Ein Abdominaltrauma umfasst Verletzungen des Bauchraums durch stumpfe oder penetrierende Gewalteinwirkung. Während stumpfe Traumata insbesondere Milz, Leber und retroperitoneale Strukturen betreffen können, besteht bei penetrierenden Verletzungen zusätzlich ein erhöhtes Risiko für Schäden an Hohlorganen, Mesenterium und Gefäßen. Die wichtigsten akuten Gefahren sind eine nicht komprimierbare intraabdominelle Blutung mit hämorrhagischem Schock, eine Kontamination der Bauchhöhle sowie die Entwicklung einer traumainduzierten Koagulopathie.
Klinische Warnzeichen sind unter anderem Bauchschmerzen, Druckschmerz, Abwehrspannung, Prellmarken, abdominelle Distension, Tachykardie und hämodynamische Instabilität. Ein zunächst normaler Blutdruck schließt einen relevanten Blutverlust nicht aus. Die Diagnostik erfolgt strukturiert nach dem xABCDE-Schema und umfasst die wiederholte klinische Untersuchung sowie gegebenenfalls eine eFAST-Sonografie. Ein unauffälliges eFAST kann eine intraabdominelle oder retroperitoneale Verletzung jedoch nicht sicher ausschließen.
Da eine innere Blutung präklinisch nicht definitiv kontrolliert werden kann, stehen Damage Control Resuscitation, Wärmeerhalt, kreislaufadaptierte Analgesie, restriktive Volumentherapie und gegebenenfalls eine frühzeitige Gerinnungsstabilisierung im Vordergrund. Entscheidend sind eine kurze Einsatzstellenzeit, die frühzeitige Voranmeldung und der schnelle Transport in eine geeignete Klinik zur operativen oder interventionellen Blutungskontrolle.
Um den Einstieg in das Thema Abdominaltrauma etwas zu erleichtern, wird im Folgenden ein Fall beschrieben, wie er sich präklinisch ereignen könnte.
Das Szenario
Einsatzmeldung:
Stichwort: „Fahrradsturz“
Ort: Radweg
Alarmzeit: 16:07 Uhr
Anrufer:in: Bekannte der Patientin
Anzahl der Betroffenen: 1
Zusatzinfo:
Weiblich, 19 Jahre alt
Starke Bauchschmerzen
Lageeinweisung vor Ort:
Beim Eintreffen des Rettungsdienstes sitztdie Patientin auf dem Radweg, gestützt von einer Freundin. Die Patientin ist wach, jedoch sichtlich blass und klagt über starke Bauchschmerzen.
Die Lage ist wie folgt:
Die Patientin ist wach und ansprechbar
Sie klagt über zunehmendeSchmerzen im linkenOberbauch sowie über Schmerzen im linken Handgelenk
Die Beschwerden bestehen seit dem Fahrradsturz vor etwa 15 Minuten
Laut Aussage der Patientin prallte sie mitdemBauchgegendenFahrradlenker und fiel anschließend auf den Asphalt. Den Sturz hat sie mit den Händen abgefangen
Es besteht eine sichtbarePrellmarke linksseitig am Bauch
Ersteinschätzung nach xABCDE-Schema
Um sich einen ersten umfassenden Eindruck von einer Patientin oder einem Patienten in einer Notfallsituation zu verschaffen, bietet sich das xABCDE-Schema an. Um die Arbeit mit dem Schema zu veranschaulichen, ist hier ein xABCDE-Schema abgebildet, wie es im Falle einer Ersteinschätzung bei einer Patientin oder einem Patienten mit einem Abdominaltrauma aussehen könnte.
Es handelt sich dabei um die Befunde, die innerhalb der ersten paar Minuten erhoben werden können. Erweiterte Diagnostik und Abfragen sind natürlich von Bedeutung, jedoch würde zum Beispiel die Anlage eines 12-Kanal-EKG in diesem Fall hinten angestellt und taucht zu diesem Zeitpunkt noch nicht auf.
x
Keine kritischen Blutung
A
Atemwege frei
Schleimhäute blass
Patientin spricht selbständig
Kein A-Problem
B
Inspektorisch:
Thoraxexkursion beidseits physiologisch
Keine Halsvenenstauung sichtbar
Regelmäßige Atmung
Auskultatorisch:
Beidseits vesikuläres Atemgeräusch
Palpatorisch:
Thorax insgesamt stabil
Keine Krepitation spürbar
Atemfrequenz: 19/min
SpO2: 98 %
Kein B-Problem
C
Hautkolorit blass
Rekap-Zeit: 3 Sekunden
Große Blutungsräume: Abwehrspannung am Bauch, Prellmarken
Palpation des Pulses am Handgelenk
Rhythmisch
Gut tastbar
Tachykard, 124/min
Akutes C-Problem
D
Wach, ansprechbar
GCS 15
Öffnen der Augen: 4
Beste verbale Reaktion: 5
Beste motorische Reaktion: 6
Pupillenkontrolle:
Isokor
Mittelweit
Lichtreagibel
Kein D-Problem
E
Prellmarke Bauch links
Schmerzen im linken Handgelenk
Temperatur: 37,1 °C
Symptome:
Abwehrspannung + Prellmarke am Bauch linksseitig
Akute Schmerzen
Tachykardie
Allergien / Infektionen: Keine bekannt
Medikamente: Keine Dauer- oder Akutmedikation
Patientengeschichte: Keine Vorerkrankungen
Letzte Mahlzeit: Frühstück, um ca. 10:00 Uhr
Ereignis: Fahrradsturz
Risikofaktoren: Keine
Mittelbares E-Problem
Achtung
Das hier gezeigte Assessment vermittelt nur einen exemplarischen ersten Eindruck von einer Patientin oder einem Patienten mit einem Abdominaltrauma. Im Verlauf der Behandlung müssen weitere Maßnahmen ergriffen und Informationen gesammelt werden. Das Schema erhebt daher keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern soll lediglich einen praktischen Einstieg in das Thema ermöglichen.
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Definition
Abdominaltrauma
Ein Abdominaltrauma bezeichnet alle Verletzungen im Bauchbereich, die durch stumpfe, spitze oder scharfe Gewalteinwirkungen sowie durch Akzelerations-, Dezelerationstraumen (Verletzungen durch starkes Beschleunigen oder Abbremsen) oder Explosionen entstehen können.
Klassifikation
Klinisch unterscheidet man zwischen dem stumpfen und dem penetrierendenAbdominaltrauma:
Form
Definition
Typische Ursachen
Stumpfes Abdominaltrauma
Verletzung des Bauchraums, bei der weder der Peritoneal- noch der Retroperitonealraum eröffnet wird
Verkehrs- oder Arbeitsunfälle, Stürze, Sport- und Freizeitunfälle sowie körperliche Gewalteinwirkung
Penetrierendes Abdominaltrauma
Verletzung des Bauchraums mit Eröffnung des Peritoneal- und/oder Retroperitonealraums
Stich-, Schnitt- oder Schussverletzungen; seltener Explosions- oder Pfählungsverletzungen
Epidemiologie
Bei 20–40 % der Patient:innen mit Polytrauma liegt ein Abdominaltrauma vor
Mit einem Anteil von 85–95 % entstehen Abdominaltraumata überwiegend durch stumpfe Gewalteinwirkung. Penetrierende Verletzungen kommen dagegen deutlich seltener vor
Von einem penetrierenden Abdominaltrauma sind in 89 % der Fälle Männer mittleren Alters betroffen
Häufigkeit von Organverletzungen bei Abdominaltraumata
Organsystem
Stumpfes Abdominaltrauma
Penetrierendes Abdominaltrauma
Milz
20–30 %
8–9 %
Leber
15–20 %
29–34 %
Retroperitoneum
10–15 %
keine Angabe
Mesenterium
10 %
25–30 %
Niere
9 %
14–17 %
Pankreas
9 %
6–7 %
Dünndarm
8 %
48–60 %
Dickdarm
7 %
36–42 %
Magen
keine Angabe
17–18 %
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Merke
Verletzungen der Bauchorgane treten sowohl als isolierte Monoverletzungen als auch im Rahmen eines Polytraumas auf. Etwa 20-40 % der polytraumatisierten Patient:innen erleiden dabei unter anderem auch eine Abdominalverletzung.
