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Wundmanagement in der Pflege

JG
28 Minuten Lesezeit

Chronische und akute Wunden stellen Pflegekräfte täglich vor große Herausforderungen. Doch modernes Wundmanagement bedeutet weit mehr als das Anlegen eines Pflasters: Es erfordert fundiertes Wissen über Wundarten, Heilungsphasen, moderne Verbandmaterialien und patientenzentrierte Maßnahmen. In diesem Artikel zeigen wir, wie professionelles Wundmanagement zur Heilung beiträgt, Komplikationen vorbeugt und die Lebensqualität der Patient:innen nachhaltig verbessert.

Während kleinere akute Verletzungen meist komplikationslos heilen, nimmt die Zahl schlecht heilender Wunden stetig zu – rund 2,7 Millionen Menschen in Deutschland sind betroffen, davon ca. 900.000 mit chronischen Wunden. Diese gehen mit Schmerzen, Exsudat, Geruchsbelastung und eingeschränkter Lebensqualität einher und führen oft zu sozialem Rückzug und psychischen Problemen.

Ein erfolgreiches Wundmanagement erfordert eine individuelle, indikationsbezogene Versorgung – basierend auf der Diagnose der Wundursache und Behandlung der Grunderkrankung (z.B. Infektmanagement, Druckentlastung, Kompressionstherapie). Entscheidend ist die korrekte Einordnung von Wundstadium und Heilungsphase sowie die enge interprofessionelle Zusammenarbeit, etwa bei Veränderungen im Wundverlauf.

Ebenso wichtig ist die Einbeziehung und Schulung der Patient:innen, um Selbstmanagement und Lebensqualität zu fördern. Die Therapie sollte sich an deren Bedürfnissen orientieren.

Bei Kindern stehen meist akute Verletzungen im Vordergrund, die gut abheilen. Für komplexere Wunden wie Dekubitus oder Verbrennungen gibt es zwar moderne Verbandmittel, jedoch kaum Studien und Zulassungen für den pädiatrischen Bereich. Hautschonende Produkte – insbesondere bei Kleinkindern – wie silikonbeschichtete Verbände sollten bevorzugt eingesetzt werden. Octenisept ist derzeit das einzige zugelassene Antiseptikum für Säuglinge.

 Definition
Die Wunde

Eine Wunde ist laut Definition der Initiative Chronische Wunden (ICW) e.V. ein Verlust der Körperbarriere durch Gewebezerstörung an äußeren oder inneren Körperoberflächen. Um eine passende Wundtherapie und die Auswahl geeigneter Verbandmittel sicherzustellen, ist eine genaue Beurteilung der Wunde essenziell.

Dabei stehen drei Hauptkriterien im Vordergrund:

  • Entstehungsursache: z.B. traumatisch, chirurgisch, durch Druck oder Durchblutungsstörungen
  • Art und Tiefe der Gewebeschädigung: Oberflächlich bis tief, eventuell mit Beteiligung von Muskel oder Knochen
  • Grad der Kontamination: Sauber, kontaminiert, infiziert
Wundarten

Entstehungsursache

Für die Wundbehandlung und den Heilungsverlauf ist die Entstehungsursache entscheidend.

Wunden werden daher nach ihrer Ursache in folgende Kategorien eingeteilt:

  • Mechanische Wunden: Verursacht durch äußere Krafteinwirkung (z.B. Schürf-, Schnitt-, Stich-, Schuss-, Platz-, Riss-, Biss- oder Quetschwunden, Skin Tears, Décollement, Pfählungsverletzungen)
  • Thermische Wunden: Entstehen durch Hitze, Kälte oder Strom; Schweregrad abhängig von Temperatur, Einwirkdauer und Intensität
  • Chemische Wunden: Verätzungen durch Säuren, Laugen oder Gase
  • Strahlenbedingte (aktinische) Wunden: Verursacht durch ionisierende oder UV-Strahlung (z.B. Röntgen, radioaktive Strahlen); ähneln Verbrennungen, heilen jedoch deutlich schlechter
  • Iatrogene Wunden: Entstehen durch medizinische Eingriffe (z.B. Operationen, Punktionen, Biopsien)
  • Ulkuswunden (lat. ulcus = Geschwür): Gewebedefekte infolge trophischer Störungen, verursacht durch z.B. Durchblutungs- oder Stoffwechselstörungen, systemische Erkrankungen, Infektionen oder Tumoren

Beurteilung von Wunden

Offene und geschlossene Wunden

Wunden werden je nach Zustand der Hautoberfläche in offene und geschlossene Wunden eingeteilt:

  • Offene Wunden: Entstehen bei Durchtrennung der Haut- oder Schleimhaut, z.B. bei Schnittverletzungen
    • Sie sind direkt sichtbar und von außen zugänglich
  • Geschlossene Wunden: Betreffen das tiefer liegende Gewebe, ohne dass die Haut durchtrennt ist
    • Häufige Zeichen sind Schwellung, Hämatom und Schmerzen → Hinweise auf mögliche Verletzungen von Muskeln, Bändern, Sehnen oder Knochen, z.B. bei einem Muskelfaserriss oder einer Luxation

