Ein Schock ist ein lebensbedrohlicher Zustand, bei dem die Sauerstoffversorgung von Organen und Geweben durch eine unzureichende Durchblutung gestört ist.
Ein Schock kann durch unterschiedliche Ursachen ausgelöst werden.
Häufige Auslöser sind Flüssigkeitsverlust beim hypovolämischen Schock, der durch Dehydratation oder Verbrennungen entsteht, oder Blutverlust, wie es beim hämorrhagischen Schock der Fall ist
Der kardiogene Schock resultiert aus einer eingeschränkten Herzfunktion, beispielsweise durch einen Herzinfarkt oder schwere Rhythmusstörungen
Infektionen mit systemischer Entzündungsreaktion führen zum septischen Schock, während allergische Reaktionen, wie bei einem anaphylaktischen Schock, eine massive Vasodilatation und Kreislaufprobleme auslösen können
Mechanische Hindernisse, etwa eine Lungenembolie oder ein Spannungspneumothorax, können einen obstruktiven Schock verursachen
Beim neurogenen Schock geht die Gefäßtonusregulation durch neurologische Schäden, wie bei Rückenmarksverletzungen, verloren
Der Verlauf eines Schocks gliedert sich in die kompensierte Phase, die dekompensierte Phase mit sinkendem Blutdruck und Organversagen sowie die irreversible Phase, die zum Tod führt.
Ziele der rettungsdienstlichen Versorgung sind die Stabilisierung des Kreislaufs durch Volumengabe, Sauerstoffversorgung und spezifische Maßnahmen je nach Schockart, wie Blutstillung beim hämorrhagischen Schock, Adrenalingabe beim anaphylaktischen Schock, Entlastung bei einem Spannungspneumothorax oder Immobilisation bei neurogenem Schock.
Der Transport erfolgt in eine spezialisierte Klinik, während die Vitalfunktionen engmaschig überwacht werden. Schnelles Handeln ist entscheidend, um schwere Komplikationen zu verhindern.
Um den Einstieg in das Thema Schock etwas zu erleichtern, wird im Folgenden ein Fall beschrieben, wie er sich präklinisch ereignen könnte.
Das Szenario
Einsatzmeldung:
Stichwort: Anaphylaxie
Ort: Zuhause, im Garten
Alarmzeit: 11:37 Uhr
Anrufer: Ehepartnerin
Anzahl der Betroffenen: 1
Zusatzinfo: Männlich, 41 Jahre, hat eine bekannte Allergie gegen Insektengifte
Lageeinweisung vor Ort:
Beim Eintreffen des Rettungsdienstes sitzt der Patient, angelehnt an die Hauswand, auf dem Boden.
Die Lage ist wie folgt:
Er ist benommen und öffnet die Augen auf Ansprache
Der Patient zeigt ein blasses Hautkolorit und klagt über Schwindel
Es gibt keine Hinweise auf Atemprobleme
Die Ehefrau hat den Notruf abgesetzt, nachdem sie den Patienten desorientiert und aufgeregt vorgefunden hat
Er habe sich nach einem Wespenstich im Bereich des Unterarms plötzlich unwohl gefühlt. Seither geht es ihm zunehmend schlechter
Ersteindruck nach xABCDE-Schema
Um sich einen ersten umfassenden Eindruck von einer Patientin oder einem Patienten in einer Notfallsituation zu verschaffen, bietet sich das xABCDE-Schema an. Um die Arbeit mit dem Schema zu veranschaulichen, ist hier ein xABCDE-Schema abgebildet, wie es im Falle einer Ersteinschätzung bei einer Patientin oder einem Patienten mit einem anaphylaktischen Schock aussehen könnte.
Es handelt sich dabei um die Befunde, die innerhalb der ersten paar Minuten erhoben werden können. Erweiterte Diagnostik und Abfragen sind natürlich von Bedeutung, jedoch würde zum Beispiel die Anlage eines 12-Kanal-EKG in diesem Fall hintenangestellt und taucht zu diesem Zeitpunkt noch nicht auf.
x
Keine kritischen Blutungen
Kein x-Problem
A
Atemwege frei
Schleimhäute insgesamtgerötet
Patient ist ansprechbar
Kein A-Problem
B
Inspektorisch:
Thoraxexkursion normal
Keine Verletzungen oder Abnormalitäten sichtbar
Keine gestauten Halsvenen sichtbar
Tachypnoe, Atemfrequenz: 24/min
Auskultatorisch:
Beidseits vesikuläres Atemgeräusch
Diskreter exspiratorischerStridor hörbar
Palpatorisch:
Thorax insgesamt stabil
SpO2: 91%, schlecht ableitbar
Mittelbares B-Problem
C
Hautkolorit anfallsartig rot
Insgesamt kaltschweißig
Rekap-Zeit: 4 Sekunden
Große Blutungsräume ohne Zeichen auf akute Blutungen
Palpation des Pulses am Handgelenk kaum möglich
Zentraler Puls:
Rhythmisch
Schlecht tastbar
Tachykard, 126/min
Akutes C-Problem
D
Benommen, orientiert, ansprechbar
GCS 13
Öffnen der Augen: 3
Beste verbale Reaktion: 4
Beste motorische Reaktion: 6
Klagt über Schwindel
Pupillenkontrolle:
Isokor
Mittelweit
Lichtreagibel
Blutzucker: 128 mg/dl
Mittelbares D-Problem
E
Keine Verletzungen ersichtlich
Wespenstich im Bereich des Unterarms, Stachel bereits durch Ehepartnerin entfernt
Symptome:
Unwohlsein unmittelbar nach Wespenstich
Hautrötung, schweißnass
Plötzlicher Husten, wie “Kratzen im Hals”
Allergien/Infektionen: Allergie gegen Insektengifte
Medikamente: Adrenalin-Autoinjektor als Notfallmedikament, bisher nicht verabreicht
Patientengeschichte: Keine Vorerkrankungen
Letzte Mahlzeit: vor 3 Stunden, Frühstück
Ereignis:
Wespenstich während der Gartenarbeit
Risikofaktoren: Allergie gegen Insektengifte
Kein E-Problem
Achtung
Das hier gezeigte Assessment vermittelt nur einen exemplarischen ersten Eindruck von einer Patientin oder einem Patienten. Im Verlauf der Behandlung müssen weitere Maßnahmen ergriffen und Informationen gesammelt werden. Das Schema erhebt daher keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern soll lediglich einen praktischen Einstieg in das Thema ermöglichen.