Häufige Ursachen
Verkehrsunfälle: Auto-, Motorrad- und Fahrradunfälle können zu einem stumpfen Abdominaltrauma führen. Ein typischer Mechanismus ist der direkte Aufprall des Bauches auf eine Fahrradlenkerstange
Stürze: Insbesondere bei Stürzen aus großer Höhe kann es zu einer stumpfen Gewalteinwirkung auf das Abdomen kommen
Sport- und Freizeitunfälle: Auch im Rahmen sportlicher Aktivitäten und anderer Freizeitunfälle können stumpfe Abdominalverletzungen entstehen
Arbeitsunfälle: Quetschungen durch schwere Gegenstände sowie Verletzungen durch spitze Werkzeuge oder Maschinen können ein stumpfes oder penetrierendes Abdominaltrauma verursachen
Körperliche Gewalt: Tritte und Schläge gegen den Bauch können stumpfe, Stich-, Schnitt- oder Schussverletzungen penetrierende Abdominaltraumata hervorrufen
Suizidversuche: Dringt bei einem Suizidversuch ein scharfer Fremdkörper tief in das Abdomen ein, liegt eine penetrierende Verletzung vor
Explosionen: Eine Druckwelle ohne eindringenden Fremdkörper verursacht eine stumpfe Gewalteinwirkung. Dringen dagegen Splitter oder andere Fremdkörper in das Abdomen ein, handelt es sich um eine penetrierende Verletzung
Wichtige Unfallmechanismen
Direkte stumpfe Krafteinwirkung: Ein unmittelbarer Aufprall auf das Abdomen, etwa auf eine Fahrradlenkerstange, sowie Tritte oder Schläge können ein stumpfes Abdominaltrauma verursachen
Kompression und Quetschung: Schwere Gegenstände können das Abdomen komprimieren oder quetschen und dadurch stumpfe Verletzungen hervorrufen
Sturzmechanismus: Bei einem Sturz aus großer Höhe können erhebliche stumpfe Kräfte auf das Abdomen einwirken
Penetrierende Gewalteinwirkung: Stich-, Schnitt-, Schuss- und Pfählungsverletzungen sowie Verletzungen durch spitze Werkzeuge oder Maschinen können den Bauchraum eröffnen
Explosionstrauma ohne Fremdkörper: Wirkt ausschließlich die Druckwelle auf das Abdomen ein, wird die Verletzung der stumpfen Gewalteinwirkung zugeordnet
Explosionsverletzung mit Fremdkörpern: Eindringende Splitter oder andere Fremdkörper verursachen ein penetrierendes Abdominaltrauma
Info
In Europa sind stumpfe Verletzungen deutlich häufiger. Hauptursachen sind hierbei Verkehrsunfälle und Stürze.
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Merke
Reminder: Physiolgische Grundlagen:
Parenchymorgane: Zu den parenchymatösen Bauchorganen gehören Leber, Milz, Nieren und Pankreas
Verletzungen dieser Organe können aufgrund ihrer Gefäßversorgung mit erheblichen Blutungen einhergehen
Hohlorgane: Magen und Darm zählen zu den abdominellen Hohlorganen
Eine Verletzung kann zum Austritt von Organinhalt und zur Kontamination der Bauchhöhle führen
Harnblase: Die Harnblase ist ein Hohlorgan des kleinen Beckens
Sie liegt extra- beziehungsweise präperitoneal und wird aufgrund ihrer traumatologischen Bedeutung in die Betrachtung abdominopelviner Verletzungen einbezogen
Topografie:
Leber und Milz liegen überwiegend intraperitoneal
Die Nieren befinden sich retroperitoneal
Das Pankreas liegt größtenteils sekundär retroperitoneal
Gefäßversorgung:
Die arterielle Versorgung der Bauchorgane erfolgt über Äste der Aorta abdominalis
Der venöse Abfluss erfolgt je nach Organ über das Pfortadersystem oder über Zuflüsse der V. cava inferior
Die mesenterialen Gefäße versorgen und drainieren insbesondere den Darm
Klinische Orientierung: Das Abdomen kann klinisch in einen rechten oberen, linken oberen, rechten unteren und linken unteren Quadranten eingeteilt werden. Die Periumbilikalregion kann ergänzend separat beschrieben werden
Die Pathophysiologie des Abdominaltraumas wird durch mehrere, teilweise gleichzeitig auftretende Mechanismen bestimmt:
Primäre Gewebeschädigung: Stumpfe oder penetrierende Gewalteinwirkung → Quetschung, Lazeration, Ruptur, Berstung oder Gefäßabriss
Blutung: Verletzung von Parenchymorganen, Gefäßen, Organstielen oder mesenterialen Strukturen → intraabdominelle oder retroperitoneale Blutung
Störung des Kreislaufs: Blutverlust → Hypovolämie, verminderter venöser Rückstrom und Abfall des Herzzeitvolumens → hämorrhagischer Schock
Kontamination der Bauchhöhle: Verletzung von Magen, Duodenum oder Darm → Austritt von Magen-Darm-Inhalt → Entzündungsreaktion, Peritonitis und Sepsisrisiko
Traumainduzierte Koagulopathie: Schock und Gewebehypoxie sowie weitere gerinnungswirksame Faktoren → gestörte Blutstillung und verstärkte Blutungsneigung
Erhöhung des intraabdominellen Drucks: Trauma, Blutungen, massive Volumengabe oder andere Volumenzunahmen → Kompression von Gefäßen und Organen → mögliches abdominelles Kompartmentsyndrom
Systemische Folgen: Anhaltende Blutung, Hypoperfusion, Kontamination, Entzündung und Gerinnungsstörung → fortschreitende Organdysfunktion, Multiorganversagen und möglicherweise Tod
Primäre Gewebeschädigung
Die primäre Schädigung entsteht unmittelbar durch die mechanische Gewalteinwirkung. Betroffen sein können Parenchymorgane, Hohlorgane, Mesenterium, Gefäße sowie retroperitoneale Strukturen.
Stumpfes Trauma: Übertragung der Energie bei nicht eröffneter Bauchhöhle → Quetschung, Lazeration, Ruptur, Berstung oder Gefäßabriss
Penetrierendes Trauma: Direkte Verletzung durch Stich-, Schnitt-, Schuss- oder Pfählungsverletzungen → mögliche Eröffnung des Peritoneal- oder Retroperitonealraums
Schuss- und Explosionsverletzung: Zusätzliche Einwirkung kinetischer oder thermischer Energie → möglicherweise ausgedehnte Gewebeschädigung
Zweizeitige Organruptur: Zunächst begrenztes Hämatom bei intakter Organkapsel → späterer Kapseleinriss und verzögerte Blutung
Merke
Bei einem stumpfen Abdominaltrauma sind insbesondere Milz, Leber, Retroperitoneum, Niere, Pankreas und Darm betroffen.
Blutung
Verletzungen von Parenchymorganen, Gefäßen, Organstielen oder mesenterialen Strukturen können eine intraabdominelle oder retroperitonealeBlutung verursachen.
Parenchymorgane: Verletzung beispielsweise von Leber, Milz oder Niere → mögliche Blutung in die Bauchhöhle oder das Retroperitoneum
Retroperitoneum: Blutung in einen anatomisch schwer einsehbaren Raum → zunächst möglicherweise klinisch verborgener Blutverlust
Große Gefäße: Direkte Gefäßverletzung, insbesondere bei penetrierenden Traumata → mögliche Massivblutung
Einzeitige Milzruptur: Unmittelbarer Einriss der Milzkapsel → akute intraabdominelle Blutung
Zweizeitige Milzruptur: Zunächst begrenztes Hämatom bei intakter Kapsel → mögliches symptomfreies Intervall → späterer Kapseleinriss und verzögerte Blutung
Bauchorgane
Kreislaufstörung und hämorrhagischer Schock
Ein relevanterBlutverlust vermindert das intravasale Volumen. Dadurch sinken der venöse Rückstrom, die Ventrikelfüllung und schließlich das Herzzeitvolumen.
Kompensation: Aktivierung des Sympathikus → Tachykardie, Vasokonstriktion und Zentralisation des Kreislaufs
Zentralisation: Bevorzugte Perfusion lebenswichtiger Organe zulasten peripherer und viszeraler Stromgebiete
Dekompensation: Anhaltende Hypoperfusion → Gewebehypoxie, anaerober Stoffwechsel, Laktatanstieg und Azidose → mögliche Oligurie, Bewusstseinsstörung und Hypotonie
Hypovolämer & hämorrhagischer Schock
Achtung
Ein normaler Blutdruck schließt einen relevanten Blutverlust in der frühen Phase nicht aus, da der Kreislauf den Volumenverlust zunächst kompensieren kann.
Hohlorganverletzung und Kontamination
Verletzungen von Magen, Duodenum oder Darm können zum Austritt von Magen-Darm-Inhalt in die Bauchhöhle führen.
Magen- oder Darmverletzung: Austritt von Magen-Darm-Inhalt → chemische Reizung und bakterielle Kontamination des Peritoneums
Duodenalverletzung: Austritt aggressiver Verdauungsenzyme → mögliche Nekrosen an umliegenden Strukturen
Die traumainduzierteKoagulopathie kann bereits früh nach dem Trauma im Zusammenhang mit Schock und Gewebehypoxie auftreten.
Auslösende und verstärkende Faktoren: Hypoperfusion, Endothelaktivierung, Azidose, Hypothermie, Thrombozytendysfunktion, Fibrinogenabnahme und dysregulierte Fibrinolyse → Beeinträchtigung der Blutstillung
Hyperfibrinolyse: Überschießender Abbau von Fibrin → verstärkte Blutungsneigung
Verbrauchskoagulopathie: Verbrauch von Thrombozyten und Gerinnungsfaktoren → zunehmende Gerinnungsstörung
Verdünnungskoagulopathie: große Mengen kristalloider Lösungen oder unausgewogene Transfusionen → zusätzliche Verdünnung von Gerinnungsfaktoren und Thrombozyten
Trauma, intraabdominelle Blutungen, massive Volumengabe und andere Volumenzunahmen können den intraabdominellenDruckerhöhen. Der steigende Druck kann Gefäße und Organe komprimieren und deren Funktion beeinträchtigen.
Venöse Kompression: Verminderter venöser Rückstrom zum Herzen → hämodynamische Instabilität
Nierenfunktion: Beeinträchtigte Nierenperfusion → mögliche Oligurie und akute Nierenfunktionseinschränkung
Atmung: Druckbedingte Beeinträchtigung der Atemmechanik → steigende Beatmungsdrücke und mögliche respiratorische Insuffizienz
Darm: Druck- und perfusionsbedingte Schädigung → mögliche Darmatonie, Barrierestörung, Ischämie und Peritonitis
Info
Ein abdominellesKompartmentsyndrom liegt bei einem anhaltendenintraabdominellen oder intravesikalgemessenenDruckvonmehr als 20 mmHg zusammen mit einer neu aufgetretenen Organdysfunktion oder einem Organversagen vor.
