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Rückenmuskulatur

EP
7 Minuten Lesezeit

Es kann anhand der Embryonalentwicklung zwischen autochthoner (ortsständiger) und nicht-autochthoner (eingewanderte) Rückenmuskulatur unterschieden werden. Die autochthone Muskulatur entwickelt sich direkt an der Wirbelsäule. Sie wird von den Rami posteriores der Spinalnerven innerviert und ist von der Fascia thoracolumbalis umgeben. Die nicht autochthone Muskulatur liegt oberflächlich und ist sekundär eingewandert. Sie wird von den Rami ventrales der Spinalnerven innerviert. Die kurze Nackenmuskulatur erstreckt sich zwischen dem Os occipitale und den ersten beiden Halswirbeln. Ein Teil der kurzen Nackenmuskulatur gehört zur autochthonen Muskulatur, ein anderer Teil zur nicht autochthonen Muskulatur.

Die autochthone Rückenmuskulatur wird in ihrer Gesamtheit als M. erector spinae bezeichnet und kann in einen medialen- und einen lateralen Trakt unterteilt werden. Der mediale und der laterale Trakt kann noch weiter in einzelne Systeme unterteilt werden.

  • Medialer Trakt
    • Spinales System: Das spinale System besteht aus den Mm. interspinales und dem M. spinalis, die zwischen den Procc. spinosi der Wirbel verlaufen. Innerviert werden sie vom medialen Ast des Ramus posterior der Spinalnerven und haben bei einseitiger Kontraktion die Funktion der Seitwärtsneigung und bei beidseitiger Kontraktion die Funktion der Dorsalextension.
    • Transversospinales System: Das transversospinale System besteht aus den Mm. rotatores breves et longi, dem M. multifidus und dem M. semispinalis und verlaufen von den Procc. transversi zu den Procc. spinosi. Sie werden ebenfalls vom medialen Ast des Ramus posterior der Spinalnerven innerviert und haben bei einseitiger Kontraktion folgende Funktionen: Rotation zur kontralateralen Seite und Seitwärtsneigung zur ipsilateralen Seite. Bei beidseitiger Kontraktion bewirken sie die Dorsalextension.
  • Lateraler Trakt
    • Spinotransversales System: Das spinotransversale System besteht aus dem M. splenius capitis und dem M. splenius cervicis und verlaufen von den Procc. spinosi zu den Procc. transversi und zum Os occipitale bzw. Proc. mastoideus. Sie werden ebenfalls vom lateralen Ast vom Ramus posterior der Spinalnerven innerviert und haben bei einseitiger Kontraktion die Aufgabe den Kopf und die Halswirbelsäule zur gleichen Seite zu drehen und bei beidseitiger Kontraktion den Kopf und die Halswirbelsäule nach hinten zu strecken (Dorsalextension).
    • Intertransversales System: Das intertransversale System besteht aus den Mm. intertransversarii posteriores cervicis, Mm. intertransversarii thoracis und Mm. intertransversarii lumborum mediales. Diese verlaufen zwischen den Procc. transversi benachbarter Wirbel. Sie werden ebenfalls vom lateralen Ast vom Ramus posterior der Spinalnerven innerviert. Ihre Funktion ist die Lateralflexion des Rumpfes zur ipsilateralen Seite bei einseitiger Kontraktion und bei beidseitiger Kontraktion tragen sie zur Erhaltung einer aufrechten Haltung bei (Stabilisierung der Wirbelsäule)
    • Sakrospinales System: Das sakrospinale System besteht aus dem M. iliocostalis und dem M. longissimus, die vom Becken zu den Procc. transversi und den Rippen laufen. Sie werden vom lateralen Ast des Ramus posterior der Spinalnerven innerviert. Ihre Funktion ist die Lateralflexion des Rumpfes zur ipsilateralen Seite bei einseitiger Kontraktion und die Dorsalextension des Rumpfes bei beidseitiger Kontraktion.
Autochthone Rückenmuskulatur
 Merke
Merkhilfe: Autochthone Rückenmuskulatur

Um sich den Verlauf der Muskel besser merken zu können, kannst du die folgenden Merksätze nutzen. 

  • Schräg verlaufende Muskeln (Schrägsystem):
    • Leider (levatores costarum) spielt (splenius) Rene (rotatores) mit (multifidus) Sabine (semispinalis)
  • Gerade verlaufende Muskeln (Geradsystem):
    • Ich (iliocostalis) investiere (intertransversarii) lieber (longissimus) in (interspinales) Spinner (spinalis)

Die Muskeln, die zum lateralen Trakt gehören, sind fettmakiert. Die zum medialen Trakt gehören nicht. 

Fascia thoracolumbalis

Die autochthone Rückenmuskulatur ist von der Fascia thoracolumbalis umgeben. Sie besteht aus einem oberflächlichen- und einem tiefen Blatt. Das oberflächliche Blatt erstreckt sich von der Crista iliaca und den Dornfortsätzen der Lenden- und unteren Brustwirbel seitlich nach außen. Das tiefe Blatt ist an der Crista iliaca, an den Procc. costales bzw. transversi der Lendenwirbel und an der untersten Rippe befestigt. Beide Blätter bilden zusammen einen osteofibrösen Kanal, in dem die autochthone Rückenmuskulatur liegt. Kranial wird das oberflächliche Blatt durch die Fascia nuchae fortgeführt.

Ansicht der autochthonen Rückenmuskulatur von dorsal

Ansicht der autochthonen Rückenmuskulatur von dorsal

Die nicht-autochthone (eingewanderte) Rückenmuskulatur besteht aus den spinokostalen Muskeln, den spinoskapulären und spinohumeralen Muskeln. Die spinoskapulären- und spinohumeralen Muskeln sind bereits im Kontext der oberen Extremität erwähnt worden.

Spinokostale Muskeln:

MuskelUrsprungAnsatzInnervationFunktion
M. serratus posterior superior
  • Procc. spinosi von C6-Th2
  • 2.-5. Rippe
  • Nn. intercostales (Rr. ventrales, Th1-Th4)
  • Hebt die 2.-5 Rippe
  • Unterstützung der Inspiration
M. serratus posterior inferior
  • Procc. spinosi von Th11-L2
  • 9.-12. Rippe
  • Nn. intercostales (Rr. ventrales, Th9-Th12)
  • Wirkt meist exspiratorisch
Musculus serratus posterior inferior
M. serratus posterior inferior
Zuletzt aktualisiert am 16.07.2026
Wirbelsäule (Columna vertebralis)
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