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Sprechfunk im Rettungsdienst (RD)

Digitalfunk, Analogfunk
26 Minuten Lesezeit

Ob Notfalleinsatz, Großschadenslage oder Patiententransport – ohne strukturierte Kommunikation ist eine koordinierte Versorgung im Rettungsdienst nicht möglich. Der Sprechfunk ist das zentrale Werkzeug, um einsatzrelevante Informationen schnell, präzise und standardisiert zu übermitteln.

Der Artikel erläutert die Grundlagen des Sprechfunks im Rettungsdienst, stellt typische Fehlerquellen dar und gibt konkrete Hinweise für die Anwendung im Einsatz.

Um den Einstieg in das Thema „Sprechfunk im Rettungsdienst“ etwas zu erleichtern, wird im Folgenden ein Fall beschrieben, wie er sich präklinisch ereignen könnte.

Beschreibung des Szenarios:

Ein Rettungswagen (RTW) ist auf dem Weg zu einem gemeldeten Verkehrsunfall mit mehreren Beteiligten. Die Einsatzmeldung der Leitstelle lautet: „Verkehrsunfall, unklare Lage, vermutlich mehrere Verletzte“. Der Einsatzort liegt auf einer stark befahrenen innerstädtischen Straße. Aufgrund der potenziellen Lageeskalation und der unklaren Patient:innenzahl wird parallel ein Notarzteinsatzfahrzeug (NEF) sowie die Feuerwehr alarmiert.

Lage während der Anfahrt:

Der Fahrer konzentriert sich auf das sichere Fahren mit Sondersignal im Stadtverkehr. Der Beifahrer übernimmt währenddessen den Sprechfunk. Er bleibt im Kontakt mit der Leitstelle, um Rückfragen zu klären und wichtige Lagemeldungen durchzugeben.

Funkdialog über BOS-Sprechfunk:

Leitstelle Bochum von RTW 6-83-1, kommen.“
Leitstelle hört.“
„RTW 6-83-1, wir sind auf Anfahrt. Bitte um Rückmeldung: Gibt es neue Informationen zur Lage vor Ort? Kommen.“
„Bisher keine weiteren Details. Polizei bereits eingetroffen, meldet zwei verletzte Personen, davon eine bewusstlos. Kommen.“
„Verstanden. Ankunft in ca. 4 Minuten. Ende.“

Fallbeispiel Sprechfunk

Im Rettungsdienst werden Funkverbindungen zur Kommunikation genutzt, sowohl im analogen als auch im digitalen Sprechfunk. Dabei werden Informationen über elektromagnetische Wellen übertragen, wie sie auch im Mobilfunk, WLAN oder in medizinischen Geräten (z.B. CT) verwendet werden.

Funkwellen besitzen drei physikalische Eigenschaften:

  • Frequenz (f): Anzahl der Schwingungen pro Sekunde, gemessen in Hertz (Hz)
  • Wellenlänge (λ): Abstand zwischen zwei Wellenbergen
  • Amplitude (A): maximale Auslenkung der Welle – beeinflusst die Signalstärke
Eigenschaften von Funkwellen

Analoger Sprechfunk nutzt Radiowellen (Wellenlänge > 1 m, Frequenz < 300 MHz), während Digitalfunk auf Mikrowellen basiert (Wellenlänge 1 mm bis 1 m, Frequenz 300 MHz bis 3 GHz).

Die Reichweite einer Funkverbindung, also die Distanz, bei der eine Verständigung noch möglich ist, hängt ab von:

  • Sendeleistung und Empfangsempfindlichkeit
  • Frequenz
  • Antennenbauart und -höhe
  • Umgebung (z.B. Bebauung, Gelände, Wetter)
 Info
Wichtiger Praxishinweis:

Funkwellen verhalten sich wie Lichtstrahlen – sie breiten sich geradlinig aus.

