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Verbrennung (RD)

Verbrennungskrankheit, Brandwunde
27 Minuten Lesezeit

Verbrennungen sind schwerwiegende thermische Verletzungen, die schnelles und gezieltes Handeln erfordern. Häufige Ursachen von Verbrennungen sind die Einwirkung von Hitze, Chemikalien, Strom oder Strahlung. Wichtige präklinische Maßnahmen umfassen das Stoppen der Hitzeeinwirkung, Schockprophylaxe und den Erhalt der körperlichen Wärme. Im Fokus der Therapie stehen das xABCDE-Schema, eine effektive Schmerztherapie und die Früherkennung lebensbedrohlicher Zustände wie Inhalationstrauma und Volumenmangelschock. Ein umfassendes Verständnis der Hautfunktion, der Kreislaufregulation und des Zellstoffwechsels ist essenziell, um die Komplexität von Verbrennungen zu begreifen.

Das Zielkrankenhaus richtet sich nach dem Ausmaß der Verbrennung: Schwerverletzte werden in ein Verbrennungszentrum gebracht, während leichtere Verletzungen auch in chirurgischen Ambulanzen behandelt werden können.

Um den Einstieg in das Thema Verbrennung etwas zu erleichtern, wird im Folgenden ein Fall beschrieben, wie er sich präklinisch ereignen könnte.

Das Szenario

Einsatzmeldung:

  • Stichwort: Brandverletzung
  • Ort: Küche einer Wohnung im Mehrfamilienhaus
  • Alarmzeit: 16:30 Uhr
  • Anrufer: Nachbarin
  • Anzahl der Betroffenen: 1 Person
  • Zusatzinfo:
    • Patientin, 30 Jahre alt
    • Durch heißes Fett verbrannt
    • Deutliche Rußspuren in der Küche

Lageeinweisung vor Ort:

Beim Eintreffen des Rettungsdienstes sitzt die Patientin in ihrer Küche. Die Wohnungstür war von ihr bereits geöffnet worden. 

Die Lage ist wie folgt:

  • Sie ist bei Bewusstsein und berichtet über starke Schmerzen
  • Heißes Fett hat Verbrennungen an Gesicht, Hals und Oberarm verursacht. Es hat sich um brennendes Fett gehandelt, welches Stichflammen verursacht hat. Der Brand konnte durch einen Deckel auf dem Topf rechtzeitig gestoppt werden
  • Die Umgebung ist rauchfrei und das mitgeführte Kohlenstoffmonoxid-Warngerät zeigt einen Wert von 0 ppm
  • Die Nachbarin der Patientin hatte die Patientin selbst schreien hören. Sie rief den Rettungsdienst noch bevor die Patientin die Tür öffnete
  • Die Feuerwehr wird nicht benötigt 
Fallbeispiel: Verbrennung

Ersteindruck nach xABCDE-Schema

Um sich einen ersten umfassenden Eindruck von einer Patientin oder einem Patienten in einer Notfallsituation zu verschaffen, bietet sich das xABCDE-Schema an. Um die Arbeit mit dem Schema zu veranschaulichen, ist hier ein xABCDE-Schema abgebildet, wie es im Falle einer Ersteinschätzung bei einer Patientin oder einem Patienten mit Verbrennungen aussehen könnte. 

Es handelt sich dabei um die Befunde, die innerhalb der ersten paar Minuten erhoben werden können. Erweiterte Diagnostik und Abfragen sind natürlich von Bedeutung, jedoch würde zum Beispiel die Messung des Blutzuckers in diesem Fall hintangestellt und taucht zu diesem Zeitpunkt noch nicht auf.

x

  • Keine kritischen Blutungen

 

A

  • Atemwege frei
  • Schleimhäute rosig, mit Rußspuren
  • Pat. spricht selbständig

 

