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Staphylococcus saprophyticus

8 Minuten Lesezeit

Staphylococcus saprophyticus (abgekürzt: Staph. saprophyticus) ist ein grampositives, Koagulase-negatives Bakterium aus der Gruppe der Staphylokokken.

Wie alle Staphylokokken ist es Katalase-positiv und liegt mikroskopisch in typischer Haufenform vor. Es besiedelt bevorzugt den Genitaltrakt und den Perianalbereich des Menschen, insbesondere bei jungen, sexuell aktiven Frauen.

Klinisch relevant ist Staph. saprophyticus vor allem als zweithäufigster Erreger unkomplizierter Harnwegsinfektionen nach Escherichia coli. Typischerweise verursacht er Zystitiden mit Symptomen wie Dysurie, Pollakisurie und suprapubischem Druckschmerz.

Im Gegensatz zu anderen Koagulase-negativen Staphylokokken ist Staph. saprophyticus resistent gegenüber dem Antibiotikum Novobiocin – ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal in der Diagnostik.

Die Behandlung erfolgt in der Regel mit gängigen Antibiotika wie Nitrofurantoin oder Fosfomycin, worauf die Erreger meist empfindlich sind.

Taxonomie Staphylococcus saprophyticus
Taxonomie Staphylococcus saprophyticus
  • Domäne: Bacteria
  • Stamm: Bacillota (früher: Firmicutes)
  • Klasse: Bacilli
  • Ordnung: Bacillales
  • Familie: Staphylococcaceae
  • Gattung: Staphylococcus
  • Spezies: Staphylococcus saprophyticus
 Info
Abkürzung „Staph.“

„Staphylococcus“ wird im weiteren Verlauf mit „Staph“. abgekürzt.

Übersicht

Staph. saprophyticus unter dem Lichtmikroskop
  • Morphologie: kokkoid (kugelförmig), Anordnung in Haufen
  • Größe: ca. 1 µm breit
  • Beweglichkeit: unbeweglich aufgrund fehlender Geiseln
  • Gram-Färbung: grampositiv
  • Verkapselung: nein
  • Sporenbildung: nein
  • Sauerstoffbedarf: fakultativ anaerob
  • Zellinvasion: nein, primär extrazellulärer Erreger

Pathogenität und Virulenzfaktoren

Staphylococcus saprophyticus ist gegensätzlich zu anderen Erregern der Staphylococcus-Gattung, wie bspw. Staph. aureus, nicht Toxin-vermittelt pathogen. 

Virulenzfaktoren

Seine Pathogenität beruht stattdessen primär auf folgenden Faktoren:

  • Adhäsionsfaktoren: sie ermöglichen die Anheftung an das Urothel
  • Urease-Produktion: Die Urease ist ein Enzym, sie spaltet Harnstoff → Ammoniak
    • Erhöht lokalen pH-Wert und begünstigt somit das bakterielle Überleben
    • Kann außerdem zur Bildung von Struvitsteinen beitragen

Diese Faktoren zeigen die hervorragende Anpassung von Staph. saprophyticus an die Harnwege.

 Info
Struvitsteine

Struvitsteine, auch Urolithe genannt, sind eine Art von Harnsteinen, welche aus Magnesium-Ammonium-Phosphat bestehen. Sie sind röntgendicht und werfen im Ultraschall einen charakteristischen Schallschatten. Das macht sie gut diagnostizierbar.

Eine im nächsten Abschnitt folgende Tabelle stellt die wichtigsten Virulenzfaktoren nochmals überblicksartig dar.

 Info
Prüfungsrelevanz

Dieser Abschnitt übersteigt in der Regel das prüfungsrelevante Wissen und dient der persönlichen Weiterbildung bei Interesse.

Die untenstehende Tabelle fasst die wichtigsten Virulenzfaktoren von Staph. saprophyticus übersichtlich zusammen.

