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Reanimation im Kindesalter

SK
11 Minuten Lesezeit

Die pädiatrische Reanimation unterscheidet sich wesentlich von der Reanimation Erwachsener – sowohl hinsichtlich der Ursachen des Kreislaufstillstands als auch der durchzuführenden Maßnahmen. Während bei Erwachsenen meist primär kardiale Ereignisse wie ein plötzlicher Herztod im Vordergrund stehen, sind bei Neugeborenen und Kindern vor allem respiratorische Ursachen wie eine Hypoxie verantwortlich, für eine Bradykardie oder einen Kreislaufstillstand.

Die schnelle Atemwegssicherung und effektive Beatmung haben deshalb höchste Priorität. Hinzu kommen anatomische Besonderheiten – etwa ein relativ großer Hinterkopf, ein hoher Kehlkopf, eine weiche Thoraxwand und ein enges Atemwegslumen –, die die Durchführung lebensrettender Maßnahmen zusätzlich erschweren. Für eine erfolgreiche Reanimation sind daher altersabhängige Algorithmen, korrekte Medikamentendosierungen sowie spezifische Beatmungs- und Kompressionstechniken entscheidend.

Wichtige Praxistipps zu Beginn

  • Beurteilung vor Maßnahme: Atmung und Herzfrequenz sind bei Kindern die wichtigsten Leitsymptome – nicht Puls oder Hautfarbe
  • Frühzeitig beatmen: Atemwegssicherung und effektive Beatmung haben oberste Priorität, insbesondere bei Hypoxie
  • Hilfsmittel griffbereit halten: Reanimationskarten, Broselow-Tape oder entsprechende Apps sollten v. a. in seltenen Situationen jederzeit verfügbar sein
  • Teamstruktur festlegen: Klare Rollenverteilung (z. B. Atemweg, Kompression, Zugang, Medikation, Dokumentation) ist entscheidend für die Effektivität
GewichtAlterTubus-ID (mm)Tubus-Tiefe (oral)Adrenalin (0,01 mg/kgKG)NaCl 0,9 %(10 ml/kgKG)Glukose 10 % (2–3 ml/kgKG)
3 kgNeugeborenes3,09 cm0,3 ml30 ml6–9 ml
5 kgca. 3 Monate3,510 cm0,5 ml50 ml10–15 ml
7 kgca. 6 Monate3,5–4,010,5 cm0,7 ml70 ml14–21 ml
10 kgca. 1 Jahr4,0–4,511–12 cm1,0 ml100 ml20–30 ml
15 kgca. 2–3 Jahre4,5–5,013 cm1,5 ml150 ml30–45 ml
20 kgca. 4–5 Jahre5,0–5,514 cm2,0 ml200 ml40–60 ml
25 kgca. 6–7 Jahre5,5–6,015 cm2,5 ml250 ml50–75 ml
30 kgca. 8–10 Jahre6,016 cm3,0 ml300 ml60–90 ml
40 kgca. 11–12 Jahre6,5–7,017 cm4,0 ml400 ml80–120 ml
50 kgca. ≥13 Jahre7,0–7,518–20 cm5,0 ml500 ml100–150 ml
  • Adrenalin immer verdünnt in 1:10.000 bereitstellen
  • Tubusgröße und Beatmungsdruck stets altersgerecht wählen – Nachschlagen statt Schätzen
  • Bei Säuglingen und Kleinkindern früh an eine Hypoglykämie denken – Glukosegabe prüfen
  • Teamrollen frühzeitig festlegen: Atemweg, Kompression, i.v./i.o.-Zugang, Medikation, Dokumentation
  • Nach der Reanimation immer Wärmeerhalt, Monitoring und Glukosekontrolle beachten

 Zentrale Merksätze für alle Altersgruppen

 Merke

„Hypoxie ist die häufigste Ursache für kindliche Reanimationen
→ Beatmung ist in der Regel effektiver als eine vorschnelle Herzdruckmassage. Oxygenierung hat höchste Priorität

„3:1 nur bei Neugeborenen“
→ Nur bei Neugeborenen gilt ein Reanimationsverhältnis von 3:1. Bei allen Säuglingen und Kindern lautet das Verhältnis 15:2

„Frühgeborene sind empfindlich gegenüber Sauerstoff
→ Die Sauerstoffgabe muss sorgfältig titriert werden. Ziel-SpO₂ liegt bei 90–94 %, um Hyperoxygenierung und damit verbundene Komplikationen wie die Retinopathia praematurorum zu vermeiden

