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Sympathikus (Pharmakologie)

14 Minuten Lesezeit

Der Abschnitt behandelt den Sympathikus und seine pharmakologische Beeinflussung. Der Sympathikus, Teil des autonomen Nervensystems, reguliert zahlreiche Körperfunktionen und ist maßgeblich an der "Fight-or-Flight"-Reaktion beteiligt, die den Körper auf Stresssituationen vorbereitet. Diese Reaktion wird durch Katecholamine wie Adrenalin und Noradrenalin vermittelt.

Die pharmakologische Beeinflussung lässt sich in verschiedene Kategorien unterteilen. Direkte Sympathomimetika, darunter Alpha- und Beta-Agonisten, stimulieren die Rezeptoren direkt und verstärken so die sympathische Aktivität. Indirekte Sympathomimetika hingegen erhöhen die Konzentration von Neurotransmittern im synaptischen Spalt und intensivieren dadurch deren Wirkung.

Sympatholytika sind Substanzen, die die Aktivität des Sympathikus hemmen. Dazu zählen selektive Alpha1-Antagonisten, das nicht-selektive Phenoxybenzamin und Betablocker, die die Wirkung von Adrenalin und Noradrenalin auf das Herz reduzieren. Schließlich reduzieren Antisympathotonika die sympathische Aktivität insgesamt, was zur Senkung des Blutdrucks und der Herzfrequenz führt.

Vegetatives Nervensystem

  • Das vegetative Nervensystem (autonomes Nervensystem) kontrolliert Prozesse, die sich weitestgehend der willkürlichen Kontrolle entziehen
  • Es steuert lebenswichtige Funktionen wie die Verdauung, die Atmung und den Stoffwechsel.
  • Auch bestimmte Organe wie die Geschlechtsorgane oder die inneren Augenmuskeln werden vom vegetativen Nervensystem beeinflusst.
  • Das vegetative Nervensystem kann in drei Komponenten eingeteilt werden:
    1. Sympathisches Nervensystem
    2. Parasympathisches Nervensystem
    3. Enterisches Nervensystem

Vergleich von Sympathikus und Parasympathikus

 SympathikusParasympathikus
Wirkung
  • Aktivierung
  • Leistungssteigerung
  • Angriff oder Flucht
  • Dämpfung
  • Ruhe und Verdauung
Merkhilfe

„Fight or Flight“

„Rest and Digest“

Präganglionäre TransmitterAcetylcholin 
Postganglionäre Transmitter 
  • Noradrenalin (NA)
  • Nebennierenmark: Adrenalin (95%), NA (5%)
  • Cave: bei Schweißdrüsen erfolgt die sympathische Innervation ebenfalls über Acetylcholin 
  • Acetylcholin
Rezeptoren
  • Adrenozeptoren (α₁,α2, β₁, β23)
  • Cholinorezeptoren (nikotinerg, muskarinerg)
  • Cholinorezeptoren (nikotinerg, muskarinerg)

Sympathikus

  • Der Effekt der ausgeschütteten Neurotransmitter ist abhängig von der Verteilung und Art der Rezeptoren am Erfolgsorgan
  • Man kann 5 verschiedene Adrenozeptoren unterscheiden. Es handelt sich dabei um G-Protein-gekoppelte Rezeptoren
Merkhilfe Adrenozeptoren
  1. α₁ ( Gq )
  2. α2 ( Gi )
  3. β₁ ( Gs )
  4. β2 ( Gs )
  5. β3 ( Gs )

Übersicht über die Verteilung und Wirkung 

 

ErfolgsorganAdrenozeptorEffekt

Auge

α₁ 
  • Mydriasis (Pupillenerweiterung)

Herz

β₁ 
  • Positiv inotrop (Kontraktilität)
  • Positiv chronotrop (Herzfrequenz)
  • Positiv dromotrop (Überleitung)
  • Positiv lusitrop (Erschlaffungsgeschwindigkeit)

Bronchien

β
  • Bronchodilatation

Gastrointestinaltrakt

α₁ 
  • Sphinkterkontraktion
α, β₁ , β
  • Hemmung der Peristaltik

Gefäße

α₁ 
  • Kontraktion (Bsp.: Haut)
β
  • Dilatation  

(Bsp.: Skelettmuskulatur)

