Die Lungenarterienembolie (LAE) ist ein medizinischer Notfall, bei dem ein Blutgerinnsel (meist aus dem venösen System) eine oder mehrere Pulmonalarterien verlegt. Durch den Gefäßverschluss entsteht eine akute Störung der Lungenperfusion, was zur Hypoxie und potenziell zum Rechtsherzversagen führen kann.
Typische Symptome sind plötzlich auftretende Atemnot, thorakale Schmerzen, Tachykardie und in schweren Fällen ein Kreislaufstillstand. Im Rettungsdienst steht die rasche Erkennung im Vordergrund, ebenso wie die Stabilisierung der Vitalfunktionen, insbesondere durch Sauerstoffgabe, Lagerung, gegebenenfalls Volumengabe sowie ein kontinuierliches Monitoring und der zügige Transport in ein geeignetes Krankenhaus mit CT-Diagnostik und internistischer Versorgung.
Beim Eintreffen des Rettungsdienstes steht die Partnerin im Wohnungseingang und weist euch den Weg.
Die Lage ist wie folgt:
Die Patientin sitzt aufrecht auf dem Sofa, nach Atem ringend, spricht nur in Ein-Wort-Sätzen
Sie ist blass, schweißig und zeigt ausgeprägte Unruhe
Keine Hinweise auf äußere Verletzungen
Leichte Zyanose der Lippen ist erkennbar
Ersteindruck nach xABCDE-Schema
Um sich einen ersten umfassenden Eindruck von einer Patientin oder einem Patienten in einer Notfallsituation zu verschaffen, bietet sich das xABCDE-Schema an. Um die Arbeit mit dem Schema zu veranschaulichen, ist hier ein xABCDE-Schema abgebildet, wie es im Falle einer Ersteinschätzung bei einer Patientin oder einem Patienten mit einer Lungenarterienembolie aussehen könnte.
Es handelt sich dabei um die Befunde, die innerhalb der ersten paar Minuten erhoben werden können. Erweiterte Diagnostik und Abfragen sind natürlich von Bedeutung, jedoch würde zum Beispiel die Messung des Blutzuckers in diesem Fall hintangestellt und taucht zu diesem Zeitpunkt noch nicht auf.
x
Keine kritischen Blutungen
A
Atemwege frei
Schleimhäute rosig
Pat. spricht selbständig
Kein A-Problem
B
Inspektorisch:
Thoraxexkursion bds. eher flach
Inspektorisch unauffällig
Keine gestauten Halsvenen
Auskultatorisch:
Vesikuläres Atemgeräusch bds.
Palpatorisch:
Keine Krepitation spürbar
Thorax insgesamt stabil
Tachypnoe bei 32/min
SpO2: 84 % unter Raumluft
Akutes B-Problem
C
Hautkolorit blass-rosig, Lippenzyanose
Recap-Zeit: 4 Sekunden
Große Blutungsräume ohne Zeichen auf akute Blutungen
Palpation des Pulses am Handgelenk
Rhythmisch
Schwach tastbar
Tachykard, etwa 130/min
Akutes C-Problem
D
Wach, orientiert, ansprechbar, sehr ängstlich
GCS 15
Öffnen der Augen: 4
Beste verbale Reaktion: 5
Beste motorische Reaktion: 6
Pupillenkontrolle:
Isokor
Mittelweit
Lichtreagibel
Kein D-Problem
E
Keine weiteren Verletzungen ersichtlich
Symptome:
Plötzliche Dyspnoe
Atemabhängiger Brustschmerz
Allergien/Infektionen: keine
Medikamente:
Dauermedikation: Metoprolol, Enoxaparin (nach der OP)
Bedarfsmedikation: Metamizol
Patientengeschichte: arterieller Hypertonus, Knie-TEP rechts vor 2 Wochen
Letzte Mahlzeit: Frühstück gegen 8 Uhr, seither Tee
Ereignis:
Sie habe in Ruhe in der Wohnung gelegen
Kein Trauma
Risikofaktoren: Z.n. Operation mit anschließender Bewegungseinschränkung, Alter, arterieller Hypertonus, Raucherin
Kein E-Problem
Achtung
Das hier gezeigte Assessment vermittelt nur einen exemplarischen ersten Eindruck von einer Patientin oder einem Patienten. Im Verlauf der Behandlung müssen weitere Maßnahmen ergriffen und Informationen gesammelt werden. Das Schema erhebt daher keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern soll lediglich einen praktischen Einstieg in das Thema ermöglichen.
