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Perfusoren im Rettungsdienst (RD)

Spritzenpumpe
11 Minuten Lesezeit

Der Einsatz von Perfusoren (Spritzenpumpen) gehört im Rettungsdienst nicht zu den Routinehandlungen, sondern ist in der Regel speziellen Situationen vorbehalten. Häufig erfolgt ihre Anwendung vor allem zur Kreislaufstabilisierung mit Katecholaminen bei kritisch erkrankten und intensivpflichtigen Patient:innen. In diesen Situationen ist eine besonders präzise Medikamentendosierung wichtig. 
Im Folgenden wird die grundsätzliche Inbetriebnahme und Anwendung einer Spritzenpumpe erläutert und auf gängige Dosierungen im Rettungsdienstalltag eingegangen. 

Perfusor (Spritzenpumpe) zur kontinuierlichen Propofol-Infusion
 Info

Da sich die Bedienung je nach Gerätehersteller und Modell in einzelnen Details unterscheiden kann, ist eine umfassende Einweisung in das jeweilige Gerät gemäß Medizinprodukte-Betreiberverordnung (MPBetreibV) daher verpflichtend und unerlässlich.

 

  • Einsatz von hochpotenten Medikamenten mit kurzer Halbwertzeit
  • Typische Medikamente, die im Rettungsdienst über einen Perfusor appliziert werden:
    • Noradrenalin
    • Adrenalin
    • Dobutamin
    • Propofol
  • Technischer Defekt am Gerät
  • Anwender hat keine Einweisung gemäß Medizinprodukte-Betreiberverordnung
  1. Perfusor
  2. Passende 50 ml Spritze
  3. Perfusorleitung
  4. Dreiwegehahn
  5. Gewünschtes Medikament
  6. Stift oder passenden Medikamentenaufkleber
  7. Ausreichende Menge NaCl

Schritt 1 - Gerät vorbereiten:

Das Gerät wird zunächst eingeschaltet und der Startvorgang sowie ein möglicher Selbsttest abgewartet. In dieser Zeit sollte eine kurze Sichtkontrolle auf sichtbare Schäden am Gerät erfolgen. 

Schritt 2 - Spritzenpumpe vorbereiten:

Das jeweilige Medikament wird in der gewünschten Konzentration aufgezogen und mit der Perfusorleitung sowie dem Dreiwegehahn verbunden. Im nächsten Schritt wird das gesamte System sorgfältig entlüftet. Abschließend erfolgt die Beschriftung der Spritze entweder handschriftlich oder vorzugsweise mittels geeigneter Medikamentenaufkleber.

 Tipp

Alternativ zum Anschluss des Dreiwegehahns an die Perfusorleitung, kann dieser auch direkt an den peripheren venösen Zugang angeschlossen werden.

Schritt 3 - Spritze einsetzen und Geräteeinstellungen vornehmen:

Die vorbereitete Spritze wird in die Spritzenpumpe eingesetzt und die automatische Erkennung sowie Kalibrierung des Gerätes abgewartet. Abhängig vom Zustand und Körpergewicht der Patientin bzw. des Patienten erfolgt die Einstellung der gewünschten Dosierung.

 Achtung
“Freier Leerlauf”

Bei unzureichender Fixierung des Spritzenstempels mit den Haltekrallen kann der hydrostatische Druck ein rasches Leerlaufen der Spritze verursachen, was zu einer unbeabsichtigten Überdosierung führt.

Schritt 4: Herstellen der Verbindung und Start der Injektion:

Abschließend wird das System an den venösen Zugang der Patientin oder des Patienten angeschlossen und die kontinuierliche Medikamentengabe gestartet.

 Merke

Die Verbindung zur erkrankten Person soll, zur Vermeidung akzidentieller Medikamentengabe, erst hergestellt werden, nachdem die Spritze korrekt eingelegt und der Spritzenkolben sicher von den Haltekrallen des Antriebskopfes erfasst wurde.

