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Reanimation

14 Minuten Lesezeit

Unter dem Begriff Reanimation sind die Maßnahmen zusammengefasst, die bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand zur Wiederbelebung ergriffen werden.

Dabei lassen sich Basismaßnahmen (Basic Life Support – BLS) von erweiterten Maßnahmen (Advanced Life Support – ALS) unterscheiden.

  • Basic Life Support (= BLS): Erstmaßnahmen bei Auffinden einer bewusstlosen Person – direkter Beginn; Merkhilfe: „Prüfen – Rufen – Drücken“
  • Advanced Life Support (= ALS): Weiterführende Maßnahmen (Defibrillation, Medikamentengabe, Intubation) – durch Fachpersonal

Der Basic Life Support (BLS) ist eine grundlegende medizinische Technik zur Erhaltung der Vitalfunktionen in Notfallsituationen, bevor erweiterte medizinische Hilfe verfügbar ist.

Ziel ist es, durch sofortige Maßnahmen bei einem Kreislaufstillstand die Kreislaufzirkulation und Sauerstoffversorgung der Gewebe aufrechtzuerhalten und so die Überlebenschancen des/der Patient:in zu erhöhen. Dies erfolgt insbesondere durch eine schnellstmögliche Herzdruckmassage, ggf. eine Defibrillation und eine Beatmung.

Der Basic Life Support kann von medizinischem Fachpersonal, aber auch von Laien durchgeführt werden.

Basic Life Support (BLS)
 Achtung

Auch eine Schnappatmung wird als insuffiziente Atmung bewertet. Es sollte zügig mit der Reanimation begonnen werden!

 Tipp

Der zügige Beginn der Thoraxkompressionen ist entscheidend. Er sollte nicht verzögert werden (z.B. durch Suchen des Pulses).

 Tipp

Im Falle einer Reanimation sollten anwesende Personen direkt angesprochen und mit klaren Anweisungen aufgefordert werden, z.B. “Sie im grünen Hemd, holen Sie einen Defibrillator!”. Dies verhindert den "Bystander-Effekt", steigert die Handlungsbereitschaft und minimiert Verzögerungen. 

Der Advanced Life Support (ALS) erweitert die Grundlagen des Basic Life Supports (BLS) um fortgeschrittene Techniken und Interventionen zur Behandlung eines Herz-Kreislauf-Stillstands.

Ziel ist es, die Überlebenschance und das neurologische Outcome durch sofortige und spezialisierte Maßnahmen wie Defibrillation, Intubation und/oder Medikamentengabe zu maximieren. Auch beim ALS sollte so schnell wie möglich mit der Herzdruckmassage begonnen werden.

ALS wird in der Regel von medizinischem Fachpersonal durchgeführt, das in fortgeschrittenen Notfalltechniken geschult ist.

Algorithmus: Advanced Life Support (ALS) Erwachsene
 Merke

Der beste Atemweg ist derjenige, der schnell, sicher und ohne relevante Unterbrechung der Versorgung etabliert werden kann. Im präklinischen Setting erfüllen supraglottische Atemwege dieses Kriterium für den Rettungsdienst am zuverlässigsten.

Patient:innen, die bewusstlos sind, aber spontan atmen, sollten in die stabile Seitenlage gebracht werden. Durch das Überstrecken des Kopfes sollen die Atemwege offengehalten und eine Aspiration (z.B. durch Erbrochenes) vermieden werden.

  1. Bewusstlose:n Patient:in flach auf den Rücken legen
  2. Helfer:in kniet auf der linken Seite
  3. Linken Arm greifen und um 90° anwinkeln
  4. Rechte Hand auf der linken Schulter platzieren
  5. Rechtes Bein anstellen und als Hebel nutzen, um den/die Patient:in auf die linke Seite zu drehen
  6. Kopf vorsichtig überstrecken und mit rechter Hand des/der Patient:in fixieren
  7. Regelmäßige Kontrolle von Atmung und Kreislauf
Stabile Seitenlage

Die Herzdruckmassage stellt neben der Beatmung die wichtigste Maßnahme der Reanimation dar. Sie kann von Laien und medizinischem Fachpersonal durchgeführt werden und sollte möglichst zügig begonnen werden. Durch die äußere Druckeinwirkung auf den Brustkorb wird das Herz komprimiert und so die Blutzirkulation im Körper aufrechterhalten. Um einen ausreichend hohen Blutdruck aufzubauen, ist eine korrekte Durchführung der Herzdruckmassage entscheidend. Dabei spielen insbesondere die Kompressionstiefe und die Frequenz eine wichtige Rolle.

