Logo Image

Pneumothorax (Röntgen-Thorax)

10 Minuten Lesezeit

Ein Pneumothorax ist die Ansammlung von Luft im Pleuraspalt zwischen der Pleura visceralis der Lunge und der Pleura parietalis der Thoraxwand. Er entsteht durch ein Thoraxtrauma, iatrogen oder ohne erkennbare Ursache als Spontanpneumothorax, welcher weiter in primären und sekundären Spontanpneumothorax unterteilt wird. Risikofaktoren für einen Spontanpneumothorax umfassen junges Alter und schlanken Körperbau (primär) oder bestehende Lungenerkrankungen wie eine COPD (sekundär). Typische Symptome sind plötzliche, einseitige Brustschmerzen und Atemnot. Diagnostisch wird ein Pneumothorax durch körperliche Untersuchung und Bildgebung (Röntgen, CT) bestätigt. Die Behandlung umfasst konservative Maßnahmen bei kleinen, symptomarmen Pneumothoraces sowie die Anlage einer Pleuradrainage bei größeren oder symptomatischen Fällen. Ein Spannungspneumothorax, eine akute lebensbedrohliche Komplikation mit Ventilmechanismus und daraus resultierender Mediastinalverlagerung, erfordert eine notfallmäßige Entlastung, z.B. durch Nadeldekompression.

 Tipp

Aufgrund des erhöhten Risikos sollte nach interventionellen Maßnahmen, wie z.B. einer ZVK-Anlage oder einer Pleurapunktion ein Röntgen-Thorax erfolgen. Weiterhin sollte nur eine Seite punktiert werden, um einen beidseitigen Pneumothorax zu vermeiden.

Weitere Informationen zum Krankheitsbild siehe Pneumothorax.

Der Pneumothorax kann nach unterschiedlichen Gesichtspunkten eingeteilt werden:

  • Anhand des Entstehungsmechanismus
    • Primärer Spontanpneumothorax
    • Sekundärer Spontanpneumothorax
    • Traumatischer Pneumothorax
    • Iatrogener (ärztlich verursachter) Pneumothorax
  • Anhand der pathophysiologischen Aspekte: Mit oder ohne Spannungskomponente
  • Anhand der Präsentation in der Bildgebung:
    • Komplett kollabierte Lunge
    • Spitzenpneumothorax: Ablösung der Pleura im Bereich der Lungenspitze 
    • Mantelpneumothorax: Vollständige Ablösung der Pleura visceralis von der Thoraxwand
Pneumothorax-Formen
  • Einteilung nach Lokalisation
    • Geschlossener PneumothoraxKeine Verbindung nach außen (z.B. Ruptur einer Bulla)
    • Offener Pneumothorax: Verbindung nach außen, entweder durch die Thoraxwand oder durch die Bronchien (innerer offener Pneumothorax)
  • Zusätzlich abgrenzbare Sonderformen:
    • Pneumothorax mit Mediastinalflattern: Durch eine Verbindung zur Außenluft bei einem offenen Pneumothorax kommt es parallel zur Atmung zu einer Mediastinalverlagerung 
    • Seropneumothorax: Zusätzlich Flüssigkeit im Pleuraspalt aufgrund eines gleichzeitig vorliegenden Pleuraergusses oder Pleuraempyems 
    • Hämatopneumothorax: Zusätzlich Blut im Pleuraspalt, zum Beispiel nach Thoraxtrauma
Seropneumothorax und Hämatopneumothorax
 Merke

Da Luft nach oben steigt, sieht man einen Pneumothorax am besten in den Stehendaufnahmen. Insbesondere kleine Pneumothoraces sind so am besten zu sehen. Einen Pneumothorax in der Liegendaufnahme zu diagnostizieren ist deutlich schwieriger, da auch dann die Luft nach oben und somit nach ventral steigt.

Beim Pneumothorax stellt sich der nicht mehr belüftete Bereich mit erhöhter Transparenz (dunkler) gegenüber dem Lungengewebe dar. Man sieht peripher keine Lungengefäßzeichnung mehr. In den meisten Röntgenbildern kann man die abgelöste Pleura visceralis auch durch eine Pneumothorax-Linie (Pneu-Linie) erkennen. Sie verläuft parallel zur Thoraxwand.