Verletzungstiefe

Wunde

Die Tiefe einer Wunde ist ein entscheidender Faktor für die Wahl der Behandlung:

  • Oberflächliche (epitheliale) Wunden: Betreffen nur die Epidermis und heilen in der Regel unkompliziert ab
  • Perforierte Wunden: Durchtrennen alle Hautschichten (z.B. Schnitt-, Riss-, Quetsch- oder Bisswunden) und erfordern meist eine gezielte Wundversorgung
  • Komplizierte Wunden: Reichen tiefer und betreffen zusätzlich Muskeln, Knochen, Nerven oder Organe
    • Beispiele sind Amputationsverletzungen, offene Frakturen oder tiefe Weichteilschäden
    • Sie bergen ein erhöhtes Risiko für Infektionen, Durchblutungsstörungen und verlängerte Heilungsverläufe

Grad der Keimbesiedlung

Wunden lassen sich nach dem Grad der Keimbesiedlung klassifizieren, was entscheidend für die Wahl der Wundtherapie ist:

  • Aseptische Wunden: Fast keimfrei, meist durch Operationen oder frische Verletzungen (≤ 4–6 Stunden) mit glatten, verschließbaren Wundrändern. Keine Entzündungszeichen → primäre Wundheilung
  • Kontaminierte Wunden: Mit Keimen besiedelt, aber ohne aktive Vermehrung und ohne Entzündungszeichen
    • Heilen sekundär (offen), z.B. Verbrennungen, Drainageausgänge, Stomata.
  • Kolonisierte Wunden: Enthalten vermehrungsfähige Keime, jedoch ohne Entzündungszeichen
    • Häufig bei chronischen Wunden
    • Visuell nicht von kontaminierten Wunden unterscheidbar
  • Infizierte Wunden: Bakterien vermehren sich aktiv → Entzündungszeichen (Rubor, Tumor, Calor, Dolor, Functio laesa), häufig eitriges Exsudat, unangenehmer Geruch, fragiles Granulationsgewebe
    • Risiko einer Sepsis bei systemischer Ausbreitung
 Achtung

Bei Patient:innen mit pAVK oder Polyneuropathie (z.B. bei Diabetes mellitus) können klassische Entzündungszeichen wie Rötung, Wärme oder Schmerz fehlen – die Beurteilung muss hier besonders sorgfältig erfolgen.

Die Wundheilung erfolgt je nach Art und Zustand der Wunde entweder primär oder sekundär:

  • Primäre Wundheilung: Möglich bei sauberen, keimfreien, gut durchbluteten Wunden mit glatten, eng anliegenden Wundrändern (z.B. frische Schnitt- oder OP-Wunden, < 6 Stunden alt)
    • Die Wunde wird verschlossen (Naht, Klammer, Kleber) und heilt meist komplikationslos in ca. 10–12 Tagen ab
    • Es bleibt eine schmale, meist unauffällige Narbe zurück
  • Sekundäre Wundheilung: Tritt bei tiefen, zerklüfteten, verunreinigten oder infizierten Wunden auf, die nicht verschlossen werden dürfen
    • Die Wunde heilt offen durch Bildung von Granulations- und Epithelgewebe
    • Die Heilung verläuft langsamer, mit größerer Narbenbildung – die resultierende Narbe ist häufig weniger belastbar
 Merke

Sekundär heilen vor allem großflächige, infizierte oder chronische Wunden wie Verbrennungen, Dekubitus, Ulcus cruris und das diabetische Fußulkus.

Die Wundheilung verläuft in drei sich überlappenden Phasen, die durch biologische Reparaturmechanismen gesteuert werden.

Die genaue Heilungsphase bestimmt die jeweilige therapeutische Maßnahme:

Wundheilungsphasen
 Achtung
Kontraindikationen für feuchtes Milieu:
  • Infizierte Wunden (Infektionsförderung)
  • Malignomwunden (Tumorwachstumsförderung)
  • Frische Verbrennungen (Nachbrennen)
 Merke
Voraussetzungen für optimale Heilung:
  • Temperatur: Mindestens 28 °C nötig für Zellteilung
  • Wundmilieu: Feuchte Umgebung fördert Zellmigration und verhindert störenden Schorf
    • Hydroaktive Wundauflagen schaffen ein feuchtwarmes Wundklima, das die Heilung begünstigt.

Die Wundheilung ist ein komplexer biologischer Prozess, der durch zahlreiche lokale und systemische Faktoren negativ beeinflusst werden kann. Pflegekräfte müssen diese Faktoren kennen, um gezielt intervenieren zu können.