Hindernisse wie Gebäude, Berge oder Tunnel können das Signal:

  • Abschirmen (Funkloch)
  • Dämpfen (Signalabschwächung)
  • Reflektieren (Richtungsänderung)
  • Oder beugen (Ablenkung an Kanten)

In der Praxis können auch Personen, Fahrzeuge oder Metallkonstruktionen in der Nähe eines Handfunkgeräts den Empfang deutlich stören. Freie Sicht zur Gegenstelle bietet die beste Funkqualität. Bei Empfangsproblemen hilft oft schon ein Standortwechsel um wenige Meter.

Die Signalstärke nimmt mit dem Quadrat der Entfernung ab – doppelte Entfernung = nur noch ¼ der Signalintensität

Analogfunk vs. Digitalfunk

Der Übergang vom Analog- zum Digitalfunk wurde in den vergangenen Jahren sukzessive vorangetrieben, wobei der Digitalfunk in einem ersten Bundesland im Jahr 2012 in Betrieb genommen wurde. Auch der Analogfunk existiert noch und wird in einigen Fällen als Rückfallebene aufrechterhalten. Der Digitalfunk zeichnet sich durch eine Reihe von Vorteilen aus, darunter die Abhörsicherheit, die verbesserte Sprachqualität und die optimierte Verbindungssicherheit. Die Netzabdeckung von 99,2 % wird durch 5.000 Basisstationen gewährleistet. Im Folgenden werden einige Fakten bezüglich der beiden Funktechniken dargelegt.

Analogfunk:

  • Technik:
    • Schallwellen werden direkt im Funkgerät umgewandelt
    • Empfangsgerät wandelt diese wieder in Audiosignale um
    • Rauschfilter: filtert Störgeräusche heraus
    • Reichweiten sind gering, bei optimalen Bedingungen kann diese mehrere 100 km erzielen
Analogfunk Kanäle
  • Kommunikation:
    • Über fest zugewiesene Funkkanäle
    • Funkkanäle innerhalb Deutschland mehrfach vergeben
    • Kann zu Überlastung führen
  • Infrastruktur:
    • Meist regional begrenzte Funknetze
    • Mit Zwischenfunkstellen (Relaisfunkstellen) zur Verstärkung der Funksignale → flächendeckende Funkverbindung

Digitalfunk:

  • Technik:
    • Das Funkgerät wandelt die Audiosignale digital in binäre Datencodes (Nullen und Einsen) um
    • Vocoder tastet die Amplitude der Schallwellen ab → identifiziert Störgeräusche (codiert diese nicht)
    • Datencode wird in komprimierten Funkwellen umgewandelt
    • Endgerät decodiert diese und wandelt sie in Audiosignale um
Digitalfunk Kanäle - Bündelfunk
  • Kommunikation:
    • Nicht-öffentlicher Landfunk mit dem Funkstandard TETRA (zu Deutsch: terrestrischer Bündelfunk) im 400 MHz-Bereich
    • Keine fest zugeteilte Frequenz
    • Unterteilung in Kanäle und zugewiesenen Gruppen
    • Sobald das Funkgespräch aufgebaut wird, wird automatisch eine Frequenz zugeordnet
    • Mehrere Kanäle werden im Bündelfunk zusammengelegt und bilden Nutzergruppen
    • Vorteile: Verschlüsselung und Abhörsicherheit
  • Infrastruktur:
    • Ähnelt dem des Mobilfunknetzes
    • Mehrere Funkzellen, die sich überlappen
    • Funkzelle beinhaltet ortsfeste Übertragungseinheit (Basisstation), bestehende aus Technikeinheit und Antenne
    • Basisstationen übertragen die Daten über Funk oder Kabel an eine Vermittlungsstelle
    • Anhand der zugeordneten Funkkennung leitet sie die Daten an die entsprechende Empfänger-Basisstation weiter
    • Kommunikation bundesweit möglich
  • Direct Mode: Es kann zu einer direkten Verbindung zwischen zwei Funkgeräten kommen, ohne eine Basisstation mit einzubeziehen
Dauer und Ablauf eines Funkgesprächs - Digitalfunk
 Tipp
Denken - Drücken - Warten - Sprechen!