Systemische Folgen
Niere: Anhaltende Minderperfusion oder erhöhter intraabdomineller Druck → akute Nierenfunktionseinschränkung bis zur Oligurie
Lunge: Erhöhter intraabdomineller Druck → mögliche respiratorische Insuffizienz; bei einem Polytrauma ist zusätzlich die Entwicklung eines akuten Atemnotsyndroms möglich
Darm: Hypoperfusion, Drucksteigerung oder Kontamination → Darmatonie, Barrierestörung, Ischämie oder Peritonitis
Gerinnungssystem: Traumainduzierte Koagulopathie → erhöhte Blutungsneigung oder prothrombotische Verlaufsform
Gesamtorganismus: Fortbestehende Blutung, Hypoperfusion, Entzündung und Organdysfunktion → mögliches Multiorganversagen bis zum Tod
Achtung
Blutung, Hypoperfusion, Kontamination, Entzündung und Gerinnungsstörung können gleichzeitigauftreten und sich gegenseitig verstärken.
Merke
Zusammenfassung: Die kritischen Probleme bei einem Abdominaltrauma
UnkontrollierteinnereBlutung mit hämorrhagischem Schock
TraumainduzierteKoagulopathie mit verstärkter Blutungsneigung
SystemischeHypoperfusion und Gewebehypoxie mit drohender Organdysfunktion
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Abdominelle Beschwerden und Untersuchungsbefunde
Abdominelle Schmerzen: Lokalisierte oder diffuse Bauchschmerzen können auf eine Verletzung der Bauchwand oder intraabdomineller Organe hinweisen
Druckschmerz: Eine lokale oder generalisierte Druckschmerzhaftigkeit kann Ausdruck einer Organverletzung, Blutung oder Peritonealreizung sein
Abwehrspannung und Peritonismus: Eine unwillkürliche Anspannung der Bauchdecke sowie weitere peritoneale Zeichen sprechen für eine Reizung des Peritoneums, beispielsweise durch Blut oder ausgetretenen Hohlorganinhalt
Gespannter oder distendierter Bauch: Eine sicht- oder tastbare Zunahme des Bauchumfangs kann unter anderem bei einer intraabdominellen Blutung oder einer zunehmenden abdominellen Drucksteigerung auftreten, ist jedoch unspezifisch
Äußere Verletzungszeichen
Prellmarken und Hämatome: Sichtbare Kontusionen der Bauchwand erhöhen den Verdacht auf eine relevante stumpfe Gewalteinwirkung
Seat-Belt-Sign: Ein gurtförmiges Hämatom oder eine entsprechende Prellmarke weist auf einen erheblichen Unfallmechanismus hin und ist mit einem erhöhten Risiko intraabdomineller, insbesondere intestinaler Verletzungen verbunden
Hautabschürfungen und Weichteilschwellungen: Größere Abschürfungen oder fluktuierende Schwellungen können auf eine relevante Verletzung der Bauchwand hinweisen, beweisen jedoch keine intraabdominelle Organverletzung
Penetrierende Verletzungen: Stich-, Schnitt-, Schuss- oder Pfählungsverletzungen sowie sichtbare Defekte der Bauchdecke können mit einer Eröffnung der Bauchhöhle und Verletzungen innerer Organe einhergehen
Herniation oder Eviszeration: Das Hervortreten von Gewebe oder Organanteilen durch einen traumatischen Bauchwanddefekt ist ein eindeutiger Hinweis auf eine schwere Verletzung der Bauchwand
Seat Belt Sign am Unterbauch
Merke
Seat-Belt-Sign
Das Seat-Belt-Sign korreliert mit einem erhöhten Risiko für intraabdominelle Verletzungen. Bei etwa 20 % der betroffenen Personen lässt sich eine Verletzung im CT nachweisen. Der Befund erfordert daher eine erhöhte klinische Wachsamkeit und eine konsequente weitere Abklärung.
Hinweise auf bestimmte Organverletzungen
Nierenverletzung: Hämaturie, Flankenschmerzen, Flankenhämatome, Abschürfungen oder eine Druckschmerzhaftigkeit der Flanke erhöhen den Verdacht auf ein Nierentrauma
Harnblasenverletzung: Makrohämaturie, suprapubische oder Unterbauchschmerzen, abdominale Druckschmerzhaftigkeit sowie die Unfähigkeit zur Miktion bei gefüllter Blase können auf eine Verletzung der Harnblase hinweisen
Milzverletzung: Schmerzen oder Druckschmerz im linken Oberbauch können auf eine Milzverletzung hinweisen. Eine Schmerzausstrahlung in die linke Schulter infolge einer diaphragmalen oder peritonealen Reizung wird als Kehr-Zeichen bezeichnet
Leberverletzung: Schmerzen oder Druckschmerz im rechten Oberbauch oder Epigastrium können nach einer stumpfen oder penetrierenden Gewalteinwirkung auf eine Leberverletzung hinweisen. Bei einer relevanten Leberblutung können zusätzlich eine abdominelle Distension sowie Zeichen des hämorrhagischen Schocks wie Tachykardie und Hypotonie auftreten
Generalisierte Zeichen
Tachykardie und Hypotonie: Können Ausdruck eines relevanten intraabdominellen Blutverlusts und eines beginnenden oder manifesten hämorrhagischen Schocks sein
Blässe, kühle oder kaltschweißige Haut: Zeichen einer peripheren Vasokonstriktion und verminderten Gewebeperfusion; sie sind nicht spezifisch für die abdominale Blutungsquelle
Vigilanzminderung, Unruhe oder Verwirrtheit: Können bei fortschreitender Hypoperfusion auftreten, sind jedoch ebenfalls unspezifische Schockzeichen
Achtung
„Red Flags“
Abwehrspannung, Rigidität der Bauchdecke
Sichtbare Prellmarken
Hämodynamische Instabilität
Vigilanzminderung
Sichtbares Austreten von Darm oder Organanteilen (Eviszeration)
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Anamnese
S (Symptome): Abdominelle Schmerzen, Druckschmerz, Flanken- oder Unterbauchschmerzen sowie eine mögliche Ausstrahlung in die Schulter erfragen. Auf Abwehrspannung, Peritonismus, einen gespannten oder distendierten Bauch achten
Penetrierendes Abdominaltrauma: Stich-, Schnitt-, Schuss- oder Pfählungsverletzungen, Ein- und Austrittswunden, Blutungen sowie Herniationen oder Eviszerationen erfassen
Warnzeichen: Zunehmende Bauchschmerzen, Abwehrspannung, Peritonismus, abdominelle Distension, Tachykardie, Hypotonie, Vigilanzminderung oder andere Zeichen einer Kreislaufinstabilität berücksichtigen
A (Allergien): Medikamentenallergien und bekannte schwere allergische Reaktionen erfragen
M (Medikation): Dauermedikation sowie Zeitpunkt und Dosis der letzten Einnahme erfassen. Besonders relevant sind Antikoagulanzien und Thrombozytenaggregationshemmer
P (Patientengeschichte): Gerinnungsstörungen, Erkrankungen der Bauchorgane sowie frühere abdominale oder urologische Verletzungen und Operationen erfragen
L (Letzte …): Zeitpunkt, Art und Menge der letzten Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme erfragen → relevant für eine mögliche Narkoseeinleitung
E (Ereignis): Zeitpunkt und Mechanismus des Traumas erfassen. Relevant sind stumpfe oder penetrierende Gewalteinwirkung, Aufprallgeschwindigkeit, Seat-Belt-Sign, Lenkeraufprall, Einklemmung oder Quetschung, Sturzhöhe, Tritte oder Schläge sowie Explosionsverletzungen
R (Risiko): Antikoagulation, Gerinnungsstörungen, höheres Lebensalter, relevante Vorerkrankungen der Bauchorgane und Hochenergietraumata berücksichtigen
S (Schwangerschaft): Bestehende oder mögliche Schwangerschaft sowie die Schwangerschaftswoche erfragen. Die Schwangerschaft bei Lagerung, Medikamentengabe und Wahl der Zielklinik berücksichtigen
Tipp
Nutze Schemata
Um die Anamnese strukturiert durchzuführen, bietet es sich an, Schemata wie das SAMPLERS oder OPQRST-Schema zu nutzen. Am obigen Beispiel haben wir Fragen und Befunde dargestellt, die bei dem Verdacht auf ein Abdominaltrauma abgefragt werden sollten und vorliegen könnten.
Körperliche Untersuchung
Info
Die körperliche Untersuchung entspricht grundsätzlich dem Vorgehen bei polytraumatisierten Patient:innen. In diesem Abschnitt wird ausschließlich auf die orientierende Untersuchung des Abdomens eingegangen. Weitere Informationen findest du im Artikel: Polytrauma (RD).
Merke
Entscheidend für die frühzeitige Erkennung eines Abdominaltraumas sind vor allem die Inspektion, die Palpation, die Beurteilung der Vitalzeichen sowie die E-FAST Sonografie.
