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Urinanalytik

Urindiagnostik, Urinuntersuchung
6 Minuten Lesezeit

Im Urin lassen sich mittels der Urinanalytik harngängige Substanzen und Stoffe nachweisen, die im Blut unter der analytischen Nachweisgrenze liegen oder eine sehr kurze Halbwertszeit haben. Im Urin kommt es zu einer Konzentration dieser Substanzen, somit lassen sie sich dort häufig besser nachweisen. Aufgrund der stark schwankenden Diurese und Konzentrierung ist die Aussagekraft jedoch eingeschränkt.

Es gibt verschiedene Formen des Probenmaterials:

  • Spontanurin: spontan gelassene Urinmenge (z.B. Morgenurin = der erste Urin nach dem Schlafen) – geeignet für qualitative Untersuchungen
  • Sammelurin: Urin wird über bestimmten Zeitraum (z.B. 24 Stunden) gesammelt – geeignet für quantitative Untersuchungen
  • Mittelstrahlurin: anfänglicher Urinstrahl wird verworfen, einige Sekunden nach Miktionsbeginn wird der Urin aufgefangen – geeignet für mikrobiologische Untersuchungen, da die Kontamination durch dieses Vorgehen reduziert ist 
  • Punktionsurin: Urin wird per Punktion (suprapubisch) gewonnen, um Kontaminationen zu vermeiden

Urin-Stix (U-Stix) sind ein einfaches, kostengünstiges Verfahren, das viele wertvolle Hinweise im Rahmen der Urindiagnostik liefert. 

Hierzu wird ein Teststreifen in den Urin gehalten, an dem verschiedene Parameter abgelesen werden können. Der Teststreifen sollte unmittelbar nach der Uringewinnung für max. 1 Sekunde in den Urin eingetaucht werden und nach ca. 1-2 Minuten abgelesen werden.

Mit einem Urin-Stix lassen sich folgende Werte analysieren:

Urin-Stix
  • pH-Wert
  • Leukozyten
  • Erythrozyten
  • Eiweiß (Albumin)
  • Glucose
  • Ketone
  • Urobilinogen
  • Nitrit

Bei der Interpretation eines Urinteststreifens gibt es einige Fehlerquellen zu beachten. Diese sind folgend unter den einzelnen Parametern dargestellt. Weiterhin sind unter den Punkten “→ Auffällig” die möglichen diagnostischen Schritte dargestellt, die bei den jeweils auffälligen Werten im Urin-Stix anschließend zur weiteren Differenzialdiagnostik durchgeführt werden können.

Hämoglobin im Urin

Nachweis von Erythrozyten oder Myoglobin (bei einer sichtbaren Verfärbung des Urins spricht man von einer Makrohämaturie)

Ist lediglich der U-Stix positiv, so spricht man von einer Mikrohämaturie. Hämoglobin im Urin ist ein Hinweis für eine renale oder postrenale Erkrankung (z.B. Harnsteine, Tumore, Nephritis, Zystitis)

Falsch-positiv: Myoglobin erhöht bei körperlicher Belastung (wird als Hämoglobin erkannt); Kontamination mit Menstruationsblut

Falsch-negativ: Kontamination mit Reinigungsmitteln

Auffällig: Urinsediment

Urin-Stix: Hämoglobin

Leukozyten im Urin

Leukozyten sprechen für eine Entzündung im Bereich der Nieren und der ableitenden Harnwege

Falsch-positiv: körperliche Belastung; Fieber; Medikamenteneinnahme (ASS)

Auffällig: Urinkultur

Urin-Stix: Leukozyten

Nitrit im Urin

Physiologisch ist der Urin frei von Nitrit. Ein Nachweis von Nitrit deutet auf einen bakteriellen Harnwegsinfekt mit Nitrit-bildenden Bakterien hin.

Falsch-positiv: Verzehr von roter Beete

Falsch-negativ: Neugeborene; gemüsearme Ernährung; Antibiotikabehandlung; geringe Bakterienzahl im Urin; (Enterokokken & Pseudomonaden bilden kein Nitrit)

Auffällig: Urinkultur, Antibiotikatherapie 

Urin-Stix: Nitrit

Proteinurie

Physiologisch befinden sich keine Proteine im Urin. Nach körperlicher Belastung kann es zu einer geringen Proteinurie kommen. Mittels U-Stix können nur größere Proteinmengen (insbesondere Albumin) nachgewiesen werden. Eine Mikroalbuminurie, die insbesondere zur Früherkennung einer diabetischen Mikroalbuminurie relevant ist, kann mittels U-Stix nicht detektiert werden. Ein Nachweis von Proteinen im Urin mittels U-Stix spricht also für eine fortgeschrittene Schädigung. Von einer Makroalbuminurie spricht man bei einer Ausscheidung von über 300 mg Albumin im 24-Stunden-Sammelurin oder von über 200 mg/l im Mittelstrahlurin.