  • Festen Untergrund schaffen (sollte Beginn nicht verzögern)
  • Seitlich des/der Patient:in knien
  • Eigene Hände übereinanderlegen, Finger verschränken und Handballen mittig auf dem Brustkorb des/der Patient:in platzieren
  • Arme strecken und senkrecht über den Brustkorb des/der Patient:in beugen
  • Thoraxkompressionen durchführen
    • Tiefe: 5-6 cm.
    • Auf vollständige Entlastung des Brustkorbes achten
    • Frequenz: 100-120 Kompressionen pro Minute (Merkhilfe: Lied „Staying Alive“)
    • Alle 2 Minuten Wechsel mit anderen Helfenden, um Erschöpfung zu reduzieren
Herzdruckmassage

Neben der Blutzirkulation ist eine ausreichende Oxygenierung wichtig. Hierzu können medizinische Laien eine Mund-zu-Mund-Beatmung anwenden. Ist eine Beatmung nicht möglich, sollte nur eine Herzdruckmassage durchgeführt werden.

  • Kopf überstrecken und Kinn anheben, um Atemwege zu öffnen
  • Nase des/der Patient:in zudrücken und verschließen
  • Mund des/der Patient:in mit den eigenen Lippen umschließen und zweimal für 1 Sekunde Luft in den/die Patient:in ausatmen (Brustkorb des/der Patient:in sollte sich leicht anheben)
Kopf überstrecken
 Merke

Die Herzdruckmassage sollte möglichst zügig begonnen und durch die Beatmung maximal 5 Sekunden unterbrochen werden.

Durch die Defibrillation können bestimmte Herzrhythmusstörungen beendet werden. Man unterscheidet defibrillierbare (Kammerflimmern, pulslose ventrikuläre Tachykardie) und nicht-defibrillierbare Rhythmen (pulslose elektrische Aktivität, Asystolie).

  1. Herzdruckmassage
  2. Während der Herzdruckmassage Klebeelektroden anbringen
    1. Anterior & lateral oder anterior & posterior
    2. 8 cm Abstand zu implantiertem Schrittmacher
  3. Während der Herzdruckmassage Defibrillator aufladen
    1. Energiemenge:
      1. Standard-Biphasisch: mindestens 150 Joule beim ersten Schock
      2. Gepulst-Biphasisch: 120–150 Joule beim ersten Schock
      3. Bei allen weiteren Schockabgaben 150–360 Joule
  4. Rhythmusanalyse (Patient:in nicht berühren)
  5. Patient:in nicht berühren & Schock abgeben
  6. Herzdruckmassage fortsetzen
  7. Alle 2 Minuten erneute Rhythmusanalyse
 Achtung

Damit die Helfenden nicht geschockt werden, darf niemand den/die Patient:in oder elektrisch leitfähige Teile berühren.

 Achtung

Um die Brandgefahr zu reduzieren, sollte, falls vorhanden, die Sauerstoffbrille oder Sauerstoffmaske des/der Patient:in abgesetzt und mindestens 1 Meter entfernt abgelegt werden.

Defibrillation

In Notfallsituationen ist es entscheidend, die Art des Herzrhythmus schnell zu identifizieren, um die richtige Behandlung einzuleiten.

Defibrillierbare Rhythmen wie Kammerflimmern und pulslose ventrikuläre Tachykardie erfordern eine sofortige Defibrillation. Bei einem nicht erfolgten ROSC (Return of spontaneous circulation) sollte eine kardiopulmonale Reanimation erfolgen. Es sollte weiterhin die Behandlung der zugrunde liegenden Ursache(n) angestrebt werden.

Nicht-defibrillierbare Rhythmen wie pulslose elektrische Aktivität und Asystolie erfordern hingegen eine sofortige kardiopulmonale Reanimation und die Behandlung der zugrunde liegenden Ursache(n).

Defibrillierbare Rhythmen

Defibrillierbare Rhythmen

  1. Kammerflimmern (VF - Ventricular Fibrillation):
    • Unregelmäßige und unkoordinierte elektrische Aktivität der Ventrikel, die zu einem völligen Verlust der effektiven Herzkontraktion führt
    • Im EKG zeigt sich dies als unregelmäßiges, wellenförmiges Muster ohne erkennbare QRS-Komplexe
    • Sofortige Defibrillation erforderlich, um das Herz in einen normalen Rhythmus zu bringen
  2. Pulslose ventrikuläre Tachykardie (pVT - Pulseless Ventricular Tachycardia):
    • Schnelle, regelmäßige elektrische Aktivität der Ventrikel ohne effektive Pulswelle
    • Das EKG zeigt regelmäßige, breite QRS-Komplexe
    • Auch hier ist eine sofortige Defibrillation notwendig

