Bedeutung und Unterschiede
Mikronährstoffe
Im Gegensatz zu Makronährstoffen liefern Mikronährstoffe keine Energie. Sie sind jedoch trotzdem essenziell und erfüllen andere wichtige Funktionen. Man differenziert zwischen Vitaminen und Mineralstoffen, wobei letztere in Mengen- und Spurenelemente
Vitamine:
Der Begriff Vitamine stammt aus dem Lateinischen (vita = leben, amin = stickstoffhaltig). Anders als früher angenommen, enthalten nicht alle Vitamine Stickstoff. Lebenswichtig sind sie allerdings schon. Eine ausreichende Versorgung ist Voraussetzung für die Aufrechterhaltung verschiedenster Körperfunktionen.
Man unterscheidet grob zwischen wasserlöslichen und fettlöslichen Vitaminen:
- Wasserlösliche Vitamine:
- Hydrophil
- Werden nur sehr begrenzt im Körper gespeichert (Ausnahme: Vitamin B12) und bei übermäßiger Zufuhr leicht über den Urin ausgeschieden → Geringe Gefahr für Hypervitaminosen
- Fettlösliche Vitamine:
- Lipophil
- Werden im Körper gespeichert und bei Bedarf freigesetzt; erschwerte Ausscheidung → Erhöhtes Risiko für Hypervitaminosen
Vitamine - Übersicht | |
| Fettlösliche Vitamine | Wasserlösliche Vitamine |
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TippMerkhilfe für fettlösliche Vitamine: EDeKA
Vitamin A
InfoSteckbrief
- Aktive Form: Retinol, Retinal, Retinsäure
- Empfohlene Zufuhr: 700 µg (♀)/800-850 µg (♂) Retinol-Äquivalent/Tag (1 µg Retinol ≙ 12 µg ß-Carotin)
- Hauptfunktion: Sehvorgang, Zellwachstum & -differenzierung
Definition:
Unter dem Begriff Vitamin A werden alle Verbindungen mit Vitamin-A-Wirksamkeit zusammengefasst, wobei Retinol die zentrale Wirkform darstellt. Chemisch gesehen handelt es sich dabei um Retinoide. Daneben gibt es einige Provitamine, die im Körper in Retinol umgewandelt werden. Das bedeutendste Provitamin-A ist ß-Carotin.
Funktionen:
- Sehvorgang: Bestandteil des Sehpigments Rhodopsin
- Wachstum und Differenzierung von Zellen und Gewebe: Aufrechterhaltung epithelialer Barrieren, Reparaturmechanismen, Schutz vor DNA
-Schäden, etc. - Immunsystem: Stimulation der Antikörperbildung, Differenzierung von Immunzellen, etc.
- Spermatogenese, Embryogenese: bedeutende Funktion als Wachstumsfaktor
- Erythropoese
Nahrungsquellen:
- Vitamin A (Retinol): Leber
, Ei, Butter, Käse - ß-Carotin: Möhren, Spinat, Grünkohl, Feldsalat, Paprika
TippWährend Retinol nur in tierischen Produkten vorkommt, ist in pflanzlichen Lebensmitteln v.a. ß-Carotin enthalten. Bei pflanzlicher Ernährung ist daher auf eine ausreichende Versorgung mit ß-Carotin zu achten (→ Umrechnungsfaktor berücksichtigen: 1 µg Retinol ≙ 12 µg ß-Carotin!).
