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Phasen der Geburt

Geburtsperioden, Geburtsphasen
12 Minuten Lesezeit

Eine regelrechte Geburt gliedert sich in drei Phasen, die das Fortschreiten des Kindes durch den Geburtskanal beschreiben. 

  1. Die Eröffnungsperiode markiert den Beginn der Geburt mit der Weitung des Muttermundes.
  2. In der Austrittsperiode erfolgt die Geburt des Kindes durch die aktive Mitwirkung der Mutter.
  3. Abschließend wird in der Nachgeburtsperiode die Plazenta ausgestoßen, womit der Geburtsprozess abgeschlossen wird. 

Während die Reihenfolge und der ungefähre Ablauf der Phasen bei fast allen Gebärenden gleich ist, kann die Dauer der Phasen sehr unterschiedlich sein. Dies hängt zum einen von der Anzahl der vorangegangenen Geburten ab, zum anderen aber auch vom Alter der Patientin oder bestehenden Vorerkrankungen. So finden z.B. bei Mehrgebärenden in der Eröffnungsperiode die Verkürzung des Gebärmutterhalses und die Öffnung des Muttermundes gleichzeitig statt, während diese beiden Schritte bei Erstgebärenden nacheinander ablaufen. Entsprechend ist die Eröffnungsperiode bei Erstgebärenden länger als bei Mehrgebärenden.

Die hier gegebene Beschreibung ist daher nur beispielhaft und kann individuell abweichen.

 Merke

Jede dieser Phasen wird von typischen Merkmalen begleitet, anhand derer der Geburtsfortschritt verfolgt werden kann. Anhand der Wehenform und des klinischen Bildes kann die Dauer der aktuellen Phase abgeschätzt und die weiteren Maßnahmen geplant und eingeleitet werden.

1. Eröffnungsperiode

  • Beginn: ab muttermundwirksamen Eröffnungswehen
  • Ende: vollständige Öffnung des Muttermundes (ca. 10 cm) und Blasensprung
  • Dauer: 3 bis 12 h (abhängig von Anzahl der bisherigen Geburten)
  • Wehenform: Eröffnungswehen
  • Klinisches Bild:
    • Muttermund (vollständig) eröffnet
    • Verkürzte Zervix
    • Ggf. Abgang des Schleimpropfes mit einhergehender Blutung (sog. Zeichnungsblutung)
  • Am Ende der Eröffnungsperiode: Rechtzeitiger Blasensprung

2. Austrittsperiode

  • Beginn: Muttermund vollständig geöffnet
  • Ende: vollständige Geburt des Kindes
  • Dauer: 30 min bis 2 h (abhängig von Anzahl der bisherigen Geburten)
  • Wehenform: Austrittswehen
  • Geburtsmechanik:
    • Der Kopf steht zunächst in einem hohen Querstand (maximaler Durchmesser liegt horizontal), um durch den Beckeneingang zu passen
      Die Pfeilnaht lässt sich horizontal tasten
    • Drehung des Kindes um 90° Grad und maximale Flexion des Kopfes, sodass nun der Kopf im tiefen Geradstand den Beckenausgang passieren kann und die Schultern im hohen Querstand ins Becken eintreten
      Die Pfeilnaht lässt sich nun vertikal tasten, die kleine hintere Fontanelle ist führend tastbar
    • Deflexionsbewegung des kindlichen Kopfes (Kopf des Kindes überstreckt sich, das Gesicht zeigt bei vorderer Hinterhauptslage Richtung mütterlichem Steißbein)
      Nach und nach lassen sich die größere vordere Fontanelle (eher rautenförmig) und das kindliche Gesicht ertasten
    • „Einschneiden“ des Kopfes: kindlicher Kopf wird während einer Wehe zwischen den Vulvalippen sichtbar
    • „Durchschneiden“ des Kopfes: der Kopf verbleibt während der Wehenpause in der Vulva
    • Geburt des kindlichen Kopfes
    • Der Kopf dreht sich um 90 Grad zur Seite (Gesicht zeigt nach rechts oder links)
      Die Schultern stehen dadurch vertikal im tiefen Geradstand, ihr maximaler Durchmesser erstreckt sich von dorsal nach ventral, um durch den Beckenausgang zu passen
    • Die Schultern des Kindes werden nacheinander geboren
    • Nachdem die Schultern geboren sind, entwickelt sich mit der nächsten Wehe auch der restliche kindliche Körper