 Achtung

An den Schenkel des Dreiwegehahns, an dem die Infusion angeschlossen ist, sollte immer ein Rückschlagventil eingebaut werden. Andernfalls besteht die Gefahr, dass das verabreichte Medikament in das Infusionssystem zurückläuft und es somit zu einer unkontrollierte Bolusgabe kommen kann.

Schritt 5: Perfusor befestigen:

Die Spritzenpumpe sollte möglichst auf Herzhöhe positioniert und sicher an dafür vorgesehenen und zugelassenen Halterungen oder Befestigungsschienen im RTW fixiert werden.

 Merke

Wird der Perfusor außerhalb des RTW verwendet, ist besondere Vorsicht geboten. Dabei ist unbedingt auf eine sichere Befestigung zu achten (beispielsweise durch Fixierung an den Haltebügeln der Trage oder an speziell dafür vorgesehenen Vorrichtungen).

Medikamentenfehldosierung:

  • Ursache: Falsche Einstellung der Förderrate (ml/h) oder Konzentration
  • Risiko: Überdosierung oder Unterdosierung

Akzidentielle Medikamentengabe durch Schwerkraft:

  • Ursache: Spritze in ausgeschaltetem Perfusor eingelegt und nicht sicher mit den Haltekrallen fixiert
  • Gefahr: Unkontrollierte Medikamentengabe → evtl. lebensbedrohliche Überdosierung

Technische Störungen / Gerätefehler:

  • Ursachen: Batterie leer, mechanischer Defekt
  • Folge: Applikationsstopp oder Fehldosierung

Dislokation des venösen Zugangs:

  • Medikament läuft paravenös → Gefahr von Gewebeschädigung oder fehlender Wirkung
  • Maßnahmen: Lagekontrolle, Zugangsfixierung, regelmäßige Sichtkontrolle

Mechanische Probleme:

  • Verknotung oder Abknicken der Perfusorleitung → Applikationsstopp
  • Nicht korrekte Verbindung, z.B. zu locker → Unterdosierung 
 Merke

Durch den beim Einschalten automatisch durchgeführten Selbsttest sind technische Komplikationen eher selten. Sollte dennoch eine Störung auftreten, ist umgehend ein Ersatzgerät anzuschließen.

 Tipp

Informiere dich unbedingt über die jeweiligen Standarddosierungen in deinem Rettungsdienstbereich, um Missverständnisse zu vermeiden. Als Faustregel kannst du dir merken, dass in der Notfallmedizin eher niedrige Konzentrationen und hohe Laufraten gewählt werden, um Dosierungsfehler zu reduzieren. Dagegen sind in der Intensivmedizin meist hohe Konzentrationen und niedrige Laufraten üblich, um häufige Spritzenwechsel zu vermeiden.

 Merke

Für die Applikation von Medikamenten über einen Perfusor sollte nach Möglichkeit ein zweiter venöser Zugang gelegt werden.

  • Über diesen Zugang wird ausschließlich das jeweilige Perfusormedikament verabreicht
  • Alle weiteren Medikamente werden über einen separaten venösen Zugang appliziert

Ziel: Vermeidung von Wechselwirkungen und Sicherstellung einer konstanten und ungestörten Medikamentengabe.

 Tipp

Nutze vorhandene Hilfsmittel zur Vorbereitung und Dosierung von Perfusoren, zum Beispiel Dosierungstabellen, Aufziehanleitungen oder Medikamentenkarten.

  • Die Anwendung von Spritzenpumpen gehört im Rettungsdienst nicht zur Alltagspraxis und erfordert daher besondere Sorgfalt

Ziel: Fehler vermeiden und Patientensicherheit gewährleisten.

Hier sind häufig verwendete Medikamente dargestellt, die im Rettungsdienst über eine Spritzenpumpe appliziert werden. Ergänzend werden die jeweils gängigen Dosierungen sowie die Aufziehmethode übersichtlich dargestellt.