Da sich im Digitalfunk erst der Sprechweg aufbaut, kommt es für den Rufaufbau zu einer Verzögerung von maximal 0,5 Sekunden. Daher ist im Digitalfunk nach dem Drücken der Push-to-talk-Taste eine kurze Wartezeit erforderlich, bis ein Piepsgeräusch wahrgenommen wird, da erst dann der Sprechweg frei ist.

Funkgeräte und Betriebsarten

Welche Funkgeräte gibt es und welches kann was? Diese Fragen stellen sich insbesondere Neulinge im digitalen BOS-Funkbetrieb. Die folgende Übersicht soll eine komprimierte, aber differenzierte Einordnung der verschiedenen Gerätetypen sowie Betriebsarten ermöglichen und deren jeweilige Einsatzbereiche verständlich machen.

Endgeräte im Digitalfunk lassen sich nach ihrem Einsatzbereich und ihrer Bauform in drei Hauptkategorien unterteilen:

  • MRT (Mobile Radio Terminal): Hierbei handelt es sich um fest verbaute Fahrzeugfunkgeräte, die eine hohe Sendeleistung und damit eine große Reichweite besitzen. Sie sind primär in Einsatzfahrzeugen integriert und dienen der Kommunikation im TMO (Trunked Mode Operation) sowie teilweise im DMO-Modus (Direct Mode Operation) über angeschlossene DMO-Gateways
  • HRT (Handheld Radio Terminal): Dies sind tragbare Handfunkgeräte, die primär im Einsatzstellenfunk (DMO) sowie im Netzbetrieb (TMO) verwendet werden. Sie ermöglichen den flexiblen, mobilen Einsatz durch Einsatzkräfte vor Ort
  • FRT (Fixed Radio Terminal): Dabei handelt es sich um stationäre Funkstellen, die in Leitstellen oder fest installierten Orten verwendet werden. Sie sind meist dauerhaft in das Funknetz integriert und ermöglichen eine kontinuierliche Kommunikation im Netzbetrieb

Funkverstärker dienen der Reichweitenerweiterung und der Verbesserung der Funkabdeckung in komplexen Einsatzlagen oder Gebäudestrukturen:

  • Repeater: Diese arbeiten vorwiegend stationär oder mobil und übertragen eingehende Funksignale in Echtzeit weiter. Sie ermöglichen die Kommunikation über größere Distanzen und sind speziell im DMO-Betrieb als DMO-Repeater relevant
  • Objektfunkanlagen: Sie werden fest in Gebäuden, Tunnelanlagen oder unterirdischen Strukturen installiert und gewährleisten dort eine flächendeckende Funkversorgung, die ohne technische Verstärkung nicht gegeben wäre

Die Betriebsarten im Digitalfunk unterscheiden sich hinsichtlich der Infrastrukturabhängigkeit:

  • TMO (Trunked Mode Operation) bezeichnet den netzgestützten Funkbetrieb über die digitale BOS-Infrastruktur. Er ist vergleichbar mit dem klassischen, analogen 4-Meter-Funk im analogen System und wird für die überregionale Kommunikation, etwa zwischen Einsatzleitstellen und Fahrzeugen, genutzt
  • DMO (Direct Mode Operation) beschreibt den direkten Funkbetrieb von Gerät zu Gerät, unabhängig von einem Funknetz. Dieser Modus ist besonders wichtig für den Einsatzstellenfunk und entspricht funktional dem analogen 2-Meter-Funk

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Auswahl und Anwendung von Funkgeräten sowie die Wahl der Betriebsart stets lageabhängig und einsatzspezifisch erfolgen muss. Eine sachgerechte Einweisung in die Funktionen und Betriebsarten ist daher unerlässlich, um eine sichere, effiziente und störungsfreie Kommunikation im Einsatz sicherzustellen.