Lokale Störfaktoren

  • Wirken direkt auf die Wunde ein und behindern den Heilungsverlauf:
    • Infektiöse und mikrobielle Faktoren: Keimbesiedlung, Infektionen, Biofilm, Beläge, Nekrosen
    • Physikalisch-mechanische Belastungen: Druckbelastung, mangelnde Ruhigstellung, Spannung auf den Wundrändern, Nahtdehiszenz
    • Gewebeschädigende Veränderungen: Hämatome, Ödeme, Fremdkörper, Hypergranulation, hypertrophe Narben
    • Ungünstige Wundumgebung: Austrocknung, Auskühlung, trockener Schorf
    • Vorbestehende Gewebeschäden: z.B. durch Bestrahlung
    • Anatomisch ungünstige Lokalisation: z.B. Anus, Gelenknähe

Systemische Störfaktoren

  • Betreffen den gesamten Organismus und verlangsamen die Heilung:
    • Alter: Verminderte Durchblutung und Hautregeneration
    • Allgemeinzustand: Rauchen, Stress, Bewegungsmangel, geschwächtes Immunsystem
    • Grunderkrankungen: z.B. pAVK, CVI, Diabetes mellitus
    • Ernährung: Mangel an Eiweiß, Vitaminen (A, C), Spurenelementen (Zink, Eisen), Flüssigkeit
    • Medikamente: z.B. Glukokortikoide, Zytostatika, Antikoagulanzien
    • Psychische Faktoren: Schmerzen, Depression, Demenz, Angst, geringe Compliance
    • Systemische Infektionen: z.B. Sepsis, septischer Schock
 Merke

Eine erfolgreiche Wundbehandlung setzt die Beseitigung oder Kontrolle der lokalen und systemischen Störfaktoren sowie eine gezielte Therapie der Grunderkrankung (Kausaltherapie) voraus.

Beispiele:

  • Ulcus cruris venosum: Sachgerechte Kompression
  • Diabetisches Fußulkus: Stoffwechseleinstellung + Druckentlastung
  • Dekubitus: Druck- und Scherkräfte beseitigen
  • pAVK: Ggf. Revaskularisation (Bypass, Stent, Dilatation)

Die moderne Wundtherapie ist weit mehr als nur ein Pflaster auf einer Verletzung – sie ist ein komplexer Prozess, der Fachwissen, Sorgfalt und ein individuelles Vorgehen erfordert. In diesem Kapitel erfahren Sie, wie Wunden richtig versorgt werden, welche Materialien zur Verfügung stehen und wie deren gezielter Einsatz die Heilung fördert. Ob akute Verletzung oder chronische Wunde – eine fachgerechte Therapie entscheidet über den Behandlungserfolg.

 Definition

Die Wundreinigung ist der erste und wichtigste Schritt jeder Wundbehandlung – nur eine saubere Wunde kann heilen.

Ziel ist die Entfernung von:

  • Belägen, Nekrosen, Zelltrümmern
  • überschüssigem Exsudat
  • Biofilm, Fremdkörpern und Verbandresten

Dies verhindert Infektionen und ermöglicht eine korrekte Wundbeurteilung.

  • Grundregeln der Wundreinigung:
    • Wischen statt Tupfen
    • Immer von innen nach außen reinigen → verhindert das Einbringen von Keimen in die Wunde
    • Für jeden Wischvorgang eine neue sterile Kompresse/Tupfer verwenden

Wundreinigung bei unterschiedlichen Wundtypen:

WundartWundreinigung
Primär heilende, aseptische Wunden
  • Sprühdesinfektion
  • Anschließendes Trocknen der Wundränder mit sterilem Material von innen nach außen
  • Entfernung von Blut- und Exsudatresten
Sekundär heilende Wunden
  • Gründlichere Reinigung erforderlich, z.B. durch:
    • Débridement (mechanisch, chirurgisch etc.)
    • Wundspülung
    • Lokalantiseptische Maßnahmen bei infizierten Wunden (z.B. Octenisept, Serasept)
      • Achtung: Antiseptika nur bei klarer Indikation und unter Beachtung der Kontraindikationen anwenden
 Merke

Das Ausmaß der Keimbesiedlung bestimmt die weitere Versorgung. Ziel ist die Erregerreduktion, nicht komplette Keimfreiheit.

Wundreinigung bei chronischen Wunden:

 Definition

Die Wundreinigung (Débridement) ist bei chronischen Wunden essenziell, um Beläge, Nekrosen, Biofilm, Zellreste oder Fremdkörper zu entfernen und die Voraussetzung für die Wundheilung zu schaffen.

Definition laut ICW (Initiative Chronische Wunden e.V.): Débridement ist die Entfernung von abgestorbenem Gewebe, Krusten oder Fremdkörpern aus dem Wundbereich – nicht aus dem umliegenden Gewebe (→ Wundrandreinigung).