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Definition
Lungenarterienembolie
Die Lungenarterienembolie (LAE) ist definiert als der Verschluss von ein oder mehreren Pulmonalarterien durch einen Embolus, der meist aus einem Blutgerinnsel (Thrombus) aus den tiefen Bein- oder Beckenvenen stammt. Die Folge ist eine gestörte Lungendurchblutung (Perfusion), was zu einem Ventilations-Perfusions-Mismatch und damit zu Hypoxie und kardiopulmonaler Dekompensation führen kann.
Klassifikation nach ACC/AHA
Kategorie A: Asymptomatische, inzidentell entdeckte Lungenembolien ohne klinische Symptomatik. Hierzu zählen beispielsweise subsegmentale oder zufällig diagnostizierte Lungenembolien
Kategorie B: Symptomatische Patient:innen mit niedriger klinischer Schwere und stabilem Kreislauf. Typisch sind Dyspnoe oder Thoraxschmerzen ohne Hinweise auf eine rechtsventrikuläre Belastung
Kategorie C: Symptomatische Patient:innen mit erhöhter klinischer Schwere bei weiterhin stabilem Kreislauf. Kennzeichnend sind eine rechtsventrikuläre Dysfunktion und/oder erhöhte kardiale Biomarker (z.B. Troponin oder BNP)
Kategorie D: Patient:innen mit drohendem kardiopulmonalem Versagen (incipient cardiopulmonary failure). Typisch sind eine beginnende hämodynamische Dekompensation mit Tachykardie, Hypoxämie, Zeichen der Zentralisation und ein Blutdruckabfall bis nahe 90 mmHg, jedoch noch ohne persistierende Hypotonie
Kategorie E: Patient:innen mit manifestem kardiopulmonalem Versagen. Charakteristisch sind eine persistierende Hypotonie, ein refraktärer Schock oder ein Kreislaufstillstand mit Zeichen der Organhypoperfusion
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Tiefe Bein- oder Beckenvenenthrombose (TVT): häufigste Quelle der Emboli
Immobilisation: venöse Stase bei Operation, Gips, Langstreckenflug oder Bettlägerigkeit
Maligne Erkrankungen: paraneoplastische Hyperkoagulabilität, v. a. bei Pankreas-, Magen- und Lungenkarzinom
Hormonelle Faktoren: Kontrazeptiva, Hormonersatztherapie → erhöhte Gerinnungsneigung, besonders bei Kombination mit Rauchen
Schwangerschaft/Wochenbett: physiologische Hyperkoagulabilität plus venöse Stase durch Uterusdruck
Hereditäre Thrombophilie: z. B. Faktor-V-Leiden, Prothrombinmutation, Antithrombin- oder Protein-C/S-Mangel
Adipositas/Rauchen: fördern chronische Entzündung, Endothelschäden und venöse Stase
Tipp
Die meisten Lungenarterienembolien entstehen aus einer unbehandelten tiefen Venenthrombose (TVT). Deshalb ist die gezielte Anamnese zentral (z. B. mit Wells-Score).
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Entstehung
Eine Lungenarterienembolie (LAE) entsteht in den meisten Fällen durch einen verschleppten Thrombus aus dem venösen System, häufig aus einer tiefen Bein- oder Beckenvenenthrombose. Die Entstehung dieser Thrombosen wird durch die Virchow-Triasbegünstigt.
Dieser gelangt über die untere Hohlvene in die Pulmonalarterien und kann dort ein Gefäß verlegen.
