Zusammenfassung

Urapdil ist ein peripher wirkender α1-Adrenozeptor-Antagonist mit zusätzlicher zentraler 5-HT1A-Agonist-Wirkung.
Es führt zu einer arteriellen und venösen Vasodilatation mit Blutdrucksenkung bei meist geringer Reflextachykardie, da die zentrale Sympathikushemmung den Baroreflex dämpft.
Im Rettungsdienst wird Urapidil vor allem bei hypertensiven Krisen
Wesentliche Nebenwirkungen sind Hypotonie, Schwindel, Übelkeit und Kopfschmerz
Lernkarte

Wirkstoffklasse und Etikett
- Wirkstoffklasse: Antihypertensiva
- Handelsnamen: z.B. Ebrantil®
Indikationen
- Hypertensiver Notfall
bei RRsys >180 mmHg oder RRdia >120 mmHg - Bei Schlaganfall
mit RRsys >220 mmHg oder RRdia >120 mmHg
AchtungCave bei Schlaganfall
: Vorsichtig absenken bis Ziel-RR: 190–200 mmHg, um ausreichende Hirnperfusion zu gewährleisten!
AchtungDie Grenzwerte für Urapdil sind teilweise von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich. Um Missverständnisse zu vermeiden, solltest du dich unbedingt über die lokalen Standardindikationen und Standarddosierungen informieren.
Kontraindikationen
- Aortenisthmusstenose
- Arteriovenöser Shunt
(z.B. hämodynamisch aktiver Dialyseshunt ) - Überempfindlichkeit
Dosierung
- Erwachsene: 10 mg langsam i.v. (maximal 50 mg i.v.)
AchtungDie Blutdrucksenkung sollte unter laufender Blutdruckkontrolle stattfinden!
Besonderheiten
- Keine Reflextachykardie durch zentrale Hemmung des Sympathikus über Serotonin-Rezeptoren
- Tipp: Der Blutdruck sollte in der Regel maximal um 25% vom Ausgangswert gesenkt werden
Wirkeintritt/-dauer
- Wirkeintritt: ca. 5 min (i.v.-Gabe)
- Wirkdauer: ca. 1–3 Std
- Metabolisierung: in der Leber
(hauptsächlich durch CYP2D6 ) - Ausscheidung: vorwiegend renal, etwa 50–70 % der verabreichten Dosis werden über die Nieren ausgeschieden
Wirkung
- Peripher: Urapidil wirkt über einen Antagonismus an postsynaptischen α1-Rezeptoren der Blutgefäße → Blutdrucksenkung
- Zentral: Stimulation zentraler Serotonin- (5HT1A-) Rezeptoren
→ Hemmung der sympathischen reflektorischen Gegenregulation (Antisympathotonikum)
→ Keine Reflextachykardie - Gesamteffekt: Periphere Vasodilatation durch α1‑Blockade und zentrale Hemmung des Sympathikus
durch 5‑HT₁A‑Aktivierung führen synergistisch zu einer kontrollierten Blutdrucksenkung ohne Reflextachykardie
Wechselwirkungen
- Wirkverstärkung bei gleichzeitiger Gabe von anderen blutdrucksenkenden Medikamenten (ACE-Hemmer
, Sartane , Betablocker , Diuretika , Calciumantagonisten ) oder CYP2D6 -Inhibitoren (z.B. Amiodaron , Cimetidin, Duloxetin, Fluoxetin → Urapidil wird über CYP2D6 metabolisiert) - Wirkabschwächung bei gleichzeitiger Gabe von CYP-Induktoren (z.B. Carbamazepin, Rifampicin
, Johanniskraut )
Nebenwirkungen
- Orthostatische Dysregulation (z.B. Blutdruckabfall beim Positionswechsel vom Liegen zum Stehen)
- Kopfschmerzen
- Schwindel
- Gastrointestinale Beschwerden
- Übelkeit
- Müdigkeit
Lagerung
- Temperatur: Nicht über 30 °C lagern
- Lichtschutz: Ampullen vor Licht schützen
- Angebrochene Ampullen: Sofort verbrauchen, nicht aufbewahren
Weiterführende Artikel
Sympathikus (Pharmakologie) Pharmakologie des Herz-Kreislauf-Systems (RD)
Quellen
- CHEPLAPHARM Arzneimittel GmbH. Ebrantil® i.v. 50 mg, Injektionslösung – Fachinformation. Stand: Juli 2022
- Aktories K, Förstermann U, Hofmann FB, Flockerzi V (Hrsg.): Allgemeine und spezielle Pharmakologie und Toxikologie. Urban & Fischer Verlag/Elsevier GmbH, 13. Auflage, 2022. ISBN: 978-3-437-42622-3
- Wanka V, Weiß S: Medikamente im Rettungsdienst. Georg Thieme Verlag, 2. Auflage, 2019. ISBN: 978-3-13-242824-9