Nicht-defibrillierbare Rhythmen

  1. Pulslose elektrische Aktivität (PEA - Pulseless Electrical Activity):
    • Vorhandene elektrische Aktivität im EKG, aber ohne mechanische Herzkontraktion und somit ohne tastbaren Puls
    • Das EKG kann verschiedene Muster zeigen, von normalen Befunden bis hin zu abnormalen Wellenformen
    • Die Behandlung besteht in der kardiopulmonalen Reanimation und der Therapie zugrunde liegender Ursache(n)
  2. Asystolie:
    • Vollständiger Herzstillstand ohne elektrische Aktivität
    • Im EKG erscheint dies als eine flache Linie ohne P-Wellen, QRS-Komplexe oder T-Wellen
    • Die Behandlung besteht in der kardiopulmonalen Reanimation und der Therapie zugrunde liegender Ursache(n)

Die Rückkehr des spontanen Kreislaufs (ROSC) (Return of spontaneous circulation) bezeichnet den Moment, in dem nach einer Reanimation die eigenständige Herzaktivität und damit der Blutkreislauf des/der Patient:in wiederhergestellt wird.

Dies markiert den Übergang zur Postreanimationsphase. Nach dem ROSC liegt der Fokus auf der Optimierung von Oxygenierung und Ventilation, Stabilisierung des Blutdrucks, kontinuierlichen Überwachung sowie Identifikation und Therapie der zugrunde liegenden Ursache des Herzstillstands (z.B. Behandlung von Elektrolytstörungen, Koronarangiographie bei V.a. Herzinfarkt etc.). Eine gezielte Versorgung nach einer Reanimation ist wichtig, um das neurologische Outcome zu verbessern und das Langzeitüberleben zu fördern.

Kriterien für das Vorliegen eines ROSC:

  • Messbarer arterieller Blutdruck
  • Palpabler Puls (z. B. A. carotis oder A. femoralis)
  • Anhaltender Anstieg des endexspiratorischen CO₂-Partialdrucks (etCO₂)
  • Zusätzliche Hinweise:
    • Einsetzende Eigenatmung
    • Spontanes Husten
    • Spontane motorische Reaktionen oder Bewegungen
Rückkehr des spontanen Kreislaufs (ROSC) Erwachsene

Der Advanced Life Support bei Kindern (ALS) unterscheidet sich in einigen wesentlichen Punkten von der erweiterten Reanimation bei Erwachsenen. Abgesehen von den anatomischen Unterschieden liegt bei Kindern häufig auch eine andere Ursache für den Herzstillstand vor. 

Die Unterschiede bezüglich des Ablaufs betreffen vor allem: 

  • Dosierung der Medikamente
  • Auswahl der Defibrillationspads und Energiedosis bei der Defibrillation 
  • Auswahl der Instrumente und ggf. Masken zur Atemwegssicherung 
  • Spezifische Reanimationsalgorithmen

Während ein Herzstillstand bei Erwachsenen häufig durch kardiovaskuläre Ereignisse ausgelöst wird, stehen bei Kindern vor allem respiratorische Ursachen im Vordergrund (z.B. Fremdkörperaspiration oder Asthma bronchiale). Aufgrund der häufig respiratorischen Genese kommt der Beatmung bei Kindern eine größere Bedeutung zu.

Algorithmus: ALS Reanimation Kinder

Der Advanced Life Support bei Neugeborenen (ALS) unterscheidet sich signifikant von dem ALS bei Erwachsenen und älteren Kindern. Diese Unterschiede umfassen spezielle Reanimationsprotokolle, Techniken und Dosierungen, die den Eigenschaften von Neugeborenen gerecht werden.

Eine Hypoxie und Asphyxie sind die häufigsten Ursachen für einen Herzstillstand, oft im Zusammenhang mit Geburtstrauma oder Atemproblemen unmittelbar nach der Geburt.

Neugeborene verlieren schneller Wärme. Daher ist es wichtig eine angemessene Körpertemperatur aufrechtzuerhalten.

Bei Neugeborenen sollte die Brustkompression mit zwei Daumen, oder mit zwei Fingern durchgeführt werden.

Bei Neugeborenen wird zuerst beatmet. Erst im weiteren Verlauf erfolgt die Herzdruckmassage im Rhythmus von 3 Kompressionen zu einer Beatmung.

Algorithmus: ALS Neugeborene/Newborn Life Support
Zuletzt aktualisiert am 26.07.2026
Code Uro - Erkrankungen jenseits der Notfallroutine
Reanimation im Kindesalter
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