Die weiblichenGeschlechtsorgane setzen sich aus innerenundäußerenStrukturen zusammen, die gemeinsam der Fortpflanzung dienen.
Zu den innerenGeschlechtsorganen gehören:
Vagina (Scheide)
Uterus (Gebärmutter)
Tubae uterinae (Eileiter) und Ovarien (Eierstöcke)
Sie liegen im kleinenBecken und werden durch Bindegewebe, Bänder und Muskeln stabilisiert.
Die äußerenGeschlechtsorgane umfassen die Labien, die Klitoris und den Vorhof, die den EingangzurVagina umgeben und schützen.
Jedes dieser Organe besitzt einen charakteristischenAufbau, der seine spezifischeFunktion unterstützt. Beispiele hierfür sind die Schleimhaut der Vagina, die Muskulatur des Uterus oder die Follikelstruktur der Ovarien. Die Eileiterverbinden die Ovarien mit dem Uterus und ermöglichen den TransportderEizelle. Der Uterus nimmt mit seinem vielschichtigen Wandaufbau einen zentralen Platzin derReproduktion ein.
Die äußerenStrukturen tragen zudem zum SchutzderinnerenOrgane bei und bilden anatomische Übergänge, die für die Fortpflanzung wichtig sind.
Makroskopische Anatomie
Merke
Steckbrief der weiblichen Geschlechtsorgane
Lage: im kleinen Becken
Größe: Vagina 7-9 cm langer Schlauch, Gebärmutter ca. 50-70 g schwere birnenförmige Struktur
Einteilung:
Äußere Geschlechtsorgane (Vulva):
Vulvalippen (Labia majora et minora pudendi):
Labia majora: Äußere, größere Hautfalten, die den Eingang zum Scheidenvorhof (Vestibulum vaginae) umschließen
Labia minora: Innere, kleinere Hautfalten, die ebenfalls das Vestibulum vaginae umschließen und teilweise die Klitoris bedecken
Kitzler (Klitoris): Ein hochsensibles, erektiles Organ, das eine zentrale Rolle bei der sexuellen Stimulation spielt
Scheidenvorhof (Vestibulum vaginae): der Bereich zwischen den Labia minora, der die Öffnung der Harnröhre (Urethra) und die Vagina enthält
Venushügel (Mons pubis): Eine mit Fett gepolsterte Region über dem Schambein (Os pubis), die ab der Pubertät mit Schamhaar bedeckt ist
Bartholin-Drüsen: Diese Drüsen befinden sich im Bereich der Labia minora und produzieren während der sexuellen Erregung ein flüssiges Gleitmittel
Innere Geschlechtsorgane:
Scheide (Vagina): Ein muskulöser, dehnbarer Kanal, der die äußeren Geschlechtsorgane mit der Gebärmutter (Uterus) verbindet. Die Vagina dient als Passage für Menstruationsblut, Geschlechtsverkehr und Geburt
Gebärmutter (Uterus): Ein birnenförmiges Organ, das den Embryo während der Schwangerschaft beherbergt und versorgt
Eileiter (Tubae uterinae): Zwei Röhren, die die Eierstöcke (Ovarien) mit der Gebärmutter verbinden. In den Eileitern findet meist die Befruchtung der Eizelle statt
Eierstöcke (Ovarien): Paarige Gonaden, die Eizellen produzieren und die weiblichen Geschlechtshormone Östrogen und Progesteron synthetisieren
Weitere Unterteilung in primäre und sekundäre Geschlechtsorgane und -merkmale:
Primäre Geschlechtsorgane und -merkmale:
Vulva
Scheide (Vagina)
Eileiter (Tubae uterinae)
Gebärmutter (Uterus)
Eierstöcke (Ovarien)
Sekundäre Geschlechtsorgane und -merkmale:
Brust
Schambehaarung
Menstruation (Regelblutung)
Weibliche Körpererscheinung (breite Hüfte, schmale Taille und Schultern)
Aufbau der äußeren Geschlechtsorgane
Vulva:
Definition: Die Vulva bildet die äußeren Geschlechtsorgane der Frau und umfasst verschiedene anatomische Strukturen, die eine wichtige Rolle beim Schutz, der sexuellen Funktion und der Ausscheidung spielen
Funktionen:
Schutzfunktion: Die Vulva schützt die inneren Geschlechtsorgane vor mechanischen Einflüssen und Infektionen
Sexuelle Funktion: Sie ist ein sensibler Bereich mit vielen Nervenenden und spielt eine zentrale Rolle bei der sexuellen Erregung
Ausscheidung: Die Vulva beherbergt den Ausgang der Harnröhre (Urethra), wodurch der Urin nach außen abgegeben wird
Lage: Die Vulva befindet sich vor dem Damm (Perineum) und liegt unterhalb des Schambeins. Der Damm schützt die Vulva vor Darmbakterien, welche vom Anus ausgehen können
Anatomischen Strukturen der Vulva:
Mons pubis (Venus-/Schamhügel): Ein Fettpolster über dem Schambein, das mit Schamhaaren bedeckt ist und mechanischen Schutz bietet
Vulva-/Schamlippen (Labia pudendi):
Labia majora pudendi (große Vulvalippen, früher Schamlippen): Zwei fettgepolsterte Hautfalten, die die inneren Geschlechtsorgane schützen → Sie beginnen an der Commissura labiorum anterior (vordere Vulvalippenverbindung) und enden an der Commissura labiorum posterior (hintere Vulvalippenverbindung)
Labia majora pudendi bezeichnet den Plural, also zwei Vulvalippen. Der Singular des Wortes lautet Labium majus
Labia minora pudendi (kleine Vulvalippen, früher Schamlippen): Dünnere Hautfalten, die innerhalb der großen Vulvalippen liegen und das Vestibulum vaginae (Scheidenvorhof) umgeben, enthalten zahlreiche Talgdrüsen
Labia minora pudendi bezeichnet den Plural, also zwei Vulvalippen. Der Singular des Wortes lautet Labium minus
Info
Der Begriff „Schamlippe“ wird kritisiert, da er durch die Assoziation mit „Scham“ eine negative Bewertung und Tabuisierung des weiblichen Körpers impliziert. Alternativ kann der Begriff „Vulvalippen“ verwendet werden. Dieser ist neutraler und sollte daher bevorzugt werden.
Klitoris (Kitzler): Ein hochsensibles Organ, das in mehrere Teile gegliedert ist:
Glans clitoridis: Die Eichel der Klitoris, die als sichtbarer Teil der Klitoris besonders sensibel ist
Corpus cavernosum clitoridis: Der Schwellkörper der Klitoris, der während der sexuellen Erregung mit Blut gefüllt wird
Crura clitoridis: Die „Schenkel“ der Clitoris, die sich an den seitlichen Schambeinknochen befestigen
Preputium clitoridis: Die Klitorisvorhaut, die die Glans clitoridis teilweise bedeckt
Info
Die Klitoris ist das einzige Organ im menschlichen Körper, das ausschließlich für sexuelle Erregung und Luststeigerung zuständig ist.
Vestibulum vaginae (Scheidenvorhof): Dieser Bereich befindet sich zwischen den Labia minora und enthält die Öffnungen der Harnröhre und Vagina:
Ostium urethrae externum: Die äußere Harnröhrenöffnung
Ostium vaginae: Die Vaginalöffnung, umrahmt von den Bartholin-Drüsen, teilweise durch Jungfernhäutchen (Hymen) verschlossen → reißt beim ersten Geschlechtsverkehr, sportlicher Betätigung oder Ähnlichem
Glandulae vestibulares majores (Bartholin-Drüsen): Diese paarigen Drüsen liegen im Bereich des Scheidenvorhofs und produzieren bei sexueller Erregung ein Sekret, das zur Befeuchtung der Vagina beiträgt
Glandulae vestibulares minores: Diese kleineren Drüsen sind im Vestibulum verstreut und geben ebenfalls Gleitsekret ab
Bulbus vestibuli: Venöse Schwellkörper, die beidseitig der Vaginalöffnung liegen und während der sexuellen Erregung anschwellen
Schwellkörper der Frau
Aufbau der inneren Geschlechtsorgane
Scheide (Vagina):
Definition: Die Vagina ist ein flexibles, muskulöses Organ des weiblichen Fortpflanzungssystems
Funktionen:
Geburtskanal: ermöglicht den Durchtritt des Fötus während der Geburt
Menstruationsweg: leitet das Menstruationsblut von der Gebärmutter nach außen
Geschlechtsverkehr: nimmt den Penis auf und leitet das Ejakulat zur Gebärmutter
Schutz: Schleimhaut bietet Schutz vor Infektionen durch eine saure Umgebung und die Vaginalflora (saurer pH-Wert)
Lage: Die Vagina ist ein 7–9 cm langer muskulärer Schlauch, der sich von der Cervix uteri bis zur äußeren Scheidenöffnung (Ostium vaginae) erstreckt und subperitoneal im kleinen Becken liegt. Die Vagina weist ein charakteristisches Vaginalgewölbe (Fornix vaginae) auf, in das der untere Teil des Gebärmutterhalses, die Portio vaginalis cervicis (der Teil des Gebärmutterhalses (Cervix), der in die Vagina hineinragt), eingebettet ist.
