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RAAS-Inhibitoren

ACE-Hemmer und AT1-Rezeptorblocker
9 Minuten Lesezeit

RAAS-Inhibitoren sind Hemmstoffe des Renin-Angiotensin-Aldosteron-Systems (RAAS), und werden zur Behandlung von Bluthochdruck und Herzinsuffizienz eingesetzt. Diese Medikamente wirken, indem sie die Aktivität des RAAS blockieren, ein hormonelles System, das den Blutdruck und das Flüssigkeitsvolumen im Körper reguliert. Es gibt verschiedene Arten von RAAS-Inhibitoren, einschließlich ACE-Hemmern (Angiotensin-Converting-Enzyme-Hemmern), AT1-Rezeptorblocker (ARBs) und Renin-Inhibitoren. ACE-Hemmer verhindern die Umwandlung von Angiotensin I in das vasokonstriktorische Angiotensin II, wodurch der Blutdruck gesenkt wird. ARBs blockieren die Wirkung von Angiotensin II direkt an den Rezeptoren, was ebenfalls zu einer Senkung des Blutdrucks führt. Renin-Inhibitoren hemmen kompetitiv die Aktivität von Renin, einem Enzym, das den ersten Schritt in der RAAS-Kaskade katalysiert. 

Für die praktische Anwendung: siehe Antihypertensiva.

  • Blutdruck ist abhängig von:
    1. Herzzeitvolumen (HZV): Das Herzzeitvolumen wird bestimmt durch Schlagvolumen (SV) und Herzfrequenz (HF) 
    2. Total peripherer Widerstand (TPR):
      • Widerstand, gegen den das Herz das Blut pumpen muss
      • Abhängig vom Gefäßdurchmesser (v.a. der Widerstandsgefäße)
    3. Elektrolyt-und Wasserhaushalt: wird durch das RAAS (Renin-Angiotensin-Aldosteron-System) kontrolliert
      • Wenn der Blutdruck abfällt, ein zu geringes Blutvolumen vorhanden ist oder der Sympathikus aktiv ist, schüttet eine bestimmte Region der Niere, der sogenannte juxtaglomeruläre Apparat, das Hormon Renin aus
      • Dieses spaltet Angiotensinogen zu Angiotensin I
      • Angiotensin I wiederum wird durch das „Angiotensin-Converting-Enzyme“ (kurz ACE) zu Angiotensin II konvertiert. ACE befindet sich vor allem in der Lunge
      • Angiotensin II vermittelt dann seine Wirkung über die Bindung an den AT1- Rezeptor
        Dies hat vier verschiedene Effekte:
        1. 1. Gesteigerte Aldosteronsynthese und Sekretion (Nebennierenrinde)
          Aldosteron wirkt an den Hauptzellen des Sammelrohrs und sorgt dafür, dass vermehrt Natrium rückresorbiert und gleichzeitig mehr Kalium ausgeschieden wird
          → Durch die Natriumresorption wird vermehrt Wasser gebunden und der Blutdruck steigt an
        2. 2. Angiotensin II führt zu einer vermehrten Wasserresorption am proximalen Tubulus
        3. 3. Angiotensin-vermittelte Vasokonstriktion (steigert den TPR
        4. 4. Vermehrte ADH-Ausschüttung aus der Neurohypophyse: das Antidiuretische Hormon (ADH) sorgt dafür, dass der Salzappetit und der Durst steigen
Physiologie des RAAS

