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Staphylococcus aureus

9 Minuten Lesezeit

Staphylococcus aureus (Staph. aureus) ist eine Spezies der Staphylokokken-Gattung. Sie gehört damit zu den grampositiven, Katalase-positiven Erregern. Als Differenzierung zu den anderen Staphylokokken-Spezies charakterisiert Staph. aureus zudem eine positive Koagulase-Reaktion. Diese gehört, gemeinsam mit weiteren Virulenzfaktoren und seiner Fähigkeit zur Toxinbildung, zu seinen wichtigsten Pathogenitätsmechanismen.

Als Teil der physiologischen Keimflora besiedelt Staph. aureus die Haut und Schleimhaut bei ca. 30% der Menschen.

Seine klinische Relevanz erlangt er als wichtigster Erreger von Eiter, sowie durch ein breites Spektrum an oberflächlichen und tiefreichenden Infektionen, die beinahe jedes Organ betreffen können. Als Erreger systemischer Infektionen spielt er vor allem hinsichtlich der Sepsis, septischen Arthritis und Endokarditis eine bedeutende Rolle.

Die Subspezies “MRSA”, steht für “Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus”. Sie präsentiert sich resistent gegenüber den häufigsten Standardantibiotika und stellt bei manifester Infektion eine therapeutische Herausforderung dar.

Taxonomie Staphylococcus aureus
Taxonomie Staph. aureus
  • Domäne: Bacteria
  • Stamm: Bacillota (früher: Firmicutes)
  • Klasse: Bacilli
  • Ordnung: Bacillales
  • Familie: Staphylococcaceae
  • Gattung: Staphylococcus
  • Spezies: Staphylococcus aureus
    • Wichtige Subtypen:
      • Methicillin-sensibler Staph. aureus (MSSA)
      • Methicillin-resistenter Staph. aureus (MRSA)
 Info
Abkürzung “Staph.”

“Staphylococcus” wird im weiteren mit “Staph”. abgekürzt.

Übersicht

Staphylococcus aureus unter dem Lichtmikroskop
Staph. aureus unter dem Lichtmikroskop
  • Morphologie: kokkoid (kugelförmig), Anordnung in Haufen
  • Größe: ca. 1 µm breit
  • Beweglichkeit: unbeweglich aufgrund fehlender Geiseln
  • Gram-Färbung: grampositiv
  • Verkapselung: ja
  • Sporenbildung: nein
  • Sauerstoffbedarf: fakultativ anaerob
  • Zellinvasion: ja

Pathogenität und Virulenzfaktoren

Virulenzfaktoren:

Erreger der Spezies “Staph. aureus” verfügen über eine Vielfalt von Virulenzfaktoren und Pathogenitätsmechanismen.

Nicht alle sind von gleicher Bedeutung, jedoch gibt es einige, die eine relevante Rolle in der Pathogenese von Staph. aureus-Infektionen spielen. Sie sind nachfolgend aufgelistet.

Virulenzfaktoren
  • Biofilmbildung
  • Gewebe-Invasion: durch zersetzende Enzyme, wie Kollagenasen und Peptidasen
  • Eiterbildung:
    • Komplementsystem-Aktivierung durch Zellwandbestandteile der Erreger
    • Eiter entsteht durch abgestorbene neutrophile Granulozyten nach der Erreger-Phagozytose
  • Clumping-Faktor: Adhäsin, ermöglicht die Anhaftung an Zellen
  • Koagulase: bildet in Zusammenspiel mit Clumping-Factor den Fibrinwall zur Abschottung der Eiterhöhle
  • Fibrinolysin: dient der Auflösung des Fibrinwalls, ermöglicht systemische Ausbreitung

Eine ausführlichere Tabelle zu den wichtigsten Virulenzfaktoren und deren Funktion findet sich in einem gesonderten, nachfolgenden Abschnitt.

Toxine:

Einige wichtige Erkrankungen, die durch Staph. aureus ausgelöst werden, beruhen auf der Bildung und Wirkung von Toxinen. Da die Toxine einen wesentlichen Anteil zur Pathogenität von Staph. aureus beitragen, haben sie auch klinisch eine Relevanz und es empfiehlt sich daher, sie mitzulernen.

