Zusammenfassung
Der Einsatz von Perfusoren (Spritzenpumpen) gehört im Rettungsdienst nicht zu den Routinehandlungen, sondern ist in der Regel speziellen Situationen vorbehalten. Häufig erfolgt ihre Anwendung vor allem zur Kreislaufstabilisierung mit Katecholaminen bei kritisch erkrankten und intensivpflichtigen Patient:innen. In diesen Situationen ist eine besonders präzise Medikamentendosierung wichtig.
Im Folgenden wird die grundsätzliche Inbetriebnahme und Anwendung einer Spritzenpumpe erläutert und auf gängige Dosierungen im Rettungsdienstalltag eingegangen.

InfoDa sich die Bedienung je nach Gerätehersteller und Modell in einzelnen Details unterscheiden kann, ist eine umfassende Einweisung in das jeweilige Gerät gemäß Medizinprodukte-Betreiberverordnung (MPBetreibV) daher verpflichtend und unerlässlich.
Indikationen
- Einsatz von hochpotenten Medikamenten mit kurzer Halbwertzeit
- Typische Medikamente, die im Rettungsdienst über einen Perfusor appliziert werden:
- Noradrenalin
- Adrenalin
- Dobutamin
- Propofol
- Noradrenalin
Kontraindikationen
- Technischer Defekt am Gerät
- Anwender hat keine Einweisung gemäß Medizinprodukte-Betreiberverordnung
Material
- Perfusor
- Passende 50 ml Spritze
- Perfusorleitung
- Dreiwegehahn
- Gewünschtes Medikament
- Stift oder passenden Medikamentenaufkleber
- Ausreichende Menge NaCl
Durchführung
Schritt 1 - Gerät vorbereiten:
Das Gerät wird zunächst eingeschaltet und der Startvorgang sowie ein möglicher Selbsttest abgewartet. In dieser Zeit sollte eine kurze Sichtkontrolle auf sichtbare Schäden am Gerät erfolgen.
Schritt 2 - Spritzenpumpe vorbereiten:
Das jeweilige Medikament wird in der gewünschten Konzentration aufgezogen und mit der Perfusorleitung sowie dem Dreiwegehahn
TippAlternativ zum Anschluss des Dreiwegehahns an die Perfusorleitung, kann dieser auch direkt an den peripheren venösen Zugang angeschlossen werden.
Schritt 3 - Spritze einsetzen und Geräteeinstellungen vornehmen:
Die vorbereitete Spritze wird in die Spritzenpumpe eingesetzt und die automatische Erkennung sowie Kalibrierung des Gerätes abgewartet. Abhängig vom Zustand und Körpergewicht der Patientin bzw. des Patienten erfolgt die Einstellung der gewünschten Dosierung.
Achtung“Freier Leerlauf”
Bei unzureichender Fixierung des Spritzenstempels mit den Haltekrallen kann der hydrostatische Druck
ein rasches Leerlaufen der Spritze verursachen, was zu einer unbeabsichtigten Überdosierung führt.
Schritt 4: Herstellen der Verbindung und Start der Injektion:
Abschließend wird das System an den venösen Zugang der Patientin oder des Patienten angeschlossen und die kontinuierliche Medikamentengabe gestartet.
MerkeDie Verbindung zur erkrankten Person soll, zur Vermeidung akzidentieller Medikamentengabe, erst hergestellt werden, nachdem die Spritze korrekt eingelegt und der Spritzenkolben sicher von den Haltekrallen des Antriebskopfes erfasst wurde.
AchtungAn den Schenkel des Dreiwegehahns, an dem die Infusion angeschlossen ist, sollte immer ein Rückschlagventil eingebaut werden. Andernfalls besteht die Gefahr, dass das verabreichte Medikament in das Infusionssystem
zurückläuft und es somit zu einer unkontrollierte Bolusgabe kommen kann.
Schritt 5: Perfusor befestigen:
Die Spritzenpumpe sollte möglichst auf Herzhöhe positioniert und sicher an dafür vorgesehenen und zugelassenen Halterungen oder Befestigungsschienen im RTW fixiert werden.
