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Abdomen und Peritoneum

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10 Minuten Lesezeit

Das Abdomen setzt sich zusammen aus:

  • Der Bauchwand
  • Der Bauchhöhle (Cavitas abdominalis)
  • Den Bauchorganen 

Es wird begrenzt nach:

  • Kranial: Zwerchfell
  • Kaudal: Beckenbodenmuskulatur
  • Dorsal: Wirbelsäule, hintere Bauch- und Rückenmuskulatur
  • Ventral und lateral: Vordere und seitliche Bauchmuskulatur

Das Abdomen enthält folgende Organe:

  • Magen, Leber, Gallenblase, Milz, Dünndarm, Dickdarm, Rectum, Pankreas, Nieren und Nebennieren
Abdomen

Das Peritoneum (Bauchfell) ist eine seröse Membran, die mit ihren beiden Blättern die Bauchhöhle auskleidet und eine reibungslose Verschiebung der inneren Organe ermöglicht.

  • Peritoneum viscerale (viszerales Peritoneum)Bedeckt die in der Peritonealhöhle befindlichen Organe
  • Peritoneum parietale (parietales Peritoneum)Auskleidung der Peritonealhöhle

Das Peritoneum (Bauchfell) teilt den Bauch- und Beckenraum in zwei Hauptbereiche:

  • Cavitas peritonealis (Peritonealhöhle): Dies ist ein mit einer serösen Membran ausgekleideter Raum, den das Peritoneum umschließt. Die Peritonealhöhle teilt sich weiter in zwei Unterbereiche:
    • Cavitas peritonealis abdominis: Dieser Bereich befindet sich im Bauchraum
    • Cavitas peritonealis pelvis: Dieser Bereich liegt im Becken
  • Spatium extraperitoneale (Extraperitonealraum): Dieser Bereich besteht aus Bindegewebe und enthält wichtige Leitungsbahnen sowie die Nieren. Er befindet sich hinter oder unterhalb der Peritonealhöhle. Je nach Lage unterscheidet man weiter:
    • Spatium retroperitoneale (Retroperitonealraum): Dieser Raum liegt direkt hinter der Peritonealhöhle
    • Spatium subperitoneale (Subperitonealraum): Dieser Raum befindet sich unterhalb der Peritonealhöhle

Peritoneum viscerale und parietale

Peritoneum (Bauchfell)

Abhängig von ihrem Ursprungsort während der embryonalen Entwicklung und den anschließenden Verschiebungen, die durch Wachstumsprozesse, Verlagerungen und Drehungen des Darmrohrs sowie seiner zugehörigen Mesenterien erfolgen, befinden sich die Organe des Bauch- und Beckenraums in unterschiedlichen Positionen in Bezug zum Peritoneum. Daher wird zwischen Organen, die innerhalb des Peritoneums liegen (intraperitoneal) und solchen, die außerhalb des Peritoneums liegen (extraperitoneal), unterschieden: 

  • Intraperitoneale Organe
    • Sind vollständig von dem viszeralen Blatt des Peritoneums bedeckt
    • Liegen innerhalb der Peritonealhöhle
    • Sind über ein Mesenterum (Aufhängeband) mit der Dorsalwand der Bauchhöhle verbunden
  • Extraperitoneale Organe
    • Liegen außerhalb der Peritonealhöhle, oft mit Bezug zum parietalen Peritoneum
    • Nach der Entwicklung der Organe unterscheidet man zwischen primär und sekundär extraperitonealen Organen:
      • Primär extraperitoneale Organe
        • Die Entwicklung der Organe erfolgte direkt im Extraperitonealraum
        • Sie liegen sich entweder hinter der Cavitas peritonealis abdominis (Spatium retroperitoneale) oder unterhalb der Cavitas peritonealis pelvis (Spatium subperitoneale)
      • Sekundär extraperitoneale Organe
        • Lagen anfangs intraperitoneal an einem Mesenterium befestigt, welches sich im Laufe der Zeit zurückgebildet hat, wodurch das Organ mit der dorsalen Bauchhöhlenwand verwachsen ist (im Spatium retroperitoneale) 

