Ein Abdominaltrauma bezeichnet Verletzungen des Bauchraums, die durch stumpfe (z.B. Verkehrsunfälle, Stürze) oder penetrierende Gewalt (z.B. Stich- oder Schussverletzungen) entstehen. In Europa sind stumpfe Traumata mit über 95 % deutlich häufiger, wobei vor allem Organe wie Milz und Leber betroffen sind.
Klinisch zeigen sich häufig akute Bauchschmerzen,Abwehrspannung,Prellmarken sowie bei penetrierenden Verletzungen sichtbare Wunden. Die eFAST-Sonografie unterstützt die rasche Identifikation freier Flüssigkeit, sollte jedoch nicht den Transport verzögern.
Bei Verdacht auf eine intraabdominelle Blutung ist die schnelle Transportpriorisierung entscheidend, da präklinisch keine effektive Blutstillung möglich ist.
Daher ist ein zielgerichtetes Vorgehen an der Einsatzstelle entscheidend, um kritisch Verletzte frühzeitig zu erkennen und einer schnellen operativen Versorgung zuführen zu können. Therapeutisch liegt der Fokus auf dem Konzept der Damage Control Resuscitation (DCR) mit permissiver Hypotonie,frühzeitiger Gerinnungsstabilisierung (z.B. Tranexamsäure) und Wärmeerhalt. Auch eine ausreichende Analgesie ist essenziell, um Stressreaktionen und weitere Komplikationen zu vermeiden.
Um den Einstieg in das Thema Abdominaltrauma etwas zu erleichtern, wird im Folgenden ein Fall beschrieben, wie er sich präklinisch ereignen könnte.
Das Szenario
Einsatzmeldung:
Stichwort: „Fahrradsturz“
Ort: Radweg
Alarmzeit: 16:07 Uhr
Anrufer:in: Bekannte der Patientin
Anzahl der Betroffenen: 1
Zusatzinfo:
Weiblich, 19 Jahre alt
Starke Bauchschmerzen
Lageeinweisung vor Ort:
Beim Eintreffen des Rettungsdienstes sitztdie Patientin auf dem Radweg, gestützt von einer Freundin. Die Patientin ist wach, jedoch sichtlich blass und klagt über starke Bauchschmerzen.
Die Lage ist wie folgt:
Die Patientin ist wach und ansprechbar
Sie klagt über zunehmendeSchmerzen im linkenOberbauch sowie über Schmerzen im linken Handgelenk
Die Beschwerden bestehen seit dem Fahrradsturz vor etwa 15 Minuten
Laut Aussage der Patientin prallte sie mitdemBauchgegendenFahrradlenker und fiel anschließend auf den Asphalt. Den Sturz hat sie mit den Händen abgefangen
Es besteht eine sichtbarePrellmarke linksseitig am Bauch
Ersteinschätzung nach xABCDE-Schema
Um sich einen ersten umfassenden Eindruck von einer Patientin oder einem Patienten in einer Notfallsituation zu verschaffen, bietet sich das xABCDE-Schema an. Um die Arbeit mit dem Schema zu veranschaulichen, ist hier ein xABCDE-Schema abgebildet, wie es im Falle einer Ersteinschätzung bei einer Patientin oder einem Patienten mit einem Abdominaltrauma aussehen könnte.
Es handelt sich dabei um die Befunde, die innerhalb der ersten paar Minuten erhoben werden können. Erweiterte Diagnostik und Abfragen sind natürlich von Bedeutung, jedoch würde zum Beispiel die Anlage eines 12-Kanal-EKG in diesem Fall hinten angestellt und taucht zu diesem Zeitpunkt noch nicht auf.
x
Keine kritischen Blutung
A
Atemwege frei
Schleimhäute blass
Patientin spricht selbständig
Kein A-Problem
B
Inspektorisch:
Thoraxexkursion beidseits physiologisch
Keine Halsvenenstauung sichtbar
Regelmäßige Atmung
Auskultatorisch:
Beidseits vesikuläres Atemgeräusch
Palpatorisch:
Thorax insgesamt stabil
Keine Krepitation spürbar
Atemfrequenz: 19/min
SpO2: 98 %
Kein B-Problem
C
Hautkolorit blass
Rekap-Zeit: 3 Sekunden
Große Blutungsräume: Abwehrspannung am Bauch, Prellmarken
Palpation des Pulses am Handgelenk
Rhythmisch
Gut tastbar
Tachykard, 124/min
Akutes C-Problem
D
Wach, ansprechbar
GCS 15
Öffnen der Augen: 4
Beste verbale Reaktion: 5
Beste motorische Reaktion: 6
Pupillenkontrolle:
Isokor
Mittelweit
Lichtreagibel
Kein D-Problem
E
Prellmarke Bauch links
Schmerzen im linken Handgelenk
Temperatur: 37,1 °C
Symptome:
Abwehrspannung + Prellmarke am Bauch linksseitig
Akute Schmerzen
Tachykardie
Allergien / Infektionen: Keine bekannt
Medikamente: Keine Dauer- oder Akutmedikation
Patientengeschichte: Keine Vorerkrankungen
Letzte Mahlzeit: Frühstück, um ca. 10:00 Uhr
Ereignis: Fahrradsturz
Risikofaktoren: Keine
Mittelbares E-Problem
Achtung
Das hier gezeigte Assessment vermittelt nur einen exemplarischen ersten Eindruck von einer Patientin oder einem Patienten mit einem Abdominaltrauma. Im Verlauf der Behandlung müssen weitere Maßnahmen ergriffen und Informationen gesammelt werden. Das Schema erhebt daher keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern soll lediglich einen praktischen Einstieg in das Thema ermöglichen.