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Definition
Schock
Ein Schock ist ein akutes, lebensbedrohliches Kreislaufversagen, bei dem das Herzzeitvolumen (HZV) bzw. die effektive Gewebeperfusion nicht mehr ausreicht, um eine adäquate Sauerstoff- und Nährstoffversorgung der Organe sicherzustellen. Infolge der verminderten Kapillardurchblutung kommt es zu Gewebehypoxie, anaerobem Stoffwechsel und schließlich zu einer metabolischen Azidose. Unbehandelt kann der Schock in ein Multiorganversagen übergehen.
Distributiver Schock (relativer Volumenmangel durch Vasodilatation und Umverteilung)
Septischer Schock
Anaphylaktischer Schock
Neurogener Schock
Ein Schock geht häufig mit Hypotonie (< 100 mmHg systolisch) und Tachykardie (> 100 Schläge pro Minute) einher. Fällt der systolische Blutdruckwert unter die Herzfrequenz, ist der sogenannte Schockindex positiv. Es gibt jedoch auch Schockformen mit einem negativen Schockindex. So kommt es z.B. bei einem AV-Block zu einer Bradykardie mit einer Hypotonie.
Auch bei Blutdruckwerten über 100 mmHg systolisch oder einer Herzfrequenz unter 100 Schlägen pro Minute kann ein Schock vorliegen. Entscheidendes Kriterium ist die Unterversorgung des Gewebes und die Klinik des Patienten!
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Schockform
Typische Ursachen / Auslöser
Hypovolämischer Schock
Hypovolämischer Schock
Flüssigkeitsverlust, z.B. durch Erbrechen, Durchfall, Verbrennungen, Pankreatitis, Diuretikatherapie oder Dehydratation
Hämorrhagischer Schock
Blutverlust, z.B. durch Trauma, GI-Blutung, peripartale blutung
KardiogenerSchock
Akutes Koronarsyndrom
Akut dekompensierte Herzinsuffizienz
Myokarditis oder Kardiomyopathie
Relevante Klappenvitien
Herzrhythmusstörungen
ObstruktiverSchock
Lungenarterienembolie
Perikardtamponade
Spannungspneumothorax
Aortendissektion
Vena-cava-Kompressionssyndrom
DistributiverSchock
Septischer Schock
Schwere, generalisierte Infektion
Anaphylaktischer Schock
Schwere allergische Reaktion
Neurogener Schock
Rückenmarksverletzung
Störung der zentralen Kreislaufregulation
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Info
Ein Schock verläuft in einem dynamischen Prozess, der in drei Phasen unterteilt wird. Die Kompensationsphase, die Dekompensationsphase und die irreversible Schockphase.
Pathophysiologie Kompensationsphase
Der kompensierte Schock ist die frühe Phase eines Schocks, in der der Körper durch kompensatorische Mechanismen versucht, die Gewebeperfusion und den Blutdruck aufrechtzuerhalten.
Pathophysiologie Dekompensationsphase
Der dekompensierte Schock ist eine fortgeschrittene Phase des Schocks, in der die kompensatorischen Mechanismen des Körpers versagen und die Organdurchblutung nicht mehr ausreichend gewährleistet ist. Dies führt zu einer schweren Hypoxie der Gewebe und Organe.
Dies löst eine Kaskade pathophysiologischer Prozesse aus, die den Zustand verschlechtern:
Pathophysiologie irreversible Schockphase
Die irreversible Schockphase ist das Endstadium eines Schocks und wird durch schwerwiegende Gewebe- und Organschäden charakterisiert, die trotz maximaler Therapie nicht mehr rückgängig gemacht werden können. In dieser Phase führt der Kreislaufzusammenbruch unweigerlich zum Tod.
Veränderungen des Blutes und Gerinnung:
Zunahme der Blutviskosität
Aktivierung des Gerinnungssystems → Mikrothrombenbildung
Verbrauch von Thrombozyten und Gerinnungsfaktoren → Abnahme der Gerinnungsfähigkeit
Aktivierung fibrinolytischer Prozesse zur Auflösung der Mikrothromben → Verstärkte Blutungsneigung
Folgen:
Organblutungen (z.B. Petechien, Gehirnblutungen)
Erschwerte Blutstillung → Weitere Hypotonie und HZV-Abfall
Bezeichnet als Verbrauchskoagulopathie oder disseminierte intravasale Gerinnung (DIC)
Gefäß- und Gewebeschäden:
Anhaltende Azidose → Gefäßdilatation im gesamten Körper
Irreparable Gewebeschäden durch Mikrothromben:
Schocklunge, Schockniere → Multiorganversagen
Klinische Manifestation meist innerhalb der ersten Tage nach Schockgeschehen
Kollaps der Sympathikus-Aktivierung:
Zusammenbruch der sympathikoadrenergen Reaktion
Keine Gegenregulation mehr möglich
Intensivmedizinische Maßnahmen erfolglos
Herz-Kreislauf-Verschlechterung:
Verminderte Sauerstoffversorgung des Myokards:
Myokardazidose und ATP-Mangel → Reduktion der Herzkraft
Weiterer Abfall des Herzzeitvolumens (HZV) und Blutdrucks
Verschlechterte Blutversorgung des Herzens
Endzustand:
Herzkraft reicht nicht mehr aus, um den Blutfluss aufrechtzuerhalten
Herzversagen führt letztlich zum Tod
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Info
Bei einem hypovolämischen Schock liegt ein absoluter Volumenmangel vor. Ein hypovolämischer Schock ist häufig durch eine Exsikkose bedingt (z.B. Diuretikaüberdosierung bei hohen Temperaturen). Ein hämorrhagischer Schock entsteht durch Blutverlust.
Grundmechanismus: Verlust von intravasalem Volumen bzw. Blut → Vorlast ↓ → Schlagvolumen ↓ → Herzzeitvolumen (HZV) ↓ → O₂-Angebot ↓
Exsikkose: stehende Hautfalten, trockene Schleimhäute, verminderte Flüssigkeitsaufnahme durch Demenz oder Dysphagie
Verbrennungen führen zu kutanen Flüssigkeitsverlusten
Ausgeprägte Diurese: z.B. osmotische Diurese bei Hyperglykämie, Diabetes insipidus, Diuretikatherapie
Durchfall und Erbrechen: gastrointestinale Verluste
Aszites im Rahmen eines Leberversagens, Gummibauch im Rahmen einer Pankreatitis (kein echter Flüssigkeitsmangel, sondern Flüssigkeitsverschiebungen)
Hinweise auf einen hämorrhagischen Schock
Sichtbare äußere Blutung oder Hinweise auf eine innere Blutung
Häufige Ursachen:
Gastrointestinale Blutungen
Trauma
Peripartale Blutung (z.B. Uterusruptur)
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Info
Ein kardiogener Schock ist durch eine Funktionseinschränkung oder einen Funktionsausfall des Herzens bedingt. Zu den Ursachen gehören Herzinfarkte, Herzklappenvitien, Myokarditiden oder Herzrhythmusstörungen.
