Physiologischer Prozess zur Verdauung von Nahrungsproteinen und zum Abbau zelleigener Proteine
Findet sowohl außerhalb als auch innerhalb der Zelle statt
2. Lokalisation des Proteinabbaus
Proteasomen – Abbau zelleigener Proteine
ATP-abhängige Proteinkomplexe im Zytosol (bestehend aus 3 Untereinheiten)
Bauen überwiegend fehlgefaltete oder nicht mehr benötigte Proteine ab
Spalten Peptidbindungen bevorzugt an sauren, basischen oder hydrophoben Aminosäuren
Proteine müssen vor dem Abbau im Proteasom mit einer Polyubiquitin-Kette markiert werden, die als Signal für den Abbau dient
Lysosomen – Abbau fremder Proteine
Membranumhüllte Zellorganellen
Verdauen fremde Proteine, die durch Endozytose aufgenommen wurden
Endozytose-Vesikel verschmelzen mit dem Lysosom, wo die Proteine enzymatisch mit sauren Hydrolasen zerlegt werden (Spaltung von Peptidbindungen)
3. Enzyme des Proteinabbaus – Proteasen
Allgemeine Eigenschaften
Enzyme, die Peptidbindungen spalten
Funktion nicht nur im Abbau, sondern auch in der Regulation der Proteinaktivität durch limitierte Proteolyse
Unterscheidung der Proteasen
Nach der reaktiven Gruppe im aktiven Zentrum:
Serin-, Cystein-, Aspartat- und Metalloproteasen
Nach dem Angriffspunkt in der Peptidkette:
Endoproteasen (Endopeptidasen): Spalten Peptidbindungen innerhalb einer Proteinkette
Exoproteasen (Exopeptidasen): Spalten Proteine am N- oder C-terminalen Ende
Aminopeptidasen → Spalten am N-Terminus
Carboxypeptidasen → Spalten am C-Terminus
4. Diaden und Triaden in Proteasen
Proteasen enthalten oft zwei oder drei zentrale Aminosäuren im aktiven Zentrum (Diaden/Triaden)
Beispiele:
Serinproteasen (z. B. Chymotrypsin) → katalytische Triade (zentrale Rolle der Hydroxygruppe von Serin)
Histidin- und Aspartat-abhängige Proteasen → Wasserstoffbrückenbindung für die Spaltung wichtig
Nach der Proteolyse werden die freigesetzten Aminosäuren weiter abgebaut. Die drei wichtigsten Reaktionen dabei sind:
Transaminierung
Desaminierung
Decarboxylierung
Transaminierung – Übertragung von Aminogruppen:
Katalysiert durch Transaminasen (Aminotransferasen)
Prosthetische Gruppe: Pyridoxalphosphat (PALP), abgeleitet von Vitamin B6 (Pyridoxin)
Mechanismus:
Transaminasen übertragen die Aminogruppe (-NH2) einer Aminosäure auf eine α-Ketosäure, wobei die Aminogruppe vorübergehend kovalent an Pyridoxalphosphat (PALP) gebunden wird
Schiff-Base (Zwischenstufe) entsteht zwischen PALP und Aminosäure, wodurch die Aminosäure destabilisiert wird
Folge der Destabilisierung:
Die ursprüngliche Aminosäure wird in eine α-Ketosäure umgewandelt und freigesetzt
Pyridoxaminphosphat (PMP) bleibt als Zwischenprodukt zurück
PMP überträgt die Aminogruppe auf eine andere α-Ketosäure, sodass eine neue Aminosäure entsteht
Spezifität:
Manche Transaminasen sind spezifisch für eine bestimmte Aminosäure, andere können mit mehreren Aminosäuren reagieren
Wichtige Transaminasen und ihre Reaktionen
Alanintransaminase (ALT)
Vorkommen: Vor allem in Hepatozyten (Leberzellen)