Verknüpfung Physiologie und Pharmakologie

  • Man kann den Blutdruck folglich senken durch: 
    1. Hemmung des RAAS 
      • RAAS-Inhibitoren (A)
    2. Senkung des Herzzeitvolumens
      • Betablocker durch Antagonismus am β1-Rezeptor (B)
    3. Reduktion des totalen peripheren Widerstandes
      • Vasodilatation bspw. durch Calciumantagonisten (C) oder α1-Rezeptor Antagonisten 
    4. Gesteigerte Wasserausscheidung 
      • Diuretika (D)
Antihypertensiva Merkhilfe
  • ACE-Hemmer
    • Hemmen das Angiotensin-Converting-Enzyme (ACE)
      → Weniger Angiotensin II 
      → Aldosteronsekretion sinkt
      → Abnahme der Angiotensin-II-vermittelten Vasokonstriktion
      → Natriumretention sinkt
  • Wirken nephroprotektiv
  • Wirken kardioprotektiv (reduzieren Remodeling nach Myokardinfarkt)
  • AT-1-Rezeptor-Blocker
    • Hemmen den AT-1-Rezeptor (Efffekt wie ACE-Hemmer)
    • Einsatz bei ACE-Hemmer-Unverträglichkeit (insb. Reizhusten)
  • Direkte-Renin-Inhibitoren (Aliskiren)
    • Hemmt Renin kompetitiv
Wirkorte der RAAS-Inhibitoren

Siehe auch ACE-Hemmer bei Herzinsuffizienz

 WirkstoffeIndikationenNebenwirkungen
ACE-Hemmer

Direkt wirksam:

  • Captopril  
  • Lisinopril

Prodrugs:

  • Ramipril
  • Enalapril
  • Arterielle Hypertonie
  • Z.n. Myokardinfarkt
  • Chronische Herzinsuffizienz
  • Diabetische Nephropathie
  • Hypotonie
  • Hyperkaliämie (durch die verminderte Aldosteronwirkung)
  • Anstieg der Retentionsparameter (wie Kreatinin) durch Dilatation der Vas efferens und Abnahme der GFR
  • ACE-Hemmer:
    • Reizhusten und Angioödem (Bradykinin-Abbau gehemmt, wirkt vasodilatierend, selten auch bei Sartanen)
      → Wechsel auf Sartan
AT-1-Rezeptor Blocker
  • Candesartan
  • Valsartan
  • Losartan
Renin-hemmer
  • Aliskiren (selten)
  • Nur bei arterieller Hypertonie zugelassen
  • Diarrhoe
  • Hyperkaliämie (v.a. bei Kombination mit anderen RAAS-Inhibitoren)
 Achtung

Aldosteron-Escape-Phänomen RAAS unabhängige Steigerung der Aldosteron-Sekretion bei Dauertherapie mit ACE-Hemmern Wirkverlust!

 Tipp

Um therapiebedingte Hypotonien zu vermeiden, sollte die Therapie zunächst mit einer niedrigen Dosis begonnen werden. 

  • Absolute Kontraindikationen:
    • Schwangerschaft (teratogen ⟶ fruchtschädigend)
    • Stillzeit
    • Vorbekanntes oder hereditäres Angioödem
  • Relative Kontraindikationen:
    • Bilaterale Nierenarterienstenose 
    • Aortenklappenstenose
    • Nierenfunktionsstörungen
  • Angiotensin-Rezeptor-Neprilysin-Inhibitor (ARNI): Kombination aus Sacubitril und Valsartan (1:1)
  • Wirkung:
    • Valsartan: AT-1-Rezeptorblocker
    • Sacubitril: hemmt die Protease Neprilysin
      → Abbau von ANP, BNP (natriuretische Peptide) gehemmt
      → Natriurese, Vasodilatation, Sympatholyse
  • Indikation:
    • Gabe bei einer Herzinsuffizienz mit reduzierter LVEF (HFmrEF, HFrEF)
  • Nebenwirkungen:
    • Hyperkaliämie, Hypotonie, erhöhtes Risiko für Angioödem
  • Freissmuth et al.: Pharmakologie und Toxikologie. Springer 2012, ISBN: 978-3-642-12353-5.
  • Karow, Lang-Roth: Allgemeine und Spezielle Pharmakologie und Toxikologie 2012
  • Lüllmann et al.: Pharmakologie und Toxikologie. 15. Auflage Thieme 2002, ISBN: 3-133-68515-5
  • Wehling: Klinische Pharmakologie. 2. Auflage Thieme 2011, ISBN: 978-3-131-60282-4
Zuletzt aktualisiert am 17.12.2024
Sympathikus (Pharmakologie)
Diuretika
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