Zusammenfassung
Eine transkutane Schrittmachertherapie wird im Rettungsdienst bei symptomatischer Bradykardie eingesetzt, z. B. bei AV-Block 3. Grades
Die Anlage erfolgt über einen Defibrillator mit Schrittmacherfunktion, wobei die Elektroden auf der Brustwand (anterior-posterior oder anterior-lateral) positioniert werden. Die Stimulationsfrequenz und die Stromstärke
Im Rahmen der transkutanen Schrittmachertherapie ist eine adäquate Analgesie indiziert, da dieses Verfahren mit gewissen Schmerzen verbunden ist.
Das Ziel besteht darin, den Herzrhythmus
Indikationen
Ein transkutaner Schrittmacher wird bei symptomatischen und lebensbedrohlichen bradykarden Herzrhythmusstörungen eingesetzt, wenn die medikamentöse Therapie mit Atropin
Zeichen einer bedrohlichen Bradykardie
- Zeichen einer Myokardischämie:
- Thoraxschmerzen (Angina pectoris
Symptomatik) - Inkl. isolierte EKG-Veränderungen im 12-Kanal-EKG
- Thoraxschmerzen (Angina pectoris
- Zeichen einer Herzinsuffizienz:
- Lungenödem
- Gestaute Halsvenen
- Lungenödem
- Schocksymptomatik:
- Blässe
- Kaltschweißigkeit
- Vigilanzminderung
- Hypotonie (systolisch < 90 mmHg)
- Synkope
MerkeEKG Bilder mit erhöhtem Risiko für eine Asystolie
- AV-Block Mobitz II
- AV-Block 3. Grades mit breitem QRS-Komplexen
- Ventrikuläre Pausen >3 Sekunden
- Kürzliche Asystolie
Kontraindikationen
- Technische Unmöglichkeit zur Anlage
- Intoleranz der erkrankten Person
- Hämodynamisch stabile, bradykarde Herzrhythmusstörung
- Asystolie ohne das Vorhandensein von P-Wellen
InfoIn der Notfallmedizin sind absolute Kontraindikationen selten, da bei lebensbedrohlicher Bradykardie
die Indikation häufig überwiegt.
Übersicht der Schrittmacher Modi
Die im Rettungsdienst eingesetzten Geräte bieten verschiedene Stimulationsmodi, die je nach klinischer Situation angewendet werden.
Demand-Modus
Der Schrittmacher überwacht die Eigenaktivität des Herzens und gibt nur dann Impulse ab, wenn die Herzfrequenz
MerkeFür die zuverlässige Erkennung der Eigenfrequenz von Patient:innen muss ein 6-Kanal-EKG abgeleitet werden. Dieses darf im laufenden Demand-Modus nicht entfernt werden. Das Gerät schaltet ansonsten in den Fix-Modus um.
Fix-Modus
Hier wird das Herz kontinuierlich mit einer festgelegten Frequenz stimuliert, unabhängig der eigenen Herzfrequenz
AchtungIm FIX-Modus ist eine Stimulation während der vulnerablen Phase möglich. Hier besteht die Gefahr, ein Kammerflimmern
auszulösen!
Overdrive-Modus
Der Schrittmacher stimuliert das Herz mit einer Frequenz, die über der Eigenfrequenz liegt, um arrhythmogene oder pathologische Eigenrhythmen wie Tachykardien
Material
- Defibrillator mit Schrittmacherfunktion
- Defibrillationselektroden
- Monitorüberwachung (Blutdruck, 6-Kanal-EKG und SpO2)
- Mindestens einen sicheren intravenösen Zugang
- Injektionsanästhetika
(z. B. Propofol , Ketamin , etc.) - Notfall-Equipment (Sauerstoff
, Notfallmedikamente, Beatmungsbeutel und Absaugung)
Durchführung
AchtungDa der Patient vor Beginn der transkutanen Schrittmachertherapie bereits vollständig nach dem xABCDE-Schema untersucht worden sein sollte, einschließlich der Anlage eines Standardmonitorings und eines i.v. Zugangs, wird hier direkt auf die Anlage des Schrittmachers eingegangen.
TippWährend der transkutanen Schrittmachertherapie sollte eine Analgesie nach lokaler Vorgabe erfolgen, da dieses Verfahren schmerzhaft ist.
InfoDie Algorithmen der Bundesländer geben unterschiedliche Vorgaben zur Schrittmachertherapie. In diesem Szenario werden die Standardeinstellungen gemäß den Empfehlungen des DBRD, an die die Musteralgorithmen angelehnt, angewendet.
Eine beispielhafte Auswahl der verschiedenen Einstellungen findest du am Ende des Artikels.
Patient:innen vorbereiten und Anbringen der Elektroden
- Oberkörper vollständig freimachen
- Übermäßigen Haarwuchs vorsichtig entfernen
- Haut reinigen und trocknen
- Elektroden in der vorgesehenen Position platzieren (siehe Abbildung)
MerkeDie korrekte Positionierung der Elektroden
variiert je nach verwendetem Gerät und dessen spezifischen Vorgaben. Empfohlene Positionierungen sind dabei die anterior-laterale und die anterior-posteriore Platzierung.
Algorithmus transkutaner Schrittmacher
TippIdealerweise erfolgt die Pulskontrolle in der Leiste (A. femoralis
). Durch die Stimulation erzeugte Muskelzuckungen im Halsbereich können fälschlicherweise als Puls wahrgenommen werden.
