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Säure-Basen-Haushalt (Puffersysteme)

EP
12 Minuten Lesezeit

Im Körper und im Blut liegen verschiedene Säuren und Basen vor. Säuren sind Substanzen, die Protonen (H+) freigebenBasen nehmen Protonen auf. Die Konzentration der Protonen in einer Flüssigkeit wird über den pH-Wert angegeben.

Im Körper liegen verschiedene pH-Werte vor, so herrscht im Magen ein saurer, also niedriger pH-Wert von 1 bis 4. In der BGA wird der pH-Wert im Blut gemessen, dieser hat einen Normwert von 7,35-7,45.

Ein pH-Wert von unter 7,35, also ein Überwiegen von Säuren und somit von mehr Protonen wird als Azidose bezeichnet.

Ein pH-Wert von über 7,45, also ein Überwiegen von Basen und somit von weniger Protonen wird als Alkalose bezeichnet.

Summenformeln:

Im Rahmen unserer BGA-Artikel werden einige Summenformeln dargestellt. Wir haben dir dazu einen einen kleinen Überblick zusammengestellt, damit du nicht durcheinander kommst.

CO2: Kohlenstoffdioxid

O2: Sauerstoff

HCO3-: Bicarbonat

H2CO3: Kohlensäure

H+: Wasserstoff-Ionen

H20: Wasser

NH3: Ammoniak

NH4+: Ammonium

PO43−: Phosphat

HPO42−: Hydrogenphosphat

H2PO4: Dihydrogenphosphat

 Info
Hydrogencarbonat (HCO₃⁻)
Begriffsklärung „Bicarbonat“

„Bi–“ suggeriert fälschlicherweise zwei Kohlenstoffatome. Tatsächlich enthält das Ion nur ein Kohlenstoffatom und entspricht der konjugierten Base der Kohlensäure. Der Begriff „Bicarbonat“ ist historisch etabliert und wird weiterhin in Klinik, Leitlinien und Laborbefunden verwendet, meint jedoch stets Hydrogencarbonat (HCO₃⁻).

Da viele Prozesse im Körper vom pH-Wert abhängen und Schwankungen zu einer Denaturierung von Proteinen führen können, ist ein konstanter pH-Wert essentiell. Über verschiedene Puffersysteme und über die Ausscheidung von Bicarbonat über die Nieren sowie CO2 über die Lungen können Schwankungen kompensiert werden. Bei einem Ausfall eines dieser Systeme oder einem übermäßig starken Anfall von Säuren oder Basen kann es zu einer Entgleisung des Systems kommen. Folgende Ursachen können zu einer Verschiebung des pH-Wertes beitragen:

 ZunahmeAbnahme
Säuren

(Azidose pH↓)

  • Stoffwechsel von Kohlenhydraten, Fetten & Aminosäuren zu CO2
  • Nahrungskarenz (Ketone & freie Fettsäuren↑)

(Alkalose pH↑)

  • Abatmung von CO2
  • Chronisches Erbrechen
Basen

(Alkalose pH↑)

  • Vegetarische Ernährung
  • Hyperaldosteronismus
  • Zufuhr alkalisierender Substanzen (Natriumbicarbonat)

(Azidose pH↓)

  • Neutralisation von Magen-Darm-Sekreten
  • Diuretikatherapie
  • Hypoalbuminämie (z.B. Leberversagen, nephrotisches Syndrom)
  • Harnstoffsynthese

Die Puffersysteme im Körper stabilisieren den pH-Wert, sie können Schwankungen abfangen. Ein Puffer besteht aus einem korrespondierenden Säure-Basen-Paar. Gibt man eine kleine Menge einer Säure oder einer Base zu einem Puffer hinzu, so ändert sich der pH-Wert zunächst nicht und bleibt konstant.

Puffersysteme

Offene und geschlossene Puffersysteme

Im Körper gibt es offene und geschlossene Puffersysteme.

Offene Puffersysteme

Offene Puffersysteme

Bei offenen Puffersystemen kann ein Reaktionspartner aus dem System entfernt werden. Hierdurch wird die Pufferkapazität gesteigert. Die Ausscheidung kann z.B. über die Nieren oder Lungen erfolgen. Liegen z.B. im Rahmen einer Azidose vermehrt Säuren vor, so können diese über die Lungen oder die Nieren ausgeschieden werden und die Azidose kann kompensiert werden.