Achtung

Mittelbares 
A-Problem

B

  • Pat. gibt leichte Dyspnoe an
  • Inspektorisch
    • Thoraxexkursion beidseits regelhaft
    • Keine Zyanose
    • Keine gestauten Halsvenen sichtbar
    • Tacypnoe, 21/min
  • Auskultatorisch
    • Beidseits vesikuläres Atemgeräusch
    • Keine Nebengeräusche
  • Palpatorisch
    • Thorax insgesamt instabil
  • SpO2: 96 %
Achtung

Mittelbares 
B-Problem

C

  • Hautkolorit normal, leichte Rußspuren
  • Rekap-Zeit: < 2 Sekunden
  • Große Blutungsräume ohne Zeichen auf akute Blutungen
  • Palpation des Pulses am Handgelenk
    • Rhythmisch
    • Gut tastbar
    • Tachykard, 117/min

Kein 
C-Problem

D

  • Wach, orientiert, ansprechbar
  • GCS 15
    • Öffnen der Augen: 4
    • Beste verbale Reaktion: 5
    • Beste motorische Reaktion: 6
  • Pupillenkontrolle
    • Isokor
    • Mittelweit
    • Lichtreagibel

Kein 
D-Problem

E

  • Verbrennungen an Gesicht, Hals und Oberarm
    • Ca. 10 % der Körperoberfläche
  • Symptome
    • Schmerzen NRS 8/10 an verbrannten Stellen
    • Geringe Dyspnoe
  • Allergien/Infektionen: Keine bekannt
  • Medikamente: Weder Dauermedikation noch Akutmedikation eingenommen
  • Patientengeschichte: Keine bekannten Vorerkrankungen
  • Letzte Mahlzeit: Vor 2 Stunden
  • Ereignis
    • Unfall beim Kochen
  • Risikofaktoren: Keine 

Akutes 
E-Problem

Verbrennungen entstehen durch die Einwirkung von Hitze, Chemikalien, Strom oder Strahlung. Die Verletzungen können oberflächlich oder tief sein und sowohl die Haut als auch tieferliegende Gewebe betreffen. Sie werden in Schweregrade (Grad I-IV, siehe unten) und nach dem prozentualen Anteil der verbrannten Körperoberfläche eingeteilt.

Thermisch: 

Thermische Ursachen sind die häufigsten Auslöser von Verbrennungen. Sie entstehen durch direkten Kontakt mit heißen Flüssigkeiten (Verbrühungen), Flammen oder heißen Oberflächen wie Metallen. Auch Verbrühungen durch heißen Dampf, wie er in der Industrie oder beim Kochen entsteht, gehören zu dieser Kategorie.

 Achtung

Besonders riskant sind heiße Öle und Fette, da sie hohe Temperaturen erreichen und lange an der Haut haften bleiben. 

Chemisch: 

Chemische Verbrennungen werden durch Kontakt mit ätzenden Substanzen wie Säuren (z. B. Schwefelsäure) oder Laugen (z. B. Natriumhydroxid) verursacht. Sie können sowohl oberflächliche als auch tiefe Gewebeschäden hervorrufen und sind oft tückisch, da sie ohne sichtbare Flamme auftreten.

Elektrisch: 

Elektrische Verbrennungen treten bei direktem Kontakt mit elektrischen Stromquellen auf. Der Stromfluss durch den Körper kann tiefe Gewebeschäden hervorrufen, obwohl die äußerlich sichtbaren Verletzungen gering erscheinen. Blitzschläge sind eine besondere Form von elektrischen Verletzungen, die zusätzlich thermische und mechanische Schäden verursachen können.

Strahlung: 

Strahlungsbedingte Verbrennungen umfassen sowohl akute Schäden durch intensive UV-Strahlung, wie bei Sonnenbrand, als auch durch ionisierende Strahlung (z. B. in der Nuklearmedizin oder bei Strahlenunfällen). Langfristige Exposition kann zu chronischen Hautschäden oder Krebserkrankungen führen.

 Merke

Eine klare Erfassung des Auslösers ist entscheidend für die nachfolgende Behandlung und Prognose der Verletzung.