Während es bei den anderen Schockformen im Falle einer Hypotonie reflektorisch zu einer Tachykardie kommt, können Herzrhythmusstörungen zu Bradykardie und Hypotonie führen.
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Info
Bei einem obstruktiven Schock besteht eine Verminderung des Herzzeitvolumens aufgrund einer vaskulärenObstruktion. Zu den Ursachen gehören die Perikardtamponade, Lungenarterienembolie, Aortendissektion, der Spannungspneumothorax oder seltenere Erkrankungen, wie ein Vena-cava-Kompressionssyndrom im Rahmen einer Schwangerschaft oder die konstriktive Perikarditis.
Grundmechanismus: Mechanische Behinderung des venösen Rückstroms oder der kardialen Auswurfleistung → Vorlast ↓ bzw. Nachlast ↑ → Herzzeitvolumen (HZV) ↓
Pulsus paradoxus möglich, insbesondere bei Tamponade oder Spannungspneumothorax
Besonderheit: Die Myokardfunktion ist initial häufig strukturell erhalten, jedoch durch die mechanische Obstruktion funktionell eingeschränkt
Hinweise auf einen obstruktiven Schock
Gestaute Halsvenen (siehe Perikardtamponade)
Dyspnoe und atemabhängige Thoraxschmerzen (siehe Lungenarterienembolie)
Einseitige Thoraxschmerzen und hypersonorer Klopfschall auf einer Thoraxseite (siehe Spannungspneumothorax)
Vernichtungsschmerz zwischen den Schulterblättern (siehe Aortendissektion)
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Info
Beim distributiven Schock liegt eine Umverteilung des Blutvolumens vor. Ursächlich hierfür ist häufig eine Anaphylaxie. Die Kapillarleckage führt zu einem extravasalen/interstitiellen Flüssigkeitsverlust und die Vasodilatation zu einer Ansammlung von Blut im Kapillarbett. Diese Volumenumverteilung führt zu einem relativen Volumenmangel und damit zu einem Blutdruckabfall. Auch eine Sepsis oder eine neurologische Ursache können zu einem distributiven Schock führen.
Im Vordergrund steht ein Versagen der Mikrozirkulation und Gewebeperfusion
Anaphylaktischer Schock
Info
Ein anaphylaktischer Schock wird durch eine allergische Reaktion ausgelöst. Bei Kindern sind Nahrungsmittelallergien häufig die Ursache, bei Erwachsenen Insektengift (z.B. Wespenstiche). Weiterhin spielen allergische Reaktionen auf Medikamente wie Acetylsalicylsäure, Antibiotika (Aminopenicilline), ACE-Hemmer und Betablocker eine Rolle. Durch die Aktivierung des Immunsystems kommt es zu einer Vasodilatation und zu einem Flüssigkeitsaustritt in das periphere Gewebe.
Auslöser: Allergenkontakt → Kreuzvernetzung von IgE-Antikörpern auf Mastzellen → Mastzelldegranulation → Freisetzung vasoaktiver Mediatoren (Histamin, Leukotriene, Prostaglandine, Tryptase, Platelet-Activating Factor)
Histamin als zentraler Mediator:
Gefäßsystem:
H1-vermittelte Vasodilatation der Arteriolen und präkapillären Sphinkter → systemischer Gefäßwiderstand ↓ → Blutdruck ↓
Endothelkontraktion ↑ → Gefäßpermeabilität ↑ → Plasmaaustritt ins Interstitium → Kapillarlecksyndrom → relativer und teilweise absoluter Volumenmangel
Bronchialsystem: H1-vermittelte Kontraktion der glatten Bronchialmuskulatur → Bronchokonstriktion → Giemen und Hypoxie
Nervensystem: Reizung sensorischer Nervenendigungen → Juckreiz, Angst und Unruhe
Leukotriene und Prostaglandin D₂:
Ausgeprägte und länger anhaltende bronchospastische Wirkung im Vergleich zu Histamin
Gefäßpermeabilität ↑ → Schleimproduktion ↑ und Rekrutierung eosinophiler Granulozyten ↑
Platelet-Activating Factor (PAF):
Verstärkte Vasodilatation → Gefäßwiderstand ↓
Förderung der Thrombozytenaggregation und des kapillären Plasmaaustritts
Wesentliche Beteiligung am Kapillarlecksyndrom und der hypovolämischen Komponente des anaphylaktischen Schocks
Gastrointestinaltrakt / Haut: Bauchkrämpfe, Erbrechen und Diarrhö sowie Flush, Urtikaria und Ödembildung
Info
NichtjedeAnaphylaxie ist klassisch IgE-vermittelt. Auch über eine Komplementaktivierung (C3a/C5a = Anaphylatoxine) oder durch bestimmte Medikamente kann es direkt zur Mastzellaktivierung und damit zur Freisetzung vasoaktiver Mediatoren kommen.
Tipp
Hinweise auf einen anaphylaktischen Schock:
Plötzliche Hautsymptome mit respiratorischen Symptomen oder Hypotonie
Ein neurogener Schock wird durch eine Störung der zentralen Kreislaufregulation oder der Sympathikus-Efferenzen ausgelöst.
Auslöser: Schädigung der sympathischen Nervenbahnen (z. B. Rückenmarksverletzung oberhalb Th6) oder pharmakologische Blockade des Sympathikus, etwa durch Spinalanästhesie oder Narkoseverfahren
Primärmechanismus:
Ausfall der sympathischen Kreislaufregulation → Verlust der zentralen Kreislaufregulation:
Fehlende Impulsübertragung an die Gefäßmuskulatur → Verlust der physiologischen Vasokonstriktion
Überwiegen parasympathischer (vagaler) Effekte → Bradykardie und verminderte myokardiale Kontraktilität
Motorische oder sensible Ausfälle (z.B. Verlust der spinalen Reflexe), Inkontinenz
Septischer Schock
Info
Ein septischer Schock wird durch eine generalisierte Entzündungsreaktion ausgelöst. Durch die Ausschüttung von Entzündungsmediatoren kommt es zu einer Vasodilatation und einer Steigerung der Kapillarpermeabilität mit einem Verlust von Flüssigkeit aus den Gefäßen in das Gewebe.