Komplikationen
Hautverbrennungen / Reizungen
Es können Hautverbrennungen und Hautreizungen auftreten. Diese entstehen durch die hohen Stromstärken, die zur Überwindung der Thoraximpedanz erforderlich sind. Besonders betroffen sind die Kontaktstellen der Elektroden, wenn diese nicht korrekt positioniert oder ausreichend vorbereitet wurden.
Gefahr von Kammerflimmern im Fix-Modus
Wenn der Patient eigene Ventrikelaktionen zeigt, sollte die Stimulation stets im Demand-Modus erfolgen, um das Risiko einer Stimulation in der vulnerablen Phase (relativen Refraktärphase) des ventrikulären Aktionspotenzials
Fehlinterpretation von elektrischen Potenzialen im EKG
Nach dem Einstellen des externen Schrittmachers ist eine kontinuierliche Überprüfung der korrekten Kopplung notwendig. Dabei besteht im Monitor-EKG
Nicht ausreichende Analgosedierung
Bei der transkutanen Stimulation sind aufgrund der hohen Thoraximpedanz deutlich höhere Stromstärken erforderlich als bei internen Schrittmachern, und die Impulsdauer ist im Vergleich zu implantierten Schrittmachern länger. Die durch das externe Pacing ausgelösten Muskelkontraktionen des Zwerchfells
Patient:innen, die nach Erreichen eines adäquaten Herzzeitvolumens nicht mehr komatös sind, benötigen daher eine Analgosedierung
Patientenimpedanz
Nach Anlegen der Therapieelektroden misst das Gerät die Impedanz des Patienten und zeigt diese mit den Begriffen „OK„, „NIEDRIG“ oder “HOCH“ an. Bei einer zu niedrigen oder zu hohen Impedanz wird die Schockauslösung automatisch gesperrt.
Ursachen für eine hohe Impedanz:
- Starker Haarwuchs
- Verunreinigte Haut
- Falsche Positionierung der Elektroden
- Lufteinschlüsse beim Anbringen der Klebeelektroden
Ursachen für eine niedrige Impedanz:
- Zu geringer Abstand zwischen den Therapieelektroden
- Nasse Haut des Patienten
- Technische Probleme mit dem Elektrodenkabel
Tipps
TippAnalgosedierung
Eine ausreichende Analgosedierung
ist essenziell und muss immer individuell an die Situation und an die erkrankte Person angepasst durchgeführt werden. Die hier aufgeführten Dosierungen stellen eine beispielhafte Auswahl dar.
- Esketamin
+ Midazolam - Esketamin
+ Propofol Generell muss dabei auf die örtlichen Gegebenheiten geachtet werden!
MerkeImplantierte Schrittmacher
Implantierte Schrittmacher stellen in der Regel kein Hindernis für die Durchführung einer externen Defibrillation
dar. Die Defibrillationselektroden sollten jedoch so weit wie möglich vom Implantat entfernt und in einer klinisch geeigneten Position angebracht werden. In seltenen Fällen können vorübergehende Funktionsstörungen des Implantats auftreten. Diese sind für die Akutsituation nicht relevant und können zu einem späteren Zeitpunkt überprüft werden.
Vergleich der Anweisungen für Notfallsanitäter
| Algorithmen | Position der Elektroden | Modus | Frequenz | Startintensität | Sicherheitsüberschuss |
|---|---|---|---|---|---|
| Musteralgorithmen DBRD | Anterior-Lateral | DEMAND | 70/min | keine Angabe | 15 mA |
| SAA und BPR Baden-Württemberg, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Nordrhein-Westfalen, Sachsen, Sachsen-Anhalt | Anterior-lateral Anterior-posterior | DEMAND | 70/min | 25 mA | Keine Angabe |
| VFA Thüringen | Keine Angabe | DEMAND | 70/min | 70 mA | 5-10 mA |
| Medizinische Handlungsanweisungen Berliner Notfallrettung | Anterior-Posterior | DEMAND | 70/min | 30 mA | 10 mA |
| Ausbildungs- und Behandlungsalgorithmen Rheinland-Pfalz | Herstellerangaben | Keine Angabe | 80/min | 80 mA | 10 mA |
| Medizinische Verfahrensanweisungen Saarland | Anterior-lateral Anterior-posterior | Keine Angabe | 70/min | 10 mA | Keine Angabe |
| Handlungsempfehlungen für den Rettungsdienst Schleswig-Holstein | Anterior-Lateral | DEMAND | 60-80/min | Keine Angabe | Keine Angabe |
Quellen
- Externer Schrittmacher – Notfallpacing – Schritt für Schritt, Notfallmedizin up2date 2017; 12(04): 351 - 355
- Transkutaner Schrittmacher – Schritt für Schritt, retten! 2024; 13(02): 132 - 135
- Vorgehen bei transkutaner Schrittmacherstimulation, Checkliste Notfallmedizin. Hrsg. 4. Auflage
- Empfehlungen zur externen Kardioversion bei Patienten mit Herzschrittmacher oder implantiertem Kardioverter/Defibrillator, Deutsche Gesellschaft für Kardiologie – Herz- und Kreislaufforschung e.V. Published by Springer-Verlag
- Reanimation 2021 Leitlinien Kompakt, Deutscher Rat für Wiederbelebung – German Resuscitation Council e.V. (GRC)
- Gebrauchsanweisung corpuls3, GS Elektromedizinische Geräte G. Stemple GmbH