Je nach Größe und Lokalisation des Embolus ist der Verschluss teilweise oder vollständig, was das Ausmaß der hämodynamischen Belastung bestimmt.
Tipp
Virchow-Trias
Die Virchow-Trias umfasst die drei zentralen pathogenetischen Faktoren der venösen Thrombusbildung und stellt damit die Grundlage für die Entstehung einer Lungenarterienembolie dar.
Endothelschädigung: Gefäßwandverletzung → Aktivierung der Gerinnung & Thrombozytenanlagerung
Stase (verlangsamter Blutfluss): z. B. Immobilisation → längerer Kontakt von Gerinnungsfaktoren mit dem Endothel → Thrombusbildung
Surfactant-Abnahme: Ischämie des alveolären Gewebes durch Obstruktion → Funktionsstörung der Typ-II-Pneumozyten → Surfactant-Produktion ↓ → Alveolarkollaps + Mikroatelektasen → reduzierte Gasaustauschfläche
Vasoaktive Substanzen: durch aktivierte Thrombozyten im Embolus Freisetzung von Serotonin, Thromboxan A₂ → Vasokonstriktion + Bronchospasmus → Verstärkung der Hypoxämie
Merke
Initial dominiert bei der Lungenembolie eine respiratorischeAlkalose infolge kompensatorisch gesteigerter Ventilation. Eine respiratorischeAzidose entwickelt sich erstim weiteren Verlauf, wenn es durch Rechtsherzversagen oder eine ausgeprägte Ventilationsstörung zur Dekompensation des Gasaustauschs kommt.
Info
Die Folge einer Lungenarterienembolie wird je nach Literatur entweder als obstruktiver oder als kardiogener Schock beschrieben.
Merke
Zusammenfassung: die kritischen Probleme einer LAE
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Typische Zeichen
Akute Dyspnoe
Zeichen einer TVT: einseitige Beinschwellung, Druckschmerz, Überwärmung
Thoraxschmerz, oft auch atemabhängig
Zyanose, insbesondere perioral
Synkope oder Präsynkope bei massiver Lungenarterienembolie
Tachypnoe bei meist unauffälligem Auskultationsbefund
Hypotonie → Schock
EKG-Befunde:
SIQIIITIII,
T-Negativierung V1-V4,
Sinustachykardie
Hinweise auf akute Rechtsherzbelastung (z.B. neuer Rechtsschenkelblock)
Generalisierte Zeichen
Kaltschweißigkeit, Schockzeichen
Husten, gelegentlich mit blutigem Auswurf (Hämoptysen)
Angst, Panik
Ggf. Übelkeit
Achtung
Das klinische Bild kann unspezifisch sein. Die LAE ist eine der wichtigsten Differenzialdiagnosen bei plötzlicher Dyspnoe.
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Merke
Bei der Ersteinschätzung stehen zwei zentrale Fragen im Vordergrund:
Ist der Patient hämodynamisch stabil?
Besteht eine klinische Wahrscheinlichkeit für eine LAE?
Anamnese
Aktuelle Anamnese:
Homans-Zeichen
S (Symptome):
TVT-Zeichen: Schwellung, Druckschmerz in der Wade, Homans-Zeichen (Schmerzen in der Wade bei Dorsalflexion des Fußes)
A (Allergien, Infektionen): z.B. in Bezug auf längere Krankenhausaufenthalte in jüngster Vergangenheit
M (Medikation): insb. Einnahme von Östrogenen
P (Patientengeschichte): Malignom in der Vorgeschichte, vorbekannte thromboembolische Ereignisse
L (Letzte…)
E (Ereignis):
Immobilisation, OP, Trauma in den vergangenen Wochen
Langstreckenflug
Vor kurzem ein Kind bekommen
R (Risiko): Raucheranamnese, erhöhte Thromboseneigung bekannt
S (Schwangerschaft): physiologische Hyperkoagulabilität plus venöse Stase durch Uterusdruck
Tipp
Nutze Schemata
Um die Anamnese strukturiert durchzuführen, bietet es sich an, Schemata wie das SAMPLERS oder OPQRST-Schema zu nutzen. Am obigen Beispiel haben wir Fragen und Befunde dargestellt, die bei dem Verdacht auf eine Lungenarterienembolie abgefragt werden sollten und vorliegen könnten.