3. Nachgeburtsperiode

  • Beginn: Abschluss der Geburt des Kindes
  • Ende: Abschluss der Geburt der Plazenta inkl. Eihäuten
  • Dauer: bis zu 30 min
  • Wehenform: Nachgeburtswehen
  • Klinisches Bild:
    • Die Plazenta entwickelt sich selbstständig (möglichst ohne Zug von außen)
    • Normaler Blutverlust postnatal: 300-400 ml
    • Plazenta muss im Nachhinein auf Vollständigkeit und Beschaffenheit kontrolliert werden
Phasen der Geburt
 Definition

Um den Fötus auf die Welt zu bringen, muss die Gebärmuttermuskulatur (das Myometrium) sich zusammenziehen und das Kind durch den Geburtskanal pressen. Diese Kontraktionen werden als Wehen bezeichnet.

Je nach Stadium der Schwangerschaft oder später bei der Geburt stellen sich die Wehen unterschiedlich dar. Insbesondere in der präklinischen Versorgung stellt sich die Frage, ob und wann ein Transport der Schwangeren in eine Klinik erfolgen kann, um optimale Bedingungen für die Geburt des Kindes zu schaffen.

Die Wehenformen werden in 4 unterschiedliche Gruppen eingeteilt: 

  1. Schwangerschaftswehen
  2. Senk- und Vorwehen
  3. Geburtswehen
  4. Nachgeburtswehen

1. Schwangerschaftswehen

In der Schwangerschaft finden sogenannte Schwangerschaftswehen oder Übungswehen statt. Diese werden in Alvarez-Wellen und Braxton-Hicks-Wehen unterteilt. Beide Formen sind ab der 20. Schwangerschaftswoche (SSW) physiologisch und daher kein Grund zur Sorge. 

  • Die Alvarez-Wellen zeichnen sich durch eine geringe Druckamplitude (2-3 mmHg) und eine hohe Frequenz (10 Kontraktionen/10min) aus. Ein weiteres Merkmal der Alvarez-Wellen ist, dass sie lokal begrenzt sind und sich nicht über das gesamte Abdomen ausbreiten.
  • Braxton-Hicks-Kontraktionen zeichnen sich durch eine höhere Druckamplitude (30 mmHg) bei geringerer Frequenz (3-5 Kontraktionen/Stunde) aus. Unter der Wehe ist ein größerer Teil des Abdomens betroffen, oft ist der ganze Bauch hart zu tasten. Die Wehen dauern maximal 1 Minute.

Beide Formen der Wehentätigkeit zeigen nicht den unmittelbaren Beginn der Geburt an. Sie sollten schmerzfrei sein und der Muttermund sollte verschlossen sein. Die Gebärende kann daher weiterhin klinisch oder ambulant in der gynäkologischen Praxis betreut werden. Eine Hausgeburt muss nicht angestrebt werden. Insbesondere bei dem ersten Auftreten der genannten Wehentätigkeit ist eine Kontrolle durch eine:n Facharzt:in hilfreich und beruhigend für die Gebärende.

2. Senk- und Vorwehen

In einem späteren Stadium der Schwangerschaft gibt es noch zwei weitere Formen der Wehentätigkeit, die Senkwehen und die Vorwehen

Beide Formen sind physiologisch und dienen der richtigen Positionierung des Kindes und Reifung der Zervix (Verkürzung der Zervix um ein Drittel und erste Dilatation). Während die Senkwehen eher als mittelstark eingestuft werden, sind die Vorwehen sehr stark (Druckamplituden bis zu 40 mmHg). Die Vorwehen treten oft einige Tage vor der Eröffnungsperiode auf. Sie dienen dazu, den Kopf des Fötus richtig im Becken zu positionieren. Sowohl die Senkwehen als auch die Vorwehen weisen ein unkoordiniertes und unregelmäßiges Muster auf. 

 Tipp

Auch Senk- und Vorwehen kündigen noch keinen unmittelbaren Geburtsbeginn an und der Transport in die Klinik ist möglich.