Peritonealverhältnisse

Peritonealverhältnisse
LageOrgan

Intraperitoneal (in der Peritonealhöhle mit Meso, vollständig mit Peritoneum bedeckt)

  • Pars abdominalis des Ösophagus
  • Pars superior des Duodenums
  • Jejunum
  • Ileum
  • Caecum
  • Appendix vermiformis
  • Colon transversum und sigmoideum
  • Leber
  • Gallenblase
  • Milz
  • Ovarien, Tuba uterina, Fundus und Corpus uteri

Extraperitoneal 
(außerhalb der Peritonealhöhle ohne Peritoneum, ohne Meso)

Primär
extra-peritoneal

Spatium retroperitoneale

  • Niere
  • Nebenniere
  • Ureter

Spatium subperitoneale

  • Harnblase
  • Prostata, Glandula vesiculosa
  • Cervix uteri
  • Rectum (ab Flexura perinealis)
Sekundär
extra-peritoneal

Spatium retroperitoneale

  • Duodenum (bis auf Pars superior)
  • Pankreas
  • Colon ascendens und descendens
  • Rectum (bis zur Flexura perinealis, zum Teil intraperitoneal)

Eine horizontale Linie, die durch den Bauchnabel verläuft, teilt das Abdomen in einen oberen und einen unteren Bereich, die als Oberbauch und Unterbauch bezeichnet werden.

  • Oberbauch: enthält Magen, Duodenum, Leber, Gallenblase, Milz und Pankreas
  • Unterbauch: enthält das Jejunum, Ileum, Zäkum und Kolon
  • Kleines Becken: beginnt an der Linea terminalis, enthält Rektum, Harnblase und die inneren Geschlechtsorgane (außer Hoden)
  • Großes Becken: befindet sich oberhalb der Linea terminalis, zwischen den Darmbeinschaufeln und wird dem Abdomen zugeordnet

Das Mesenterium setzt sich aus zwei Schichten des Peritoneums zusammen (Duplikatur des viszeralen Blattes), an denen die intraperitonealen Organe an der hinteren Bauchwand befestigt sind. Innerhalb des Mesenteriums verlaufen Nerven und Gefäße. Die Mesenterien werden entsprechend dem Organ benannt, das sie an der Bauchwand aufhängen, wie beispielsweise das Mesocolon transversum (Meso des Colon transversum). Die Radix mesenterii (Mesenterialwurzel) ist die Befestigungsstelle des Mesenteriums an der hinteren Bauchwand.

Beispiele:

  • Mesenterium: Mesojejunum und Mesoileum
  • Mesocolon: Meso des Dickdarms (Colon), befestigt den Dickdarm an der hinterenBauchwand
    • Mesocolon transversum: Teil des Mesocolons, verbindet das Colon transversum mit der hinteren Bauchwand
    • Mesocolon sigmoideum: Teil des Mesocolons, verbindet das Sigmoid (Colon sigmoideum) mit der hinteren Bauchwand
  • Mesoappendix: Meso des Appendix, verbindet den Appendix mit der hinteren Bauchwand
 Merke

Der Begriff "Mesenterium" leitet sich vom griechischen Wort „Enteron“ ab, was "Dünndarm" bedeutet. Daher bezieht sich der Begriff streng genommen nur auf die Peritonealduplikatur des Dünndarms, also Mesojejunum und Mesoileum. Im Sprachgebrauch wird der Begriff allerdings oft als Überbegriff für alle Peritonealduplikaturen verwendet.

