Zusammenfassung
Beim primären Hyperaldosteronismus (PHA) handelt es sich um eine Erkrankung der Nebennieren
Die häufigsten Ursachen des primären Hyperaldosteronismus sind eine idiopathische Hyperplasie oder ein Aldosteron
Durch die hohe Aldosteronkonzentration kommt es zu einer vermehrten Kaliumausscheidung sowie zu einer gesteigerten Natrium
Die Diagnostik des primären Hyperaldosteronismus erfolgt stufenweise. Bei klinischem Verdacht wird zunächst ein Screening mittels Bestimmung des Aldosteron
Die Therapie orientiert sich an der jeweiligen Ursache. Bilaterale Formen werden medikamentös mit Mineralokortikoidrezeptor-Antagonisten (Spironolacton oder Eplerenon) behandelt. Aldosteron
Epidemiologie
- Eine der häufigsten Ursachen für sekundäre Hypertonie
: - Etwa 5-10 % aller Hypertoniker:innen haben einen primären Hyperaldosteronismus (meist normokaliämische Form)
- Prävalenz bei Patient:innen mit therapieresistenter Hypertonie: ca. 20 %
- Geschlecht: ♀ > ♂ (ca. 2:1)
- Erkrankungsgipfel: 30.-50. Lebensjahr
Ätiologie & Klassifikation
- Idiopathischer Hyperaldosteronismus (IPA):
- Bilaterale Hyperplasie der Nebennierenrinde
- Häufigste Ursache des PHA: ca. 60-70 % der Fälle
- In der Regel normokaliämisch
- Aldosteron
-produzierendes Nebennierenadenom (APA): - Unilaterale, meist sehr kleine Adenome der Nebennierenrinde
- Ca. 30-40 % der Fälle
- Häufig hypokaliämisch
- Seltene Formen:
- Unilaterale Hyperplasie der Nebennierenrinde
- Familiärer Hyperaldosteronismus (FH)
- Aldosteron
-produzierendes Nebennierenrindenkarzinom
| PHA | Primärer Hyperaldosteronismus, Conn-Syndrom |
| IPA | Idiopathischer Hyperaldosteronismus (meist durch bilaterale NNR-Hyperplasie) |
| APA | Unilaterales Aldosteron |
Pathophysiologie
Aldosteron - Physiologie
- Syntheseort: Zona glomerulosa der Nebennierenrinde
- Regulation: Stimulation der Aldosteronsekretion über Angiotensin II im Rahmen einer Aktivierung des Renin-Angiotensin-Aldosteron
-Systems (RAAS ) und über eine gesteigerte Kaliumkonzentration im Plasma (→ direkte Stimulation) - Aldosteronwirkung:
- Natrium
- & Flüssigkeitsretention↑ - Kaliumausscheidung↑
- Natrium
Pathophysiologie
- Autonome Aldosteronsekretion (z.B. durch Hyperplasie, Adenom etc.) →
- Natrium
-& Flüssigkeitsretention↑ → Volumenanstierg → arterielle Hypertonie - Ggf. Kaliumsekretion↑ → Hypokaliämie
(kann klinisch fehlen) - Negative Rückkopplung innerhalb des RAAS
→ Renin wird supprimiert
- Natrium
InfoPatient:innen mit primärem Hyperaldosteronismus haben ein höheres kardiovaskuläres Risiko als Patient:innen mit essenzieller Hypertonie
gleichen Schweregrades.
Klinik
- Leitsymptom: arterielle Hypertonie
(häufig therapierefraktär) - Mögliche Symptome bei Vorhandensein einer Hypokaliämie
: - Muskelschwäche bis hin zu Paresen
- Parästhesien
- Polydipsie und Polyurie
- Obstipation
- Herzrhythmusstörungen und EKG-Veränderungen (ST-Senkung
, Abflachen der T-Welle )
- Ggf. metabolische Alkalose
MerkeDie klassische Symptom-Trias des PHA, bestehend aus Hypertonie, Hypokaliämie
und metabolischer Alkalose , ist eher selten zu beobachten. In den meisten Fällen präsentieren sich Patient:innen mit einer normokaliämischen Hypertonie.
Diagnostik
Die Diagnostik des primären Hyperaldosteronismus erfolgt nach einem abgestuften Schema:
- Screening
- Bestätigungstest (Diagnosesicherung)
- Differentialdiagnostische Abklärung (Bestimmung der Ursache)
Screening
Screeningindikationen:
Folgende Patient:innengruppen sollten auf das Vorliegen eines primären Hyperaldosteronismus untersucht werden:
- Schwere oder therapieresistente Hypertonie
- Hypertonie in Kombination mit:
- Spontaner oder Diuretika
-induzierter Hypokaliämie - Zufällig entdecktem Nebennierentumor (Inzidentalom)
- Spontaner oder Diuretika
- Primärer Hyperaldosteronismus bei Verwandten 1. Grades
- Auftreten von arterieller Hypertonie
oder Schlaganfällen in der Verwandtschaft vor dem 40. Lebensjahr
Screeningtest:
- Prinzip: Bestimmung des Aldosteron
-Renin-Quotienten - Durchführung:
- Bestimmung der Aldosteron
- und Reninkonzentration bei morgendlicher Blutentnahme - Achtung: diverse Medikamente mit Einfluss auf das RAAS
(z.B. Diuretika , ß-Blocker, ACE-Hemmer , Aliskiren etc.) müssen vor der Durchführung rechtzeitig pausiert werden!