PathogenitätsmerkmalVirulenzfaktorFunktionsmechanismus

Adhäsion

Adhesion
UafA
(Uroepithelial adhesion factor A)
  • Wichtigster Adhäsionsfaktor
  • Vermittelt Anheftung an Urothelzellen
Autolysin Aas
  • Bindet an Fibronectin (Glykoprotein der extrazellulären Matrix)
  • Dient der zusätzlichen Adhäsion an Wirtsgewebe

Milieuanpassung

Adaptation
Urease
  • Enzym
  • Spaltet Harnstoff, Folge: ↑ Ammoniak, ↑ pH-Wert
  • Begünstigt Überleben & Steinbildung
D-Serin-Deaminase
  • Enzym
  • Katalysiert Abbau von D-Serin im Urin
  • Schutzmechanismus gegen toxische Substanz

 

Kolonisation

Kolonisation
Lipasen und Esterasen
  • Enzyme
  • Unterstützen Kolonisation und Nährstoffgewinnung aus Lipiden

Die Tabelle erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Epidemiologie

Staph. saprophyticus als Bakterium der physiologischen Genitalflora

Staphylococcus saprophyticus gehört, wie die meisten anderen Koagulase-negativen Staphylokokken (KNS), zur physiologischen Flora des Menschen.

  • Charakteristisch im Urogenitaltrakt, besonders bei jungen Frauen
  • Im Gegensatz zu anderen KNS: Staph. saprophyticus findet sich selten auf der normalen Haut, sondern hat eine Affinität zu Schleimhäuten

Klinische Relevanz:

Cystitis
  • Staph. saprophyticus stellt nach E. coli den zweithäufigsten Erreger unkomplizierter Harnwegsinfektionen (HWI) bei jungen Frauen dar
  • Kann auch männliche Personen betreffen, generell jedoch selten in anderen Alters- und Geschlechtsgruppen (Männer, ältere Frauen und Kinder sind eher selten betroffen)
  • Häufig nach Sexualkontakt
  • Spielt keine Rolle bei nosokomialen oder Fremdkörper-assoziierten Infektionen

Klinik

Risikofaktoren für eine Staph. saprophyticus-Infektion:

  • Sexuelle Aktivität
  • Mangelhafte Analhygiene
  • Übertriebene Genitalhygiene → Zerstörung des Säureschutzmantels und des physiologischen Milieus
  • Östrogenmangel

Klassische Krankheitsbilder:

ManifestationSymptomatik
Urethritis /
Cystitis
  • Klassische HWI-Symptomatik: Brennen bei Miktion, Pollakisurie, Leukurie
  • Klassisches Krankheitsbild: “Honeymoon-Zystitis” (eng. Honeymoon = Flitterwochen)
    → Da vermehrtes Auftreten nach sexueller Aktivität

Diagnostik

  • Analyse einer Urinprobe mittels U-Stix
  • Gegebenenfalls Urinkultur
 Info
U-Stix-Diagnostik

Bei der Urin-Diagnostik mittels U-Stix gibt es drei Marker, die für das Vorliegen einer Harnwegsinfektion sprechen können. Die Tabelle stellt die Interpretation dieser Marker übersichtlich dar.

Eine ausführliche Erklärung der Urin-Diagnostik findet sich im gleichnamigen Artikel.

ParameterBedeutung bei positivem NachweisTherapie-IndikationWichtige Hinweise / Differenzialdiagnosen
Leukozyten
  • Hinweis auf immunologisches Geschehen
  • JA: in Kombination mit mind. einem der folgenden Punkte:
    • Vorliegen klinischer Symptome
    • Positiver Nitrit-Nachweis
  • 🚫 NEIN: wenn alleinig erhöht

Weitere Ursachen für Leukozyten-Nachweis im Urin können sein:

  • Reizung der Harnwege (z. B. durch Katheter)
  • Kontamination der Urinprobe (nicht korrekt gewonnene Mittelstrahlprobe)
  • Reaktive Veränderungen (z. B. nach Sport oder Geschlechtsverkehr)
Nitrit
  • Hinweis auf bakterielle Besiedelung der Harnwege
    → Bakterien wandeln Nitrat in Nitrit um
  • ✅ JA
  • Sehr selten: physiologische Erhöhung durch viel Verzehr von Obst/Gemüse 
Erythrozyten
  • Hinweis auf Reizung oder Verletzung der Schleimhaut
  • Kann Verdacht auf eine Infektion unterstützen
    Schleimhautreizung mit Mikrotraumata bei Harnwegsinfektion
  • 🚫 NEIN: nicht allein ausreichend
  • Ausschluss von Differenzialdiagnosen bei alleinig positivem Erythrozyten-Nachweis
  • Darunter:
    • Nierensteine
    • Nierenentzündung
    • Nieren-/Blasentumor
    • Verletzung
    • Menstruation bei Frauen

