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Wirbelsäule (Columna vertebralis)

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14 Minuten Lesezeit

Die Wirbelsäule ist ein essenzieller Bestandteil des menschlichen Körpers. Sie bildet das stabile Gerüst, welches den Rumpf trägt und gleichzeitig Schutz für das empfindliche Rückenmark bietet. Die Wirbelsäule besteht aus insgesamt 32 bis 34 einzelnen Knochen, den Wirbeln, die durch insgesamt 23 Bandscheiben (Disci intervertebrales) voneinander getrennt sind.

Die Wirbelsäule lässt sich in fünf Abschnitte unterteilen: Halswirbelsäule (zervikale Wirbelsäule), Brustwirbelsäule (thorakale Wirbelsäule), Lendenwirbelsäule (lumbale Wirbelsäule), das Kreuzbein (Sacrum) und das Steißbein (Coccyx). Jeder Abschnitt hat charakteristische Eigenschaften und Funktionen.

Die hohe Beweglichkeit der Wirbelsäule ist um die 3 Hauptachsen möglich (Flexion/Extension, Lateralflexion, Rotation)

WirbelsäulenabschnittAnzahl der WirbelBezeichnungKrümmung
Halswirbelsäule (HWS)
  • 7 Halswirbel (Vertebrae cervicales)
  • C I – C VII
  • Zervikallordose
Brustwirbelsäule (BWS)
  • 12 Brustwirbel (Vertebrae thoracicae)
  • Th I – Th XII
  • Thorakal-kyphose
Lendenwirbelsäule (LWS)
  • 5 Lendenwirbel (Vertebrae lumbales)
  • L I – L V
  • Lumballordose
Kreuzbein (Os sacrum)
  • 5 Kreuzwirbel (Vertebrae sacrales)
  • S 1 – S V
  • Sakralkyphose
Steißbein (Os coccygis)
  • 3-5 Steißwirbel (Vertebrae coccygeae)
  • Co I – Co V
 
Anatomie der Wirbelsäule (Columna vertebralis) – Übersicht der Abschnitte
 Merke

Merkhilfe zu Anzahl der Wirbel:

  • HWS: 7 Stück (Frühstück um 7 Uhr)
  • BWS: 12 Stück(Mittagessen um 12 Uhr)
  • LWS: 5 Stück (Abendessen um 5 Uhr)
Wirbelsäule (Columna vertebralis)
WirbelelementBeschreibung
Wirbelkörper (Corpus vertebrae)
  • Trägt die Hauptlast und nimmt in Richtung Steißbein von der Größe zu
  • Bandscheiben trennen benachbarte Wirbelkörper
Wirbelbogen (Arcus vertebrae)
  • Dorsal des Wirbelkörpers und besteht aus Bogenwurzel (Pediculus arcus vertebrae) und Bogenplatte (Lamina arcus vertebrae)
  • Zwischen Wirbelbogen und Wirbelkörper liegt das Foramen vertebrale
Wirbelloch (Foramen vertebrale)
  • Alle übereinanderliegenden Wirbellöcher bilden den Wirbelkanal, in dem das Rückenmark liegt
Zwischenwirbelloch (Foramen intervertebrale)
  • Sind paarige Öffnungen des Wirbelkanals, die jeweils von zwei benachbarten Wirbeln gebildet werden
  • Dienen als seitwärts liegende Austrittsstellen der Spinalnerven
Gelenkfortsätze (Processus articulares)
  • Bilden die echten Gelenke zwischen den Wirbeln
  • Es wird zwischen 2 nach oben (superior) gerichteten und 2 nach unten (inferior) gerichteten Gelenkfortsätzen unterschieden
Querfortsätze (Processus transversi)
  • Ansatzort für Bänder und Muskeln
  • Gelenkige Verbindung der Rippen bei den Brustwirbeln
Dornfortsätze (Procesus spinosus)
  • Dorsal gerichteter Fortsatz eines Wirbels

Grundaufbau eines Wirbels (Ansicht von kranial)

Grundaufbau eines Wirbels (realistische Darstellung)
Realistische Farbgebung
Grundaufbau eines Wirbels (schematisch)
Schematische Darstellung

Halswirbel (Vertebrae cervicales)

