Die Scapula liegt im Bereich dem Thorax von hinten seitlich auf Höhe der 2.-7. Rippe auf und wird durch viele Muskeln geschützt und über das Schlüsselbein im Acromioclaviculargelenk mit dem Thorax verbunden. Daher stellen Scapulafrakturen (AO 14) eine Seltenheit dar und werden am ehesten im Rahmen von Hochrasanz- und Polytraumata beobachtet.
AchtungDa nur ca. 10% der Scapulafrakturen isoliert als Monoverletzungen auftreten, sollte immer nach Begleitverletzungen (besonders Thorax und Wirbelsäule) gesucht werden!
Körperliche Untersuchung
In der körperlichen Untersuchung sind Scapulafrakturen nicht einfach zu erkennen. Hinweise können Hämatome, ein Thoraxkompressionsschmerz, Druckschmerz des dorsolateralen Thorax, auffällige Auskultationsbefunde, Einschränkungen der Bewegung des Schultergelenks, sowie Hinweise auf Nervenschädigungen, besonders des N. suprascapularis, sein.
AchtungHäufig wird nach der körperlichen Untersuchung zuerst der falsche Verdacht auf eine Rippenfraktur gestellt.
Bildgebung
Radiologisch sollte bei Verdacht eine Scapula-Röntgenaufnahme in 2 Ebenen erfolgen (a.p. + axial oder transscapulär) und häufig wird bei Diagnosesicherung eine ergänzende CT-Untersuchung mit 3D-Rekonstruktion zur Therapieplanung notwendig. Auch wird häufig eine MRT-Untersuchung zum Ausschluss von Begleitverletzungen (z.B. des Plexus brachialis oder der Rotatorenmanschette) ergänzt.
Unterschieden werden vor allem intraartikuläre, extraartikuläre und Fortsatzfrakturen (Akromion, Korakoid, Spina scapulae). Außerdem werden Frakturen des Scapula-Halses und Scapula-Körpers differenziert. Goss et al. beschrieben den Superior Suspensory Shoulder Complex (SSSC) als eine Aufhängung der oberen Extremität am Rumpf basierend auf 2 Säulen. Die 1. Säule wird durch die laterale Clavicula, das Acromion, das Korakoid, AC-Gelenk und die CC-Bandstrukturen gebildet. Die 2. Säule besteht aus Glenoid und Scapulahals.

Konservative Therapie
Therapeutisch besitzt die konservative Therapie besonders bei Korpus-Frakturen ohne Gelenkbeteiligung einen hohen Stellenwert.
- Ruhigstellung im Gilchrist für maximal 2 Wochen
- Passive Frühmobilisierung physiotherapeutisch assistiert sobald es die Schmerzen erlauben, ab der 3. Woche aktiv-assistierte Übungen und ca. 5 Wochen posttraumatisch aktiver Belastungsaufbau
- Röntgenkontrollen nach 1, 2 und 3 Wochen zur Detektion von sekundären Dislokationen und ggf. nach 6 Wochen zur Heilungs-Kontrolle
Operative Therapie
Eine operative Therapie sollte gut geplant werden und kann auch verzögert zu einem guten operativen Ergebnis führen. Indikationen sind: Über 1cm dislozierte Fortsatz- oder Scapulaspitzenfrakturen, schmerzhafte Fortsatz- | Scapulaspitzen-Pseudarthrosen, intraartikuläre glenoidale Frakturen mit über 2mm Stufenbildung, dislozierte Glenoidfrakturen, ein glenopolarer Winkel <20° oder Verletzungen der beiden Säulen des SSSC mit Fraktur der lateralen Clavicula, Fraktur des Scapulahalses | Glenoids und Ruptur der Bandstrukturen („Floating Shoulder“).
- (kanülierte) Schraubenosteosynthese (besonders bei Fortsatz- und Glenoidfrakturen)
- Zuggurtungsosteosynthese (z.B. bei Collum-Frakturen)
- Plattenosteosynthese (z.B. bei Corpus-Frakturen)
- Arthroskopische Versorgung/Refixation (knöcherne Bankart-Läsionen nach Schulterluxation)

TippDie Wiederherstellung des glenopolaren Winkels korreliert signifikant mit dem funktionellen Outcome der Operation!