Info
Wells-Score
In der Notfallmedizin etwas weniger gebräuchlich ist der Wells-Score. Dabei werden verschiedeneRisikofaktorenabgefragt, die zu einer TVT oder LAE führen können, um die Wahrscheinlichkeit für ein solches Ereignis abzuschätzen.
Körperliche Untersuchung
Inspektion:
Zyanose
Zeichen einer tiefen Beinvenenthrombose:
Umfangsdifferenz beider Extremitäten
Rötung der betroffenen Extremität
Ggf. gestaute Halsvenen
Palpation:
Zeichen einer tiefen Beinvenenthrombose:
Druckschmerzhafte Extremität
Überwärmte Extremität
Am Thorax sollte es keine palpatorischen Auffälligkeiten geben
Info
Häufig sind bei einer tiefen Venenthrombose die Beine betroffen und werden in vielen Fachbüchern als Beispiel angeführt. Eine tiefe Venenthrombose kann jedoch auch in den oberen Extremitäten stattfinden, insbesondere bei Malignomen in dem Bereich.
Perkussion und Auskulation
Der Perkussions- und Auskultationsbefund sollte physiologisch ausfallen. Bei pathologischen Veränderungen ist eine differenzialdiagnostische Abklärung erforderlich
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Info
Die dargestellten Maßnahmen orientieren sich an den Empfehlungen des Deutschen Berufsverbands Rettungsdienst (DBRD) und werden durch weitere spezifische, leitliniengerechte Maßnahmen ergänzt, um eine strukturierte und evidenzbasierte Versorgung von Patient:innen sicherzustellen.
Merke
Ziel der Behandlung durch den Rettungsdienst ist die rasche Stabilisierung von Atmung und Kreislauf sowie die Verbesserung der Oxygenierung. Zentrale Maßnahmen sind die Sauerstoffgabe, eine vorsichtige Volumentherapie. Bei hämodynamischer Instabilität soll der frühzeitige Einsatz von Katecholaminen erfolgen.
Basismaßnahmen
Lagerung:
Kreislaufstabil: Oberkörper hoch
Instabil: Flachlagerung, ggf. mit leicht erhöhtem Oberkörper
Hochdosierte Sauerstoffgabe (10-15 l/min)
Monitoring (RR, SpO2, EKG)
Schnellen Transport anstreben
Bei hämodynamisch instabilen Patient:innen → Herstellen von Reanimationsbereitschaft
Spezifische Maßnahmen
Angepasste Volumentherapie mit kristalloiden Infusionslösungen bei Hypotension: 250-500 ml i.v., ggf. Wiederholung nach Kreislaufsituation
Heparin 80 I.E./kgKG erwägen
Analgesie bei Schmerzen, z.B. mit Morphin 2 mg i,v. titriert bis gewünschte Wirkung erzielt, max. 10 mg
Bei persistierender Hypotonie → Katecholamingabe
Noradrenalin: 0,2–1 μg/kgKG/min i.v. über Spritzenpumpe
Dobutamin: 2–20 μg/kgKG/min i.v. über Spritzenpumpe
Bei fortbestehender respiratorischer Insuffizienz:
Nicht-invasive Beatmung
Ggf. invasive Beatmung
Bei Reanimation + LAE als Ursache → Lysetherapie
Achtung
Übermäßige Volumengabe vermeiden: Dilatation des rechten Ventrikels → Verlagerung des interventrikulären Septums nach links → eingeschränkte Füllung des linken Ventrikels → vermindertes Herzzeitvolumen → hämodynamische Verschlechterung
Tipp
Bei notwendiger Beatmung sollte ein hoher PEEP vermieden werden, da dieser eine bestehende Rechtsherzinsuffizienz verschlechtern kann.