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Definition
Ein Abdominaltrauma bezeichnet alle Verletzungen im Bauchbereich, die durch stumpfe, spitze oder scharfe Gewalteinwirkungen sowie durch Akzelerations-, Dezelerationstraumen (Verletzungen durch starkes Beschleunigen oder Abbremsen) oder Explosionen entstehen können.
Klassifikation:
Klinisch unterscheidet man zwischen dem stumpfen und dem penetrierendenAbdominaltrauma:
Beim stumpfen Trauma bleibt die Bauchdecke äußerlich intakt
Beim penetrierenden Trauma ist die Bauchhöhledurchdrungen
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Merke
Verletzungen der Bauchorgane treten sowohl als isolierte Monoverletzungen als auch im Rahmen eines Polytraumas auf. Etwa 20–25 % der polytraumatisierten Patient:innen erleiden dabei unter anderem auch eine Abdominalverletzung.
Die Ursachen solcher Traumata lassen sich in stumpfe und penetrierende Gewalteinwirkungen unterteilen, die jeweils unterschiedliche Verletzungsmuster nach sich ziehen.
Stumpfe Gewalteinwirkung:
Verkehrsunfälle (z. B. Auto, Motorrad, Fahrrad)
Wie zum Beispiel im Fallbeispiel: der abdominelle Aufprall auf die Lenkerstange des Fahrrads
Stürze aus großer Höhe
Sportverletzungen (z.B. Reit-, Kontakt- oder Kampfsport)
Quetschungen durch schwere Gegenstände (z. B. Arbeitsunfälle)
Tritte oder Schläge gegen den Bauch
Explosionstrauma (Druckwelle ohne direkte Penetration)
Penetrierende Gewalteinwirkung:
Stichverletzungen (z.B. Messerattacken, Unfälle mit scharfen Gegenständen)
Schussverletzungen
Pfählungsverletzungen (z.B. durch Stürze auf spitze Gegenstände)
Verletzungen durch spitze Werkzeuge oder Maschinen (z.B. bei Arbeitsunfällen)
Suizidversuche mit scharfen Gegenständen
Info
In Europa sind stumpfe Verletzungen mit etwa 95 % deutlich häufiger. Hauptursachen sind hierbei Verkehrsunfälle und Stürze.
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Merke
Reminder: Physiolgische Grundlagen:
Das Abdomen enthält zahlreiche lebenswichtige Organe, darunter:
Parenchymatöse Organe wie Leber,Milz,Nieren,Pankreas
Hohlorgane wie Magen,Darm, Blase
Viele dieser Organe liegen intraperitoneal (z.B. Leber, Milz), andere retroperitoneal (z.B. Nieren, Pankreas)
Die Leber ist mit etwa 1,5 L Blutvolumen das am stärksten durchblutete Organ im Körper
Die Milz enthält etwa 200–350 ml Blut und dient als Blutspeicher sowie Immunorgan
Im Bauchraum verlaufen große Blutgefäße (z.B. Aorta, V. cava inferior, Mesenterialgefäße), deren Verletzung schnell zu massiven Blutverlusten führen kann
Klinisch wird das Abdomen in vier Quadranten unterteilt
Der Körper reagiert auf Blutverlust mit einer kompensatorischen Kreislaufreaktion → das Blut wird zentralisiert, um Herz, Lunge und Gehirn prioritär zu versorgen
Blutvolumen / Durchblutung wichtiger Bauchorgane:
Bei einem Abdominaltrauma ist das Blutungsrisiko eng mit dem Blutvolumen und der Durchblutung einzelner Bauchorgane verknüpft. Besonders stark durchblutete Organe wie Leber,Milz bergen ein hohes Risiko für lebensbedrohliche Blutverluste, da Verletzungen zu ausgedehnten intraabdominellen Blutungen führen können.
Die folgende Tabelle ordnet die relevanten Organe hinsichtlich ihrer Durchblutungsrate und ihres potenziellen Blutverlusts bei Verletzung ein und unterstützt damit das pathophysiologische Verständnishämodynamischer Entgleisungen nach Abdominaltrauma.
Organ
Blutvolumen / Durchblutung
Leber
ca. 1500 ml/min
Milz
ca. 200–350 ml Blutvolumen
Nieren
ca. 1200 ml/min (zusammen)
Dünndarm
ca. 700–1.000 ml/min
Dickdarm
ca. 400–600 ml/min
Pankreas
ca. 150–300 ml/min
Magen
ca. 300–400 ml/min
Nebennieren
ca. 50–60 ml/min
Blase
variabel, ca. 60–120 ml/min
Durch stumpfe oder penetrierende Gewalt kann es zu Gefäß- oder Organverletzungen kommen → innere Blutung
Besonders bei Verletzungen von Leber, Milz, großen Gefäßen oder dem Mesenterium drohen massive Blutverluste
Folge ist ein hämorrhagischer Schock mit:
Hypotonie
Tachykardie
Zentralisation
Bei anhaltender Blutung → Gerinnungsfaktoren werden verbraucht → Koagulopathie
Sauerstofftransport und Organperfusion verschlechtern sich → Hypoxie, Gewebe-Azidose, Multiorganversagen
Merke
Zusammenfassung: Die kritischen Probleme bei einem Abdominaltrauma
Hämorrhagischer Schock
Koagulopathie
Hypoxie
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Allgemeine Zeichen
Zeichen des Volumenmangelschocks:
Kaltschweißigkeit, blasse Haut, Tachypnoe → später Hypotonie
Akute Schmerzen
Abwehrspannung
Rigidität (Starrheit) der Bauchdecke
Ggf. Vigilanzminderung
Spezielle Zeichen
Stumpfes Bauchtrauma:
Prellmarken, Hämatome (z.B. durch Sicherheitsgurt oder Lenkrad)
Schürfwunden im Bauchbereich
Penetrierendes Bauchtrauma:
Sichtbare Wunde im Bauchbereich:
Stich-, Schuss- oder Pfählungsverletzung
Bei Schussverletzungen häufig mit Ein- und Austrittswunde
Offene Bauchhöhle / Perforation der Bauchwand:
Sichtbares Austreten von Darm oder Organanteilen (Eviszeration)
Fettgewebe oder Peritoneum erkennbar
Blutung an der Eintrittsstelle
Achtung
„Red Flags“
Abwehrspannung, Rigidität der Bauchdecke
Sichtbare Prellmarken
Hämodynamische Instabilität
Vigilanzminderung
Sichtbares Austreten von Darm oder Organanteilen (Eviszeration)
Generalisierte Zeichen
Typische Begleitverletzungen nach Trauma
Übelkeit
Erbrechen
Angst / Panik
Zittern
Schwitzen
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Achtung
Diagnostisch steht die frühzeitige Erkennung einer potenziell lebensbedrohlichen inneren Blutung im Vordergrund.Hierzu soll im Rahmen des xABCDE-Schemas eine schnelle Traumauntersuchung (STU) durchgeführt werden.
