulinsekretion und senken den Blutzuckerspiegel. Sie werden zur Therapie des Diabetes mellitus Typ 2 eingesetzt.

Regulation der Insulinsekretion:

Insulinfreisetzung fördernde Faktoren:

Glucose, gastrointestinale Hormone wie GLP-1 und GIP, Aktivierung des Parasympathikus, Aminosäuren (v.a. Arginin), Fettsäuren, 
Adrenalin2-Rezeptoren)

Insulinfreisetzung hemmende Faktoren:

Aktivierung des Sympathikus durch Noradrenalin und Adrenalin2-Rezeptoren), Somatostatin

Wirkmechanismus:

Insulin wirkt über einen membranständigen Rezeptor (Insulinrezeptor, IR), der aus vier Untereinheiten besteht: 

  • 2 extrazelluläre α-Untereinheiten
  • 2 membrandurchspannende β-Untereinheiten (Tyrosinkinase-Aktivität) 

Ablauf der Aktivierung des Insulinrezeptors: 

  1. Bindung von Insulin an die a-Untereinheiten des Insulinrezeptors bewirkt eine Konformationsänderung
  2. Es kommt zur Aktivierung der Tyrosinkinase-Domäne (ß-Untereinheit)
  3. Diese phosphoryliert sich zunächst selbst (Autophosphorylierung) und dann eine Reihe von Signaltransduktionsproteinen, insbesondere die Insulinrezeptorsubstrate (IRS). Diese sind Adapterproteine zwischen dem Insulinrezeptor und dem Protein, das die Signalkaskade weiterleitet
  4. Folgend werden weitere intrazelluläre Signalmoleküle aktiviert und rekrutiert, die verschiedene Signalwege und vielfältige Prozesse wie die Glucose-, Lipid- und Proteinverstoffwechselung anstoßen 
Insulinrezeptor

MAP-Kinaseweg:

  1. Phosphorylierung der SHC-Domäne von Grb2 -> Bindung von Grb2 und SOS
  2. Aktivierung von Ras und folgend Raf
  3. Aktivierung der MAP-Kinase-Kaskade und Phosphorylierung von Transkriptionsfaktoren
  4. Import der phosphorylierten Transkriptionsfaktoren in den Nucleus -> Aktivierung der Transkription verschiedener Zielgene
  5. Regulation von Proliferation und Differenzierung der Zelle

Insulinrezeptor-Substrat-Kaskade:

  1. Phosphorylierung des Insulinrezeptorsubstrats (IRS) durch die Insulin-Rezeptor-Tyrosinkinase (RTK)
  2. Aktivierung der PI3-Kinase (PI3K) ➜ PIP3 wird in der Zellmembran gebildet ➜ PIP3 bindet an die Proteinkinase B (PKB)
  3. PKB phosphoryliert mehrere Zielproteine

4.1   Phosphorylierung der Glykogensynthase-Kinase 3 (GSK3) und somit Deaktivierung dieser

4.1.1 Somit verminderte Deaktivierung der UDP-Glykogensynthase (indirekte Aktivierung)

4.1.2 Förderung der Glykogensynthese

4.2   Einbau von GLUT4 in die Zellmembran von Muskeln und Fettzellen

SH2-Adapterprotein-Kaskade:

1.    Phosphorylierung von SH2-Adapterprotein 2 (APS) und weiteren Proteinen verstärkt den Einbau von GLUT4 und fördert die Glykogen-Synthese

2.    Aktivierung der Phosphodiesterase -> Abbau von cAMP -> Hemmung Glucose-liefernder Wege

Nachdem kein Insulin mehr den Rezeptor bindet, wird die Rezeptor-Tyrosinkinase dephosphoryliert und somit deaktiviert.

Insulinrezeptor-Substrat-Kaskade

Metabolische Wirkungen:

Insulin wirkt an den Leber-, Skelettmuskel- und Fettzellen. Es reduziert den Blutzuckerspiegel und fördert die Energiespeicherung und das Zellwachstum.

ZielortWirkungenFolgen eines Insulinmangels

Kohlenhydratstoffwechsel

  • Senkung des Blutzuckerspiegels: gesteigerte Glucoseaufnahme durch Einbau von GLUT4 in die Plasmamembran von Skelettmuskel- und Fettzellen (Leberzellen nehmen über GLUT2 insulinunabhängig Glucose auf)
  • Förderung der Glycolyse
  • Förderung der Glycogensynthese in Leber und Muskeln
  • Hemmung der Glycogenolyse
  • Hemmung der Gluconeogenese in der Leber
  • Hyperglykämie (erhöhter Blutzuckerspiegel im Blut)

Fettstoffwechsel

  • Förderung der Aufnahme von Triglyceriden in Muskel- und Fettzellen
  • Förderung der Fettsäure- und Triglyceridsynthese
  • Hemmung der Lipolyse in Fettzellen
  • Bildung von Ketonkörpern