MethodeBeschreibung
Mechanisches Débridement
  • Atraumatische Entfernung oberflächlicher Wundbestandteile
  • Hilfsmittel: sterile Kompressen, Reinigungstücher, Wundspüllösungen
  • Für nicht-infizierte Wunden: Kochsalzlösung
  • Für infizierte Wunden: Antiseptika
Chirurgisches Débridement
  • Radikale Entfernung avitaler Gewebeteile bis in intaktes Gewebe
  • Instrumente: Skalpell, Ringkürette, Shaver
  • Effektiv, aber invasiv → nur bei intakter Blutgerinnung
  • Achtung: Schmerzhaft – Analgesie erforderlich
Scharfes Débridement
  • Teilweise Entfernung abgestorbener Gewebeteile
  • Gewebeschonender, meist ambulant möglich
  • Kein Blutverlust
Technisches Débridement
  • Apparative Verfahren: z.B. Hydrochirurgie, Ultraschall, Laser, Unterdrucktherapie
  • Reinigt ggf. auch tieferes Gewebe
Biochirurgisches Débridement
  • Larventherapie mit Lucilia sericata (BioBag)
  • Wirksam gegen Biofilm und grampositive Erreger (z.B. MRSA)
  • Kaum Wirkung gegen gramnegative Erreger
Autolytisches Débridement
  • Körpereigene Enzyme lösen Nekrosen bei feuchtem Wundmilieu
  • Langsam, aber sehr gewebeschonend
  • Verbandmittel: Hydrogele, Alginate, Hydrokolloide
Osmotisches Débridement
  • Osmotischer Effekt (Konzentrationsgefälle zieht Flüssigkeit in die Wunde)
  • Produkte: Honigpräparate, Zuckerderivate, Cadexomer
  • Sanft, aber evtl. schmerzhaft
Proteolytisches / Enzymatisches Débridement
  • Enzyme bauen Eiweißreste ab (z.B. Kollagenase)
  • Nur bei feuchter Wunde einsetzbar
  • Täglicher Verbandwechsel nötig
Verlauf des autolytischen Debridements mit selbstanpassenden Wundauflagen (SAWDs)
Autolytisches Débridement
 Achtung
Wichtig vor jedem Débridement:
  • Durchblutung abklären (z.B. bei pAVK)
  • Bei trockenen Nekrosen und fehlender Durchblutung: Keine feuchte Wundbehandlung und kein Débridement vor erfolgreicher Revaskularisation!
 Definition

Die Wundspülung ist ein essenzieller Bestandteil der Wundbehandlung. Sie entfernt mechanisch Zelltrümmer, Beläge, Keime, Exsudat und Fremdkörper und schafft damit ein sauberes Wundmilieu für die Heilung. Verwendet werden ausschließlich sterile, reizfreie, farblose und körperwarme Spüllösungen.

  • Nicht infizierte Wunden: Unkonservierte Lösungen wie Ringerlösung (bessere Gewebeverträglichkeit) oder NaCl 0,9 % (kostengünstig, aber bei großflächiger Anwendung limitiert)
    • Nach Anbruch sofort verwerfen
  • Langzeitanwendung: Konservierte Spüllösungen (z.B. mit Octenidin, Polihexanid oder hypochloriger Säure) sind länger haltbar, aber nur bei aseptischen Wunden erlaubt, wenn die Zusätze nur als Konservierung deklariert sind
  • Infizierte Wunden: Antiseptische Lösungen wie Octenidin (Wirkung in 1–2 Minuten) oder Polihexanid (10–20 Minuten) wirken keimabtötend
    • Kontraindikationen sind zu beachten (z.B. kein Einsatz in Bauchraum, Blase, ZNS)
    • PVP-Jod wirkt ebenfalls antiseptisch, ist aber eingeschränkt einsetzbar
  • Anwendung: Spülung erfolgt mit Spritze oder Katheter, bei Bedarf mit Knopfkanüle
    • Gespült wird bis die Lösung klar zurückläuft
    • Rückstände müssen entfernt werden
    • Auffangen der Spüllösung kann über Kompressen/Nierenschale erfolgen
 Achtung

Die Wundspülung muss individuell nach Infektionsstatus und Wundart erfolgen, um die Heilung optimal zu fördern und Infektionen zu vermeiden. Deshalb sollten nur sterile NaCl-, Ringerlösung oder 0,2 µm-gefiltertes Wasser verwendet werden. Leitungswasser ist ungeeignet und Wundbäder sind kontraindiziert.

Die moderne Wundtherapie hat sich in den letzten Jahrzehnten grundlegend gewandelt: Statt der früher üblichen trockenen Abdeckung mit Mull oder Kompressen steht heute die feuchtwarme Wundheilung im Mittelpunkt. Zahlreiche Studien haben gezeigt, dass ein kontrolliertes, feuchtes Wundmilieu die physiologischen Heilungsprozesse deutlich effektiver unterstützt als ein trockenes Verbandumfeld.

Ziel der modernen Wundtherapie ist es daher, ein stabiles, keimarmes und feuchtes Wundklima zu schaffen, das die Heilung aktiv fördert, Schmerzen reduziert und Komplikationen wie Infektionen, Mazerationen oder Wundrandnekrosen möglichst verhindert. Gleichzeitig soll die Wunde vor äußeren Einflüssen wie Keimen, Austrocknung oder mechanischer Belastung geschützt werden. Hierzu kommen speziell entwickelte hydroaktive Wundauflagen zum Einsatz, die individuell auf die Wundsituation abgestimmt werden. Die Wundtherapie wird somit zu einem dynamischen, patientenzentrierten Prozess, der fundiertes Fachwissen über Wundarten, Heilungsphasen und moderne Verbandmaterialien erfordert.

Die Auswahl der passenden Wundauflage ist essenziell für eine erfolgreiche, individuelle Wundbehandlung. Die passende Wundauflage wird individuell gewählt – je nach Wundzustand, Heilungsphase und Patient:innenfaktoren – und ist zentraler Bestandteil einer zielgerichteten, evidenzbasierten Wundbehandlung.

