Zusammenfassung

Es aktiviert A1-Rezeptoren, führt zu einer vorübergehenden Hyperpolarisation
Im Rettungsdienst erfolgt die Gabe als rascher i.v.-Bolus mit unmittelbarer Spülung (NaCl-Flush) über einen großlumigen Zugang und unter kontinuierlichem EKG-Monitoring. Aufgrund der extrem kurzen Halbwertszeit (< 10 Sekunden) tritt die Wirkung sofort ein und klingt rasch wieder ab. Typische, meist kurz anhaltende Nebenwirkungen sind Flush, Thoraxdruck, Dyspnoe
Lernkarte
Wirkstoffklasse und Etikett
- Wirkstoffklasse: Antiarrhythmikum
- Handelsnamen: z.B. Adrekar®, Adenoscan® und Krenosin®
Indikation
- Paroxysmaler supraventrikulärer Tachykardien
(insb. AV-Knoten-Reentrytachykardie (AVNRT ) und AVRT )
Kontraindikation
- AV-Block II° / III°
- Sick-Sinus-Syndrom
- Vorhofflimmern oder –flattern mit akzessorischer Leitungsbahn
- QT-Verlängerung
- Asthma bronchiale
/ COPD - Schwerer Hypotonie
- Dekompensierte Herzinsuffizienz
- Instabile Angina
pectoris - Überempfindlichkeit
Dosierung
- Erwachsene:
Initial 6 mg i.v.
- Wenn Tachykardie
nicht beendet → 12 mg i.v. - Wenn Tachykardie
nicht beendet → 18 mg i.v.
Achtung
Verabreichung: Adenosin
rasch i.v. als Bolus (über großlumigen Zugang, möglichst proximal), unmittelbar gefolgt von schneller NaCl-Spülung, da die Halbwertszeit extrem kurz ist (<10 sek) und sonst keine ausreichende Wirkung am Herzen entfaltet wird! - Wenn Tachykardie
Besonderheiten
- Kontinuierliche EKG-Kontrolle, um Asystolie und pathologische Veränderungen (z.B. QT-Verlängerungen, Torsade-de-pointes-Tachykardien) früh zu detektieren
- Gabe unter Reanimationsbereitschaft
- Patient:innen vorwarnen: Adenosingabe kann sich subjektiv als „Schwarzwerden vor Augen“ bemerkbar machen → Aufklärung reduziert Panikreaktionen
Wirkeintritt/-dauer
- Wirkeintritt: sofort
- Wirkdauer: <10 sek
- Metabolisierung: Adenosin
wird im Körper extrem schnell metabolisiert, vor allem durch Desaminierung zu Inosin mittels Adenosin -Desaminase in Erythrozyten - Ausscheidung: primär renale Ausscheidung über den Urin
Wirkung
- Am AV-Knoten
: Aktivierung von A1-Rezeptoren → Verlangsamte Überleitung, kurzzeitige totale AV-Blockierung → Unterbrechung von kreisenden Erregungen und Wiederherstellung des Sinusrhythmus - Gefäße: Aktivierung von A2A-Rezeptoren in der glatten Gefäßmuskulatur → Vasodilatation, v. a. der Koronargefäße
, mit möglichem Blutdruckabfall
Wechselwirkungen
- Wirkung verstärkt bei gleichzeitiger Gabe von:
- Dipyridamol → Hemmung der Adenosin
-Wiederaufnahme → Verstärkte und verlängerte AV-Blockade, ausgeprägte Bradykardie /Asystolie möglich
- Dipyridamol → Hemmung der Adenosin
- Wirkung abgeschwächt bei gleichzeitiger Gabe von:
- Methylxanthinen (z. B. Theophyllin, Koffein) → Kompetitive Adenosinrezeptor-Antagonisten → Verminderte oder aufgehobene Wirkung
Nebenwirkungen
- Bradykardie
, Asystolie und AV-Block - Brustschmerzen (AP-Beschwerden) und Hypotonie
- Kopfschmerzen
und Schwindel - Atemnot (Dyspnoe
) und Bronchospasmus - Übelkeit und Erbrechen
- Sehstörungen und Benommenheit
- Flush
Lagerung
- Temperatur: Nicht über 25 °C lagern → Adenosin fällt bei Kühlung aus
- Lichtschutz: Ampullen vor Licht schützen, im Umkarton aufbewahren
Weiterführende Artikel
Pharmakologie des Herz-Kreislauf-Systems (RD) Antiarrhythmika
Quellen
- Aktories K, Förstermann U, Hofmann FB, Flockerzi V (Hrsg.): Allgemeine und spezielle Pharmakologie und Toxikologie. Urban & Fischer Verlag/Elsevier GmbH, 13. Auflage, 2022. ISBN: 978-3-437-42622-3
- Wanka V, Weiß S: Medikamente im Rettungsdienst. Georg Thieme Verlag, 2. Auflage, 2019. ISBN: 978-3-13-242824-9