Funktion: Überträgt die Aminogruppe von Alanin auf α-Ketoglutarat
Alanin + α-Ketoglutarat ⇌ Pyruvat + Glutamat
Aspartattransaminase (AST)
Vorkommen: In Leber-, Herz- und Skelettmuskelzellen
Funktion: Überträgt die Aminogruppe von Aspartat auf α-Ketoglutarat
Aspartat + α-Ketoglutarat ⇌ Oxalacetat + Glutamat
Desaminierung:
Allgemeine Desaminierung
Entfernt die Aminogruppe (-NH₂) einer Aminosäure in Form von Ammoniumionen (NH₄⁺)
Notwendig, um das Kohlenstoffgerüst der Aminosäuren in andere Stoffwechselwege einzuschleusen
Freier Ammoniak ist toxisch und muss über den Harnstoffzyklus entgiftet werden
Oxidative Desaminierung
Speziell für Glutamat (wichtigste Aminosäure für diesen Prozess)
Reversible Abspaltung der Aminogruppe von Glutamat unter Bildung von NH₄⁺ nach Oxidation
Reaktionsschritte:
Oxidation von Glutamat
Glutamat + NAD⁺ → α-Iminoglutarat + NADH + H⁺
Glutamat wird oxidiert, NAD⁺ wird reduziert
Es entsteht eine Schiff-Base als Zwischenprodukt (α-Iminoglutarat)
Hydrolyse der Iminosäure
α-Iminoglutarat + H₂O → α-Ketoglutarat + NH₄⁺
Die Iminogruppe wird hydrolysiert, Ammoniumionen (NH₄⁺) werden freigesetzt
Der Ammoniak muss über den Harnstoffzyklus entgiftet werden
Enzym: Glutamat-Dehydrogenase
Lokalisation: Mitochondrien
Katalysiert sowohl die oxidative Desaminierung als auch die reversible Rückreaktion (reduktive Aminierung)
Coenzyme: NAD⁺ oder NADP⁺
Liefert α-Ketoglutarat, ein zentrales Zwischenprodukt im Aminosäurestoffwechsel
Oxidative Desaminierung von Glutamat:
Hydrolytische Desaminierung
Spaltet den Amidstickstoff (-CONH₂) hydrolytisch aus der Carbonsäureamidbindung ab
Glutamin → Glutamat + NH₄⁺
Enzym: Glutaminase
Irreversible Reaktion
Die umgekehrte Reaktion (Glutamin-Synthese) wird von der Glutaminsynthetase katalysiert
Asparagin → Aspartat + NH₄⁺
Enzym: Asparaginase
Spaltet die Carbonsäureamidbindung in der Seitenkette von Asparagin
Eliminierende Desaminierung
Betroffen sind Serin, Threonin und Cystein, da sie eine OH- oder SH-Gruppe am β-C-Atom besitzen
Mechanismus:
β-Eliminierung:
Hydroxyl- (OH) oder Thiolgruppe (SH) wird eliminiert (H₂O oder H₂S freigesetzt)
Entstehung eines ungesättigten Zwischenprodukts
Spontane Umlagerung in ein Imin
Hydrolytische Spaltung des Imins → Bildung einer α-Ketosäure und NH₄⁺
Coenzym: Pyridoxalphosphat (PALP)
Wichtig für den Abbau dieser Aminosäuren im Stoffwechsel
Eliminierende Desaminierung von Serin:
Decarboxylierung von Aminosäuren:
Grundprinzip:
Alternativer erster Schritt beim Aminosäureabbau (statt Transaminierung oder Desaminierung)
Führt zur Bildung von biogenen Aminen durch Abspaltung der Carboxygruppe (-COO⁻) als CO₂
Enzym:Aminosäuredecarboxylasen
Enthalten Pyridoxalphosphat (PALP) als prosthetische Gruppe (wie Transaminasen)
PALP stammt aus Vitamin B6 (Pyridoxin)
Mechanismus:
PALP bildet eine Schiff-Base (Aldimin) mit der Aminosäure
Carboxygruppe (-COO⁻) wird abgespalten → Freisetzung von CO₂
Das entstehende biogene Amin wird hydrolytisch von PALP gelöst
