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Röntgen-Thorax-Befundung

Röntgen-Thorax-Interpretation
6 Minuten Lesezeit

In der Radiologie ist ein systematisches Vorgehen und regelmäßige Übung entscheidend. Die Reihenfolge, in der Röntgenbilder beurteilt werden, kann individuell unterschiedlich sein, sollte aber von den Befunder:innen konsequent beibehalten werden, um die Vollständigkeit der Untersuchung zu gewährleisten. Es wird empfohlen, zunächst die Aufnahmequalität und das Vorhandensein von Fremdmaterial zu prüfen. Obwohl letzteres auch am Ende der Untersuchung erfolgen könnte, vereinfacht es üblicherweise den Befundungsprozess, wenn es zu Beginn durchgeführt wird.

Anschließend sollte das Röntgenbild detailliert betrachtet werden. Eine gängige Methode ist es, mit der Beurteilung „von innen nach außen“ zu beginnen und die linke mit der rechten Seite des Bildes zu vergleichen. Bei Unsicherheiten ist es hilfreich, die zweite Ebene (Seitaufnahme) zu betrachten, die bei stehenden Aufnahmen vorhanden ist, um beispielsweise zu klären, ob sich Fremdmaterial auf der Körperoberfläche oder im Körperinneren befindet.

Falls vorhanden, sollten Vorbefunde zum Vergleich herangezogen werden. Dabei kann es sich um eine frühere Röntgen-Thorax-Aufnahmen oder computertomographische Übersichtsaufnahmen handeln.

  1. Patient:innendaten, Aufnahmequalität und Methodik
    1. Patient:innendaten überprüfen
    2. Qualitätskriterien (Strahlengang, Inklusion, Rotation, Inspiration, Belichtung)
    3. Methodik (z.B. Röntgen-Thorax in 2 Ebenen, stehend)
  2. Voraufnahme
    1. Sind Voraufnahmen vorhanden?
  3. Fremdmaterial
    1. Was? Wo? Materialbruch? Dislokation?
  4. „Von innen nach außen“
    1. Bei der strukturierten Beurteilung kann beispielsweise folgendermaßen vorgegangen werden: 
    2. Herz: Herzgröße, Herzform 
    3. Hili: Stauungszeichen, Verlauf der Gefäße
    4. Mediastinum: Lage, Abgrenzbarkeit und Breite des Mediastinums, Lymphadenopathie
    5. Lungen (am einfachsten im Seitenvergleich): Ventilation, Verschattungen/Aufhellungen, Verlauf von Trachea und Bronchien
    6. Pleura: Pneumothorax, Pleuraerguss
    7. Zwerchfell: Zwerchfellhöhe
    8. Angrenzendes Abdomen: freie Luft im Oberbauch, Magenblase, Auffälligkeiten Kolonrahmen
    9. Weichteilmantel und Skelett: Mammaschatten, Mamillenschatten, Asymmetrien, subkutane Luft, Frakturzeichen, Knochendichte

Beispielhafte Pathologien:

  • Herz: Kardiomegalie
  • Hili: Stauung
  • Mediastinum: Lymphadenopathie. Aortenaneurysma
  • Lunge: Infiltrat, Herdbefund, Lungenstruktur 
  • Pleura: Pneumothorax, Pleuraerguss
  • Zwerchfell: Zwerchfellhochstand
  • Abdomen: Freie Luft im Abdomen, Koprostase, Meteorismus
  • Weichteilmantel und Skelett: Fraktur, Tumor, Osteopathie, Emphysem

Methodik:

 Röntgen-Thorax in 2 Ebenen, stehend

Befund:

Es liegt keine Voraufnahme zum Vergleich vor

  • Herz und Mediastinum mittelständig, nicht verbreitert, zentrale Hilusstrukturen frei einsehbar, keine akuten Stauungszeichen
  • Lunge seitengleich ventiliert, kein konfluierendes pneumonisches Infiltrat. Keine malignitätssuspekten Herdbefunde
  • Kein Pleuraerguss, kein Pneumothorax
  • Miterfasster Weichteilmantel und Skelett ohne wegweisend pathologischen Befund

Beurteilung:

Altersentsprechender thorakaler Status

 Achtung

Bei Akutpathologien, die gegebenenfalls lebensbedrohlich werden können (z.B. bei einem Spannungspneumothorax), sollte unmittelbar der Kontakt mit den behandelnden Ärzt:innen aufgenommen werden.