Falsch-positiv: bei alkalischem Urin, z.B. im Rahmen eines Harnwegsinfektes

Falsch-negativ: Erhöhtes Vorkommen von Bence-Jones-Proteinen (im Rahmen eines Multiplen Myeloms), diese werden nicht durch U-Stix erkannt

Auffällig: Sammelurin

Urin-Stix: Proteine

Urin-pH-Wert

Ein stark alkalischer Urin kann auf einen Harnwegsinfekt mit harnstoffspaltenden Erregern hindeuten.

Ketone im Urin

Ketone können im Urin bei verminderter Nahrungsaufnahme oder einem schlecht eingestellten Diabetes mellitus sowie Erbrechen nachgewiesen werden. 

Falsch-positiv: Einnahme von Captopril oder L-Dopa

Falsch-negativ: verspätete Untersuchung des Urins

Auffällig: Abklärung der Stoffwechsellage, insb. Blutzuckerbestimmung

Glucosurie

Physiologisch wird die Glucose über spezifische Transporter aus dem Harn rückresorbiert. Bei einem Überschreiten der Nierenschwelle kommt es zu einer Glucosurie. Bei einer Tubulo-interstitieller Nephritis oder in der Schwangerschaft kann es zu einer Herabsetzung der Nierenschwelle und einer normoglykämischen Glucosurie kommen. Bei einem Diabetes mellitus kann es zu einer Hyperglykämie und somit einer Überschreitung der Nierenschwelle und einer Glucosurie kommen.

Falsch-positiv: Verunreinigung mit Desinfektionsmitteln; stark alkalischer oder saurer Urin

Auffällig: Blutzucker, Hba1c

Urin-Stix: Glucose

Bilirubin im Urin

Das konjugierte/direkte Bilirubin kann im Urin bei Erkrankungen der Leber und Gallenwege im Urin nachweisbar werden.

Falsch-negativ: Verlängerte Lagerung des Urins unter Lichteinstrahlung; erhöhte Konzentration an Nitrit

Auffällig: Bestimmung der Transaminasen und Cholestaseparameter

Urin-Stix: Bilirubin

Urobilinogen im Urin

Das Urobilinogen kann bei einem intra- und insbesondere prähepatischen Ikterus im Rahmen einer Hämolyse erhöht sein. Bei einem posthepatischen Ikterus gelangt kein Bilirubin in den Darm und kann daher nicht zu Urobilinogen verstoffwechselt werden. Der Nachweis von Urobilinogen im Urin ist daher differenzialdiagnostisch im Rahmen der Ikterus-Abklärung hilfreich.

Falsch-positiv: Verzehr von roter Beete

Falsch-negativ: Lagerung des Urins unter Lichteinstrahlung

Auffällig: Bestimmung Bilirubin, Hämolyseparameter

Zur weiteren Abklärung bei dem Verdacht auf uro- oder nephrologische Erkrankungen kann ein Urinsediment gewonnen werden. Durch Zentrifugation können die festen Urinbestandteile getrennt werden. Das Sediment lässt sich anschließend mikroskopisch untersuchen.

Akanthozyten

Mittels eines Phasenkontrastmikroskops lassen sich dysmorphe Erythrozyten, sogenannte Akanthozyten nachweisen. Gelangen die Erythrozyten über geschädigte Glomeruli in den Harn, so werden sie einem mechanischen Stress ausgesetzt und verformen sich. Im Urinsediment können sie als Akanthozyten nachgewiesen werden und somit Rückschlüsse auf eine glomeruläre Schädigung zulassen.

Zylinder

Im Urinsediment können ebenfalls Zylinder nachgewiesen werden. Zylinder sind “Ausgüsse“ der Nierentubuli, die aus Zellen oder Proteinen bestehen können. Je nach Zusammensetzung lassen sich Rückschlüsse ziehen. 

Hyaline Zylinder bestehen aus Proteinen, sie sind recht unspezifisch und können auch bei Gesunden vorkommen.

Epithelzylinder bestehen aus abgeschilferten Tubuluseptihelzellen. Sie können auf eine Glomerulonephritis oder eine interstitielle Nierenerkrankung hindeuten. 

Leukozytenzylinder kommen insbesondere bei einer glomerulären oder interstitiellen Nephritis oder einer Pyelonephritis, also einer Entzündung des Nierenbeckens vor.

Erythrozytenzylinder sind hinweisend für eine Glomerulonephritis.

Zuletzt aktualisiert am 08.01.2025
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