Infektion:
Eintritt von Multiorganismen (meist Bakterien) in den Körper → Erregerbestandteile werden von Immunzellen erkannt
Übermäßige Immunaktivierung:
Aktivierung von Makrophagen, neutrophilen Granulozyten, Endothelzellen → Freisetzung großer Mengen an proinflammatorischen Zytokinen (z.B. TNF-a, IL-1, IL-6)
Normalerweise bleibt diese Reaktion lokal begrenzt. Bei Sepsis kommt es jedoch zu einer systemischen Entzündungsreaktion
Vaskuläre Dysfunktion:
Aktivierte Immunzellen und Zytokine schädigen das Endothel der Blutgefäße → Aufbrechen der Tight-junctions → Gefäßleckage „capillary leak“→ Permeabilität steigt → Flüssigkeits- und Albuminaustritt ins Gewebe → Hypovolämie → Blutdruckabfall
Vasodilatation durch Freisetzung von NO → Blutdruckabfall
Gerinnungsaktivierung durch Bildung von Gewebefaktor („tissue factor“) auf Endothelzellen und Monozyten → vermehrte Thrombenbildung → Mikrothrombosierung und Störung der Fibrinolyse → Verbrauchskoagulopathie → Petechien
Zell- und Organschäden:
Durch Sauerstoffmangel (Hypoperfusion) und Mitochondriendysfunktion kommt es zu Energiemangel in Zellen Kombination aus Ischämie, Entzündungsmediatoren und oxidativem Stress führt zu Organdysfunktion
Gerinnungsstörungen:
Gestörte Balance zwischen gerinnungsfördernden und gerinnungshemmenden Prozessen → disseminierte intravasale Gerinnungsstörung (DIC) → Thrombosen / Blutungen
Die systemischeEntzündungsreaktion und Mikrozirkulationsstörung bei schwerer Sepsis und septischem Schock können zu einer fortschreitenden Dysfunktion verschiedenerOrgansysteme bis zum Multiorganversagen führen.
Organ / System
Pathophysiologischer Mechanismus
Mögliche Folge
Lunge
Endothelschädigung, gesteigerte Kapillarpermeabilität und inflammatorisches Ödem
ARDS mit schwerer O₂-Diffusionsstörung
Niere
Hypoperfusionsbedingte Tubulusschädigung bis zur akuten Tubulusnekrose
Akutes Nierenversagen
Herz
Zytokin- und NO-vermittelte Einschränkung der Myokardfunktion
Mikrothrombenbildung und neuroinflammatorische Zytokinwirkung
Enzephalopathie und Delir
Gerinnungssystem
Dysregulierte Gerinnungsaktivierung mit Verbrauch von Gerinnungsfaktoren
Disseminierte intravasale Koagulopathie (DIC) mit Thrombosen und Blutungen
Tipp
Hinweise auf einen septischen Schock:
Infektsymptomatik (Fieber, Durchfall, Husten, Erbrechen, Brennen beim Wasserlassen, Klopfschmerz über den Nierenlagern etc.)
Zu Beginn häufig warmes und rosiges Hautkolorit bei normwertigen Kreislaufparametern → Im Verlauf Symptome ähnlich dem hypovolämischen Schock
qSOFA-Score: Vereinfachter Score zur präklinischen Beurteilung und Identifizierung von septischen Patient:innen
NEWS2 (National Early Warning Score 2): Standardisierter Frühwarnscore zur Erkennung klinischer Verschlechterungen; bei Sepsis hilfreich zur Identifikation von Patient:innen mit erhöhtem Risiko für Organversagen, intensivpflichtigen Verlauf oder septischen Schock
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Rasche hämodynamische Dekompensation ohne unmittelbare Beseitigung der Ursache
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Allgemeine Symptome
Tachykardie: Kann in Abhängigkeit von der Schockart auch fehlen (z.B. bei bradykarden Herzrhythmusstörungen)
Hypotonie: Phasenabhängig
Blasse und kaltschweißige Haut: Kann in Abhängigkeit von der Schockart auch fehlen
Tachypnoe: Anstieg der Atemfrequenz auf > 20/min
Rekap-Zeit > 2 Sekunden
Unruhe und Angst
Info
Ein Schock ist weder eine eigenständige Krankheit noch ein isoliertes Symptom, sondern vielmehr eine Ansammlung verschiedener Symptome, die auf denselben pathophysiologischen Prozessen basieren.
Symptome nach Schockursache
Schockform
Typische klinische Symptome
Hypovolämischer Schock
Hypotonie
Tachykardie, Tachypnoe und Zentralisation
Oligurie bis Anurie
Verwirrtheit und Bewusstseinsstörungen
Hinweise auf Volumenmangel wie kollabierte Halsvenen, trockene Schleimhäute, verminderter Hautturgor oder weiche Bulbi
Zusätzlich ursachenspezifische Symptome wie Blutung, Hämatemesis, Teerstuhl oder Diarrhö
Kardiogener / obstruktiver Schock
Dyspnoe infolge pulmonaler Stauung oder Lungenödem
Gestaute Halsvenen
Blässe, Zyanose und Kaltschweißigkeit
Je nach Ursache zusätzlich Thoraxschmerz, Rhythmusstörungen oder asymmetrische Atemgeräusche
Anaphylaktischer Schock
Urtikaria, Flush und Juckreiz
Larynxödem und Bronchospasmus mit bedrohlicher Dyspnoe
Tachykardie, Hypotonie
Bewusstseinseintrübung bis zum kardiopulmonalen Versagen
Septischer Schock
Frühe Phase häufig mit warmer, trockener Haut („warm shock“) und initial noch stabilen Kreislaufparametern
Später Übergang zu Blässe, Kaltschweißigkeit, Hypotonie, Tachykardie und Oligurie
Zusätzlich Fieber, Desorientiertheit und Symptome des zugrunde liegenden Infektionsfokus
Neurogener Schock
Hypotonie bei fehlender kompensatorischer Tachykardie bzw. relativer Bradykardie
Warme Haut durch Vasodilatation
Neurologische Ausfälle, Sensibilitätsstörungen und ggf. Verlust spinaler Reflexe bei hoher Rückenmarksläsion
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Anamnese
Aktuelle Anamnese:
S (Symptome): Bewusstseinsstörung, Blässe, Kaltschweißigkeit, Tachypnoe, Tachykardie, Hypotonie, Infektanamnese (Husten, Brennen beim Wasserlassen, Durchfall, Erbrechen, Fieber), spezifische Symptome abhängig von Genese
A (Allergien, Infektionen):
Bekannte Allergien gegen Medikamente, Nahrungsmittel oder Insektengifte erfragen
Hinweise auf ein erhöhtes Anaphylaxierisiko beachten (z. B. vorhandener Adrenalin-Autoinjektor)
