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Vena-cava-Kompressionssyndrom

6 Minuten Lesezeit
Vena cava inferior

Einer der bekanntesten Notfälle in der Spätschwangerschaft ist das Vena-cava-Kompressionssyndrom. Dabei kommt es zu einer Kompression der Vena cava inferior bei Rechtsseitenlage der Schwangeren. Je nach Grundkonstitution der werdenden Mutter und dem Ausmaß der Gewichtszunahme durch die Schwangerschaft kann bereits eine Rückenlage der Mutter zu diesem Bild führen. Es ist daher nicht verwunderlich, dass auch extreme Adipositas einen Risikofaktor für dieses Krankheitsbild darstellt.

Das Gewicht des Fetus und der mit Fruchtwasser und Plazenta gefüllten Gebärmutter lastet auf der Vena cava inferior. Da die Muskelschicht der Vena cava inferior dünner ist als z.B. die der Aorta abdominalis, kann diese komprimiert werden. Diese große Hohlvene verläuft rechts dorsal im Bauchraum, sodass eine Kompression nur in Rechtsseiten- oder Rückenlage auftritt. Der Rückfluss des darin enthaltenen Blutes zum Herzen ist dadurch vermindert und das Herzzeitvolumen nimmt entsprechend ab. Durch diese Minderversorgung des gesamten Organismus kann es zu einer Synkope kommen. Wird die Schwangere dann nicht auf die linke Körperseite gedreht oder befindet sie sich zu häufig in einer solchen Situation, kommt es zu einer Mangelversorgung des Fötus und der Mutter selbst. Es können Schäden am Gehirn und anderen Organen des Fötus entstehen, die über die Schwangerschaft hinaus andauern können.

 Merke

Die meisten Schwangeren werden bereits im Vorfeld durch ihre:n Gynäkolog:in über das Vena-cava-Kompressionssyndrom aufgeklärt und verhalten sich oft bereits entsprechend richtig. Dennoch sollte bei einer Synkope in der Schwangerschaft immer die Lagerung der Schwangeren in der jeweiligen Situation erfragt werden, um ein Vena-cava-Kompressionssyndrom auszuschließen.

 

Die Symptomatik eines solchen Ereignisses besteht zunächst in einer Tachykardie und einem Hypotonus der Mutter aufgrund des reduzierten Herzminutenvolumens. Das „fehlende“ Blutvolumen wird also durch eine Tachykardie zu kompensieren versucht. Ist dies dem Organismus nicht mehr möglich, kann es zu einer kurzzeitigen Bewusstlosigkeit im Sinne einer Synkope kommen. Auch vegetative Begleitsymptome wie Übelkeit und Schwindel oder eine leichte Dyspnoe sind möglich. 

Cardiotokogramm (CTG) ohne Wehen
Cardiotokogramm ohne Wehen
A: Fetale Herzfrequenz
B: Von der Mutter gefühlte Kindsbewegungen (durch Knopfdruck aufgezeichnet) 

Im CTG, d.h. im Cardiotokogramm, kann bei einem akuten Ereignis eine Bradykardie des Fötus oder eine sporadische Dezeleration (d.h. ein sporadisches Absinken der fetalen Herzfrequenz) auftreten.

Insbesondere nach einer Synkope sollte ein CTG angefertigt und die Mutter kurzzeitig kardiopulmonal überwacht werden, da auch andere Ursachen für eine kurzzeitige Bewusstlosigkeit infrage kommen können und hier nicht übersehen werden sollten.

Wird die Synkope als Folge der Lagerung vermutet, sind keine weiteren Maßnahmen erforderlich. Die Patientin wird dann lediglich nochmals über die Lagerung und die daraus resultierende Problematik in Rücken- oder Rechtsseitenlage aufgeklärt.

Das Problem ist leicht zu beheben und vor allem präventiv zu behandeln. Da dieses Problem erst im dritten Trimenon der Schwangerschaft relevant wird, wird der Schwangeren empfohlen, sich ab diesem Zeitpunkt im Liegen 
in die Linksseitenlage zu begeben, um eine Kompression der Vena cava inferior zu vermeiden. Dies sollte auch im klinischen oder präklinischen Umfeld beachtet werden. 

Ursachen:

  • Abdrücken der Vena cava inferior durch das Gewicht des Fötus, des Uterus bzw. des abdominellen Fettgewebes
  • Resultierend reduzierter Rückfluss des Blutes zum Herzen
  • Entsprechend reduziertes Herzzeitvolumen mit Kreislaufdysregulation der Schwangeren und Minderversorgung des Fötus

Symptome: 

  • Tachykardie
  • Hypotonus
  • Synkope
  • Ggf. Dyspnoe
  • Ggf. Übelkeit und Schwindel
  • Befund im CTG: Dezeleration, Bradykardie 

Therapie: 

  • Drehung des Schwangeren auf die linke Seite
  • Abklärung der Synkope (Forschung nach anderen Ursachen)
  • CTG zur Beurteilung des Kindes
  • Ggf. kardiopulmonale Überwachung der Schwangeren
  • Aufklärung zur Prävention eines Vena-cava-Kompressionssyndroms
Zuletzt aktualisiert am 23.12.2024
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