„Kinder sind keine kleinen Erwachsenen“
→ Anatomie, Kreislaufregulation und typische Ursachen für einen Kreislaufstillstand unterscheiden sich deutlich. Daher sind altersspezifische Maßnahmen essenziell

„Hypotonie ist ein Spätzeichen“
→ Kinder kompensieren Volumenmangel lange durch Tachykardie und periphere Vasokonstriktion. Ein Blutdruckabfall zeigt bereits eine bedrohliche Dekompensation an und erfordert sofortiges Handeln

Häufigkeit & Ursachen:

Direkt nach der Geburt benötigen die meisten Neugeborenen keine Unterstützung. Dennoch ist es wichtig, typische Verläufe und Notfälle zu kennen. Hypoxie ist die häufigste Ursache für kardiale Probleme bei Neugeborenen.

  • 90 % benötigen keine Intervention
  • 9 % benötigen eine Atemhilfe
  • 1 % eine komplette Reanimation

Vorbereitung:

Vor jeder Entbindung mit Reanimationsrisiko sollte ein vollständiges Setup bereitstehen. 

  • Wärmeerhalt: Wärmelampe, warme Tücher, ggf. Wärmematte
  • Raumtemperatur: ≥ 23–25 °C
  • Equipment:
    • Absaugung (8–10 Ch)
    • Beatmungsbeutel mit PEEP
    • Intubationsset
    • i.v.- oder i.o.-Zugang
    • Medikamente: Adrenalin, Volumen, Glukose

Maßnahmen

1. Basismaßnahmen nach der Geburt:

  • Wärmeerhalt, Lagerung, Abtrocknung
  • Taktile Stimulation (Rücken, Fußsohlen)
  • Absaugen nur bei sichtbarer Obstruktion (zuerst Mund, dann Nase)
 Merke

Ziel: Innerhalb von 60 Sekunden nach der Geburt muss entweder eine spontane Atmung einsetzen oder – falls nicht – eine effektive Maskenbeatmung begonnen worden sein ("goldene Minute")

2. Maßnahmen bei Apnoe oder insuffizienter Atmung:

Je nach Reifegrad unterscheiden sich die Strategien bei Apnoe oder unzureichender Atmung. Frühgeborene profitieren von CPAP, Reifgeborene von initialer Maskenbeatmung – jedoch nicht in jedem Fall.

  • Reifgeborene: Initialbeatmung mit Raumluft (21 %), ggf. Maskenbeatmung → bei Wirkungslosigkeit: Intubation
  • Frühgeborene: CPAP mit max. 30 % O₂, bei Versagen: Intubation
 Achtung
Keine Maskenbeatmung bei bestimmten Risikokonstellationen:
  • Mekoniumaspiration: Bei Mekonium im Fruchtwasser kann die Maskenbeatmung das zähe Sekret tiefer in die Lunge drücken → Risiko für schweres Atemnotsyndrom. Bevorzugt wird eine endotracheale Intubation mit Absaugung
  • Zwerchfellhernie: Abdominelle Organe im Thoraxraum führen zu Lungeneinengung. Maskenbeatmung bläht den Magen auf → zusätzlicher Druck auf die Lunge. Daher: Intubation und Entlastung über Magensonde
  • Schwere Asphyxie: Bei intrauteriner Asphyxie ist schnelle, effektive Oxygenierung entscheidend. Maskenbeatmung oft ineffektiv → direkte Intubation zur kontrollierten Beatmung erforderlich

Eine Maskenbeatmung sollte bei Neugeborenen immer dann eingeleitet werden, wenn trotz adäquater Wärmeerhaltungsmaßnahmen und Stimulation keine oder eine insuffiziente Spontanatmung vorliegt – idealerweise innerhalb der ersten 60 Lebenssekunden, um eine Hypoxie zu verhindern.

3. Maßnahmen bei Herzfrequenz < 100/min:

Die Herzfrequenz ist ein zentraler Richtwert. Je nach Wert entscheidet sich, ob Beatmung fortgesetzt wird oder mit der Herzdruckmassage begonnen werden muss.