Anatomische Strukturen der Vagina:
Fornix vaginae (Vaginal-/Scheidengewölbe): Dieser Bereich umgibt den Gebärmutterhals und wird in mehrere Abschnitte unterteilt:
Pars lateralis: Der seitliche Teil des Vaginalgewölbes, der jeweils links und rechts der Portio liegt
Pars posterior: Das hintere Vaginalgewölbe, das weiter nach oben reicht als der vordere Teil und eng an die Portio anliegt
Pars anterior: Der vordere Teil des Vaginalgewölbes, der die Portio umschließt
Aufbau der Vaginalwand:
Paries anterior (Vorderwand): Die vordere Vaginalwand liegt der Harnblase und der Harnröhre an
Paries posterior (Hinterwand): Die hintere Vaginalwand grenzt an das Rektum, getrennt durch das Septum rectovaginale
Ostium vaginae (Vaginalöffnung): Der äußere Eingang der Vagina, der in das Vestibulum mündet
Hymen (Jungfernhäutchen): Eine dünne Membran, die das Ostium vaginae teilweise bedeckt und in variabler Form vorkommt
Gebärmutter (Uterus):
Definition: Die Gebärmutter, oder Uterus, ist ein zentralesOrgan des weiblichenFortpflanzungssystems und spielt eine entscheidende Rolle bei der Reproduktion.
Funktion:
Ort der Einnistung und Entwicklung: Der Uterus ist der Ort, an dem sich die befruchtete Eizelle einnistet und zum Embryo und Fötus heranwächst
Menstruationszyklus: Er beteiligt sich am Aufbau und Abbau der Gebärmutterschleimhaut während des Menstruationszyklus
Geburtsvorgang: Während der Geburt kontrahiert der Uterus, um das Kind hinauszubefördern (Wehen)
Größe und Gewicht: Der Uterus hat eine birnenförmigeGestalt und ist durchschnittlich 7–8 cm lang, 5 cm breit und 2–3 cm dick. Sein Gewicht beträgt etwa 50–70 g (bei nicht-schwangeren Frauen)
Lage:
Der Uterus liegt zwischen der Harnblase (anterior) und dem Rektum (posterior)
Neigungswinkel:
Anteversion: Der Uterus ist nach vorn geneigt, relativ zur Achse der Vagina
Anteflexion: Der Uteruskörper ist nach vorn über den Gebärmutterhals gebeugt
Douglas-Raum (Excavatio rectouterina): der tiefste Punkt der Bauchhöhle, befindet sich zwischen dem Uterus und dem Rektum
Excavatio vesicouterina: eine Bauchfellfalte zwischen der Oberseite der Harnblase und der Vorderfläche des Uterus
Der zentrale Bereich des Uterus, der die Gebärmutterhöhle (Cavum uteri) beherbergt → hier nistet sich die befruchtete Eizelle ein
Kranial befindet sich der:
Fundus uteri: Der obere, kuppelförmige Teil oberhalb der Mündungen der Eileiter, er gehört funktionell zum Corpus uteri
Isthmus uteri: Der Übergang zwischen dem Corpus uteri und dem Gebärmutterhals, besonders dehnbar während der Schwangerschaft
Zervix (Gebärmutterhals):
Der untere, zylindrische Teil des Uterus, der in die Vagina hineinragt
Besteht aus zwei Teilen:
Portio supravaginalis cervicis: Der obere Teil des Gebärmutterhalses oberhalb der Vagina
Portio vaginalis cervicis: Der untere Teil des Gebärmutterhalses, der in die Vagina hineinragt und durch den äußeren Muttermund verschlossen ist
Zervikalkanal (Canalis cervicis): Beginnt an der Portio mit dem äußeren Muttermund (Ostium uteri externum) → endet an der Engstelle (Isthmus uteri) in den Uterus mit dem inneren Muttermund
Merke
Da der Douglas-Raum den tiefsten Punkt des Bauchraums beschreibt, wird dem Bereich eine besondere Relevanz im Rahmen eines Traumas zugeschrieben. Freie Flüssigkeit, wie beispielsweise Blut, welches sich im Bauchraum oder Becken sammelt, würde am ehesten zum tiefsten Punkt absinken.
Daher wird der Douglas-Raum auch im Rahmen einer eFAST-Sonographie untersucht, um freie Flüssigkeit eher ausschließen zu können.
Halteapparat: Der Uterus wird durch mehrere Bänder und Strukturen fixiert
Ligamentum latum uteri (breites Mutterband):
Eine breite Bauchfellduplikatur, die als Aufhängeband (Meso) für drei Organe dient:
Mesovarium: Umgibt beidseits den jeweiligen Eierstock (Ovar)
Mesosalpinx: Umgibt beidseits die Eileiter (Tuba uterina)
Mesometrium: Setzt an der Gebärmutter (Uterus) an
Es enthält außerdem die Arteria und Vena uterina, die die Blutversorgung der Gebärmutter sicherstellen
Ligamentum ovarii proprium:
Verbindet das Ovar direkt mit dem Uterus und stabilisiert die Position der Ovarien relativ zum Uterus
Eileiter (Tubae uterinae):
Definition: Die Eileiter sind paarige, muskuläre Röhrenstrukturen des weiblichen Fortpflanzungssystems. Sie verbinden die Ovarien mit der Gebärmutter und spielen eine zentrale Rolle bei der Fortpflanzung.