  • Bicarbonat-Puffer
  • Ammonium-Puffer

Geschlossene Puffersysteme

Geschlossenes Puffersystem

Bei geschlossenen Puffersystemen sind die Säuren-Basen-Paare konstant. Eine Ausscheidung über die  Nieren oder Lungen ist nicht möglich.

  • Protein-Puffer
  • Phosphat-Puffer

Das Bicarbonat-Puffersystem ist das wichtigste Puffersystem im Menschen. Es macht etwa 50% der Gesamtpufferkapazität des Blutes aus. Das Bicarbonat-Puffersystem ist ein offenes Puffersystem. Über die Lungen und Nieren können Säuren und Basen ausgeschieden werden.

Bicarbonat-Puffersystem

Das Bicarbonat-Puffersystem besteht aus einem Gleichgewicht an CO2, das über H2CO3 Säuren bildet und HCO3- als Base. Im peripheren Gewebe entsteht durch den oxidativen Metabolismus kontinuierlich CO2. Im Bicarbonat Puffersystem reagiert das CO2 (Kohlenstoffdioxid) mit H20 (Wasser). Es entsteht H2CO3 (Kohlensäure). Diese zerfällt zum Großteil zu H+ (Wasserstoffionen) und HCO3- (Bicarbonat).

Im Bicarbonat-Puffersystem bildet das CO2 indirekt über die Kohlensäure Säuren. HCO3- ist die Base.

Steigt die Konzentration von CO2 an, so sinkt der pH-Wert (Azidose).

Steigt die Konzentration von HCO3-, so steigt der pH-Wert (Alkalose).

Bicarbonat-Puffersystem

Das Bicarbonat-Puffersystem ist ein offenes Puffersystem. Das CO2 kann über die Lunge abgeatmet und somit der pH-Wert konstant gehalten werden. Macht man z.B. Sport, so kommt es aufgrund der vermehrten Muskelarbeit zu einem verstärkten Anfall von CO2 als Abbauprodukt. In der Folge resultiert eine Steigerung der Atemfrequenz (Tachypnoe). Hierdurch wird das vermehrt anfallende CO2 abgeatmet und der pH-Wert konstant gehalten. Bei einigen Erkrankungen, wie z.B. der COPD kann aufgrund einer Erschöpfung der Atemmuskulatur nicht mehr genug CO2 abgeatmet werden. Es resultiert eine Azidose.

Das Ammonium-Puffersystem spielt eine wichtige Rolle in der dauerhaften Ausscheidung von Säuren über die Nieren. NH3 (Ammoniak) reagiert mit H+ (Wasserstoffionen) zu Ammonium. Das Ammonium kann über den Harn ausgeschieden werden. Da das Ammonium H+ gebunden hat, kann somit über die Nieren die Ausscheidung von Säuren und somit der pH-Wert reguliert werden.

Ammonium-Puffersystem

Proteine können über ionisierbare Seitengruppen Säuren und Basen aufnehmen. Sie können somit als Puffersystem fungieren und bilden das Protein-Puffersystem. Hierbei spielen, aufgrund ihrer hohen Konzentration im Blut, die Proteine Albumin und Hämoglobin die größte Rolle. Das Protein-Puffersystem macht genau wie das Bicarbonat-Puffersystem etwa 50% an der Gesamtpufferkapazität des Blutes aus.

Das System gehört zu den geschlossenen Systemen, da kein Säure- oder Basen-Reaktionspartner das System über die Lungen oder Nieren verlassen kann.

Protein-Puffersystem

Im obigen Beispiel ist der Protonierungszustand von der Aminosäure Valin dargestellt. Bei einem normwertigen pH-Wert liegt die Aminogruppe (-NH2) als H3N+ und die Carboxylgruppe (-COOH) als COO- Seitenkette vor.

  • Bei einem sauren pH-Wert (links) nimmt die Carboxylgruppe ein H+ Ion auf, um den pH-Wert zu erhöhen (Konzentration an saurem H+ sinkt).
  • Bei einem basischen pH-Wert (rechts) gibt die Aminogruppe ein H+-Ion ab, um den pH-Wert zu erniedrigen (Konzentration an saurem H+ steigt).

Über das Phosphat-Puffersystem wird der intrazelluläre pH-Wert reguliert. Weiterhin können hierüber saure H+-Ionen über den Harn ausgeschieden werden.

Phosphat-Puffersystem
Zuletzt aktualisiert am 08.05.2026
Zusammenfassung der Resorptionsprozesse
Regulation des Säure-Basen-Haushaltes
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