Medi Know
Logo Image

Tranexamsäure

13 Minuten Lesezeit
Tranexamsäure Ampulle

Tranexamsäure ist ein Antifibrinolytikum, das zur Behandlung akuter innerer oder äußerer Blutungen, insbesondere beim Polytrauma oder hämorrhagischen Schock, eingesetzt wird. Der Wirkstoff hemmt kompetitiv die Aktivierung von Plasminogen zu Plasmin und verhindert dadurch den Abbau von Fibrin, wodurch bereits gebildete Blutgerinnsel stabilisiert und die körpereigene Hämostase unterstützt werden. Entscheidend für den klinischen Nutzen ist eine möglichst frühe Gabe innerhalb der ersten 3 Stunden nach Blutungsbeginn, da hier ein signifikanter Überlebensvorteil besteht.

Im Rettungsdienst erfolgt die Applikation typischerweise als i.v. Kurzinfusion über ca. 10 Minuten, um Nebenwirkungen durch zu schnelle Gabe zu vermeiden. Der Wirkeintritt erfolgt nach wenigen Minuten, die Wirkdauer beträgt etwa 5–8 Stunden. Nebenwirkungen umfassen insbesondere ein erhöhtes Risiko für thromboembolische Ereignisse, Übelkeit, Sehstörungen sowie dosisabhängig mögliche Krampfanfälle. Kontraindikationen bestehen unter anderem bei akuten Thrombosen, schwerer Niereninsuffizienz oder bekannter Krampfanamnese.

Lernkarte Tranexamsäure
  • Wirkstoffklasse: Antifibrinolytika
  • Handelsnamen: z.B. Cyklokapron®, Tranexam HEXAL®, Exacyl®
Tranexamsäure
Etikett: Tranexamsäure
  • Akute innere oder äußere Blutung (Polytrauma, hämorrhagischer Schock
    bei Therapiestart <3 Std
  • Lokaltherapie bei Nasenbluten (Epistaxis)
  • Akute venöse oder arterielle Thrombosen
  • Verbrauchskoagulopathie (DIC)
  • Schwere Nierenfunktionsstörung
  • Krampfanfälle in der Anamnese
  • Erwachsene:
    • Akute innere oder äußere Blutung: 1 g i.v. als Kurzinfusion über 10 min 
      (in 100 ml NaCl 0,9 %)
    • Lokaltherapie bei Nasenbluten: 0,5 g/5 ml pro Nasenloch in Tamponade
  • Eine möglichst frühe Gabe erhöht die Überlebenschancen (Therapiestart <3 Std)
  • Die Applikation sollte als langsame i.v. Kurzinfusion erfolgen (maximal 1 ml/min) 
  • Wirkeintritt: 2–5 min
  • Wirkdauer: 5–8 Std
  • Metabolisierung: praktisch keine Metabolisierung (<5 %), Wirkstoff bleibt überwiegend unverändert im Plasma
  • Ausscheidung: überwiegend renal ausgeschieden
  • Tranexamsäure hemmt die Fibrinolyse und verhindert so den Abbau von Fibrin durch Plasmin
  • Dieser Mechanismus vermindert die Fähigkeit des Körpers, Blutgerinnsel aufzulösen und unterstützt so die körpereigene Blutgerinnung (Hämostase)
Fibrinolyse
Tranexamsäure ist ein  synthetischer Plasminogenaktivator-Inhibitor: Komplexbildung mit Plasminogen → Hemmung der Plasminogenaktivierung durch Plasminogenaktivatoren (bspw. t-PA) → Hemmung der Umwandlung von Plasminogen in Plasmin
  • Wirkung verstärkt bei gleichzeitiger Gabe von:
    • Weitere prokoagulatorische bzw. gerinnungsfördernde Substanzen (z. B. Prothrombinkomplexkonzentrat, Fibrinogen, rekombinanter Faktor VIIa) → erhöhtes Thromboserisiko
    • Östrogenhaltige Präparate (z. B. hormonelle Kontrazeptiva) → Additive thromboembolische Risikosteigerung
    • Gerinnungsaktivierende Situationen (Trauma, Immobilisation, Sepsis) → Erhöhung des thrombotischen Risikos
  • Wirkung abgeschwächt bei gleichzeitiger Gabe von:
    • Fibrinolytika (z. B. Alteplase, Tenecteplase) → Funktioneller Antagonismus 
  • Erhöhtes Risiko für Thrombosen und Embolien
  • Sehstörungen
  • Krampfanfälle
  • Übelkeit
  • Hypotonie (insbesondere nach zu schneller i.v.-Gabe)
  • Temperatur: Nicht über 25 °C lagern
  • Lichtschutz: Ampullen vor Licht schützen, im Umkarton aufbewahren
  • Polytrauma (RD)
  • Abdominaltrauma (RD)
  • Schädel-Hirn-Trauma (RD)
  • Antikoagulantien
  • Pfizer Pharma GmbH, Fachinformation Cyklokapron®-Injektionslösung 500 mg/5 ml, 1000 mg/10 ml. Stand: Februar 2025
  • S3-Leitlinie Polytrauma / Schwerverletzten-Behandlung, Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie e.V. (DGU)
  • Aktories K, Förstermann U, Hofmann FB, Flockerzi V (Hrsg.): Allgemeine und spezielle Pharmakologie und Toxikologie. Urban & Fischer Verlag/Elsevier GmbH, 13. Auflage, 2022. ISBN: 978-3-437-42622-3
  • Wanka V, Weiß S: Medikamente im Rettungsdienst. Georg Thieme Verlag, 2. Auflage, 2019. ISBN: 978-3-13-242824-9
Zuletzt aktualisiert am 26.02.2026
Toloniumchlorid
Urapidil
Deine Medizin-Lernplattform
Jetzt weiterlesen
Zugang zu diesem und über 800 weiteren leitlinienbasierten Artikeln, unserem einzigartigen medizinischen AI-Tutor und Quiz