Inspektion:
Allgemeinzustand und Hautkolorit: Auf Blässe, Kaltschweißigkeit und weitere mögliche Zeichen einer Schocksymptomatik achten
Form und Umfang des Abdomens: Auf eine sichtbare Distension, Asymmetrien und ungewöhnliche Vorwölbungen achten
Äußere Verletzungszeichen: Bauchwand auf Prellmarken, Hämatome und Schürfwunden untersuchen → insbesondere auf ein mögliches Seat-Belt-Sign achten
Penetrierende Verletzungen: Ein- und Austrittswunden sowie Stich-, Schnitt-, Schuss- oder Pfählungsverletzungen systematisch erfassen
Integrität der Bauchdecke: Auf sichtbare Bauchwanddefekte, Herniationen und eine Eviszeration achten
Tipp
Bei Schussverletzungen ist unbedingt nach einer möglichen Austrittswunde zu suchen, da das Projektil den Körper vollständig durchdringen kann.
Palpation:
Abdomenquadranten
Die Palpation sollte behutsam und systematisch in allen vier Quadranten erfolgen. Begonnen wird in einem schmerzfreien oder möglichst wenig schmerzhaften Bereich. Die schmerzhafteste Region wird zuletzt untersucht. Währenddessen ist auf Schmerzäußerungen, Mimik und eine unwillkürliche Anspannung der Bauchdecke zu achten.
Abdomen allgemein: Alle vier Quadranten auf lokale oder diffuse Druckschmerzen untersuchen
Bauchdeckenspannung: Auf eine lokale oder generalisierte Abwehrspannung sowie eine Rigidität der Bauchdecke als mögliche Hinweise auf eine Peritonealreizung achten
Rechter Oberbauch: Druckschmerz oder Abwehrspannung können auf eine Verletzung der Leber oder angrenzender Strukturen hinweisen
Linker Oberbauch: Druckschmerz oder Abwehrspannung können auf eine Verletzung der Milz oder angrenzender Strukturen hinweisen
Flanken: Druckschmerz, Schwellungen oder tastbare Auffälligkeiten können Hinweise auf eine Nieren- oder Retroperitonealverletzung geben
Unterbauch und suprapubischer Bereich: Druckschmerz, Abwehrspannung oder eine tastbare Vorwölbung können auf eine Verletzung der Harnblase oder anderer Unterbauchstrukturen hinweisen
Bauchwand: Auf tastbare Defekte, Instabilitäten, Schwellungen und vorgewölbtes Gewebe achten
Palpation des Abdomens
Merke
Zweizeitige Milzruptur
Nach einem stumpfen Abdominaltrauma kann ein zunächst kapselbegrenztes Milzhämatom verzögert rupturieren und Stunden bis Tage später eine lebensbedrohliche Blutung verursachen.
Unauffällige Anfangsbefunde schließen eine Milzverletzung nicht aus. Bei entsprechendem Verdacht sind eine weiterführende Abklärung und engmaschige Überwachung erforderlich.
Achtung
Die Abwehrspannung ist bis zum sicheren Ausschluss einer schwerwiegenden Ursache stets als Hinweis auf eine relevante intraabdominelle Blutung zu werten. Sie kann jedoch ebenso durch eine Reizung des Bauchfells im Rahmen einer penetrierenden Verletzung verursacht werden.
Perkussion:
Die Perkussion des Abdomens spielt in der initialen Diagnostik eines Abdominaltraumas nur eine untergeordnete Rolle. Gründe hierfür sind:
Geringe Aussagekraft bei akuten Traumapatient:innen: Durch Schmerzen, Muskelverspannung oder Abwehrspannung ist eine verwertbare Perkussion oft nicht möglich
Verzögerung dringlicherer Diagnostik: In der Akutversorgung zählt jede Minute. Die Perkussion bringt keine entscheidenden Informationen für die weitere Behandlung
Veränderte Luftverteilung bei Trauma: Darmatonie (Tonusverlust der Darmmuskeln), innere Blutungen oder Perforation können den Perkussionsbefund verfälschen oder maskieren
Auskultation:
Die Auskultation des Abdomens ist bei der initialen Diagnostik eines Abdominaltraumasmöglich, spielt jedoch nur eine untergeordnete Rolle. Sie kann ergänzend eingesetzt werden, soll jedoch die Durchführung wichtiger Maßnahmen nicht verzögern
Keine zuverlässige Aussage über Verletzungsschwere
Verzögerung der Versorgung ohne echten Mehrwert
Peristaltik kann auch bei schwerem Trauma noch normal klingen
Vitalparameter
Parameter
Typischer Befund oder Verlauf
Pathophysiologischer Hintergrund
Herzfrequenz
Tachykardie möglich
Bei kompensierter Blutung zunächst auch normwertig
Eine Tachykardie kann auf einen hämorrhagischen Schock hinweisen. Eine normale Herzfrequenz schließt einen relevanten Blutverlust in der frühen Phase nicht aus
Blutdruck
Anfangs häufig noch normwertig
Bei zunehmendem Blutverlust Hypotonie möglich
Kompensationsmechanismen können den Blutdruck zunächst aufrechterhalten. Eine Hypotonie kann insbesondere bei zuvor gesunden Personen erst im weiteren Verlauf auftreten
Atemfrequenz und Atemmuster
Tachypnoe im Rahmen eines hämorrhagischen Schocks möglich
Bei kompensierter Verletzung auch normwertig
Eine erhöhte Atemfrequenz kann Ausdruck einer Kreislaufstörung sein, lässt sich jedoch nicht spezifisch einer abdominellen Verletzung zuordnen
Körpertemperatur
Normothermie soll erhalten werden
Bei Trauma und größerem Blutverlust Hypothermie möglich
Eine Hypothermie kann zusammen mit Azidose und Koagulopathie die Blutgerinnung beeinträchtigen und eine bestehende Blutung verstärken
Sauerstoffsättigung
Kein für das Abdominaltrauma spezifischer Verlauf
Im Schock möglicherweise unzuverlässige oder fehlende Messwerte aufgrund schlechter Perfusion
Eine verminderte periphere Perfusion kann die pulsoxymetrische Messung beeinträchtigen. Die SpO₂ soll dennoch kontinuierlich beziehungsweise wiederholt überwacht werden
Blutzucker
Keine für das Abdominaltrauma spezifische Veränderung belegt
Messung insbesondere bei Bewusstseinsstörung erforderlich
Eine Hypoglykämie muss bei einer Bewusstseinsstörung als mögliche alternative oder zusätzliche Ursache berücksichtigt werden
Orientierende neurologische Untersuchung
Vigilanz: Bewusstseinslage beispielsweise mithilfe der Glasgow Coma Scale (GCS) beurteilen und im Verlauf dokumentieren. Auf Unruhe, Verwirrtheit und Vigilanzminderung achten
Pupillen: Pupillengröße, Seitengleichheit und Lichtreaktion überprüfen
Motorik und Sensibilität: Extremitäten orientierend auf Kraft, seitengleiche Bewegung, Parästhesien und Sensibilitätsausfälle untersuchen
Mögliche Ursachen neurologischer Auffälligkeiten:
Hämorrhagischer Schock: Unruhe, Verwirrtheit oder eine abnehmende Vigilanz können auf eine unzureichende zerebrale Perfusion infolge eines relevanten Blutverlusts hinweisen
Begleitendes Schädel-Hirn-Trauma: Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit, Erbrechen, Amnesie, Desorientierung, Krampfanfälle, Pupillenstörungen oder ein abnehmender GCS-Wert können auf eine zusätzliche Kopfverletzung hinweisen
Hypoxie: Unruhe, Verwirrtheit oder Vigilanzminderung können durch eine begleitende Störung von Atemweg, Atmung oder Oxygenierung verursacht werden
Hypoglykämie: Bei einer Bewusstseinsstörung muss eine Hypoglykämie als mögliche alternative oder zusätzliche Ursache ausgeschlossen werden
Wirbelsäulen- oder Rückenmarkverletzung: Parästhesien, Paresen, Kraftminderung oder Sensibilitätsausfälle an den Extremitäten können auf eine begleitende neurologische Verletzung hinweisen
Info
Eine Bewusstseinsstörung ist kein spezifisches Zeichen eines Abdominaltraumas. Sie muss als Warnzeichen für Schock, Hypoxie, Hypoglykämie, eine Begleitverletzung oder eine andere Ursache bewertet werden. Entscheidend sind wiederholte Untersuchungen und Veränderungen des GCS-Werts im Verlauf.
Weiterführende apparative Diagnostik
12-Kanal-EKG: Bei auffälligem Herzrhythmus, hämodynamischer Instabilität, kardialen Beschwerden oder relevanten Herzerkrankungen durchführen → das EKG dient der ergänzenden Kreislaufdiagnostik, erlaubt jedoch keine Beurteilung abdominaler Organverletzungen
Sinustachykardie: unspezifischer Befund, der unter anderem bei Schmerzen, Stress oder einem hämorrhagischen Schock auftreten kann
Unauffälliges EKG: Schließt eine relevante intraabdominelle Blutung nicht aus
Weitere EKG-Veränderungen: Müssen im Zusammenhang mit möglichen kardialen Vorerkrankungen oder Begleitverletzungen beurteilt werden
POCUS / eFAST: Bei Verdacht auf ein Abdominaltrauma als schnelle, orientierende Untersuchung einsetzen, insbesondere bei hämodynamischer Instabilität, einem Hochenergietrauma oder einem Polytrauma
Rechter Oberbauch: Untersuchung des Morison-Pouchs zwischen Leber und rechter Niere auf freie Flüssigkeit
Linker Oberbauch: Untersuchung des Koller-Pouchs zwischen Milz und linker Niere auf freie Flüssigkeit
Kleines Becken: Untersuchung des Douglas-Raums zwischen Uterus und Rektum bei Frauen beziehungsweise des Proust-Raums zwischen Harnblase und Rektum bei Männern
Weitere Bereiche: Ggf. zusätzliche Untersuchung des Perikards und der Pleura zum Nachweis eines Hämoperikards oder Perikardergusses, eines Pneumothorax oder eines Hämatothorax
Befundbewertung: Freie intraabdominelle Flüssigkeit ist im traumatischen Kontext als dringender Hinweis auf ein Hämoperitoneum zu werten, sonografisch jedoch nicht sicher als Blut zu identifizieren
Merke
Ein unauffälliges eFASTschließt eine intraabdominelle oder retroperitonealeVerletzungnichtaus. Insbesondere frühe oder kleinere Blutungen sowie Verletzungen von Hohlorganen, Mesenterium oder soliden Organen können unentdeckt bleiben.