→ Bei klinischem Verdacht auf eine kritische innere Blutung ist unverzüglich eine Transportpriorisierung einzuleiten, um eine schnelle weiterführende Versorgung in einer geeigneten Klinik sicherzustellen.
Anamnese
Aktuelle Anamnese:
S (Symptome): Zeichen des Volumenmangelschocks, akute Schmerzen, Abwehrspannung, Rigidität der Bauchdecke, ggf. Vigilanzminderung
Stumpfes Bauchtrauma? → Prellmarken, Hämatome (z.B. durch Sicherheitsgurt oder Lenkrad), Schürfwunden im Bauchbereich
Penetrierendes Bauchtrauma? → Sichtbare Wunden (Stich-, Schuss-, Pfählungsverletzungen), sichtbares Austreten von Darm oder Organanteilen (Eviszeration), starke Blutung?
A (Allergien, Infektionen)
M (Medikation): Dauermedikation, vor allem relevant:
Antikoagulantien
Thrombozytenaggregationshemmer
P (Patientengeschichte):
Voroperationen am Abdomen mit potenziellen Verwachsungen oder Gefäßerkrankungen?
Bekannte Gerinnungsstörung?
L (Letzte…): Letzte Flüssigkeits- und Nahrungsaufnahme? → Relevant für Narkoseeinleitung
E (Ereignis): Genauen Traumahergang beachten, z.B. stumpfe oder spitze Gewalteinwirkung?
R (Risiko): Antikoagulation, Voroperationen am Abdomen mit potenziellen Verwachsungen oder Gefäßerkrankungen
S (Schwangerschaft): Mögliche Schwangerschaft bei Patient:innen beachten → schwangerschaftsspezifische Komplikationen eines Traumas beachten, z.B. vorzeitige Plazentaablösung
Tipp
Nutze Schemata
Um die Anamnese strukturiert durchzuführen, bietet es sich an, Schemata wie das SAMPLERS oder OPQRST-Schema zu nutzen. Am obigen Beispiel haben wir Fragen und Befunde dargestellt, die bei dem Verdacht auf ein Abdominaltrauma abgefragt werden sollten und vorliegen könnten.
Körperliche Untersuchung
Info
Die körperliche Untersuchung entspricht grundsätzlich dem Vorgehen bei polytraumatisierten Patient:innen. In diesem Abschnitt wird ausschließlich auf die orientierende Untersuchung des Abdomens eingegangen. Weitere Informationen findest du im Artikel: Polytrauma (RD).
Merke
Entscheidend für die frühzeitige Erkennung eines Abdominaltraumas sind vor allem die Inspektion, die Palpation, die Beurteilung der Vitalzeichen sowie die E-FAST Sonografie.
Inspektion:
Auf sichtbare äußere Verletzungen, als Hinweis auf resultierende Verletzung, achten
Prellmarken, Hämatome
Stich-, Schuss-, Pfählungsverletzungen
Sichtbares Austreten von Darm oder Organanteilen
Schonhaltung
Abdomen aufgebläht? (Hinweis für intraabdominelle Blutung)
Tipp
Bei Schussverletzungen ist unbedingt nach einer möglichen Austrittswunde zu suchen, da das Projektil den Körper vollständig durchdringen kann.
Palpation:
Ziel der Palpation beim Abdominaltrauma ist das Erkennen von Abwehrspannung oder Rigidität der Bauchdecke, da diese Hinweise auf eine potenziell lebensbedrohliche intraabdominelle Verletzung geben können
Die Palpation sollte in den schmerzfreien Bereichen des Abdomens beginnen, und während der gesamten Untersuchung sollte auf die Mimik des Patienten geachtet werden
Die Palpation des Abdomens soll in den vier Quadranten des Bauches durchgeführt werden
Anhand der Schmerzlokalisation in Verbindung mit der anatomischen Lage der Organe lassen sich erste klinische Verdachtsdiagnosen ableiten
Achtung
Die Abwehrspannung ist bis zum sicheren Ausschluss einer schwerwiegenden Ursache stets als Hinweis auf eine relevante intraabdominelle Blutung zu werten. Sie kann jedoch ebenso durch eine Reizung des Bauchfells im Rahmen einer penetrierenden Verletzung verursacht werden.
