Einleitung Herzschrittmacher
Bradykarde Herzrhythmusstörungen können eine Indikation für einen Herzschrittmacher sein. Herzschrittmacher werden meistens subkutan implantiert. Sie bestehen aus einem Aggregat und aus Sonden, die die vom Aggregat generierten Stromimpulse an das Myokard abgeben und zu einer Kontraktion führen.
Das Schrittmacheraggregat zeichnet die Herzaktion in Form eines EKGs auf und speichert dieses. Bei einer Schrittmacherkontrolle kann man zurückliegende Rhythmusereignisse auslesen.
EKG-Veränderungen

Die Schrittmacherstimulationen führen zu Veränderungen im EKG und es kann sich ein sogenanntes Schrittmacher-EKG darstellen. Die Schrittmacherstimulationen führen zu Veränderungen im EKG. Stimulationsartefakte können je nach System (uni-/bipolar), Ableitung und Geräteeinstellungen deutlich sichtbar oder sehr klein sein
In diesem Beispiel findet die Schrittmacherstimulation an der mit einem Blitz markierten Stelle statt. Im EKG äußert sich dies als sogenanntes Stimulationsartefakt. An der Lage des Stimulationsartefaktes lässt sich erkennen, ob die Stimulation in den Vorhöfen oder den Kammern stattfindet.
InfoMonopolares vs. bipolares Schrittmachersystem – warum nicht immer ein Spike sichtbar ist
Bei monopolarer Stimulation erfolgt die Erregung von der Sondenspitze zum Aggregat (Device). Der resultierende Stromkreis ist groß, sodass der Stimulationsimpuls im Oberflächen-EKG meist als deutlicher Spike sichtbar ist.
Bei bipolarer Stimulation liegen Kathode und Anode beide an der Sondenspitze. Der Stromkreis ist sehr klein, wodurch der Stimulationsimpuls im EKG deutlich abgeschwächt oder gar nicht sichtbar sein kann.
Konsequenz:
Ein fehlender Spike schließt eine Schrittmacherstimulation nicht aus. Entscheidend ist der stimulierte QRS-Komplex, nicht die Sichtbarkeit des Spikes.
Stimulationsorte der Schrittmachersonden
Bei der atrialen Stimulation kommt es zu einer Stromabgabe im Vorhof. Diese erkennt man an dem Stimulationsartefakt vor der P-Welle
Die ventrikuläre Stimulation erkennt man daran, dass das Stimulationsartefakt vor dem QRS-Komplex
Grundfrequenz
Schrittmacher haben verschiedene Modi. Es sollte nur zu einer Stimulation kommen, wenn kein Eigenrhythmus vorhanden ist, bzw. der Eigenrhythmus bradykard
Die Grundfrequenz der meisten Schrittmacher wird auf 50-60 Schläge pro Minute eingestellt. Das heißt, dass bei jeder Herzfrequenz
Atriale Stimulation
Atrialsonden liegen meistens im rechten Vorhof
Ventrikuläre Stimulation
Die ventrikuläre Stimulation erfolgt meistens im apikalen rechten Ventrikel. Die Erregung breitet sich von dort auf den linken Ventrikel
Zunehmend werden die Elektroden auch septal bzw. konduktionsnah angebracht, um eine dyssynchrone Aktivierung der Ventrikel zu reduzieren. Bei diesen kann der QRS-Komplex
Aufgrund der veränderten Erregungsausbreitung
Cardiac Resynchronization Therapy (CRT)
Bei den CRT-Systemen liegt eine Sonde im Vorhof, eine Sonde in der rechten Kammer und eine Sonde wird über den Sinus coronarius zum linken Ventrikel geführt.
Indikation für eine kardiale Resynchronisationstherapie (CRT):
- Symptomatische Patienten
- Mit Sinusrhythmus
- Und einer Herzinsuffizienz mit reduzierter Pumpfunktion: LVEF ≤35 %
- Und einer elektrischen Asynchronie (verzögerte Erregungsausbreitung
, oft durch Linksschenkelblock , QRS-Dauer ≥130 ms)
Das Ziel ist die Synchronisation der Kammerkontraktion, um die Auswurfleistung zu verbessern, was die Lebensqualität und Überlebensrate steigern kann. Häufig wird auch ein integrierter Defibrillator (CRT-D) bei einer Gefahr eines plötzlichen Herztodes eingesetzt.
Im EKG lässt sich dies ggf. an drei Stimulationsartefakten erkennen. Ein Stimulationsartefakt liegt vor der P-Welle
Die QRS-Dauer liegt um die 160 ms.
Fallbeispiel
Folgend haben wir ein kleines Fallbeispiel dargestellt.
Im ersten EKG liegt ein Linksschenkelblock
Bei der rechtsventrikulären Stimulation lässt sich ein negativer
QRS-Komplex
Bei der linksventrikulären Stimulation ist der QRS-Komplex
Beim CRT besteht eine biventrikuläre Stimulation, entsprechend stellen sich zwei Stimulationsartefakte dar.
Fusion & Pseudofusion
Fusion
Fusion entsteht, wenn eine ventrikuläre Erregung gleichzeitig durch die Eigenleitung des Herzens und durch einen Schrittmacherimpuls ausgelöst wird. Dadurch kommt es zu einer gemischten Depolarisation
Pseudofusion
Von einer Pseudofusion spricht man, wenn zwar ein Stimulationsartefakt im EKG sichtbar ist, der Ventrikel zu diesem Zeitpunkt jedoch bereits durch die Eigenleitung aktiviert ist. Der Schrittmacherimpuls fällt dann in refraktäres bzw. bereits depolarisiertes Myokard und führt nicht zu einer zusätzlichen Erregung. Im EKG zeigt sich deshalb ein QRS-Komplex