Sie erfolgt nach Wundreinigung, Beurteilung und Einleitung der Kausaltherapie und richtet sich nach:

  • Wundstadium und Heilungsphase
  • Exsudatmenge und Infektionsstatus
  • Hautzustand
  • Schmerzempfinden
  • Akzeptanz
  • Ökonomischen Aspekten und Wechselintervall
MerkmalEmpfohlene Wundauflagen und Maßnahmen
Nekrosen (avitales Gewebe)
  • Hydrogele
  • Alginate
  • Hydrofaser
  • Nasstherapie (nur nach Revaskularisation bei pAVK!)
Fibrinbeläge
  • Reinigungsmaßnahmen
  • Geeignete Verbandmittel zur Belagslösung
  • Förderung der Wundheilung
Infizierte Wunden
  • Silberhaltige, hydrophobe oder PHMB-Wundauflagen
  • Ggf. Antiseptika wie Octenisept oder Polihexanid
Übelriechende Wunden
  • Aktivkohlekompressen
  • Ggf. mit Silber
Stark exsudierende Wunden
  • Superabsorber-Vlieskompressen
  • Schaumverbände mit hoher Aufnahmekapazität
Unterminierte Wunden
  • Alginate
  • Cavity-Schaumverbände
  • Hydrofaser
  • Wichtig: Vollständige, rückstandsfreie Entfernung beim Wechsel
Granulierende Wunden
  • Polyurethanschaum
  • Hydropolymer
  • Hydrokolloid
  • Hydrogelkompressen
    • Nicht verklebend und für Wundruhe geeignet
Epithelisierende Wunden
  • Dünne Hydrokolloide
  • Polyurethanschaum
  • Transparente Folien
    • Ziel: Schutz, Feuchtigkeitserhalt, atraumatischer Wechsel
 Merke

Die Wundauflage muss regelmäßig an den Heilungsverlauf angepasst werden – nur so ist eine optimale Wundversorgung möglich.

Die moderne Wundversorgung orientiert sich am Prinzip des feuchten und warmen Wundmilieus, da dieses die physiologischen Heilungsprozesse optimal unterstützt. Anders als die früher übliche trockene Verbandtechnik fördert ein feucht-warmes Umfeld die Zellmigration, beschleunigt die Neubildung von Gewebe und reduziert die Krustenbildung, wodurch eine schnellere und oft schmerzärmere Heilung ermöglicht wird.

Hydroaktive Wundauflagen spielen dabei eine zentrale Rolle. Sie schaffen ein stabiles, feuchtes Wundmilieu, das die Heilung aktiv unterstützt, ohne die Haut aufzuweichen. Zugleich nehmen sie überschüssiges Exsudat, abgestorbene Zellen und Zelltrümmer sicher auf und binden diese, wodurch das Risiko für Infektionen deutlich gesenkt wird. Zudem schützen sie die Wunde mechanisch und thermisch, reduzieren Reibung und Druck, sorgen für Wundruhe und tragen so zur Förderung der Granulations- und Epithelisierungsphase bei. Da das Gel bei Kontakt mit Exsudat nicht mit dem Wundbett verklebt, sind Verbandwechsel in der Regel atraumatisch und weniger schmerzhaft.

Viele moderne Wundauflagen sind mit zusätzlichen Wirkstoffen angereichert, die gezielt bestimmte Heilungsmechanismen stimulieren:
Silber wirkt antimikrobiell, Kollagen unterstützt die Neubildung des Bindegewebes, Hämoglobin verbessert die Sauerstoffversorgung im Gewebe und Hyaluronsäure fördert die Zellproliferation sowie die Geweberegeneration. Diese Kombination aus feuchter Wundführung, Exsudatmanagement, Schutz und Wirkstoffunterstützung macht die moderne Wundversorgung zu einem ganzheitlichen und evidenzbasierten Ansatz in der professionellen Pflege.

WundauflageBeschreibung

Hydrogel

Hydrogel als Wundfüllmaterial mit hoher Wasserbindungskapazität
  • Eigenschaften: Enthält ca. 95 % Wasser, wirkt autolytisch durch Rehydratisierung
  • Indikationen: Trockene, nekrotische oder fibrinbelegte Wunden und Verbrennungen Grad 2a
  • Kontraindikationen: Starke Exsudation und pAVK
  • Besonderheiten: Abdeckung mit transparenter Folie oder PU-Schaum erforderlich

Hydroaktive Auflage (Ringer)

Hydroaktive Wundauflage
  • Eigenschaften: Gibt kontinuierlich Ringerlösung ab, bindet Exsudat und Zellreste
  • Indikationen: Zerklüftete, infizierte Wunden, Wundkonditionierung
  • Besonderheiten: Sekundärabdeckung notwendig

Alginate (Ca-Alginat)

Alginat-Wundauflagen in verschiedenen Formen zur Wundbehandlung
  • Eigenschaften: Bildet strukturstabiles Gel, blutstillend, stark saugfähig
  • Indikationen: Feuchte, tiefe, infizierte Wunden (z.B. Abszesse, Fisteln)
  • Kontraindikationen: Trockene oder nekrotische Wunden