Perkussion:
Die Perkussion des Abdomens spielt in der initialen Diagnostik eines Abdominaltraumas nur eine untergeordnete Rolle. Gründe hierfür sind:
Geringe Aussagekraft bei akuten Traumapatient:innen: → Durch Schmerzen, Muskelverspannung oder Abwehrspannung ist eine verwertbare Perkussion oft nicht möglich
Verzögerung dringlicherer Diagnostik: → In der Akutversorgung zählt jede Minute. Die Perkussion bringt keine entscheidenden Informationen für die weitere Behandlung
Veränderte Luftverteilung bei Trauma: → Darmatonie (Tonusverlust der Darmmuskeln), innere Blutungen oder Perforation können den Perkussionsbefund verfälschen oder maskieren
Auskultation:
Die Auskultation des Abdomens ist bei der initialen Diagnostik eines Abdominaltraumasmöglich, spielt jedoch nur eine untergeordnete Rolle. Sie kann ergänzend eingesetzt werden, soll jedoch die Durchführung wichtiger Maßnahmen nicht verzögern
Keine zuverlässige Aussage über Verletzungsschwere
Verzögerung der Versorgung ohne echten Mehrwert
Peristaltik kann auch bei schwerem Trauma noch normal klingen
Vitalparameter:
Info
Die Vitalparameter von Patient.innen mit einem Abdominaltrauma sind sowohl von der Art und Schwere der Verletzung als auch von der jeweiligen Schockphase abhängig. Diese können in der initialen Kompensationsphase noch unauffällig erscheinen, während sie im fortgeschrittenen Stadium zunehmend entgleisen und deutliche Hinweise auf eine drohende Kreislaufdekompensation geben.
Kompensationsphase:
Tachykardie
Normotension oder leicht erniedrigter Blutdruck
Tachypnoe
Peripher kühle Haut, verlängerte Rekap-Zeit
Kaltschweißigkeit
Dekompensationsphase:
Hypotonie
Bradykardie oder ausgeprägte Tachykardie
Ateminsuffizienz
Marmorierte, zyanotische Haut
Bewusstseinsstörung bis Bewusstlosigkeit
Hypothermie, v.a. bei längerer Bewegungseinschränkung oder kalter Umgebungstemperatur möglich
Typische Verletzungsmuster
Tipp
Häufige Verletzungen
Bei stumpfen Abdominaltrauma sind vor allem parenchymatöse Organe betroffen, insbesondere die Milz (in etwa 32 %) und die Leber (rund 20 % der Fälle)
Verletzungen des Nephro- und Urogenitaltrakts treten bei bis zu 40 % der stumpfen Bauchtraumen auf
Die häufigste Ursache für stumpfe Harnblasenverletzungen sind Verkehrsunfälle, die in etwa 90 % der Fälle verantwortlich sind
Patient:innen mit einer stumpfen Harnblasenverletzung haben in rund 70 % der Fälle eine begleitende Beckenfraktur und in etwa 44 % zusätzlich mindestens eine weitere intraabdominelle Verletzung
Leberverletzung:
Druckschmerz im rechten Oberbauch
Prellmarke / Hämatom über dem rechtenRippenbogen
Schmerzverstärkung bei Inspiration (Leberkapselschmerz)
Ggf. Ausstrahlung in rechte Schulter (Zwerchfellreizung)
Häufig bei stumpfem Trauma durch Aufprall auf Lenkrad/Gurt
Definition
Leberkapselschmerz
Wenn es durch ein Trauma zu Einblutungen oder Ödemenin der Leber kommt, dehnt sich das Lebergewebe aus, was wiederum die Kapsel unter Spannung setzt. Diese Spannung ist schmerzhaft, weil die Glisson-Kapsel sensibel innerviert ist (v.a. über Nerven des Plexus coeliacus und des N. phrenicus).
Bei der Inspiration kommt es typischerweise zu einer Schmerzverstärkung, da sich dabei das Zwerchfell senkt und die Leber nach unten drückt → die Kapsel wird dabei gedehnt
Milzverletzung:
Druckschmerz im linken Oberbauch
Prellmarke über linkemRippenbogen
Kehr-Zeichen: Ausstrahlung des Schmerzes in die linke Schulter (Hinweis auf freie Flüssigkeit im Abdomen)
Ggf. tastbare Resistenz bei subkapsulärem Hämatom
Achtung
Zweizeitige Milzruptur
Nach einem stumpfen Bauchtrauma besteht stets die Gefahr einer zweizeitigen Milzruptur.Diese tritt verzögert auf, teilweise erst Stunden oder Tage nach dem Unfall und kann zu einer plötzlichen, lebensbedrohlichen Blutung führen.
→ Daher ist auch bei zunächst unauffälligen Vitalzeichen eine engmaschige Überwachung zwingend erforderlich, wenn der Verdacht auf eine Milzverletzung besteht.
Bildgebung
Ultraschall:
Tipp
Die Durchführung der eFAST-Untersuchung bereits in der präklinischen Phase ermöglicht die frühzeitigeIdentifikationlebensbedrohlicherinnererBlutungenoderLuftansammlungen und unterstützt somit entscheidend die Priorisierung, Behandlung und Auswahl der Zielklinikwahl von Traumapatient:innen.
Die E-FAST Sonographie (Extended Focused Assessment with Sonography for Trauma) ist eine fokussierte Untersuchung von Traumapatient:innen. Hierbei werden 4 Regionen untersucht, in denen sich freie Flüssigkeit ansammeln kann. Bis zum Beweis des Gegenteils ist jede Flüssigkeitsansammlung als Blutung zu werten.
Suprapubischer Längs-/Querschnitt: ♀Excavatio rectouterina (Douglas-Raum) bzw. ♂Excavatio rectovesicalis (Proust-Raum)
Subxiphoidal: perikardiale Flüssigkeit
Pleura: zur Detektion eines Pneumothorax (physiologisch: „Ameisenlaufen“ = Pleurabewegungen; Barcode-Zeichen im M-Mode → Hinweis für einen Pneumothorax)
Achtung
Unter keinen Umständen darf bei einem hämodynamisch instabilen Patienten mit bretthartem Abdomen eine ausführliche präklinische Sonografie den zeitkritischen Transport und damit die dringend erforderliche chirurgische Versorgung in der Klinik verzögern.