Fehlfunktionen
Im EKG lassen sich weiterhin Schrittmacherfehlfunktionen erkennen.
Beim Capture Versagen kommt es zu einer Schrittmacherstimulation ohne myokardiale Erregung. In diesem Beispiel lässt sich eine Vorhofstimulation in Rot erkennen. Die P
Beim Undersensing erkennt der Schrittmacher die physiologische Herzerregung nicht und gibt trotz regelrechtem Rhythmus einen Reiz ab. In diesem Beispiel werden der Sinusrhythmus
Beim Stimulationsversagen kommt es trotz ausbleibender Erregung des Herzens und bradykarden Rhythmen zu keiner Schrittmacherstimulation.
Beim Oversensing nimmt der Schrittmacher fälschlicherweise eine Herzaktion dar. Bei einem DDD-Schrittmacher kann es bei einem atrialen Oversensing so zu einer inadäquat schnellen ventrikulären Stimulation bzw. schrittmachervermittelten Tachykardie

Weiterhin kann es zu einer schrittmachervermittelten Tachykardie
Schrittmachervermittelte Tachykardien
Klinisch können sie sich durch ein unangenehmes Halsklopfen bemerkbar machen. Ursache ist eine Vorhofkontraktion gegen eine geschlossene AV-Klappe
Ischämienachweis bei Schrittmacherstimulation
Bei einer isolierten Vorhofstimulation kommt es zu keiner Veränderung der Erregungsausbreitung
Bei einer ventrikulären Stimulation kommt es zu einer veränderten
QRS-Morphologie und entsprechenden Erregungsrückbildungsstörungen
Bei einem Ischämieverdacht können die aktuellen EKGs
EKG-Lernkarten zum Download
Fallbeispiel
Für praktische EKG-Fallbeispiele zum Thema zum Üben der EKG-Auswertung
Für viele weitere praktische EKG-Fallbeispiele zum Üben siehe Ordner EKG-Fallbeispiele oder EKG-Fallbeispiele-Kurs.
Video
Quellen
- Leitlinie: Schrittmacher- und kardiale Resynchronisationstherapie, European Society of Cardiology (ESC) Deutsche Gesellschaft für Kardiologie (DGK)