Pneumothorax im Röntgen-Thorax
Pneu-Linie (hellblaue Pfeile) Transparenzerhöhung mit Gefäßabbruch (blaues Overlay)

Bei großen Pneumothoraces kollabiert die Lunge. Es kommt zu einem eingeschränkten Gasaustausch. Durch die Kompression des Lungenparenchyms erhöht sich die Dichte des Gewebes und die kollabierten Lungenanteile sind im Röntgen-Thorax transparenzgemindert (heller). Da die Kompression von außen erfolgt, werden die nicht belüfteten Lungenanteile auch als Kompressionsatelektasen bezeichnet.

Pneumothorax mit Kompressionsatelektase
Kompressionsatelektase (rotes Overlay), Pneu-Linie (hellblaue Pfeile)
 Merke

Bei Röntgenaufnahmen im Stehen gibt es drei Zeichen für einen Pneumothorax

1) Pneu-Linie 

2) Transparenzsprung 

3) Abbruch der Gefäßzeichnung

Wie bereits erwähnt, ist ein Pneumothorax im Liegen deutlich schwieriger zu diagnostizieren, da häufig keine Pneu-Linie abgrenzbar ist. Manchmal können jedoch indirekte Zeichen auf einen Pneumothorax hinweisen. Das bekannteste Zeichen ist das "deep-sulcus-sign". Dies bedeutet, dass der Recessus costodiaphragmaticus auf der betroffenen Seite tiefer und transparenter als normal erscheint. Dies lässt sich besonders gut im Seitenvergleich beurteilen. Ein weiteres indirektes Zeichen für einen Pneumothorax ist eine schärfere Abgrenzbarkeit der linken Herzsilhouette. Trotz dieser Anzeichen bleibt es in einer Liegendaufnahme schwierig, sowohl den Pneumothorax selbst als auch dessen Ausmaß eindeutig zu beurteilen.

Pneumothorax in der Liegendaufnahme
  • Hautfalten: Manchmal wird eine Pneu-Linie durch Hautfalten vorgetäuscht. Diese erkennt man meist am Verlauf. So überschreiten sie teilweise die Thoraxwand und/oder verlaufen nicht immer parallel zur Thoraxwand. Außerdem lassen sich Gefäßzeichnungen peripher der Hautfalte abgrenzen 
  • Überlagerungen: Fremdmaterial, Weichteile und Knochen können eine Pneu-Linie imitieren. Aber auch hier kann peripher zum Transparenzsprung eine Gefäßzeichnung abgegrenzt werden oder die vermeintliche Pneu-Linie verläuft über die Thoraxwand hinweg. Typische Ursachen für Überlagerungen sind eine nicht herausgedrehte Skapula oder der Mammaschatten
Scapula-Überlagerung und Hautfalten im Röntgen-Thorax
Scapula-Überlagerung auf beiden Seiten (weiße Umrandung und grüne Pfeile), mehrere Hautfalten in der Liegendaufnahme (hellblaue Pfeile), kein Abbruch der Gefäßzeichnung
  • Bullae: Große Bullae führen ebenfalls zu einer Transparenzerhöhung (dunkel). Da sie häufig in den apikalen Lungenabschnitten vorkommen, können sie einen apikalen Pneumothorax vortäuschen. Meist verläuft die vermeintliche Pneu-Linie jedoch nicht parallel zur Thoraxwand. Bei Verdacht auf eine große Bulla kann zur weiteren Abklärung ein CT des Thorax in Niedrigdosistechnik durchgeführt werden.
Große Bulla im Röntgen-Thorax
Große Bulla (blaues Overlay)

Beim Spannungspneumothorax kommt es zu einem Ventilmechanismus. Das bedeutet, dass bei jeder Einatmung mehr Luft in den Pleuraspalt gelangt, als bei der Ausatmung wieder entweicht. Dadurch wird der Pneumothorax immer größer. Es kommt zu einer Verlagerung des Mediastinums nach kontralateral (Mediastinalshift). Dadurch erhöht sich der Druck auf Herz, Gefäße und Lunge. Dies kann je nach Ausmaß lebensbedrohlich sein und muss sofort behandelt werden.