Klinik:
| Hypovitaminose | Hypervitaminose |
In einkommensschwachen Ländern weit verbreitet Primäres Symptom = Nachtblindheit (Hemeralopie); später kommt es zur Austrocknung Weitere Symptome:
| Akute Intoxikationen sind bspw. durch den Verzehr großer Mengen an Leber
Sowohl Hypo- als auch Hypervitaminosen wirken teratogen. Während der Schwangerschaft ist eine adäquate Versorgung daher essenziell. |
Vitamin D
InfoSteckbrief
- Aktive Form: 1,25-Dihydroxycholecalciferol (Calcitriol)
- Empfohlene Zufuhr: 800 IU/Tag (≙ 20 µg/Tag)
- Hauptfunktion: Calcium
- und Phosphathomöostase
Definition:
Vitamin D ist der Sammelbegriff für Steroidverbindungen mit antirachitischer Aktivität. Die 2 wichtigsten Vitamin-D-Formen sind:
- Vitamin D2 (Ergocalciferol): in Spuren in pflanzlichen Lebensmitteln enthalten
- Vitamin D3 (Cholecalciferol): in tierischen Produkten enthalten; >50% entsteht durch endogene Synthese unter UV-Strahlung in der Haut
Beide Formen müssen im Körper aktiviert werden. Die biologisch aktiven Verbindungen sind:
- 1,25-Dihydroxyergocalciferol (aktiviertes Vitamin D2) bzw.
- 1,25-Dihydroxycholecalciferol (aktiviertes Vitamin D3, Calcitriol)
Funktionen:
- Calcium
- & Phosphathomöostase - Immunsystem: Stimulierung von Zellproliferation & -differenzierung, Regulation von Entzündungsreaktionen, antitumorale Effekte, etc.
- Beeinflussung endokriner Regelsysteme (z.B. Insulinsekretion)
Nahrungsquellen:
Es gibt nur wenige Lebensmittel, die nennenswerte Mengen an Vitamin D enthalten. Dazu zählen v.a. fettreiche Fische (z.B. Hering, Lachs, Aal oder Thunfisch) und vitaminisierte Produkte.
AchtungNahrung allein reicht als Vitamin-D-Quelle nicht aus. Der Großteil des Bedarfs wird durch endogene Synthese gedeckt. Dazu ist eine ausreichende UV-Exposition notwendig. Aus diesem Grund stellen Mangelversorgungen v.a. in nördlicheren Breiten ein großes Problem dar. In Deutschland sind laut RKI ca. 60% der Bevölkerung unterversorgt.
Klinik:
| Hypovitaminose | Hypervitaminose |
Mangel → Hypokalzämie:
| Nur bei exzessiver Einnahme pharmakologischer Dosen möglich.
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Vitamin E
InfoSteckbrief
- Aktive Form: α-Tocopherol
- Empfohlene Zufuhr: 11-12 mg/Tag (♀), 12-15 mg/Tag (♂)
- Hauptfunktion: Antioxidans
Definition:
Vitamin E ist der Überbegriff für alle Tocopherole und Tocotrienole mit der biologischen Aktivität von RRR-α-Tocopherol (auch α-Tocopherol). Von den 8 natürlich vorkommenden Verbindungen ist α-Tocopherol die wichtigste und wirksamste.
Funktionen:
- Antioxidative Funktion: schützt als Radikalfänger ungesättigte Fettsäuren vor der Oxidation
- Bestandteil biologischer Membranen
- Wirkung auf Enzymaktivität: beteiligt an der Aktivierung und Hemmung verschiedener Enzyme (z.B. Proteinkinase C, 5-Lipoxygenase, etc.)
Nahrungsquellen:
Die beste Vitamin-E-Quelle sind pflanzliche Öle wie Weizenkeim-, Sonnenblumen-, oder Olivenöl. Geringere Mengen sind z.B. in grünem Gemüse oder Butter enthalten.