- Bestimmung der Aldosteron
- Interpretation: eine Erhöhung des Aldosteron
-Renin-Quotienten deutet auf einen primären Hyperaldosteronismus hin (→ Hemmung der Plasmareninaktivität durch erhöhte Aldosteronkonzentration)
- Durchführung:
Bestätigungstest
Mithilfe von Bestätigungstests lässt sich die Supprimierbarkeit der Aldosteronsekretion überprüfen. Bleibt der Aldosteronspiegel trotz Volumenbelastung oder RAAS
- Beispiele gängiger Verfahren:
- Kochsalzbelastungstest (i.v. oder oral)
- Fludrocortison-Suppressionstest
- Captopril-Belastungstest
Differentialdiagnostische Abklärung
- CT
/MRT der Nebennieren : - Ziel: Darstellung von Raumforderungen → Ausschluss adrenaler Karzinome
- Limitation:
- Insbesondere bei älteren Patient:innen häufig zufälliger Befund von Adenomen, die jedoch nicht hormonaktiv sind (→ geringe Spezifität)
- Aldosteron
-produzierende Mikroadenome (<5 mm) oft nicht sichtbar (→ geringe Sensitivität)
- Katheterisierung der Nebennierenvenen (AVS):
- Ziel: Goldstandard zur Unterscheidung zwischen uni- und bilateraler Aldosteronproduktion
- Durchführung: Punktion der V. femoralis
→ Katheterisierung der Nebennierenvenen → Messung der Aldosteron - und Cortisolkonzentrationen in beiden Nebennierenvenen sowie in einer peripheren Vene (der Vergleich mit peripheren Hormonkonzentrationen dient zur Überprüfung einer erfolgreichen Katheterisierung) - Interpretation:
- Aldosterongradient → Hinweis auf unilaterales Adenom
- Kein Aldosterongradient → Hinweis auf bilaterale Hyperplasie
AchtungDie Anwendung bildgebender Verfahren sollte immer erst nach laborchemischer Sicherung einer hormonellen Erkrankung erfolgen.
Differentialdiagnosen
- Pseudohyperaldosteronismus: klinisches Bild eines Hyperaldosteronismus, das nicht durch einen erhöhten Aldosteronspiegel verursacht wird. Beispiele:
- Liddle-Syndrom (kongenitale mutationsbedingte Überaktivität des epithelialen Natriumkanals der Sammelrohre)
- Kongenitale Nebennierenhyperplasie (Enzymdefekte: 11β-Hydroxylase-Mangel oder 17α-Hydroxylase-Mangel)
- "Lakritzabusus" (Glycyrrhizinsäure hemmt 11β-HSD2)
- Sekundärer Hyperaldosteronismus: reninabhängige Stimulation der Aldosteronfreisetzung
- Nierenarterienstenose
- Nephrotisches Syndrom
- Diuretika
-Therapie - Fortgeschrittene Herzinsuffizienz
- Leberzirrhose
mit Aszites
Therapie
Grundprinzipien:
- Allgemeines Therapieziel: Normalisierung von Blutdruck und Kaliumkonzentrationen
- Die Therapie richtet sich nach der Ätiologie bzw. Subtypisierung:
- Unilaterale Formen (APA, unilaterale Hyperplasie) → chirurgisch (unilaterale Adrenalektomie)
- Bilaterale Formen (IPA) → medikamentös (Mineralokortikoidrezeptor-Antagonisten)
Chirurgische Therapie:
- Verfahren: unilaterale Adrenalektomie (bevorzugt laparoskopisch):
- Indikation:
- Aldosteron-produzierendes Nebennierenadenom (APA)
- Unilaterale Hyperplasie
- Präoperativ: Einstellung des Blutdrucks und ggf. der Hypokaliämie
- Indikation:
- Bei Inoperabilität oder Ablehnung: medikamentöse Therapie mit Mineralokortikoidrezeptor-Antagonisten
Medikamentöse Therapie:
- Indikation:
- Idiopathischer Hyperaldosteronismus (IPA)
- Patient:innen mit unilateralen Befunden, die nicht operabel sind oder die OP ablehnen
- Medikamente:
- Mineralokortikoidrezeptor-Antagonisten (Spironolacton, Eplerenon)
- Ggf. zusätzlich antihypertensive Therapie
Prognose
Der Verlauf und die Prognose des primären Hyperaldosteronismus hängen maßgeblich vom Zeitpunkt der Diagnosestellung und dem Beginn einer gezielten Therapie ab.
Bei unilateralen Formen kann die Erkrankung durch eine Operation oft geheilt werden. Ist eine Operation nicht möglich, stehen Mineralokortikoidrezeptor-Antagonisten als spezifische medikamentöse Behandlung zur Verfügung.
Unbehandelt kann der primäre Hyperaldosteronismus zu schweren Folgeerkrankungen wie Arteriosklerose
Quellen
- Adler G et al. Primary Aldosteronism: An Endocrine Society Clinical Practice Guideline. The Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism 2025; 110(9):A-2453-2495. doi: 10.1210/clinem/dgaf284
- Herold G: Innere Medizin. Dr. Gerd Herold, 2023. ISBN: 978-3-9821166-3-1
- Schirpenbach C et al. Diagnostik und Therapie des primären Hyperaldosteronismus. Dtsch Arztebl Int 2009; 106(18):A-305–11. doi: 10.3238/arztebl.2009.0305
- Tomaschitz A, Dobnig H. Primärer Hyperaldosteronismus - die häufigste monokausale Ursache der "essenziellen Hypertonie". J KLIN ENDOKRINOL STOFFW 2009; 2(2):A-14-21.