Mikrobiologische Diagnostik:

  • Differenzierung zu anderen KNS: Staph. saprophyticus ist resistent gegenüber Novobiocin
    → Diese Eigenschaft dient als Unterscheidungsmerkmal bei der Erregeridentifizierung

Therapie

Allgemeines Vorgehen bei unkomplizierten Harnwegsinfektionen:

  • 30−50 % aller Infektionen, die den unteren Harnweg betreffen, heilen spontan innerhalb einer Woche
  • In ca. 2 % der Fälle kommt es zu einer aufsteigenden Entzündung, CAVE: Pyelonephritis
  • Daher: In den ersten Tagen: watchful waiting + Erhöhung der Trinkmenge möglich
  • Bei starkem Leidensdruck: sofortige Antibiotikum-Therapie

Standard-Therapie unkomplizierter Harnwegsinfektionen:

AntibiotikumDosierungWeitere Informationen
Fosfomycin
  • 3 g einmalig, vorzugsweise abends
  • Gastrointestinale Nebenwirkungen möglich
  • Kontraindiziert bei GFR < 20 ml/min
  • Fosfomycin & Nitrofurantoin: nicht geeignet zur Behandlung systemischer Infektionen → Unzureichend bei oberen HWIs oder Prostatitis
Pivmecillinam
  • 2x tgl. 400 mg p.o.,
    1-0-1, für 3 Tage
 
Nitrofurantoin
  • 2-3x tgl. 100 mg, für 5 Tage
  • Anwendung nur unter folgenden Gegebenheiten:
    • Weibliches Geschlecht
    • Wenn effektivere und risikoärmere Antibiotika nicht einsetzbar sind
    • GFR > 60 ml/min
  • Erhöhtes Risiko bei gleichzeitigem Vorliegen folgender Gegebenheiten:
    • Leberfunktionsstörungen → Leberfunktion vorher prüfen
    • Interstitielle Pneumonien oder Lungenfibrosen

Vorgehen bei frustraner Therapie oder Rezidiven:

  • Eskalation auf breitere Antibiotika (die Tabelle zeigt eine Auswahl)
AntibiotikumDosierungWeitere Informationen
Cotrimoxazol
  • 2x tgl. 960 mg (jeweils 800 mg Sulfamethoxazol + 160 mg Trimethoprim) p.o.,
    1-0-1, für 3 Tage
  • Zunehmende Resistenzentwicklung
  • Aufgrund zunehmender Resistenzen sollte Cotrimoxazol nur bei bekannt empfindlichem Erreger eingesetzt werden
Norfloxacin

(Stellvertretend für Fluorchinolone; Dosierung nicht auf andere Wirkstoffe übertragbar
Alternativ: Ciprofloxacin, Levofloxacin)

  • 2x tgl. 400 mg p.o.,
    1-0-1, für 3 Tage
  • Fluorchinolone (v.a. Ciprofloxacin und Levofloxacin):
    Auch für Therapie leichter / moderater Verläufe unkomplizierter oberer Harnwegsinfektionen geeignet
Cephalosporine,
2./3. Generation
  • Dosierung je nach Wirkstoff
  • Dauer: 3 Tage
 
 Achtung
Resistenzvermeidung

Zur Vermeidung von Resistenzen empfiehlt es sich, Breitspektrum-Antibiotika nicht direkt zu Beginn einer unkomplizierten Zystitis anzuwenden.

Beim Vorliegen einer bereits aufsteigenden Harnwegsinfektion sollte hingegen direkt zu Beginn aggressiver therapiert werden.

Zuletzt aktualisiert am 09.06.2025
Staphylococcus epidermidis
Bakterien mit atypischem Gram-Verhalten
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