Klinik:
| Hypovitaminose | Hypervitaminose |
Selten symptomatische Hypovitaminosen (Mangelzustände v.a. bei Gendefekten oder Absorptionsstörungen)
| Akute Toxizität nicht bekannt Langfristig sollte die Einnahme von Dosen >400 mg/Tag nur in begründeten Fällen erfolgen. Mögliche Folgen:
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Vitamin K
InfoSteckbrief
- Aktive Form: Vitamin K2 (Menachinon)
- Empfohlene Zufuhr: 0,06-0,065 mg/Tag (♀), 0,07-0,08 mg/Tag (♂)
- Hauptfunktion: Blutgerinnung
Definition:
Vitamin-K-Verbindungen zählen zur Stoffklasse der Naphtochinone. Man unterscheidet 3 Formen:
- Vitamin K1 (Phyllochinon): Synthese durch Pflanzen
- Vitamin K2 (Menachinon): Synthese durch Mikroorganismen/Darmbakterien
- Vitamin K3 (Menadion): synthetisches Vitamin K
Funktionen:
- Vitamin K ist Cofaktor für die Modifikation (Carboxylierung der Glutamylreste) verschiedener Proteine:
- Proteine des Gerinnungssystems: Aktivierung der Gerinnungsfaktoren II, VII, IX, X, Protein C
und Protein S - Proteine der Knochenmatrix: beteiligt an der Bildung von Osteocalcin und Matrix-Gla-Protein → Bedeutend für die Knochenmineralisation
- Proteine des Gerinnungssystems: Aktivierung der Gerinnungsfaktoren II, VII, IX, X, Protein C
TippMerkhilfe für Vitamin-K-abhängige Gerinnungsfaktoren:
→ 1972 – Das Jahr der olympischen Spiele in München (für die Faktoren 10, 9, 7, 2)
Nahrungsquellen:
- Pflanzliche Produkte: Gemüse (v.a. grünes Gemüse wie Rosenkohl, Brokkoli etc.), Sonnenblumen-, Raps- und Sojaöl
- Tierische Produkte: Fleisch (hohe Mengen v.a. in Leber
)
Klinik:
Hyper- und Hypovitaminosen spielen bei Vitamin K in der Regel nur im Säuglingsalter eine Rolle (siehe auch Artikel Ernährung im 1. Lebensjahr).
InfoVitamin K und Cumarintherapie
Lange Zeit wurde Patient:innen unter Cumarintherapie eine Vitamin-K-arme Diät empfohlen. Heute weiß man, dass ein Verzicht auf Vitamin-K-reiche Lebensmittel wie grünes Gemüse nicht notwendig ist. Die mit der üblichen Nahrung aufgenommene Menge an Vitamin K zeigt keine relevanten antagonistischen Wirkungen. Eine besondere Überwachung der Gerinnungsparameter
ist jedoch dann erforderlich, wenn eine deutliche Ernährungsumstellung (z.B. auf eine rein vegetarische Kost) erfolgt.
Vitamin B1 (Thiamin)
InfoSteckbrief
- Aktive Form: Thiaminpyrophosphat
- Empfohlene Zufuhr: 1 mg/Tag (♀), 1,1-1,3 mg/Tag (♂)
- Hauptfunktion: Coenzym im Kohlenhydrat- & Aminosäure-Stoffwechsel
Definition:
Vitamin B1 ist die Bezeichnung für verschiedene Verbindungen mit der biologischen Wirksamkeit von Thiamin. Die aktive Form von Vitamin B1 ist Thiaminpyrophosphat.
InfoB-Vitamine
Vitamin B ist der Sammelbegriff für 8 wasserlösliche Vitamine, die entweder direkt oder als Vorstufe verschiedener Coenzyme wirken. In chemischer und pharmakologischer Hinsicht bestehen jedoch keine Gemeinsamkeiten.
Zu den B-Vitaminen zählen Vitamin B1, B2, B3, B5, B6, B7, B9 und B12.
Funktionen:
- Coenzymfunktion im Kohlenhydrat- & Aminosäure-Stoffwechsel
- Beispiele für Enzyme: Pyruvatdehydrogenase, α-Ketoglutarat-Dehydrogenase, Transketolase
- Neurophysiologische Funktion (Reizleitung
, Neurotransmission)
Nahrungsquellen:
- Pflanzliche Produkte: Hülsenfrüchte, Nüsse, Getreideprodukte (Weizenkeime, Vollkornprodukte, Haferflocken)
- Thiamin ist sehr hitzeempfindlich. Bei der Verarbeitung von Getreide (z.B. zu Weißmehl oder poliertem Reis) kommt es daher zu großen Verlusten.