Kürzliche Exposition gegenüber potenziellen Allergenen oder bereits aufgetretene allergische Symptome erfassen
M (Medikation): Adrenalin-Autoinjektor als Notfallmedikament, Salbutamol als Bedarfsmedikation bei bekannter Allergie, kardiovaskulär wirksame Medikamente bei kardiologischer Vorerkrankung und kardiogenem Schock
P (Patientengeschichte): Relevante Grunderkrankungen erfragen:
Herz-Kreislauf-Erkrankungen (z. B. KHK, Herzinsuffizienz)
Endokrinologische Erkrankungen (z. B. Diabetes mellitus, Nebenniereninsuffizienz)
Neurologische Erkrankungen oder Rückenmarksverletzungen (Hinweis auf neurogenen Schock)
Aktuelle oder vorausgegangene Infektionen (Hinweis auf septischen Schock)
Frühere Schockereignisse, Operationen oder intensivmedizinische Behandlungen berücksichtigen
L (Letzte Mahlzeit): Zeitpunkt der letzten Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme erfragen
Relevant bei potenziell notwendiger Narkose, Atemwegssicherung oder operativer Versorgung aufgrund des Aspirationsrisikos
E (Ereignis): Mögliche Auslöser gezielt erheben:
Trauma oder Blutverlust → hypovolämischer Schock
Thoraxschmerz oder Rhythmusstörung → kardiogener Schock
Fieber, Infektzeichen oder Sepsisverdacht → septischer Schock
Allergenkontakt → anaphylaktischer Schock
Rückenmarkstrauma → neurogener Schock
R (Risiko): Relevante Allergieanamnese erfassen (z.B. Medikamente, Insektengifte, Nahrungsmittel)
Kardiovaskuläre Risikofaktoren berücksichtigen, z. B. arterielle Hypertonie, Hyperlipidämie oder Nikotinkonsum
Zusätzliche Risikokonstellationen wie Polytrauma, Gerinnungsstörungen oder Immunsuppression beachten
S (Schwangerschaft): Schwangerschaft berücksichtigen aufgrund physiologischer Volumenveränderungen und möglicher Vena-cava-Kompression
Bei fortgeschrittener Schwangerschaft Linksseitenlagerung erwägen
Differenzialdiagnostisch an schwangerschaftsassoziierte Blutungsursachen denken, z.B. rupturierte Extrauteringravidität
Tipp
Nutze Schemata
Um die Anamnese strukturiert durchzuführen, bietet es sich an, Schemata, wie das SAMPLERS oder OPQRST-Schema zu nutzen. Am obigen Beispiel haben wir Fragen und Befunde dargestellt, die bei dem Verdacht auf eine Schock abgefragt werden sollten und vorliegen könnten.
Körperliche Untersuchung
Inspektion:
Blässe: Hinweis auf periphere Minderperfusion bzw. relevanten Blut- oder Volumenverlust, insbesondere beim hypovolämischen Schock
Marmorierte Haut: Zeichen einer Zentralisation und gestörten Mikrozirkulation bei fortgeschrittenem Schockgeschehen
Zyanose: Ausdruck einer Hypoxämie oder systemischen Minderperfusion
Erythem, Urtikaria und Juckreiz: typische Manifestationen eines anaphylaktischen Schocks; ggf. Hinweise auf Allergenkontakt wie Insektenstich oder Arzneimittelexanthem
Bewusstseinsveränderungen: Vigilanzminderung oder Verwirrtheit als Zeichen einer zerebralen Minderperfusion
Atem- und Bewegungsmuster beurteilen: Dyspnoe, Unruhe sowie Brady- oder Tachypnoe können Hinweise auf respiratorische oder hämodynamische Dekompensation geben
Palpation:
Rekapillarisierungszeit > 2 Sekunden: Hinweis auf gestörte periphere Perfusion bzw. Hypoperfusion
Hauttemperatur:
Kalte, feuchte Haut → typische Zentralisation bei hypovolämischem oder kardiogenem Schock
Warme Haut → möglich bei septischem oder anaphylaktischem Schock infolge peripherer Vasodilatation
Pulsqualität:
Tachykardie: häufig kompensatorische Reaktion im Schock
Bradykardie: möglich bei neurogenem Schock oder medikamentöser Beeinflussung
Schwacher, fadenförmiger Puls: typisch bei fortgeschrittenem Schockzustand
Abdominelle Abwehrspannung: Hinweis auf intraabdominelle Blutung oder entzündliche Ursachen wie Peritonitis bzw. Sepsis
Perkussion:
Physiologischerweise tympanischer Klopfschall über luftgefüllten und gedämpfter Schall über flüssigkeitsreichen Arealen
Gedämpfter Klopfschall über den Lungenbasen → Hinweis auf Pleuraergüsse oder pulmonale Stauung/Lungenödem
Klopfschmerz über den Nierenlagern → Hinweis auf Pyelonephritis bzw. Urosepsis als potenzielle Schockursache
Hinweise auf freie Flüssigkeit im Abdomen → Verdacht auf intraabdominelle Blutung, z.B. bei Milzruptur
Auskultation:
Lunge:
Stridor oder Giemen: Hinweis auf obere bzw. untere Atemwegsbeteiligung bei Anaphylaxie
Feuchte grobblasige Rasselgeräusche: typisch für pulmonale Stauung bzw. kardiales Lungenödem
Asymmetrische Atemgeräusche: Verdacht auf Pneumothorax, insbesondere Spannungspneumothorax als Ursache eines obstruktiven Schocks
Abdomen:
Fehlende Darmgeräusche („Totenstille“): Hinweis auf paralytischen Ileus, z. B. bei schwerer Sepsis
Hochgestellte Darmgeräusche: möglich bei mechanischem Ileus oder frühen Schockstadien mit gesteigerter Darmmotilität
Vitalparameter
Pulsoxymetrie: trotz normwertiger Sauerstoffsättigung kann bei einer Anämie eine Sauerstoffunterversorgung des Gewebes vorliegen
Atemfrequenz: erhöht
Sauerstoffsättigung: abhängig von der Perfusion
Herzfrequenz: erhöht, im Spätstadium erniedrigt (Ausnahme: bradykarde Herzrhythmusstörungen)
Blutdruck: initial normoton, im Verlauf erniedrigt
Temperatur: normal bis erniedrigt; bei septischem Schock erhöht
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Info
Die dargestellten Maßnahmen orientieren sich an den Empfehlungen des Deutschen Berufsverbands Rettungsdienst (DBRD) und werden durch weitere spezifische, leitliniengerechte Maßnahmen ergänzt, um eine strukturierte und evidenzbasierte Versorgung von Patient:innen sicherzustellen.