ToxinFunktionWeitere Informationen
Enterotoxine A-E
  • Verursachen Erbrechen, Durchfälle
    → Führen zu Lebensmittelvergiftung
  • Hitzestabil
    → nicht sicher inaktivierbar bei erhitzen bei 100°C f+r 30min
    → besondere Herausforderung für Küchenhygiene
Toxic-shock-syndrome-Toxin 1 (TSST-1)
  • Wirkt als Superantigen
    → Führt zum Toxic Shock Syndrome (TSS)
     
  • Führt zu polyklonaler T-Zell-Aktivierung
    → unkoordinierte Zytokin-Freisetzung
    (IL-1, IL-2, TNF)
Exfoliatine
  • Proteasen
    → Führen zum Staphylococcal Scalded Skin Syndrome (SSSS)
    Großblasige Hautablösungen
 

Die Tabelle erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

In der unten stehenden Tabelle sind die wichtigsten Virulenzfaktoren von Staph. aureus nochmals etwas genauer aufgelistet.

 Info
Keine Prüfungsrelevanz

Die Tabelle übersteigt das reguläre Prüfungswissen und dient damit eher der persönlichen Weiterbildung bei besonderem Interesse :)

 Virulenzfaktor/ToxinFunktionSonstiges
Direkt pathogene VirulenzfaktorenZellwand-Bestandteile
z.B. Peptidoglykan
  • Eiterbildung
  • Aktivieren Komplementsystem
    → Führen zu Chemotaxis
  • Einwandernde neutrophile Granulozyten phagozytieren Bakterien und verenden
    → Eiterbildung
Adhäsine
z.B. Clumping-Faktor, kollagenbindende Proteine
  • Zell-Adhäsion
 
Zersetzende Enzyme
v.a. Kollagenase, Lipase, Hyaluronidase
  • Gewebe-Invasion
 
Koagulase-Sekretion
  • Enzym
  • Dient der Fibrinwall-Bildung 
    → Schutz vor Immunsystem
  • Koagulase bindet humanes Prothrombin
    → Staphylothrombin-Komplex
  • Parallel: Staph. aureus bindet durch Clumping-Faktor (= Fibrinogenrezeptor) Fibrinogen
    → wird durch Staphylothrombin-Komplex zu Fibrin gespalten
  • Folge: Fibrinwall-Bildung an Grenzen der Eiterhöhle
    → ungestörte Vermehrung
Fibrinolysin
  • Enzym
  • Ermöglicht Aufbrechen des Fibrinwalls
    → Erreger-Ausbreitung im Organismus
 
Biofilmbildung
(genau wie Staph. epidermidis)
  • Extrazelluläre Schleimschicht
  • Schützt Bakterien
     

Klinische Relevanz:

  • Häufig Biofilmbildung bei Verwendung von teilweise / vollständig im Körper verbleibenden Fremdmaterialien,
    z.B. Katheter, Venenverweilkanülen, Implantat
  • Sowohl eine Besiedlungsprävention trotz steriler Materialien, als auch die Biofilmentfernung sind nur sehr schwer möglich
  • Meistens ist eine Entfernung des betroffenen Materials oder eine Langzeitantibiose notwendig
Virulenzfaktoren zur Immunevasion
(= antiphagozytäre Mechanismen)
Leukocidine
  • Toxine
  • Zerstören Phagozyten (z.B. Panton-Valentine-Leukozidin (PVL))
 
Protein A 
  • Blockiert Fc-Rezeptor von Antikörpern
    → verhindert Phagozyten-Anlagerung
 
Antiphagozytäre Kapsel
  • Verhindert Phagozytose
 
Lysylphosphatidylglycerol (in Zellwand)
  • Gibt Zellwand positive Ladung
    → ermöglicht Erreger, sich Defensinen zu entziehen
 

Die Tabelle erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Epidemiologie

Staphylococcus aureus ist als wichtigster Eitererreger und häufigster Erreger nosokomialer Infektionen epidemiologisch sehr bedeutend.

Etwa 30-50% der Menschen sind intermittierend oder dauerhaft mit Staph. aureus asymptomatisch besiedelt. Die prädestinierten Gebiete sind der Nasenrachen-Raum, die Haut, die Achselhöhlen und der Leistenbereich.

