Zusammenfassung
Die Prophylaxe der Mangelernährung
Zu den wichtigsten Risikofaktoren für Mangelernährung
Zur Prävention der Mangelernährung
Risikofaktoren für Mangelernährung
Medizinische Risikofaktoren:
- Chronische Erkrankungen: Tumorerkrankungen, Schlaganfall
, Demenz und Parkinson, Querschnittslähmung - Gastrointestinale Störungen: Erkrankungen wie Gastritis, Ösophagitis
, Morbus Crohn , Colitis ulcerosa oder Malabsorptionssyndrome, die die Nährstoffaufnahme direkt beeinflussen - Psychische Erkrankungen: Depressionen und andere psychische Störungen, die zu Appetitverlust führen können
- Operationen: erhöhter Energiebedarf
durch Stress, häufig reduzierte Nahrungsaufnahme durch Schmerzen - Elektrolytstörungen: v.a. die Hyponatriämie
(Natriummangel ) kann mit einem Appetitverlust einhergehen (z. B. durch Medikamente wie Furosemid ) - Medikamenteneinnahme: Einige Medikamente können den Appetit hemmen (z.B. Benzodiazepine
, Digitalis, Antidepressiva wie SSRIs , Chemotherapeutika )
Lebensstilbezogene Risikofaktoren:
- Inadäquate Ernährungsgewohnheiten: Unausgewogene Diäten, die arm an essenziellen Nährstoffen und Energieträgern sind, Essensverweigerung
- Alkohol- und Drogenmissbrauch: Substanzmissbrauch kann zu Vernachlässigung der Ernährung führen und die Absorption
von Nährstoffen beeinträchtigen - Soziale Isolation
: Fehlende soziale Kontakte können zu Vernachlässigung der eigenen Gesundheit und Ernährung führen
Altersbedingte Risikofaktoren:
- Höheres Lebensalter: Ältere Menschen erleben oft einen natürlichen Abbau von Muskelmasse (Sarkopenie) und Appetit, was zu einer verminderten Nahrungsaufnahme führt
- Kau- und Schluckbeschwerden: Zahnverlust, unpassende Zahnprothese oder Schluckstörungen (Dysphagie), Aphten oder andere Läsionen/Verletzungen im Mundraum
Ökonomische Risikofaktoren:
- Armut und finanzielle Einschränkungen: Begrenzte finanzielle Mittel können den Zugang zu vollwertigen Lebensmitteln einschränken
Einschätzung des Ernährungszustandes
Körperliche Anzeichen von Mangelernährung :
- Beobachtung und Dokumentation von stehenden Hautfalten, die auf Dehydration hindeuten können
- Bewertung sichtbarer körperlicher Veränderungen wie eingefallene Gesichtszüge, dünne Arme und Beine oder prominente Knochenstrukturen
- Überprüfung der Passform der Kleidung; beispielsweise ob Hosenbund oder BH locker sitzen, was auf kürzlichen Gewichtsverlust hinweisen könnte
TippÄltere Fotos auf dem Handy zeigen lassen, um Gewichtsverlauf besser einschätzen zu können.
Gewichtsmonitoring:
- Regelmäßiges Wiegen der Person zur gleichen Tageszeit, um einen Gewichtsverlust frühzeitig zu erkennen
- Vergleich der aktuellen Gewichtsdaten mit früheren Messungen, um Trends oder Veränderungen zu identifizieren
Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme:
- Dokumentation der täglichen Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme
- Beobachtung des Trink- und Essverhaltens (Anzahl der getrunkenen Flaschen, Teller leer gegessen)
Erhöhten Bedarf erkennen:
- Identifikation von Zuständen oder Erkrankungen, die einen gesteigerten Bedarf an Nährstoffen, Energie und Flüssigkeit erfordern, z.B. Infektionen oder Heilungsprozesse nach Operationen
Umfassende Pflegeanamnese:
- Essgewohnheiten und Präferenzen (ggf. unter Einbeziehung der Angehörigen)
- Erhebung von Ess- und Trinkschwierigkeiten, z.B. Probleme beim Schlucken oder Kauen
Bewertungsmöglichkeiten:
- Überprüfung der Handkraft als Indikator für die allgemeine Muskelstärke
und den Ernährungszustand - Möhrentest: zur Beurteilung der Kaufähigkeit und zur Einschätzung des Zustands des Kauapparates
- Durchführung: Kauen eines rohen Karottenstücks (2 cm Durchmesser, 1 cm Länge) für ca. 45 Sekunden, danach Ausspucken der zerkauten Karotte auf ein Tuch
- Auswertung: anhand der Größe der Stücke kann Kaufähigkeit eingeschätzt werden (Je kleiner die Karotte zerkaut werden konnte, desto besser ist die Kaufähigkeit)
AchtungDer Möhrentest sollte nicht bei bestehenden Schluckstörungen durchgeführt werden, um eine Aspiration zu vermeiden.