WirbelCharakteristika
Atlas (C1)
  • Erster Halswirbel, der den Kopf trägt
  • Ringförmig
  • Kein Wirbelkörper
  • Kein Dornfortsatz
  • Bildet mit dem Axis die Kopfgelenke
  • Ermöglicht die Flexion des Kopfes nach vorne
Axis (C2)
  • Zweiter Halswirbel
  • Dens axis: auf dem Wirbelkörper befindlicher Dorn
Halswirbel 
(C3-C6)
  • Besitzen Foramina transversaria (A. vertebralis) und Procc. uncinati
  • Dorsal gespaltene Procc. spinosi
  • Großes Wirbelloch
  • Procc. transversi sind Knochenhöcker: Tuberculum anterius et posterius, zwischen diesen befindet sich der Sulcus n. spinalis
7. Halswirbel (Vertebra prominens)
  • Prominent, da er deutlich tastbar ist
  • Stark ausgeprägter Proc. spinosus (nicht mehr dorsal gespalten)
  • Kleines Foramen transversum

Ansicht des Atlas (1. Halswirbel) von kranial

Atlas (C1) – kraniale Ansicht

Axis (2. Halswirbel) von kranial (links) und ventral (rechts)

Axis (C2) - Ansicht von kranial und ventral

4. Halswirbel von kranial

4. Halswirbel (Vertebra cervicalis IV) – Ansicht von kranial

Brustwirbel (Vertebrae thoracicae)

BrustwirbelCharakteristika
Corpus vertebrae
  • Hufförmig
  • Besitzen auf beiden Seiten eine Fovea costalis superior und inferior (Gelenkflächen für Rippenköpfchen)
Proc. transversus
  • Fovea costalis proc. transversi (Gelenkfläche für Rippenhöckerchen)
Proc. spinosus
  • Weichen stark nach kaudal ab
Beweglichkeit
  • Relativ hohe Beweglichkeit
Rippenrudimente
  • Nicht vorhanden

6. Brustwirbel (Ansicht von kranial)

6. Brustwirbel (Vertebra thoracica VI) – Ansicht von kranial

6. Brustwirbel (Ansicht von links-lateral)

6. Brustwirbel (Vertebra thoracica VI) – linkslaterale Ansicht

6. Brustwirbel (Ansicht von ventral)

6. Brustwirbel (Vertebra thoracica VI) – ventrale Ansicht

Lendenwirbel (Vertebrae lumbales)

BrustwirbelCharakteristika
Corpus vertebrae
  • Großer Wirbelkörper
Proc. costalis
  • Rudimentäre Rippenanlagen
Proc. accessorius
  • Zusätzlicher Fortsatz (Dorsal der Procc. costalis)
Proc. mammillaris
  • Fortsatz, der auf dem Proc. articularis superior sitzt (Ansatzstelle für Muskeln)
Beweglichkeit
  • Gering
Foramen vertebrale
  • Mittelgroß (größer als bei den Brustwirbeln, aber kleiner als bei den Halswirbeln) und dreieckig

2. Lendenwirbel (Ansicht von kranial)

2. Lendenwirbel (Vertebra lumbalis II) – kraniale Ansicht

2. Lendenwirbel (Ansicht von links-lateral)

2. Lendenwirbel (Vertebra lumbalis II) – linkslaterale Ansicht
Foramen intervertebrale und angrenzende Strukturen an der Lendenwirbelsäule