Pathophysiologie Spannungspneumothorax

Identisch wie beim Pneumothorax sieht man eine Transparenzerhöhung (dunkel) mit einer Pneu-Linie. Zusätzlich kommt es zu einem Mediastinalshift nach kontralateral und einer Abflachung des ipsilateralen Zwerchfells. Da es sich meist um große Pneumothoraces handelt, kommt es häufig zu einem Kollaps des ipsilateralen Lungengewebes mit nachfolgenden Kompressionsatelektasen und einer Volumenzunahme des ipsilateralen Hemithorax. Letztere äußert sich in einer Erweiterung der ipsilateralen Interkostalräume.

 Achtung

Manchmal gibt es trotz eines großen Pneumothorax keinen Mediastinalshift. Dies kann beispielsweise der Fall sein, wenn beidseits Pneumothoraces vorliegen. In diesem Fall gleichen sich die Drücke auf beiden Seiten aus, wodurch der Mediastinalshift ausbleibt.

 Merke

Der Spannungspneumothorax ist eine lebensbedrohliche Komplikation. Radiologisch zeigen sich:

  1. Mediastinalshift nach kontralateral
  2. Abflachung des Zwerchfells und
  3. Erweiterung der Interkostalräume

Bei einem Mediastinalshift ist das Mediastinum nicht mehr mittelständig, sondern zu einer Thoraxseite verlagert. Gründe können zum Beispiel ein Pneumothorax (kontralateral) oder eine Atelektase (ipsilateral) sein.

Beispielbefund

Methodik:

Stehendaufnahme in 2 Ebenen

Befund:
Herz nicht vergrößert. Mediastinum nach links verlagert. nicht verbreitert. Mantelpneumothorax rechts. Kompressionsatelektasen des kollabierten rechten Lungenflügels. Kein Pneumothorax links. Pleuraerguss rechtsseitig. Zwerchfell rechts gering abgeflacht. Kein Weichteilemphysem. Miterfasstes Skelett unauffällig.

Beurteilung:
Großer Spannungspneumothorax rechts mit Mediastinalshift nach kontralateral.

Großer Spannungspneumothorax rechts im Röntgen-Thorax
Großer Spannungspneumothorax rechts mit: ipsilateraler Zwerchfellabflachung (grüne Pfeile), Mediastinalverlagerung nach kontralateral (Herz mit rotem Overlay), ipsilateralem Lungenkollaps mit Kompressionsatelektasen (türkises Overlay) und Erweiterung der ipsilateralen Interkostalräume (Doppelpfeil). Erguss rechts mit Spiegelbildung (grünes Overlay)

Eine Besonderheit ist der Seropneumothorax. Dabei handelt es sich um eine Mischung aus Pneumothorax und Erguss, d.h. es befinden sich Luft und Flüssigkeit im Pleuraspalt. Häufig findet sich eine Pneu-Linie sowie ein basaler Erguss mit Luft-Flüssigkeits-Spiegel. Bei raumfordernder Wirkung kann es auch zu einem Mediastinalshift nach kontralateral kommen.

Seropneumothorax im Röntgen-Thorax
Luft-Flüssigkeits-Spiegel auf der rechten Seite (blauer Pfeil), Pneumothoraxsaum (türkises Overlay), Pleuraerguss (grünes Overlay), Teile des Mittel- und Unterlappens scheinen sich im Pleuraerguss zu befinden (gestrichelte weiße Linie).
Zuletzt aktualisiert am 19.03.2026
Fremdmaterial im Röntgen-Thorax
Pleuraerguss (Röntgen-Thorax)
Deine Medizin-Lernplattform
Jetzt weiterlesen
Zugang zu diesem und über 800 weiteren leitlinienbasierten Artikeln, unserem einzigartigen medizinischen AI-Tutor und Quiz