- Schweinefleisch
Klinik:
Hypovitaminosen treten häufig in Ländern auf, in denen viel polierter Reis verzehrt wird. Die dabei entstehende Thiaminmangelerkrankung wird als Beriberi-Krankheit bezeichnet. In Industrieländern ist ein Mangel dagegen meist eine Folge von chronischem Alkoholismus und kann zum sog. Wernicke-Korsakow-Syndrom führen. Weitere Ursachen sind bestimmte Diäten oder körperliche Überlastung.
| Hypovitaminose | Hypervitaminose |
→ Mögliche Folgen: Beriberi-Krankheit, Wernicke-Korsakow-Syndrom | Akute Hypervitaminosen sind nicht bekannt. Die parenterale Zufuhr kann zu allergischen Reaktionen führen. |
InfoBeriberi-Krankheit
- Frühsymptome (unspezifisch):
- Müdigkeit, Schwäche, Appetitlosigkeit
- Reizbarkeit, Konzentrationsstörungen
- Parästhesien etc.
- Spätsymptome:
- Herzinsuffizienz
(→ Tachykardie , Ödeme , Dyspnoe ) - Lähmungen
InfoWernicke-Korsakow-Syndrom (= Wernicke Enzephalopathie + Korsakow-Syndrom)
- Wernicke Enzephalopathie:
- Gleichgewichtsstörungen
- Lähmung der Augenmuskulatur (Ophtalmoplegien)
- Bewusstseinsstörungen
- Korsakow-Syndrom:
- Gedächtnisstörungen
- Konfabulation (erfundene Aussagen)
- Orientierungsstörungen
Vitamin B2 (Riboflavin)
InfoSteckbrief
- Aktive Form: Flavin-Mononukleotid (FMN), Flavin-Adenin-Dinukleotid (FAD)
- Empfohlene Zufuhr: 1,1-1,2 mg/Tag (♀), 1,3-1,4 mg/Tag (♂)
- Hauptfunktion: Coenzym bei Oxidations- & Reduktionsreaktionen
Definition:
Riboflavin zählt zur Gruppe der B-Vitamine. Im Organismus liegt es in seinen aktiven Coenzymformen vor: Flavin-Mononukleotid (FMN) und Flavin-Adenin-Dinukleotid (FAD). Alle 3 Formen werden unter dem Begriff Vitamin B2 zusammengefasst.
Funktionen:
- Zentrale Rolle im Stoffwechsel: Coenzym verschiedener Reaktionen (oxidative Desaminierungen, Dehydrierungen etc.)
- Medikamentendetoxifikation: Bestandteil des Cytochrom-P450
Systems - Antioxidative Funktion: Bereitstellung von Glutathion
Nahrungsquellen:
- Tierische Produkte: Fleisch, Leber
, Fisch, Milch- und Milchprodukte - Pflanzliche Produkte: Vollkornbrot, Hefe, Pilze, Broccoli
Klinik:
| Hypovitaminose | Hypervitaminose |
FMN & FAD kommen überall im Stoffwechsel vor →
| Hypervitaminosen mit Vitamin B2 sind nicht bekannt |
Vitamin B3 (Niacin)
InfoSteckbrief
- Aktive Form: Nicotinamidadenindinucleotidphosphat (NADP+), Nicotinamidadenindinucleotid (NAD+)
- Empfohlene Zufuhr: 11-13 mg/Tag (♀), 14-16 mg/Tag (♂)
- Hauptfunktion: Coenzym zahlreicher Reaktionen
Definition:
Niacin ist der Sammelbegriff für Nicotinsäure und Nicotinsäureamid (Nicotinamid). Beide Verbindungen besitzen dieselbe biologische Wirksamkeit und werden im Körper in ihre aktiven Coenzymformen (NAD+ & NADP+) überführt.