  • 60–100/min → Beatmung fortsetzen
  • < 60/min trotz Beatmung → Herzdruckmassage (HDM) und Adrenalin beginnen

4. Herzdruckmassage (HDM)

Bei anhaltender Bradykardie < 60/min trotz effektiver Beatmung ist die Herzdruckmassage essenziell:

  • Technik: Daumentechnik, Hände umfassen den Thorax
  • Kompressionstiefe: 1/3 Thoraxdurchmesser
  • Frequenz: 120 Zyklen/min (90 Kompressionen + 30 Beatmungen)
  • Verhältnis: 3:1 (nur bei Neugeborenen!)
Herzdruckmassage bei einem Neugeborenen
Herzdruckmassage bei einem Neugeborenen
Algorithmus: ALS Neugeborene/Newborn Life Support

Medikamente

Die Medikamentendosierung erfolgt strikt gewichtsabhängig. Bei erschwerter oder verzögerter venöser Punktion sollte frühzeitig die intraossäre Applikation in Erwägung gezogen werden, um Zeitverlust in der Reanimationssituation zu vermeiden.

SubstanzDosisApplikationIndikation
Adrenalin 0,1 mg/ml

0,01–0,03 mg/kgKG

50-100 μg/kgKG

i.v., i.o., Nabelvene

endotracheal

Standard bei Reanimation
NaCl 0,9 %10-20 ml/kgKG i.v./i.o.Bei Hypovolämie
NaHCO₃1–2 mmol/kgKG (2-4 ml/kgKG 4,2%-Lösung)langsam i.v.Nur bei protrahierter Reanimation mit Azidose
Glukose 10 %2,5 ml/kgKGi.v.Bei Hypoglykämie

Tubusgrößen und Volumina

Die Tubusgröße und Medikamentendosierung müssen dem Gewicht bzw. der Gestationswoche angepasst werden. Diese Tabelle dient der schnellen Orientierung.

Gewicht/SSWTubus-IDEinführtiefe (oral)Adrenalin (ml)NaCl-Bolus (ml)Glukose 10 % (ml/h)
2 kg / 34. SSW2,57 cm0,2–0,6206
3 kg / 37. SSW3,09 cm0,3–0,9309
4 kg / 40. SSW3,510 cm0,4–1,24012

Pathophysiologie

Im Kindesalter ist ein Kreislaufstillstand fast immer sekundär respiratorisch bedingt. Die häufigsten Auslöser sind Hypoxie und Hyperkapnie, nicht primäre kardiale Ursachen wie beim Erwachsenen.

Frühzeitige Oxygenierung durch effektive Beatmung ist daher essenziell, um eine Hypoxie-bedingte Dekompensation zu verhindern und die Prognose zu verbessern.

Paediatric Basic Life Support (PBLS)

PBLS umfasst die grundlegenden Wiederbelebungsmaßnahmen bei Kindern – vor Eintreffen eines professionellen Teams. Der Fokus liegt auf Atemwegssicherung, Beatmung und altersadaptierter Herzdruckmassage.

  • Ablauf bei Einzelhelfer:in:
    1. Bewusstsein prüfen
    2. Atmung prüfen (max. 10 Sek.)
    3. Keine Atmung → 5 initiale Beatmungen
    4. Keine Lebenszeichen → HDM starten
    5. Nach 1 Minute → Notruf absetzen (mit Lautsprecher)

Paediatric Advanced Life Support (PALS)

PALS baut auf den PBLS-Schritten auf und ergänzt diese um:

  • Sauerstoffgabe (ggf. Intubation)
  • Venen- oder intraossären Zugang
  • Medikamente
  • Defibrillation (bei Bedarf)

Herzdruckmassage (altersabhängig):

Die Herzdruckmassage muss altersgerecht angepasst werden – sowohl in Technik als auch im Verhältnis von Kompression zu Beatmung. Bei zwei Helfenden wird ein günstigeres Verhältnis verwendet, um die Oxygenierung zu verbessern.

AlterTechnikFrequenzVerhältnis (Einzelhelfer:in)Verhältnis (2 Helfer:innen)
Neugeborene2 Daumen oder 2 Finger120/min3:13:1
Säuglinge2 Finger / 2 Daumen100–120/min30:215:2
Kinder (bis Pubertät)1–2 Hände100–120/min30:215:2
Jugendliche (ca. ≥12 Jahre / >50 kg)1–2 Hände100–120/min30:230:2

Beatmung:

Die Beatmungsfrequenz sollte dem Alter entsprechend angepasst werden. Besonders bei Säuglingen ist eine höhere Frequenz nötig. Der Beatmungsdruck sollte gering gehalten werden, um Barotraumata zu vermeiden.