Funktion:
Transport der Eizelle: Die Hauptfunktion des Eileiters besteht darin, die nach dem Eisprung freigesetzte Eizelle von den Ovarien zur Gebärmutter zu transportieren
Ort der Befruchtung: Im Ampullenabschnitt des Eileiters findet in der Regel die Befruchtung der Eizelle durch ein Spermium statt
Transport des Embryos: Nach der Befruchtung wird der Embryo in die Gebärmutter transportiert, wo die Einnistung stattfindet
Lage: Der Eileiter liegt intraperitoneal und ist etwa 10–12 cm lang
Anatomische Strukturen der Tubae uterinae:
Infundibulum tubae uterinae: Der trichterförmige Anfang des Eileiters, der sich am nächsten zu den Ovarien befindet, besitzt fadenartige Fortsätze, die Fimbrien, die die Eizelle nach dem Eisprung auffangen
Ampulla tubae uterinae: Der größte und längste Teil des Eileiters → hier findet in der Regel die Befruchtung statt
Isthmus tubae uterinae: Ein schmaler Abschnitt des Eileiters, der in Richtung der Gebärmutter schmaler wird
Pars uterina tubae uterinae: Tritt in die Gebärmutterwand ein und mündet in die Gebärmutterhöhle
Mit ihren fingerähnlichen Fimbrien treten sie an den oberen Pol der Ovarien heran
Über das Mesosalpinx, eine Peritonealduplikatur, sind die Eileiter mit dem Oberrand des Ligamentum latum uteri verbunden, welches die gesamte Gebärmutter und ihre Anhänge stabilisiert
Eierstöcke (Ovarien):
Definition: Die Ovarien (Eierstöcke) sind wichtige Organe des weiblichenFortpflanzungssystems. Sie spielen eine zentrale Rolle in der FortpflanzungundHormonproduktion
Funktionen:
Produktion von Eizellen (Oogenese):
Ort der Eizellbildung: In den Ovarien werden die Eizellen gebildet und herangereift
Follikelreifung: Die Eizellen reifen in Follikeln, kleinen Flüssigkeitsbläschen, die in den Ovarien vorhanden sind
Ovulation: In der Mitte des Menstruationszyklus platzt ein Follikel, und eine reife Eizelle wird in den Eileiter freigesetzt
Hormonproduktion:
Östrogen und Progesteron: Diese Hormone werden von den Ovarien produziert und sind essenziell für den Menstruationszyklus sowie für die Vorbereitung der Gebärmutter auf eine mögliche Schwangerschaft
Regulation des Menstruationszyklus: Die Hormone regulieren den Zyklus, indem sie den Aufbau und die Abstoßung der Gebärmutterschleimhaut steuern
Größe: Länge 3–4 cm, Breite 1–2 cm und ca. 1 cm dick
Lage:
Liegen beidseitig der Gebärmutter, in der Nähe der seitlichen Beckenwand, im Bereich der Fossa ovarica
Befinden sich hinter dem Uterus (retropelvine Lage) und oberhalb des Beckeneingangs
In der Nähe der Ovarien befinden sich wichtige Strukturen wie die Eileiter (Tubae uterinae) und der Harnleiter
Aufbau:
Extremitas tubaria: Der obere Pol des Ovars, der sich in Richtung Eileiter (Tuba uterina) orientiert
Extremitas uterina: Der untere Pol, der in Richtung Uterus (Gebärmutter) gedreht ist
Margo liber ovarii: Die freie Seite des Ovars, die dem Eileiter gegenüberliegt
Hilum ovarii: An dieser Stelle treten Blutgefäße und Nerven in das Ovar ein bzw. aus, und hier setzt das Mesovarium an
Peritonealverhältnisse:
Die Ovarien sind intraperitoneal gelegen
Mesovarium: Ein Peritonealdoppelfalte, die das Ovar mit dem Ligamentum latum uteri verbindet. Es stellt die Aufhängung der Ovarien dar und enthält die Blutgefäße und Nerven, die das Ovar versorgen
Befestigungsbänder der Ovarien: Die Ovarien sind durch mehrere Bänder fixiert, die ihre Position im Becken stabilisieren
Ligamentum ovarii proprium: Verbindet das Ovar mit dem Uterus, zieht vom unteren Pol des Ovars zum Uterus, wo es unterhalb des Eileitereingangs ansetzt
Ligamentum suspensorium ovarii: Peritonealfalte, die das Ovar an der Beckenwand befestigt, enthält die Ovarialgefäße (Arteria und Vena ovarica)
Definition: Die Brust (Mamma) ist ein paarigesOrgan der sekundären Geschlechtsorgane der Frau und befindet sich auf Höhe der drittenbissiebtenRippeaufdemBrustkorb. Sie ist dem Brustmuskel vorgelagert
Zyklusstand oder Schwangerschaft beeinflussen die Größe und wie stark diese zu- und abnimmt
Lage:
Die Brust liegt dem großenBrustmuskel (M. pectoralis major) auf. Aufgrund der beinhalteten Brustdrüse zählt die Brust daher anatomisch zu den Hautdrüsen
Aufbau:
Brustdrüse (Glandula mammaria)
Brustwarze (Mamille, Papilla mammaria) → stark pigmentiert
Warzenhof (Areola mammae)
Binde- und Fettgewebe und äußere Haut
“Breast anatomy normal.jpg” von Patrick J. Lynch, medical illustrator, CC BY 2.5, https://creativecommons.org/licenses/by/2.5, via Wikimedia Commons. Die Abbildung ist ein Derivat der oben genannten Abbildung. Es wurden die Farben angepasst und die Beschriftungen ergänzt.
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Umgebungsstrukturen
Nachbarschaftsbeziehungen
Die direkten Nachbarn der primärenweiblichenGeschlechtsorgane sind:
Harnblase und Harnleiter (vorne)
Rektum (hinten)
Bauchfell (oben)
Die direkten Nachbarn der weiblichenBrust als sekundäresGeschlechtsorgan sind der Brustkorb und die entsprechend enthaltenen Organe, wie Lunge und Herz.
Beckenräume und Beckenboden
Beckenhöhle:
Die Beckenhöhle (Cavitas pelvis) bildet den unterenTeil der Bauchhöhle und beherbergt die Endabschnitte des Verdauungs-, Harn- und Geschlechtssystems. Sie wird untergliedert in ein großes und in ein kleinesBecken, die von der Lineaterminalis (schräg verlaufende Linie in der Innenseite des Beckenknochens) getrennt werden.
Raum unterhalb des Beckenbodens, zwischen Diaphragma pelvis und „Diaphragma urogenitale“
„Infralevatorisch“ bezieht sich auf die Lage unterhalb des M. levator ani
Raum mit Fettgewebe gefüllt, in der hinteren Dammregion
Ermöglicht Bewegung und Erweiterung des Analkanals während der Defäkation zum Schutz wichtiger Strukturen
Beckenboden:
Der Beckenboden ist eine komplexe Schicht aus Muskeln,Bindegewebe und Faszien, die das Becken nach unten hin abschließt. Er spielt eine entscheidende Rolle bei der Kontinenz und sichert die Beckenorgane in ihrer anatomischen Position. Der Beckenboden lässt sich in dreiHauptanteile unterteilen, die jeweils spezifische Aufgaben und Strukturen aufweisen.
Diaphragma pelvis → Abschluss des Beckens nach unten sowie Stabilisierung der Organe, entscheidende Rolle bei Stuhlgang und Geburt
M. levator ani mit M. puborectalis, M. pubococcygeus, M. iliococcygeus → Bildet den Durchtritt von Rektum, Urethra, Vagina
M. coccygeus → Verstärkt Beckenboden
Diaphragma urogenitale → Stützung der Harnröhre, sowie Stabilisierung und Schutz der umliegenden Organe
M. transversus perinei profundus → Bildet die Trageplatte des Beckenbodens
M. transversus perinei superficialis → Dient der Unterstützung
Sphinkter- und Schwellkörpermuskulatur → Schließmuskel und Anschwellen der Genitalien
M. sphincter ani externus
M. bulbospongiosus
M. ischiocavernosus
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Mikroskopische Anatomie
Feinbau der inneren Geschlechtsorgane
Vagina (Scheide):
Die Vaginalwand besteht aus 3 Schichten:
Mukosa: mehrschichtiges, unverhorntes Plattenepithel → wird ständig erneuert
Vaginalsekret: abgestoßene Zellen, Schleim aus den Drüsen des Gebärmutterhalses und dem ausgetretenen Gewebewasser
Muskularis: glatte Muskulaturschicht mit kollagenen und elastischen Fasern
Elastische Fasern: gitterförmig angeordnet → ermöglicht eine starke Dehnung (z.B. für die Geburt)
Übergang der Muskularis: unten in die Muskulatur des Damms, oben in die des Gebärmutterhalses
Adventitia: elastische Fasern, hat keinen Bauchfellüberzug
Uterus (Gebärmutter):
Der Uterus hat eine dreischichtigeWand:
Endometrium: innere Schleimhautschicht
Zervix: aus hochprismatischem Epithel → im Menstruationszyklus nur wenig verändert
Uteruskörper: zweischichtiges, hochprismatisches Epithel → starke Reaktion auf hormonelle Veränderung
Funktionalis: obere Schicht und wächst im Verlauf des Zyklus → wenn keine Einnistung stattfindet, wird sie vollständig abgestoßen → bildet die Monatsblutung
Basalis: untere Schicht, bleibt während dem ganzen Zyklus bestehen → aus ihr wird die neue Funktionalis aufgebaut
Zahlreiche Drüsen → Schleimproduktion, der den Zervikalkanal außerhalb der fruchtbaren Tage verschließt
Myometrium: glatte Muskelfaserschicht, in verschiedene Richtungen verlaufend
Zervix: ringförmige Anordnung → verschließen die Gebärmutter während der Schwangerschaft
Uteruskörper: überwiegend längs verlaufende Muskelfasern → ermöglichen den Schub des Kindes während der Wehen
Perimetrium: teilweise von Bauchfell (Serosa) überzogen, an den fehlenden Stellen (Portio, Seitenränder des Uteruskörpers) bildet sie Adventitia, die äußerste Schicht
Eileiter (Tubae uterinae):
Die WandderEileiter besteht aus 3 Schichten:
Mukosa: Schleimhaut aus einschichtigem Zylinderepithel und in Falten gelegt
Drüsenzellen: produzieren Sekret → für die Ernährung der befruchteten Eizelle, bis diese den Uterus erreicht
Flimmerzellen: Sekret strömt Richtung Gebärmutter → Sekretstrom unterstützt den Transport der Eizelle und weist den Spermien (schwimmen gegen den Strom) den Weg zur Eizelle
Muskularis: mehrere Lagen glatter Muskelzellen → Ausrichtung des Tubentrichters, damit dieser das Ei beim Eisprung auffangen kann und fördert durch Kontraktion den Transport in Richtung Gebärmutter
Serosa: äußere Schicht, aus dem dem Bauchfell bestehend, dünne Bindegewebsschicht (Subserosa) unterlagert
Eierstöcke (Ovarien):
Die Ovarien sind von einer bindegewebigenKapsel umhüllt. Im Eierstockgewebe lassen sich eine Rindeund ein Mark unterscheiden, wobei der Übergang zwischen beiden nichtklarabgegrenzt ist. In der Rinde befinden sich die Follikel mit den Eizellen. Das Mark enthält keineFollikel, sondern zahlreiche kleine Gefäße.