MerkeWird der Perfusor außerhalb des RTW verwendet, ist besondere Vorsicht geboten. Dabei ist unbedingt auf eine sichere Befestigung zu achten (beispielsweise durch Fixierung an den Haltebügeln der Trage oder an speziell dafür vorgesehenen Vorrichtungen).
Komplikationen
Medikamentenfehldosierung:
- Ursache: Falsche Einstellung der Förderrate (ml/h) oder Konzentration
- Risiko: Überdosierung oder Unterdosierung
Akzidentielle Medikamentengabe durch Schwerkraft:
- Ursache: Spritze in ausgeschaltetem Perfusor eingelegt und nicht sicher mit den Haltekrallen fixiert
- Gefahr: Unkontrollierte Medikamentengabe → evtl. lebensbedrohliche Überdosierung
Technische Störungen / Gerätefehler:
- Ursachen: Batterie leer, mechanischer Defekt
- Folge: Applikationsstopp oder Fehldosierung
Dislokation des venösen Zugangs:
- Medikament läuft paravenös → Gefahr von Gewebeschädigung oder fehlender Wirkung
- Maßnahmen: Lagekontrolle, Zugangsfixierung, regelmäßige Sichtkontrolle
Mechanische Probleme:
- Verknotung oder Abknicken der Perfusorleitung → Applikationsstopp
- Nicht korrekte Verbindung, z.B. zu locker → Unterdosierung
MerkeDurch den beim Einschalten automatisch durchgeführten Selbsttest sind technische Komplikationen eher selten. Sollte dennoch eine Störung auftreten, ist umgehend ein Ersatzgerät anzuschließen.
Tipps
TippInformiere dich unbedingt über die jeweiligen Standarddosierungen in deinem Rettungsdienstbereich, um Missverständnisse zu vermeiden. Als Faustregel kannst du dir merken, dass in der Notfallmedizin eher niedrige Konzentrationen und hohe Laufraten gewählt werden, um Dosierungsfehler zu reduzieren. Dagegen sind in der Intensivmedizin meist hohe Konzentrationen und niedrige Laufraten üblich, um häufige Spritzenwechsel zu vermeiden.
MerkeFür die Applikation von Medikamenten über einen Perfusor sollte nach Möglichkeit ein zweiter venöser Zugang gelegt werden.
- Über diesen Zugang wird ausschließlich das jeweilige Perfusormedikament verabreicht
- Alle weiteren Medikamente werden über einen separaten venösen Zugang appliziert
Ziel: Vermeidung von Wechselwirkungen und Sicherstellung einer konstanten und ungestörten Medikamentengabe.
TippNutze vorhandene Hilfsmittel zur Vorbereitung und Dosierung von Perfusoren, zum Beispiel Dosierungstabellen, Aufziehanleitungen oder Medikamentenkarten.
- Die Anwendung von Spritzenpumpen gehört im Rettungsdienst nicht zur Alltagspraxis und erfordert daher besondere Sorgfalt
Ziel: Fehler vermeiden und Patientensicherheit gewährleisten.
Aufzieh- und Dosierungshilfen
Hier sind häufig verwendete Medikamente dargestellt, die im Rettungsdienst über eine Spritzenpumpe appliziert werden. Ergänzend werden die jeweils gängigen Dosierungen sowie die Aufziehmethode übersichtlich dargestellt.
Adrenalin / Noradrenalin
MerkeIm Rettungsdienst kommen in der Praxis zwei gängige Konzentrationen zum Einsatz:
- Eine niedrig dosierte Variante mit 20 µg/ml
- Eine hoch dosierte Variante mit 100 µg/ml
Empfohlen wird in diesem Fall die Verwendung der ersten Variante, um höhere Laufraten und damit eine bessere Steuerbarkeit der Medikamentengabe zu erreichen. Eine zusätzliche Lösung, z.B. Infusion zum „Einschwemmen“ des Medikaments ist dabei nicht erforderlich.
Zusätzlich wird so das Risiko akzidentieller Bolusgaben reduziert.
InfoDie angegebenen Initialdosierungen beziehen sich auf Situationen mit schwerer hämodynamischer Instabilität. In solchen Fällen werden im Rettungsdienst in der Regel Spritzenpumpen zur kontrollierten Medikamentengabe eingesetzt.