Bedeutung:
Vorstufen für Synthesen:
Ausgangsstoffe für die Herstellung von Alkaloiden und Hormonen (z.B. Histidin aus Histamin)
Bausteine für Coenzyme (z.B. ß-Alanin aus Asparaginsäure), Vitamine (z.B. und Phospholipide (z.B. Ethanolamin aus Serin)
Direkte physiologische Funktion:
Einige biogene Amine wirken direkt im Körper, z. B. als Neurotransmitter (z. B. Dopamin aus DOPA, GABA aus Glutamat, GABA aus Glutaminsäure)
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Übersicht:
Stickstoffausscheidung:
Der beim Abbau von Aminosäuren freigesetzte Stickstoff wird im Harnstoffzyklus zu Harnstoffumgewandelt und mit dem Urin ausgeschieden
Dieser Prozess verbraucht viel ATP, aber der Körper gewinnt dennoch aus dem Abbau der Aminosäuren Energie
Energiegewinn:
Das verbleibende Kohlenstoffgerüst wird in den Energiestoffwechsel eingeschleust
Etwa 10 % der Energie des menschlichen Stoffwechsels stammen aus dem Aminosäureabbau
Einteilung der Aminosäuren nach ihrem Abbauweg:
Glucogene Aminosäuren (glucoplastisch)
Können zu Glucose umgewandelt werden
Abbauprodukte:
Pyruvat oder Zwischenprodukte des Citratzyklus
Weiterverarbeitung:
Oxidation zu CO₂ und H₂O (direkter Energiegewinn)
Gluconeogenese über Oxalacetat
Ketogene Aminosäuren (ketoplastisch)
Werden zu Acetyl-CoA abgebaut
Nutzungsmöglichkeiten:
Oxidation im Citratzyklus (Energiegewinn)
Synthese von Ketonkörpern (Acetacetat, 3-Hydroxybutyrat, Aceton)
Synthese von Fettsäuren und Cholesterin
Nur Lysin & Leucin sind rein ketogen
Gemischt gluco- und ketogene Aminosäuren
Liefern sowohl Citratzyklus-Zwischenprodukte als auch Acetyl-CoA
Isoleucin und Threonin (verzweigtkettige Aminosäuren)
Übersicht über den Aminosäureabbau:
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1. Homocystinurie
Ursache: Defekt der Cystathionin-β-Synthase
Folge:
Erhöhter Homocysteinspiegel
2 Moleküle Homocystein bilden Disulfid Homocystin
Anreicherung von Homocystein → Homocystinurie
Neurologische Schäden
Cystein wird zu einer essenziellen Aminosäure und muss aufgenommen werden
2. Ahornsirup-Krankheit
Ursache: Defekt der BCKAD (Verzweigtkettige-α-Ketosäure-Dehydrogenase)
Folge:
Schwerer Defekt im Abbau von Valin, Leucin & Isoleucin
Nur minimale Zufuhr von Valin, Leucin & Isoleucin erlaubt
3. Phenylketonurie (PKU)
Ursache:
Defekt der Phenylalaninhydroxylase
Umwandlung von Phenylalanin in Tyrosin blockiert
Folgen:
Akkumulation von Phenylalanin im Blut (bis zu 30 mg/dl, normal: 1–2 mg/dl)
Überschreitung der Rückresorptionskapazität der Nieren → erhöhte Ausscheidung von Phenylalanin im Urin
Alternative Abbauwege werden genutzt → Bildung von:
Phenylessigsäure (Phenylacetat)
Phenylmilchsäure (Phenyllactat)
Phenylbrenztraubensäure (Namensgeber der Erkrankung)
Diese Stoffwechselwege spielen unter normalen Bedingungen nur eine geringe Rolle, werden aber bei PKU verstärkt genutzt
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Zuletzt aktualisiert am 21.09.2025
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