Feinbau der weiblichen Brust
Die Brustdrüse besteht aus 10 bis 20 einzelnen in Lappen organisierten Milchdrüsen (Lobi glandulae mammariae), die durchBindegewebe voneinander getrennt sind. Jede dieser Drüsen setzt sich aus kleinenDrüsenläppchen (Lobuli) zusammen, in denen die Drüsenendstücke liegen. Unter dem milchbildendenDrüsenepithel befinden sich Myoepithelzellen. Diese ziehen sich zusammen und pressen dadurch die MilchindieAusführungsgänge. Die Milchgängemünden in die Brustwarze. Die HormoneProlaktinundOxytocin steuern vor allem die Milchbildung und -ausschüttung.
Das Fettgewebe liegt überwiegend zwischenHautundDrüsengewebe, jedoch kommen auch in den Drüsenläppchen selbst Fettzellen vor. Solange keineMilchproduziert wird, bestimmen Fett- und Bindegewebe hauptsächlich die Größe und Form der Brustdrüsen.
Die Brust ist außen von Hautbedeckt, die über feineBindegewebsstrukturen mit der FasziedesBrustmuskelsverbunden ist und so zusätzlichen Halt bietet.
Info
Mammakarzinom (Brustkrebs)
Brustkrebs (Mammakarzinom) ist die häufigsteKrebserkrankung bei Frauen, während er bei Männern nur selten auftritt. Wird er nichtfrühzeitig erkannt und behandelt, bildet er meist zuerst Metastasen in den nahegelegenenLymphknoten und späterin Leber, Lunge und Knochen.
Die Behandlung besteht darin, den Tumorvollständigzuentfernen und gesundes Gewebe zu erhalten. Die Achsellymphknoten müssen mitentfernt werden, wenn im WächterlymphknotenTumorzellen nachgewiesen werden. Dadurch kann es zu Störungen des Lymphabflussesim betroffenenArm kommen.
Exkurs Rettungsdienst: die Messung des Blutdrucks sollte auf der betroffenen Seite unterbleiben.
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Versorgende Strukturen
Blutversorgung
Organ
Arterien
Venen
Vulva
Äste der A. pudenda interna, abzweigend aus A. iliaca interna
V. pudenda interna
Plexus venosus vesicalis
V. femoralis
Vagina
Äste der A. pudenda
A. uterina
A. vesicalis inferior
A. vaginalis (nicht bei allen Frauen vorhanden), aus der A. iliaca interna
Plexus venosus vaginalis in V. iliaca interna
Uterus
A. uterina, Ast der A. iliaca interna
Verläuft geschlängelt im Lig. latum → in der Schwangerschaft begradigt
Plexus venous uterus
V. uterina in die V. iliaca interna
Ovarien
A. ovaria, entspringt der Aorta
Ast der A. uterina (Ramus ovaricus, verläuft im Gebärmutter-Eierstock-Band)
V. ovaria in die V. renalis → V. cava inferior
Eileiter
Äste der A. ovarica
Äste der A. uterina
V. uterina
Brust
Äste der Brustwandarterien
Venöses Netz (oberflächlich und tiefergelegenes)
Innervation
Organ
Nerven
Vulva
N. pudendus aus dem Plexus sacralis
Besonders viele Nervenfasern zur Klitoris
Vagina
Plexus uterovaginalis
Plexus sacralis
Vegetativer Plexus uterovaginalis (Frankenhäuser-Ganglion) beidseits der Gebärmutter liegend
Uterus
Fasern des vegetativen Nervensystems aus dem Plexus uterovaginalis
Ovarien und Eileiter
Fasern des vegetativen Nervensystems aus verschiedenen Nervenplexus
Brust
Sensible Versorgung durch die Hauptäste der Zwischenrippennerven
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Physiologie der weiblichen Geschlechtsorgane
Die Physiologie der weiblichenGeschlechtsorgane umfasst alle Vorgänge, die der Fortpflanzung, dem hormonellenGleichgewicht sowie der VorbereitungundErhaltung einer Schwangerschaft dienen. Eine zentrale Rolle spielt dabei der Menstruationszyklus, der durch ein fein abgestimmtes ZusammenspielverschiedenerHormone wie FSH, LH, Östrogen und Progesteron gesteuert wird.
Die Ovarien übernehmen die ReifungderEizellen sowie die Bildung dieser Hormone. Dadurch wird der Zyklusstrukturiert und der Eisprungausgelöst. Währenddessen finden in der GebärmutterschleimhautzyklischeVeränderungen statt, die eine mögliche Einnistung der Eizelle vorbereiten. Die Eileiter ermöglichen mithilfe von FlimmerbewegungenundMuskelkontraktionen den Transport von Eizelle und Spermien. Die Vagina schafft ein Milieu, das sowohl SchutzvorInfektionen bietet als auch den Transport der Spermien unterstützt.
Insgesamt sorgt das harmonischeZusammenspielallerOrgane und hormonellenProzesse für die Fortpflanzungsfähigkeit und die physiologischen Veränderungen im weiblichen Körper.
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Organfunktion
Menstruationszyklus
Definition
Menstruationszyklus
Ein Menstruationszyklus umfasst die Zeit vom erstenTagderRegelblutung bis zum letztenTagvordernächstenBlutung.
Die ersteMenstruation (Menarche) tritt in der Regel zwischen dem 12. und 15. Lebensjahr auf und kennzeichnet das Ende des ersten Zyklus. Ab dem 45. Lebensjahr lässt die Funktion der Eierstöcke nach, die Wechseljahre (Klimakterium) setzen ein und dauern bis zum ca. 55. Lebensjahr. Die letzteBlutung wird als Menopause bezeichnet.
Ovarieller Zyklus:
Follikelphase
Ovulationsphase
Lutealphase
Endometrialer Zyklus:
Menstruation → unterteilt in Desquamations- und Regenerationsphase
Proliferationsphase
Sekretionsphase
Ischämische Phase
In diesem Zyklus entsteht eine befruchtungsfähigeEizelle, die beim EisprungdenEierstockverlässt und in den Eileiter gelangt. Gleichzeitig bereitet sich die Gebärmutterschleimhaut auf die EinnistungderbefruchtetenEizelle vor. Bleibt die Befruchtungaus, setzt die Regelblutungein und der Zyklusbeginnt von Neuem.
Die durchschnittlicheZykluslänge beträgt rund 28 Tage, wobei Schwankungen zwischen 21 und 35 Tagen üblich sind. Sie kann sich sowohl zwischen verschiedenen Frauen als auch zwischen den einzelnen Zyklen derselben Frau unterscheiden.
