Um die Aussagekraft und Besonderheiten der verschiedenen laborchemischen Tests zu verstehen, ist eine grundlegende Kenntnis der wichtigsten statistischen Parameter relevant. Auch wenn sich viele Studierende und Auszubildende vor Statistik scheuen, so kann es sehr hilfreich sein, die Parameter Sensitivität und Spezifität sowie den Unterschied zwischen quantitativen und qualitativen Verfahren verstanden zu haben.
Die Sensitivität gibt an, bei welchem Prozentsatz erkrankter Patienten die Krankheit durch den Test tatsächlich erkannt wird.
Anhand der Sensitivität lässt sich eine Erkrankung ausschließen.
Die Spezifität gibt an, bei welchem Prozentsatz gesunde Patienten, anhand des Tests als gesund erkannt werden.
Anhand der Spezifität lässt sich eine Erkrankung diagnostizieren.
Nehmen wir an, man hat eine Gruppe von 100 Patienten. 10 von diesen 100 Patienten haben eine Lungenembolie.

D-Dimere entstehen beim Abbau von einem Blutgerinnsel und werden daher bei einer Lungenembolie im Blut vermehrt nachweisbar. Nahezu jeder Patient hat bei einer Lungenembolie erhöhte D-Dimere. Da es jedoch viele weitere Erkrankungen gibt, bei denen Blutgerinnsel vorliegen können (z.B. eine Beinvenenthrombose), kann anhand erhöhter D-Dimere nicht direkt auf eine Lungenembolie geschlossen werden, es könnte genauso gut eine Beinvenenthrombose vorliegen.
Bei 9 von den 10 Patienten mit der Lungenembolie lassen sich D-Dimere nachweisen. Die Sensitivität lässt sich somit berechnen: 9 richtig als krank erkannte Patienten von 10 kranken Patienten = 90%. Da also nahezu jeder Patient mit einer Lungenembolie positive D-Dimere hat (hohe Sensitivität), wird das Vorliegen einer Lungenembolie bei negativen D-Dimeren sehr unwahrscheinlich. Daher eignet sich die Sensitivität zum Ausschluss, aber nicht zur Diagnose einer Lungenembolie.
Im Beispiel hatten 9 von 10 erkrankten Patienten positive D-Dimere. Betrachtet man das gesamte Kollektiv der 100 Patienten, so haben insgesamt 30 der 100 Patienten positive D-Dimere. Es hatten also 21 Patienten, die keine Lungenembolie hatten, positive D-Dimere. Es lässt sich die Spezifität der D-Dimere für eine Lungenembolie berechnen: Von den 90 gesunden Patienten hatten 70 Patienten negative D-Dimere und wurden als richtig gesund klassifiziert. Es liegt also eine Spezifität von 70/90 (77%) vor. D-Dimere sind neben der Lungenembolie auch bei vielen anderen Erkrankungen erhöht (z.B. Beinvenenthrombose) und sind daher unspezifisch für eine Lungenembolie.
Bei quantitativen laborchemischen Tests wird die Anzahl/Menge an Stoffen bestimmt. Misst man also einen Glucosewert von 110 mg/dl, so ist dies ein quantitativer Test, da man die Menge an Glucosemolekülen bestimmt.
Bei einem qualitativen Test wird keine Aussage zu einer Menge getroffen. Vielmehr werden unskalierte Einzelaussagen getroffen. Ein Beispiel für einen qualitativen Test ist ein Corona-Schnelltest, der entweder anzeigt, ob SARS-CoV-2-Antigene im Sputum vorliegen (positiv) oder nicht (negativ). Bei einem positiven Testergebnis lassen sich keine Aussagen zur Anzahl der vorhandenen Viren treffen.
- Leitlinien Diagnostische Validität, Empfehlung des Robert Koch-Instituts

