Zusammenfassung

Amiodaron ist ein Antiarrhythmikum der Klasse III, das vor allem Kaliumkanäle blockiert und dadurch die Repolarisation
Im Rettungsdienst wird Amiodaron vor allem bei persistierendem Kammerflimmern oder pulsloser ventrikulärer Tachykardie im Rahmen der Reanimation sowie bei symptomatischen ventrikulären Tachykardien eingesetzt. Die Gabe erfolgt i.v. unter kontinuierlichem Monitoring. Wichtige Nebenwirkungen sind Hypotonie, Bradykardie
Lernkarte

Wirkstoffklasse und Etikett
- Wirkstoffklasse: Klasse-III-Antiarrhythmika
, Kaliumkanalblocker - Handelsnamen: z.B. Cordarex®, Cordarone®
Indikationen
- Reanimation
bei persistierendem Kammerflimmern oder pulsloser ventrikulärer Tachykardie (pVT ) - Symptomatische ventrikuläre Tachykardie
Kontraindikationen
- Im Rahmen der Reanimation
keine Kontraindikationen! - Bradykardie
- Jodallergie
- Hypokaliämie
- Schwangerschaft/Stillzeit
- QT-Verlängerung
- Kardiomyopathie
- Gleichzeitige Gabe von MAO-Hemmern
- Schilddrüsenerkrankungen
Dosierung
- Reanimation
Erwachsene (ALS): - Kammerflimmern
/pVT : 300 mg i.v. (Bolus) nach der 3. Defibrillation ,
Wiederholung mit 150 mg i.v. (Bolus) nach der 5. Defibrillationmöglich
- Kammerflimmern
- Reanimation
Kinder (PALS ): - 5 mg/kgKG i.v. nach der 3. Defibrillation
(maximal 300 mg) - 5 mg/kgKG i.v. nach der 5. Defibrillation
(maximal 150 mg)
- 5 mg/kgKG i.v. nach der 3. Defibrillation
- Symptomatische ventrikuläre Tachykardie
(Erwachsene) - 300 mg i.v. als Kurzinfusion über 20 min (in 5%-iger Glukoselösung)
Besonderheiten
- Außerhalb der Reanimation
: langsame i.v.-Gabe in einer 5%-igen Glukoselösung! - Kontinuierliche EKG-Kontrolle, um pathologische Veränderungen (z.B. QT-Verlängerungen, Torsade-de-pointes-Tachykardien) früh zu detektieren
- Vormedikation beachten!
AchtungAmiodaron wirkt als CYP3A4
-Inhibitor. Eine Kombination mit einem Statin, welches über CYP3A4 verstoffwechselt wird, kann zur Rhabdomyolyse führen!
Wirkeintritt/-dauer
- Wirkeintritt: 2–5 min (Wirkmaximum nach 15 min)
- Wirkdauer: ca. 4 Std (Reichert sich im Fettgewebe an und verbleibt mehrere Wochen im Körper)
- Metabolisierung: Hauptsächlich über die Leber
durch Cytochrom-P450 -Enzyme (insbesondere CYP3A4 und CYP2C8) - Ausscheidung: Primär biliär (über die Galle
in den Stuhl)
Wirkung
- Klasse-III-Wirkung: Amiodaron blockiert insbesondere repolarisierende Kalium
-Kanäle am Herzen - Hierdurch kommt es zu einer Verbreiterung des Aktionspotenzials
und zu einer Verlängerung der Refraktärzeit → Unterbrechung von Reentry-Kreisläufen - Weitere Effekte von Amiodaron:
- Klasse-I-Effekt: Zusätzlich blockiert Amiodaron Natriumkanäle → Verlangsamung der Depolarisation
und Reduktion der intrakardialen Erregungsausbreitung - Klasse-II-Effekt: Nichtkompetitive β-Rezeptorblockade → Dämpfung sympathischer Einflüsse am Myokard
- Klasse-IV-Effekt: Calciumkanalblockade
- Klasse-I-Effekt: Zusätzlich blockiert Amiodaron Natriumkanäle → Verlangsamung der Depolarisation
InfoAntiarrhythmika-Klassen nach Vaughan-Williams:
Klasse Wirkung Beispiel Klasse I Natriumkanal-Blocker Ajmalin (Ia), Lidocain (Ib), Flecainid (Ic) Klasse II Betablocker Metoprolol Klasse III Kaliumkanal-Blocker Amiodaron Klasse IV Calciumkanal-Blocker Verapamil
Wechselwirkungen
- Wirkung verstärkt bei gleichzeitiger Gabe von:
- CYP3A4
-/CYP2C8-Inhibitoren (z. B. Makrolide , Azol-Antimykotika, Proteasehemmer) → Erhöhte Amiodaron-Spiegel → Bradykardie , QT-Verlängerung, AV-Block - Andere QT-verlängernde Substanzen (z. B. Makrolide
, Fluorchinolone , Antipsychotika , trizyklische Antidepressiva ) → Erhöhtes Risiko für Torsade-de-pointes - Elektrolytstörungen (v. a. Hypokaliämie
, Hypomagnesiämie, z. B. unter Diuretika ) → Proarrhythmisches Risiko ↑
- CYP3A4
- Wirkung von Amiodaron abgeschwächt bei gleichzeitiger Gabe von:
- CYP3A4
-Induktoren (z. B. Rifampicin , Carbamazepin, Phenytoin, Johanniskraut ) → Beschleunigter Metabolismus, reduzierte Wirksamkeit
- CYP3A4
Nebenwirkungen
- Nebenwirkungen treten insbesondere bei langdauernder Gabe auf!
- Bradykardie
- Hypotonie
- Hyper- oder Hypothyreose
- Übelkeit
- QT-Verlängerung
- Akute Leberfunktionsstörung (erhöhte Transaminasen)
Lagerung
- Temperatur: Nicht über 25 °C lagern
- Lichtschutz: Ampullen vor Licht schützen, im Umkarton aufbewahren
Weiterführende Artikel
Pharmakologie des Herz-Kreislauf-Systems (RD) Antiarrhythmika
Quellen
- Fachinformation Amiodaron 200 Heumann Tabletten, Stand: 2024
- Leitlinie: Reanimation 2021 – Leitlinien kompakt. German Resuscitation Council (GRC), überarbeitete Version 2022
- S3-Leitlinie Vorhofflimmern, Deutsche Gesellschaft für Kardiologie - Herz- und Kreislaufforschung e.V. (DGK)
- Aktories K, Förstermann U, Hofmann FB, Flockerzi V (Hrsg.): Allgemeine und spezielle Pharmakologie und Toxikologie. Urban & Fischer Verlag/Elsevier GmbH, 13. Auflage, 2022. ISBN: 978-3-437-42622-3
- Wanka V, Weiß S: Medikamente im Rettungsdienst. Georg Thieme Verlag, 2. Auflage, 2019. ISBN: 978-3-13-242824-9