Der Menstruationszyklus wird durch Hormonegesteuert, die im Hypothalamus (Gonadotropin-Releasing-Hormon = GnRH), in der Hypophyse (luteinisierendes Hormon = LH, follikelstimulierendes Hormon = FSH) und im Ovar (Östrogen, Progesteron) produziert werden. Die Einteilung kann sich entweder auf den Eierstock (ovarieller Zyklus) oder auf die Gebärmutterschleimhaut (endometrialer Zyklus) beziehen. Diese beidenZyklen verlaufen parallel:
Ovarieller Zyklus: besteht aus 3 Phasen → Follikelbildung → Eisprung → Gelbkörperbildung → Die Menstruation zählt nicht dazu, da sie nicht im Ovar stattfindet
Endometrialer Zyklus: besteht aus 4 Phasen → Menstruationsphase (lässt sich in Desquamations- und Regenerationsphase unterteilen) → Proliferationsphase → Sekretionsphase → Ischämische Phase
Die 3 Phasen des ovariallenZyklus sind:
Follikelphase (1. bis ca. 12. Zyklustag)
Ovulationsphase (ca. 13. bis 15. Zyklustag)
Lutealphase (ca. 16. bis 28. Zyklustag)
In der zweitenZyklushälfte bereitet sich das Endometrium auf eine möglicheEinnistung vor. Geschieht diese nicht, wird die Schleimhaut erneut abgestoßen und der Zyklusbeginnt von vorn. Kommt es hingegen zur Einnistung, entsteht eine Schwangerschaft. Während dieser und teils auch nach der Geburt tritt aufgrund der Stillzeit keine Menstruation auf.
Follikelphase:
Die Follikelphasebeginnt am erstenTag der Regelblutung und endet kurz vor dem Eisprung. In dieser Zeit reift ein Follikel zum sprungbereiten Graaf-Follikel heran. Zu Beginn dieser Phase führt die rhythmischeAusschüttung von GnRH zur FreisetzungvonFSHundLH aus der Hypophyse.
Follikel:
Ein Follikel umfasst die Eizelle sowie die sie umgebendenZellschichten. Je nach Entwicklungsstand unterscheidet man zwischen Primordial-, Primär-, Sekundär-, Tertiär- und Graaf-Follikeln. Die Eizellen(Oozyten) entstehen während der Embryonal- und Fetalzeit in den Ovarien und sind von einer Schicht Epithelzellen umgeben. Zusammen bilden EizelleundZellschicht den Primordialfollikel. Die Eizelle liegt dabei im Ruhezustand der erstenReifeteilungderMeiose und wird als Oozyte I bezeichnet. Erst wenn der Follikel im Menstruationszyklus zu reifen beginnt, wird die Reifeteilungfortgesetzt. Zu Beginn des erstenMenstruationszyklus sind etwa 40.000 Primordialfollikel vorhanden.
Entwicklung zum Graaf-Follikel:
Während der Follikelphase setzt der HypothalamusvermehrtGnRH in pulsierenden Ausschüttungen frei. Da diese Pulse häufiger auftreten als in der Lutealphase, schüttet die HypophyseverstärktFSH aus. Die erhöhte FSH-Konzentration führt dazu, dass pro Zyklus 40–100 Primordialfollikel zu Primärfollikeln heranreifen. Dabei werden die EpithelzellenzuGranulosazellen, die vor allem Östrogenebilden. Unter deren Einfluss entwickeln sich die Primärfollikel zu Sekundärfollikeln mit einem mehrschichtigen Epithel und einer zusätzlichen Thekazellschicht. Die Thekazellen bildenAndrogene, die zu Östrogenen umgewandelt werden. Zwischen Eizelle und Granulosazellen entsteht die Zona pellucida als Schutzschicht.
Mit steigenderÖstrogenkonzentration wird die FSH-Ausschüttung durch negative Rückkopplung gehemmt. Dadurch nehmen die FSH-Werte wieder ab und es reifen keine weiteren Follikel nach. Die meisten Sekundärfollikel stellen ihr Wachstum ein und gehen am siebten Zyklustag zugrunde. Nur ein besonders empfindlicher Sekundärfollikelentwickelt sich weiter über den Tertiärfollikelbis zum Graaf-Follikel. Tertiär- und Graaf-Follikel besitzen im Unterschied zu früheren Stadien eine Follikelhöhle. Der Graaf-Follikel produziert große Mengen Östrogen, sodass die Östrogenkonzentration am Ende der Follikelphase ihren höchsten Wert erreicht. Dies führt zu einer verstärktenAusschüttung von LH und FSH. Der starke LH-Anstieg löst um den 14. Zyklustag die Ovulation aus.
Veränderungen am Endometrium:
Die zunehmende Östrogenkonzentration während der Follikelphase führt nicht nur zur Follikelreifung, sondern auch zum WiederaufbauderGebärmutterschleimhaut. Ausgehend von der Basalis regeneriert sich die während der letzten Menstruation abgestoßene Funktionalis. Sie wechselt von der Regenerations- in die Proliferationsphase. Die Schleimhaut tritt in die Proliferationsphase ein, in der sich Epithel- und Bindegewebszellen vermehren, Arterien in die Schleimhaut einwachsen und sich die Drüsengänge verlängern. Diese Phase dauert etwa elf Tage und endet kurz vor dem Eisprung.
Ovulationsphase:
LH-Peak und Eisprung:
Etwa am 12. Zyklustag ist die Östrogenkonzentration so hoch, dass die zuvor negativeRückkopplung in eine positiveübergeht. Dadurch fördern die Östrogene die Ausschüttung des LH durch die Hypophyse. Die LH-Konzentration steigt rasch an und erreicht innerhalb kurzer Zeit ihren Höhepunkt (LH-Peak). Dieser löst den Eisprung aus. Der Graaf-Follikel reißt auf und gibt die Eizellefrei, die nun von einer dünnen Granulosazellschicht (Corona radiata) umgeben ist. Sie wird von den Fimbrien des Tubentrichtersaufgenommen und wandert anschließend durch den Eileiter in Richtung Uterus.
Nach dem Eisprung nimmt die Östrogenproduktion des Graaf-Follikels wieder ab. Sinkt die Östrogenkonzentration unter einen bestimmten Schwellenwert, kehrt sich die positive Rückkopplung um, sodass die LH-Freisetzung gehemmt wird.
Entstehung des Gelbkörpers (Corpus luteum):
Unter dem EinflussvonLH wachsen kleine Blutgefäße in die Überreste des Follikelsein und aus den Granulosa- und Thekazellen entwickeln sich Lutealzellen. Diese Zellen bilden abhängig von LH Progesteron und in geringerer Menge Östrogene. Aufgrund ihres hohenFettgehalts erscheinen sie gelb. So entsteht aus dem Follikel der Gelbkörper (Corpus luteum).
Entwicklung der Eizelle:
Einige Stunden vordemEisprung setzt die Eizelle des Graaf-Follikels die ersteReifeteilung fort. Kurz vor der Ovulation endet diese Teilung mit der BildungzweierhaploiderTochterzellen. Die kleinere der beiden, das Polkörperchen, enthält nur wenig Zytoplasma. Die größereTochterzelle ist die Oozyte II, die die zweiteReifeteilung einleitet. Diese wird jedoch erstnachderBefruchtung durch ein Spermium abgeschlossen.
Veränderungen der Zervix:
Unter dem Einfluss der vom Graaf-Follikel gebildeten Östrogeneverflüssigt sich kurz vor dem Eisprung der Zervixschleim und der Muttermundöffnet sich leicht. So können die Spermienleichter in die Gebärmutter gelangen.
Lutealphase:
Der Gelbkörper beginnt mit der ProduktionvonProgesteron und bildet in geringerem Umfang auch Östrogene. Progesteron bewirkt den ÜbergangdesEndometriums von der Proliferations- in die Sekretionsphase. Die Gebärmutterschleimhaut wird stärkerdurchblutet und die Drüsenwachsen weiter, um einen glykogenhaltigenSchleim zu bilden. Zusätzlich lagert die SchleimhautGlykogen, Fett und Proteine ein, wodurch optimaleBedingungen für die möglicheEinnistung einer befruchtetenEizelle geschaffen werden. Die Sekretionsphase dauert etwa vierzehnTage. Zudem erhöht Progesteron die ViskositätdesZervixschleims erneut. Es sorgt dafür, dass die Basaltemperatur in der zweiten Zyklushälfte um 0,5 °C ansteigt.
