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Parkinson-Medikamente

Antiparkinsonika
6 Minuten Lesezeit

Parkinson-Medikamente sind Arzneimittel zur Behandlung von Morbus Parkinson, einer neurodegenerativen Erkrankung, die durch den Verlust dopaminerger Neuronen gekennzeichnet ist. Die wichtigsten Medikamente sind Levodopa (L-Dopa), das im Gehirn zu Dopamin umgewandelt wird, und Dopamin-Agonisten wie Pramipexol und Ropinirol, die direkt die Dopaminrezeptoren stimulieren. MAO-B-Hemmer wie Selegilin und Rasagilin verlangsamen den Abbau von Dopamin, während COMT-Hemmer wie Entacapon die Wirkung von Levodopa verlängern. Diese Medikamente zielen darauf ab, das Dopamin-Gleichgewicht im Gehirn wiederherzustellen und die motorischen Symptome wie Rigor, Tremor, Akinese (verlangsamte Bewegungen) und posturale Instabilität zu verbessern. Häufige Nebenwirkungen sind Übelkeit, Schwindel und Halluzinationen.

Der Überbegriff für die Parkinson Krankheiten ist das sogenannte Parkinson-Syndrom. Dieses umfasst alle Krankheitsbilder mit den Symptomen Akinese, Rigor, Tremor und posturale Instabilität (Standunsicherheit). Bei den Patienten kommt es zu einem vornübergebeugten kleinschrittigen Gangbild und einem Ruhetremor. 80-90% aller Parkinson-Syndrome werden durch den idiopathischen Morbus Parkinson hervorgerufen. Die restlichen 10-20% der Patient:innen leiden an einem medikamentös bedingten Parkinsonismus (bspw. durch Antipsychotika bedingt) oder an anderen spezifischen Krankheitsbildern.

Leitsymptome Morbus Parkinson
Leitsymptome des Morbus Parkinson

Weitere Symptome:

  • Talgproduktion erhöht (Seborrhö) → „Salbengesicht“
  • Obstipation
  • Vermehrter Speichelfluss
  • Verlust des Geruchssinns (Hyposmie)
  • Reduzierte Mimik (Hypomimie)
  • Sexualstörungen
  • Depressionen
  • Demenz (im Spätstadium)

Pathophysiologie

Beim Parkinson kommt es zu einer Degeneration der Dopaminneurone der Substantia nigra. Der motorikhemmende Anteil des Striatums wird somit nicht mehr gehemmt und es kommt zu einer übermäßigen Hemmung der Motorik.

Gleichzeitig kommt es zu einer Degeneration von Neuronen im Locus caeruleus und in den Vaguskernen. Diese Kerne beeinflussen den Sympathikus und den Parasympathikus, es kommt daher zusätzlich zu vegetativen Störungen.

Pathophysiologie des Mobus Parkinson

Pharmakotherapie des Morbus Parkinson

Ziel der Parkinson-Medikamente ist es, den zentralen Dopaminmangel zu reduzieren.

 Info

Dopamin wird nicht im Gastrointestinaltrakt resorbiert und kann die Blut-Hirn-Schranke nicht überwinden. Eine direkte Substitution von Dopamin ist daher nicht möglich.

Es stehen sechs verschiedene Wirkstoffgruppen zur Verfügung:

  • 1. Wahl (zur initialen Monotherapie)
    • L-Dopa (+ Decarboxylasehemmer)
    • Dopaminrezeptoragonisten
    • MAO-B-Hemmer
  • 2. Wahl (zur Kombination oder bei speziellen Indikationen)
    • COMT-Hemmer
    • NMDA-Rezeptor-Antagonisten
    • Anticholinergika
Wirkorte der Parkinson-Medikamente
WirkstoffeWirkungNebenwirkungenBesonderheiten

