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Wundabstrich

JG
7 Minuten Lesezeit

Der Wundabstrich ist eine einfache diagnostische Maßnahme, die zur mikrobiologischen Untersuchung von Wunden eingesetzt wird. Ziel ist es, Erreger und Antibiotikaresistenzen nachzuweisen, um eine gezielte Therapie zu ermöglichen.

Abstrichtupfer mit Transportröhrchen
  • Akute infizierte Wunden:
    • Eiterbildung
    • Kardinalsymptome der Entzündung: calor (Überwärmung), dolor (Schmerz), rubor (Rötung), tumor (Schwellung) und functio laesa (eingeschränkte Funktion)
  • Chronische Wunden:
    • Dekubitus
    • Ulcus cruris
  • Postoperative Wundheilungsstörungen
  • Verdacht auf multiresistente Erreger (z. B. MRSA)
    • Insbesondere nach Aufenthalt in Einrichtungen mit hohem MRSA-Risiko wie Krankenhäuser, Altenheime, Dialysezentren oder Rehakliniken
  • Therapieversagen: Ausbleiben der Wundheilung trotz adäquater Therapie
 Merke

Es sollten keine Routineabstriche bei kolonisierten Wunden ohne Entzündungszeichen durchgeführt werden.

Eine mündliche Aufklärung ist ausreichend. Der Betroffene muss jedoch umfassend über den Zweck und die Durchführung informiert werden.

  1. Händedesinfektionsmittel
  2. Einmalhandschuhe
  3. Sterile Tupfer
  4. NaCl-Lösung 0,9 %
  5. Abstrichtupfer in Transportgefäß mit Medium
  6. Wasserfester Stift zur Beschriftung des Transportgefäßes
  7. Begleitschein mit Patientenetikett
Material für einen Wundabstrich

Vorbereitung:

  1. Prüfen, ob alle benötigten Materialien vorhanden sind
  2. Begrüßung und Vorstellung der eigenen Funktion
  3. Aufklärung über geplante Maßnahme und Einholung der mündlichen Einwilligung
  4. Name und Geburtsdatum der Person erfragen
  5. Händedesinfektion und Anlegen der Handschuhe

Wundabstrich:

Es gibt zwei bekannte Arten von Wundabstrichen: die Technik nach Levine und der Essener Kreisel. Die Technik nach Levine wird zur allgemeinen Identifizierung von Krankheitserregern in Wunden verwendet. Der Essener Kreisel eignet sich besonders für das Screening auf multiresistente Erreger (MRE), insbesondere zum Nachweis oder Ausschluss solcher Erreger.

  • Technik nach Levine:
    • Vorbereitung:
      • Mechanische Wundreinigung: Mit NaCl-befeuchteten sterilen Kompressen
      • Keine antiseptischen Lösungen verwenden, da diese zu falsch-negativen Ergebnissen führen können
    • Durchführung:
      • Mit einem sterilen Tupfer wird leichter Druck auf eine etwa 1 cm² große Fläche der Wunde ausgeübt → Dabei soll Wundsekret vom Tupfer aufgenommen werden
      • Die Probenentnahme erfolgt bevorzugt aus der Tiefe der Wunde und aus akut infizierten Bereichen
Wundabstrich: Technik nach Levine
Technik nach Levine

 

  • Essener Kreisel:
    • Vorbereitung:
      • Keine mechanische Wundreinigung durchführen
    • Durchführung:
      • Mit einem sterilen Tupfer spiralförmig von außen nach innen über die gesamte Wundfläche streichen
      • Ziel ist die Abdeckung eines möglichst großen Wundbereichs, um eine repräsentative Probe zu erhalten
Essener Kreisel
Essener Kreisel

Nachbereitung: 

  • Handschuhe ausziehen und erneute Händedesinfektion durchführen
  • Röhrchen beschriften, entweder mit einem Barcode oder mit dem Namen und Geburtsdatum der untersuchten Person
  • Begleitschein vollständig ausfüllen: Personendaten, Probenmaterial, Entnahmestelle und -zeitpunkt, Verdachtsdiagnose, bisherige Antibiotikatherapie und die Fragestellung
  • Lagerung des Abstrichs max. 4 Stunden nach der Entnahme, Abstrichröhrchen ungekühlt bei Zimmertemperatur lagern
  • Versand ins Labor mit Transport- und Begleitschein
  • Wunde entsprechend ärztlicher Anordnung versorgen
  • Falsch-positive Ergebnisse:
    • Durch Kontamination mit Hautkeimen
    • Unsachgemäße Entnahmetechnik
  • Falsch-negative Ergebnisse:
    • Desinfektion der Wunde vor dem Abstrich
    • Entnahme aus nicht-infizierten Bereichen
    • Verzögerter Transport oder ungeeignetes Medium
  • Fehlinterpretation der Befunde:
    • Kolonisation statt Infektion als Ursache für auffälligen Keimnachweis
 Info
Kolonisation vs. Infektion
  • Kolonisation: Hierbei sind Mikroorganismen, wie Bakterien, auf Haut oder Schleimhäuten vorhanden, ohne dass sie Symptome oder eine Entzündungsreaktion auslösen. Sie gehören häufig zur normalen Flora und verursachen keine Krankheit. Ein Beispiel ist die Besiedelung der Haut durch Staphylococcus epidermidis
  • Infektion: Im Gegensatz dazu dringen die Mikroorganismen bei einer Infektion in das Gewebe ein und führen zu einer entzündlichen Reaktion des Immunsystems. Typische Symptome sind Rötung, Schwellung, Schmerz, Überwärmung und Funktionsverlust
Zuletzt aktualisiert am 22.01.2025
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