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Merke
Eine effektive präklinische Blutstillung ist bei intraabdominellen Blutungen nicht möglich. Daher ist es umso wichtiger, am Einsatzort ausschließlich unmittelbar lebensrettende Maßnahmen durchzuführen und den Fokus auf einen schnellen Transport zu legen. Hierzu wird das Prinzip der Damage Control Resuscitation (DCR) angewendet:
Durch eine differenzierte und frühzeitige Voranmeldung in der Zielklinik kann die Zeit bis zur chirurgischen Blutstillung entscheidend verkürzt werden.
Definition
Damage Control Resuscitation (DCR)
Damage Control Resuscitation (DCR) ist ein präklinisches und klinisches Behandlungskonzept für schwer verletzte Patient:innen mit massiver Blutung, insbesondere bei Abdominaltrauma. Ziel ist es, durch gezielte Maßnahmen die letale Trias aus Hypothermie, Azidose und Koagulopathie zu verhindern oder zu durchbrechen.
Zentrale Bestandteile sind:
Permissive Hypotonie: begrenzte Volumengabe, um ein kontrolliertes Maß an Blutdruck aufrechtzuerhalten (systolisch ~80 mmHg), ohne neue Blutungen zu provozieren
Frühe Gerinnungsstabilisierung: Gabe von Tranexamsäure, wenn vorhanden zusätzlich Blutprodukte + Fibrinogen
Vermeidung von Hypothermie: Wärmeerhalt
Standardmaßnahmen
Sauerstoffgabe / Atemwegssicherung: bei Patient:innen mit einer verminderten Sauerstoffsättigung (Hypoxie) wird Sauerstoffverabreicht, um die Sauerstoffversorgung des Gewebeszuverbessern und die FunktionlebenswichtigerOrganesicherzustellen → Beim Abdominaltrauma ist eine Normoxie anzustreben
Temperaturmanagement: Eine Hypothermie führt zu einer reduzierten Enzymaktivität der Gerinnungskaskade, was eine verstärkte Blutungsneigung begünstigen kann → Daher wird prähospital eine Normothermie angestrebt, wobei bei Bedarf ein aktiver Wärmeerhalt durchgeführt wird
Intravenöser Zugang: Beim Abdominaltrauma ist die Anlage von 1 bis 2 großlumigen i.v.-Zugängen essenziell. → Voraussetzung für Volumensubstitution, ggf. Gabe von Blutprodukten
Voranmeldung in der Zielklinik: Durch eine differenzierte und frühzeitige Voranmeldung in der Zielklinik kann die Zeit bis zur chirurgischen Blutstillung entscheidend verkürzt werden. → Bei intraabdomineller Blutung in Kombination mit hämodynamischer Instabilität muss unverzüglich die nächstgelegene Klinik mit chirurgischer Interventionsmöglichkeit angesteuert werden, auch wenn es sich nicht um ein zertifiziertes Traumazentrum handelt
Achtung
Prioritäten setzen!
NichtlebensrettendeMaßnahmen, wie die Versorgung von Begleitverletzungen, dürfen nichtdenTransportverzögern. Sie sollen ausschließlich während der Fahrt durchgeführt werden, um keine wertvolle Zeit bis zur lebensrettenden chirurgischen Versorgung in der Klinik zu verlieren.
Kreislauf- und Gerinnungsmanagement
Volumensubstitution:
Es erfolgt eine restriktive Flüssigkeitsgabe, um eine übermäßige Blutdruckerhöhung, eine Verschlechterung der Gerinnung und ein damit verbundenes schlechteres Outcome zu vermeiden
Bei intraabdomineller Blutung:
Das Ziel ist ein systolischer Blutdruck von etwa 80 mmHg bzw. ein mittlerer arterieller Druck (MAD) von ca. 65 mmHg im Sinne einer permissiven Hypotonie
Gerinnungsmanagement:
Frühzeitige Gabe von Tranexamsäure (TXA): Bei Patient:innen mit einem manifesten oder drohenden hämorrhagischen Schock sollte so früh wie möglich Tranexamsäure 1 g i.v. über 10 Minuten verabreicht werden
Prähospitale Blutprodukte: Auch wenn die Studienlage zu einem konkreten Outcome-Vorteil derzeit uneinheitlich ist, gilt eine frühe prähospitale Transfusion als sinnvoll und potenziell lebensrettend
Gabe von Fibrinogen: Bei lebensbedrohlichen Blutungen und/oder hämorrhagischem Schock kann zusätzlich zur Volumen- und Gerinnungstherapie die Gabe von Fibrinogen 3-6 g bzw. 30-60 mg/kgKg i.v. erwogen werden
Info
Vorhaltung von Blutprodukten und Fibrinogen
Die Verfügbarkeit von Blutprodukten nimmtin Deutschland kontinuierlich zu, insbesondere durch die zunehmende Ausstattung von Rettungshubschraubern und spezialisiertenEinsatzfahrzeugen wie dem MedicalInterventionCare
Fibrinogenpräparate stehen im präklinischen Bereich bislang nur sehr eingeschränkt zur Verfügung und stellen daher eherdieAusnahme dar
Umgang mit Wunden
Fremdkörperverletzungen:
Keine Manipulation an Stichwunden: Die Wunde soll nicht untersucht oder „nachgeschaut“ werden, wie tief oder schwer die Verletzung ist
Fremdkörper in Wunde belassen: sie wirken als Tamponade und verhindern weitere Blutung
Versorgung von Fremdkörperverletzungen: Fremdkörper in Position fixieren und ggf. für den Transport bei Bedarf sicher kürzen
Info
Versorgung von Fremdkörperverletzungen
Eintrittsstelle abdecken:
Die Eintrittsstelle des Fremdkörpers wird zunächst mit einer sterilen Kompresse abgedeckt, um das Wundareal zu schützen und die Kontaminationsgefahr zu minimieren
Tipp: Es empfiehlt sich, eine Seite der Kompresse einzuschneiden, um sie leichter um den Fremdkörper herumlegen zu können, ohne diesen zu bewegen
Stabilisierung des Fremdkörpers:
Zur seitlichenStabilisierung werden zwei aufgerollte Mullbinden oder Verbandpäckchen links und rechts direkt neben dem Fremdkörper platziert
Diese Maßnahme schränkt die Beweglichkeit des Fremdkörpers ein
Fixierung mit Verbandmaterial:
Anschließend wird der gesamte Bereich mit Verbandmaterial umwickelt, sodass alles sicher fixiert wird
Dabei muss darauf geachtet werden, dass der Fremdkörper selbst nicht bewegt wird
Bei offenem Abdomen:
Darmanteile nicht reponieren: Austretende Darmschlingen dürfen nicht zurück in den Bauchraum gedrückt werden, da dies Gewebe schädigen oder Infektionen verursachen kann
Steril abdecken: Ein steriles Verbandtuch soll mit Infusionslösung (z.B. NaCl 0,9 %) befeuchtet und anschließend großflächig über die Wunde gelegt werden, um Austrocknung und Kontamination zu vermeiden
Achtung
Keine Kompressen zur Abdeckung verwenden!
