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Amiodaron

13 Minuten Lesezeit
Amiodaron Ampulle

Amiodaron ist ein Antiarrhythmikum der Klasse III, das vor allem Kaliumkanäle blockiert und dadurch die Repolarisation sowie die effektive Refraktärzeit im Myokard verlängert. Dadurch wirkt Amiodaron stark antiarrhythmisch.

Im Rettungsdienst wird Amiodaron vor allem bei persistierendem Kammerflimmern oder pulsloser ventrikulärer Tachykardie im Rahmen der Reanimation sowie bei symptomatischen ventrikulären Tachykardien eingesetzt. Die Gabe erfolgt i.v. unter kontinuierlichem Monitoring. Wichtige Nebenwirkungen sind Hypotonie, Bradykardie, AV-Blockierungen und QT-Verlängerung mit Risiko für Torsade-de-pointes (selten)

Lernkarte Amiodaron
  • Wirkstoffklasse: Klasse-III-Antiarrhythmika, Kaliumkanalblocker
  • Handelsnamen: z.B. Cordarex®, Cordarone®
Amiodaron
Etikett: Amiodaron
  • Reanimation bei persistierendem Kammerflimmern oder pulsloser ventrikulärer Tachykardie (pVT)
  • Symptomatische ventrikuläre Tachykardie
  • Im Rahmen der Reanimation keine Kontraindikationen!
  • Bradykardie
  • Jodallergie
  • Hypokaliämie
  • Schwangerschaft/Stillzeit
  • QT-Verlängerung
  • Kardiomyopathie
  • Gleichzeitige Gabe von MAO-Hemmern
  • Schilddrüsenerkrankungen
  • Reanimation Erwachsene (ALS): 
    • Kammerflimmern/pVT: 300 mg i.v. (Bolus) nach der 3. Defibrillation
      Wiederholung mit 150 mg i.v. (Bolus) nach der 5. Defibrillation möglich
  • Reanimation Kinder (PALS): 
    • 5 mg/kgKG i.v. nach der 3. Defibrillation (maximal 300 mg)
    • 5 mg/kgKG i.v. nach der 5. Defibrillation (maximal 150 mg)
  • Symptomatische ventrikuläre Tachykardie (Erwachsene)
    • 300 mg i.v. als Kurzinfusion über 20 min (in 5%-iger Glukoselösung)
  • Außerhalb der Reanimation: langsame i.v.-Gabe in einer 5%-igen Glukoselösung!
  • Kontinuierliche EKG-Kontrolle, um pathologische Veränderungen (z.B. QT-Verlängerungen, Torsade-de-pointes-Tachykardien) früh zu detektieren 
  • Vormedikation beachten!
 Achtung

Amiodaron wirkt als CYP3A4-Inhibitor. Eine Kombination mit einem Statin, welches über CYP3A4 verstoffwechselt wird, kann zur Rhabdomyolyse führen!

  • Wirkeintritt: 2–5 min (Wirkmaximum nach 15 min)
  • Wirkdauer: ca. 4 Std (Reichert sich im Fettgewebe an und verbleibt mehrere Wochen im Körper)
  • Metabolisierung: Hauptsächlich über die Leber durch Cytochrom-P450-Enzyme (insbesondere CYP3A4 und CYP2C8)
  • Ausscheidung: Primär biliär (über die Galle in den Stuhl)
  • Klasse-III-Wirkung: Amiodaron blockiert insbesondere repolarisierende Kalium-Kanäle am Herzen
  • Hierdurch kommt es zu einer Verbreiterung des Aktionspotenzials und zu einer Verlängerung der Refraktärzeit → Unterbrechung von Reentry-Kreisläufen
  • Weitere Effekte von Amiodaron:
    • Klasse-I-Effekt: Zusätzlich blockiert Amiodaron Natriumkanäle → Verlangsamung der Depolarisation und Reduktion der intrakardialen Erregungsausbreitung
    • Klasse-II-Effekt: Nichtkompetitive β-Rezeptorblockade → Dämpfung sympathischer Einflüsse am Myokard
    • Klasse-IV-Effekt: Calciumkanalblockade
 Info
Antiarrhythmika-Klassen nach Vaughan-Williams:
KlasseWirkungBeispiel
Klasse INatriumkanal-BlockerAjmalin (Ia), Lidocain (Ib), Flecainid (Ic)
Klasse IIBetablockerMetoprolol
Klasse IIIKaliumkanal-BlockerAmiodaron
Klasse IVCalciumkanal-BlockerVerapamil
Aktionspotential am Arbeitsmyokard
Aktionspotential und Ionenströme an einer Herzmuskelzelle
  • Wirkung verstärkt bei gleichzeitiger Gabe von:
    • CYP3A4-/CYP2C8-Inhibitoren (z. B. Makrolide, Azol-Antimykotika, Proteasehemmer) → Erhöhte Amiodaron-Spiegel → Bradykardie, QT-Verlängerung, AV-Block
    • Andere QT-verlängernde Substanzen (z. B. Makrolide, Fluorchinolone, Antipsychotika, trizyklische Antidepressiva) → Erhöhtes Risiko für Torsade-de-pointes
    • Elektrolytstörungen (v. a. Hypokaliämie, Hypomagnesiämie, z. B. unter Diuretika) → Proarrhythmisches Risiko ↑
  • Wirkung von Amiodaron abgeschwächt bei gleichzeitiger Gabe von:
    • CYP3A4-Induktoren (z. B. Rifampicin, Carbamazepin, Phenytoin, Johanniskraut) → Beschleunigter Metabolismus, reduzierte Wirksamkeit
  • Nebenwirkungen treten insbesondere bei langdauernder Gabe auf!
  • Bradykardie
  • Hypotonie
  • Hyper- oder Hypothyreose
  • Übelkeit
  • QT-Verlängerung
  • Akute Leberfunktionsstörung (erhöhte Transaminasen)
  • Temperatur: Nicht über 25 °C lagern
  • Lichtschutz: Ampullen vor Licht schützen, im Umkarton aufbewahren
  • Pharmakologie des Herz-Kreislauf-Systems (RD)
  • Antiarrhythmika
  • Fachinformation Amiodaron 200 Heumann Tabletten, Stand: 2024
  • Leitlinie: Reanimation 2021 – Leitlinien kompakt. German Resuscitation Council (GRC), überarbeitete Version 2022
  • S3-Leitlinie Vorhofflimmern, Deutsche Gesellschaft für Kardiologie - Herz- und Kreislaufforschung e.V. (DGK)
  • Aktories K, Förstermann U, Hofmann FB, Flockerzi V (Hrsg.): Allgemeine und spezielle Pharmakologie und Toxikologie. Urban & Fischer Verlag/Elsevier GmbH, 13. Auflage, 2022. ISBN: 978-3-437-42622-3
  • Wanka V, Weiß S: Medikamente im Rettungsdienst. Georg Thieme Verlag, 2. Auflage, 2019. ISBN: 978-3-13-242824-9
Zuletzt aktualisiert am 23.02.2026
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