 Merke
Physiologische Grundlagen
  • Die Haut hat als größtes Organ des menschlichen Körpers zentrale Aufgaben:
    • Schutzbarriere gegen Infektionen
    • Regulation der Körpertemperatur
    • Verhindert den Verlust von Flüssigkeit und Elektrolyten
    • Diese Funktionen beruhen auf der Integrität der Epidermis und der Dermis, die bei Verbrennungen stark beeinträchtigt werden
  • Der Kreislauf sichert die Versorgung der Zellen mit Sauerstoff und Nährstoffen, während der Stoffwechsel die Energie bereitstellt, die für Heilungsprozesse notwendig ist

Verbrennungen verursachen durch Hitze eine Denaturierung von Proteinen, was zur Schädigung und Zerstörung von Zellen führt. Die Haut verliert ihre Barrierefunktion, wodurch Keime und Fremdstoffe leichter eindringen können. 

Dies führt zu einer starken lokalen Entzündungsreaktion: 

  • Gefäßwände werden durchlässiger
  • Plasmaflüssigkeit tritt ins Gewebe aus und verursacht Ödeme 
    • Durch die Umverteilung der Flüssigkeit kann es zu einem Volumenmangel (Burn Shock) kommen
  • Gleichzeitig setzt der Körper Stresshormone frei, die den Stoffwechsel beschleunigen und den Sauerstoff- und Energiebedarf erhöhen.
  • Auf systemischer Ebene können bei ausgedehnten Verbrennungen Organe wie Lunge, Niere oder Herz beeinträchtigt werden. 
 Info
Volumenmangelschock bei großflächigen Verbrennungen
  • Hitzeeinwirkung → Nekrose der Haut → Kapillarschädigung → erhöhte Permeabilität (Kapillarleck) = Verlust von Flüssigkeit und Eiweißen (Ödembildung)
  • Mikrozirkulationsstörung → Abfall Herzzeitvolumen (HZV) → Gewebeischämie = Volumenmangelschock
 Achtung

Ein Inhalationstrauma durch Rauchgase kann die Atemwege schädigen und zu lebensbedrohlichen Atemwegsverlegungen führen. Lokale und systemische Entzündungen spielen dabei eine zentrale Rolle und machen die Behandlung komplex.

Typische Zeichen 

Die Wunde sieht je nach Schweregrad der Verbrennung sehr unterschiedlich aus. Auch die Schmerzen können extrem variieren.

SchweregradHauterscheinungSchmerzcharakter und SchmerzstärkeBetroffene HautschichtenAbbildung 
Grad I
  • Rötung
  • Keine Blasen
  • Brennend
  • Leichte bis mäßige Schmerzen
  • Epidermis 

 

Verbrennung Grad 1
Grad IIa
  • Rötung
  • Klare Blasenbildung
  • Wundgrund rosig und rekapillarisierend
  • Stark brennend
  • Sehr empfindlich
  • Sehr starke Schmerzen
  • Oberflächige Dermis 

 

Verbrennung Grad 2a
Grad IIb
  • Blasen
  • Wundgrund blass und nicht oder schwach rekapillarisierend
  • Dumpf
  • Teilweise empfindungslos
  • Mittel bis starke Schmerzen
  • Tiefe Dermis 

 

Verbrennung Grad 2b
Grad III
  • Graue bis weiße lederartige Haut
  • Schwarzer Schorf
  • Trockener, harter Wundgrund
  • Keine Haare mehr vorhanden 
  • Schmerzlos durch Nervenschäden
  • Komplette Dermis

 

Verbrennung Grad 3
Grad IV
  • Verkohlung
  • Nekrosen
  • Schmerzlos durch komplette Nervenschädigung
  • Unterhautfettgewebe
  • Muskeln
  • Knochen

 

Verbrennung Grad 4

Generalisierte Zeichen

Die weiteren Symptome hängen von den Begleitverletzungen und der Schwere der Verbrennung ab:

  • Inhalationstrauma
    • Dyspnoe
    • Zeichen eines toxischen Lungenödems (kann aber auch erst deutlich zeitversetzt auftreten)
    • Zeichen eines mechanisch ausgelösten Asthma-Anfalls
  • Verbrennungskrankheit 
 Definition

Die Verbrennungskrankheit ist eine systemische Entzündungsreaktion des Körpers auf großflächige Verbrennungen. Charakterisiert durch Gewebezerstörung, erheblichen Flüssigkeits- und Elektrolytverlust sowie die Freisetzung proinflammatorischer Mediatoren, die multiple Organdysfunktionen verursachen können. In der Regel ist klinisch eine intensivmedizinische Betreuung notwendig.

  • Ödembildung
  • Hypotonie und Tachykardie bei Volumenmangelschock

Anamnese

Neben der standardisierten Anamnese ist eine explizite Anamnese zu dem Hergang und den genauen Umständen der Verbrennung vonnöten. Dabei sind mehrere Parameter wichtig! 

Die wichtigsten Parameter sind:

  • Ursache der Verbrennung
  • Dauer der Hitzeeinwirkung
  • Beteiligte Substanzen
  • Ungefähre Temperatur des Mediums, wenn bekannt
  • Vorgenommene Erste-Hilfe-Maßnahmen
    • Insbesondere bei chemischen Verbrennungen relevant
 Tipp
Nutze Schemata

Um die Anamnese strukturiert durchzuführen, bietet es sich an Schemata, wie das SAMPLERS oder OPQRST-Schema zu nutzen. Die Hinweise bei der aktuellen Anamnese finden sich in diesen Schemata wieder:

  • S (Symptome): Brandwunden, Dyspnoe, spürbare Kälte, Schmerzen
    • Hinweise auf einen Volumenmangelschock?
      → Hypotonie, Tachykardie
    • Hinweise auf ein Inhalationstrauma?
      Dyspnoe, Rußspuren im Mund, Stridor
    • Hinweise für die Aufnahme in einem Verbrennungszentrum? 
      → Verbrennung Grad 3, Verbrennung Grad 2 VKOF > 10 %, Verbrennung an Händen/Genitalien, Inhalationstrauma, Verbrennung durch Chemikalien oder Elektrizität, schwere Begleitverletzungen
  • A (Allergien, Infektionen): Bekannte Allergien oder Infektionen?
  • M (Medikation): Dauer- oder Akutmedikation?
  • P (Patientengeschichte): Vorerkrankungen?
  • L (Letzte…): Letzte Flüssigkeits- und Nahrungsaufnahme? (zwecks Narkoseeinleitung)
  • E (Ereignis): Thermische, chemische, elektrische Verbrennung?
  • R (Risiko): Kind oder ältere Person
  • S (Schwangerschaft): Mögliche Schwangerschaft bei weiblichen Patientinnen 

Körperliche Untersuchung

Inspektion:

Ein wichtiges Merkmal ist neben der Tiefe und Beschaffenheit der Verbrennung auch die Ausdehnung der Verbrennung. Diese wird nach der Neuner-Regel eingeschätzt und gibt einen direkten Aufschluss zur Prognose der betroffenen Person. Eine gute Ersteinschätzung ist also entscheidend!

Neuner-Regel nach Wallace
 Achtung
Neuner-Regel

Die Neuner-Regel gilt nur für Erwachsene. Bei Kindern und Kleinkindern wird sie aufgrund unterschiedlicher Körperproportionen angepasst. Ab dem 2. Lebensjahr wird der Kopf mit 14–16 % statt 9 % der Körperoberfläche berechnet. Bei Kleinkindern unter 2 Jahren beträgt der Anteil des Kopfes 18 %.

 Tipp

Zur Einschätzung kleinerer Verbrennungen kann man sich merken, dass etwa die Fläche einer Hand des Betroffenen 1 % der Körperoberfläche darstellt. 