Merke
Im Vordergrund steht die Kreislaufstabilisierung und ggf. Therapie der Schockursache (z.B. Blutstillung).
Basismaßnahmen
Kreislaufmonitoring: Erheben von Herzfrequenz, Sauerstoffsättigung und Blutdruck
Lagerung: Schocklagerung anstreben, ggf. angepasst an Symptomatik und Schockursache
O2-Gabe: 12–15 l/min über Maske
Wärmeerhalt sichern
Achtung
Keine Schocklagerung bei Schädel-Hirn-Trauma, Beckenverletzungen oderbei Verdacht auf ein rupturiertes Bauchaortenaneurysma!
Spezifische Maßnahmen
Hypovolämischer Schock:
Volumengabe mittels Vollelektrolytlösung 500-1000 ml zügig infundieren
Bei persistierender Schocksymptomatik: weitere Volumengabe, angepasst an Volumenstatus → Zeichen der Überwässerung beachten
Bei persistierender Schocksymptomatik trotz ausgeprägter und wiederholter Volumengabe (ca. 2 Liter): medikamentöse Kreislaufunterstützung, z.B. Noradrenalin 0,1–1 μg/kgKG/min i.v
Hämorrhagischer Schock:
Akute Blutstillung:
Druckverband, Tourniquet bei Extremitätenblutungen
Notfalloperation bei innerer Blutung
Info
Druckverband
Sterile Kompresse auf die Wunde legen
Zweimal mit einer Mullbinde umwickeln
Nicht saugfähiges Druckpolster auf die Wunde legen (größer als die Wunde)
Restliche Mullbinde umwickeln
Enden der Mullbinde verknoten
Tourniquet
Anlageort: 5 cm proximal der Wunde
Faustregel: So weit distal wie möglich → Um so viel gesundes Gewebe wie möglich zu schonen
Nicht über Kleidung, Gelenke, Wunden oder Frakturen anbringen
Ausreichende Analgesie sicherstellen
Um die Extremität legen und unter Druck schließen (Puls sollte nicht mehr tastbar sein)
Regelmäßige Reevaluation und Entfernung nach spätestens 2 Stunden
Volumentherapie:
Normotonie bei kontrollierbaren Blutungen anstreben (systolischer Zieldruck: 120 mmHg)
Permissive Hypotonie bei nicht kontrollierbaren Blutungen anstreben (systolischer Zieldruck: 80-90 mmHg)
Gabe von Tranexamsäure 1g i.v. als Kurzinfusion über 10 min erwägen
Definition
Permissive Hypotonie
Dieses Verfahren bezeichnet die gezielte Duldung eines niedrigen Blutdrucks (systolisch 80–90 mmHg) bei Patient:innen mit unkontrollierter Blutung, um die Blutung nicht zu verstärken und dennoch eine Perfusion lebenswichtiger Organe zu ermöglichen. Dieses Vorgehen wird bis zur definitiven Blutungskontrolle angewendet und erfordert eine engmaschige Überwachung.
Kardiogener Schock:
Therapie je nach Ursache (siehe kardiale Dekompensation, Lungenödem, instabile Tachykardien, bedrohliche Bradykardie, Perikardtamponade, akutes Koronarsyndrom etc.)
Lagerung je nach Symptomatik: bei kardialem Lungenödem Oberkörperhochlagerung
Bei ausgeprägtem kardiogenem Schock mit reduzierter Pumpfunktion: medikamentöse Kreislaufunterstützung (z.B. mit Dobutamin 2,5-10 µg/kg KG/min i.v. und Noradrenalin 0,1–1 μg/kgKG/min i.v
Achtung
Beim kardiogenen Schock sollte eine Hypervolämie unbedingt vermieden werden. Eine angepasste Volumentherapie ist daher essenziell.
Obstruktiver Schock:
Die Therapie des obstruktiven Schocks richtet sich nach der Ursache (siehe Lungenarterienembolie, Spannungspneumothorax, Perikardtamponade, Aortendissektion)
Bei überwiegender Kreislaufstörung: meist Flachlagerung
Bei Atemstörungen: Oberkörperhochlagerung
Großzügige Volumengabe mit Vollelektrolytlösung 20 ml/kgKG i.v.
Medikamentengabe:
Adrenalin intramuskulär 0,5 mg in die Außenseite des Oberschenkels, ggf. Wiederholung alle 5-10 min
Bei persistierender Hypotonie (RRsyst. <70 mmHG): Adrenalin 0,05 mg i.v. alle 3-5 min intravenös erwägen
Adrenalin inhalativ 4 mg über Verneblermaske bei überwiegender Atmungsstörung (Schwellung der Atemwege, Stridor)
Ggf. intravenöse Gabe von H1-Antihistaminika, z.B. Dimetinden 0,1 mg/kgKG i.v., max. 8 mg oder Clemastin 0,05 mg/kgKG i.v.
Ggf. H2-Blocker, z.B. Cimetidin 200 mg i.v.
Neurogener Schock:
Steigerung des Gefäßtonus und somit des Blutdrucks mittels Vasopressoren, z.B. Noradrenalin 0,1–1 μg/kgKG/min i.v
Volumensubstitution
Achsengerechte Umlagerung und Immobilisation mittels Vakuummatratze
Septischer Schock:
Die Therapie sollte schnellstmöglich (innerhalb von einer Stunde) erfolgen
Volumenmanagement:
Volumensubstitution mit Vollelektrolytlösung30 ml/kgKG in den ersten 3 Stunden
Wenn MAP < 65 mmHg: Katecholamine, z.B. Noradrenalin0,1–1 μg/kgKG/min i.v
Präklinische Gabe eines Breitspektrumantibiotikums möglich
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Info
Hier wird exemplarisch das Management des hämorrhagischen Schocks dargestellt. Die Algorithmen zu anderen Krankheitsbildern, wie Sepsis oder Anaphylaxie, sind bei den jeweiligen Krankheitsbildern zu finden.