Die Übertragung von Staph. aureus erfolgt durch:

  • Kontaktübertragung, z.B. Hände, kontaminierte Gegenstände
    → Gute Händehygiene im Krankenhaus daher sehr wichtig!!
  • Tröpfchenübertragung, bei respiratorischen Infekten
 Info
MRSA-Differenzierung nach Erwerb des Erregers

Der Subtyp “Methicillin-resistenter Staph. aureus” (MRSA) wird hinsichtlich des Orts des Erregererwerbs in drei Gruppen untergliedert:

  • ha-MRSA: hospital-acquired, dieser wurde im Krankenhaus erworben
  • ca-MRSA: community-acquired, dieser wurde ambulant erworben
  • la-MRSA: livestock-associated, dieser wurde durch Tierkontakt, landwirtschaftliche Arbeit, o.Ä. erworben

Klinik

Allgemeine klinische Aspekte:

Wie bereits oben beschrieben, kann die Spezies “Staphylococcus aureus” transient (vorübergehend) oder resident (dauerhaft) ein Bakterium der physiologischen Keimflora sein.

Der Staphylococcus aureus ist somit nicht obligat krankheitsauslösend, sondern erlangt seine Pathogenität vor allem durch:

  • Verschleppung an andere Körperregionen
  • Überbesiedelung/Ungleichgewichte in der Keimflora
  • Geschwächtes Immunsystem

Eine Infektion mit Staphylococcus aureus kann sich in beinahe jedem Organ(-system) manifestieren. Zu den wichtigsten Manifestationsorten und Krankheitsbildern gehören:

ManifestationKrankheitsbilder
Haut- und Weichteilinfektionen
  • Wundinfektionen
  • Abszesse (in jedem Gewebe/Organ des Körpers möglich)
    • In Haut: Furunkel/ Karbunkel
    • In Organen: z.B. Leberabszess, Lungenabszess, Hirnabszess
  • Panaritium (Infektion des Nagelbetts)
  • Impetigo contagiosa
  • Empyem
  • Erysipel
  • Phlegmone
  • (Selten: Mastitis puerperalis)
Systemische Infektionen
  • Sepsis
  • Osteomyelitis & septische Arthritis
  • Endokarditis
  • Pneumonie
Toxinvermittelte Erkrankungen
  • Staphylococcal Scalded Skin Syndrome
  • Toxic Shock Syndrome
  • Lebensmittelvergiftung
 Info
Abszess als umkapselte Eiteransammlung, hier am Oberschenkel
Abszess am Oberschenkel
Eiter und Abszesse

Staphylococcus aureus ist der wichtigste Eiter- und Abszesserreger.

Sowohl Eiter als auch Abszesse können in nahezu jedem Organ, bzw. an jeder Stelle des Körpers auftreten. Je nach Lokalisation, Architektur und Umgebung, werden verschiedene Arten von Eiteransammlungen unterschieden.

  • Abszess: Eiteransammlung in einer nicht vorher bestandenen, neu gebildeten Gewebehülle → abgekapselt
  • Empyem: Eiteransammlung in bestehender, physiologischer Körperhöhle, z.B. im Pleuraspalt oder dem Peritonealraum
  • Phlegmone: Diffuse, nicht begrenzte Eiteransammlung/-ausbreitung im dermalen (Binde-)Gewebe

Diagnostik

 Tipp

Nicht jede Infektion mit Staph. aureus erfordert einen kulturellen Erregernachweis.

  • Oberflächliche Infektionen, z.B. kleinflächiges Impetigo contagiosa, Follikulitiden:
    • Klinisches Bild als Blickdiagnose ausreichend
  • Tieferreichende Weichgewebsinfektionen, z.B. ausgedehntes Impetigo contagiosa, Phlegmone
    Systemische Krankheitssymptome, z.B. Fieber, Leukozytose, CRP-Anstieg, positiver qSOFA-Score:
    • Breite mikrobiologische Diagnostik mit kulturellem Keimnachweis nötig
      → Abstrich/Punktion, Blutkulturen

Therapie

Die Therapie einer Staphylococcus aureus-Infektion erfolgt in erster Linie in Abhängigkeit der klinischen Symptomatik, des Antibiogramms und der Resistenzlage.