Gefahr, dass diese im Bauchraum „verschwinden“
Kompressen sind in der operativen Versorgung schwer auffindbar
Blutungskontrolle
Merke
Eine effektive präklinische Blutstillung ist bei intraabdominellen Blutungen nicht möglich.
Die einzige präklinisch mögliche Methode, eine intraabdominelle Blutung gezielt zu kontrollieren, ist der Einsatz von REBOA (Resuscitative Endovascular Balloon Occlusion of the Aorta).
REBOA zählt zu den invasiven, lebensrettenden Notfallmaßnahmen zur temporäreninnerenBlutungskontrolle.
Für die Durchführung dieser Maßnahmen sind hoch-spezialisierteEinsatzteamsmitentsprechenderAusbildungundAusrüstung erforderlich. In der Regel kommen hierfür spezialisierteMIC-Teams (Mobile Intensive Care) oder Notfallteams der Luftrettung infrage, die über das notwendige Fachwissen, Personal und Material verfügen.
Info
Detaillierte Informationen hierüber findest du im Abschnitt „Besondere Situationen“.
Analgesie
Merke
Eine frühzeitige und ausreichend dosierte Analgesie ist ein zentraler Bestandteil der präklinischen Versorgung von Traumapatient:innen, da unzureichend behandelte Schmerzen nicht nur das subjektive Erleben verschlechtern, sondern auch physiologische Stressreaktionen mit potenziell negativen Auswirkungen auf Kreislauf, Atmung und Heilungsverlauf auslösen können.
Medikamentöse Maßnahmen:
Die Wahl des geeigneten Analgetikums in der präklinischen Versorgung hängt von zahlreichen Faktoren ab, insbesondere vom klinischen Zustand der erkrankten Person, sowie von der Erfahrung und Qualifikation des Behandelnden. Die folgenden Medikamente finden häufig Anwendung:
Opioide:
Fentanyl
Morphin
Sufentanil
Esketamin
→ Ziel der Schmerztherapie ist eine Reduktion der Schmerzen auf einen Wert von ≤4 auf der Schmerzskala, um eine ausreichende Analgesie sicherzustellen und das Wohlbefinden der erkrankten Person zu verbessern
Weitere Maßnahmen
Kontinuierliche Überwachung der Vitalparameter
Allgemeine Versorgung von Begleitverletzungen
Entkleidung von Patient:innen → Ausschluss von Begleitverletzungen
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REBOA
Definition
REBOA (Resuscitative Endovascular Balloon Occlusion of the Aorta)
Dabei handelt es sich um ein minimalinvasives Verfahren, bei dem ein Ballonkatheter über die Femoralarterie in die Aorta eingebracht und dort aufgeblasen wird, um die distale Perfusion zu unterbrechen und den Blutfluss zu zentralen Organen (Herz, Gehirn) zu erhalten. Gleichzeitig wird so eine temporäre Blutungskontrolle bei nicht-komprimierbaren Blutungen im Abdomen oder Becken ermöglicht.
Anatomische Orientierung zur sicheren REBOA-Anwendung
Für die korrekte und sichere Anwendung der REBOA-Technik ist ein solides Verständnis der aortalen Anatomie essenziell. Der Gefäßzugang erfolgt über die A. femoralis communis in der Leiste. Über eine dort platzierte Schleuse wird der Ballonkatheter über die A. iliaca externa,A. iliaca communis und die Aortenbifurkation in die entsprechende Zone der Aorta vorgeschoben.
Die aortalen Zonen sind wie folgt definiert:
Zone 1: reicht vom Abgang der linken A. subclavia bis direkt oberhalb des Truncus coeliacus
Okklusion (Verschluss) bei abdominellen Blutungen
Zone 2: Bereich zwischen Truncus coeliacus und dem Abgang der A. renalis
Non-Okklusion Zone, da eine Katheterblockade in diesem Bereich keinen therapeutischen Nutzen bringt, aber das Risiko einer intestinalen Ischämie sowie einer Verletzung oder Ruptur der Darm- und Nierengefäße birgt. Diese Gefahren lassen sich durch eine Okklusion in Zone III weitgehend vermeiden.