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Besondere Patientengruppen
Kinder:
Schocksymptome oft erst spät sichtbar (z.B. Hypotonie bei 30 % Blutverlust)
Maßnahmen: Altersgerechte Volumengabe und Medikamentendosierung
Schwangere:
Lageveränderung zur Entlastung der Vena cava inferior (Linksseitenlage)
Ältere Menschen:
Geringere Kompensationsmechanismen
Symptome oft unspezifisch
Umgebungsbedingte Schocksituationen
Hypothermie:
Erhöhtes Risiko für eine verminderte Gerinnungsfähigkeit des Blutes und eine Kreislaufinsuffizienz
Ein Lagerungswechsel wird bei moderater bis schwerer Hypothermie potenziell gefährlich. Ab einer Körperkerntemperatur von etwa < 32 °C besteht ein erhöhtes Risiko für lebensbedrohliche Komplikationen wie Kammerflimmern. Bei einer Körperkerntemperatur von < 30 °C steigt dieses Risiko noch weiter an, weshalb besondere Vorsicht geboten ist.
Hitzeschock:
Flüssigkeitsmangel und Hyperthermie
Maßnahmen: Flüssigkeitsgabe, aktive Kühlung
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Zielkrankenhaus
Grundsätzlich sollte der Transport in eine Klinik mit Schockraum, Intensivkapazität und einer 24-h-Notfallversorgung erfolgen. Die Auswahl richtet sich dabei nach der vermuteten Schockursache.
Kardiogener Schock → Klinik mit kardiologischer Versorgung und Herzkatheterlabor (PCI-Bereitschaft)
Hypovolämischer / hämorrhagischer Schock → Traumazentrum bzw. chirurgische Klinik mit unmittelbarer OP-Bereitschaft
Septischer Schock → Zentrum mit intensivmedizinischer und infektiologischer Expertise
Anaphylaktischer Schock → Notaufnahme mit Möglichkeit zur erweiterten Akut- und Intensivtherapie
Neurogener Schock → Klinik mit Neurochirurgie bzw. Wirbelsäulenchirurgie bei Verdacht auf Rückenmarksverletzung
Achtung
Je nach Verletzungsschwere ist auch ein Transport mittels Rettungshubschrauber möglich. Dies kann zum Beispiel bei Verletzungen mit Beteiligung der Wirbelsäule oder bei Vorliegen eines Polytraumas der Fall sein. Diese Entscheidung muss von Fall zu Fall abgewogen werden.
Transportbegleitende Maßnahmen
Sauerstofftherapie: angepasste Sauerstoffgabe zur Verbesserung der Gewebeoxygenierung
Wärmeerhalt: Vermeidung von Hypothermie durch Wärmeerhalt, Warmhaltefolie und ggf. erwärmte Infusionen
EKG-Übermittlung: bei Verdacht auf kardiale Ursache frühzeitige telemedizinische Voranmeldung und Übermittlung des 12-Kanal-EKGs
Transportzielzeit: insbesondere beim kardiogenen Schock bzw. ACS rascher Transport mit Sicherstellung einer zeitkritischen PCI-Versorgung
Monitoring: kontinuierliche Überwachung von EKG, Blutdruck, SpO₂ und Bewusstseinslage
Reanimationsbereitschaft: insbesondere bei kardiogenem Schock, relevanten Rhythmusstörungen oder drohendem Kreislaufstillstand jederzeit herstellen
Hygiene und Infektionsschutz: bei Verdacht auf septischen Schock frühzeitige Einschätzung des Infektionsrisikos und Einhaltung geeigneter Hygienemaßnahmen
Angepasste Lagerung: Schockform- und symptomorientierte Positionierung zur Optimierung von Kreislauf, Atmung und Organperfusion (z.B. Oberkörperhochlagerung bei Lungenödem, Schocklagerung bei Hypovolämie unter Beachtung von Kontraindikationen)
Übergabe in der Klinik
Strukturierte Übergabe nach standardisierten Schemata wie SINNHAFT oder ISOBAR
Übergabe relevanter Informationen zu:
Ereignis, Vitalparametern, klinischem Verlauf, Maßnahmen und verabreichten Medikamenten
Hämorrhagischer Schock / Polytrauma: direkte Übergabe an das Schockraumteam mit exakter Zeitdokumentation
Septischer Schock: Übergabe von vermutetem Infektionsfokus, Temperatur, applizierten Volumina und vorhandenen Zugängen
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Zur Zusammenfassung hier die Hard Facts, die bei der Examensvorbereitung oder im Einsatz helfen können:
Definition
Schock
Ein Schock ist ein akutes, lebensbedrohliches Kreislaufversagen, bei dem das Herzzeitvolumen (HZV) bzw. die effektive Gewebeperfusion nicht mehr ausreicht, um eine adäquate Sauerstoff- und Nährstoffversorgung der Organe sicherzustellen. Infolge der verminderten Kapillardurchblutung kommt es zu Gewebehypoxie, anaerobem Stoffwechsel und schließlich zu einer metabolischen Azidose. Unbehandelt kann der Schock in ein Multiorganversagen übergehen.