 Info

Bei Verbrennungen, die durch Elektrizität verursacht worden sind, ist meist eine Ein- und Austrittswunde aufzufinden. Diese sollte aktiv gesucht und versorgt werden. Oft ist die Austrittswunde größer als die Eintrittswunde des Stroms. 

Palpation:

Bei der Palpation sollte insbesondere auf lokale Schmerzangabe und periphere Pulse geachtet werden. Anhand der Schmerzexazerbation kann der Grad der Verbrennung festgemacht werden. Wenn periphere Pulse fehlen, muss differenziert werden, ob dieses Problem einseitig oder beidseitig besteht. So kann festgestellt werden, ob ein systemisches Problem, wie ein Volumenmangelschock, besteht oder das Problem z.B. durch die Verbrennung lokal hervorgerufen worden ist. 

Auskultation: 

Bei einigen thermischen Unfällen werden toxische Gase und Rauch produziert. Dabei gibt es verschiedene Gefahren, die kontrolliert werden sollten:

  • Kohlenstoffmonoxid (CO)
    • Entsteht bei unvollständiger Verbrennung
    • Ist geruchslos und wird initial nicht wahrgenommen
    • Zeigt hohe Affinität zum Hämoglobin und blockiert so die innere Atmung
    • Muss zielgerichtet in speziellen Zentren versorgt werden
  • Rauch und Ruß
    • Durch die mechanische Einwirkung auf die Atemwege entstehen Schäden am Gewebe und den gasaustauschenden Strukturen
    • Es kann zu Schwellung, Entzündung und Infektionen kommen, was beispielsweise zu Atemwegsobstruktionen führen kann
    • Auch ein toxisches Lungenödem durch die Einwirkung auf die tiefen Atemwege ist möglich und entwickelt sich oft erst mit zeitlichem Versatz
  • Eine ausführliche Auskultation ist wichtig, um eine Obstruktion oder ein beginnendes Lungenödem früh zu detektieren und entsprechend früh therapieren zu können 

Vitalparameter:

  • SpO₂-Messung zur ersten Orientierung bezüglich der Versorgung des Körpers mit Sauerstoff 
 Achtung
Ein guter SpO₂-Wert bedeutet nicht gleich eine ausreichende Versorgung mit Sauerstoff!

Da die Messung des SpO₂ mittels Infrarot-Sensoren nur die erfolgreiche Bindung eines Stoffes an das Hämoglobin misst und nicht differenziert, welcher Stoff gebunden ist, kann dieser Wert nicht uneingeschränkt als positiv bewertet werden. 

CO hat eine vielfach höhere Bindungsaffinität an Hämoglobin als Sauerstoff. Da es sich dabei um ein geruchloses und unsichtbares Gas handelt, das bei unvollständigen Verbrennungen entsteht, kann es passieren, dass bei einer Person mit Verbrennungen ein hoher SpO₂-Wert bei unzureichender Sauerstoffversorgung auftritt. 

  • Messung von CO, bzw. präklinische Blutgasanalyse, wenn möglich
  • Messung von Herzfrequenz und Blutdruck, um Aussagen über die generelle Kreislaufsituation treffen zu können
  • Messung der Körpertemperatur
    • Besonders wichtig bei ausgedehnter Verbrennung, da die Regulation der Körpertemperatur über die Haut dort geschädigt ist
 Achtung

Eine große Gefahr bei Verbrennungspatient:innen ist eine Hypothermie. Der Wärmeerhalt muss hier also ganz besondere Beachtung finden. 

Sofortmaßnahmen

Eigenschutz beachten:

  • Gefahrenquelle identifizieren: Ist die Brandursache noch aktiv? (z. B. offenes Feuer, Rauch, Chemikalien)
  • Umgebung sichern: Brandstelle nur betreten, wenn keine akute Gefahr durch Feuer, einsturzgefährdete Gebäude oder toxische Substanzen besteht
  • Sicherheitsabstand: Abstand zur Gefahrenzone halten, bis die Situation als sicher eingestuft wurde
 Merke

An die Gefahr von erhöhter Kohlenstoffmonoxid Konzentration denken! Wenn vorhanden, CO-Warngeräte tragen.