Niereβ₁ 
  • Reninsekretion
Fettgewebeβ₁ , β
β(braunes Fett) 
  • Lipolyse
Harnblase  α₁ 
  • Tonussteigerung
  • Sphinkterkontraktion
Mastzellenβ
  • Hemmung der Histaminfreisetzung
Uterusβ
  • Wehenhemmung (Tokolyse)
Leber, Skelettmuskelβ
  • Glykogenolyse
Pankreasβ
  • Aktivierung der Insulinsekretion
ZNSα2
  • Senkung des Sympathikotonus

Zusammenfassung der zentralen Wirkungen der Adrenozeptoren

α₁ α2β1β
  • Vasokonstriktion
    → Erhöhter peripherer Widerstand
    → Erhöhter Blutdruck
  • Mydriasis
  • Sphinkterkontraktion
  • Tonussteigerung der Harnblase
  • ZNS: Senkung des Sympathikotonus
  • Tachykardie
  • Gesteigerte Reninsekretion
  • Vasodilatation
  • Bronchodilatation
  • Glykogenolyse ↑
  • Wehenhemmung (Tokolyse)
  • Histaminfreisetzung durch Mastzellen ↓

Katecholamine

  • Zu den Katecholaminen zählen:
    1. Noradrenalin
    2. Adrenalin
    3. Dopamin

Die Synthese der Katecholamine startet bei der Aminosäure Tyrosin.

  • Syntheseschritte:
    • L-Phenylalanin
    • L-Tyrosin
    • L-DOPA
    • Dopamin
    • Noradrenalin
    • Adrenalin
Syntheseschritte von Adrenalin

Pharmakologische Beeinflussung des Sympathikus

  • Sympathomimetika sind Substanzen, die die Wirkung von Adrenalin und Noradrenalin nachahmen (von altgriechisch „mímēsis“, deutsch ‚Nachahmung‘) und so zu einer Aktivierung des Sympathikus führen
  • Sympatholytika sind Adrenozeptor-Antagonisten
  • Antisympathotonika reduzieren den Sympathikotonus durch Reduktion der Produktion, Speicherung und Freisetzung von Katecholaminen (v.a. Noradrenalin)
Pharmakologische Beeinflussung des Sympathikus
  • Die Sympathomimetika können unterteilt werden in:
    1. Direkte Sympathomimetika: wirken direkt auf die Adrenozeptoren
    2. Indirekte Sympathomimetika: führen zu einer verstärkten Ausschüttung von Noradrenalin und wirken darüber indirekt auf die Adrenozeptoren
  • Unerwünschte Nebenwirkungen
    1. Blutdruckanstieg (hypertensive Episoden)
    2. Tachykardie
    3. Tremor, Unruhe, Schlafstörungen
    4. Hyperglykämie (durch Glykogenolyse)
    5. Hypokaliämie (durch Aktivierung der Na+/K+-ATPase)
  • Kontraindikationen 
    1. Hypertonie
    2. Tachyarrhythmien
    3. Hyperthyreose
    4. KHK
    5. Phäochromozytom
 Tipp

Da die Sympathomimetika alle den Sympathikus aktivieren, haben sie gemeinsame Nebenwirkungen und Kontraindikationen. 

Alpha- und Beta-Agonisten

Wichtige Indikationen

Adrenalin

  • Kardiopulmonale Reanimation 
    → Bei defibrillierbarem Rhythmus (Kammerflimmern, pulslose ventrikuläre Tachykardie) 1 mg. i.v. oder intraossär nach dem 3. erfolglosen Schock, dann alle 3-5 min
    → Bei nicht defibrillierbarem Rhythmus (Asystolie, pulslose elektrische Aktivität): 1 mg. i.v. oder intraossär, sobald Gefäßzugang vorhanden ist, danach alle 3–5 min
  • Anaphylaktischer Schock (i.m.)
  • Pseudokrupp (inhalativ)

Noradrenalin 

  • Durch starken Agonismus auf die α₁-Rezeptoren sorgt Noradrenalin für eine starke Vasokonstriktion (Erhöhung der Nachlast ⟶ Erhöhung des myokardialen Sauerstoffverbrauchs, reflektorisch reduzierte Herzfrequenz, „Reflexbradykardie“)
    • Vasokonstriktor der 1. Wahl bei septischem Schock 
    • Perioperativ zur Anhebung des Blutdrucks
    • Notfalltherapie zur Anhebung des Blutdrucks
    • Ggf. Begleittherapie bei weiteren Schockformen (neurogener Schock, hypovolämer Schock)
    • Zusatz zu Lokalanästhetika, um Abströmen der Anästhetika zu vermeiden