Freie Flüssigkeit im Morrison-PouchFreie Flüssigkeit im Koller-Pouch Freie Flüssigkeit im Douglas-Raum
Achtung
Bei hämodynamischerInstabilität und klinischenZeicheneinerschwerenintraabdominellen Verletzung hat der zügigeTransport in eine geeignete Klinik mit Möglichkeit zur definitiven Blutungskontrolle höchstePriorität. Ein kurzes eFAST kann ergänzend durchgeführt werden, sofern es unmittelbar verfügbar ist und keine relevante Transportverzögerung verursacht.
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Info
Die dargestellten Maßnahmen orientieren sich an den Empfehlungen des Deutschen Berufsverbands Rettungsdienst (DBRD) und werden durch weitere spezifische, leitliniengerechte Maßnahmen ergänzt, um eine strukturierte und evidenzbasierte Versorgung von Patient:innen sicherzustellen.
Merke
Eine effektive präklinische Blutstillung ist bei intraabdominellen Blutungen nicht möglich. Daher ist es umso wichtiger, am Einsatzort ausschließlich unmittelbar lebensrettende Maßnahmen durchzuführen und den Fokus auf einen schnellen Transport zu legen. Hierzu wird das Prinzip der Damage Control Resuscitation (DCR) angewendet:
Durch eine differenzierte und frühzeitige Voranmeldung in der Zielklinik kann die Zeit bis zur chirurgischen Blutstillung entscheidend verkürzt werden.
Definition
Damage Control Resuscitation (DCR)
Damage Control Resuscitation (DCR) ist ein präklinisches und klinisches Behandlungskonzept für schwer verletzte Patient:innen mit massiver Blutung, insbesondere bei Abdominaltrauma. Ziel ist es, durch gezielte Maßnahmen die letale Trias aus Hypothermie, Azidose und Koagulopathie zu verhindern oder zu durchbrechen.
Zentrale Bestandteile sind:
Permissive Hypotonie: begrenzte Volumengabe, um ein kontrolliertes Maß an Blutdruck aufrechtzuerhalten (systolisch ~80 mmHg), ohne neue Blutungen zu provozieren
Frühe Gerinnungsstabilisierung: Gabe von Tranexamsäure, wenn vorhanden zusätzlich Blutprodukte + Fibrinogen
Vermeidung von Hypothermie: Wärmeerhalt
Basismaßnahmen
Lagerung: An Kreislaufzustand, Begleitverletzungen und Beschwerden anpassen
Bei hämodynamischer Instabilität: flach in Rückenlage lagern
Sauerstoffgabe: Hypoxämie vermeiden und Sauerstoff bedarfsgerecht mit dem Ziel einer Normoxämie verabreichen
Angepasstes Atemwegsmanagement: Sicherung und regelmäßige Kontrolle der Atemwege bei Vigilanzminderung oder Bewusstseinsstörung
Monitoring und Basisdiagnostik: EKG, SpO₂, Blutdruck, Herz- und Atemfrequenz sowie Körpertemperatur wiederholt und kontinuierlich überwachen. Ggf. zusätzlich eine kontinuierliche Kapnografie durchführen
Gefäßzugänge: 1-2 großlumige periphere Venenzugänge etablieren. Bei nicht zeitgerecht möglichem intravenösem Zugang und dringlicher Indikation einen intraossären Zugang erwägen
Äußere Blutstillung: Sichtbare Blutungen der Bauchdecke durch gezielte manuelle Kompression, sterile Verbände und bei Bedarf Hämostyptika kontrollieren
Wärmeerhalt: Wärmeverluste durch Entkleiden, Umgebungseinflüsse und kalte Infusionslösungen begrenzen → Hypothermie kann die Gerinnungsstörung verstärken und damit die Blutungssituation verschlechtern
Transport: Bei hämodynamischer Instabilität oder Verdacht auf eine relevante intraabdominelle Blutung frühzeitig einen zügigen Transport in eine geeignete Klinik einleiten. Weiterführende Untersuchungen und nicht unmittelbar notwendige Maßnahmen dürfen die definitive Blutungskontrolle nicht verzögern
Achtung
Prioritäten setzen!
NichtlebensrettendeMaßnahmen, wie die Versorgung von Begleitverletzungen, dürfen nichtdenTransportverzögern. Sie sollen ausschließlich während der Fahrt durchgeführt werden, um keine wertvolle Zeit bis zur lebensrettenden chirurgischen Versorgung in der Klinik zu verlieren.
Wundversorgung
Situation
Wound Packing
Hinweise
Äußerlich blutende Bauchwandverletzung
Nicht grundsätzlich erforderlich
Zunächst manuelle Kompression. Bei fortbestehender Blutung manuelle Kompression oder Kompressionsverband, gegebenenfalls in Kombination mit einem Hämostyptikum
Blutende Stichwunde bei bereits entferntem Fremdkörper
Indiziert
Direkte Wundtamponade mit Hämostyptikaund anschließende konsequente Druckausübung
Schuss- oder Explosionsverletzung mit aktiver äußerer Blutung
Je nach zugänglicher Wundhöhle möglich
Chitosanhaltigen Verband verwenden. Die Leitlinie fordert hierbei nicht ausdrücklich in jedem Fall ein tiefes Packing
Junktionale Blutung, beispielsweise in Leiste oder Achsel
Indiziert
Grundsätze der äußeren Blutungskontrolle anwenden
Tiefe Bauchwunde mit vermuteter Eröffnung der Bauchhöhle
Tamponade der Wundhöhle kann erwogen werden. Bei definitiver Eröffnung der Bauchhöhle wahrscheinlich keine zum Erfolg führende Maßnahme
Nicht unkontrolliert über den erreichbaren Wundkanal hinaus in die Bauchhöhle tamponieren
Vermutete intraabdominelle Blutung
Nicht durch Packing kontrollierbar
Prähospitale Zeit minimieren und schnellstmöglich in die nächstgelegene Klinik mit Möglichkeit zur chirurgischen oder interventionellen Blutstillung transportieren
Eviszeration
Kein Packing und keine aktive Reposition von Organen
Mit sterilen, feuchten Tüchern abdecken
Im Abdomen verbliebener Fremdkörper
Nicht empfohlen
Fremdkörper im Wundkanal belassen und fixieren
Achtung
Wound Packing allein reicht nicht aus
Nach dem vollständigen Ausfüllen der zugänglichen Wundhöhle muss unmittelbar eine konsequentemanuelleKompression erfolgen. Erst der anhaltende Druck auf die Blutungsquelle ermöglicht eine wirksame Blutstillung.
Tipp
Versorgung von Fremdkörperverletzungen
Eintrittsstelle abdecken:
Die Eintrittsstelle des Fremdkörpers wird zunächst mit einer sterilen Kompresse abgedeckt, um das Wundareal zu schützen und die Kontaminationsgefahr zu minimieren
Tipp: Es empfiehlt sich, eine Seite der Kompresse einzuschneiden, um sie leichter um den Fremdkörper herumlegen zu können, ohne diesen zu bewegen
Stabilisierung des Fremdkörpers:
Zur seitlichenStabilisierung werden zwei aufgerollte Mullbinden oder Verbandpäckchen links und rechts direkt neben dem Fremdkörper platziert
Diese Maßnahme schränkt die Beweglichkeit des Fremdkörpers ein
Fixierung mit Verbandmaterial:
Anschließend wird der gesamte Bereich mit Verbandmaterial umwickelt, sodass alles sicher fixiert wird
Dabei muss darauf geachtet werden, dass der Fremdkörper selbst nicht bewegt wird
Spezifische Maßnahmen
Analgesie: Frühzeitig eine titrierte, dem Kreislaufzustand angepasste Analgesie durchführen, beispielsweise mit Fentanyl 0,05 mg i.v. titriert bis gewünschte Wirkung, max. Dosis: 0,2 mg oder Esketamin 0,125-025 mg/kgKG i.v
Katecholamine: Wenn der angestrebte Blutdruck mit einer restriktiven Volumentherapie nicht erreicht wird, kann ergänzend Noradrenalin 0,1–1 μg/kgKG/min i.v eingesetzt werden
Tranexamsäure (TXA): Bei einer unkontrollierbaren Blutung oder polytraumatisierten Patient:innen frühzeitige Verabreichung von Tranexamsäure1 g i.v. über 10 Minuten als Kurzinfusion
Restriktive Volumentherapie: Bei vermuteter unkontrollierter Blutung eine zurückhaltende Volumengabe mit kristalloider Infusionslösung durchführen. Ohne Hinweise auf ein Schädel-Hirn-Trauma soll bis zur Blutungskontrolle eine permissive Hypotonie mit einem systolischen Zielblutdruck von etwa 80–90 mmHg angestrebt werden
Narkose und Atemwegssicherung: Bei entsprechender Indikation, insbesondere zunehmender respiratorischer Insuffizienz, fehlenden Schutzreflexen oder Aspirationsgefahr, Einleitung einer Rapid Sequence Induction (RSI) mit anschließender endotrachealer Intubation
Prähospitale Blutprodukte: Auch wenn die Studienlage zu einem konkreten Outcome-Vorteil derzeit uneinheitlich ist, gilt eine frühe prähospitale Transfusion als sinnvoll und potenziell lebensrettend
Info
Vorhaltung von Blutprodukten
Die Verfügbarkeit von Blutprodukten nimmtin Deutschland kontinuierlich zu, insbesondere durch die zunehmende Ausstattung von Rettungshubschraubern und spezialisiertenEinsatzfahrzeugen wie dem MedicalInterventionCare
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REBOA
Definition
REBOA (Resuscitative Endovascular Balloon Occlusion of the Aorta)
Dabei handelt es sich um ein minimalinvasives Verfahren, bei dem ein Ballonkatheter über die Femoralarterie in die Aorta eingebracht und dort aufgeblasen wird, um die distale Perfusion zu unterbrechen und den Blutfluss zu zentralen Organen (Herz, Gehirn) zu erhalten. Gleichzeitig wird so eine temporäre Blutungskontrolle bei nicht-komprimierbaren Blutungen im Abdomen oder Becken ermöglicht.