Funkverkehrsarten/-betriebsarten und Sprechfunkverkehr

Funkverkehrsarten / -betriebsarten:

  • Simplex (Wechselverkehr): Regelbetriebsart des DMO → in einem Zeitschlitz wird abwechselnd gesendet und empfangen
  • Halbduplex (bedingter Gegenverkehr): Regelbetriebsart des TMO → in zwei Zeitschlitzen wird abwechselnd gesendet und empfangen
  • Vollduplex (Gegenverkehr, Telefonie): sehr selten vorhanden → auf vier Zeitschlitzen wird gleichzeitig empfangen und gesendet
Sprechfunkverkehr „Kreisverkehr"

Sprechfunkverkehr:

  • Kreisverkehr: meist in der Feuerwehr angewandt → eine Sprechfunkstelle ist als Leitung beauftragt, mehrere Sprechfunkstellen gleichberechtigt → Sprechfunkverkehr unter allen Teilnehmern
  • Sternverkehr: meist im Rettungsdienst angewandt → die Kommunikation erfolgt über eine Sprechfunkstelle → die Leitstelle, als sogenannten Sternkopf
Sprechfunkverkehr „Sternverkehr"

1. Nutzungsrecht:

Die Nutzung des BOS-Funks (Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben) ist gesetzlich geregelt. Die rechtliche Grundlage bildet das Telekommunikationsgesetz (TKG).
Gemäß § 57 Abs. 4 TKG definiert die BOS-Funkrichtlinie, wer den Funk nutzen darf – u. a. Polizei, Feuerwehr, Technisches Hilfswerk.

 Achtung

Der Rettungsdienst darf BOS-Funk nur verwenden, wenn er im öffentlichen Auftrag handelt – z. B. durch Beauftragung der Kommune oder eines Landkreises. Ohne öffentlichen Auftrag besteht kein Nutzungsrecht.

2. Schutz der Kommunikation (Telekommunikationsgeheimnis):

  • Rechtlich geschützt: Nach Artikel 10 Grundgesetz (GG) unterliegt der BOS-Funk dem Fernmeldegeheimnis. Alle Inhalte sind vor unbefugtem Abhören, Aufzeichnen oder Veröffentlichen geschützt
  • Beispiel: Videoaufnahmen mit Funkmitschnitt (z. B. bei Social Media während Einsatzfahrt) sind strafbar

3. Verschwiegenheitspflicht:

Nach § 11 StGB und dem Verpflichtungsgesetz gilt für alle Teilnehmer:innen am BOS-Funk eine Verschwiegenheitspflichtunabhängig vom Status als Amtsträger:in.

 Merke

Jede Person, die am BOS-Sprechfunk teilnimmt, ist zur vertraulichen Behandlung der Inhalte verpflichtet.

4. Dienstvorschriften:

Zwei zentrale Dienstvorschriften regeln den Funkbetrieb:

  • PDV/DV 800: Technische Struktur des BOS-Funks
  • PDV/DV 810: Ablauf und Disziplin des Funkverkehrs

5. Ausbildung & Gerätezulassung:

  • Ausbildungspflicht: Für den Funkbetrieb im Rettungsdienst ist ein abgeschlossener Sprechfunklehrgang im jeweiligen Bundesland Pflicht
  • Gerätezulassung: Im Digitalfunk dürfen ausschließlich Funkgeräte eingesetzt werden, die von der BDBOS (Bundesanstalt für den Digitalfunk der BOS) zertifiziert sind.
    Die technischen Anforderungen sind in der TR BOS (Technische Richtlinie BOS) definiert
 Merke
Funkdisziplin

Damit Funkverkehr im Einsatz effektiv funktioniert, ist Funkdisziplin unerlässlich. Sie umfasst klare Regeln, die laut Dienstvorschrift DV 810 für alle Teilnehmer:innen im analogen und digitalen Funk gelten. Missachtung führt zu Missverständnissen und Zeitverlust, besonders in Stresssituationen. Wichtige Betriebswörter wie „Frage“, „Kommen“ oder „Ende“ sowie das sichere Buchstabieren sind unverzichtbar.

Ein zentrales Element ist der Funkrufname, mit dem jede Einheit eindeutig identifizierbar ist.