Dopamin 

  • Wirkt an Dopamin Rezeptoren, zusätzlich dosisabhängige Wirkung an α- und β–Rezeptoren
    • Anwendung bei starker Hypotonie oder Schock (nicht 1. Wahl)

Dobutamin: 

  • Wirkt positiv inotrop über β1, Cave: durch den β2-Agonismus kann es bei zu niedriger Dosierung zu einem Blutdruckabfall kommen 
    • 1. Wahl bei kardiogenem Schock (akute Herzinsuffizienz) 
    • Verwendung bei Echostresstest

Etilefrin: 

  • Ähnliches Wirkprofil wie Adrenalin
    • Low-Flow-Priapismus (Dauererektion): intrakavernöse Injektion zur Verbesserung des venösen Abstroms
    • Ebenfalls Einsatz bei Kreislaufstörungen mit Hypotonie

Alpha₁-Agonisten

  • Direkte Stimulation von α₁-Rezeptoren führt zur lokalen Kontraktion der glatten Muskulatur und zur Vasokonstriktion
  • Überblick über die wichtigsten Wirkstoffe
    • Xylometazolin (Nase)
    • Oxymetazolin (Nase)
    • Phenylephrin (Auge)
  • Indikationen:
    • Nasenspray/Nasentropfen (wirken abschwellend auf die nasale Schleimhaut)
    • Augentropfen (bei allergischer Konjunktivitis)
  • Nebenwirkungen:
    • Nase: Privinismus/Rhinitis medicamentosa beschreibt eine chronische Schwellung der Nasenschleimhaut aufgrund einer langfristigen Anwendung von abschwellenden Nasensprays (maximale Anwendungsdauer 7 Tage)
 Achtung

Bei Säuglingen und Kleinkindern kann eine Überdosierung von imidazolinhaltigen Nasentropfen zu einem Schock, Koma und einer Atemlähmung führen!

  • Auge: Mydriasis mit Gefahr eines Winkelblockglaukoms

Beta1- und Beta2-Agonisten

Ocriprenalin

  • Wirkung:
    • β1-Agonismus: positiv inotrop, chronotrop, bathmotrop
    • β2-Agonismus: Bronchodilatation
  • Indikationen: off-label-use (ohne Zulassung) in der Notfallmedizin bei bradykarden Herzrhythmusstörungen, um Herzfrequenz zu steigern

Theodrenalin/Cafedrin (1:20)

  • Theodrenalin entspricht Theophyllin + Noradrenalin 
  • Cafedrin entspricht Koffein + Ephedrin
  • Indikationen: bei Hypotonien im perioperativen Management 

Beta2-Agonisten (β2-Sympathomimetika)

  • Wirkungen: über selektive Aktivierung der β2-Rezeptoren
    • Bronchodilatation
    • Tokolyse (Wehenhemmung)
    • Histaminfreisetzung durch Mastzellen ↓
    • Vasodilatation
  • Indikationen:
    • Bronchospasmolyse bei Asthma bronchiale und COPD
    • Test auf Reversibilität von Atemwegsobstruktionen (v.a. Salbutamol)
    • Tokolyse: Fenoterol i.v. (bei vorzeitig einsetzenden Wehen)
    • Hyperkaliämie: Verschiebung des extrazellulären K+ nach intrazellulär durch Aktivierung der Natrium-Kalium-ATPase
Beta2-Agonisten
 Info
  • Bekannte Vertreter unter anderem:
    • Methylphenidat (Handelsname: Ritalin ®)
    • Modafinil
    • Kokain (Handelsnamen: Candy, Charley, Koks, Schnee, Snief, Snow)
    • Amphetamine
    • MAO-Hemmer

Methylphenidat

  • Wirkung: hemmt die Wiederaufnahme („Reuptake“) von Noradrenalin und Dopamin (Wirkung vergleichbar mit Kokain)
    • Führt zu einer Verbesserung des Kurzzeitgedächtnisses, steigert die Kognition und Feinmotorik
    • Methylphenidat zählt zur Substanzklasse der Psychostimulanzien (Amphetamin-Derivat, Psychoanaleptika)
  • Indikationen:
    • Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätssyndrom (ADHS)
    • Narkolepsie (gekennzeichnet durch nicht unterdrückbare Schlafanfälle am Tag)
  • Nebenwirkungen: sympathomimetische Nebenwirkungen (s.o.)
    • Hypertonie
    • Tachykardie
    • Unruhe, Schlafstörungen
    • Wachstumsstörungen (regelmäßige Kontrollen von Größe und Gewicht empfohlen)
    • Senkung der Krampfschwelle (erhöhtes Risiko epileptischer Anfälle in den ersten 30 Tagen nach Therapiebeginn)
    • Absetzerscheinungen: in seltenen Fällen Priapismus (Dauererektion)
  • Besonderheit: Betäubungsmittel-Rezept-Pflicht (gelbes BtM-Rezept notwendig)