Konzentration MessgerätMaßnahmen 
> 30 ppm
  • Raum lüften
  • Person in belüfteten Bereich bringen
  • Max. Aufenthaltsdauer im Gefahrenbereich: 15 Minuten 
> 60 ppm 
  • Schnellstmögliche Rettung der Patient:innen aus Gefahrenbereich
  • Max. Aufenthaltsdauer im Gefahrenbereich: 5 Minuten 
> 200 ppm 
  • Sofortiges Verlassen des Gefahrenbereichs
  • Rettung durch die Feuerwehr abwarten

Hitzeeinwirkung stoppen: 

  • Ziel: Schutz vor weiteren Verletzungen
  • Heißes oder verbranntes Material von der Haut entfernen
  • Haut dabei nicht weiter schädigen
 Achtung

Die Haut reagiert sehr schnell auf die einwirkende Hitze und kann teilweise geradezu mit der anliegenden Kleidung verschmelzen. Eine weitere Schädigung der Haut, auch durch Maßnahmen des Rettungsdienstes, muss vermieden werden

Wärmeerhalt:

  • Ziel: Hypothermie verhindern
  • Haut kann selbst nicht mehr die Körpertemperatur regulieren
  • Rettungsdecken, aber auch wärmende Decken und die Heizung des Transportmittels, helfen, die Temperatur zu stabilisieren
  • Auch gewärmte Infusionen kommen hier zum Einsatz
 Achtung
  • Eine der größten Gefahren bei Verbrennungen ist die Unterkühlung!
  • RTW vorheizen!

Erweiterte Maßnahmen

Wundversorgung:

  • Lokaltherapie mit sterilen, nicht-klebenden Verbänden
    • Meist Aluminium-bedampfte Kompressen
    • Mullkompressen können mit der Wunde verkleben und einen Gewebeschaden vergrößern

Überwachung:

  • Komplettes Monitoring anlegen:
    • Ein Volumenmangelschock kann z.B. anhand eines niedrigen Blutdrucks und eines hohen Pulses schnell erkannt werden
  • Trotz der möglichen Verfälschung des Wertes sollte auch der SpO₂-Wert kontinuierlich gemessen werden 

Intravenöse Volumentherapie:

  • In der präklinischen Phase sollte zur Vereinfachung und zur Vermeidung einer Überinfusion bei Schwerbrandverletzten eine orientierende Volumenmenge verabreicht werden. Für Erwachsene beträgt diese 1000 ml in den ersten zwei Stunden
 Merke

Die Verwendung der bekannten Formeln, wie der Parkland-Formel wird in der präklinischen Versorgung nicht empfohlen, da sie potenzielle Fehlerquellen darstellen.

Analgesie:

  • Die Wahl der Analgetika ist vom jeweiligen Fall abhängig und muss anhand der Anamnese der betroffenen Person vorgenommen werden
 Tipp

Nachfolgendes Schema kann als Hilfestellung in Erwägung gezogen werden: 

  • Verbrannten Körperoberfläche (VKOF) < 15 %: Monotherapie mit Opiaten zur schwerpunktmäßigen Analgesie. Begleitbehandlung mit Antiemetikum empfohlen
  • Verbrannten Körperoberfläche (VKOF) > 15 % und bei hämodynamisch instabilen Patient:innen: Esketamin/Midazolam für die kombinierte Analgosedierung

Lagerung:

  • Die Lagerung muss sich nach der Symptomatik des betroffenen Menschen richten
  • Die Auflagefläche sollte dabei nicht gleich die verbrannte Körperoberfläche sein 

Inhalationstrauma: 