Auf Basis dessen kann die Spezies in drei Subtypen unterteilt werden:

  • Methicillin-sensibler Staphylococcus aureus (MSSA)
  • Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus (MRSA)
  • Vancomycin-resistenter Staphylococcus aureus (VRSA)

Bei der initialen Therapieauswahl, noch vor Vorliegen des Antibiogramms, ist weiters der Ort des Erregererwerbs / der Infektion zu beachten. Erreger und Infektionen, die ambulant erworben wurden, werden meistens milder behandelt, als nosokomial erworbene Infektionen. Hier sollte immer auf ein Breitbandantibiotikum zurückgegriffen werden, da bei diesen Erregern mit einem höheren Resistenzprofil gerechnet werden muss.

Standardtherapie nach Erregergruppe:

ErregergruppeErwerbTherapie
MSSA
  • Teil der physiologischen Keimflora
  • Zumeist ambulant erworben

Leichte, unkomplizierte Infektionen:

  • Flucloxacillin

Mäßig bis schwere Infektionen:

  • Breitband Penicilline mit Beta-Lactamase-Inhibitor, z.B. Amoxicillin/Clavulansäure, Piperacillin/Tazobactam

Bei Penicillinallergie:

  • Clindamycin
  • Makrolide, z.B. Erythromycin
  • Fluorchinolone: Levofloxacin
MRSA
  • Zumeist nosokomial

Bei Besiedelung ohne Infektion:

  • Sanierung je nach Ort der Besiedelung
    • Tägliche Wäsche mit Antiseptikum,
      z.B. Chlorhexidin
    • Mupirocin Nasensalbe (bei nasaler Kolonisation)

Bei Infektion:

  • Vancomycin
  • Linezolid
  • Teicoplanin
VRSA
  • Vorkommen sehr selten
  • In der Regel nosokomial
  • Linezolid
  • Teicoplanin
 Info
Zusatzinfo: Resistenzen
Antibiotikaresistenz

Aufgrund der häufigen und teils unkritischen Verwendung von Antibiotika in den letzten Jahrzehnten unterliegen Bakterien einem hohen Selektionsdruck. Mikrobiolog:innen konnten zudem eine Resistenzübertragung zwischen verschiedenen Erregerspezies durch Plasmidaustausch beobachten.

Erreger der Spezies “Staphylococcus aureus” können eine Vielzahl an Resistenzen aufweisen und sind daher in der Mikrobiologie von besonderer Bedeutung. Besonders bekannt ist der Methcillin-resistente Staphylococcus aureus, kurz MRSA.

Hintergrund:

Methicillin ist ein Antibiotikum der Beta-Laktam-Klasse und war das erste penicillinasefeste Penicillin. Durch nachfolgende, neuere Antibiotika dieser Wirkstoffklasse, wie bspw. Oxacillin oder Flucloxacillin, mit besserem Nebenwirkungsprofil, wurde Methicillin obsolet und wird im klinischen Alltag heute nicht mehr verwendet.

Eine Funktion ist ihm jedoch geblieben: Methicillin wird bis heute in Laboren als Indikatorsubstanz verwendet, um das Resistenzprofil von Staphylokokken zu bestimmen. Erreger, die auf Methicillin resistent sind, sind zumeist auch auf alle anderen Beta-Laktam-Antibiotika resistent. Zur Therapie dieser Erreger muss dann auf Reserveantibiotika zurückgegriffen werden, wie beispielsweise Vancomycin.

In den USA und in südlichen europäischen Ländern gibt es mittlerweile S. aureus-Subtypen, die auch auf Vancomycin resistent sind. Sie werden als VRSA (Vancomycin resistenter Staphylococcus aureus) bezeichnet und aktuell meistens mit Linezolid behandelt. Die Vancomycin-Resistenz könnte entweder durch den hohen Selektionsdruck oder durch eine Plasmidübertragung von Vancomycin-resistenten Enterokokken erfolgt sein.

Zuletzt aktualisiert am 27.05.2025
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