InfoNiacin kann im Körper aus der Aminosäure Tryptophan synthetisiert werden. Dies ist allerdings von untergeordneter Bedeutung, da aus 60 mg Tryptophan nur 1 mg Niacin gebildet werden kann.
Funktionen:
- Zentrale Rolle im Stoffwechsel: Coenzym zahlreicher Reaktionen (Glykolyse, Citratzyklus, Fettsäuresynthese etc.)
- DNA-Replikation
& –Reparatur - Blutzuckerregulierung (Bestandteil des Glukosetoleranzfaktors)
- Neuroprotektive Eigenschaften
- Signaltransduktion
Nahrungsquellen:
- Tierische Produkte: Fleisch, Leber
, Fisch, Eier - Pflanzliche Produkte: Vollkornmehl, Buchweizen, Hülsenfrüchte
TippVitamin B3 kommt in verschiedenen pflanzlichen und tierischen Lebensmitteln vor. Allerdings kann der Körper das Niacin, welches in tierischen Produkten enthalten ist, wesentlich besser verwerten.
Klinik:
| Hypovitaminose | Hypervitaminose |
Bei mangelhafter Zufuhr zunächst unspezifische Symptomatik:
→ Ausgeprägte Mangelzustände führen zum Krankheitsbild der Pellagra | Akut: hohe Dosen (>1 g/Tag) können durch Gefäßerweiterung zur Flush-Symptomatik führen Mögliche Symptome bei chronischer Einnahme hoher Dosen:
|
InfoPellagra
Ein ausgeprägter Niacinmangel führt zum Krankheitsbild der Pellagra. Früher wurde Vitamin B3 deshalb auch als PP-Faktor (pellagra prevention factor) bezeichnet. Hypovitaminosen treten v.a. in Populationen auf, die sich überwiegend von Mais ernähren. Das darin enthaltene Niacin ist schlecht verwertbar. Zudem enthält Mais wenig Tryptophan. Das klassische Krankheitsbild geht mit der DDD-Symptomatik einher: Dermatitis, Diarrhö
und Demenz. Die Dermatitis zeigt sich v.a. an lichtexponierten Körperstellen. Ein charakteristisches Kennzeichen für die Krankheit ist der sog. Casal-Kragen (kragenförmige, dunkle Pigmentierung der Haut).
Vitamin B5 (Pantothensäure)
InfoSteckbrief
- Aktive Form: Coenzym A (CoA), Phosphopantethein
- Empfohlene Zufuhr: 5 mg/Tag
- Hauptfunktion: zentrale Rolle im Stoffwechsel
Definition:
Pantothensäure ist ein hitzelabiles, wasserlösliches Vitamin. Der Name leitet sich vom griechischen pantos (= überall) ab, da das Vitamin zumindest in geringen Mengen in fast allen Lebensmitteln vorkommt.
Funktionen:
Zentrale Rolle im menschlichen Stoffwechsel → Als Bestandteil von Coenzym A und Acyl-Carrier-Protein
Nahrungsquellen:
In fast allen Nahrungsmitteln enthalten. Gute Quellen sind z.B. Vollkornprodukte, Leber
Klinik:
| Hypovitaminose | Hypervitaminose |
Sehr selten
| Hypervitaminosen sind nicht bekannt |
Vitamin B6 (Pyridoxin)
InfoSteckbrief
- Aktive Form: Pyridoxalphosphat (PALP)
- Empfohlene Zufuhr: 1,4 mg/Tag (♀), 1,6 mg/Tag (♂)
- Hauptfunktion: Cofaktor für Enzyme des Aminosäure-Stoffwechsels
Definition:
Vitamin B6 ist der Oberbegriff für ähnliche chemische Verbindungen, deren aktivierter Metabolit Pyridoxalphosphat (PALP) ist. Dazu zählen Pyridoxin, Pyridoxal, Pyridoxamin und deren phosphorylierte Derivate.