Überwachung des Ernährungszustands:
- Einsatz spezifischer Ernährungsbewertungsinstrumente wie der Nutritional Risk Screening 2002 (NRS2002), das Mini Nutritional Assessment (MNA) oder das Malnutrition
Universal Screening Tool (MUST) - Regelmäßige Überprüfungen, um Änderungen im Ernährungszustand frühzeitig zu erkennen und entsprechend zu reagieren
- Berechnung des Grundumsatzes
, um den Bedarf zu ermitteln (Harris-Benedict-Formel)
AchtungBMI
Der Body-Mass-Index
wird berechnet aus dem Verhältnis von Körpergewicht in Kilogramm zu Körpergröße in Metern zum Quadrat. Der BMI ist für die Beurteilung des Ernährungszustandes oft nur eingeschränkt verwendbar. Insbesondere bei Personen mit Ödemen , Exsikkose , Amputationen, älteren Menschen, Bodybuildern und Schwangeren ist der BMI oft nicht aussagekräftig. Er unterscheidet beispielsweise nicht zwischen Muskelmasse und Körperfett. So kann ein Bodybuilder den gleichen BMI haben wie eine adipöse Person gleichen Alters. Gewichtsverläufe ermöglichen in der Regel eine zuverlässigere Beurteilung des Ernährungszustandes als eine einmalige BMI -Bestimmung.
InfoRefeeding-Syndrom
Das Refeeding-Syndrom ist eine lebensbedrohliche metabolische Störung, die bei der Ernährungsumstellung
auf hochkalorische Nahrung nach längerer Mangelernährung auftreten kann. Es ist durch eine starke Insulinfreisetzung und Elektrolytstörungen wie Hypophosphatämie gekennzeichnet. Es kann zu epileptischen Anfällen, Herzrhythmusstörungen, Delir und Rhabdomyolyse kommen. Zur Vermeidung des Refeeding-Syndroms ist bei mangelernährten Patient:innen ein langsamer und schrittweiser Kostaufbau unerlässlich. Es wird empfohlen, die Kalorienzufuhr in den ersten Tagen zu begrenzen und eine regelmäßige Kontrolle der Vitalparameter und Elektrolytwerte durchzuführen.
Präventive Maßnahmen
Die orale Ernährung (durch den Mund) sollte immer bevorzugt werden. Wenn der Energiebedarf
Um Mangelernährung
Nanoxyde, CC BY-SA 3.0, https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0, via Wikimedia Commons. Bild wurde zugeschnitten
Cancer Research UK, CC BY-SA 4.0, https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0, via Wikimedia Commons
| Risikofaktoren | Präventive Maßnahmen |
|---|---|
| Medizinische Risikofaktoren | |
| Gastrointestinale Störungen |
|
| Psychische Erkrankungen (z.B. Depressionen) |
|
| Chronische Erkrankungen (z.B. Diabetes mellitus |
|
| Operationen |
|
| Elektrolytstörungen (z.B. Hyponatriämie |
|
| Medikamenteneinnahme |
|
| Kau- und Schluckbeschwerden |
|
| Lebensstilbezogene Risikofaktoren | |
| Unwissen über bedarfsgerechtes Essen |
|
| Alkohol- und Drogenmissbrauch |
|
| Soziale Isolation |
|
MerkeEs sollten immer alle benötigten Hilfsmittel, wie Brille, Zahnprothesen, usw., auf Sauberkeit und Funktionalität geprüft und die Patient:innen, wenn nötig, bei der Anwendung dieser unterstützt werden.
Quellen
- Al-Abtah et al: I care Pflege. Georg Thieme Verlag 2020, ISBN: 978-3-132-41828-8
- Al Abtah et al.: I care Krankheitslehre. Georg Thieme Verlag KG 2020, ISBN: 978-3-132-41824-0