 Merke

Senk- und Vorwehen unterscheiden sich von den Geburtswehen durch den fehlenden Rhythmus, die niedrigere Frequenz und die niedrigere Druckamplitude.

3. Geburtswehen

Eröffnungswehen

  • Funktion: Koordinierte, regelmäßige und rhythmische Wehen mit hoher Intensität zur Eröffnung des Muttermundes
  • Frequenz: Zu Beginn ca. alle 10 Minuten, im Verlauf dieser ersten Phase werden die Abstände jedoch immer kürzer und die Dauer der einzelnen Kontraktionen nimmt zu 
    → Wenn die Eröffnungsperiode in die Austrittsperiode übergeht, beträgt der Abstand zwischen den Kontraktionen oft nur noch 2-3 min
  • Druckanstieg: Bis zu 60 mmHg (20–30-faches der Alvarez-Wellen in der Frühschwangerschaft)
  • Dauer der Eröffnungswehen: etwa 30 Sekunden (in der späten Phase)
  • Ziel: Weitung des Muttermundes auf bis zu 10 cm, dann Beginn der Austrittswehen
  • Abnormitäten:
    • Frustrane Wehen: Keine Muttermundsweitung trotz Wehen
    • Vorzeitige Wehen: Eröffnungswehen vor der 37. SSW
  • Dauer der Eröffnungsperiode:
    • Erstgebärende: ca. 12 Stunden
    • Mehrgebärende: ca. 2 Stunden
  • Transportentscheidung in der Eröffnungsperiode:
    • Wehenabstand: Transport bei Wehenabständen von 10 Minuten möglich, aber nicht bei 2 Minuten
    • Vorgeschichte der Mutter: Eine Frau, die bereits mehrere Kinder geboren hat, durchläuft die verschiedenen Phasen der Geburt oft schneller als eine Erstgebärende. Handelt es sich also bereits um die vierte Schwangerschaft, ist ein Transport in der Eröffnungsperiode risikoreicher als bei der ersten Schwangerschaft. Allerdings kann die Patientin oft selbst gut einschätzen, wie weit der Geburtsvorgang fortgeschritten ist und in die strategische Planung einbezogen werden
    • Vorgeschichte des Fötus: Für eine komplikationslose Geburt ist unter anderem die Lage des Kindes wichtig. Liegt das Kind in Beckenendlage, ist eine Geburt im Krankenhaus oder ein Notfallkaiserschnitt deutlich sicherer als eine Hausgeburt. Die Kindslage kann von erfahrenen Untersucher:innen auch ohne Ultraschall festgestellt werden, wird aber auch bei den vorgeburtlichen Untersuchungen im Gravidogramm festgehalten, welches sich im Mutterpass befindet 

Austrittswehen 

  • Funktion: Koordinierte, regelmäßige und rhythmische Wehen mit hoher Intensität zur Austreibung des Kindes
  • Frequenz: Alle 4–1 Minuten
  • Druck: Basaltonus steigt auf 15 mmHg, am Ende Wehendruck bis zu 220 mmHg 
    → „Presswehen“
    • Oberhalb von 100 mmHg kommt die Uterusdurchblutung weitgehend zum Erliegen, was zu einem physiologischen Sauerstoffmangel des Kindes während der Wehen führt
  • Verhalten der Gebärenden:
    • Starker Drang zu pressen
    • Unterstützung der Wehen durch Bauchpresse
  • Transportmöglichkeiten:
    • Kein Transport mehr möglich!
    • Medizinische und psychologische Unterstützung notwendig

4. Nachgeburtswehen

  • Funktion: Austreibung der Plazenta und Eihäute
  • Intensität: Geringer als Presswehen, aber mit jeder Geburt stärker
  • Die Kontraktionen sind im Gegensatz zu den vorhergehenden Wehen eher unregelmäßig
  • Dauer: Phase sollte ca. 30 Minuten nach Geburt des Kindes abgeschlossen sein

Nachwehen

  • Funktion: Unregelmäßige, oft lokal begrenzte Kontraktionen zur Rückbildung des Uterus, Verschluss uteriner Gefäße zur Reduktion des postpartalen Blutverlustes
  • Dauer: bis einige Tage nach der Geburt

