Nach der Geburt beginnt eine entscheidende Phase, in der sowohl die Mutter als auch das Neugeborene besondere Aufmerksamkeit benötigen. Für die Mutter stehen der allgemeine körperliche Zustand und der vaginale Blutverlust im Fokus. Eine sorgfältige Überwachung und rechtzeitige Intervention sind essenziell, um mögliche Komplikationen zu verhindern.
Für das Neugeborene ist der direkte Kontakt zur Mutter von zentraler Bedeutung. Dieser ermöglicht ein gutes Bonding und erleichtert die stressfreie Eingewöhnung in die neue Umgebung. Eine Trennung sollte daher nach Möglichkeit vermieden werden. Ebenso wichtig ist der Wärmeerhalt des Kindes, da es über seinen Kopf einen Großteil der Körperwärme verliert. Dies wird durch Abtrocknen, Einhüllen in Decken und den Einsatz einer Silberwindel erreicht, die auch den Kopf des Neugeborenen abdecken sollte.
Diese postpartale Phase erfordert ein sensibles und achtsames Vorgehen, um die Gesundheit und das Wohlbefinden von Mutter und Kind zu gewährleisten.
Postpartale Versorgung der Mutter
Körperliche Verfassung:
Hautkolorit, Atmung und Einschätzung der Mutter sowie Behandler:innen geben den Gesamteindruck, unterstützt durch Monitoring (Blutdruck, Puls) zur Früherkennung eines Schocks
Blutverlust:
Kompressen helfen bei der Abschätzung. Bei > 1000 ml Blutverlust ist ein aktives Management erforderlich
Ursache:
Häufigste Ursache ist die Uterusatonie (Kontraktionsschwäche der Gebärmutter)
Maßnahmen:
Uterotonika und Antifibrinolytika
Kreislaufstabilisierung über zwei großlumige Zugänge und ggf. kreislaufstabilisierende Medikamente
Tipp
Fritsch-Lagerung
Die Patientin wird zunächst nach ihren persönlichen Vorlieben gelagert. Bei vaginaler Blutung kann die Fritsch-Lagerungin Betracht gezogen werden. Hierbei liegt die Patientin auf dem Rücken, mit sterilen Kompressen vor die Vulva gelegt und auf Höhe der Knie überkreuzten Beinen. Gegebenenfalls wird das Becken hochgelagert. Hierbei ist zu beachten, dass die Blutung nicht gestillt wird, da die Blutungsquelle nicht direkt komprimiert wird und sich das Blut im Uterus sammelt, anstatt nach außen zu fließen. Durch die schlechte Sichtbarkeit des Blutverlustes von außen kann ein großer Blutverlust erst spät erkannt und behandelt werden.
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Postnatale Versorgung des Neugeborenen
Kontakt zur Mutter:
Mutter und Kind sollten nicht getrennt werden, um Bonding zu fördern und eine stressfreie Eingewöhnung zu ermöglichen
Wärmeerhalt:
Sicherstellen durch Abtrocknen, Einhüllen in Decken und Versorgung mit einer Silberwindel
Besonderheit: Die Silberwindel sollte auch den Kopf des Neugeborenen bedecken, da über diesen ein großer Teil der Körperwärme verloren geht
APGAR-Score
Um den Anpassungsprozess verfolgen und bewerten zu können, wird das APGAR-Schema verwendet. Dabei handelt es sich um ein Akronym, bei dem jeder Buchstabe einem zu beobachtenden Themenbereich entspricht. Für jeden Buchstaben werden 0 bis 2 Punkte vergeben, sodass sich eine Gesamtpunktzahl zwischen 0 und 10 ergibt. Die APGAR-Erhebung wird 1, 5 und 10 Minuten nach der Geburt durchgeführt. Die Tabelle fasst die wichtigsten Inhalte des APGAR-Scores zusammen.
Absaugung und Sauerstoffgabe
Abgesehen von der Wärmeerhaltung und der Stimulation zur Erhebung des APGAR-Scores (z.B. Reiben der Haut etc.) sind keine medizinischen Interventionen vorgesehen.
Ein routinemäßiges Absaugen des Neugeborenen zeigt keinen signifikanten Vorteil, weshalb es zu diesem Zeitpunkt keinen Standard dafür gibt. Auch bei grünlich verfärbtem Fruchtwasser wird eine Absaugung derzeit nicht empfohlen
Die Absaugung kann nicht nur zu Verletzungen des Neugeborenen führen, sondern auch zu reflektorischen Bradykardien durch vasovagale Reizung
Ohnepulsoxymetrische Überwachung des Neugeborenen ist die Sauerstoffgabe nicht indiziert. Die Gabe von Sauerstoff kann bei einem schlechten APGAR-Score (siehe oben) erwogen werden. Eine Hilfestellung bietet die Tabelle der Normwerte für die neonatale Sauerstoffsättigung in der Leitlinie „Betreuung von Neugeborenen in der Geburtsklinik“:
Minute
Sauerstoffsättigung (%)
Herzfrequenz (min⁻¹)
Median
IQR
Praxisnahe Regel
Median
IQR
Praxisnahe Regel
1
68
60–77
60
96
65–127
>60
2
76
65–84
70
139
110–166
>100
5
92
83–96
85
163
146–175
>100
10
97
94–98
90
157
144–170
>100
Normwerte der Sauerstoffsättigung(Pulsoxymetrie) und Herzfrequenz wurden bei 308 Neugeborenen ermittelt, die lediglich Maßnahmen zur Wärmeerhaltung und Stimulation erhielten, ohne weitere medizinische Eingriffe. Die Tabelle zeigt den Median sowie den Quartilsabstand (IQR). Zur besseren Orientierung sind praxisnahe Richtwerte besonders hervorgehoben.
Merke
Merkbox: Versorgung von Neugeborenen
Kontakt zwischen Mutter und Neugeborenem herstellen
Wärmeerhalt sicherstellen
Keine routineartige Absaugung oder Sauerstoffgabe bei Neugeborenem initiieren
Beurteilung des Neugeborenen nach APGAR-Score 1, 5 und 10 Minuten nach Geburt
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