ProgesteronundÖstrogenhemmen die Ausschüttung von FSH und LH. Da der Gelbkörper jedoch LHbenötigt, um bestehen zu können, führt ein sinkender LH-Spiegel dazu, dass er seine Hormonproduktioneinstellt und sich ab dem etwa 26. Zyklustag in das funktionslose Corpus albicans (weißliche, bindegewebige Narbe im Eierstock) zurückbildet. Dadurch fällt auch der Progesteronspiegel ab. Da das Endometrium auf Progesteronangewiesen ist, führt der Hormonabfall zur AbstoßungderFunktionalis und zum EinsetzenderMenstruation. Diese Phase wird als Desquamationsphase bezeichnet und dauert etwa drei Tage. Der Blutverlust während der Menstruation beträgt etwa 50 Milliliter.
Bei einer Befruchtung der Eizelle bleibt die Progesteronkonzentration erhöht. Somit wird eine weitere Follikelreifung verhindert.Progesteron wird im Corpus luteum für ca. 2–3 Monate weiterproduziert. Anschließend wird es in der Plazenta gebildet.
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Bedeutung im Körper
Sexualhormone
Sexualhormone haben wichtige Funktionen wie die Entwicklung der Geschlechtsorgane und Geschlechtsmerkmale sowie die Aufrechterhaltung der Fortpflanzungsfunktionen von Mann und Frau.
Bei beiden Geschlechtern steuert das hypothalamisch-hypophysäre Kontrollsystem die Bildung und Ausschüttung der Sexualhormone. Der Hypothalamus schüttet pulsatil das Gonadotropin-Releasing-Hormon (GnRH) aus, das in der Adenohypophyse die Synthese und Sekretion der Gonadotropine FSH und LH anregt:
FSH = follikelstimulierendes Hormon
LH = luteinisierendes Hormon
FSH und LH stimulieren die Freisetzung der Effektorhormone in den Keimdrüsen (Gonaden):
Bei allenGeschlechtern werden sowohl männlichealsauchweiblicheSexualhormone produziert, allerdings in unterschiedlicherMengeundKonzentration.
Bei der Frau dienen die in OvarundNebennieren synthetisierten Androgene als Zwischenprodukte in der Östrogensynthese.
Bildungsort
Klassifizierung
Sexualhormone
Zentral
Releasing-Hormon
GnRH (Gonadotropin-Releasing-Hormon)
Gonadotropine
FSH (follikelstimulierendes Hormon)
LH (luteinisierendes Hormon)
Peripher
Weibliche Sexualhormone
Östrogene
Gestagene
hCG (humanes Choriongonadotropin)
Männliche Sexualhormone
Androgene
Gonadotropin-Releasing-Hormon (GnRH):
Das Gonadotropin-Releasing-Hormon (GnRH) ist ein Peptidhormon und wird im Hypothalamussynthetisiert. Dort wird GnRH in einem pulsatilen Muster alle 60-90 Minuten freigesetzt. Diese pulsatilen Freisetzungen sind entscheidend für die adäquate Funktion der gonadalen Achse. Die Halbwertszeit von GnRH ist kurz und liegt bei ca. 2-4 Minuten. GnRH stimuliert die Adenohypophyse zur Sekretion der Gonadotropine follikelstimulierendes Hormon (FSH) und luteinisierendes Hormon (LH).
Der Regelkreis der GnRH-Freisetzung unterliegt einer negativen Rückkopplung: niedrige Gonadotropinspiegel fördern, während hohe Gestagenspiegel die GnRH-Sekretion hemmen.
Follikelstimulierendes Hormon (FSH):
Das follikelstimulierende Hormon (FSH) ist ein Glykoprotein und wird pulsatil aus der Adenohypophyse freigesetzt. Es hat eine Halbwertszeit von ca. 3-4 Stunden.
Bei Frauen stimuliert FSH die Östrogensynthese und Follikelreifung („follikelstimulierend“) in den Granulosazellen der Ovarien.
Die Sekretion von FSH wird durch eine negative Rückkopplung reguliert: niedrige Östrogenkonzentrationen zu Beginn der Follikelphase hemmen die FSH-Freisetzung, wohingegen ab einer bestimmten Östrogenkonzentration eine positive Rückkopplung auf den Hypothalamus und die Hypophyse hervorgerufen wird.
Luteinisierendes Hormon (LH):
Das luteinisierende Hormon (LH) ist ein Glykoprotein und wird ebenfalls im pulsatilen Muster freigesetzt. Es weist eine Halbwertszeit von ca. einer Stunde auf.
Bei Frauen steigert LH die Androgen-Synthese in den Theca-Zellen der Ovarien und ist maßgeblich an der Auslösung des Eisprungs (Ovulation) sowie der Bildung des Gelbkörpers (Corpus luteum) beteiligt (daher kommt der Name „luteinisierend“). Der GelbkörperbildetProgesteron.
Auch LH unterliegt einer negativen Rückkopplung: bei Frauen wirkt das Progesteron aus dem Gelbköper hemmend auf die Sekretion von GnRH und LH.
Adenohypophyse: Förderung der Sekretion von LH und FSH
Negative Rückkopplung:
Niedrige Gonadotropin- und Sexualhormonspiegel (außer Östrogen) wirken stimulierend
Hohe Gestagen- und niedrige Östrogenspiegel wirken hemmend
Eine geringe Östrogenkonzentration wirkt hemmend auf die Ausschüttung. Eine hohe Östrogenkonzentration fördert die Ausschüttung
FSH
Glykoproteine
Syntheseort: Adenohypophyse
Sekretion: pulsatil, wie GnRH
Halbwertszeit:3-4 Stunden (FSH) bzw. 1 Stunde (LH)
Granulosazellen:
Östrogensynthese ↑
Follikelreifung ↑
Niedrige Östrogenkonzentration zu Beginn der Follikelphase führt zu einer negativen Rückkopplung auf den Hypothalamus (GnRH) und die Hypophyse
Übersteigt die Östrogenkonzentration jedoch einen bestimmten Wert, wird die negative Rückkopplung zu einer positiven Rückkopplung, d.h. Östrogen aktiviert den Hypothalamus und die Hypophyse
LH
Theca-Zellen (Ovar):
Androgen-Synthese ↑
Hohe LH-Konzentration: Ovulation (Eisprung)
Bildung des Corpus luteum (Gelbkörper) → bildet Progesteron
Negative Rückkopplung:
Das aus dem Corpus luteum stammendem Progesteron hemmt den Hypothalamus und die Hypophyse (Frau)
Östrogene:
Östrogene sind die wichtigsten Geschlechtshormone der Frau. Östrogene sind Steroidhormone und dienen bei der Frau der Entwicklung und Erhaltung der primären und sekundären Geschlechtsorgane. Bei allen Geschlechtern regulieren sie zusammen mit Testosteron den Knochenstoffwechsel und das Skelettwachstum. Die Konzentration der Östrogene wird durch GnRH aus dem Hypothalamus und LH sowie FSH aus der Hypophyse reguliert. Die Konzentration ändert sich bei Frauen stark während des Zyklus und nimmt nach der Menopause stark ab.
Wichtigste Östrogene:
Östradiol
Östron
Östriol
Bildungsort:
Hauptsächlich in den Granulosazellen (Zellen der Follikelwand) im Gelbkörper (entsteht nach dem Eisprung aus dem geplatzten Follikel) im Ovar gebildet → Östrogenkonzentration nimmt mit der Follikelreifung zu und erreicht kurz vor dem Eisprung ein Maximum
Außerdem zu geringen Teilen in den Nebennierenrinden und während der Schwangerschaft in der Plazenta gebildet
Synthese:
Östrogene werden aus den Androgenen Androstendion und Testosteron durch das Enzym Aromatase gebildet. Dabei wird aus Androstendion Östron und aus Testosteron Östradiol gebildet. Aus Östron und Östradiol kann Östriol gebildet werden, das nur etwa 1/10 der Aktivität von Östradiol besitzt.
