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Schilddrüsenwerte

Schilddrüsenparameter
10 Minuten Lesezeit

Schilddrüse

Die Schilddrüse ist ein endokrines Organ, das wichtige Hormone für die Regulation des Stoffwechsels und das Körperwachstum bildet. Zu den Schilddrüsenhormonen gehören das Triiodthyronin (T3) und Thyroxin (T4) sowie das Calcitonin

Im Folgenden betrachten wir zuerst die Funktionen der Hormone, anschließend die Regulation und zuletzt die laborchemischen Grundlagen zur Diagnostik von Schilddrüsenerkrankungen. 

Schilddrüse und Nebenschilddrüsen
Schilddrüse und Nebenschilddrüsen

Das Schilddrüsenhormon Thyroxin (T4) wird in den Thyreozyten der Schilddrüse gebildet. Durch eine Deiodierung von T4 entsteht das Schilddrüsenhormon T3. T4 hat eine hohe Halbwertszeit von ca. einer Woche und kann daher als die Speicherform angesehen werden.

Das Schilddrüsenhormon Triiodthyronin (T3) wird in den Thyreozyten der Schilddrüse und peripher durch die Deiodierung von T4 gebildet. Es reguliert das Körperwachstum und diverse Stoffwechselprozesse. Es wirkt überwiegend stoffwechselfördernd. Es erhöht den Sauerstoff- und Energieverbrauch, sowie die Thermogenese. Es hat eine Halbwertszeit von ca. einem Tag.

Schilddrüsenhormone Wirkung

Das Calcitonin wird in den C-Zellen der Schilddrüse gebildet. 

Das Calcitonin wird bei erhöhten Calcium-Spiegeln ausgeschüttet und senkt den Calciumspiegel über eine Hemmung der Osteoklastenaktivität und eine Steigerung der renalen Calcium- und Phosphat-Ausscheidung.

Bildung der Schilddrüsenhormone

Die Schilddrüsenhormone werden von den Thyreozyten synthetisiert. In Form von Thyreoglobulin wird das T3 und T4 in den Schilddrüsenfollikeln gespeichert und durch Spaltung ans Blut abgegeben.

Synthese der Schilddrüsenhormone

Regulation der Schilddrüsenhormone

Die Sekretion der Schilddrüsenhormone wird über die Hypothalamus-Hypophysen-Achse reguliert.

Das Thyreoidea releasing Hormone (TRH) wird im Hypothalamus gebildet. Das TRH stimuliert die TSH-Synthese in der Hypophyse.

TRH wird bei Stress, Kälte und körperlicher Belastung ausgeschüttet.

Das Thyreoidea stimulierende Hormon (TSH) wird in der Hypophyse gebildet. Die Synthese und Sekretion wird durch das TRH gefördert. Das TSH stimuliert die Schilddrüsenfollikel zur Synthese und Sekretion von T3 und T4.

T3 und T4 sind die bereits besprochenen Schilddrüsenhormone, die durch die TSH-Stimulation gebildet und ausgeschüttet werden. Sie wirken im peripheren Gewebe.

Über eine negative Rückkoppelung hemmen hohe T3- und T4-Konzentrationen die Sekretion von TSH und TRH.

Regulation - Schilddrüsenhormone

Verschiedene Erkrankungen können zu einer Über- oder Unterproduktion von Schilddrüsenhormonen führen. In der Folge resultiert eine Schilddrüsenüberfunktion oder eine Schilddrüsenunterfunktion. Diese lassen sich laborchemisch anhand der Schilddrüsenhormone TSH, T3 und T4 bzw. der freien Hormone fT3 und fT4 diagnostizieren und durch den Nachweis verschiedener Antikörper einer Genese zuordnen. Thyreoglobulin wird bei der Schädigung der Schilddrüse frei, es wird daher auch als Tumormarker bestimmt.

Zuerst wird meistens nur der TSH-Wert bestimmt. Ein normaler TSH-Wert kann eine manifeste Hypo- oder Hyperthyreose mit hoher Wahrscheinlichkeit ausschließen. Es gilt jedoch zu beachten, dass der TSH-Wert starken circadianen Schwankungen unterliegt.

Ein niedriger TSH-Wert spricht für eine Hyperthyreose. Bei dieser sind die Hormone fT3 und fT4 erhöht

Ein erhöhter TSH-Wert spricht für eine Hypothyreose. Bei dieser sind die Hormone fT3 und fT4 erniedrigt

Anhand der Hormone fT3 und fT4 lässt sich weiterhin eine manifeste Schilddrüsenerkrankung von einer latenten Schilddrüsenerkrankung unterscheiden.