2. Lendenwirbel (Ansicht ventral)

2. Lendenwirbel (Vertebra lumbalis II) – ventrale Ansicht

Vergleich der Wirbel auf unterschiedlicher Höhe

Orientierung der Facettengelenke in der HWS, BWS und LWS
WirbeltypHalswirbel (C4)Brustwirbel (Th6)Lendenwirbel (L2)
Corpus vertebrae
  • Klein, queroval, mit Procc. uncinati
  • Mittel, hufförmig, mit Foveae costales superior & inferior für Caput costae
  • Groß, massiv
Foramen vertebrale
  • Groß und dreieckig
  • Rundlich und klein
  • Mittelgroß (größer als bei den Brustwirbeln, aber kleiner als bei den Halswirbeln) und dreieckig
Querfortsätze
  • Proc. transversus mit Tuberculum anterius & posterius, Sulcus n. spinalis; Foramen transversarium für A. vertebralis
  • Proc. transversus mit Fovea costalis proc. transversi (Gelenkfläche für Rippenhöckerchen (Tuberculum costae))
  • Proc. costalis (rudimentäre Rippenanlagen), dorsal davon: Proc. accessorius
Proc. spinosus
  • Gespalten (C3–C6)
  • Lang & nicht gespalten bei C7 (Vertebra prominens)
  • Lang
  • Zeigt stark nach kaudal
  • Kurz
  • Breit und kräftig
  • Eher nach dorsal gerichtet
Ausrichtung der Gelenkflächen
  • Facies articularis superior verläuft in 45° zur Horizontalen (kraniodorsal/ kaudoventral),
  • Gelenkfläche ist flach
  • Gelenkflächen stehen in der Frontalebene (dorsolateral/ ventromedial),
  • Gelenkfläche (Facies articularis superior) ist konvex
  • Gelenkflächen stehen in der Sagittalebene (dorsomedial/ dorsolateral)
  • Gelenkfläche (Facies articularis superior) ist konkav
Beweglichkeit
  • Höchste Beweglichkeit der Wirbelsäule (alle Bewegungsrichtungen möglich)
  • Eingeschränkte Beweglichkeit durch Rippenanbindung und knöcherne Begrenzungen
  • Moderate Beweglichkeit, vor allem Flexion/Extension, kaum Rotation
Besonderheiten
  • C1 (Atlas): Kein Corpus, ringförmig
  • C2 (Axis): Dens axis
  • C7: Prominenter Dornfortsatz
  • Rippen artikulieren direkt mit den Wirbeln
  • Proc. mammillaris auf dem Proc. articularis superior als Muskelansatz

Das Kreuzbein (Os sacrum) besteht aus 5 verschmolzenen Sakralwirbeln und zählt zu dem unbeweglichen Teil der Wirbelsäule

Das Kreuzbein besteht aus 3 Flächen: 

  • Facies pelvica:
    • Ventrale Fläche des Kreuzbeins (konkav gekrümmt) Verschmolzene Wirbelkörper getrennt durch Linea transversae
    • Die vorderen Äste der Spinalnerven treten aus den vier paarigen Knochenöffnungen, auch bekannt als Foramina sacralia anteriora, auf Höhe der Lineae transversae aus
  • Facies dorsalis:
    • Unebene, konvex gekrümmte Fläche mit 3 höckrigen Leisten:
      • Crista sacralis mediana: Durch Verschmelzung der Procc. spinosi entstanden
      • Crista sacralis medialis: Durch Verschmelzung der Procc. articulares entstanden
      • Crista sacralis lateralis: Durch Verschmelzung der Procc. transversi entstanden
    • Die hinteren Äste der Spinalnerven treten aus den vier Knochenöffnungen der Facies dorsalis, die auch als Foramina sacralia posteriora bezeichnet werden, aus
  • Basis ossis sacri:
    • Die nach oben gerichtete Fläche des S1 (Basis ossis sacri) ragt ventral ins Becken hinein und der am weitesten vorspringende Rand wird als Promontorium bezeichnet 

Das kaudale Ende des Kreuzbeins wird Apex ossis sacri genannt. Der Kreuzbeinkanal (Canalis sacralis) ist die Verlängerung des Wirbelkanals, der durch die Verschmelzung der Kreuzbeinwirbel entstanden ist. Er endet im Hiatus sacralis. Durch ihn ziehen Nerven des Beckens und der Beine. 

Ansicht von ventral

Steißbein (Os coccygis)

Ansicht von dorsal

Kreuzbein (Os sacrum)

Ansicht von rechts-lateral

Steißbein (Os coccygis)

Das Steißbein (Os coccygis) grenzt kranial an das Kreuzbein und besteht aus 3-5 Wirbelrudimenten, welche über Synchondrosen miteinander verbunden sind.

Ansicht von rechts-lateral

Steißbein (Os coccygis)

Wirbelkörperbänder

Die 2 Wirbelkörperbänder verlaufen ventral und dorsal entlang der Wirbelsäule bis zum Kreuzbein.

