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Perikardtamponade

7 Minuten Lesezeit
Hämatoperikard
Hämatoperikard

Bei einer Perikardtamponade wird das Herz durch Flüssigkeitsansammlung im Herzbeutel komprimiert. Es kann sich nicht mehr ausreichend ausdehnen und es resultiert eine diastolische Herzinsuffizienz aufgrund der unzureichenden Ventrikelfüllung. Die Folgen sind ein vermindertes Schlagvolumen bis hin zum obstruktiven Schock sowie ein Rückstau des Blutes in das venöse System.

Eine Perikardtamponade beruht in der Regel auf einer Flüssigkeitsansammlung im Herzbeutel (Perikarderguss). Da das Perikard wenig elastisch ist, kommt es ab einer bestimmten Flüssigkeitsmenge zu einer zunehmenden Komprimierung des Herzens. Aufgrund der geringeren Druckwerte im rechten Herzen wird dieses meist zuerst komprimiert.

Siehe auch Perikarditis.

Folgende Ursachen können zu einem Perikarderguss und in der Folge zu einer Perikardtamponade führen:

  • Hämatoperikard (blutiger Erguss): Thoraxtrauma, Herzwandruptur (z.B. nach einem Myokardinfarkt), Aortendissektion Stanford Typ A, iatrogen (z.B. im Rahmen einer Schrittmacher-Implantation, Ablation oder Operation)
  • Seröser Erguss:
    • Transsudat: Rechtsherzinsuffizienz, Albuminmangel, Hypervolämie
    • Exsudat: infektiöse Perikarditis (z.B. Tuberkulose), maligne Prozesse, Urämie, postoperativ im Rahmen eines Poststernotomiesyndroms, autoimmun (z.B. bei einer Polyserositis im Rahmen eines systemischen Lupus erythematodes)
 Info
Transsudat:
  • Eiweißarm
  • Verringerter kolloidosmotischer Druck ➜ Eiweißmangel, nephrotisches Syndrom, Leberzirrhose
  • Erhöhter hydrostatischer DruckHerzinsuffizienz
Exsudat:
  • Eiweißreich
  • Entzündung, Gewebeverletzung, Tumor
Transsudat und Exsudat

Klinik und Anamnese

  • Anamnese:
    • Symptome der Herzinsuffizienz:
      • Rückwärtsversagen: Oberbauchschmerzen durch eine gestaute Leber, Aszites
      • Vorwärtsversagen: Dyspnoe, Palpitationen
    • Kompression umliegender Strukturen: Übelkeit, Dysphagie, Heiserkeit, Husten, retrosternale Schmerzen
    • Fieber als Hinweis für eine infektiöse Perikarditis
    • Erfragen möglicher Ursachen: Thoraxtrauma, Operationen, Grunderkrankungen (z.B. systemischer Lupus erythematodes), Reiseanamnese (als Hinweis für eine Tuberkulose) etc.
  • Körperliche Untersuchung: gestaute Halsvenen, gestaute Zungengrundvenen, Aszites, abgeschwächte Herztöne, Pulsus paradoxus (Abfall des Blutdrucks um mehr als 10 mmHg bei InspirationPuls ist bei Inspiration schwächer tastbar), Sinustachykardie, Hypotonie

Labor

  • Troponin: Ausschluss eines Myokardinfarktes, Hinweise auf eine Myokarditis
  • Bei V.a. eine bakterielle Genese: Leukozyten, CRP & Procalcitonin
  • Bei V.a. Autoimmunerkrankung: Antikörperdiagnostik
  • Bei V.a. eine Tuberkulose: Quantiferontest

12-Kanal-EKG

Vergleich NSTEMI, STEMI und Perikarditis
  • Niedervoltage, elektrischer Alternans (verändernde Morphologie durch die Bewegung des Herzens in der Perikardflüssigkeit)
  • Erregungsrückbildungsstörungen: als Hinweis auf einen Myokardinfarkt (als Ursache oder als Folge der Perikardtamponade)
  • Hinweis auf eine Perikarditis: ST-Streckenhebungen aus dem aufsteigenden S
 Achtung

Bei ST-Streckenhebungen im EKG sollte man an einen akuten ST-Streckenhebungsinfarkt (STEMI) denken und möglichst zeitnah einen akuten Myokardinfarkt ausschließen. Auch bei einer Perimyokarditis können ST-Streckenhebungen auftreten. Diese kommen jedoch in der Regel nicht wie bei einem akuten Myokardinfarkt aus dem abfallenden R, sondern aus dem aufsteigenden S. Weiterhin sind die ST-Streckenhebungen meist diffus und ubiquitär verteilt und nicht wie bei einem akuten Myokardinfarkt einem bestimmten koronararteriellen Versorgungsgebiet zuzuordnen (siehe auch Artikel Perikarditis ➜ Diagnostik ➜ EKG). Bei Unsicherheiten sollten erfahrene EKG-Expert:innen hinzugezogen werden.

