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Aminosäureabbau

EP
6 Minuten Lesezeit

1. Bedeutung des Proteinabbaus

  • Physiologischer Prozess zur Verdauung von Nahrungsproteinen und zum Abbau zelleigener Proteine
  • Findet sowohl außerhalb als auch innerhalb der Zelle statt

2. Lokalisation des Proteinabbaus

  • Proteasomen – Abbau zelleigener Proteine
    • ATP-abhängige Proteinkomplexe im Zytosol (bestehend aus 3 Untereinheiten)
    • Bauen überwiegend fehlgefaltete oder nicht mehr benötigte Proteine ab
    • Spalten Peptidbindungen bevorzugt an sauren, basischen oder hydrophoben Aminosäuren
    • Proteine müssen vor dem Abbau im Proteasom mit einer Polyubiquitin-Kette markiert werden, die als Signal für den Abbau dient
  • Lysosomen – Abbau fremder Proteine
    • Membranumhüllte Zellorganellen
    • Verdauen fremde Proteine, die durch Endozytose aufgenommen wurden
    • Endozytose-Vesikel verschmelzen mit dem Lysosom, wo die Proteine enzymatisch mit sauren Hydrolasen zerlegt werden (Spaltung von Peptidbindungen)

3. Enzyme des Proteinabbaus – Proteasen

  • Allgemeine Eigenschaften
    • Enzyme, die Peptidbindungen spalten
    • Funktion nicht nur im Abbau, sondern auch in der Regulation der Proteinaktivität durch limitierte Proteolyse
  • Unterscheidung der Proteasen
  • Nach der reaktiven Gruppe im aktiven Zentrum:
    • Serin-, Cystein-, Aspartat- und Metalloproteasen
  • Nach dem Angriffspunkt in der Peptidkette:
    • Endoproteasen (Endopeptidasen): Spalten Peptidbindungen innerhalb einer Proteinkette
    • Exoproteasen (Exopeptidasen): Spalten Proteine am N- oder C-terminalen Ende
      • Aminopeptidasen → Spalten am N-Terminus
      • Carboxypeptidasen → Spalten am C-Terminus

4. Diaden und Triaden in Proteasen

  • Proteasen enthalten oft zwei oder drei zentrale Aminosäuren im aktiven Zentrum (Diaden/Triaden)
  • Beispiele:
    • Serinproteasen (z. B. Chymotrypsin) → katalytische Triade (zentrale Rolle der Hydroxygruppe von Serin)
    • Histidin- und Aspartat-abhängige Proteasen → Wasserstoffbrückenbindung für die Spaltung wichtig

Nach der Proteolyse werden die freigesetzten Aminosäuren weiter abgebaut.
Die drei wichtigsten Reaktionen dabei sind:

  1. Transaminierung
  2. Desaminierung
  3. Decarboxylierung

Transaminierung – Übertragung von Aminogruppen:

  • Katalysiert durch Transaminasen (Aminotransferasen)
  • Prosthetische GruppePyridoxalphosphat (PALP), abgeleitet von Vitamin B6 (Pyridoxin)
  • Mechanismus:
    • Transaminasen übertragen die Aminogruppe (-NH2) einer Aminosäure auf eine α-Ketosäure, wobei die Aminogruppe vorübergehend kovalent an Pyridoxalphosphat (PALP) gebunden wird
    • Schiff-Base (Zwischenstufe) entsteht zwischen PALP und Aminosäure, wodurch die Aminosäure destabilisiert wird
    • Folge der Destabilisierung:
      • Die ursprüngliche Aminosäure wird in eine α-Ketosäure umgewandelt und freigesetzt
      • Pyridoxaminphosphat (PMP) bleibt als Zwischenprodukt zurück
      • PMP überträgt die Aminogruppe auf eine andere α-Ketosäure, sodass eine neue Aminosäure entsteht
Transaminierung – Übertragung von Aminogruppen
  • Spezifität:
    • Manche Transaminasen sind spezifisch für eine bestimmte Aminosäure, andere können mit mehreren Aminosäuren reagieren

Wichtige Transaminasen und ihre Reaktionen

  • Alanintransaminase (ALT)
    • Vorkommen: Vor allem in Hepatozyten (Leberzellen)
    • Funktion: Überträgt die Aminogruppe von Alanin auf α-Ketoglutarat
  • Alanin + α-Ketoglutarat ⇌ Pyruvat + Glutamat
Alanintransaminase (ALT)
  • Aspartattransaminase (AST)
    • Vorkommen: In Leber-, Herz- und Skelettmuskelzellen
    • Funktion: Überträgt die Aminogruppe von Aspartat auf α-Ketoglutarat
    • Aspartat + α-Ketoglutarat ⇌ Oxalacetat + Glutamat
Aspartattransaminase (AST)