Proteinstoffwechsel

  • Förderung der Aminosäurenaufnahme in Muskel- und Fettzellen
  • Förderung der Aminosäurensynthese und Proteinbiosynthese (insbesondere in der Skelettmuskulatur)
  • Hemmung des Proteinabbaus
  • Vermehrte Harnstoffbildung
  • Gesteigerter Proteinabbau
Kaliumhaushalt
  • Stimulation der Natrium-Kalium-ATPase in allen Zellen, wodurch K+ nach intrazellulär verlagert wird ➜ Weniger Kalium im Blut
  • Verminderte intrazelluläre Kaliumkonzentration
  • Hyperkaliämie
Wachstums- und Differenzierungsprozesse
  • Induktion von Transkriptionsfaktoren
    → Proliferation und Differenzierung
 

Glucagon ist der Gegenspieler des Insulins. Es wirkt als kataboles Hormon, das den Abbau der Energiespeicher fördert und den Blutzuckerspiegel erhöht. Glucagon fördert bei einem verminderten Blutzuckerspiegel die Glucosefreisetzung aus der Leber. Es hält den Blutzuckerspiegel stabil

Glucagonfreisetzung fördernde Faktoren: 

  • Niedriger Blutzuckerspiegel
  • Proteinreiche Mahlzeiten (hohe Konzentration von Aminosäuren (v.a. Arginin) im Blut)
    • Bei proteinreicher Mahlzeit wird zusätzlich Insulin vermehrt ausgeschüttet. Um einen Abfall des Blutzuckerspiegels durch die erhöhte Insulinsekretion zu vermeiden, wird zusätzlich Glucagon ausgeschüttet
  • Körperliche Anstrengung/Stress (Sympathikusaktivierung, Katecholamine)
  • Gastrointestinale Hormone (z.B. Cholezystokinin) 

Glucagonfreisetzung hemmende Faktoren: 

  • Insulin
  • Somatostatin
  • Gastrointestinales Hormon (GLP-1) 

Wirkung:

Der Hauptwirkungsort von Glucagon ist die Leber. Glucagon wirkt hauptsächlich über einen G-Protein-gekoppelten Rezeptor an den Leberzellen: 

G-Protein-gekoppelter Rezeptor

➜  Adenylatcyclase ↑ 

➜  cAMP ↑ 

➜  Proteinkinase A (PKA) ↑ 

➜  Die Proteinkinase A kann die Transkription von Schrittmacherenzymen der Gluconeogenese, des Glycogenabbaus und der Lipolyse fördern 

ZielortWirkungen
Kohlenhydratstoffwechsel
  • Gluconeogenese ↑
  • Glycogenabbau ↑
  • Glucosefreisetzung ↑
  • Glycolyse ↓
  • Glycogensynthese ↓
Fettstoffwechsel
  • Lipolyse → ß-Oxidation (Fettsäureabbau) ↑
  • Bildung von Ketonkörpern aus Fettsäuren ↑
  • Fettsäuresynthese ↓

Diabetes mellitus

Diabetes mellitus ist eine Erkrankung des Kohlenhydratstoffwechsels,
die durch eine Erhöhung des Blutzuckerspiegels (Hyperglykämie) infolge eines Insulinmangels oder einer verminderten Insulinempfindlichkeit gekennzeichnet ist. Man unterscheidet:

  • Diabetes mellitus Typ 1 (absoluter Insulinmangel)
  • Diabetes mellitus Typ 2 (relativer Insulinmangel)
  • Diabetes mellitus Typ 3 (z.B. genetisch, infektiös oder immunologisch bedingt)
  • Diabetes mellitus Typ 4 (Gestationsdiabetes)

Normaler Blutzuckerspiegel: 80–100 mg/dl

Diabetes mellitus: Nüchternblutzucker >126 mg/dl oder Spontan-Blutzucker >200 mg/dl

➜ Wenn die Nierenschwelle von 150–180 mg/dl erreicht ist, wird Glucose mit dem Urin ausgeschieden

Der Insulinmangel bzw. die Insulinresistenz haben verschiedene Auswirkungen: 

➜ Verminderte GLUT4-vermittelte, insulinabhängige Glucoseaufnahme in Muskulatur und Fettgewebe