Adrenalin / Noradrenalin 

 Merke

Im Rettungsdienst kommen in der Praxis zwei gängige Konzentrationen zum Einsatz:

  1. Eine niedrig dosierte Variante mit 20 µg/ml 
  2. Eine hoch dosierte Variante mit 100 µg/ml 

Empfohlen wird in diesem Fall die Verwendung der ersten Variante, um höhere Laufraten und damit eine bessere Steuerbarkeit der Medikamentengabe zu erreichen. Eine zusätzliche Lösung, z.B. Infusion zum „Einschwemmen“ des Medikaments ist dabei nicht erforderlich.

Zusätzlich wird so das Risiko akzidentieller Bolusgaben reduziert.

 Info

Die angegebenen Initialdosierungen beziehen sich auf Situationen mit schwerer hämodynamischer Instabilität. In solchen Fällen werden im Rettungsdienst in der Regel Spritzenpumpen zur kontrollierten Medikamentengabe eingesetzt.

Die Dosierung und Aufziehmethoden sind bei Adrenalin und Noradrenalin grundsätzlich identisch. Die dargestellten Tabellen zeigen exemplarisch jeweils eine mögliche Variante, wie sie im Rettungsdienst angewendet werden kann.

Initialdosis: 0,1 µg/kgKg/min → nach Wirkung und klinischen Zustand anpassen (0,01-1 µg/kgKg/min)
KörpergewichtDosis LaufrateAufziehmethode / VerdünnungKonzentration 
505 µg/min15 ml/h

1 ml Adrenalin (1mg Epinephrin

49 ml Nacl

20 µg/ml
606 µg/min18 ml/h
707 µg/min21 ml/h
808 µg/min24 ml/h
909 µg/min27 ml/h
10010 µg/min30 ml/h

Dosis ändern → ±0,5 ml/h

Bolus → +0,5 ml/h

Initialdosis: 0,1 µg/kgKg/min → nach Wirkung und klinischen Zustand anpassen (0,05-1 µg/KgKG/min)
KörpergewichtDosis LaufrateAufziehmethode / VerdünnungKonzentration 
505 µg/min3 ml/h

5 ml Noradrenalin (5mg Norepinephrin

45 ml Nacl

100 µg/ml
606 µg/min3,6 ml/h
707 µg/min4,2 ml/h
808 µg/min4,8 ml/h
909 µg/min5,2 ml/h
10010 µg/min6 ml/h

Dosis ändern → ±0,1 ml/h

Bolus → +0,1 ml/h

Dobutamin

Initialdosis: 5 µg/kgKg/min → nach Wirkung und klinischen Zustand anpassen (2,5-10 µg/kgKg/min)
KörpergewichtDosis LaufrateAufziehmethode / VerdünnungKonzentration 
50250 µg/min3 ml/h50 ml Dobutamin (250 mg Dobutamin) pur aufziehen 5 mg/ml
60300 µg/min3,6 ml/h
70350 µg/min4,2 ml/h
80400 µg/min4,8 ml/h
90450 µg/min5,2 ml/h
100500 µg/min6 ml/h

Dosis ändern → ± 1 ml/h

Bolus → keine Bolusgabe

Propofol 1 %

Initialdosis: 6 mg/kgKg/h → nach Wirkung und klinischen Zustand anpassen (4-12 mg/kgKg/h)
KörpergewichtDosis LaufrateAufziehmethode / VerdünnungKonzentration 
50300 mg/h30 ml/h50 ml Propofol (500 mg Propofol) pur aufziehen 10 mg/ml
60360 mg/h36 ml/h
70420 mg/h42 ml/h
80480 mg/h48 ml/h
90540 mg/h52 ml/h
100600 mg/h60 ml/h

Dosis ändern → ± 6 ml/h

Bolus → 2-4 ml

Zuletzt aktualisiert am 27.05.2026
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