Funktionen:
- Wichtigster Cofaktor für verschiedene Enzyme des Aminosäure-Stoffwechsels
- Als Coenzym weiterer Systeme u.a. beteiligt an:
- Hämoglobinsynthese
- Neurotransmittersynthese
- Fettstoffwechsel
- Kollagensynthese etc.
Nahrungsquellen:
- Tierische Produkte: Leber
, Hühner- und Schweinefleisch, Fisch - Pflanzliche Produkte: Gemüse, Vollkornprodukte, Nüsse
Klinik:
| Hypovitaminose | Hypervitaminose |
An zahlreichen Stoffwechselreaktionen beteiligt → Unspezifische Symptomatik:
| Akute Toxizität nicht bekannt Bei chronischer Einnahme hoher Dosen (ca. 500 mg/Tag):
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Biotin (Vitamin B7, Vitamin H)
InfoSteckbrief
- Aktive Form: Biotin
- Empfohlene Zufuhr: 0,04 mg/Tag
- Hauptfunktion: Cofaktor bei Carboxylierungen
Definition:
Biotin ist ein wasserlösliches Vitamin des B-Komplexes. Andere, weniger gebräuchliche Bezeichnungen sind Vitamin B7 oder Vitamin H.
Funktionen:
Biotin fungiert als prosthetische Gruppe von Carboxylasen, die nicht Vitamin-K-abhängig sind. Damit ist es an mehreren, lebenswichtigen Stoffwechselvorgängen beteiligt:
- Fettsäuresynthese & -abbau
- Glukoneogenese
- Leucinabbau
Nahrungsquellen:
- Tierische Produkte: Leber
, Eigelb - Pflanzliche Produkte: Hefe, Sojabohnen, Nüsse, Pilze
InfoBiotinmangel - Ursachen
Ein Teil des Biotinbedarfs wird durch körpereigene Synthese mittels Darmbakterien gedeckt. Ein Mangel ist daher selten.
Ursachen für einen Mangel sind z.B. Darmverkürzungen, langfristige Antibiotikaeinnahme, Hämodialyse
oder extreme Mangelernährung . Auch ein häufiger Verzehr von rohen Eiern kann zu einem Mangel führen. Rohes Eiweiß enthält Avidin, das Biotin bindet und so die Resorption blockiert.
Klinik:
| Hypovitaminose | Hypervitaminose |
| Toxische Effekte bisher nicht bekannt |
Folsäure (Folat, Vitamin B9)
InfoSteckbrief
- Aktive Form: Tetrahydrofolsäure (THF)
- Empfohlene Zufuhr: 0,3 mg/Tag
- Hauptfunktion: DNA
- & RNA -Synthese, Zellteilung & -differenzierung
Definition:
Folat ist der Sammelbegriff für alle natürlich vorkommenden Vitamin B9-Verbindungen. Folsäure entspricht dagegen der synthetischen Form.
Funktionen:
- Coenzym für die Übertragung organischer Gruppen (Methyl-, Formyl-, Hydroxymethylgruppen etc.) → Damit u.a. bedeutend für:
- DNA
- & RNA -Synthese (Purin- und Pyrimidinsynthese) - Zellteilung & -differenzierung
- Methionin- & Histidinstoffwechsel
- Hämatopoese
- DNA
Nahrungsquellen:
- Tierische Produkte: Leber
, Ei - Pflanzliche Produkte: Blattgemüse, Weizenkeime, Vollkornbrot, Spargel
Klinik:
| Hypovitaminose | Hypervitaminose |
Wichtig für Zellteilung & -differenzierung → Hypovitaminosen zeigen sich daher v.a. in Geweben mit hoher Proliferationsrate:
| Toxische Effekte bisher nicht bekannt |
Vitamin B12 (Cobalamin)
InfoSteckbrief
- Aktive Form: 5´-Desoxyadenosylcobalamin, Methylcobalamin
- Empfohlene Zufuhr: 0,004 mg/Tag
- Hauptfunktion: DNA
- & RNA -Synthese, Zellteilung & -differenzierung
Definition:
Unter Vitamin B12 werden verschiedene Cobalamine (Corrinoide) mit biologischer Wirksamkeit zusammengefasst. Das charakteristische Strukturmerkmal der Cobalamine ist ein Corrinring-System mit einem zentral gebundenen Cobalt-Ion.