Anatomische Orientierung zur sicheren REBOA-Anwendung
Für die korrekte und sichere Anwendung der REBOA-Technik ist ein solides Verständnis der aortalen Anatomie essenziell. Der Gefäßzugang erfolgt über die A. femoralis communis in der Leiste. Über eine dort platzierte Schleuse wird der Ballonkatheter über die A. iliaca externa,A. iliaca communis und die Aortenbifurkation in die entsprechende Zone der Aorta vorgeschoben.
Die aortalen Zonen sind wie folgt definiert:
Zone 1: reicht vom Abgang der linken A. subclavia bis direkt oberhalb des Truncus coeliacus
Okklusion (Verschluss) bei abdominellen Blutungen
Zone 2: Bereich zwischen Truncus coeliacus und dem Abgang der A. renalis
Non-Okklusion Zone, da eine Katheterblockade in diesem Bereich keinen therapeutischen Nutzen bringt, aber das Risiko einer intestinalen Ischämie sowie einer Verletzung oder Ruptur der Darm- und Nierengefäße birgt. Diese Gefahren lassen sich durch eine Okklusion in Zone III weitgehend vermeiden.
Zone 3: vom Abgang der Nierenarterien bis zur Aortenbifurkation
Okklusion bei Beckenfraktur oder Amputation stammnaher unterer Extremität
Tipp
Katheter abmessen
Zur besseren Positionskontrolle kann der REBOA-Katheter vor der Einführung entlang des Körpers von der Punktionsstelle in der Leiste bis zur Zielzone abgemessen werden. Diese Methode unterstützt eine präzise Positionierung, insbesondere wenn keine bildgebende Kontrolle verfügbar ist.
Zur grobenOrientierung können folgendeLandmarken hilfreich sein:
Zone 1 reicht vom unteren Rand des Halses bis zum Ende des Brustbeins
Zone 2 geht vom Ende des Brustbeins bis etwa zur Mitte zwischen Brustbeinende und Bauchnabel
Zone 3 beginnt ab diesem Punkt und reicht bis etwa zum Bauchnabel
Schritt 1 - Gefäßzugang und Katheterplatzierung:
Für die REBOA-Anlage ist ein sicherer Zugang zur A. femoralis communis essenziell. Es stehen zwei Verfahren zur Verfügung:
Perkutane Punktion in Seldinger-Technik:
Blindpunktion oder ultraschallgestützt
Bei tastbarem Puls ggf. palpatorisch
Bei Kreislaufinstabilität sollte Ultraschall bevorzugt eingesetzt werden
Chirurgischer Zugang (Cut-down):
Freilegung der Leistengefäße und direkte Einbringung der Schleuse
Fixierung der Schleuse
Schritt 2 - Einführen des REBOA Kathters:
Der REBOA-Katheter bis in die gewünschte Zielzone vorgeschoben
Schritt 3 - Okklusionsphase:
Ballonokklusion erfolgt vorsichtig mit der für das Kathetersystem vorgesehenen Füllmenge
Ziel: Kreislaufstabilisierung durch Erhöhung der Perfusion in zentralen Organen (Herz, Gehirn)
Tipp
Nach der Okklusion sollte es zu einer Kreislaufstabilisierung kommen, wenn der Katheter richtig platziert wurde.
Schritt 4 - Lagekontrolle des Katheters:
Zone 1: Prähospital schwierig → Orientierung z.B. über tastbaren Puls in der linken A. radialis (zeigt, dass der Ballon nicht zu hoch liegt)
Zone 3: Prähospital möglich mittels Ultraschall
Tipp
ModerneKatheter verfügen über einen integrierten Druckmesskanal zur invasiven Blutdrucküberwachung. Diese Funktion sollte bereits während des Vorschiebens des Katheters genutzt werden, um einerseits die korrekteintraarterielleLagezubestätigen und andererseits den BlutdruckanstiegunterAortenokklusioninEchtzeitüberwachen zu können.
Besonderheiten und Komplikationen:
Okklusion in Zone 1 führt zu starker Nachlasterhöhung
Risiko: kardiale Dekompensation bei vorbelastetem Herzen
In Zone 3 ist die Nachlasterhöhung deutlich geringer → Komplikationen sind seltener
Zeitmanagement und Prognose:
Mit dem ZeitpunktderAortenokklusion beginnt die Ischämiezeit, die bei prähospitaler Anwendung die gesamte Dauer bis zur endgültigen chirurgischen Blutungskontrolle im Traumazentrum einschließt
Um ein ischämiebedingtes Multiorganversagen zu verhindern, sollte die Dauer der Aortenokklusion auf ein absolutes Minimum beschränkt werden
Zone
Empfohlene maximale Okklusionszeit
Hinweise
1
unter 45 Minunten
bis 30 Minunten gilt als sicher
3
bis zu 60 Minunten
bei partieller REBOA oder intermittierender Reperfusion möglich
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Zielkrankenhaus
Die Wahl des Zielkrankenhauses richtet sich nach Verletzungsschwere und Unfallmechanismus, hämodynamischer Stabilität, klinischen Hinweisen auf eine intraabdominelle Blutung oder Organverletzung sowie möglichen Begleitverletzungen.