Dopaminvorstufen

  • Levodopa
  • Dopamin-vorstufe (Prodrug)
    → Wird enteral resorbiert 
    → Durch zentrale Decarboxylasen wird L-Dopa zum aktiven Dopamin
  • Übelkeit
  • Erbrechen
    → Aktivierung von Dopaminrezeptoren im Brechzentrum
  • Tachykardie
  • Halluzinationen
  • motorische hypo- und hyperkinetische Wirkungs-fluktuationen
  • ZNS-gängig
  • Nach 5 Jahren Wirkverlust
    → Verkürzung der Dosierungsintervalle
  • Einnahme zwischen den Mahlzeiten empfohlen
    → Eiweißhaltige Mahlzeiten reduzieren die L-Dopa-Resorption
  • Lebensbedrohliche Komplikation: akinetische Krise mit vollständiger Bewegungsunfähigkeit

Decarboxylasehemmer

  • Carbidopa
  • Benserazid
  • Hemmt periphere Decarboxylasen
    Immer in Kombination mit L-Dopa
  • Übelkeit
  • Erbrechen
  • Halluzinationen
  • Reduziert die Nebenwirkungen der L-Dopa-Therapie
  • Niedrigere L-Dopa-Dosis notwendig

Dopaminagonisten

  • Non-Ergot:
    Pramipexol
    Apomorphin
    Ropinirol
  • Ergot:
    -Bromocriptin
    Cabergolin
    Pergolid
  • Agonismus an postsynaptischen Dopamin-rezeptoren
    → Wirkung auf Akinese > Rigor > Tremor

Allgemein:

  • Übelkeit
  • Erbrechen
  • Impulskontroll-störungen
  • Psychosen
  • Tagesmüdigkeit

Ergot:

  • Fibrosen (Herzklappen-fibrosen)
  • Raynaud-Syndrom
  • Zur Mono- und Kombinationstherapie
  • Ergot-Dopaminantagonisten sollten nicht mehr eingesetzt werden

Kontraindikationen:

  • Schwere Herzerkrankungen
  • Psychotische Erkrankungen
  • Pleura- und Lungenfibrosen

MAO-B-Hemmer

  • Rasagilin
  • Selegilin
  • Irreversible und selektive Hemmung der MAO-B
    → Kein Abbau von Dopamin im synaptischen Spalt 
  • Psychische Störungen
  • Dyskinesien
  • Tachykardie (bei hohen Dosen)
  • Serotonerges Syndrom (keine Kombination mit SSRIs)
  • Zur Mono- und Kombinationstherapie

COMT-Hemmer

  • Entacapon
  • Hemmung der Catechol-O-Methyl-Transferase (COMT)
    → Reduziert den Abbau von 
    L-Dopa und Dopamin durch die COMT
  • Gastrointestinale Nebenwirkungen
  • Halluzinationen
  • Dyskinesien
  • Nur in Kombination mit L-Dopa und Decarboxylasehemmern
    → Reduzierter L-Dopa-Bedarf
    → Reduziert Wirkungsfluktuationen

NMDA-Antagonisten

  • Amantadin
  • NMDA/Glutamat-Rezeptor Antagonist
    → Bei akinetischer Krise
  • Unruhe
  • QT-Zeit-Verlängerung
  • Gute Wirkung auf Akinesie und Rigor (geringe Wirkung auf den Tremor)
  • Einsatz auch im Rahmen der Influenzatherapie
    → Hemmt virale Protonenkanäle

Anticholinergika

  • Biperiden
  • Hemmung exzitatorischer cholinerger Neurone
    → Therapie-refraktärer Tremor
  • Anticholinerge Nebenwirkungen
  • Anticholinerges Syndrom
  • Demenz-verschlechterung
  • Einsatz v.a. bei ausgeprägtem Ruhetremor
  • Kein Einsatz bei dementen oder psychotischen Patient:innen
  • Freissmuth et al.: Pharmakologie und Toxikologie. Springer 2012, ISBN: 978-3-642-12353-5.
  • Karow, Lang-Roth: Allgemeine und Spezielle Pharmakologie und Toxikologie 2012
  • Lüllmann et al.: Pharmakologie und Toxikologie. 15. Auflage Thieme 2002, ISBN: 3-133-68515-5
  • Wehling: Klinische Pharmakologie. 2. Auflage Thieme 2011, ISBN: 978-3-131-60282-4
Zuletzt aktualisiert am 25.01.2025
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