Er setzt sich zusammen aus:

  1. Kennwort der Organisation (z.B. „Rotkreuz“ für DRK)
  2. Standortbezeichnung (z.B. Frankfurt 1) → die Zahl bezieht sich auf die Wachnummer
  3. Fahrzeugtyp oder Kennziffer (z.B. 83/2 für RTW) → je nach Bundesland unterschiedlich

Beispiele: „Rotkreuz Frankfurt 1/83/2“ oder „Johannes Flughafen 71/1“ oder „Florian Hamburg 22-RTW-A“

Kennwörter der Organisationen

BOSFunkkennung
LeitstelleLeitstelle
FeuerwehrFlorian
KatastrophenschutzbehördeKater
RettungshubschrauberChristoph
Johanniter Unfall HilfeAkkon
MalteserJohannes
Privater RettungsdienstRettung
Rotes KreuzRotkreuz
ASB (Arbeiter Samariter Bund)Sama

Einheitliche Kennwörter sorgen für strukturierten Funkverkehr zwischen BOS-Einheiten.

Im BOS-Funk wird zwischen drei verschiedenen Sprechfunknachrichten unterschieden: Gespräch, Durchsage und Sprüche. Die Sprüche haben im Rettungsdienst keine Relevanz. Außerdem beinhaltet der Digitalfunk eine Notruftaste, welche den Notruf absetzt und Vorrang allen anderen Gesprächen gegenüber hat.

GesprächDurchsageNotruf

Ein Gespräch ist ein Informationsaustausch zwischen zwei Funkteilnehmer:innen. Es folgt einem festen Ablauf:

  • Rufname der Gegenstelle, dann „von“ + eigener Rufname + „kommen“
  • Antwort mit „hier“, Rufname, „kommen“
  • Kurze, sachliche Nachricht
  • Bestätigung mit „verstanden, kommen“
  • Abschluss mit „Ende“

Betriebswörter wie „Frage“, „kommen“, „Ende“ sorgen für klare Kommunikation. Schwierige Wörter werden mit dem Buchstabieralphabet übermittelt, Zahlen nach festgelegtem Muster ausgesprochen.

Durchsagen richten sich an mehrere Teilnehmer gleichzeitig:

  • „Hier“ + eigener Rufname + „an“ + Adressaten
  • Nachricht senden und einmal wiederholen
  • Bei Bedarf: Empfangsbestätigung einholen

Ein Notruf ist nur bei Gefahr für Leib oder Leben zulässig. Die Auslösung erfolgt:

  • Im Analogfunk über Status 0
  • Im Digitalfunk über die Notruftaste

Der gesprochene Notruf beginnt mit:

  • Dreimal „Mayday“, dann: „Hier“ + Rufname, Standort, Lage, „Mayday, kommen“

Beim digitalen Notruf wird das Mikrofon automatisch aktiviert und der Notruf auf allen Geräten angezeigt.

Für ein reibungslos ablaufendes Funkgespräch sind, neben der Funkdisziplin, einige Einsatzgrundsätze wichtig. Das kommt auch daher, dass es sogenannte „offene Gruppen“ sind, sprich jeder kann jeden hören. Damit kein Chaos ausbricht, sind folgende Grundsätze zu beachten:

Wichtige Grundsätze für das richtige Funken:

  • Funkdisziplin
  • Funkgerät immer besetzt sein
  • Keine laufenden Gespräche unterbrechen, bei einem Notruf ist dieser davon ausgenommen
  • Erst zuhören, denken, dann sprechen
  • Kurz, klar, sachlich
  • Deutlich und ruhig sprechen, nicht zu laut
  • Funkalphabet und Betriebswörter verwenden
  • Zahlen klar aussprechen

Betriebswörter:

BetriebswortErläuterung
Kommen!Antwortsaufforderung
Von … / hier …Vor dem eigenen Namen nennen
VerstandenEmpfangsbestätigung
EndeVerkehrsschluss
Frage …Zur deutlichen Hervorheben einer Frage, vorher nennen
Buchstabieren SieAufforderung zum Buchstabieren
Ich buchstabiere …Ankündigung des Buchstabierens
Wiederholen Sie Aufforderung zum Wiederholen
Ich wiederhole …Ankündigung der Wiederholung
Ich berichtige …Fehlerkorrektur
ÜbungZu Beginn und regelmäßig soll auf eine Übung hingewiesen werden
TatsacheTatsachenmeldung (während Übung)
Mayday3x zu Beginn eines Notrufes