Merke
Lungenembolie anamnestisch und im Gesamtkontext wahrscheinlich → Heparin
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Reanimationspflichtige Lungenarterienembolie:
Handelt es sich um eine fulminante Lungenarterienembolie, kann es schnell zu einer Reanimation kommen. In Fällen plötzlichen Kreislaufstillstands sollte die Lungenarterienembolie als potenziell reversible Ursache berücksichtigt werden.
Besonders bei vorheriger Dyspnoe, Risikofaktoren oder EKG-Hinweisen (z. B. SIQIII) sollte eineLungenarterienembolie in Betracht gezogen und bei entsprechender Klinik eine notfallmäßigesystemischeThrombolysetherapie eingeleitet werden.
Synkope mit geringer Vorerkrankungslast:
Synkopen ohne erklärbare kardiale oder neurologische Ursache, insbesondere bei jungen oder nur wenig vorerkrankten Patient:innen, können durch eine zentrale Lungenarterienembolie bedingt sein.
Hier ist eine differenzierte präklinische Einschätzung entscheidend, auch wenn initial keine deutliche Dyspnoe vorliegt. In jedem Fall sollte eine Vorstellung im Krankenhaus erfolgen.
Respiratorische Verschlechterung bei bekannter Tumorerkrankung:
Bei Patient:innen mit bekannter onkologischer Grunderkrankung kann eine Lungenarterienembolie als Komplikation der sogenannten „Tumorassoziierten Hyperkoagulabilität“ auftreten. Eine plötzliche Zunahme der Atemnot, insbesondere unter Chemotherapie oder bei postoperativer Immobilisation, muss immer an eine Lungenarterienembolie denken lassen.
In diesen Fällen ist ein rasches präklinisches Handeln essenziell, um eine Prognoseverbesserung zu ermöglichen.
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Die Wahl des Zielkrankenhauses ist abhängig vom individuellen Fall. Das Zielkrankenhaus sollte über eine internistischeAbteilungmit CT sowie ggf. Intensivstation verfügen und eine Notaufnahme mit einem Schockraum vorweisen.
Während des Transports ist auf Folgendes zu achten:
Engmaschige Kreislaufüberwachung
Reevaluation des Zustands, besonderer Fokus auf mögliche Verschlimmerung von Kreislauf- und Atemwegssituation
Bei Beatmung: Kontinuierliche Überwachung und ggf. Anpassung der Parameter
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Definition:
Definition
Lungenarterienembolie
Die Lungenarterienembolie (LAE) ist definiert als der Verschluss von ein oder mehreren Pulmonalarterien durch einen Embolus, der meist aus einem Blutgerinnsel (Thrombus) aus den tiefen Bein- oder Beckenvenen stammt. Die Folge ist eine gestörte Lungendurchblutung (Perfusion), was zu einem Ventilations-Perfusions-Mismatch und damit zu Hypoxie und kardiopulmonaler Dekompensation führen kann.