Ursachen:
Schockform
Typische Ursachen / Auslöser
Hypovolämischer Schock
Hypovolämischer Schock
Flüssigkeitsverlust, z.B. durch Erbrechen, Durchfall, Verbrennungen, Pankreatitis, Diuretikatherapie oder Dehydratation
Hämorrhagischer Schock
Blutverlust, z.B. durch Trauma, GI-Blutung, peripartale blutung
Rasche hämodynamische Dekompensation ohne unmittelbare Beseitigung der Ursache
Klinischer Eindruck:
Allgemeine Symptome:
Tachykardie: Kann in Abhängigkeit von der Schockart auch fehlen
Hypotonie: Phasenabhängig
Blasse und kaltschweißige Haut: Kann in Abhängigkeit von der Schockart auch fehlen
Tachypnoe: Anstieg der Atemfrequenz auf > 20/min
Rekap-Zeit > 2 Sekunden
Unruhe und Angst
Symptome nach Schockursache:
Schockform
Typische klinische Symptome
Hypovolämischer Schock
Hypotonie
Tachykardie, Tachypnoe und Zentralisation
Oligurie bis Anurie
Verwirrtheit und Bewusstseinsstörungen
Hinweise auf Volumenmangel wie kollabierte Halsvenen, trockene Schleimhäute, verminderter Hautturgor oder weiche Bulbi
Zusätzlich ursachenspezifische Symptome wie Blutung, Hämatemesis, Teerstuhl oder Diarrhö
Kardiogener / obstruktiver Schock
Dyspnoe infolge pulmonaler Stauung oder Lungenödem
Gestaute Halsvenen
Blässe, Zyanose und Kaltschweißigkeit
Je nach Ursache zusätzlich Thoraxschmerz, Rhythmusstörungen oder asymmetrische Atemgeräusche
Anaphylaktischer Schock
Urtikaria, Flush und Juckreiz
Larynxödem und Bronchospasmus mit bedrohlicher Dyspnoe
Tachykardie, Hypotonie
Bewusstseinseintrübung bis zum kardiopulmonalen Versagen
Septischer Schock
Frühe Phase häufig mit warmer, trockener Haut („warm shock“) und initial noch stabilen Kreislaufparametern
Später Übergang zu Blässe, Kaltschweißigkeit, Hypotonie, Tachykardie und Oligurie
Zusätzlich Fieber, Desorientiertheit und Symptome des zugrunde liegenden Infektionsfokus
Neurogener Schock
Hypotonie bei fehlender kompensatorischer Tachykardie bzw. relativer Bradykardie
Warme Haut durch Vasodilatation
Neurologische Ausfälle, Sensibilitätsstörungen und ggf. Verlust spinaler Reflexe bei hoher Rückenmarksläsion
Diagnostik:
Anamnese zur Erhebung eines expliziten Ereignisses (z.B. bei anaphylaktischem Schock)
Inspektion:
Blässe: Hinweis auf periphere Minderperfusion bzw. relevanten Blut- oder Volumenverlust, insbesondere beim hypovolämischen Schock
Marmorierte Haut: Zeichen einer Zentralisation und gestörten Mikrozirkulation bei fortgeschrittenem Schockgeschehen
Zyanose: Ausdruck einer Hypoxämie oder systemischen Minderperfusion
Erythem, Urtikaria und Juckreiz: typische Manifestationen eines anaphylaktischen Schocks; ggf. Hinweise auf Allergenkontakt wie Insektenstich oder Arzneimittelexanthem
Bewusstseinsveränderungen: Vigilanzminderung oder Verwirrtheit als Zeichen einer zerebralen Minderperfusion
Atem- und Bewegungsmuster beurteilen: Dyspnoe, Unruhe sowie Brady- oder Tachypnoe können Hinweise auf respiratorische oder hämodynamische Dekompensation geben
Palpation:
Rekapillarisierungszeit > 2 Sekunden: Hinweis auf gestörte periphere Perfusion bzw. Hypoperfusion
Hauttemperatur:
Kalte, feuchte Haut → typische Zentralisation bei hypovolämischem oder kardiogenem Schock
Warme Haut → möglich bei septischem oder anaphylaktischem Schock infolge peripherer Vasodilatation
Pulsqualität:
Tachykardie: häufig kompensatorische Reaktion im Schock
Bradykardie: möglich bei neurogenem Schock oder medikamentöser Beeinflussung
Schwacher, fadenförmiger Puls: typisch bei fortgeschrittenem Schockzustand
Abdominelle Abwehrspannung: Hinweis auf intraabdominelle Blutung oder entzündliche Ursachen wie Peritonitis bzw. Sepsis
Perkussion:
Physiologischerweise tympanischer Klopfschall über luftgefüllten und gedämpfter Schall über flüssigkeitsreichen Arealen
Gedämpfter Klopfschall über den Lungenbasen → Hinweis auf Pleuraergüsse oder pulmonale Stauung/Lungenödem
Klopfschmerz über den Nierenlagern → Hinweis auf Pyelonephritis bzw. Urosepsis als potenzielle Schockursache
Hinweise auf freie Flüssigkeit im Abdomen → Verdacht auf intraabdominelle Blutung, z.B. bei Milzruptur
Auskultation:
Lunge:
Stridor oder Giemen: Hinweis auf obere bzw. untere Atemwegsbeteiligung bei Anaphylaxie
Feuchte grobblasige Rasselgeräusche: typisch für pulmonale Stauung bzw. kardiales Lungenödem
Asymmetrische Atemgeräusche: Verdacht auf Pneumothorax, insbesondere Spannungspneumothorax als Ursache eines obstruktiven Schocks
Abdomen:
Fehlende Darmgeräusche („Totenstille“): Hinweis auf paralytischen Ileus, z. B. bei schwerer Sepsis
Hochgestellte Darmgeräusche: möglich bei mechanischem Ileus oder frühen Schockstadien mit gesteigerter Darmmotilität
Therapie:
Kreislaufmonitoring: Erheben von Herzfrequenz, Sauerstoffsättigung und Blutdruck
i.v.-Zugang und Volumensubstitution mittels Vollelektrolytlösung
Lagerung: abhängig von Symptomatik und Schockursache
O2-Gabe: abhängig von der Schockform 12–15 l/min über Maske
Wärmeerhalt sichern
Spezifische Maßnahmen sind abhängig vom vorliegenden Schock
Merke
Im Vordergrund steht die Kreislaufstabilisierung und ggf. Therapie der Schockursache (z.B. Blutstillung).
Besondere Patientengruppen:
Kinder:
Schocksymptome oft erst spät sichtbar (z. B. Hypotonie bei 30 % Blutverlust)
Maßnahmen: Altersgerechte Volumengabe und Medikamentendosierung
Schwangere:
Lageveränderung zur Entlastung der Vena cava inferior (Linksseitenlage)
Ältere Menschen:
Geringere Kompensationsmechanismen
Symptome oft unspezifisch
Transport:
Grundsätzlich sollte der Transport in eine Klinik mit Schockraum, Intensivkapazität und einer 24-h-Notfallversorgung erfolgen. Die Auswahl richtet sich dabei nach der vermuteten Schockursache.
Kardiogener Schock → Klinik mit kardiologischer Versorgung und Herzkatheterlabor (PCI-Bereitschaft)
Hypovolämischer / hämorrhagischer Schock → Traumazentrum bzw. chirurgische Klinik mit unmittelbarer OP-Bereitschaft
Septischer Schock → Zentrum mit intensivmedizinischer und infektiologischer Expertise
Anaphylaktischer Schock → Notaufnahme mit Möglichkeit zur erweiterten Akut- und Intensivtherapie
Neurogener Schock → Klinik mit Neurochirurgie bzw. Wirbelsäulenchirurgie bei Verdacht auf Rückenmarksverletzung
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Tipp
Wenn ihr mehrInformationen und weiteretherapeutischeMaßnahmen erfahren möchtet, empfehlen wir euch die verlinktenArtikel aus dem klinischenBereich.
Schock
Algorithmus: Schock
Algorithmus: Schock Differenzialdiagnostik
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