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ST-Hebungsinfarkt im EKG

8 Minuten Lesezeit

Das akute Koronarsyndrom (ACS) umfasst mehrere Krankheitsbilder, die auf eine unzureichende Blutversorgung des Herzens zurückzuführen sind.

Es umfasst die drei Krankheitsbilder STEMI, NSTEMI und die instabile Angina pectoris.  Bei der instabilen Angina pectoris liegt eine entsprechende ACS-Symptomatik (retrosternale Schmerzen/Brustenge, etc.) vor. Die kardialen Marker (v.a. Troponin und CK-MB) sind negativ und es liegen keine ST-Hebungen vor. Beim NSTEMI liegt eine ACS-Symptomatik vor und die kardialen Marker sind erhöht bzw. weisen eine Dynamik auf.

Beim STEMI liegen zusätzlich zu der ACS-Symptomatik und den erhöhten kardialen Marker auch sehr früh ST-Streckenhebungen vor.

Die möglichst frühe Unterscheidung der drei Krankheitsbilder ist sehr wichtig. Beim STEMI sollte das verschlossene Gefäß so schnell wie möglich mit einem Herzkatheter wieder eröffnet werden.

Bei einem NSTEMI kann man die Diagnose erst bei einer relevanten Troponin-Dynamik stellen. Dies kann bis zu mehreren Stunden dauern.

Ein STEMI kann bereits nach kurzer Zeit bei noch normwertigem Troponin diagnostiziert werden. Daher ist es wichtig schnell und sicher einen ST-Hebungs-Myokardinfarkt im EKG erkennen zu können.

Akutes Koronarsyndrom

Bei einem STEMI kommt es im zeitlichen Verlauf zu unterschiedlichen EKG-Veränderungen. Die STEMI-Stadien lassen sich in ein Akutstadium, Folgestadium und Endstadium einteilen.

STEMI - Akutstadium

Beim akuten Koronarverschluss entsteht eine Ischämie, die bei transmuraler Ausdehnung zu ST-Streckenhebungen führt.

In der Frühphase können hyperakute T-Wellen ("Erstickungs-T") auftreten. Die hyperakuten T-Wellen bestehen meistens nur sehr kurz. Daher findet sich in der Akutphase vor allem die klassische ST-Streckenhebung.

STEMI - Akutstadium
EKG-Fallbeispiel: STEMI der lateralen Vorderwand
STEMI der lateralen Vorderwand - Siehe auch EKG-Fallbeispiel 20

STEMI - Folgestadium

Im Folgestadium kommt es zu einer Rückbildung der ST-Streckenhebung und zu einer Ausbildung einer T-Negativierung.

STEMI – Folgestadium

Weiterhin kommt es zu einem R-Verlust der betroffenen Region und zu einer Ausbildung von pathologischen Q-Zacken. In diesem Beispiel lässt sich ein abgelaufener Vorderwandinfarkt anhand der verzögerten R-Progression und der Q-Zacken in V1-V4 erkennen.

STEMI – Folgestadium bei einem abgelaufenen Vorderwandinfarkt

STEMI – Endstadium

Im Endstadium können persistierende pathologische Q-Zacken als Narbenzeichen bestehen. Die ST-Strecke ist meist normalisiert, T-Wellen können sich zurückbilden oder negativ bleiben.

EKG-Fallbeispiel: Abgelaufener Vorderwandinfarkt und Ventrikelaneurysma
Abgelaufener Vorderwandinfarkt und Ventrikelaneurysma mit pathologischen Q-Zacken
Siehe auch EKG-Fallbeispiel 11
 Merke
STEMI Stadien im EKG
STEMI - Stadien

Anhand der Ableitungen lässt sich auf die Region, in der der Infarkt besteht, rückschließen. Bestehen z. B. ST-Hebungen in II, III und aVF ist dies ein Hinweis für einen inferioren Unterwand-/Hinterwandinfarkt.

In den gegenüberliegenden Ableitungen kommt es häufig reziprok zu ST-Streckensenkungen.

Besondere Achtung ist beim posterioren Infarkt geboten. Bei diesem kommt es zu Hebungen in den Ableitungen V7-V9. Da diese Ableitungen nicht standardmäßig geschrieben werden, kann dieser übersehen werden. Reziproke ST-Streckensenkungen in den Ableitungen V1 und V2 liefern jedoch Hinweise für einen posterioren Infarkt.

 Merke
EKG-Ableitungen - Koronararterielle Versorgungsgebiete

I & aVL = Seitenwand linker Ventrikel
II & III & aVF = inferior (untere Wand)

V1 & V2 = septal/rechtsventrikulär
V3 & V4 = Vorderwand linker Ventrikel
V5 & V6 = Seitenwand linker Ventrikel & Herzspitze
V7 & V8 & V9 = Hinterwand linker Ventrikel (ST-Senkungen V1-V3)

aVR und/oder V1 oder ST-Senkungen >1 mm in >6 (insb. in den inferolateralen Ableitungen: Hauptstammstenose oder schwere koronare Drei-Gefäß-Erkrankung

Linksventrikulär = I, aVL, V4-V6
Rechtsventrikulär = V3R-V4R, V1, V2

 Tipp
Merkspruch für die Lokalisierung des Infarktes: „SAL“

V1-V2: Septal

V3-V4: Anterior

V5-V6: Lateral

EKG-Fallbeispiel: STEMI der lateralen Vorderwand
STEMI der lateralen Vorderwand - Siehe auch EKG-Fallbeispiel 20
EKG-Fallbeispiel: STEMI der Unterwand bei RCA-Verschluss
STEMI der inferioren Unterwand-/Hinterwand bei RCA-Verschluss - Siehe auch EKG-Fallbeispiel 10

Für ein praktisches Fallbeispiel zum Thema siehe Fall 6: starke Schmerzen in der Brust

Fallbeispiel zur gerinnungshemmenden Therapie bei einem STEMI: Fallbeispiel 1 (STEMI)

Für praktische EKG-Fallbeispiele zum Thema zum Üben der EKG-Auswertung siehe: EKG-Fallbeispiel 10, EKG-Fallbeispiel 11, EKG-Fallbeispiel 20, EKG-Fallbeispiel 26

Für viele weitere praktische EKG-Fallbeispiele zum Üben siehe Ordner EKG-Fallbeispiele oder EKG-Fallbeispiele-Kurs.

EKG-Fallbeispiel: STEMI der lateralen Vorderwand
Siehe auch EKG-Fallbeispiel 20
EKG-Fallbeispiel: STEMI der inferioren Unterwand/Hinterwand bei RCA-Verschluss
Siehe auch EKG-Fallbeispiel 10
Zuletzt aktualisiert am 04.02.2026
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