Klassifikation nach ACC/AHA
Kategorie A: Asymptomatische, inzidentell entdeckte Lungenembolien ohne klinische Symptomatik. Hierzu zählen beispielsweise subsegmentale oder zufällig diagnostizierte Lungenembolien
Kategorie B: Symptomatische Patient:innen mit niedriger klinischer Schwere und stabilem Kreislauf. Typisch sind Dyspnoe oder Thoraxschmerzen ohne Hinweise auf eine rechtsventrikuläre Belastung
Kategorie C: Symptomatische Patient:innen mit erhöhter klinischer Schwere bei weiterhin stabilem Kreislauf. Kennzeichnend sind eine rechtsventrikuläre Dysfunktion und/oder erhöhte kardiale Biomarker (z.B. Troponin oder BNP)
Kategorie D: Patient:innen mit drohendem kardiopulmonalem Versagen (incipient cardiopulmonary failure). Typisch sind eine beginnende hämodynamische Dekompensation mit Tachykardie, Hypoxämie, Zeichen der Zentralisation und ein Blutdruckabfall bis nahe 90 mmHg, jedoch noch ohne persistierende Hypotonie
Kategorie E: Patient:innen mit manifestem kardiopulmonalem Versagen. Charakteristisch sind eine persistierende Hypotonie, ein refraktärer Schock oder ein Kreislaufstillstand mit Zeichen der Organhypoperfusion
Vorwärtsversagen: eingeschränkter Blutfluss über Lungenarterien → Rückfluss zum linken Vorhof ↓ → verminderte Füllung des linken Ventrikels → Herzzeitvolumen nimmt ab → Minderperfusion → obstruktiver Schock
Respiratorische Folgen:
Erhöhter funktioneller Totraum: alveoläre Ventilation ohne Perfusion → Totraumventilation ↑
Ventilations-Perfusions-Mismatch: überlüftete, aber nicht perfundierte Areale → Hypoxämie (pO₂ ↓) → kompensatorische Hyperventilation → Hypokapnie (pCO₂ ↓) und respiratorische Alkalose
Surfactant-Abnahme: Ischämie des alveolären Gewebes durch Obstruktion → Funktionsstörung der Typ-II-Pneumozyten → Surfactant-Produktion ↓ → Alveolarkollaps + Mikroatelektasen → reduzierte Gasaustauschfläche
Vasoaktive Substanzen: durch aktivierte Thrombozyten im Embolus Freisetzung von Serotonin, Thromboxan A₂ → Vasokonstriktion + Bronchospasmus → Verstärkung der Hypoxämie
Klinische Zeichen:
Akute Dyspnoe
Zeichen einer TVT: einseitige Beinschwellung, Druckschmerz, Überwärmung
Thoraxschmerz, oft auch atemabhängig
Zyanose, insbesondere perioral
Synkope oder Präsynkope bei massiver Lungenarterienembolie
Tachypnoe bei meist unauffälligem Auskultationsbefund
Hypotonie → Schock
EKG-Befunde:
SIQIIITIII,
T-Negativierung V1-V4,
Sinustachykardie
Hinweise auf akute Rechtsherzbelastung (z.B. neuer Rechtsschenkelblock)
Therapie:
Angepasste Volumentherapie mit kristalloiden Infusionslösungen bei Hypotension: 500 ml i.v., ggf. Wiederholung nach Kreislaufsituation
Heparin 80 I.E./kgKG erwägen
Analgesie bei Schmerzen, z.B. mit Morphin 2 mg i,v. titriert bis gewünschte Wirkung erzielt, max. 10 mg
Bei persistierender Hypotonie → Katecholamingabe
Noradrenalin: 0,2–1 μg/kgKG/min i.v. über Spritzenpumpe
Dobutamin: 2–20 μg/kgKG/min i.v. über Spritzenpumpe
Bei fortbestehender respiratorischer Insuffizienz:
Nicht-invasive Beatmung
Ggf. invasive Beatmung
Bei Reanimation + LAE als Ursache → Lysetherapie
Besondere Situationen:
Eine fulminante LAE kann zu einer Reanimation führen
Bei Synkopen unklarer Genese ohne bekannte Vorerkrankungen sollte eine LAE ausgeschlossen werden
Respiratorische Verschlechterungen bei einem bekannten Malignom können auch durch eine LAE bedingt sein
Transport:
Zielkrankenhaus: internistische Notaufnahme mit CT, ggf. Intensivstation, ggf. Schockraum
Engmaschige Kreislaufüberwachung
Reevaluation des Zustands, besonderer Fokus auf mögliche Verschlimmerung von Kreislauf- und Atemwegssituation
Bei Beatmung: Kontinuierliche Überwachung und ggf. Anpassung der Parameter
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Wenn ihr mehrInformationen und weiteretherapeutischeMaßnahmen erfahren möchtet, empfehlen wir euch die verlinktenArtikel aus dem klinischenBereich.
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