Transport im Blut und Abbau:
Proteingebunden an Albumin oder das Sexualhormon-bindende Globulin (SHBG)
Ein kleiner Teil der Östrogene zirkuliert ungebunden und in freierForm im Blut → die ungebundene Form ist biologisch aktiv
Östrogene werden mittels der Biotransformation durch Bindung an Schwefelsäure oder Glucuronsäure abgebaut und über den Urinausgeschieden
Aufgrund ihrer lipophilen Eigenschaft können Östrogene durch die Zellmembran diffundieren und an intrazelluläre Rezeptoren im Cytosol oder im Zellkern binden. Der so gebildete Hormon-Rezeptor-Komplex wirkt als Transkriptionsfaktor und beeinflusst dadurch die Transkription der Zielgene. Einige Zellen besitzen auch membranständige Östrogen-Rezeptoren, die nicht-genomische Effekte vermitteln.
Wirkung an den Zielorganen:
Genitale Effekte:
Entwicklung und Reifung der primären Geschlechtsmerkmale: Wachstum von Vulva, Vagina, Uterus, Tuba uterina und Ovarien
Entwicklung und Reifung der sekundären Geschlechtsmerkmale: Brustwachstum (Thelarche), Schambehaarung (Pubarche), Achselbehaarung, Regelblutung (Menstruation), breite Hüften, schmale Taille und Schultern
KontrolledesMenstruationszyklus
Vorbereitung für Befruchtung:
Ovarien:
Förderung der Reifung einer befruchtungsfähigen Eizelle, Follikelreifung ↑
Lösen durch positive Rückkopplung den Eisprung aus
Uterus, Tuben und Vagina:
Motilität der Tubae uterinae (Eileiter) ↑
Kontraktilität des Myometriums (im Uterus) ↑
Oxytocinempfindlichkeit des Myometriums ↑
Proliferation der Uterusschleimhaut (Endometrium) ↑
Produktion des Zervixschleims ↑
Durchlässigkeit des Zervixschleims für Spermien ↑
Öffnung des Muttermundes
Proliferation (Wachstum) des Vaginalepithels ↑
Während der Schwangerschaft:
Uterusdurchblutung ↑
Entwicklung der Brustdrüse ↑
Progesteronsynthese ↑
Extragenitale Effekte:
Anabole Wirkung:
Proteinstoffwechsel ↑
Knochenaufbau ↑
→ Fördern den Epiphysenschluss an den Knochen
→ Calcium- und Phosphatretention ↑
→ Hemmung der Osteoklasten und Förderung der Osteoblastenaktivität
→ Ein Mangel an Östrogen (z.B. nach der Menopause) führt zu einer Entmineralisierung der Knochen und in der Folge zu einem Verlust an Knochenmasse (Osteoporose)
ProtektiverEffekt auf das Gefäßsystem
WeiblicheFettverteilung
Stimulation des Immunsystems
Erhöhen im GehirndieHörsensibilität und sind essenziell für die SpeicherungvonGedächtnisinhalten von Geräuschen und Sprache
ErhöhteGerinnungsneigung des Blutes → erhöhtesThromboserisiko
NaCl- und Wasserretention ↑
Gestagene:
Gestagene sind ebenfalls Steroidhormone. Sie werden auch als Gelbkörperhormone bezeichnet, da sie während des Menstruationszyklus primär im Gelbkörper (Corpus luteum) gebildet werden. Progesteron ist ihr wichtigster Vertreter, welches das Leithormon der lutealen Phase des Menstruationszyklus ist. Die Ausschüttung des Progesterons wird durch das luteinisierende Hormon (LH) stimuliert. Weitere Gestagene sind das Pregnandiol und das Pregnenolon.
Synthese und Bildungsort: Die Bildung des Progesterons geht vom Cholesterin aus. Die Synthese erfolgt an den folgenden Orten:
Granulosaluteinzellen des Gelbkörpers des Ovars: Während der Lutealphase nach dem Eisprung
Thekaluteinzellen des Gelbkörpers des Ovars: Während der Lutealphase nach dem Eisprung
Plazenta: Während der Schwangerschaft ab dem zweiten Trimester übernimmt die Plazenta die Hauptproduktion des Progesterons
Nebennierenrinden (bei Frauen und Männern): geringere Produktion, unabhängig vom Menstruationszyklus bei Frauen
Progesteron wird überwiegend im Gelbkörper des Ovars während der Lutealphase durch eine Stimulation von LH gebildet. Bei einer ausbleibenden Befruchtung der Eizelle geht der Gelbkörper nach 10–12 Tagen unter und löst hierdurch die Menstruationsblutung aus.
Kommt es zu einer Befruchtung, übernimmt der Gelbkörper in den ersten zwei bis drei Monaten die Produktion von Progesteron. Anschließend übernimmt im dritten Trimester die Plazenta die Produktion von Progesteron und der Gelbkörper bildet sich zurück.
Transport im Blut und Abbau:
Proteingebunden an Cortisol bindendes Globulin und Albumin
Ein kleiner Teil des Progesterons zirkuliert ungebunden und in freier Form im Blut → die ungebundene Form ist biologisch aktiv
Progesteron wird mittels der Biotransformation abgebaut und als Pregnandiol über den Urin ausgeschieden
Wirkung an den Zielorganen: Die wichtigsten Aufgaben des Progesterons sind die Vorbereitung der Gebärmutterschleimhaut auf die Nidation (Einnistung der befruchteten Eizelle) und die Aufrechterhaltung der Schwangerschaft. Progesteron hat folgende Wirkungen:
Vorbereitung der Gebärmutterschleimhaut auf die Nidation („Dezidualisierung“):
Endometrium: Umwandlung des proliferierten Endometriums als Vorbereitung auf eine mögliche Nidation → mehr Drüsen und stärkere Durchblutung (wird als Dezidua bezeichnet)
Bei Befruchtung der Eizelle: Verhinderung einer weiteren Follikelreifung. Weitere Produktion im Corpus luteum für ca. 2-3 Monate → anschließend Bildung in der Plazenta
Bei ausbleibender Befruchtung der Eizelle: Verminderung der Progesteronkonzentration und Abstoßung der Gebärmutterschleimhaut
Viskosität des Zervixschleims ↑ → Eindringen von Spermien und Bakterien wird erschwert
Beeinflussung des Milieus in der Tuba uterina und dem Uterus
Laktationsbereitschaft der Brustdrüsen ↑
Einbau von Oxytocin-Rezeptoren(lösen Uteruskontraktionen aus) zur Geburtsvorbereitung
Leichte Erhöhung der Körpertemperatur um 0,2 bis 0,5 °C
Androgene:
Androgene sind Steroidhormone und sind Geschlechtshormone, die überwiegend die Entwicklung der männlichen Geschlechtsmerkmale steuern. Sie spielen jedoch auch bei Frauen eine wichtige Rolle. Die LH-Stimulation erfolgt nach dem zirkadianen Rhythmus und erreicht ihr Maximum am Morgen. Testosteron hemmt durch eine negative Rückkopplung die LH-Sekretion aus der Hypophyse.
Wichtige Androgene:
Stark wirksam:
Testosteron
5α-Dihydrotestosteron (DHT): Entsteht aus Testosteron durch die 5α-Reduktase und ist potenter als Testosteron, da es eine höhere Affinität für die Testosteronrezeptoren hat
Schwach wirksam (in den Nebennierenrinden gebildet):
Androstendion
Dehydroepiandrosteron (DHEA): Hauptvorläufer der Östrogene
Dehydroepiandrosteronsulfat (DHEAS)
Synthese und Bildungsort: Die Androgensynthese geht von Cholesterin aus. Androgene werden in den weiblichen Gonaden synthetisiert.
Ovar: Thecazellen
Zona reticularis der Nebennierenrinden: Dehydroepiandrosteron (DHEA) und Androstendion
Transport im Blut und Abbau:
Proteingebunden an Albumin und das Sexualhormon-bindende Globulin (SHGB)
Ein kleiner Teil des Testosterons zirkuliert ungebunden und in freier Form im Blut → die ungebundene Form ist biologisch aktiv
Testosteron wird mittels der Biotransformation abgebaut und als Androsteron und Etiocholanon überwiegend über den Urin ausgeschieden
Wirkprinzip:
Aufgrund ihrer lipophilen Eigenschaft können Androgene durch die Zellmembran diffundieren und an intrazellulären Androgen-Rezeptoren im Cytosol oder dem Zellkern binden. Der so gebildete Hormon-Rezeptor-Komplex wirkt als Transkriptionsfaktor und beeinflusst dadurch die Transkription der Zielgene. Im Cytosol wird Testosteron zu einem großen Teil durch die 5α-Reduktase in 5α-Dihydrotestosteron (DHT)umgewandelt. Gewebe (Ovarien oder Fettgewebe), die das Enzym Aromatase exprimieren, können Androgene in Östrogene umwandeln.