TippVitamin B12 ist das einzige wasserlösliche Vitamin, das in nennenswertem Umfang im Körper gespeichert wird.
Funktionen:
- 5´-Desoxyadenosylcobalamin: Cofaktor bei der Umlagerung von Alkylresten → Damit z.B. wichtig für den Abbau ungeradzahliger Fettsäuren
- Methylcobalamin: Cofaktor der Methioninsynthase. Bedeutend für den Folsäurestoffwechsel (Umwandlung von Homocystein zu Methionin)
- Cobalamin ist sekundär an zahlreichen weiteren Stoffwechselwegen beteiligt und damit u.a. wichtig für:
- DNA
- & RNA -Synthese - Zellteilung & –differenzierung
- Myelinsynthese
- Hämatopoese
- DNA
Nahrungsquellen:
Vitamin B12 kommt fast ausschließlich in tierischen Produkten vor: Leber
Klinik:
| Hypovitaminose | Hypervitaminose |
Trias aus hämatologischen, neurologischen und gastrointestinalen Symptomen:
| Toxische Effekte sind bisher nicht bekannt |
InfoMegaloblastäre Anämie
- Definition: durch gestörte DNA
-Synthese hervorgerufene Anämieformen → Beeinträchtigte Entwicklung und Reifung der Erythrozyten - Häufigste Ursachen: Folsäuremangel, Vitamin B12-Mangel
- Diagnostik:
- Blutbild
: Hb ↓, Erythrozyten ↓, MCH ↑, MCV ↑ (hyperchrome, makrozytäre Anämie ), Hämolysezeichen, B12- und Folatspiegel - Blutausstrich: Megalozyten (große, hyperchrome Erythrozyten
), hypersegmentierte Granulozyten - Knochenmarksbefund: Megaloblasten (große, kernhaltige Erythroblasten)
Perniziöse Anämie
: spezielle Form der megaloblastären Anämie ; Vitamin-B12-Mangel durch Mangel an Intrisic Factor (IF) im Rahmen einer Autoimmungastritis (Antikörper gegen IF → Verminderte Resorption von Vitamin B12) Die Behandlung der megaloblastären Anämie
erfordert eine angemessene Vitaminergänzung. Dabei muss zuerst ein Vitamin-B12-Mangel ausgeschlossen werden. Andernfalls kann die Folsäure-Substitution einen begleitenden B12-Mangel durch Besserung der Anämie maskieren, während neurologische Komplikationen fortschreiten (→ Neurologische Symptome nur bei B12-Mangel!)
Quellen
- Rassow J et al.: Duale Reihe Biochemie, Georg Thieme Verlag, 2022, ISBN: 978-3-13-220013-5
- Biesalski H, Grimm P, Nowitzki-Grimm S: Taschenatlas Ernährung, Georg Thieme Verlag, 2020, ISBN: 978-3-13-242607-8
- Biesalski H et al.: Ernährungsmedizin, Georg Thieme Verlag, 2017, ISBN: 978-3-13-100295-2
- Suter, P.: Checkliste Ernährung, Georg Thieme Verlag, 2008, ISBN: 9783131526731
- DGE, ÖGE, SGE: Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr, Neuer Umschau Buchverlag, 2024, ISBN: 978-3- 88749- 261-8