Modafinil

  • Wirkung: steigert zentral Wachheit und Aufmerksamkeit
    • Der genaue Wirkmechanismus ist unbekannt
  • Indikationen:
    • Narkolepsie
  • Nebenwirkungen:
    • Nervosität
    • Kopfschmerzen
    • Tachykardie
    • Persönlichkeitsstörungen
    • Schwere Hauterkrankungen (Stevens-Johnson-Syndrom)
 Achtung

Roter-Hand-Brief (wichtige pharmazeutische Informationen): Modafinil steht unter Verdacht, schwere angeborene Fehlbildungen auszulösen, es ist daher während der Schwangerschaft kontraindiziert!

 Merke

Sympatholytika sind Adrenozeptor-Antagonisten.

Selektive Alpha1-Antagonisten

  • Wirkung: selektive α1-Adrenozeptor-Antagonisten
    • Vasodilatation (venös und arteriell)
      → Reduzierte Vor- und Nachlast am Herzen ⟶ Senkung des Blutdrucks
    • Erschlaffung der Sphinkter im Harnblasenhals 
      → Erleichtert Miktion bei benignem Prostatasyndrom (BPS)
  • Indikationen:
    • BPS: Tamsulosin und Alfuzosin
    • Arterielle Hypertonie (2. Wahl): Doxazosin, Prazosin, Terazosin
    • Supportive Therapie bei Urolithiasis (Harnleitersteinen) zur Erleichterung des Steinabgangs
  • Nebenwirkungen:
    • Vasodilatation:
      • Orthostatische Dysregulation (Hypotonie bei Wechsel in die aufrechte Körperlage)
      • Anschwellen der Nasenschleimhaut
      • Retrograde Ejakulation
      • Akkomodationsstörungen
      • Ödeme (durch verringerte Nierenperfusion → RAAS aktiviert → vermehrte Natrium- und Wasserretention
    • Reflextachykardie
 Definition

Reflextachykardie beschreibt eine reflektorisch gesteigerte  Herzfrequenz mit dem Ziel, einem plötzlichen Blutdruckabfall entgegenzuwirken.

Phenoxybenzamin (nicht-selektive Alpha-Antagonisten)

  • Wirkung: nicht-selektiver irreversibler α-Adrenozeptor-Antagonist (hemmt α₁ und α2)
    • α₁-Antagonismus: Vasodilatation, Sphinktererschlaffung (Harnblase)
    • α2-Antagonismus: Hemmung eines inhibitorischen Rezeptors führt zur Aktivierung (α2-Rezeptoren wirken hemmend)
      • Daher: vermehrte Noradrenalin-Ausschüttung ↑
        Tachykardien (ggf. Kombination mit Beta-Blocker (s.u.)
  • Indikation:
    • Phäochromozytom (Katecholamin produzierender Tumor):
      • Beginn der Therapie >2 Wochen präoperativ (vor der Operation)
      • Hintergrund: Manipulation am Tumor kann zur starken Katecholamin-Ausschüttung führen
        → Die α-Blockade reduziert das Risiko für Hypertonien
    • Neurogene Blasenentleerungsstörung
  • Nebenwirkungen: wie α1-Antagonisten (starke Reflextachykardie durch a2)
 Achtung

Keine alleinige Betablocker Gabe bei Phäochromozytom!

Grund: die über β2-vermittelte Vasodilatation entfällt und es kann aufgrund des α-Agonismus (Vasokonstriktion) der Katecholamine zu hypertensiven Episoden kommen.

 Achtung

Bei α-Blockade darf kein Adrenalin gegeben werden!

Grund: „Adrenalinumkehr“Adrenalin führt über die Stimulation von β2-Rezeptoren zu Vasodilatation, weil alle α-Rezeptoren blockiert sind.