Darüber hinaus sollten MTRs (Medizinische Technolog:innen für Radiologie), die bei der Erstellung der Bilder eine akute Pathologie vermuten, direkt die verantwortlichen Radiolog:innen informieren!

  • Transparenzveränderungen:
    • Transparenzminderung (Verschattung): Erhöhte Dichte, z.B. bei Pneumonie. Das entzündete Lungengewebe ist dichter und absorbiert mehr Strahlung, wodurch es heller erscheint.
    • Transparenzerhöhung (Aufhellung): Verringerte Dichte, z.B. bei Pneumothorax. Die Luftansammlung reduziert die Dichte und die Region erscheint dunkler.
  • Projektion/projizieren:
    • Ein Röntgenbild ist eine zweidimensionale Darstellung aller Strukturen zwischen der Röntgenquelle und dem Detektor. Strukturen, die hintereinander liegen, erscheinen überlagert.
    • Beispiel: „Der Lungenrundherd projiziert auf den Aortenbogen“ bedeutet, dass der Rundherd im Röntgenbild auf Höhe des Aortenbogens liegt

Der Begriff "Satisfaction of Search" beschreibt ein bekanntes Phänomen in der medizinischen Bildgebung, insbesondere in der Radiologie. Es tritt auf, wenn nach dem Auffinden einer auffälligen Anomalie oder Pathologie die Suche vorzeitig abgebrochen oder vom Untersuchungsschema abgewichen wird und dabei möglicherweise andere wichtige Befunde übersehen werden. Ein wesentlicher Grundsatz in der Radiologie ist daher die konsequente Anwendung eines systematischen Befundungsschemas!

Im Röntgen-Thorax gibt es "versteckte Bereiche" (hidden areas), die aufgrund ihrer anatomischen Lage oder Überlagerung schwer zu interpretieren sind. Diese Bereiche können wichtige Pathologien verbergen und müssen bei der Befundung besonders beachtet werden.

Die Haupt-Hidden Areas im Röntgen-Thorax

  • Retrokardialer Raum
    • Lage: Hinter dem Herzen
    • Herausforderung: Diese Region kann durch die Herzsilhouette verdeckt sein, was die Sicht auf Pathologien wie Tumore oder Pneumonien erschwert
    • Tipp: die Seitaufnahme (Lateralaufnahme) kann helfen, den retrokardialen Raum besser darzustellen
  • Hilusregion
    • Lage: Bereich um die Lungenwurzeln, wo die Bronchien und großen Gefäße in die Lungen eintreten
    • Herausforderung: Überlagerungen der großen Gefäße und Bronchien machen es schwierig, Pathologien wie Lymphadenopathie oder Tumore zu erkennen
    • Tipp: ggf. eine CT-Aufnahme notwendig, um die Hilusregion detaillierter beurteilen zu können
  • Subdiaphragmale Bereiche
    • Lage: Unterhalb des Zwerchfells
    • Herausforderung: Pathologien im Oberbauch, wie Abszesse oder Tumore, können durch das Zwerchfell und die darunter liegenden Organe verdeckt werden
  • Spitzen der Lungen (Apizes)
    • Lage: Oberer Teil der Lungen
    • Herausforderung: Kleinere Läsionen, wie Tuberkulome oder Tumore, können in den Lungenspitzen übersehen werden, besonders bei überlagerten Knochenstrukturen wie den Schlüsselbeinen
Hidden Areas im Röntgenthorax
Hidden Areas in der p.a.-Aufnahme und in der Seitaufnahme
Zuletzt aktualisiert am 23.09.2024
Anatomie im Röntgen-Thorax
Fremdmaterial im Röntgen-Thorax
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