BandVerlaufFunktion
Lig. longitudinale anterius
  • Vom vorderen Atlasbogen zum Os sacrum
  • Sichert die Disci intervertebrales
  • Begrenzt die Dorsalextension
Lig. longitudinale posterius
  • Vom Discus intervertebralis (kaudal des Axis) zum Os sacrum
  • Sichert die Disci intervertebrales
  • Begrenzt die Ventralflexion

Ansicht von links-lateral

Wirbelkörperbänder

Wirbelbogenbänder

BandVerlaufFunktion
Ligg. flava (Gelbe Bänder)
  • Zwischen benachbarten Wirbelbögen (Laminae arcuum vertebrarum benachbarter Wirbelbögen)
  • Begrenzen den Spinalkanal nach dorsal
  • Unterstützung der Rückenmuskeln
  • Begrenzen die Ventralflexion der Wirbelsäule
  • Besonderheit: hoher Gehalt an elastischen Fasern, wodurch die Bänder eine gelbliche Färbung aufweisen
Ligg. interspinalia
  • Zwischen den Dornfortsätzen (Procc. spinosi)
  • Begrenzen die Ventralflexion
Lig. supraspinale
  • Vom Dornfortsatz des C7 entlang der Dornfortsätze bis zum Kreuzbein
  • Begrenzt die Ventralflexion
Lig. nuchae (Nackenband)
  • Verläuft ab dem Dornfortsatz des C7 nach kranial zum Protuberantia occipitalis externa
  • Begrenzt die Ventralflexion
  • Besonderheit: kraniale Fortsetzung des Lig. supraspinale
Ligg. intertransversaria
  • Zwischen den Querfortsätzen
  • Begrenzen die Lateralflexion

Ansicht von rechts-lateral

Wirbelbogenbänder

Die Bandscheibe (Discus intervertebralis) funktioniert wie ein Stoßdämpfer, die sich bei Belastung zusammenpresst. Eine Bandscheibe besteht aus einem äußeren Faserring (Anulus fibrosus) und einem inneren Gallertkern (Nucleus pulposus).

Ansicht von kranial

Die Wirbelbogengelenke verbinden benachbarte Wirbelbögen und befinden sich zwischen den Gelenkfortsätzen. Diese Gelenke ermöglichen die Beweglichkeit um alle 3 Achsen (Flexion/Extension, Lateralflexion, Rotation).

Die 2 Kopfgelenke bilden sich zwischen Schädel, dem Atlas und dem Axis und bestehen aus dem Atlantookzipital- und dem Atlantoaxialgelenk. Da die Bandscheiben bei den ersten zwei Wirbeln fehlen, haben die Kopfgelenke eine hohe Beweglichkeit.

Atlantookzipitalgelenk (Art. atlantooccipitalis):

Beteiligte StrukturenBänderGelenktyp und Mechanik
  • Condylus occipitalis
  • Facies articulares superiores des Atlas
  • Membrana atlantooccipitalis anterior und posterior
  • Lig. atlantooccipitale laterale
  • Gelenktyp:
    • Ellipsoidgelenk
  • Funktion:
    • Extension und Flexion
    • Seitneigung

Atlantoaxialgelenk (Art. atlantoaxialis):

Das Atlantoaxialgelenk besteht aus 2 Teilen.

Beteiligte StrukturenBänderGelenktyp und Mechanik
Art. atlantoaxialis mediana
  • Dens axis (vorne) mit Fovea dentis atlantis
  • Dens axis (hinten) mit Lig. transversum atlantis
  • Ligg. alaria (Flügelband)
  • Lig. apicis dentis (Spitzenband)
  • Lig. cruciforme atlantis (Kreuzband)
    • Lig. transversum atlantis
    • Fasciculi longitudinales
  • Membrana tectoria
    • Membrana atlantooccipitalis anterior und posterior
  • Gelenktyp:
    • Radgelenk
  • Funktion:
    • Rotation
Art. atlantoaxialis lateralis
  • Untere Gelenkflächen (Atlas) mit oberen Gelenkflächen (Axis)

Unkovertebralgelenke

Die Unkovertebralgelenke befinden sich zwischen den Procc. uncinati der Halswirbelkörper C3-C7 und umschließen lateral die Bandscheibe.

Ansicht von ventral

 

Membrana atlantooccipitalis anterior und posterior  und Lig. atlantooccipitale laterale

Ansicht von dorsal

Membrana atlantooccipitalis posterior

Ansicht von dorsal

 

Atlantoaxialgelenk (Art. atlantoaxialis)

Ansicht von links-lateral

Lig. apicis dentis
Zuletzt aktualisiert am 23.02.2026
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