Betablocker (Beta-Adrenozeptor-Antagonist)

  • Wirkung:
Beta-1-Antagonismus Beta-2-Antagonismus
  • Herz
    • Negativ inotrop: Verringerung der Kontraktionskraft des Herzens, was den Sauerstoffverbrauch senkt
    • Negativ chronotrop: Reduktion der Herzfrequenz
    • Negativ dromotrop: Verlangsamung der Überleitungsgeschwindigkeit im Herzen
  • Nieren: Senkung der Reninfreisetzung und damit Verminderung der Aktivität des Renin-Angiotensin-Aldosteron-Systems (RAAS)
  • Fettgewebe: Hemmung der Lipolyse
  • Bauchspeicheldrüse: Mögliche Hemmung der Insulinfreisetzung und reduzierte Insulinsensitivität
  • Leber: Verminderung der Glykogenolyse
  • Skelettmuskulatur: Verminderung der Glykogenolyse
  • Periphere Blutgefäße: Vasokonstriktion (z.B. männliches Genitals)
  • Fettgewebe: Hemmung der Lipolyse
  • Augen: Senkung des Augeninnendrucks
  • Lunge: Bronchokonstriktion: Verengung der Bronchien

Wirkstoffe:

  • Kardioselektive Betablocker
    • Hemmen die β1-Rezeptoren am Herzen
      • Metoprolol
      • Bisoprolol
      • Atenolol
      • Nebivolol
  • Unselektive Betablocker
    • Hemmen unselektiv die β1- und β2-Rezeptoren
      • Propranolol
      • Timolol
      • Sotalol
      • Carvedilol 
        ⟶ (hemmt zusätzlich α1-Rezeptoren) ⟶ Periphere Vasodilatation
  • Allgemeine Indikationen:
    • Arterielle Hypertonie (insb. Carvedilol)
    • Kompensierte chronische Herzinsuffizienz (Prognose verbessernd)
    • Koronare Herzkrankheit (KHK)
    • Akutes Koronarsyndrom (antiarrhythmisch)
    • Supraventrikuläre Herzrhythmusstörungen (bspw. zur Frequenzkontrolle bei Vorhofflimmern)
  • Spezielle Indikationen:
    • Propranolol:
      • Portale Hypertension
      • Primäre und sekundäre Blutungsprophylaxe bei Ösophagusvarizen
      • Anfallsprophylaxe bei Migräne (Alternativ: Metoprolol)
      • Hyperthyreose (hemmt die Umwandlung von T4 zu T3)
      • Essentieller Tremor
      • Akute Unruhe und Aufregung
    • Timolol:
      • Glaukomtherapie
  • Nebenwirkungen:
β₁-Antagonismusβ₂-Antagonismus
  • Herz
    • Negativ inotrop: Reduziert die Kontraktionskraft des Herzens → Hypotonie, mögliche Verschlechterung der Herzinsuffizienz-Symptomatik
    • Negativ dromotrop: Verlangsamt die Überleitungsgeschwindigkeit im Herzen → AV-Block
    • Negativ chronotrop: Reduziert die HerzfrequenzBradykardie
  • Nieren
    • Renin↓
    • RAAS
      → Verminderte renale Perfusion
  • Zentrales Nervensystem (ZNS)
    • Depressionen
    • Müdigkeit
    • Schwindel
    • Kopfschmerzen.
  • Leber
    • Glykogenolyse↓
      → Reduzierte Freisetzung von Glukose → Risiko der Hypoglykämie
  • Periphere Blutgefäße:
    • Verengung: Potenzstörungen, kalte Extremitäten, Raynaud-Symptomatik
  • Fettgewebe
    • Lipolyse↓: Erhöhte Blutfettwerte
  • Lunge
    • Bronchokonstriktion
    • Cave: bei obstruktiven Lungenerkrankungen (wie Asthma bronchiale und COPD)
 Achtung

Durch Betablocker können die Symptome einer Hypoglykämie (Tachykardie, Unruhe, Zittern) verschleiert werden.

 Tipp

Betablocker sollten ein- und ausgeschlichen werden.

  • Einschleichen: v.a. relevant bei Herzinsuffizienzpatienten ⟶ Da der negativ inotrope Effekt der Betablocker eine Verschlechterung der Herzinsuffizienz bewirken kann ⟶ Daher mit niedrigster Dosis einsteigen
  • Ausschleichen: um Rebound-Tachykardie zu vermeiden
    → Bei längerer Betablocker Therapie nimmt die Anzahl an β-Rezeptoren zu
    → Bei abruptem Absetzen ⟶ hohe Sympathikusaktivität ⟶ Tachykardie
    • Daher langsam über mindestens 14 Tage hinweg schrittweise reduzieren
  • Kontraindikationen:
    • Absolute Kontraindikationen:
      • Dekompensierte Herzinsuffizienz
      • Hypotonie (<100 mmHg)
      • Bradykardie (<50/min)
      • Unbehandeltes Phäochromozytom
      • Asthma bronchiale (v.a. bei unselektiven Betablockern)
    • Relative Kontraindikationen:
      • Raynaud-Syndrom
      • pAVK
      • Psoriasis
 Achtung

Keine Kombination von Betablockern mit Calciumantagonisten (Calcium-Kanal-Blocker) vom Verapamil oder Diltiazem-Typ → Gefahr eines AV-Blocks!