AlterBeatmungsfrequenz
Säuglinge25/min
1–8 Jahre20/min
8–12 Jahre15/min
Jugendliche10–12/min

Sauerstoffgabe bei pädiatrischer Reanimation:

  • Ziel-SpO₂: 94–98 %
    • < 94 %: Zeichen für Hypoxie
    • > 98 %: Risiko für oxidativen Stress (v. a. bei Neugeborenen/Frühgeborenen)
  • FiO₂: Initial 100 %, dann titriert reduzieren
    • Nach Etablierung der Spontanatmung oder suffiziente Beatmung an SpO₂-Wert anpassen
 Achtung

„Viel hilft nicht viel“ – besonders Früh- und Neugeborene sind empfindlich gegenüber Sauerstoffüberschuss (Risiko für Komplikationen wie Retinopathia praematurorum)!

Tubusgrößen

Auch die Tubusgröße richtet sich nach dem Alter oder dem Gewicht. Für Kinder über zwei Jahren kann die Formel (Alter in Jahren/4) + 4 verwendet werden.

AlterTubus-ID (mm)
< 1500 g2,5
1500–3000 g3,0
Reifgeborene3,5
6–12 Monate4,0
1–2 Jahre4,0–4,5
≥ 2 Jahre(Alter in Jahren/4) + 4

Medikamente (PALS)

In der erweiterten Reanimation ist der Einsatz von Medikamenten unumgänglich. Die Dosis wird strikt nach Körpergewicht berechnet – idealerweise mithilfe von Rea-Karten oder dem Broselow-Tape.

SubstanzDosisApplikationHinweis
Adrenalin (0,1 mg/ml)0,01 mg/kgKGi.v., i.o.Standard bei Reanimation
Amiodaron5 mg/kgKGi.v.
  1. Dosis: 5 mg/kgKG (max.300 mg)
  2. Dosis: 5 mg/kgKG (max. 150 mg) nach dem 5. Schock
Lidocain1 mg/kgKGi.v.Alternative zu Amiodaron
Glukose 10 %2–4 ml/kgKGi.v./i.o.Bei Hypoglykämie
NaCl 0,9 %10–20 ml/kgKGi.v./i.o.Bei Hypovolämie
 Tipp

Medikamente frühzeitig vorbereiten oder Dosierungstabellen griffbereit haben.

Algorithmus: ALS Reanimation Kinder

Pathophysiologie

Jugendliche mit einem Körpergewicht ≥ 50 kg werden in Notfallsituationen größtenteils nach dem Erwachsenenalgorithmus behandelt. Die physiologischen Unterschiede zum Kind nehmen mit zunehmendem Alter ab – insbesondere im Hinblick auf Kreislaufregulation, Atemmechanik und Pharmakokinetik.

Trotzdem bleibt die häufigste Ursache eines Kreislaufstillstands auch bei Jugendlichen eine sekundäre Hypoxie – z. B. bei Trauma, Ertrinken oder Intoxikation.

Besonderheiten

Trotz des jugendlichen Alters sollte die Dosierung von Medikamenten und die Wahl der Ausrüstung (z. B. Tubusgröße, Defibrillation) nicht ausschließlich nach dem Alter, sondern nach Körpergewicht und -größe erfolgen. Das Broselow-Tape oder andere kindgerechte Reanimationshilfen sind hier weiterhin hilfreich. Die Beurteilung des physiologischen Entwicklungsstandes ist essenziell – besonders bei Jugendlichen mit chronischen Erkrankungen, Adipositas oder verzögerter Pubertätsentwicklung.

 Merke
  • Reanimationskarten mit Fixdosierungen erleichtern das Arbeiten im Team – besonders bei Übergang zwischen Kinder- und Erwachsenenalgorithmus
  • Bei Unsicherheit: Medikamente lieber nach kg/KG berechnen als zu hoch dosieren
  • Erwachsenenelektroden für Defibrillation können meist ab dem Grundschulalter verwendet werden
  • Kapnographische Intubationskontrolle konsequent durchführen
  • Auch bei Jugendlichen: Beatmung hat Priorität, da Hypoxie häufig ursächlich ist

Reanimationsschema für Jugendliche

Ab einem Gewicht von ca. 50 kg (meist ab 12–14 Jahren) kann das Vorgehen analog zur Erwachsenenreanimation erfolgen. Entscheidend ist eine strukturierte Durchführung der Basismaßnahmen, ergänzt durch gezielte medikamentöse und apparative Unterstützung.