Leichte isolierte Abdominalverletzung: Bei stabilen Vitalfunktionen, einem unauffälligen Untersuchungsbefund und fehlenden Hinweisen auf eine relevante intraabdominelle Verletzung Transport in eine Notaufnahme mit Möglichkeit zur sonografischen und radiologischen Diagnostik, chirurgischen Beurteilung und klinischen Überwachung
Relevantes, aber stabilisiertes Abdominaltrauma: Transport in eine geeignete Klinik mit Schockraum, zeitnah verfügbarer CT-Diagnostik, Allgemein- oder Viszeralchirurgie und intensivmedizinischer Behandlungsmöglichkeit
Schweres oder instabiles Abdominaltrauma: Bei hämodynamischer Instabilität, positivem eFAST, Peritonismus oder Verdacht auf eine erhebliche innere Blutung Transport in ein geeignetes Traumazentrum beziehungsweise eine Klinik mit Möglichkeit zur sofortigen operativen oder interventionellen Blutungskontrolle
Penetrierendes oder perforierendes Abdominaltrauma: Schnellstmöglicher Transport in das nächstgelegene geeignete Krankenhaus mit Möglichkeit zur sofortigen operativen oder interventionellen Blutungskontrolle → prähospitale Maßnahmen auf das unmittelbar Erforderliche begrenzen und Transportverzögerungen vermeiden
Transportbegleitende Maßnahmen
Monitoring: EKG und SpO₂ kontinuierlich überwachen sowie Blutdruck, Herz- und Atemfrequenz in kurzen Abständen kontrollieren. Zusätzlich Vigilanz, Hautkolorit, Rekapillarisierungszeit und Körpertemperatur beurteilen
Lagerung: An Kreislaufzustand, Beschwerden und Begleitverletzungen anpassen. Bei hämodynamischer Instabilität in der Regel achsengerechte Rückenlage
Sauerstofftherapie: Hypoxämie vermeiden und Sauerstoff bedarfsgerecht mit dem Ziel einer Normoxämie verabreichen
Beatmung: Bei beatmeten Patient:innen Normoventilation anstreben sowie etCO₂, Beatmungsdruck und SpO₂ kontinuierlich überwachen. Ein abfallendes etCO₂ kann bei unveränderter Beatmung auch auf eine zunehmende Kreislaufinsuffizienz hinweisen
Narkose und Analgesie: Ausreichende Narkosetiefe sicherstellen und mögliche Auswirkungen auf Atmung und Kreislauf berücksichtigen
Kreislauftherapie: Kontrollierbare äußere Blutungen weiter versorgen und Gefäßzugänge regelmäßig überprüfen. Bei vermuteter unkontrollierter innerer Blutung eine restriktive Volumentherapie durchführen
Wundversorgung: Verbände und Wound Packing auf anhaltende Blutstillung kontrollieren
Verlaufskontrolle: Untersuchung nach dem xABCDE-Schema regelmäßig wiederholen. Auf zunehmende abdominelle Schmerzen, Distension, Abwehrspannung, äußere Blutungen, Tachykardie, Hypotonie, Vigilanzminderung oder andere Schockzeichen achten
Wärmeerhalt: Auskühlung konsequent vermeiden und möglichst eine normale Körpertemperatur erhalten → Hypothermie kann eine traumabedingte Koagulopathie und bestehende Blutungen verstärken
Transportorganisation: Zielklinik frühzeitig voranmelden und relevante Veränderungen während des Transports mitteilen. Nicht unmittelbar erforderliche Maßnahmen dürfen den Transport und die definitive Blutungskontrolle nicht verzögern
Übergabe in der Klinik
Strukturierte Übergabe nach einem standardisierten Schema, etwa SINNHAFT oder ISOBAR
Relevante Informationen:
Zeitpunkt und Mechanismus des Traumas: Stumpfe, penetrierende oder perforierende Gewalteinwirkung, etwa Verkehrsunfall, Lenkeraufprall, Sturz, Quetschung, Stich-, Schuss- oder Explosionsverletzung
Initiale und aktuelle Vitalparameter: Atemfrequenz, SpO₂, Herzfrequenz, Blutdruck, Vigilanz und GCS, Körpertemperatur und gegebenenfalls etCO₂ einschließlich des zeitlichen Verlaufs
Abdominelle Befunde: Schmerzlokalisation, Druckschmerz, Abwehrspannung oder Rigidität, Distension, Prellmarken, Seat-Belt-Sign, offene Wunden, Eviszeration oder eingedrungene Fremdkörper
Sonografische Befunde: Ergebnis und Zeitpunkt des eFAST einschließlich Lokalisation nachgewiesener freier Flüssigkeit sowie gegebenenfalls durchgeführter Verlaufskontrollen
Weitere Befunde: Flankenschmerzen, Flankenhämatom, Hämaturie, fehlende Miktion sowie Hinweise auf eine begleitende Beckenverletzung
Verdachtsdiagnosen: Intraabdominelle oder retroperitoneale Blutung sowie mögliche Verletzungen von Leber, Milz, Nieren, Pankreas, Magen, Darm, Mesenterium, Harnblase oder großen Gefäßen
Begleitverletzungen: Thorax-, Becken-, Wirbelsäulen- oder Schädel-Hirn-Trauma sowie neurologischer Befund
Vorerkrankungen und Medikation: Insbesondere Gerinnungsstörungen, Leber- oder Nierenerkrankungen, Antikoagulation und Thrombozytenaggregationshemmung sowie eine bestehende oder mögliche Schwangerschaft
Durchgeführte Maßnahmen: Sauerstoffgabe, Atemwegssicherung, Beatmung, Analgesie, Gefäßzugänge, Volumen- und Katecholamingabe, Tranexamsäure, Blutprodukte sowie äußere Blutstillungsmaßnahmen einschließlich Wound Packing
Therapieverlauf: Wirkung der Maßnahmen, Kreislaufreaktion, verabreichte Mengen und Dosierungen sowie erneute oder zunehmende Blutungen dokumentieren
Hochrisikopatient:innen: Bei hämodynamischer Instabilität, positiver eFAST-Untersuchung, ausgeprägtem Peritonismus, penetrierendem oder perforierendem Abdominaltrauma, Eviszeration oder Verdacht auf eine relevante Organ- oder Gefäßverletzung den Schockraum frühzeitig vorinformieren
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Definition
Definition
Abdominaltrauma
Ein Abdominaltrauma bezeichnet alle Verletzungen im Bauchbereich, die durch stumpfe, spitze oder scharfe Gewalteinwirkungen sowie durch Akzelerations-, Dezelerationstraumen (Verletzungen durch starkes Beschleunigen oder Abbremsen) oder Explosionen entstehen können.
Form
Definition
Typische Ursachen
Stumpfes Abdominaltrauma
Verletzung des Bauchraums, bei der weder der Peritoneal- noch der Retroperitonealraum eröffnet wird.
Verkehrs- oder Arbeitsunfälle, Stürze, Sport- und Freizeitunfälle sowie körperliche Gewalteinwirkung
Penetrierendes Abdominaltrauma
Verletzung des Bauchraums mit Eröffnung des Peritoneal- und/oder Retroperitonealraums.
Stich-, Schnitt- oder Schussverletzungen; seltener Explosions- oder Pfählungsverletzungen
Ursachen
Verkehrsunfälle: Auto-, Motorrad- und Fahrradunfälle können zu einem stumpfen Abdominaltrauma führen. Ein typischer Mechanismus ist der direkte Aufprall des Bauches auf eine Fahrradlenkerstange
Stürze: Insbesondere bei Stürzen aus großer Höhe kann es zu einer stumpfen Gewalteinwirkung auf das Abdomen kommen
Sport- und Freizeitunfälle: Auch im Rahmen sportlicher Aktivitäten und anderer Freizeitunfälle können stumpfe Abdominalverletzungen entstehen
Arbeitsunfälle: Quetschungen durch schwere Gegenstände sowie Verletzungen durch spitze Werkzeuge oder Maschinen können ein stumpfes oder penetrierendes Abdominaltrauma verursachen
Körperliche Gewalt: Tritte und Schläge gegen den Bauch können stumpfe, Stich-, Schnitt- oder Schussverletzungen penetrierende Abdominaltraumata hervorrufen
Suizidversuche: Dringt bei einem Suizidversuch ein scharfer Fremdkörper tief in das Abdomen ein, liegt eine penetrierende Verletzung vor
Explosionen: Eine Druckwelle ohne eindringenden Fremdkörper verursacht eine stumpfe Gewalteinwirkung. Dringen dagegen Splitter oder andere Fremdkörper in das Abdomen ein, handelt es sich um eine penetrierende Verletzung
Pathophysiologie
Die Pathophysiologie des Abdominaltraumas wird durch mehrere, teilweise gleichzeitig auftretende Mechanismen bestimmt:
Primäre Gewebeschädigung: Stumpfe oder penetrierende Gewalteinwirkung → Quetschung, Lazeration, Ruptur, Berstung oder Gefäßabriss
Blutung: Verletzung von Parenchymorganen, Gefäßen, Organstielen oder mesenterialen Strukturen → intraabdominelle oder retroperitoneale Blutung
Störung des Kreislaufs: Blutverlust → Hypovolämie, verminderter venöser Rückstrom und Abfall des Herzzeitvolumens → hämorrhagischer Schock
Kontamination der Bauchhöhle: Verletzung von Magen, Duodenum oder Darm → Austritt von Magen-Darm-Inhalt → Entzündungsreaktion, Peritonitis und Sepsisrisiko
Traumainduzierte Koagulopathie: Schock und Gewebehypoxie sowie weitere gerinnungswirksame Faktoren → gestörte Blutstillung und verstärkte Blutungsneigung
Erhöhung des intraabdominellen Drucks: Trauma, Blutungen, massive Volumengabe oder andere Volumenzunahmen → Kompression von Gefäßen und Organen → mögliches abdominelles Kompartmentsyndrom
Systemische Folgen: Anhaltende Blutung, Hypoperfusion, Kontamination, Entzündung und Gerinnungsstörung → fortschreitende Organdysfunktion, Multiorganversagen und möglicherweise Tod
Merke
Zusammenfassung: Die kritischen Probleme bei einem Abdominaltrauma
UnkontrollierteinnereBlutung mit hämorrhagischem Schock
TraumainduzierteKoagulopathie mit verstärkter Blutungsneigung
SystemischeHypoperfusion und Gewebehypoxie mit drohender Organdysfunktion
Klinischer Eindruck
Abdominelle Beschwerden und Untersuchungsbefunde:
Abdominelle Schmerzen: Lokalisierte oder diffuse Bauchschmerzen können auf eine Verletzung der Bauchwand oder intraabdomineller Organe hinweisen
Druckschmerz: Eine lokale oder generalisierte Druckschmerzhaftigkeit kann Ausdruck einer Organverletzung, Blutung oder Peritonealreizung sein
Abwehrspannung und Peritonismus: Eine unwillkürliche Anspannung der Bauchdecke sowie weitere peritoneale Zeichen sprechen für eine Reizung des Peritoneums, beispielsweise durch Blut oder ausgetretenen Hohlorganinhalt
Gespannter oder distendierter Bauch: Eine sicht- oder tastbare Zunahme des Bauchumfangs kann unter anderem bei einer intraabdominellen Blutung oder einer zunehmenden abdominellen Drucksteigerung auftreten, ist jedoch unspezifisch
Äußere Verletzungszeichen:
Prellmarken und Hämatome: Sichtbare Kontusionen der Bauchwand erhöhen den Verdacht auf eine relevante stumpfe Gewalteinwirkung
Seat-Belt-Sign: Ein gurtförmiges Hämatom oder eine entsprechende Prellmarke weist auf einen erheblichen Unfallmechanismus hin und ist mit einem erhöhten Risiko intraabdomineller, insbesondere intestinaler Verletzungen verbunden
Hautabschürfungen und Weichteilschwellungen: Größere Abschürfungen oder fluktuierende Schwellungen können auf eine relevante Verletzung der Bauchwand hinweisen, beweisen jedoch keine intraabdominelle Organverletzung
Penetrierende Verletzungen: Stich-, Schnitt-, Schuss- oder Pfählungsverletzungen sowie sichtbare Defekte der Bauchdecke können mit einer Eröffnung der Bauchhöhle und Verletzungen innerer Organe einhergehen
Herniation oder Eviszeration: Das Hervortreten von Gewebe oder Organanteilen durch einen traumatischen Bauchwanddefekt ist ein eindeutiger Hinweis auf eine schwere Verletzung der Bauchwand
Diagnostik
Inspektion:
Allgemeinzustand und Hautkolorit: Auf Blässe, Kaltschweißigkeit und weitere mögliche Zeichen einer Schocksymptomatik achten
Form und Umfang des Abdomens: Auf eine sichtbare Distension, Asymmetrien und ungewöhnliche Vorwölbungen achten
Äußere Verletzungszeichen: Bauchwand auf Prellmarken, Hämatome und Schürfwunden untersuchen → insbesondere auf ein mögliches Seat-Belt-Sign achten
Penetrierende Verletzungen: Ein- und Austrittswunden sowie Stich-, Schnitt-, Schuss- oder Pfählungsverletzungen systematisch erfassen
Integrität der Bauchdecke: Auf sichtbare Bauchwanddefekte, Herniationen und eine Eviszeration achten
Palpation:
Die Palpation sollte behutsam und systematisch in allen vier Quadranten erfolgen. Begonnen wird in einem schmerzfreien oder möglichst wenig schmerzhaften Bereich. Die schmerzhafteste Region wird zuletzt untersucht. Währenddessen ist auf Schmerzäußerungen, Mimik und eine unwillkürliche Anspannung der Bauchdecke zu achten.