Zone 3: vom Abgang der Nierenarterien bis zur Aortenbifurkation
Okklusion bei Beckenfraktur oder Amputation stammnaher unterer Extremität
Tipp
Katheter abmessen
Zur besseren Positionskontrolle kann der REBOA-Katheter vor der Einführung entlang des Körpers von der Punktionsstelle in der Leiste bis zur Zielzone abgemessen werden. Diese Methode unterstützt eine präzise Positionierung, insbesondere wenn keine bildgebende Kontrolle verfügbar ist.
Zur grobenOrientierung können folgendeLandmarken hilfreich sein:
Zone 1 reicht vom unteren Rand des Halses bis zum Ende des Brustbeins
Zone 2 geht vom Ende des Brustbeins bis etwa zur Mitte zwischen Brustbeinende und Bauchnabel
Zone 3 beginnt ab diesem Punkt und reicht bis etwa zum Bauchnabel
Schritt 1 - Gefäßzugang und Katheterplatzierung:
Für die REBOA-Anlage ist ein sicherer Zugang zur A. femoralis communis essenziell. Es stehen zwei Verfahren zur Verfügung:
Perkutane Punktion in Seldinger-Technik:
Blindpunktion oder ultraschallgestützt
Bei tastbarem Puls ggf. palpatorisch
Bei Kreislaufinstabilität sollte Ultraschall bevorzugt eingesetzt werden
Chirurgischer Zugang (Cut-down):
Freilegung der Leistengefäße und direkte Einbringung der Schleuse
Fixierung der Schleuse
Schritt 2 - Einführen des REBOA Kathters:
Der REBOA-Katheter bis in die gewünschte Zielzone vorgeschoben
Schritt 3 - Okklusionsphase:
Ballonokklusion erfolgt vorsichtig mit der für das Kathetersystem vorgesehenen Füllmenge
Ziel: Kreislaufstabilisierung durch Erhöhung der Perfusion in zentralen Organen (Herz, Gehirn)
Tipp
Nach der Okklusion sollte es zu einer Kreislaufstabilisierung kommen, wenn der Katheter richtig platziert wurde.
Schritt 4 - Lagekontrolle des Katheters:
Zone 1: Prähospital schwierig → Orientierung z.B. über tastbaren Puls in der linken A. radialis (zeigt, dass der Ballon nicht zu hoch liegt)
Zone 3: Prähospital möglich mittels Ultraschall
Tipp
ModerneKatheter verfügen über einen integrierten Druckmesskanal zur invasiven Blutdrucküberwachung. Diese Funktion sollte bereits während des Vorschiebens des Katheters genutzt werden, um einerseits die korrekteintraarterielleLagezubestätigen und andererseits den BlutdruckanstiegunterAortenokklusioninEchtzeitüberwachen zu können.
Besonderheiten und Komplikationen:
Okklusion in Zone 1 führt zu starker Nachlasterhöhung
Risiko: kardiale Dekompensation bei vorbelastetem Herzen
In Zone 3 ist die Nachlasterhöhung deutlich geringer → Komplikationen sind seltener
Zeitmanagement und Prognose:
Mit dem ZeitpunktderAortenokklusion beginnt die Ischämiezeit, die bei prähospitaler Anwendung die gesamte Dauer bis zur endgültigen chirurgischen Blutungskontrolle im Traumazentrum einschließt
Um ein ischämiebedingtes Multiorganversagen zu verhindern, sollte die Dauer der Aortenokklusion auf ein absolutes Minimum beschränkt werden
Zone
Empfohlene maximale Okklusionszeit
Hinweise
1
unter 45 Minunten
bis 30 Minunten gilt als sicher
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bis zu 60 Minunten
bei partieller REBOA oder intermittierender Reperfusion möglich
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Die Wahl des Zielkrankenhauses ist abhängig vom individuellen Fall und richtet sich nach der Art der Verletzung, um eine optimale Versorgung zu gewährleisten. Patient:innen mit intraabdomineller Blutung und hämodynamischer Instabilität müssen unmittelbar in eine nächstgelegene Klinik mit der Möglichkeit zur chirurgischen Intervention gebracht werden.
Die Klinik muss nicht zwangsläufig ein zertifiziertes Traumazentrum sein. Entscheidend ist die schnelle Verfügbarkeit einer operativen Versorgung
Die Zielklinikwahl dient dazu, ohne Verzögerung eine mögliche notwendige Blutstillung oder operative Therapie zu ermöglichen und somit das Überleben zu sichern
Ggf. erfolgt nach der initialen Versorgung eine Verlegung in eine andere Klinik, z.B. Traumazentrum
Es sollte auf freie Atemwege geachtet werden und eine ständige Überwachung der Vitalparameter erfolgen. Bei instabiler Kreislaufsituation sollte der Transport unter kontinuierlicher Kreislaufüberwachung und gegebenenfalls medikamentöser Unterstützung erfolgen
Erfolgt der TransportunterBeatmung, müssen die Beatmungseinstellungen gründlich überwacht und auf den jeweiligen Patient:innenzustand angepasst werden
Bei Vorliegen einer Mehrfachverletzung sollte der Transport der Patientin bzw. des Patienten gegebenenfalls unter Immobilisation erfolgen, insbesondere bei Verdacht auf Wirbelsäulen- oder Beckenverletzungen
Merke
Zusammenfassung Transport
Zielkrankenhaus: nächstgelegene Klinik mit Verfügbarkeit einer operativen Versorgung
Zügiger Transport
Konsequente Überwachung der Vitalparameter
Ggf. Überwachung von Beatmungsparametern
Nicht lebensrettende Maßnahmen, wie die Versorgung von Begleitverletzungen ggf. während dem Transport durchführen
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Definition:
Definition
Ein Abdominaltrauma bezeichnet alle Verletzungen im Bauchbereich, die durch stumpfe, spitze oder scharfe Gewalteinwirkungen sowie durch Akzelerations-, Dezelerationstraumen oder Explosionen entstehen können.