  • Hinweise wie Rußspuren im Mund, Stridor oder Giemen deuten auf eine Atemwegsbeteiligung hin
  • Die Behandlung des Inhalationstraumas geht meistens mit der Behandlung eines Lungenödems einher, da sich dieses entweder schnell oder zeitverzögert entwickeln kann
  • In manchen Fällen kann auch eine frühzeitige Intubation notwendig sein

Elektrische Verbrennungen: 

  • Diese können innere Gewebeschäden und Herzrhythmusstörungen verursachen
  • Ein EKG-Monitoring muss kontinuierlich erfolgen (Gefahr von Herzrhythmusstörungen)
 Tipp

Bei einer Beteiligung von elektrischem Strom muss der Eigenschutz mehr denn je gewahrt werden. Insbesondere wenn die Person weiterhin mit einem stromleitenden Gegenstand verbunden sein sollte, ist eine Rettung nur unter adäquatem Eigenschutz vorzunehmen. 

Chemische Verbrennungen: 

  • Die Behandlung ist hier sehr von dem Stoff abhängig
    • In manchen Fällen müssen die betroffenen Hautareale mindestens 20 Minuten mit Wasser gespült werden, um die chemische Substanz zu entfernen
    • Andere Substanzen reagieren wiederum mit Wasser und dürfen entsprechend nur mit speziellen Flüssigkeiten gespült werden
  • Die Schutzmaßnahmen der Einsatzkräfte sind besonders wichtig

Großflächige Verbrennungen: 

  • Besonders bei Kindern oder älteren Menschen kann der Flüssigkeitsverlust schneller zu einem Schock führen
  • Eine frühzeitige Volumentherapie ist essenziell

Das Zielkrankenhaus ist abhängig vom Ausmaß der Verbrennung. Es gibt genaue Indikationen für die Versorgung in einem Verbrennungszentrum. Andere Verletzungen aufgrund einer Verbrennung oder Verbrühung können auch in chirurgischen Ambulanzen versorgt werden. 

Indikationen für die Versorgung im Verbrennungszentrum:

  • Thermische Verletzungen 2. Grades ab 15 % Körperoberfläche
  • Thermische Verletzungen 3. Grades ab 10 % Körperoberfläche
  • Thermische Verletzungen an kritischen Bereichen wie Gesicht/Hals, Händen, Füßen, Ano-Genital-Region, Achseln, großen Gelenken oder anderen komplizierten Lokalisationen
  • Zirkuläre thermische Verletzungen
  • Chemische Verätzungen
  • Verletzungen durch elektrischen Strom einschließlich Blitzschlag
  • Inhalationstrauma in Kombination mit äußeren Verbrennungen
  • Brandverletzte mit Begleiterkrankungen oder zusätzlichen Verletzungen (besonders thermomechanische Kombinationen), die die Behandlung erschweren
  • Brandverletzte mit Bedarf an spezieller psychotherapeutischer, psychiatrischer oder physischer Mitbehandlung
  • Besonders junge Patienten (< 8 Jahre) sowie ältere Menschen (> 60 Jahre)

Je nach Verletzungsschwere und Gesamtsituation kann ein Transport mittels Rettungshubschrauber erwogen werden. Gründe dafür sind die Notwendigkeit eines schonenden Transports oder eine lange Wegstrecke (z.B. für die Verbringung zu einer hyperbaren Sauerstofftherapie oder in ein Verbrennungszentrum).

Zur Zusammenfassung hier die Hard Facts, die bei der Examensvorbereitung oder im Einsatz helfen können:

Ursachen von Verbrennungen:

  • Thermisch: Hitze, Flammen, heiße Flüssigkeiten, heiße Oberflächen
  • Chemisch: Kontakt mit Säuren oder Laugen
  • Elektrisch: Stromfluss verursacht tiefe Gewebeschäden trotz kleiner äußerlicher Verletzungen
  • Strahlung: UV-Strahlung (z. B. Sonnenbrand), ionisierende Strahlung (z. B. Nuklearmedizin)