Silberhaltige Auflage

Silberhaltige Wundauflagen zur antimikrobiellen Therapie
  • Eigenschaften: Gibt elementares Silber oder Silberionen ab, antimikrobiell
  • Indikationen: Infizierte oder infektionsgefährdete Wunden
  • Kontraindikationen: Anwendung > 14 Tage, elektronische Messungen, MRT
  • Besonderheiten: Anwendung auf 14 Tage begrenzt

Aktivkohle mit Silber

Aktivkohle-Wundauflagen mit Silber
  • Eigenschaften: Geruchsbindung durch Aktivkohle, antimikrobiell durch Silber
  • Indikationen: Übel riechende, infizierte Wunden
  • Kontraindikationen: Zuschneiden nicht erlaubt

Hydrophobe Auflage

Hydrophobe Wundauflage zur lokalen Infektionsprophylaxe
  • Eigenschaften: Bindet hydrophobe Bakterien durch physikalische Wechselwirkung
  • Indikationen: Infizierte Wunden, unterstützend bei Keimbelastung
  • Kontraindikationen: Kombination mit Cremes, empfindliche Haut
  • Besonderheiten: Wirkstofffrei, mechanische Bakterienentfernung beim Verbandwechsel

Aktivkohlekompresse

Aktivkohlekompresse zur Wundversorgung
  • Eigenschaften: Bindet Gerüche und Bakterien durch poröse Struktur
  • Indikationen: Übel riechende oder infizierte Wunden mit starker Exsudation

Superabsorber-Vlies

Superabsorber-Wundauflage aus Vliesmaterial
  • Eigenschaften: Sehr hohe Saugkraft, erhält feuchtes Milieu
  • Indikationen: Stark exsudierende Wunden
  • Kontraindikationen: Zuschneiden, trockene Wunden

Hydrofaser-Auflage

Hydrofaser-Wundauflage für exsudierende Wunden
  • Eigenschaften: Bildet Gel, nimmt Exsudat vertikal auf, schützt Wundränder
  • Indikationen: Mäßig bis stark exsudierende Wunden
  • Kontraindikationen: Trockene oder nekrotische Wunden

PU-Schaumverband

Polyurethan-Schaumverbände
  • Eigenschaften: Feinporiger Schaum, ggf. mit Superabsorber, fördert Granulation
  • Indikationen: Mäßig bis stark exsudierende Wunden, Tamponade tiefer Wunden

Hydrokolloidverband

Hydrokolloidverband zur feuchten Wundbehandlung
  • Eigenschaften: Bildet Gel, erhält feuchtes Milieu, kann unangenehm riechen
  • Indikationen: Leicht bis mäßig exsudierende Wunden in Granulations-/Epithelisierungsphase
  • Kontraindikationen: Infizierte Wunden, starke Exsudation
  • Besonderheiten: Geruch des Gels nicht mit Infektion verwechseln

Hydrokolloidähnliche Auflage

Hydrokolloidähnliche Wundauflage zur feuchten Wundbehandlung
  • Eigenschaften: Dünn, anschmiegsam, gelbildend
  • Indikationen: Schwach bis mäßig exsudierende Wunden
  • Kontraindikationen: Infizierte oder stark nässende Wunden
  • Besonderheiten: Gibt kein Gel ab

Hydrogelkompresse

Hydrogelkompresse zur feuchten Wundbehandlung
  • Eigenschaften: Wasserhaltiges Gel auf semipermeabler Folie, atraumatischer Verbandwechsel
  • Indikationen: Rehydratation trockener Wunden
  • Kontraindikationen: Infizierte oder stark exsudierende Wunden

Transparentfolienverband

Anwendung eines Transparentfolienverbands auf der Haut
  • Eigenschaften: Semipermeabel, transparent, selbstklebend, erlaubt Wundbeobachtung
  • Indikationen: Trockene, primär heilende Wunden, Fixierung anderer Auflagen
  • Kontraindikationen: Infizierte oder stark nässende Wunden
  • Besonderheiten: Kein Exsudataufnahmevermögen

Ein fachgerecht durchgeführter Verbandwechsel ist entscheidend für die Wundheilung, Infektionsprophylaxe und den Therapieerfolg. In diesem Kapitel lernen Sie, wie Verbandwechsel bei primär und sekundär heilenden Wunden sicher, hygienisch und patient:innenorientiert durchgeführt werden.

Grundregeln

Ein hygienisch einwandfreier und aseptischer Verbandwechsel ist essenziell, um Patient:innen vor Infektionen zu schützen. Dabei gelten klare Standards: Eine sorgfältige Händedesinfektion vor und nach jedem Kontakt, das Tragen von Schutzkleidung, das Arbeiten mit sterilen Materialien und die konsequente Anwendung der Non-Touch-Technik sind grundlegende Maßnahmen zur Infektionsprophylaxe. Unsterile Materialien dürfen niemals in direkten Wundkontakt gelangen, und geöffnete Wundauflagen dürfen nur nach Herstellerangabe erneut verwendet werden.