Übersicht über die Wehenformen

WehenformFunktionFrequenz / DruckBesonderheitenZeitpunkt
SchwangerschaftswehenAlvarez-Wellen
  • Frühe Stimulation der Gebärmuttermuskulatur
  • Vorbereitung auf stärkere Wehen in der Schwangerschaft
  • Hohe Frequenz: 10 Kontraktionen/10 Minuten
  • Geringer Druck: 2-3 mmHg
  • Lokal begrenzt
  • Kein Hinweis auf unmittelbaren Geburtsbeginn
  • Meist schmerzlos
  • Ab der 20. SSW)
Braxton-Hicks-Kontraktionen
  • Training der Gebärmuttermuskulatur
  • Förderung des Blutflusses zur Plazenta
  • „Übungswehen“, ohne den Muttermund zu öffnen
  • Niedrige Frequenz: 3-5 Kontraktionen/Stunde
  • Moderater Druck: 30 mmHg
  • Ausgebreitet über den gesamten Bauch
  • Kein Hinweis auf unmittelbaren Geburtsbeginn
  • Meist schmerzlos
  • Ab der 20. SSW)
Senkwehen
  • Rutschen des Kindes tiefer ins Becken
  • Einstellung des Kindes auf den Geburtskanal 
  • Unkoordiniert und unregelmäßig
  • Kein Hinweis auf unmittelbaren Geburtsbeginn
  • Moderate Schmerzintensität (vergleichbar mit Menstruationsschmerzen)
  • Späte Schwangerschaft (ab ca. 36. SSW)
  • 3-4 Wochen vor der Geburt
Vorwehen
  • Vorbereitung des Gebärmutterhalses (Verkürzung und Erweichung) 
  • Unkoordiniert und unregelmäßig
  • Kein Hinweis auf unmittelbaren Geburtsbeginn
  • Höhere Schmerzintensität
  • 3-5 Tage vor der Geburt
GeburtswehenEröffnungswehen
  • Öffnung des Muttermundes auf bis zu 10 cm
  • Koordiniert und rhythmisch
  • Beginn: ca. alle 10 Minuten
  • Ende: ca. alle 2–3 Minuten  
  • Druck: Bis zu 60 mmHg
  • Frustrane Wehen: Keine Muttermundsweitung trotz Wehen
  • Vorzeitige Wehen: Vor der 37. SSW
  • Dauer: 12 Std. bei Erstgebärenden, 2 Std. bei Mehrgebärenden
  • Eröffnungsperiode (Beginn der Geburt bis zur vollständigen Öffnung des Mundermundes)
Austrittswehen
  • Austreibung des Kindes
  • Koordiniert und rhythmisch
  • Alle 4–1 Minuten
  • Druck: Basaltonus steigt auf 15 mmHg
  • Physiologischer Sauerstoffmangel während der Wehen
  • Drang zu pressen
  • Unterstützung durch Bauchpresse
  • Kein Transport mehr möglich
  • Austrittsperiode (im Anschluss an die vollständigen Öffnung des Mundermundes)
Presswehen
  • Alle 2-3 Minuten
  • Druck: Bis zu 220 mmHg („Presswehen“)
  • Späte Phase der Austrittsperiode
Nachgeburtswehen
  • Austreibung der Plazenta und Eihäute
  • Verschluss uteriner Gefäße → Reduktion des postpartalen Blutverlustes
/
  • Unregelmäßige Kontraktionen, meist schmerzlos 
  • Abschluss innerhalb von 30 Minuten nach Geburt des Kindes
Nachwehen
  • Rückbildung des Uterus
/

 

  • Unregelmäßige, lokal begrenzte Kontraktionen
  • Bis einige Tage nach der Geburt
  • S3-Leitlinie Die Sectio caesarea, Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e.V. (DGGG)
  • Uhl: Gynäkologie und Geburtshilfe compact. Georg Thieme Verlag 2023, ISBN: 978-3-132-44180-4
  • Christine Geist, Ulrike Harder, Andrea Stiefel: Hebammenkunde. Hippokrates Verlag 2007, ISBN: 978-3-830-45388-8
Zuletzt aktualisiert am 13.04.2026
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