Mesenterium (Meso, Gekröse)

Übersicht über die Mesenterien des Bauchraums

Übersicht über die Mesenterien des Bauchraums
 Merke

Die Radix mesenterii zieht von der Flexura duodenojejunalis (in Höhe des 2. Lendenwirbels) schräg nach rechts unten bis zur Fossa iliaca dextra in der Nähe der Ileozökalklappe. Beim Erwachsenen ist sie etwa 14-16 cm lang und ca. 1,5-2 cm dick.

In der Peritonealhöhle existieren verschiedene Recessus, die Ausbuchtungen darstellen. Man unterscheidet dabei:

  • Recessus, die an der Hinterwand der Peritonealhöhle, die durch den Übergang eines Darmsegments von retro (extra)- nach intraperitoneal entstehen
  • Recessus, die zwischen den Organen und deren zugehörigen Mesenterium entstehen und als „Drainageräume“ wirken
BezeichnungLage
Recessus duodenalis superior
  • Kranial der Flexura duodenojejunalis
Recessus duodenalis inferior
  • Kaudal der Flexura duodenojejunalis
Recessus ileocaecalis superior
  • Kranial des ileocaecalen Übergangs
Recessus ileocaecalis inferior
  • Kaudal des ileocaecalen Übergangs
Recessus retrocaecalis
  • Von kaudal hinter dem Caecum
Recessus als Drainageräume
Linker parietokolischer Spalt
  • Links des Colon descendens
Rechter parietokolischer Spalt
  • Rechts von Caecum und Colon ascendens
Linker mesenterokolischer Spalt
  • Zwischen Radix mesenterii und Colon descendens und sigmoideum
Rechter mesenterokolischer Spalt
  • Zwischen Radix mesenterii und Colon ascendens
Recessus intersigmoideus
  • Hinter Colon sigmoideum
Recessus subphrenici
  • Unterhalb des Zwerchfells
Recessus subhepaticus
  • Zwischen Colon transversum und Leberunterseite
Recessus hepatorenalis (Morison-Pouch)
  • Zwischen rechter Niere und Leber, tiefster Punkt bei auf dem Rücken liegenden Patient:innen

Übersicht über die Recessus und Drainageräume des Bauchraums

Recessus der Peritonealhöhle

Die Bursa omentalis bildet einen Nebenraum der Peritonealhöhle und entsteht durch Dreh- und Verschiebungsbewegungen der ursprünglich intraperitoneal positionierten Bauchorgane. Sie kann funktionell als der größte intraperitoneale Recessus betrachtet werden.

Begrenzungen:

BegrenzungBursa omentalis
Ventral
  • Hinterwand des Magens, Omentum minus, Lig. gastrocolicum, 
    Lig. hepatogastricum
Dorsal
  • Pankreas, linke Nebenniere, oberer Pol der linken Niere, Aorta abdominalis, Truncus coeliacus, Diaphragma
Kranial
  • Leber
Kaudal
  • Colon transversum, Mesocolon transversum
Links
  • Milz, Lig. gastrosplenicum
Rechts
  • Leber
  • Natürlicher Zugang zur Bursa omentalis:
    • Foramen omentale (zwischen der Pars superior duodeni und dem rechten Rand des Lig. hepatoduodenale)
  • Vorraum:
    • Vestibulum bursae omentalis
  • Hauptraum mit 3 Recessus:
    • Kranial: Recessus superior
    • Links: Recessus splenicus
    • Kaudal: Recessus inferior
 Info
Klinischer Ausblick: operative Zugangswege
  • Zugang zur Bursa omentalis von ventral: Durchtrennung des Omentum minus oder des Ligamentum gastrocolicum
  • Zugang zur Bursa omentalis von kaudal: Öffnung des Mesocolon transversum

Bursa omentalis (im Sagittalschnitt)

Bursa omentalis

Bursa omentalis (im Horizontalschnitt)

Bursa omentalis

Natürlicher Zugang zur Bursa omentalis

Natürlicher Zugang zur Bursa omentalis
Zuletzt aktualisiert am 09.11.2024
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