Sind die Hormone fT3 und fT4 erhöht oder erniedrigt, spricht man von einer manifesten Hyper- oder Hypothyreose. Ist nur der TSH-Wert erhöht oder erniedrigt und die Hormone T3 und T4 sind noch normal, so spricht man von einer latenten, also versteckten Hypo- oder Hyperthyreose.

 Merke
Schilddrüsenerkrankungen

Sind das TSH und das fT3, fT4 erniedrigt, spricht dies für eine sekundäre Hypothyreose. Während erhöhte TSH- und fT3-, fT4-Werte für eine sekundäre Hyperthyreose sprechen.

Schilddrüsenantikörper

Anhand der Schilddrüsenantikörper lässt sich die Genese einer Hypo- oder Hyperthyreose weiter untersuchen:

TSH-Rezeptor-Antikörper (TRAK): Binden und aktivieren den TSH-Rezeptor

Thyreoperoxidase-Antikörper (TPO-AK): Thyreoperoxidase ist ein Enzym in der Hormonsynthese

Thyreoglobulin-Antikörper (TG-AK): Speicherform der Schilddrüsenhormone

Schilddrüsenantikörper
ErkrankungTRAKTPO-AKTG-AK
M. Basedow>90%Ca. 70%10-20%
Hashimoto10%Ca. 90%Ca. 50%
Schilddrüsen-autonomieCa. 5%Ca. 5%Ca. 5%
PhysiologischnegativCa. 5%Ca. 5%

Eine Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) wird meistens durch eine Schilddrüsenautonomie oder durch einen Morbus Basedow sowie einen Jodüberschuss hervorgerufen. Da die meisten Kontrastmittel Jod enthalten, spielt die iatrogene Hyperthyreose eine entscheidende Rolle im klinischen Alltag.

Bei der Schilddrüsenautonomie liegen Areale in der Schilddrüse vor, die sich dem Regelkreis entziehen. Sie produzieren unabhängig von der Stimulation durch das TSH Schilddrüsenhormone.

Beim Morbus Basedow kommt es zur Ausbildung von Antikörpern gegen die TSH-Rezeptoren. Diese werden als TSH-Rezeptor-Antikörper (TRAK) bezeichnet und stimulieren die Schilddrüse unabhängig vom TSH. 

Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose)

Bei einer Hyperthyreose liegen daher erhöhte fT3 und fT4 Werte und aufgrund der negativen Rückkoppelung erniedrigte TSH-Spiegel vor.

Der Nachweis von TRAK deutet auf einen Morbus Basedow hin.

Aufgrund der erhöhten Spiegel von fT3 und fT4 kommt es zu den Symptomen Tachykardie, Gewichtsverlust, Schwitzen, Wärmeempfinden und Nervosität.

Beim Morbus Basedow tritt häufig die sogenannte Merseburger Trias auf. Diese besteht aus Tachykardie, Struma und Exophthalmus

 Merke
Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose)

 

Eine Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) wird meistens durch eine Hashimoto-Thyreoiditis oder einen Jodmangel hervorgerufen. Eine besondere Form ist die angeborene Hypothyreose, deren Folge als Kretinismus bezeichnet wird.

Die Hashimoto-Thyreoiditis ist eine Erkrankung, bei der Antikörper gegen die Thyreozyten gebildet werden. So gibt es Antikörper gegen das Thyreoglobulin (TG-AK) und Antikörper gegen die Schilddrüsenperoxidase (TPO-AK). In der Folge können die Schilddrüsenhormone T3 und T4 nicht mehr ausreichend gebildet werden.

Laborchemisch lassen sich daher erniedrigte fT3- und fT4-Spiegel bei einem erhöhten TSH-Wert nachweisen. Das TSH ist erhöht, da die negative Rückkoppelung entfällt und der Körper über das TSH versucht, die Produktion der Schilddrüsenhormone zu steigern. Bei einer Hypothyreose kann das fT3 normal sein, da es zu einer verstärkten Konversion von T4 zu T3 kommt.

Aufgrund des Hormonmangels kann es zu einer Gewichtszunahme, Bradykardie und Müdigkeit kommen.

 Merke
Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose)
ErkrankungTRAKTPO-AKTG-AK
M. Basedow>90%Ca. 70%10-20%
Hashimoto10%Ca. 90%Ca. 50%
Schilddrüsen-autonomieCa. 5%Ca. 5%Ca. 5%
PhysiologischnegativCa. 5%Ca. 5%
Zuletzt aktualisiert am 12.05.2025
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