Zusammenfassung

Rocuronium ist ein nicht-depolarisierendes Muskelrelaxans
Pharmakologisch wirkt es als kompetitiver Antagonist
Der Wirkungseintritt erfolgt rasch innerhalb von etwa 60 Sekunden, die Wirkdauer beträgt etwa 30–50 Minuten. Rocuronium eignet sich daher als Alternative zu depolarisierenden Relaxanzien für die RSI
Die Wirkung kann spezifisch durch Sugammadex aufgehoben werden, das Rocuronium im Plasma enkapsuliert und inaktiviert.
Lernkarte

Wirkstoffklasse und Etikett
- Wirkstoffklasse: Nicht-depolarisierende Muskelrelaxantien
- Handelsnamen: z.B. Esmeron®, Rocuronium Fresenius®, Rocuronium-hameln®, Rocuronium B. Braun®
Indikationen
- Muskelrelaxans
zur Einleitung einer Allgemeinanästhesie - Rapid-Sequence-Induction
(RSI )
Kontraindikationen
- Fehlende Möglichkeit zur Beatmung
- Überempfindlichkeit
Dosierung
- Erwachsene:
- Einleitung: Einleitung: 0,6–1,0 mg/kgKG i.v.
- Bei RSI
: 1,0–1,2 mg/kgKG i.v.
- Kinder:
- 0,6 mg/kgKG i.v.
Besonderheiten
- Geeignet für Rapid-Sequence-Induction
(RSI ) durch schnellen Wirkungseintritt - Aufhebung der Muskelrelaxation mit Sugammadex (Enkapsulierung
) - Ausscheidung überwiegend hepatisch → Wirkverlängerung bei Leberinsuffizienz
- Bei neuromuskulären Vorerkrankungen kann es zu einer verlängerten Wirkdauer kommen
Wirkeintritt/-dauer
- Wirkeintritt: 60 sek
- Wirkdauer: ca. 30–50 min
- Metabolisierung: nur geringe hepatische Metabolisierung, der größte Teil des Wirkstoffs bleibt unverändert
- Ausscheidung: überwiegend hepatobiliär über die Galle
Wirkung
- Rocuronium ist ein nicht-depolarisierendes Muskelrelaxans
, das selektiv an die nikotinergen Acetylcholinrezeptoren der motorischen Endplatte bindet und diese blockiert (kompetitiver Antagonismus am nACh-Rezeptor) - Durch diese kompetitive Hemmung der Rezeptoren wird die Aktivierung der Muskelkontraktion durch Acetylcholin verhindert („Nicht-Depolarisationsblock
“)
Wechselwirkungen
- Wirkung verstärkt bei gleichzeitiger Gabe von (synergistische Effekte):
- Inhalationsanästhetika
(z. B. Sevofluran , Isofluran ) → Verstärkte neuromuskuläre Blockade - Magnesiumsalze (z. B. Magnesiumsulfat
) → Verstärkte neuromuskuläre Blockade
- Inhalationsanästhetika
- Wirkung abgeschwächt bei gleichzeitiger Gabe von:
- Acetylcholinesterase-Hemmern (z. B. Neostigmin) → Aufhebung bzw. Abschwächung der neuromuskulären Blockade
Nebenwirkungen
- Allergische Reaktionen
- Reizung der Injektionsstelle
- Hypotonie
- Tachykardie
Lagerung
Lagerung im Kühlschrank: 2–8°C
- Nach Entnahme: Haltbarkeit von Rocuronium abhängig von Herstellerangaben 3–6 Monate (z.B. im Ampullarium) → Keine erneute Kühlung
- Lichtschutz: Ampullen vor Licht schützen, im Umkarton aufbewahren
Weiterführende Artikel
Narkose im Rettungsdienst Muskelrelaxantien
Quellen
- B. Braun Melsungen AG: Fachinformation Rocuroniumbromid B. Braun 10 mg/ml Injektionslösung, Stand: März 2024
- Aktories K, Förstermann U, Hofmann FB, Flockerzi V (Hrsg.): Allgemeine und spezielle Pharmakologie und Toxikologie. Urban & Fischer Verlag/Elsevier GmbH, 13. Auflage, 2022. ISBN: 978-3-437-42622-3
- Wanka V, Weiß S: Medikamente im Rettungsdienst. Georg Thieme Verlag, 2. Auflage, 2019. ISBN: 978-3-13-242824-9