Bei Frauen dienen Androgene vor allem als Vorstufe der Östrogensynthese.
Hormonelle Verhütungen
HormonelleVerhütungsmethoden gehören zu den am häufigsten verwendeten Verhütungsmitteln. Sie wirken, indem sie dem Körper synthetischeSexualhormonezuführen. Diese beeinflussen die natürlichen hormonellenRegelkreise des weiblichen Körpers und verhindern so eine Schwangerschaft.
Wirkmechanismen:
Die Wirkweise hormoneller Kontrazeptiva beruht auf mehrerenparallelablaufenden Effekten:
Unterdrückung des Eisprungs (Ovulationshemmung):
Durch kontinuierliche Gabe von Gestagenen oder einer Kombination aus Östrogen und Gestagen
Hemmung der pulsatile GnRH-Freisetzung → verminderte FSH- und LH-Ausschüttung
Kein LH-Peak → kein Eisprung
Veränderung des Zervixschleims:
Gestagene verdicken den Schleim im Gebärmutterhals
Spermien können schwerer eindringen → verminderte Spermienmotilität und Passage
Veränderungen des Endometriums:
Das Endometrium wird sekretorisch umgewandelt und weniger empfänglich für eine Nidation
Bei rein gestagenhaltigen Methoden: besonders ausgeprägte Nidationshemmung
Beeinflussung der Tubenmotilität:
Gestagene verringern die Beweglichkeit der Eileiter
Transport der Eizelle wird verändert
Wirkprinzipien und Sicherheit:
Kombinierte Östrogen-Gestagen-Methoden:
Antibabypille (orale Kontrazeptiva):
Wirkweise: Ovulationshemmung, Verdickung des Zervixschleims, Endometriumveränderung
Pearl-Index: 0,1–0,9
Besonderheiten: hohe Wirksamkeit bei korrekter Einnahme; Wirkung kann durch Erbrechen/Durchfall beeinträchtigt sein
Besonderheiten: Wirksam auch bei Einnahmefehlern, verzögerte Rückkehr der Fruchtbarkeit möglich
Kupferspirale → kein hormonelles Verhütungsmittel, aber eine Langzeitverhütung
Wirkweise:
Kontinuierliche Freisetzung von Kupferionen → Spermien werden in ihrer Beweglichkeit und Befruchtungsfähigkeit gehemmt
Kupfer wirkt spermizid
Veränderung des Endometriums → Einnistung wird erschwert
Kein Einfluss auf den Eisprung (Ovulation bleibt erhalten)
Pearl-Index: 0,6–0,8
Besonderheiten:
Wirkdauer je nach Modell 3–10 Jahre
Nicht hormonell → geeignet, wenn Hormone nicht vertragen oder gewünscht sind
Menstruation kann stärker und schmerzhafter werden
Sofortige Rückkehr der Fruchtbarkeit nach Entfernung
Info
Was bedeutet der Pearl-Index?
Der Pearl-Index (PI) gibt an, wie viele von 100 Frauen trotz Verwendung eines Verhütungsmittels innerhalb eines Jahres schwanger werden.
PI = 1 → 1 von 100 Frauen wird innerhalb eines Jahres schwanger
Je niedriger der PI, desto sicherer die Methode
Richtwerte:
Sehr sicher: PI < 1
Mittel sicher: PI 1–9
Weniger sicher: PI > 10
Wichtig:
Der Pearl-Index unterscheidet oft zwischen:
Typischer Anwendung (real life) → mit Einnahme-/ Anwendungsfehlern
Korrekter Anwendung → ideale Bedingungen
Nebenwirkungen:
Häufige Nebenwirkungen:
Zwischenblutungen, Schmierblutungen
Kopfschmerzen
Brustspannen
Übelkeit
Stimmungsschwankungen
Gewichtveränderungen (v. a. bei gestagenbetonten Methoden)
Schwerwiegende Nebenwirkungen:
Erhöhtes Thromboserisiko (vor allem bei kombinierten Präparaten)
Verstärkt durch Rauchen und genetische Gerinnungsstörungen
Blutdruckanstieg
Selten: Leberfunktionsstörungen
Kontraindikationen (Auswahl):
Akute oder zurückliegende Thrombosen/E mbolien
Schwere Lebererkrankungen
Hormonabhängige Tumoren
Migräne mit Aura (bei kombinierten Präparaten)
Vorteile hormoneller Verhütung:
Sehr zuverlässig
Regelmäßiger, schwächerer und weniger schmerzhafter Zyklus
Behandlungsmöglichkeit z.B. bei:
Endometriose
Akne
Starke Menstruationsblutungen
Achtung
HormonelleVerhütung schützt nicht vor sexuellübertragbarenErkrankungen. Nur Kondome bieten Schutz vor HIV, Chlamydien, Gonorrhö, Syphilis und anderen Infektionen.
Für maximalenSchutz: Kombination aus Kondom und hormoneller Methode → dual protection.
Sterilisation (Tubenligatur)
Bei der Sterilisation der Frau, einer dauerhaftenForm der Empfängnisverhütung, werden die Eileiteroperativunterbrochen. Dadurch wird verhindert, dass Spermien zur Eizelle gelangen oder eine befruchtete Eizelle in die Gebärmutter wandert.
Wirkweise:
Operative Unterbrechung oder Verschluss der Eileiter
Keine Passage von Spermien zur Eizelle
Keine Passage einer befruchteten Eizelle zur Gebärmutter
Ovulation und hormonelleZyklen bleiben erhalten
Menstruation bleibt unverändert bestehen
Sicherheit (Pearl-Index):
Pearl-Index: 0,2–0,3
Sehr hohe Sicherheit, jedoch nicht absolut → selten kann es zu Rekanalisierungen kommen
Sehr selten: spätere Eileiterschwangerschaft bei unvollständigem Verschluss
Psychische Belastung möglich (insbesondere bei späterem Kinderwunsch)
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Prüfungswissen
Prüfungswissen Anatomie
Makroskopische Anatomie:
Aufbau der äußeren Geschlechtsorgane (Vulva):
Funktion: Schutz, sexuelle Funktion, Ausscheidung
Lage: vorderer Dammbereich, unterhalb des Schambeins, von Venushügel bis Damm
Anatomische Strukturen:
Vulvalippen (Labia majora et minora pudendi):
Labia majora: äußere, größere Hautfalten, die den Eingang zum Scheidenvorhof (Vestibulum vaginae) umschließen
Labia minora: innere, kleinere Hautfalten, die ebenfalls das Vestibulum vaginae umschließen und teilweise die Klitoris bedecken
Kitzler (Klitoris): ein hochsensibles, erektiles Organ, das eine zentrale Rolle bei der sexuellen Stimulation spielt
Scheidenvorhof (Vestibulum vaginae): der Bereich zwischen den Labia minora, der die Öffnungen der Harnröhre (Urethra) und der Vagina enthält
Venushügel (Mons pubis): eine fett gepolsterte Region über dem Schambein (Os pubis), die bei der Pubertät mit Schamhaar bedeckt wird
Bartholin-Drüsen: diese Drüsen befinden sich im Bereich der Labia minora und produzieren während der sexuellen Erregung ein Gleitmittel
Aufbau der inneren Geschlechtsorgane:
Vagina (Scheide):
Länge: 7–9 cm, muskulärer, dehnbarer Schlauch
Funktionen: Geburtskanal, Menstruationsweg, Geschlechtsverkehr, Schutz durch saures Milieu
Lage: subperitoneal im kleinen Becken
Enthält Scheidengewölbe (Fornix vaginae) mit Pars anterior, posterior, alteralis (Vaginaabschnitte)
Vorderwand grenzt an Harnblase/Urethra, Hinterwand an Rektum
Scheideneingang (Ostium vaginae) mit variablem Hymen (Jungfernhäutchen)
Sehr selten: Eileiterschwangerschaft bei unvollständigem Verschluss
Psychische Belastung möglich
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