Desaminierung:

  • Allgemeine Desaminierung
    • Entfernt die Aminogruppe (-NH₂) einer Aminosäure in Form von Ammoniumionen (NH₄⁺)
    • Notwendig, um das Kohlenstoffgerüst der Aminosäuren in andere Stoffwechselwege einzuschleusen
    • Freier Ammoniak ist toxisch und muss über den Harnstoffzyklus entgiftet werden
  • Oxidative Desaminierung
    • Speziell für Glutamat (wichtigste Aminosäure für diesen Prozess)
    • Reversible Abspaltung der Aminogruppe von Glutamat unter Bildung von NH₄⁺ nach Oxidation
  • Reaktionsschritte:
    • Oxidation von Glutamat
      • Glutamat + NAD⁺ → α-Iminoglutarat + NADH + H⁺
      • Glutamat wird oxidiert, NAD⁺ wird reduziert
      • Es entsteht eine Schiff-Base als Zwischenprodukt (α-Iminoglutarat)
    • Hydrolyse der Iminosäure
      • α-Iminoglutarat + H₂O → α-Ketoglutarat + NH₄⁺
      • Die Iminogruppe wird hydrolysiert, Ammoniumionen (NH₄⁺) werden freigesetzt
      • Der Ammoniak muss über den Harnstoffzyklus entgiftet werden
    • Enzym: Glutamat-Dehydrogenase
      • Lokalisation: Mitochondrien
      • Katalysiert sowohl die oxidative Desaminierung als auch die reversible Rückreaktion (reduktive Aminierung)
      • Coenzyme: NAD⁺ oder NADP⁺
      • Liefert α-Ketoglutarat, ein zentrales Zwischenprodukt im Aminosäurestoffwechsel

Oxidative Desaminierung von Glutamat:

Oxidative Desaminierung von Glutamat
  • Hydrolytische Desaminierung
    • Spaltet den Amidstickstoff (-CONH₂) hydrolytisch aus der Carbonsäureamidbindung ab
    • Glutamin → Glutamat + NH₄⁺
      • Enzym: Glutaminase
      • Irreversible Reaktion
      • Die umgekehrte Reaktion (Glutamin-Synthese) wird von der Glutaminsynthetase katalysiert
    • Asparagin → Aspartat + NH₄⁺
      • Enzym: Asparaginase
      • Spaltet die Carbonsäureamidbindung in der Seitenkette von Asparagin
Hydrolytische Desaminierung
  • Eliminierende Desaminierung
    • Betroffen sind Serin, Threonin und Cystein, da sie eine OH- oder SH-Gruppe am β-C-Atom besitzen
    • Mechanismus:
      1. β-Eliminierung:
        • Hydroxyl- (OH) oder Thiolgruppe (SH) wird eliminiert (H₂O oder H₂S freigesetzt)
      2. Entstehung eines ungesättigten Zwischenprodukts
      3. Spontane Umlagerung in ein Imin
      4. Hydrolytische Spaltung des Imins → Bildung einer α-Ketosäure und NH₄⁺
    • Coenzym: Pyridoxalphosphat (PALP)
    • Wichtig für den Abbau dieser Aminosäuren im Stoffwechsel

Eliminierende Desaminierung von Serin:

Eliminierende Desaminierung von Serin:

Decarboxylierung von Aminosäuren:

Grundprinzip:

  • Alternativer erster Schritt beim Aminosäureabbau (statt Transaminierung oder Desaminierung)
  • Führt zur Bildung von biogenen Aminen durch Abspaltung der Carboxygruppe 
    (-COO⁻) als CO₂
  • Enzym: Aminosäuredecarboxylasen
    • Enthalten Pyridoxalphosphat (PALP) als prosthetische Gruppe (wie Transaminasen)
    • PALP stammt aus Vitamin B6 (Pyridoxin)

Mechanismus:

  1. PALP bildet eine Schiff-Base (Aldimin) mit der Aminosäure
  2. Carboxygruppe (-COO⁻) wird abgespalten → Freisetzung von CO₂
  3. Das entstehende biogene Amin wird hydrolytisch von PALP gelöst

Bedeutung:

  • Vorstufen für Synthesen:
    • Ausgangsstoffe für die Herstellung von Alkaloiden und Hormonen (z.B. Histidin aus Histamin)
    • Bausteine für Coenzyme (z.B. ß-Alanin aus Asparaginsäure), Vitamine (z.B. und Phospholipide (z.B. Ethanolamin aus Serin)
  • Direkte physiologische Funktion:
    • Einige biogene Amine wirken direkt im Körper, z. B. als Neurotransmitter (z. B. Dopamin aus DOPA, GABA aus Glutamat, GABA aus Glutaminsäure)
Decarboxylierung von Aminosäuren

Übersicht:

  • Stickstoffausscheidung:
    • Der beim Abbau von Aminosäuren freigesetzte Stickstoff wird im Harnstoffzyklus zu Harnstoffumgewandelt und mit dem Urin ausgeschieden
    • Dieser Prozess verbraucht viel ATP, aber der Körper gewinnt dennoch aus dem Abbau der Aminosäuren Energie
  • Energiegewinn:
    • Das verbleibende Kohlenstoffgerüst wird in den Energiestoffwechsel eingeschleust
    • Etwa 10 % der Energie des menschlichen Stoffwechsels stammen aus dem Aminosäureabbau

Einteilung der Aminosäuren nach ihrem Abbauweg:

  1. Glucogene Aminosäuren (glucoplastisch)
    • Können zu Glucose umgewandelt werden
    • Abbauprodukte:
      • Pyruvat oder Zwischenprodukte des Citratzyklus
    • Weiterverarbeitung:
      • Oxidation zu CO₂ und H₂O (direkter Energiegewinn)
      • Gluconeogenese über Oxalacetat
  2. Ketogene Aminosäuren (ketoplastisch)
    • Werden zu Acetyl-CoA abgebaut
    • Nutzungsmöglichkeiten:
      • Oxidation im Citratzyklus (Energiegewinn)
      • Synthese von Ketonkörpern (Acetacetat, 3-Hydroxybutyrat, Aceton)
      • Synthese von Fettsäuren und Cholesterin
    • Nur Lysin & Leucin sind rein ketogen
  3. Gemischt gluco- und ketogene Aminosäuren
    • Liefern sowohl Citratzyklus-Zwischenprodukte als auch Acetyl-CoA
    • Dazu gehören:
      • Phenylalanin, Tyrosin, Tryptophan (aromatische Aminosäuren)
      • Isoleucin und Threonin (verzweigtkettige Aminosäuren)

Übersicht über den Aminosäureabbau:

Übersicht über den Aminosäureabbau

1. Homocystinurie

  • Ursache: Defekt der Cystathionin-β-Synthase
  • Folge:
    • Erhöhter Homocysteinspiegel
    • 2 Moleküle Homocystein bilden Disulfid Homocystin
    • Anreicherung von Homocystein → Homocystinurie
    • Neurologische Schäden
    • Cystein wird zu einer essenziellen Aminosäure und muss aufgenommen werden

2. Ahornsirup-Krankheit

  • Ursache: Defekt der BCKAD (Verzweigtkettige-α-Ketosäure-Dehydrogenase)
  • Folge:
    • Schwerer Defekt im Abbau von Valin, Leucin & Isoleucin
    • Urin riecht nach Ahornsirup
    • Schwere neurologische Schäden → unbehandelt tödlich
    • Nur minimale Zufuhr von Valin, Leucin & Isoleucin erlaubt

3. Phenylketonurie (PKU)

  • Ursache:
    • Defekt der Phenylalaninhydroxylase
    • Umwandlung von Phenylalanin in Tyrosin blockiert
  • Folgen:
    • Akkumulation von Phenylalanin im Blut (bis zu 30 mg/dl, normal: 1–2 mg/dl)
    • Überschreitung der Rückresorptionskapazität der Nieren → erhöhte Ausscheidung von Phenylalanin im Urin
    • Alternative Abbauwege werden genutzt → Bildung von:
      • Phenylessigsäure (Phenylacetat)
      • Phenylmilchsäure (Phenyllactat)
      • Phenylbrenztraubensäure (Namensgeber der Erkrankung)
    • Diese Stoffwechselwege spielen unter normalen Bedingungen nur eine geringe Rolle, werden aber bei PKU verstärkt genutzt
Zuletzt aktualisiert am 21.09.2025
Chemische Eigenschaften von Aminosäuren
Stoffwechselprodukte der Aminosäuren
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