Pathophysiologie

  • HitzeeinwirkungDenaturierung von Proteinen → Zerstörung von Zellen.
  • Barriereverlust der Haut: erhöhtes Infektionsrisiko.
  • Gefäßwände werden durchlässiger
  • Plasmaflüssigkeit tritt ins Gewebe aus und verursacht Ödeme 
    • Durch die Umverteilung der Flüssigkeit kann es zu einem Volumenmangel (Burn Shock) kommen
 Info
Volumenmangelschock bei großflächigen Verbrennungen
  • Hitzeeinwirkung → Nekrose der Haut → Kapillarschädigung → erhöhte Permeabilität (Kapillarleck) = Verlust von Flüssigkeit und Eiweißen (Ödembildung)
  • Mikrozirkulationsstörung → Abfall Herzzeitvolumen (HZV) → Gewebeischämie = Volumenmangelschock

Typische Zeichen:

SchweregradHauterscheinungSchmerzcharakter und SchmerzstärkeBetroffene Hautschichten
Grad I
  • Rötung
  • Keine Blasen
  • Brennend
  • Leichte bis mäßige Schmerzen
  • Epidermis 
Grad IIa
  • Rötung
  • Klare Blasenbildung
  • Wundgrund rosig und rekapillarisierend
  • Stark brennend
  • Sehr empfindlich
  • Sehr starke Schmerzen
  • Oberflächige Dermis 
Grad IIb
  • Blasen
  • Wundgrund blass und nicht oder schwach rekapillarisierend
  • Dumpf
  • Teilweise empfindungslos
  • Mittel bis starke Schmerzen
  • Tiefe Dermis 
Grad III
  • Graue bis weiße lederartige Haut
  • Schwarzer Schorf
  • Trockener, harter Wundgrund
  • Keine Haare mehr vorhanden 
  • Schmerzlos durch Nervenschäden
  • Komplette Dermis
Grad IV
  • Verkohlung
  • Nekrosen
  • Schmerzlos durch komplette Nervenschädigung
  • Unterhautfettgewebe
  • Muskeln
  • Knochen

Diagnostik:

  • Neuner-Regel zur Bestimmung der Ausdehnung von Verbrennungen
  • Bestimmung von Tiefe und Beschaffenheit der Verbrennungen
  • Auskultation:
    • Hinweise auf Lungenödem oder
    • Bronchospasmus
  • SpO2 mit Vorsicht zu beurteilen
    • Wert kann bei CO-Intoxikation verfälscht sein

Therapie:

  • Eigenschutz beachten
  • Hitzeeinwirkung stoppen
  • Wärmeerhalt
  • Wundversorgung mit speziellen Wundauflagen
  • Volumentherapie (1000ml in den ersten 2 Stunden)
  • Analgesie

Transport:

  • Abhängig vom Ausmaß der Verbrennung (Verbrennungszentrum oder chirurgische Ambulanz)
  • Indikationen für die Versorgung im Verbrennungszentrum:
    • Thermische Verletzungen 2. Grades ab 15 % Körperoberfläche
    • Thermische Verletzungen 3. Grades ab 10 % Körperoberfläche
    • Thermische Verletzungen an kritischen Bereichen wie Gesicht/Hals, Händen, Füßen, Ano-Genital-Region, Achseln, großen Gelenken oder anderen komplizierten Lokalisationen
    • Zirkuläre thermische Verletzungen
    • Chemische Verätzungen
    • Verletzungen durch elektrischen Strom einschließlich Blitzschlag
    • Inhalationstrauma in Kombination mit äußeren Verbrennungen
    • Brandverletzte mit Begleiterkrankungen oder zusätzlichen Verletzungen (besonders thermomechanische Kombinationen), die die Behandlung erschweren
    • Brandverletzte mit Bedarf an spezieller psychotherapeutischer, psychiatrischer oder physischer Mitbehandlung
    • Besonders junge Patienten (< 8 Jahre) sowie ältere Menschen (> 60 Jahre)
 Tipp

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  • Inhalationstrauma (RD)
Zuletzt aktualisiert am 20.06.2026
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