Buchstabieralphabet:

AAntonQQuelle
BBertaRRichard
CCäsarSSiegfried /Samuel
DDoraTTheodor
EEmilUUlrich
FFriedrichVViktor
GGustavWWilhelm
HHeinrichXXaver/Xanthippe
IIdaYYpsilon
JJuliusZZeppelin/Zacharias
KKaufmannÄÄrger
LLudwigÖÖkonom
MMarthaÜÜbermut
NNordpolCHCharlotte
OOttoSCHSchule
PPaulaßEszett
 Tipp

In den kommenden Jahren kann es zu einer Änderung des Buchstabieralphabets (entsprechend der DIN 5009:2022-06) kommen. Wann genau dies übernommen wird, ist derzeit nicht bekannt. Dabei werden die Buchstaben durch Städtenamen ersetzt.

In wenigen Rettungsdienstbereichen wird ebenso das NATO-Alphabet benutzt, dabei handelt es sich um die englische Version des Buchstabieralphabets.

Zahlenaussprache:

ZahlAussprache
0Null
1Eins
2Zwo
3Drei
4Vier
5Fünf / Fünef
6Sechs
7Sieben
8Acht
9Neun
10Zehn

Zur Entlastung des BOS-Sprechfunks wurde im Rettungsdienst das Funkmeldesystem (FMS) eingeführt. Es dient der Übermittlung von Routineinformationen wie Einsatzbereitschaft oder Einsatzübernahme, ohne gesprochenen Funkverkehr. Stattdessen werden Statusmeldungen durch das Drücken einer Zifferntaste am Funkgerät direkt an die Leitstelle übermittelt. Die Fahrzeugkennung wird automatisch mitgesendet. Das FMS ermöglicht somit eine schnelle, standardisierte und störungsfreie Kommunikation, ohne den Funkkanal unnötig zu belegen.

StatusmeldungenMeldungen von der Leitstelle
  • 1: Einsatzbereit über Funk
  • 2: Einsatzbereit an der Wache
  • 3: Einsatz übernommen
  • 4: Am Einsatzort
  • 5: Sprechwunsch
  • 6: Nicht einsatzbereit
  • 7: Einsatzgebunden
  • 8: Bedingt verfügbar
  • 9: Lokal unterschiedlich (Bsp.: NEF Einsatz übernommen, warten auf NA)
  • 0: Notruf (analog) / dringlicher Sprechwunsch (digital)
  • C: Melden für Einsatz
  • E: Eigensicherung
  • F: Telefonisch melden
  • H: Dienststelle / Wache anfahren
  • J: Sprechaufforderung
  • K: Klinik verständigt
  • L: Aus Einsatz entlassen
  • P: Pause nehmen
  • S: Lagemeldung

Außerdem kann die Leitstelle, sogenannte SDS (Short Data Service), verschicken. Dabei handelt es sich um eine Kurzmitteilung, diese können maximal 140 Zeichen lang sein. Der Endanwender kann diese nur abrufen, ein Senden von Mitteilungen ist nicht möglich.

Eigenschaften von Funkwellen:

  • Funkübertragung im Rettungsdienst erfolgt über elektromagnetische Wellen
  • Physikalische Eigenschaften von Funkwellen:
    • Frequenz (f): Schwingungen pro Sekunde (Hz)
    • Wellenlänge (λ): Abstand zwischen zwei Wellenbergen
    • Amplitude (A): maximale Auslenkung der Welle
  • Analoger Funk nutzt Radiowellen (λ > 1 m, f < 300 MHz)
  • Digitalfunk nutzt Mikrowellen (λ 1 mm–1 m, f 300 MHz–3 GHz)
  • Reichweite abhängig von:
    • Sendeleistung und Empfangsempfindlichkeit
    • Frequenz
    • Antennenbauart und -höhe
    • Umgebung (z.B. Gelände, Bebauung, Wetter)
  • Funkwellen verhalten sich wie Licht → geradlinige Ausbreitung
  • Hindernisse verursachen:
    • Abschattung (Funkloch)
    • Dämpfung (Signalabschwächung)
    • Reflexion (Richtungsänderung)
    • Beugung (Ablenkung an Kanten)
  • Signalstärke nimmt quadratisch mit Entfernung ab (z.B. doppelte Entfernung = ¼ Signalstärke)