Die Dosierung und Aufziehmethoden sind bei Adrenalin
![]() | Initialdosis: 0,1 µg/kgKg/min → nach Wirkung und klinischen Zustand anpassen (0,01-1 µg/kgKg/min) | |||
|---|---|---|---|---|
| Körpergewicht | Dosis | Laufrate | Aufziehmethode / Verdünnung | Konzentration |
| 50 | 5 µg/min | 15 ml/h | 1 ml Adrenalin + 49 ml Nacl | 20 µg/ml |
| 60 | 6 µg/min | 18 ml/h | ||
| 70 | 7 µg/min | 21 ml/h | ||
| 80 | 8 µg/min | 24 ml/h | ||
| 90 | 9 µg/min | 27 ml/h | ||
| 100 | 10 µg/min | 30 ml/h | ||
Dosis ändern → ±0,5 ml/h Bolus → +0,5 ml/h | ||||
![]() | Initialdosis: 0,1 µg/kgKg/min → nach Wirkung und klinischen Zustand anpassen (0,05-1 µg/KgKG/min) | |||
|---|---|---|---|---|
| Körpergewicht | Dosis | Laufrate | Aufziehmethode / Verdünnung | Konzentration |
| 50 | 5 µg/min | 3 ml/h | 5 ml Noradrenalin + 45 ml Nacl | 100 µg/ml |
| 60 | 6 µg/min | 3,6 ml/h | ||
| 70 | 7 µg/min | 4,2 ml/h | ||
| 80 | 8 µg/min | 4,8 ml/h | ||
| 90 | 9 µg/min | 5,2 ml/h | ||
| 100 | 10 µg/min | 6 ml/h | ||
Dosis ändern → ±0,1 ml/h Bolus → +0,1 ml/h | ||||
Dobutamin
![]() | Initialdosis: 5 µg/kgKg/min → nach Wirkung und klinischen Zustand anpassen (2,5-10 µg/kgKg/min) | |||
|---|---|---|---|---|
| Körpergewicht | Dosis | Laufrate | Aufziehmethode / Verdünnung | Konzentration |
| 50 | 250 µg/min | 3 ml/h | 50 ml Dobutamin (250 mg Dobutamin) pur aufziehen | 5 mg/ml |
| 60 | 300 µg/min | 3,6 ml/h | ||
| 70 | 350 µg/min | 4,2 ml/h | ||
| 80 | 400 µg/min | 4,8 ml/h | ||
| 90 | 450 µg/min | 5,2 ml/h | ||
| 100 | 500 µg/min | 6 ml/h | ||
Dosis ändern → ± 1 ml/h Bolus → keine Bolusgabe | ||||
Propofol 1 %
| Initialdosis: 6 mg/kgKg/h → nach Wirkung und klinischen Zustand anpassen (4-12 mg/kgKg/h) | ||||
|---|---|---|---|---|
| Körpergewicht | Dosis | Laufrate | Aufziehmethode / Verdünnung | Konzentration |
| 50 | 300 mg/h | 30 ml/h | 50 ml Propofol | 10 mg/ml |
| 60 | 360 mg/h | 36 ml/h | ||
| 70 | 420 mg/h | 42 ml/h | ||
| 80 | 480 mg/h | 48 ml/h | ||
| 90 | 540 mg/h | 52 ml/h | ||
| 100 | 600 mg/h | 60 ml/h | ||
Dosis ändern → ± 6 ml/h Bolus → 2-4 ml | ||||
Quellen
- Schritt für Schritt: Spritzenpumpe, retten! 2022; 11(04): 316 - 319
- S3-Leitlinie Infarkt-bedingter kardiogener Schock - Diagnose, Monitoring und Therapie, Deutsche Gesellschaft für Kardiologie - Herz- und Kreislaufforschung e.V. (DGK)
- S3-Leitlinie Analgesie, Sedierung und Delirmanagement in der Intensivmedizin, Deutsche Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin e.V. (DGAI)
- Fachinformation Adrenalin
- Fachinformation Noradrenalin
- Fachinformation Dobutamin
- Fachinformation Propofol