Abdomen allgemein: Alle vier Quadranten auf lokale oder diffuse Druckschmerzen untersuchen
Bauchdeckenspannung: Auf eine lokale oder generalisierte Abwehrspannung sowie eine Rigidität der Bauchdecke als mögliche Hinweise auf eine Peritonealreizung achten
Rechter Oberbauch: Druckschmerz oder Abwehrspannung können auf eine Verletzung der Leber oder angrenzender Strukturen hinweisen
Linker Oberbauch: Druckschmerz oder Abwehrspannung können auf eine Verletzung der Milz oder angrenzender Strukturen hinweisen
Flanken: Druckschmerz, Schwellungen oder tastbare Auffälligkeiten können Hinweise auf eine Nieren- oder Retroperitonealverletzung geben
Unterbauch und suprapubischer Bereich: Druckschmerz, Abwehrspannung oder eine tastbare Vorwölbung können auf eine Verletzung der Harnblase oder anderer Unterbauchstrukturen hinweisen
Bauchwand: Auf tastbare Defekte, Instabilitäten, Schwellungen und vorgewölbtes Gewebe achten
Perkussion:
Die Perkussion des Abdomens spielt in der initialen Diagnostik eines Abdominaltraumas nur eine untergeordnete Rolle. Gründe hierfür sind:
Geringe Aussagekraft bei akuten Traumapatient:innen: Durch Schmerzen, Muskelverspannung oder Abwehrspannung ist eine verwertbare Perkussion oft nicht möglich
Verzögerung dringlicherer Diagnostik: In der Akutversorgung zählt jede Minute. Die Perkussion bringt keine entscheidenden Informationen für die weitere Behandlung
Veränderte Luftverteilung bei Trauma: Darmatonie (Tonusverlust der Darmmuskeln), innere Blutungen oder Perforation können den Perkussionsbefund verfälschen oder maskieren
Auskultation:
Die Auskultation des Abdomens ist bei der initialen Diagnostik eines Abdominaltraumasmöglich, spielt jedoch nur eine untergeordnete Rolle. Sie kann ergänzend eingesetzt werden, soll jedoch die Durchführung wichtiger Maßnahmen nicht verzögern
Keine zuverlässige Aussage über Verletzungsschwere
Verzögerung der Versorgung ohne echten Mehrwert
Peristaltik kann auch bei schwerem Trauma noch normal klingen
Therapie
Merke
Eine effektive präklinische Blutstillung ist bei intraabdominellen Blutungen nicht möglich. Daher ist es umso wichtiger, am Einsatzort ausschließlich unmittelbar lebensrettende Maßnahmen durchzuführen und den Fokus auf einen schnellen Transport zu legen. Hierzu wird das Prinzip der Damage Control Resuscitation (DCR) angewendet:
Durch eine differenzierte und frühzeitige Voranmeldung in der Zielklinik kann die Zeit bis zur chirurgischen Blutstillung entscheidend verkürzt werden.
Definition
Damage Control Resuscitation (DCR)
Damage Control Resuscitation (DCR) ist ein präklinisches und klinisches Behandlungskonzept für schwer verletzte Patient:innen mit massiver Blutung, insbesondere bei Abdominaltrauma. Ziel ist es, durch gezielte Maßnahmen die letale Trias aus Hypothermie, Azidose und Koagulopathie zu verhindern oder zu durchbrechen.
Zentrale Bestandteile sind:
Permissive Hypotonie: begrenzte Volumengabe, um ein kontrolliertes Maß an Blutdruck aufrechtzuerhalten (systolisch ~80 mmHg), ohne neue Blutungen zu provozieren
Frühe Gerinnungsstabilisierung: Gabe von Tranexamsäure, wenn vorhanden zusätzlich Blutprodukte + Fibrinogen
Vermeidung von Hypothermie: Wärmeerhalt
Situation
Wound Packing
Hinweise
Äußerlich blutende Bauchwandverletzung
Nicht grundsätzlich erforderlich
Zunächst manuelle Kompression. Bei fortbestehender Blutung manuelle Kompression oder Kompressionsverband, gegebenenfalls in Kombination mit einem Hämostyptikum
Blutende Stichwunde von mindestens 3 cm Länge bei bereits entferntem Fremdkörper
Indiziert
Direkte Wundtamponade mit Hämostyptikaund anschließende konsequente Druckausübung
Schuss- oder Explosionsverletzung mit aktiver äußerer Blutung
Je nach zugänglicher Wundhöhle möglich
Chitosanhaltigen Verband verwenden. Die Leitlinie fordert hierbei nicht ausdrücklich in jedem Fall ein tiefes Packing
Junktionale Blutung, beispielsweise in Leiste oder Achsel
Indiziert
Grundsätze der äußeren Blutungskontrolle anwenden
Tiefe Bauchwunde mit vermuteter Eröffnung der Bauchhöhle
Tamponade der Wundhöhle kann erwogen werden. Bei definitiver Eröffnung der Bauchhöhle keine zum Erfolg führende Maßnahme
Nicht unkontrolliert über den erreichbaren Wundkanal hinaus in die Bauchhöhle tamponieren
Vermutete intraabdominelle Blutung
Nicht durch Packing kontrollierbar
Prähospitale Zeit minimieren und schnellstmöglich in die nächstgelegene Klinik mit Möglichkeit zur chirurgischen oder interventionellen Blutstillung transportieren
Eviszeration
Kein Packing und keine aktive Reposition von Organen
Mit sterilen, feuchten Tüchern abdecken
Im Abdomen verbliebener Fremdkörper
Nicht empfohlen
Fremdkörper im Wundkanal belassen und fixieren
Besondere Situationen
Definition
REBOA (Resuscitative Endovascular Balloon Occlusion of the Aorta)
Dabei handelt es sich um ein minimalinvasives Verfahren, bei dem ein Ballonkatheter über die Femoralarterie in die Aorta eingebracht und dort aufgeblasen wird, um die distale Perfusion zu unterbrechen und den Blutfluss zu zentralen Organen (Herz, Gehirn) zu erhalten. Gleichzeitig wird so eine temporäre Blutungskontrolle bei nicht-komprimierbaren Blutungen im Abdomen oder Becken ermöglicht.
Transport
Die Wahl des Zielkrankenhauses richtet sich nach Verletzungsschwere und Unfallmechanismus, hämodynamischer Stabilität, klinischen Hinweisen auf eine intraabdominelle Blutung oder Organverletzung sowie möglichen Begleitverletzungen.
Leichte isolierte Abdominalverletzung: Bei stabilen Vitalfunktionen, einem unauffälligen Untersuchungsbefund und fehlenden Hinweisen auf eine relevante intraabdominelle Verletzung Transport in eine Notaufnahme mit Möglichkeit zur sonografischen und radiologischen Diagnostik, chirurgischen Beurteilung und klinischen Überwachung
Relevantes, aber stabilisiertes Abdominaltrauma: Transport in eine geeignete Klinik mit Schockraum, zeitnah verfügbarer CT-Diagnostik, Allgemein- oder Viszeralchirurgie und intensivmedizinischer Behandlungsmöglichkeit
Schweres oder instabiles Abdominaltrauma: Bei hämodynamischer Instabilität, positivem eFAST, Peritonismus oder Verdacht auf eine erhebliche innere Blutung Transport in ein geeignetes Traumazentrum beziehungsweise eine Klinik mit Möglichkeit zur sofortigen operativen oder interventionellen Blutungskontrolle
Penetrierendes oder perforierendes Abdominaltrauma: Schnellstmöglicher Transport in das nächstgelegene geeignete Krankenhaus mit Möglichkeit zur sofortigen operativen oder interventionellen Blutungskontrolle → prähospitale Maßnahmen auf das unmittelbar Erforderliche begrenzen und Transportverzögerungen vermeiden
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