Grundlagen des Sprechfunks:

  • Analog- vs. Digitalfunk:
    • Analogfunk:
      • Technik: Schallwellen werden umgewandelt, Rauschfilter filtert Störgeräusche, Reichweiten gering
      • Kommunikation: feste zugewiesene Funkkanäle
      • Infrastruktur: regionale Funknetze mit Zwischenfunkstellen
    • Digitalfunk:
      • Technik: Audiosignale werden in binäre Datencodes umgewandelt, Störgeräusche werden nicht codiert, Endgeräte decodieren die Codes und wandeln sie in Audiosignale um
      • Kommunikation: Funkstandard TETRA, keine festen Frequenzen, Bündelfunk, bei Funkgespräch wird die Frequenz automatisch zugeordnet → Vorteile: Verschlüsselung und Abhörsicherheit
      • Infrastruktur: Basisstationen bilden Funkzellen (überlappen sich) → Vermittlungstelle → Empfänger-Basisstation, Kommunikation bundesweit möglich
      • Direct Mode: Verbindung zweier Funkgeräte ohne Basisstation
  • Funkgeräte:
    • MRT (Mobile Radio Terminal): Fahrzeugfunkgerät
    • HRT (Handheld Radio Terminal): Handfunkgerät
    • FRT (Fixed Radio Terminal): stationäre Funkstelle
  • Funkverstärker: Repeater, Objektfunkanlage
  • Funkverkehrsarten: Kreisverkehr, Sternverkehr

Rechtliche Grundlagen:

  • TKG § 57: Grundlage BOS-Funk
    • Nur mit öffentlichem Auftrag
    • Ohne Auftrag: keine Nutzung
  • GG § 10: Funk nicht abhören/aufzeichnen
  • StGB § 11: Verschwiegenheit für alle
  • Verstöße sind strafbar
  • PDV/DV 800 und 810: BOS-Funkregeln
  • Funk nur mit Lehrgang
  • Nur BDBOS-zertifizierte Geräte
  • TR BOS: Technische Vorgaben

Funkbetrieb im Rettungsdienst:

  • Funkdisziplin ist im Funkbetrieb besonders wichtig
  • Missachtung führt zu Missverständnissen und Zeitverlusten
  • Betriebswörter, richtiges Buchstabieren und klare Sprachen helfen Missverständnisse vorzubeugen
  • Funkrufnamen:
    • Kennwort der Organisation
    • Standortbezeichnung
    • Fahrzeugtyp mit Kennziffer

Sprechfunknachrichten im Rettungsdienst:

  • Gespräch: Informationsaustausch zwischen zwei Funkteilnehmern
  • Durchsage: Durchsage für mehrere Funkteilnehmer
  • Notruf: Notruftaste → 3x Mayday → Funkrufname, Standort, Lage, Mayday kommen

Einsatzgrundsätze:

  • An die Funkdisziplin halten
  • Grundsätze kennen und beachten
  • Betriebswörter kennen und benutzen
  • Buchstabieralphabet und Zahlenaussprache beachten

Funkmeldesystem (FMS) im Rettungsdienst:

  • Entlastung des Sprechfunkes
  • Statusmeldungen an die Leitstelle (Zahlen)
  • Meldungen von der Leitstelle (Buchstaben)
  • Vorteile: schnell, standardisiert, ohne Funkbelastung
  • SDS: Kurzmitteilungen von der Leitstelle
Lernkarte Sprechfunk im Rettungsdienst
Zuletzt aktualisiert am 27.05.2026
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