Bei mehreren Wunden ist eine feste Reihenfolge einzuhalten – von aseptischen über kontaminierte bis hin zu infizierten und MRE-besiedelten Wunden –, um Keimverschleppungen zu vermeiden. Auch schmerzhafte Verbandwechsel müssen verantwortungsvoll geplant werden: Schmerzmedikation nach ärztlicher Anordnung sowie gegebenenfalls kurze Behandlungspausen können die Belastung für die Betroffenen deutlich reduzieren.

Ein fachgerechter Verbandwechsel ist somit nicht nur technische Routine, sondern ein zentraler Baustein der sicheren, würdevollen und individuellen Wundversorgung.

Vorbereitung des Verbandwechsels
Verbandwechsel bei primär heilenden Wunden
Verbandwechsel bei sekundär heilenden Wunden

Die Wunddokumentation ist ein zentraler Bestandteil der professionellen Wundversorgung. Sie dient nicht nur der Verlaufskontrolle, sondern ist auch entscheidend für die interdisziplinäre Kommunikation, die rechtliche Absicherung der Pflegenden und die Abrechenbarkeit pflegerischer Leistungen im Rahmen der Versorgung.

Inhalte der Dokumentation:

 Angaben

Wundassessment

  • Wundart
  • Exsudatmenge/-beschaffenheit
  • Geruch
  • Wundgröße (Länge, Breite, Tiefe)
  • Zustand von Wundrand und Umgebungshaut
  • Schmerzangabe (z.B. mittels NRS)
  • Infektionszeichen

Anamnesedaten

  • Grunderkrankungen (z.B. Diabetes, pAVK)
  • Mobilität
  • Ernährung
  • Hautpflege
  • Psychosoziale Faktoren

Maßnahmen

  • Durchgeführte Interventionen (z.B. Débridement, Spülung, Verbandwechsel) mit Datum und Material

Fotodokumentation

  • Nur mit schriftlicher Einwilligung
  • Standardisiert, datiert, mit Maßstab und unter Wahrung der Intimsphäre
 Merke
Zeitpunkt der Wunddokumentation

Die Dokumentation von Wunden sollte bei chronischen Wunden mindestens alle vier Wochen und bei akuten Wunden mindestens einmal pro Woche erfolgen. Darüber hinaus ist sie bei jeder relevanten Veränderung des Wundzustands oder bei Anpassungen der Therapie zu aktualisieren. Ziel der Wunddokumentation ist es, durch Vollständigkeit und Aktualität eine fundierte Wundbeurteilung zu ermöglichen, gezielte therapeutische Maßnahmen einzuleiten und damit die Wundheilung optimal zu fördern.

Grundlagen der Wundversorgung:

  • 2,7 Mio. Betroffene in Deutschland, 900.000 mit chronischen Wunden
  • Häufige Beschwerden: Schmerzen, Exsudat, Geruch, eingeschränkte Lebensqualität
  • Wundmanagement: Ursachenbehandlung, passende Versorgung, enge Zusammenarbeit
  • Patient:innen-Schulung wichtig für Selbstmanagement
  • Bei Kindern: v.a. akute Wunden, bei komplexen Wunden hautschonende Produkte bevorzugen

Wundarten und Wundbeurteilung:

  • Definition: Wunde = Gewebeverlust an äußeren/inneren Körperoberflächen
  • Beurteilung: Nach Ursache, Tiefe, Keimbesiedlung
  • Akute Wunden:
    • Ursache: Trauma, Hitze, Chemikalien, Strom
    • Beispiele: Schnitt-, Biss-, Verbrennungswunden, Skin Tears
    • Meist unkomplizierte Heilung
    • Tetanusschutz prüfen
  • Chronische Wunden:
    • Keine Heilung nach 8 Wochen
    • Häufige Formen: Ulcus cruris, Dekubitus, diabetisches Fußulkus
    • Therapieziele: kurativ, bedingt kurativ, palliativ
    • Grunderkrankung behandeln ist entscheidend
  • Wundklassifikation:
    • Offen: Haut durchtrennt (z.B. Schnitt)
    • Geschlossen: Haut intakt, inneres Trauma (z.B. Hämatom)
    • Oberflächlich: nur Epidermis
    • Tief/kompliziert: bis Muskeln, Knochen, Nerven
  • Keimbesiedlung:
    • Aseptisch: keimfrei
    • Kontaminiert: Keime, keine Entzündung
    • Kolonisiert: Keime vermehren sich, keine Symptome
    • Infiziert: Entzündungszeichen, ggf. Sepsisgefahr
Prinzipien der WundheilungPhasen der WundheilungStörungen bei der Wundheilung
  • Primäre Wundheilung:
    • Saubere, keimfreie, gut durchblutete Wunden mit glatten Wundrändern (z. B. frische OP-Wunden)
    • Verschluss durch Naht, Klammer oder Kleber
    • Schnelle Heilung (ca. 10–12 Tage), schmale Narbe
  • Sekundäre Wundheilung:
    • Tiefe, zerklüftete, infizierte oder verunreinigte Wunden
    • Offene Heilung durch Granulations- und Epithelgewebe
    • Langsamer Verlauf, breite und weniger belastbare Narbe
  • Exsudationsphase (Reinigungsphase):
    • Sofort nach Verletzung
    • Blutstillung durch Vasokonstriktion und Fibrin
    • Exsudat spült Keime aus
    • Makrophagen räumen Zelltrümmer ab
  • Proliferationsphase (Granulationsphase):
    • Fibroblasten bilden neues Gewebe und Kollagen
    • Einwachsende Kapillaren erzeugen gut durchblutetes Granulationsgewebe
  • Regenerationsphase (Epithelisierungsphase):
    • Fibroblasten ziehen Gewebe zusammen
    • Epithelzellen überziehen Wunde, Zellteilung schließt sie
  • Heilungsfördernde Bedingungen:
    • Mindestens 28 °C Wundtemperatur
    • Feuchtes Wundmilieu für optimale Zellmigration
  • Keine feuchte Wundtherapie bei:
    • Infizierten Wunden
    • Malignomen
    • Frischen Verbrennungen
  • Lokale Faktoren: Infektionen, Biofilm, Nekrosen, Fremdkörper, Druck, Austrocknung
  • Systemische Faktoren: Alter, Grunderkrankungen (z.B. pAVK, Diabetes), Mangelernährung, Medikamente, Immunschwäche
  • Merke: Wundheilung gelingt nur durch Beseitigung der Störfaktoren und gezielte Behandlung der Ursache (z.B. Kompression bei Ulcus cruris, Druckentlastung bei Dekubitus)