Ursachen:
Stumpfe Gewalteinwirkung:
Verkehrsunfälle
Stürze
Schläge oder Tritte
Penetrierende Gewalteinwirkung:
Stichverletzungen (z.B. Messerattacken, Unfälle mit scharfen Gegenständen)
Schussverletzungen
Pfählungsverletzungen (z.B. durch Stürze auf spitze Gegenstände)
Pathophysiologie:
Durch stumpfe oder penetrierende Gewalt kann es zu Gefäß- oder Organverletzungen kommen → innere Blutung
Besonders bei Verletzungen von Leber, Milz, großen Gefäßen oder dem Mesenterium drohen massive Blutverluste
Folge ist ein hämorrhagischer Schock mit:
Hypotonie
Tachykardie
Zentralisation
Bei anhaltender Blutung → Gerinnungsfaktoren werden verbraucht → Koagulopathie
Sauerstofftransport und Organperfusion verschlechtern sich → Hypoxie, Gewebe-Azidose, Multiorganversagen
Klinischer Eindruck:
Allgemeine Zeichen:
Zeichen des Volumenmangelschocks: Kaltschweißigkeit, blasse Haut, Tachypnoe → später Hypotonie
Akute Schmerzen
Abwehrspannung
Spezielle Zeichen stumpfes Abdominaltrauma:
Prellmarken, Hämatome (z.B. durch Sicherheitsgurt oder Lenkrad)
Schürfwunden im Bauchbereich
Spezielle Zeichen penetrierendes Bauchtrauma:
Sichtbare Wunde im Bauchbereich:
Stich-, Schuss- oder Pfählungsverletzung
Bei Schussverletzungen häufig mit Ein- und Austrittswunde
Offene Bauchhöhle / Perforation der Bauchwand:
Sichtbares Austreten von Darm oder Organanteilen (Eviszeration)
Fettgewebe oder Peritoneum erkennbar
Blutung an der Eintrittsstelle
Diagnostik:
Achtung
Diagnostisch steht die frühzeitige Erkennung einer potenziell lebensbedrohlichen inneren Blutung im Vordergrund. Hierzu soll im Rahmen des xABCDE-Schemas eine schnelle Traumauntersuchung (STU) durchgeführt werden.
→ Bei klinischem Verdacht auf eine kritische innere Blutung ist unverzüglich eine Transportpriorisierung einzuleiten, um eine schnelle weiterführende Versorgung in einer geeigneten Klinik sicherzustellen.
Inspektion und Palpation sind wegweisend
Bei Schussverletzungen aktiv nach Austrittswunde suchen
E-FAST zur frühzeitigen Identifikation intraabdomineller Blutungen
Typische Verletzungsmuster beachten, vor allem:
Leberverletzung
Milzverletzung
Vitalparameter abhängig von Schockstadium
Therapie:
Merke
Eine effektive präklinische Blutstillung ist bei intraabdominellen Blutungen nicht möglich. Daher ist es umso wichtiger, am Einsatzort ausschließlich unmittelbar lebensrettende Maßnahmen durchzuführen und den Fokus auf einen schnellen Transport zu legen. Hierzu wird das Prinzip der Damage Control Resuscitation (DCR) angewendet:
Durch eine differenzierte und frühzeitige Voranmeldung in der Zielklinik kann die Zeit bis zur chirurgischen Blutstillung entscheidend verkürzt werden.
Oxygenierung sicherstellen
Therapie gemäß DCR:
Permissive Hypotonie: Begrenzte Volumengabe, um ein kontrolliertes Maß an Blutdruck aufrechtzuerhalten (systolisch ~80 mmHg), ohne neue Blutungen zu provozieren
Frühe Gerinnungsstabilisierung: Gabe von Tranexamsäure, wenn vorhanden zusätzlich Blutprodukte + Fibrinogen
Vermeidung von Hypothermie: Wärmeerhalt
Besonderheiten bei offenen Abdomen beachten:
Darmteile nicht reponieren
Steril und feucht abdecken (keine Kompressen verwenden)
Ausreichende Analgesie
Ggf. Blutungskontrolle durch REBOA
Besondere Situationen:
Definition
REBOA (Resuscitative Endovascular Balloon Occlusion of the Aorta)
Dabei handelt es sich um ein minimalinvasives Verfahren, bei dem ein Ballonkatheter über die Femoralarterie in die Aorta eingebracht und dort aufgeblasen wird, um die distale Perfusion zu unterbrechen und den Blutfluss zu zentralen Organen (Herz, Gehirn) zu erhalten. Gleichzeitig wird so eine temporäre Blutungskontrolle bei nicht-komprimierbaren Blutungen im Abdomen oder Becken ermöglicht.
Weitere Therapie im klinischen Setting:
Schockraumversorgung (erneute Notfallsonografie zur raschen Einschätzung intraabdomineller Verletzungen)
Operative Versorgung:
Laparotomie
Laparoskopie
Damage Control Surgery
Weitere Therapie auf Station (Engmaschige Überwachung, Wundkontrolle, Antibiotikatheraphie)
Transport:
Merke
Zusammenfassung Transport
Zielkrankenhaus: nächstgelegene Klinik mit Verfügbarkeit einer operativen Versorgung
Zügiger Transport
Konsequente Überwachung der Vitalparameter
Ggf. Überwachung von Beatmungsparametern
Nicht lebensrettende Maßnahmen, wie die Versorgung von Begleitverletzungen ggf. während dem Transport durchführen
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Tipp
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