Eiweißabbau in der Muskulatur

➜ Transport der Aminosäuren zur LeberGluconeogenese ↑

     ➜ Gluconeogenese kann nicht mehr insulinabhängig gehemmt werden 

Glycogenabbau in der Leber

Diabetes mellitus Typ 1 

  • Autoimmunkrankheit (eher junge Personen betroffen)
    • T-Zell-vermittelte Zerstörung der ß-Zellen der Langerhans-Inseln
    • Absoluter Insulinmangel
  • Mögliche Folge ist eine metabolische Ketoazidose:
    • Fettgewebe: keine Glucoseaufnahme für die Triacylglycerinsynthese und fehlende Hemmung der Lipolyse durch Insulin -> Lipolyse ↑ ➜ Abbau von Triacylglycerinen
    • Fettsäuren im Blut ↑ ➜ Leber: Abbau der Fettsäuren zu Acetyl-CoA ➜ Ketonkörper im Blut ↑
    • Anreicherung von Ketonkörpern im Blut führt zu einer Abnahme des Blut-pH-Wertes -> metabolische Ketoazidose
    • Kann bis zu einem diabetischen Koma führen:
      • Respiratorische Kompensation: vertiefte und beschleunigte Atmung (Kußmaulatmung: Acetongeruch der Ausatemluft)
      • Dehydratation mit Abfall des Blutdrucks und Tachykardie
      • Ohnmacht/Koma
  • Rasches Auftreten des Krankheitsbildes bei meist jungen Patient:innen

Diabetes mellitus Typ 2 

  • Nach normaler Insulinproduktion der ß-Zellen und normaler Insulinsensitivität Zellen entwickelt sich eine zunehmende Insulinresistenz in Hepatozyten, Skelettmuskelzellen und Adipozyten
  • ➜ Relativer Insulinmangel 

Ursachen: 

  • Langsame Entwicklung bei überwiegend älteren und fettleibigen Patient:innen
  • Aufgrund von ungünstigen Ernährungsgewohnheiten:
    • Hyperkalorische Ernährung
    • Erhöhte Aufnahme von fett- und kohlenhydratreichen Lebensmitteln
  • Bewegungsmangel
  • Häufig gemeinsames Auftreten mit dem metabolischen Syndrom, das mindestens 2 der folgenden Symptome beinhaltet:
    • Gesteigerte Nüchternglucosewerte
    • Abdominelle Adipositas
    • Gesteigerte Triglyceride im Blut
    • Verringertes HDL-Cholesterin
    • Erhöhter Blutdruck
  • Die erbliche Veranlagung spielt bei dem Typ-2-Diabetes eine wichtige Rolle 

Klinik: 

  • Leistungsminderung, Müdigkeit
  • Vermehrte Glucoseausscheidung über den Urin (= Glucosurie)
    • Erhöhte Urinausscheidung (= Polyurie): Glucose zieht Flüssigkeit mit sich
    • Rezidivierende Harnwegsinfekte: Glucose ist Nährboden für Bakterien)
    • Hohe Elektrolyt- und Flüssigkeitsverluste
    • Wadenkrämpfe
  • Gewichtsabnahme (bei absolutem Insulinmangel) 

Spätkomplikationen: 

  • Makroangiopathie (Schädigung von mittleren und großen Gefäßen, vermehrt bei Typ 2)
    • Koronare Herzkrankheit, Herzinfarkt
    • Schlaganfall
    • Peripher arterielle Verschlusskrankheit (= pAVK)
  • Mikroangiopathie (Schädigung kleiner Gefäße)
    • Nierenschädigung (diabetische Nephropathie)
    • Augenschädigung (diabetische Retinopathie)
    • Nervenschädigung (diabetische Neuropathie)
  • Diabetisches Fußsyndrom (verminderte Sensibilität, Hautschädigungen bis hin zu Nekrosen)
    -> Kombination aus einer diabetischen Makro- und Mikroangiopathie sowie einer diabetischen Neuropathie 

Therapie: 

Unabhängig von der Art des Diabetes besteht das Ziel der Therapie darin, die Blutzuckerkonzentration so weit wie möglich zu normalisieren, um diabetische Spätkomplikationen zu vermeiden. Der HbA1c-Wert spiegelt den Blutzuckerwert der letzten 2-3 Monate wider und kann zur Therapiekontrolle verwendet werden. 

Therapie des Typ-1-Diabetes

  • Eine Insulintherapie ist bei Typ-1-Diabetiker:innen notwendig 

Therapie des Typ-2-Diabetes

  • Stufenweise Therapieeskalation bis zum Erreichen der Zielwerte:
    • Änderung des Lebensstils (z.B. Ernährungsumstellung und regelmäßige körperliche Betätigung), um Insulinresistenz zu vermindern
    • Medikamentöse Therapie mit oralen Antidiabetika
    • Insulingabe bei Typ-2-Diabetiker:innen als letzte Therapieoption 

Diabetes insipidus 

Der Diabetes insipidus ist von Diabetes mellitus zu unterscheiden. Der Diabetes insipidus entsteht, wenn ADH nicht vorhanden ist oder die Nieren nicht auf ADH reagieren. Die Folge ist eine verminderte Wasserresorption und eine hohe Urinausscheidung (Polyurie). Der Urin ist sehr dünn, das heißt, die Konzentration der verschiedenen Stoffe im Urin ist durch die hohe Wasserausscheidung gering. Es können 5 bis 30 Liter Urin pro Tag ausgeschieden werden. Dadurch entsteht ein sehr starkes Durstgefühl (Polydipsie). 

Zuletzt aktualisiert am 09.07.2025
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