Wundtherapie:

  • Wundreinigung:
    • Ziel: Entfernung von Belägen, Nekrosen, Exsudat, Biofilm und Fremdkörpern
    • Immer von innen nach außen wischen, sterile Materialien verwenden
    • Infizierte Wunden: ggf. Antiseptika (z.B. Octenidin) gezielt einsetzen
  • Débridement:
    • Entfernt avitales Gewebe, fördert Heilung
    • Methoden: mechanisch, chirurgisch, scharf, technisch, biochirurgisch, autolytisch, osmotisch, enzymatisch
    • Voraussetzung: gute Durchblutung, keine Débridement bei trockener Nekrose ohne Revaskularisation
  • Wundspülung:
    • Entfernt Keime, Beläge und Exsudat
    • Lösungen: NaCl, Ringer, ggf. antiseptisch bei Infektion
    • Nur sterile, körperwarme Lösungen verwenden; keine Wundbäder oder Leitungswasser
  • Wundversorgung:
    • Ziel: feuchtwarmes Milieu, Wundruhe, Schutz vor Infektion
    • Hydroaktive und bioaktive Wundauflagen fördern Heilung
    • Auswahl nach Wundphase, Exsudatmenge, Infektionsstatus und Patient:innenfaktoren
  • Auswahl der Wundauflage (Beispiele):
    • Nekrosen: Hydrogel, Alginate
    • Infektion: Silberhaltige Auflagen, PHMB
    • Exsudat: Superabsorber, Hydrofaser
    • Epithelisierung: dünne Hydrokolloide, transparente Folien

Verbandwechsel:

  • Ziel: Infektionsprophylaxe, Förderung der Wundheilung, sichere und patientengerechte Versorgung
  • Hygieneregeln: Händedesinfektion, Schutzkleidung, sterile Materialien, Non-Touch-Technik, richtige Reihenfolge (aseptisch → kontaminiert → infiziert)
  • Vorbereitung:
    • Patient: informieren, ggf. Schmerzmedikation
    • Material: vollständig, strukturiert, steril/unsteril getrennt
    • Umgebung: störungsfrei, gute Beleuchtung, saubere Flächen
  • Primär heilende Wunden:
    • Verband unter aseptischen Bedingungen wechseln
    • Reinigung nur bei Bedarf, von innen nach außen, mit sterilen Tupfern
    • Abschluss: neue Wundauflage, ggf. Naht-/Klammerentfernung
  • Sekundär heilende Wunden:
    • Verband unter sterilen Bedingungen entfernen und erneuern
    • Gründliche Reinigung, Wundinspektion, evtl. Fotodokumentation
    • Abschluss: neue Wundauflage, Hygienemaßnahmen, Dokumentation

Wunddokumentation:

  • Ziele: Verlaufsbeobachtung, interdisziplinäre Kommunikation, rechtliche Absicherung, Abrechnung
  • Dokumentationsinhalte:
    • Wundassessment: Art, Exsudat, Geruch, Größe (L/B/T), Wundrand, Umgebungshaut, Schmerzen (z.B. NRS), Infektionszeichen
    • Anamnese: Grunderkrankungen, Mobilität, Ernährung, Hautpflege, psychosoziale Faktoren
    • Maßnahmen: Art und Datum der durchgeführten Interventionen (z.B. Débridement, Spülung, Verbandwechsel)
    • Fotodokumentation: Nur mit Einwilligung, standardisiert, datiert, mit Maßstab
  • Frequenz:
    • Chronische Wunden: mind. alle 4 Wochen
    • Akute Wunden: mind. wöchentlich
    • Zusätzlich bei Veränderungen oder Therapieanpassung
Zuletzt aktualisiert am 29.07.2025
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