Transthorakale Echokardiographie

  • Diagnostikum der 1. Wahl: hohe Sensitivität, dynamische Beurteilbarkeit, echokardiographisch gesteuerte Punktion möglich
  • Darstellung eines Ergusssaums (echoarme Ansammlung zwischen Perikard und Epikard)
  • Messung der Ergussmenge am Ende der Diastole:
    • <1 cm: geringgradiger Erguss (ca. 100 ml)
    • 1-2 cm: mittelgradiger Erguss (ca. 500 ml)
    • >2 cm: großer Erguss (ca. >500 ml)
  • Beurteilung der Lokalisation: zu Beginn meistens retrokardial ➜ Im Verlauf auch präkordial um das gesamte Herz herum
  • Beurteilung der hämodynamischen Relevanz:
    • Zu Beginn: Kollaps des rechten Vorhofs in der späten Diastole
    • Im Verlauf: Kollaps des rechten Ventrikels in der frühen Diastole
    • Bei hoher Ergussmenge: Swinging-Heart-Phänomen (Herz pendelt im Erguss hin- und her)
    • Gestaute V. cava inferior
Perikarderguss in der Echokardiographie
Perikarderguss in der Echokardiographie

Weitere bildgebende Diagnostik

  • CT: Differenzierung zwischen einem hämorrhagischen und serösen Erguss und Mitbeurteilung umgebender Strukturen (z.B. Tumorausdehnung) möglich
  • Kardio-MRT: zusätzlich zu den Vorteilen eines CTs kann im MRT eine Entzündung (z.B. Myokarditis) identifiziert und beurteilt werden
  • Röntgen-Thorax: verbreiterte Herzsilhouette (keine Differenzierung zwischen Kardiomegalie und Perikarderguss möglich)

Diagnostische Perikardpunktion

  • Strenge Indikationsstellung: nur bei relevanten, unklaren und therapierefraktären Perikardergüssen
    • Im Rahmen einer therapeutischen Perikardpunktion sollte auch immer eine Untersuchung/Analyse der gewonnenen Flüssigkeit erfolgen
      • Makroskopie: z.B. hämorrhagischer Erguss
      • Laborchemie: Differenzierung zwischen Transsudat und Exsudat
      • Mikrobiologie: Blutkulturen, Gram- und Ziehl-Neelsen-Färbung
      • Ggf. molekularbiologische Untersuchungen: z.B. PCR-Analyse: bei schwerer Perikarditis und Verdacht auf eine virale Genese
      • Zytologie: Untersuchung auf maligne Zellen
  • Kausale Therapie: z.B. antiinfektive Therapie bei infektiöser Perikarditis, immunsuppressive Therapie bei ursächlicher Autoimmunerkrankung, onkologische Therapie bei maligner Genese
  • Bei symptomatischen Ergüssen ohne Besserung unter konservativer Therapie: therapeutische Perikardpunktion

Perikardpunktion

  • Bei Perikardtamponade: notfallmäßige Perikardpunktion
    • Bei Ventrikelruptur nach Myokardinfarkt oder Aortendissektion kontraindiziert (durch die Blutdrucksteigerung nach Entlastung des Ergusses kann die ursächliche Blutung erneut provoziert werden ➜ Operative Versorgung)
      • Bei (drohendem) obstruktivem Schock gibt es keine Kontraindikationen
 Achtung

Die Perikardpunktion hat eine hohe Komplikationsrate von 5-10% (Verletzung von Koronararterien oder Myokard, Herzrhythmusstörungen, Lungenverletzungen, Leberverletzungen etc.). Sie sollte daher nur von erfahrenen Ärzt:innen und nur bei Ergüssen, die nicht konservativ therapiert werden können, durchgeführt werden!

Perikardpunktion
  • Durchführung:
    • Echokardiographisch gesteuert
    • Subxiphoidale Punktion in Richtung der linken Clavicula unter durchgehender Aspiration
    • Materialsicherung für die diagnostische Aufarbeitung
    • Anlage einer Perikarddrainage für 1-2 Tage
    • Röntgen-Kontrolle zum Ausschluss eines Pneumothorax

Operative Versorgung

  • Falls Perikardpunktion nicht möglich/keine ausreichende Therapie zu erwarten: Operation
    • Notfalloperation: Aortendissektion, Ventrikelruptur, postoperativer/iatrogener Erguss, schweres Thoraxtrauma
    • Operation: bakterielle Ergüsse (intraperikardiale Antibiotikagabe möglich), chronisch-rezidivierende Ergüsse (Anlage eines Perikardfensters bei rezidivierenden malignen Ergüssen oder Perikardektomie bei konstriktiver Perikarditis möglich)

Für ein praktisches EKG-Fallbeispiel zum Üben der EKG-Auswertung siehe: EKG-Fallbeispiel 21

Zuletzt aktualisiert am 01.07.2025
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