Herzdruckmassage (HDM)

Die Herzdruckmassage bildet die Grundlage der kardiopulmonalen Reanimation und muss mit ausreichender Tiefe, Frequenz und vollständiger Entlastung zwischen den Kompressionen durchgeführt werden.

Herzdruckmassage bei einem Erwachsenen
  • Frequenz: 100–120 Kompressionen pro Minute
  • Tiefe: 5–6 cm oder etwa 1/3 des anteroposterioren Thoraxdurchmessers
  • Thorax vollständig entlasten nach jeder Kompression
  • Kompressionspunkt: untere Hälfte des Sternums
  • Verhältnis HDM zu Beatmung:
    • Einzelhelfer: 30:2 (Standard bei alleiniger Reanimation)
    • Zwei Helfer:innen: 30:2 (wie bei Erwachsenen), alternativ 15:2, wenn beide mit dem pädiatrischen Algorithmus vertraut sind (z. B. in der Pädiatrie oder Anästhesie)
 Tipp

In der Praxis ist das Verhältnis 30:2 etabliert und einfacher umzusetzen – insbesondere bei gemischten Rettungsteams.

Defibrillation

Bei defibrillierbaren Rhythmen wie Kammerflimmern oder pulsloser ventrikulärer Tachykardie ist die elektrische Therapie essenziell. Das Energieniveau orientiert sich am Körpergewicht:

  • Initiale Energie:4 J/kgKG
    (Beispiel: 40 kg → 160 J)
  • Folgeschocks: bis 200 J biphasisch, abhängig vom verwendeten Defibrillator und klinischer Situation
  • Elektrodenwahl:
    • Ab ca. 8 Jahren oder 25–30 kg können Erwachsenenelektroden verwendet werden
    • Die Positionierung erfolgt wie beim Erwachsenen: eine Elektrode unterhalb des rechten Schlüsselbeins, die andere links lateral unterhalb der Achsel
Defibrillator mit Monitor
Defibrillator mit Monitor
 Tipp

Bei unsicherer Gewichtseinschätzung lieber die kindgerechte Dosierung berechnen, statt zu hoch zu defibrillieren.

Beatmung und Atemwegssicherung

Die Atemwegssicherung und Oxygenierung haben – insbesondere bei hypoxischer Genese – oberste Priorität. Die Beatmung sollte kontrolliert, suffizient und unter Monitoring erfolgen.

  • Beatmungsfrequenz:10–12 Atemzüge pro Minute
    • Etwa ein Atemhub alle 5–6 Sekunden
  • Initiale Sauerstoffgabe (FiO₂):100 %
    • Danach titrieren nach SpO₂, Ziel: 94–98 %
  • Intubation:
    • Tubusgröße (ID): 6,0–7,5 mm, abhängig von Körpergröße und Statur
    • Fixierung und Lagekontrolle sorgfältig durchführen
  • Lagekontrolle des Tubus:
    • Kapnographisch mittels EtCO₂-Nachweis
    • Alternativ durch Auskultation, Thoraxhebung, Nebelbildung in der Tubusleitung
 Tipp

Intubation nur durch geübtes Personal. Falls keine Sicherheit: Beutel-Masken-Beatmung ist eine effektive Alternative.

Medikamentöse Therapie bei Jugendlichen

Ab ca. 50 kg Körpergewicht kann – analog zur Erwachsenenreanimation – mit fixen Standarddosen gearbeitet werden. Bei Unsicherheit: individuelle Dosierung anhand von Körpergewicht bevorzugen.

Übersicht: Medikamentendosierung bei Jugendlichen

AlterGewicht (ca.)Adrenalin (0,1 mg/ml)Amiodaron (50 mg/ml)NaCl 0,9 % (Bolus)Glukose 10 %Tubus-ID
10 Jahre30 kg3,0 ml3  ml300–600 ml60–120 ml6,0
12 Jahre40 kg4,0  ml4 ml400–800 ml80–160 ml6,5–7,0
14 Jahre50 kg5,0  ml5 ml500–1000 ml100–200 ml7,0–7,5
Ab etwa 50 kg kann – analog zur Erwachsenenreanimation – mit festen Standarddosen gearbeitet werden
> 14 Jahre> 50 kg10 ml6 ml500–1000 ml100–200 ml7,0–8,0

Algorithmus: Advanced Life Support (ALS) Erwachsene

Zuletzt aktualisiert am 19.03.2026
Reanimation
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