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Status epilepticus

6 Minuten Lesezeit

Bei einem Status epilepticus (anhaltender epileptischer Anfall) kommt es zu einer plötzlichen und synchronen Entladung der Nervenzellen im Gehirn. Er ist Ausdruck einer Grunderkrankung, wie z.B. einer Epilepsie, einer Hirnblutung oder einer anderen Erkrankung, die das zentrale Nervensystem beeinträchtigt. Ein Status epilepticus ohne bekannte Ursache muss daher ähnlich wie andere Vigilanzminderungen zügig differentialdiagnostisch abgeklärt werden.

 Definition

Als Status epilepticus bezeichnet man einen epileptischen Anfall, der länger als 5 Minuten anhält oder zwei aufeinander folgende epileptische Anfälle ohne Wiedererlangung des Bewusstseins.

Ein epileptischer Anfall kann mit motorischen (bei generalisiertem Beginn auch als konvulsiver epileptischer Anfall bezeichnet) und ohne motorische Symptome (auch als nicht-konvulsiv bezeichnet) einhergehen.

Beim konvulsiven Status epilepticus liegen stereotypische, anfallsartige Bewegungen und Zuckungen vor.

Ein nicht-konvulsiver Status epilepticus kann mit und ohne Bewusstseinsverlust einhergehen. Die Diagnose eines nicht-konvulsiven Anfalls ist aufgrund der variablen Symptomatik (Aphasie, Verwirrung etc.) erschwert.

Der konvulsive Status epilepticus stellt einen lebensbedrohlichen Notfall dar. Der nicht-konvulsive Status epilepticus ist in der Regel nicht akut lebensbedrohlich.

  • Klinik und Anamnese
    • Symptome: je nach Form des epileptischen Anfalls variable Erscheinungsform: 
      • Allgemein: plötzliches, unwillkürliches Auftreten, in der Regel selbstlimitierend (>5 Minuten = Status epilepticus), verlangsamte Reorientierung, mit oder ohne Bewusstseinsverlust 
      • Konvulsiver Status epilepticus: tonisch-klonische Krämpfe
      • Nicht-konvulsiver Status epilepticus: mit oder ohne Bewusstseinsverlust (Aphasie, Verwirrtheit etc.)
      • Fremdanamnese: Beginn, Verletzungen, Schwangerschaft (Differentialdiagnose Eklampsie), vorbekannte Epilepsie, bestehende Erkrankungen (insbesondere neurologische), Medikamenteneinnahme
    • Auslöser: Drogeneinnahme (z.B. Alkohol, Ecstasy, Amphetamine, Kokain), Medikamenteneinnahme (z.B. Antidepressiva, Antipsychotika, Antibiotika (insbesondere hochdosiert Penicillin)), Analgetika (z.B. Tramadol), Alkoholentzug, Fieber, Elektrolytentgleisungen, Stroboskop-Licht, Schlafentzug etc.
    • Körperliche Untersuchung: nach dem Anfall Untersuchung auf Verletzungsfolgen und neurologische Untersuchung
  • Labordiagnostik: Blutzucker, Elektrolyte (insbesondere Natrium), kleines Blutbild, Phosphat, Kreatinin, Laktat, Harnstoff, Bilirubin, GFR, ALT, GGT, Troponin, CK, TSH, Ethanol, PTT, INR
    • Bei vorbekannter Epilepsie und Einnahme von Antikonvulsiva: Antikonvulsiva-Spiegel
    • Blutgasanalysen: Blutzuckerspiegel, Elektrolyte, metabolische Laktatazidose durch erhöhte Muskelaktivität
  • Nach dem Anfall: Abklärung der Ursache und Identifikation von möglichen Folgeschäden
    • cCT: immer nach einem Status epilepticus zur Abklärung einer notfallmäßig behandlungsbedürftigen strukturellen Läsion
    • Nach erstmaligem Anfall: EEG (möglichst kurz nach dem Anfall) zur Suche nach epilepsietypischen Potentialen wie Sharp-Waves oder Spikes and Waves; cMRT zur Suche nach potentiell epileptogenen Hirnregionen
 Info
Wichtige Differentialdiagnosen des nicht-traumatischen Bewusstseinsverlusts:
  1. Epileptischer Anfall: postiktale (nach dem Anfall) verzögerte Reorientierung, ggf. rhythmische motorische Symptome, ggf. lateraler Zungenbiss
  2. Synkope: sofortige postiktale Reorientierung, ggf. kurze klonische Muskelzuckungen
  3. Psychogen nicht-epileptisch: häufig verzögerte postiktale Reorientierung, ggf. motorische Aktivität (nicht stereotyp oder bizarr)

Siehe auch transienter Bewusstseinsverlust.

  • Schutz vor Selbstgefährdung: Patient:innen umlagern, Polstern, Gefahrenquellen entfernen (den/die Patient:in nicht festhalten)
  • Atemwege freihalten (Entfernung von Zahnersatz - nicht in den Rachen des/der Patient:in greifen!)
  • Sauerstoffgabe
  • Venösen Zugang legen (nicht in der Ellenbeuge/über Gelenken ⟶ Gefahr der Dislokation)
  • Kausale Therapie: z.B. Blutzuckereinstellung, bei Fieber Paracetamol i.v., ggf. Infusionslösungen
  • Ein epileptischer Anfall ist häufig selbstlimitierend ⟶ In den ersten 5 Minuten ist daher in der Regel keine spezifische medikamentöse Therapie notwendig
  • Bei einem persistierenden epileptischen Anfall, der länger als 5 Minuten anhält, spricht man von einem Status epilepticus ⟶ Beginn einer spezifischen medikamentösen Therapie
  • 5 Minuten nach Anfallsbeginn: Benzodiazepin (z.B. Lorazepam 0,1 mg/kg KG i.v. – maximal 4-8 mg/Bolus)
  • 10 Minuten nach Anfallsbeginn: ggf. erneut Benzodiazepin-Gabe
 Achtung

Die Kombination mehrere Benzodiazepine ist nicht sinnvoll. Es sollte jedoch direkt zu Beginn eine ausreichend hohe Dosis verabreicht werden, um den Status epilepticus möglichst frühzeitig zu durchbrechen. Die Gesamtdosis sollte im nicht-sedierenden Bereich liegen. Insbesondere bei älteren Patient:innen sollte daher eine vorsichtige Dosierung erfolgen.

  • Maximal 30 Minuten nach Therapiebeginn:  Antikonvulsiva i.v. (z.B. Levetiracetam 60 mg/kg KG i.v. – maximal 4500 mg über 10 Minuten – Off-Label Gabe oder Valproat 40 mg/kg KG i.v. – maximal 3000 mg über 10 Minuten – Zielspiegel 100–120 μg/mL)
 Info

Bei ausbleibendem Therapieerfolg können mehrere Wirkstoffe kombiniert werden.

  • Maximal 60 Minuten nach Therapiebeginn  – unter intensivstationärer Überwachung: Propofol i.v. oder Midazolam i.v. oder Thiopental i.v.
Status epilepticus: Stufentherapie

Algorithmus: Status epilepticus

Zuletzt aktualisiert am 07.05.2026
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