Siehe auch Betablocker bei Herzinsuffizienz.

Reduzieren den Sympathikotonus durch Reduktion der Freisetzung von Katecholaminen (v.a. Noradrenalin)

Alpha2-Agonisten

Clonidin

  • Wirkung:
    • Agonismus an präsynaptischen α2-Rezeptoren                
      • Reduziert Sympathikotonus
      • Blutdrucksenkung
    • Agonismus an postsynaptischen α2-Rezeptoren, Imidazolin-Rezeptoren in Medulla oblongata
      • Blutdrucksenkung
    • Postsynaptische α1-Rezeptoren
      • Kann zu paradoxem Blutdruckanstieg (durch Vasokonstriktion) bei Bolus Applikation i.v. führen

Clonidin Wirkmechanismus

  • Indikationen:
    • Alkohol- und Opioidentzug
    • Arterielle Hypertonie (Reserveantihypertensivum zur Kombinationstherapie)
    • Hypertensive Krise (Blutdruck >180/120 mmHg)
    • Postoperatives Shivering (Zittern nach Narkose)
    • Chronisches Offenwinkelglaukom (reduziert Kammerwasserproduktion, heute v.a. Apraclonidin)
  • Nebenwirkungen:
    • Sedierung
    • Müdigkeit
    • Depressive Episode
    • Orthostatische Dysregulation
    • Rebound-Effekt: bei abruptem Absetzen kann es zur hypertensiven Entgleisung kommen
    • Initialer Blutdruckanstieg bei i.v. Bolusgabe
    • Mundtrockenheit

Moxonidin

  • Wirkung:
    • Stimulation zentraler Imidazolin-Rezeptoren
      • Reduziert Sympathikotonus
      • Blutdrucksenkung

Moxonidin Wirkmechanismus

 

  • Indikationen:
    • Kombinationstherapie bei der arteriellen Hypertonie
  • Nebenwirkungen:
    • Wie bei Clonidin (aber seltener)

α-Methyldopa

  • Wirkung:
    • Wird zu α-Methylnoradrenalin verstoffwechselt und stimuliert präsynaptische α2-Rezeptoren
      • Reduziert Sympathikotonus
      • Blutdrucksenkung
      • α-Methyldopa Wirkmechanismus
  • Indikationen:
    • Hypertensive Schwangerschaftserkrankungen
  • Nebenwirkungen:
    • Hypotonie
    • Müdigkeit, Sedierung
    • Depressive Episode
    • Blutdruckabfall ⟶ RAAS-Aktivierung ⟶ H2O-Retention
    • Prolaktinerhöhung ⟶ Libido- und Potenzstörungen
    • Autoimmunhämolytische Anämie

Urapidil

  • Wirkung:
    • Antagonismus an postsynaptischen α1-Rezeptoren
      • Blutdrucksenkung
    • Stimulation zentraler Serotonin- (5HT1A)-Rezeptoren
      • Hemmung der sympathischen reflektorischen Gegenregulation

Urapidil Wirkmechanismus

  • Indikationen:
    • Hypertensive Krisen
    • Hypertensive Notfälle
    • Kombinationstherapie bei arterieller 
      Hypertonie
  • Nebenwirkungen:
    • Orthostatische Dysregulation
    • Kopfschmerzen
    • Schwindel
    • Gastrointestinale Beschwerden
  • Freissmuth et al.: Pharmakologie und Toxikologie. Springer 2012, ISBN: 978-3-642-12353-5.
  • Karow, Lang-Roth: Allgemeine und Spezielle Pharmakologie und Toxikologie 2012
  • Lüllmann et al.: Pharmakologie und Toxikologie. 15. Auflage Thieme 2002, ISBN: 3-133-68515-5
  • Wehling: Klinische Pharmakologie. 2. Auflage Thieme 2011, ISBN: 978-3-131-60282-4
Zuletzt aktualisiert am 26.01.2026
Parasymphatikus (Pharmakologie)
RAAS-Inhibitoren
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